Künstliches Koma

Waren heute wieder in der Klinik und Mama schien nicht mehr so hart sediert zu sein wie gestern. Gestern lag sie da, ganz ruhig – im Tiefschlaf, in der Narkose…Propofol und was anderes noch, weiß nicht mehr genau was. Heute war es oft so, als würde sie aufwachen wollen. Sie bewegte ihre Hände und bäumte sich manchmal leicht auf.

Sie war sehr unruhig. Meine Sis fragte die Arztin ob das normal sei. Sie erklärte das dies normal sei, auch das sie sie Augen öffnen könnte. Aber sie ist halt narkotisiert und würde nicht registrieren das sie uns sieht. Sehr wohl spürt sie aber das wir da sind. Unsere Stimmen und unsere Berührungen usw.

Der Blutdruck ist arg geschwankt. Heute Mittag war der Wert krass niedrig 59/45 oder so und eine halbe Stunde später auf 170/90. Die meiste Zeit aber bewegt sich der Blutdruck zwischen 115/70 bis 140/85 – so im dem Dreh. In der Pflegedokumentation stand auch drin, das sie manchmal sehr unruhig ist.

Ich vermute, es sind schlechte Träume, oder sie kämpft gegen die Narkose weil sie das nicht möchte/Angst hat, vielleicht beides oder was ganz anderes. Vielleicht will sie sich auch einfach nur mal auf die Seite legen…liegt ja auf dem Rücken seit 3 Tagen…

Die Ärztin erklärte auch das sie immer noch in einem sehr kritischen Zustand ist und medikamentöse Unterstützung für das Herzkreislaufsystem bekommt. Deswegen schwankt der Blutdruck so….mh…weiß ja nicht so recht, gestern in der Pflegedoku stand ja drin – Kreislaufschwankung ohne erkennbaren Grund…naja… Sie erklärte weiter das ihre Werte aber tendenziell sich bessern. Sie bekommt eine invasive Beatmung, aber keine vollständige maschinelle Beatmung. Die Sache ist so eingestellt das die Maschine schon eingreift, aber darauf achtet das es von der Mama einen Atemanstoß gibt. Sie sagte, das es so dramatisch nicht wäre mit der Beatmung. Es gäbe ja noch die Möglichkeit der vollständigen maschinellen Beatmung. Das ist aber gefährlich und machen sie nicht weil es den Patienten (wenn möglich) so einfach „besser“ geht wenn sie wenigstens ein bisschen noch selbstständig atmen.

Ich fand das beruhigend, denn ich fragte mich schon wie die Entwöhnung sein wird und ich kenne das ja noch aus der Vergangenheit….nicht so schön…

Insgesamt fand ich das Gespräch beruhigend, obwohl ich mir trotzdem große Sorgen mache und auch Angst habe.

Ansonsten haben wir ihr erzählt was so seit gestern passiert ist. Auch immer wieder sie gestreichelt und beruhigende Worte zu ihr gesagt. Ich habe mit ihr geredet als wäre sie wach. Viel ist halt nicht passiert aber lustige Dinge wie zB. gestern hat der Toaster den Geist aufgegeben. Ließ sich nicht mehr runterdrücken, die Mechanik hin. Meine Sis und ich sind dann zum T€DI gefahren und haben für 10 Euro einen neuen Toaster gekauft. Passt. Dann noch aktuelle Themen und das ja meine Sis morgen wieder volles Ausbildungsprogramm hat, daß sie von Sonntag auf Montag bei mir übernachtet hat und den ganzen Tag noch da war. So waren wir beide nicht alleine jeder für sich. Ihr Mann arbeitet ja und sie wäre auch alleine heute gewesen. Wäre blöd…

Es gab stressbedingt zwar manchmal kleine Reibereihen, aber wir kommen da zum Glück schnell wieder raus.

Kurz bevor wir dann gegangen sind ist Mama wieder ganz ruhig geworden und hat seelenruhig geschlummert.

Irgendwie habe ich ein gutes Gefühl. Das habe ich eigentlich die ganze Zeit, glaube ich zumindest. Eigentlich fühle ich gar nichts. Ich bin traurig und sehr ruhig, habe keinen Hunger. Ich habe aber kein..wie soll ich das sagen…man hat ja manchmal so eine Ahnung das was schlimmes, oder schlechtes passiert. Ich nenne das immer Knallgefühl. Ich habe das manchmal und dann passiert auch was. Aber das habe ich halt nicht. Ich wünsche mir so sehr das Mama nochmal auf die Beine kommt. Das sie diese scheiß Lungenentzündung überwindet und sie nochmal nach Hause kommt.

Ich weiß nicht was ich fühle…Mama ich habe dich so lieb ♥

 

Alltag und inneres…

Von Samstag auf Sonntag war Dagmar bei mir. Am Sonntagmorgen fuhr sie mich zu meinen Eltern. Meinem Pa geht es den Umständen eigentlich ganz gut, meine Mam macht mir grade etwas Sorgen. Sie hat COPD und mit ihrer Luft war es gestern nicht so dolle. Der Tag war aber wie immer lustig und es gab Lasagne. Lecker! Am Nachmittag hat mich meine Sis heimgefahren. Gegen Abend kam Karl vorbei, blieb nicht lange. So war der Abend mir und ich gammelte nur auf der Couch, schaute fern bis ich eingeschlafen war.

Das Wochenende hatte seltsame Züge. Ist es selektive Wahrnehmung, oder ist es doch seltsam… Letzte Woche schrieb ich über das Lied „Die immer lacht“ … dann sah ich Werbung im Tv von „The Dom“ – auch mit diesem Titel. Dann hörte ich es im Radio, dann schrieb hier auf WordPress jemand über das Lied. Sie weinte, als sie die ersten Zeilen hörte – so wie ich. Sie erkannte sich wieder in dem Lied – wie ich. Ich fühle mich gerade verfolgt von dem Titel. Er scheint aber „neu“ zu sein, deswegen hört man es jetzt immer öfter…. Die andere Sache aber, ich höre viel Musik in letzter Zeit. Ich lasse das Radio einfach laufen..ohne Hintergedanken. Seit geraumer Zeit eben. Sie spielen auch David Bowie. Immer nur „China Girl“, oder ein anderes Lied, dessen Titel mir gerade nicht einfällt.

Am Samstagabend, daß Radio lief auch, spielten sie auf einmal „Space Oddity“! Ich bin direkt zusammen gebrochen. Wir sprachen gerade wieder darüber, wie sehr mir mein Engel fehlt und mein Leben so ohne ihn ist..und dann kommt dieser Titel ins Radio…es gibt keine Zufälle…

Gestern morgen bin ich aufgewacht und war direkt in einer Art Melancholie gefangen. Ich kann direkt umschalten, wenn es zB. an der Tür klopft. Aber in meinen Kopf kann niemand hineinsehen…nicht mehr…derjenige, der das konnte, ist nicht mehr bei mir. Ich befinde mich in einer Identitätskrise. Ich stelle mir dauernd die Frage – wer bin ich? Vorher war ich immer „seine“ Frau. Ein eigenständiger Mensch, aber eben – seine – Frau. Wir waren das Zentrum in unserer Herde. Zu uns sind sie alle gekommen. Sie haben es genossen, daß sie alle bei uns so sein konnten, wie sie waren. Ohne Maske..ohne sich zu verstellen… es hat mich Stolz gemacht seine Frau zu sein. Es hat mich stark gemacht, mir Kraft gegeben. So konnte ich mich genauso um alle kümmern, wie er es getan hat. Wir hatten unsere „Gebiete“, aber meist kümmerten wir uns beide – je nach dem mit welcher „Sorge“ unsere Leute zu uns kamen. Wenn sie von uns wieder gegangen waren, waren sie befreit. Hatten wieder einen Blick nach vorne. Konnten ihre Krisen bewältigen. Mein Engel konnte so gut reden…er hat immer die richtigen Worte gefunden und alleine die Art und Weise wie er sprach, wie er etwas „rüber brachte“ war einfach sagenhaft.

Ich muss gerade an Situationen denken, welche unsere Leute immer ausgeflippt haben. Uli zB. hatte einmal eine echte Lebenskrise. Sie kam zu uns um Rat zu erbitten. Wir hörten uns an was sie bedrückte und dann sprachen Schatzi und ich kurz darüber. Aber nicht in einer bekannten Sprache. Wir hatten unsere eigene Sprache, die niemand verstehen konnte… Das ging nur wenige Sätze hin und her, dann wandten wir uns Uli zu und Schatzi hatte die passenden Worte, welche ich nur bestätigen konnte. Geflasht von diesem Eindruck und den Worten bekam sie innerhalb kürzester Zeit ihre Krise in den Griff. Sie erinnert sich heute noch daran und bedankt sich nach wie vor immer wieder, wie wir ihr damals geholfen haben…wie wir wie eine Erleuchtung waren, ein Schutzwall, eine Einheit….wie Engel auf Erden mit dieser unglaublichen Aura…

Heute morgen wollte ich wieder mal nicht aufstehen. Ich war um Punkt 8 Uhr wach, twitterte mein Guten Morgen an meine Lieben. Ich überlegte was heute so anliegt und drehte mich um…ich habe dann bis ca. halb 10 geschlafen, dabei von meinem Engel geträumt. Ein normaler Traum…nichts luzides…aber so schön, so konnte ich ihn sehen..

Ich machte mir einen Tee und überlegte wieder. Ich müsste auf die Bank, auch in die Stadt paar Dinge erledigen. Also aufgerafft und um halb 11 bin ich los. Erst auf die Bank, dann in die Stadt rein. Alles erledigt. Habe auch an den Krim gedacht, mein Engel hat am Freitag Geburtstag….Karfreitag… Gestern Abend rief mich Schwägerin an und wollte fragen, ob wir uns am Freitag treffen könnten. Sie würden mich zum Essen einladen, weil ja mein Schatzi Geburtstag hat. Ich bedankte mich für die Einladung, sagte aber, daß unsere Leute und ich schon was geplant hätten. Wir „feiern“ seinen Geburtstag bei mir, mit allen unseren Leuten – das hätte auch meinem Engel gefallen..so wie es eben immer war.. Sie meinte, alles klar, kein Problem. Sie dachte, ich würde den Tag alleine sein und das wollte sie nicht.. Aber alles gut. Ich sagte, sie könnten aber auch gerne zu mir kommen. Gerne nahm sie die Einladung meinerseits an.

Ich war heute gut gelaunt. Fröhlich und entspannt. Als ich aber nach Hause kam, brach ich in Tränen aus. Ich hielt meine Hände vors Gesicht und sagte mir selbst – nein nicht weinen…aber das half nicht.. Dabei war ich bisher wirklich gut gelaunt heute. Mir ist sogar was passiert..nichts schlimmes, nichts aufregendes…

Ich stand an der Bushaltestelle, bevor ich nach Hause kam, und wartete auf den Bus. Da kam ein Typ zu mir und fragte mich nach Feuer. Ich gab ihm mein Feuerzeug, er machte sich seine Kippe an und gab mir das Feuer wieder und sagte Danke. Ich sagte „Gerne“ wie ich es immer sage. Er ging wieder einige Schritte weg. Es passierte eine lustige Sache und er sprach mich wieder an. Wir scherzten beide über die Situation. Wir standen dann einfach nur da, er recht neben mich. Machte mir nichts aus…Dann sagte er, er hätte keine Lust den Berg hochzulaufen, ich sagte – nö ich auch nicht. Er meinte dann, er wäre arbeitslos, aber den Berg gebe er sich nicht. Ich lachte und sagte – tja, so geht es dem Menschen wie den Leut´.  Ich schaffte meinen schweren Einkauf in meine andere Hand und er meinte, da hast du aber schwer zu tragen. Ich sagte, ja das ist der vorallem der  Krim.. Er schaute und sagte dann, oh Champagner…gibt es was zu feiern? Ich antwortete – ja..mein verstorbener Mann hat am Freitag Geburtstag. Wir haben immer mit Krim angestossen…

Er hielt kurz inne und sprach mir dann sein Beileid aus. Ist aber früh gegangen – meinte er. Ich sagte nur – Ja. Dann kam der Bus. Wir stiegen ein und saßen nebeneinander. Wir redeten kurz über das Wetter. An der gleichen Bushaltestelle sind wir ausgestiegen. Er musste in die entgegengesetzte Richtung wie ich. Ich sagte TSCHÜSS und er meinte – vielleicht treffen wir uns ja mal wieder. Ich sagte – ja warum nicht…(ich habe ihn nie wieder gesehen…)

Es hat mir irgendwie gut getan, daß jemand „fremdes“ Interesse an mir gezeigt hat. Ich bin misstrauisch und ein skeptischer Mensch, aber er war mir tendenziell symphatisch. Mir ist egal, ob jemand arbeitslos ist, oder nicht. Was ein Mensch macht, ist mir egal…mir ist wichtig WER ein Mensch ist. Ich definiere Menschen nicht über ihre Arbeit.. Ich springe nun auch nicht den erst Besten an, der mir über den Weg läuft. Aber warum nicht jemanden kennelernen. Wäre ein Anfang. Und wenn das mein Weg ist, sicherlich sogar. Dann treffe ich mich mal mit ihm und klopfe ihn ab. Ob er überhaupt in mein Rudel passt….wenn nicht, nicht schlimm…es ist aber grundsätzlich ok neue Leute kennenzulernen. Ich habe ihn zumindest nicht abgeschreckt. Er sagte mir „gleich“ er wäre arbeitslos, ich sagte ihm „gleich“ ich bin Witwe….trotzdem „möchte er mich wieder sehen“. Mal schauen was daraus wird. Mein Weg wird es mir zeigen…und wenn nicht, auch nicht schlimm… Ich forciere nichts…ich gehe meinen Weg… Baby, send me an angel..beschütze mich und führe mich…

Nach aussen hin wirke ich souverän, stark, habe alles im Griff. Innerlich bin ich verunsichert und verzweifelt…feeling like jekyll and hyde….

Bis dann

 

 

Wochenstart verschlafen

Von Sonntag auf Montag habe ich auf der Couch geschlafen. Warum? Keine Ahnung…ich wollte ins Bett, aber erst noch einen Film zu Ende schauen. Ich bin eingeschlafen. Aber selbst Nachts, als ich mal aufgewacht war, bin ich nicht ins Bett. Ich wollte auch am Morgen nicht aufstehen. Habe aber gut geschlafen. Erst gegen 10 Uhr bin ich dann hoch. Gegen 8 war ich mal wach, schnell eine Guten Morgen Twitter Nachricht geschrieben, dann weiter geschlafen…

Habe mich ausgeruht gefühlt, aber gefühlsmäßig unten. Leer. Ich machte mir einen Tee und war recht schnell wach und fit. Ich wollte heute – spontan endlich mal – zum Tattoostudio. Ich möchte mir am linken Handgelenk seine Unterschrift nadeln lassen, und sein Kürzel hinter mein rechtes Ohr. Ausser behördliche Dokumente, hat er immer nur mit seinem Vornamen unterschrieben. Eine kunstvolle Unterschrift, nicht nur so langweilig seinen Namen in leserlichen Buchstaben. Ich finde es bescheuert sich Namen tätowieren zu lassen…eigentlich…

Ich habe mit Schatz darüber gesprochen. Er wollte nie das ich mich tätowieren lasse, er mochte sowas nicht. Ich habe bereits ein Tattoo – das fand er zwar schön, aber ich „durfte“ mich sonst nicht weiter tätowieren. Ich habe mit ihm darüber gesprochen, daß wenn er nicht mehr da ist, lasse ich mir seinen Namen, seine Unterschrift, tätowieren. Er sah mich an, lächelte und sagte, es wäre ok.

Sein Kürzel ist überall zu finden. Auf seinen Bildern, auf bezahlten Rechnungen usw. Da hatte ich schnell ein „schönes“ gefunden. Ich hatte auch eine Unterschrift, auf einer Rechnung gefunden. Beim Aufräumen fand ich jedoch eine andere Variante seiner Unterschrift, welche mir noch mehr gefallen hatte. Ich legte es beim aufräumen auf die Seite, damit ich es wieder finde, wenn ich fertig bin mit allem aufräumen.

So..wollte ich zum Tattoostudio…wo habe ich das nun hingelegt. Ich habe gesucht und gesucht. Alle Stellen mehrmals abgesucht – wo habe ich es nur hingelegt…habe ich es doch mit seinen anderen Papieren wieder weg geräumt? Ist ja auch alles an seinem Platz…aber wo genau nun? Ich durchsuchte meine Papiere..ich durchsuchte seinen Schatzischrank, wo ich einige seiner Bilder und Papiere hin gepackt hatte..nicht gefunden…dann hab ich einen Karton vom Schlafzimmerschrank geholt…durchgesehen…nicht gefunden…

Ich sagte irgendwann mal, fast schon scherzhaft – Baby, du warst doch einverstanden…wieso versteckst du das vor mir? und suchte und suchte. Die eine Unterschrift gefällt mir sehr..aber die andere noch ein bisschen besser und genau die, finde ich nun nicht. Ich ging gegen halb 1 erstmal zum Tante E Laden. Brauchte Zigaretten, vielleicht was zu Essen. Ich kam wieder mit Zigaretten und einer Flasche Wein…

Zu Hause goß ich mir ein Glas ein..ich trank es auf Ex und überlegte, wo ich den blöden Zettel habe…ich holte einen anderen Karton vom Schrank und durchstöberte ihn. Der Wein schoss mir auf einmal in den Kopf. Ich blätterte durch hunderte seiner Notizen und wurde ganz wehmütig. Auch kleinere Bilder, gemalt auf normalen Papier, waren in diesem Karton und ich hielt mich ewig an diesen Bildern auf. Ich strich über die Bilder und erinnerte mich, wie er sie gemalt hat…es sind ungelogen 1000ende von Bildern..selbst auf Busfahrkarten hat er seine kleine Kunstwerke verewigt…er hat auf alles gemalt, was gerade greifbar war…

Ich machte das Radio an. Erst das kleine Radio, dann auch einen Radiosender übers Fernsehen. Ich habe keinen Zugang erhalten. Keine der gespielten Titel haben bei mir etwas ausgelöst. War gute Musik dabei, etliche Titel die mir gefallen und mir auch schon geholfen haben…aber gestern, keinen Zugang bekommen. Gegen 14 Uhr war die Flasche Wein leer und ich voll…und frustiert..traurig. Wo habe ich es nur hingelegt? Müde war ich auch wieder. Ich legte mich ins Bett, nahm das kleine Radio mit und ließ es laufen. Ich habe dann geschlafen. Gegen halb 5 bin ich aufgewacht und mein erster Gedanke war – menno, wo ist das nur?? Dann habe ich mir geärgert, warum hast du dir einen Wein geholt…naja..passiert eben..

Am Abend habe ich nur mein Wasser getrunken…auch mal einen Tee zwischendurch. Geisenheimer kam vorbei um zu schauen, wie es mir heute geht. Er fragte mich, ob ich was gegessen hatte. Ich verneinte und er wollte dann mit mir eben was Essen fahren. Ich hatte keinen Hunger. Geisenheimer meinte daraufhin, er würde auch los flitzen mir was holen. Ich verneinte wieder und sagte, daß alles gut ist. War ein komischer Tag heute, passt schon. Nach einer Stunde fuhr er wieder, nachdem wir etwas über seinen Liebeskummer gesprochen haben und eine Lösung gefunden hatten, die ihm hilft damit abzuschließen, damit seine Ex nicht ständig bei ihm auftaucht und ihn runter zieht.

Als er gegangen war, habe ich mir ein Brot gemacht. Hunger hatte ich keinen, aber etwas essen sollte man schon..ich habe mich auf die Couch gemümmelt und ferngesehen. Im Kopf ständig versucht zu rekonstruieren, wo ich den Zettel hingelegt habe. Habe die Nacht auf heute auch wieder auf der Couch geschlafen..Heute morgen gegen 8 Uhr hoch.

Später habe ich einen Termin in der Uni Klinik Mainz. Meine üblichen alle 2 Monate Blutkontrolle..ich war fast 8 Monate nicht in der Uni, aber nun nehme ich diesen Alltagstrott wieder auf. Ist ja auch wichtig. Zum einen ist mir meine Gesundheit zwar gerade mal völlig egal, aber ich weiß, daß ich auf mich aufpassen muss. Ich kann das meinen Eltern nicht antun und auch meine Freunde sind immer total erschüttert, wenn ich so rede. Sie verstehen mich zwar, aber wollen das eben auch nicht..ich passe ja auf..ich weiß es ja…

Geisenheimer will mich abholen kommen. Freundin wollte mich erst fahren und mich begleiten, aber ihr Auto ist in der Werkstatt…Geisenheimer muss arbeiten und ich sagte, nee nee lass mal..bevor wir unser Auto hatten, bin ich auch immer mit dem Bus gefahren. Kein Ding, hält fast vor der „Haustür“. Geisenheimer sagte, er könne Überstunden abbauen und er kommt mich abholen, wenn ich in der Uni fertig bin. Ich sagte wieder, nein das musst du nicht, alles gut. Ist kein Problem für mich. Er bestand aber darauf. Naja gut, dann hole mich eben ab… Ich kann mir vorstellen, daß er es aber nicht schafft. Es regnet und graupelt draussen, er arbeitet bei der Stadt und wenn die zuwenig Leute haben, darf er nicht gehen… Naja mal sehen… ich sagte noch, ich weiß nicht wie lange der Termin dauert. Geisenheimer meinte, es wäre ihm egal. Er wartet eine Stunde draussen, oder auch 3, 4 auf mich, wenn es sein muss.

Rumpelstielzchen, der auch kurz da war, sagte – es wäre schon gut, wenn Geisenheimer dich abholt, wenn er es schafft. Du bist traumatisiert und solltest nicht alleine unterwegs sein. Ich lachte und sagte: Nee ist klar. Ich bin ständig alleine unterwegs meine Sachen erledigen und ich bin kein kleines hilfloses Mädchen. Aber die beiden sehen es halt anders.

Rumpelstielzchen warf mir dann noch vor, ich würde ja eh nie was sagen, wenn ich Hilfe bräuchte. Ich sagte ihm, ich brauche auch keine Hilfe…und wenn, dann melde ich mich schon. Aber ich bin kein hilfloses kleines Mädchen. Ich habe immer alles alleine geschafft…dann mit Schatzi und nun wieder alles alleine. Ausserdem, wenn ich Holz brauche, frage ich ja Freundin, weil da brauch ich die Hilfe. Aber alles andere..meine Güte…brauche ich keine!

Ich muss nun sparen damit ich meinen Führerschein machen kann. Ich brauchte ihn bisher nie. Hier in Wiesbaden kann man alles zu Fuß, oder mit dem Bus gut erreichen. Dann hatte sich Schatzi ein Auto gekauft.. Riesen Einkäufe mache ich auch nicht mehr, wozu..alleine brauche ich keinen Wocheneinkauf machen..Esse eh wenig…und wenn, bestelle ich mir was…aber nun komme ich nicht um den Führerschein herum…alleine wegen meinen Eltern…da ist es schon besser langfristig flexibler zu sein. Unser Auto wollte ich erst verkaufen…nun behalte ich unsere „Zicke“ wenn ich den Schein habe, habe ich schon ein Auto…es fällt mir ausserdem schwer sein Auto zu verkaufen…

Bis dann

Was mach ich dann?

Heute Nacht habe ich definitiv durch geschlafen. Habe nicht geträumt bzw war der Traum so schnell weg, so schnell wie ich aufgewacht war. Bin heute morgen um 6 Uhr aufgewacht. War mir zu früh, habe mich nochmal umgedreht..dann aber um halb 8 hoch…schnell einen Kaffee gemacht. Schmeckte heute nicht..morgen wieder Tee dann. Um 8 Uhr habe ich direkt losgelegt. Ist nicht mehr so viel zu tun.

Als das Zimmer leer war, naja bis auf den Kleiderschrank eben, habe ich den Boden gewischt. 2 mal… Ich stand in den Raum und sah die Bilder vor meinen Augen, wie es vorher aussah… Alles was im Wohnzimmer herum stand, packte ich in das andere Zimmer..mein Büro. Gegen halb 12 überlegte ich, daß ja Geisenheimer kommen wollte um zu streichen…wollte ich aber nicht….ich ging raus in unseren Werkzeugschuppen. Ich meinte, wir hätten ja noch etwas Farbe da…und so war es auch. Ein viertel Eimer war noch da. Ich nahm mir einen Pinsel und rührte die Farbe durch. Die ist noch gut – freute ich mich.

Ich schmiss mich also ins Zimmer und fing an zu streichen. Ich wollte unbedingt vorher fertig werden. Bevor Geisenheimer kommt. Er ist im Übrigen den ganzen Tag nicht aufgetaucht…aber egal. Das Zimmer ist jetzt leer, sauber und gestrichen…beim aufräumen habe ich ein Riesenposter gefunden – den Sternenhimmel. Das habe ich aufgehängt. Auch das eine Bild von mir, ein Hochzeitsgeschenk – mein Kuss an meinen Schatz auf Leinwand – habe ich aufgehängt..während die Farbe trocknete, habe ich andere Dinge sauber gemacht und vom Staub befreit. Dinge, die ich wieder ins Zimmer stelle. Auf dem Kleiderschrank stehen alle Kartons, randvoll gefüllt mit den Bildern meines Engels. Er hat noch so eine große Tasche in der auch lauter Bilder von ihm drin sind. Ich stellte diese Tasche neben den Schrank. Ich habe die Befürchtung, wenn ich das auch noch auf den Schrank stelle, kracht dieser zusammen.

Den ganzen Tag war ich am räumen, putzen, wischen. Zwischendurch kam immer mal ein Freund vorbei. Ich ließ mich aber nicht davon abhalten weiter zu putzen und aufzuräumen. Alles ohne Stress, gemütlich und entspannt. Mein Wohnzimmer sieht wieder aus wie ein Wohnzimmer und das Gröbste habe ich auch in meinem Büro..meinem Zimmer, wie auch immer, geschafft. Das Bad habe ich heute nicht geputzt. Das habe ich mal auf Sonntag verschoben. Ich fahre am Sonntag nicht zu meinen Eltern, sondern am Montag. Ich feiere meinen Geburtstag nicht, es ist der erste ohne meinen Engel. Meine Freunde wollten sich aber nicht abhalten lassen vorbei zu kommen…ist ok…Rosenmontag und Geburtstag..ohne meinen Schatz..och man….

Am Abend saß ich auf der Couch…müde, platt..traurig…aber auch irgendwie froh, wie weit ich schon gekommen bin. Immer wieder sah ich zu dem Zimmer rüber und dachte mir, wie leer es doch jetzt ist. Wie es vorher ausgesehen hat..was sich alles verändert. Mich überkam eine Traurigkeit…ich überlegte mir auch – was ist, wenn ich mit allem fertig bin..was mache ich dann?

Ich muss wieder anfangen zu arbeiten. Ganz klar. Ich mache ja meine Arbeit….so irgendwie halb..nicht richtig, nicht ganz. Aber ob ich so langfristig meine Selbstständigkeit halten kann? Ich weiß es nicht. Wir haben super als Team gearbeitet. Jetzt müsste ich alles alleine machen..es geht ja. Ich kann meine Rechnungen bezahlen und der „Kühlschrank ist voll“….aber trotzdem…will ich das überhaupt noch? Ich überlege schon lange mir einen Angestellten Job zu suchen…ist vielleicht nicht das Schlechteste…ich war „vorher“ schon nicht faul…aber jetzt geht mir alles nicht schnell genug. Ich muss immer in Bewegung sein, kann nicht still sein, obwohl ich nichts hektisch mache. Alles ruhig und gelassen…aber immer in Bewegung..immer was machen…

Wieder und wieder schaue ich in das Zimmer..in das leere Zimmer, mein neues Schlafzimmer, wenn mein Bett da ist..das nächste ist dann, den Kleiderschrank aufmachen..seine Klamotten sortieren..aussortieren…was behalte ich? Es fällt mir schwer..schwerer als alles andere…ich weiß, er braucht seine Hemden nicht mehr, seine Jeans, seine geliebten Sweatjacken, seine Anzüge…dennoch fällt es mir schwer gerade diese Sachen aus der Hand zu geben…was soll ich nur tun…

Den ganzen Tag rede ich mit ihm, als wäre er noch lebendig bei mir…es passieren auch komische Dinge…Ich weiß nicht, ob ich es nur so sehen will, oder ob er es ist, mit dem Versuch mit mir zu kommunizieren…ich wünsche mir letzteres…es ist jetzt schon wieder ein paar Tage her, daß ich ihn gespürt habe…ich spüre ihn nicht…ich fühle mich so alleine ohne ihn..so verloren…ich kann nicht loslassen…auch wenn es für ihn besser wäre, damit seine Seele weiterkommt…aber ich kann es einfach nicht. Nicht so…irgendwie will ich es ja…aber ich kann es einfach nicht…nicht jetzt…

Baby, ich vermisse dich so wahnsinnig…ich liebe dich…

Bis dann

Kleine Schritte

Ich glaube, heute Nacht habe ich durchgeschlafen. Ich bin mir nicht sicher…bewusst bin heute morgen um Schlag 6:30 Uhr aufgewacht. Habe mich umgedreht, aber um 7 Uhr bin ich dann hoch. Ich hasse halb 7 Uhr morgens…Todeszeit…

Etwas müde noch, bin ich den Tag durch gegangen. Gegen 8 Uhr war ich soweit wach und fit, daß ich weiter räumen und sortieren wollte. Heute war der Kleiderschrank dran bzw. was auf dem Schrank war. Eine Menge Kartons, Schachteln, Zeugs. Alles erstmal runter geholt und hingestellt. Den ganzen Vormittag habe ich damit verbracht mir einen Karton nach dem anderen zu nehmen, zu öffnen, zu sortieren. Einige Kartons waren voll mit den üblichen Rechnungen, die mein Engel aus einem mir nicht bekannten Grund aufgehoben hat. Telekom, Eswe…GEZ…von 2007 und höher- Teilweise sogar von 2004. Habe ich alles weg geworfen. In anderen Kartons waren alte Laufwerke drin und anderer Elektrokram. Weg mit..

In den meisten Kartons, aller Größen, waren seine Bilder drin. Ganz kleine, DIN A4, große, alle Formate eigentlich. 1000ende Blätter mit Notizen. Es war eine Reise in unsere Vergangenheit. Er hat sich alles aufgeschrieben…was wir einkaufen wollten, Papiere – welche wir für unsere Hochzeit brauchten, die Planung für die Feier, seine Aber-Millionen Pokernotizen…Ebay…Kontonummern von Käufern…Computernotizen, alles mögliche eben. Er hat einfach alles aufgeschrieben. Seine Bilder, gemalt oft nur auf Blätter und Zettel die gerade greifbar waren, und seine Bilder auf Malkarton, kleinen Keilrahmen usw. habe ich alle in die Hand genommen und mir jedes einzelne angesehen. Ich kann mich an alle erinnern. Auch wenn sie nicht mit einem Datum versehen waren, konnte ich in etwa abschätzen, wann diese entstanden sind…und es sind viele….sehr viele…unglaublich viele..

Gegen 13 Uhr kam Freundin vorbei. Ich machte das Gulasch warm, kochte Nudeln und Blaukraut. Mein Gulasch hat ihr sehr gut geschmeckt. Alle Daumen hoch. Dann war es auch bald Zeit los zu fahren. Erst holten wir noch ihre Tochter ab, danach fuhr sie mich nach Biebrich zur Bank. Der Termin hat etwa 20 Minuten gedauert. Sein Konto ist nun gelöscht. Seine Karte abgegeben. Das war der letzte Akt. Ich habe alle „wichtigen“ Verträge umschreiben lassen, war beim Nachlassgericht und nun existiert auch sein Konto nicht mehr….Mit gemischten Gefühlen bin ich zum Bus gelaufen. Es hat geregnet. Es war mir egal. Hatte zwar einen Schirm dabei, aber ich empfand den Regen nicht allzu stark.

Es sind lauter kleine Schritte..der offizielle Part, wie eben ESWE ummelden, Konto auflösen usw, und die internen Dinge wie sein Büro leeren…jeder Tag ist ein kleiner Schritt. Meine Freundin bewundert mich, wie ich das alles auf die Reihe bekomme. Das ich alles mache und dabei bleibe, wie ich vorran komme, obwohl mein Schmerz so unendlich tief sitzt. Ich denke, ich brauche das aber. Das „Erledigen“ von den kleinen Schritten. Mittlerweile, es sind zwar erst knapp 4 Wochen, habe ich mich gespalten. Nicht im schizophrenen Sinne, ich mache das bewusst.

Es gibt ein „offizielles Ich“ und ein „inoffizielles Ich“ wie ich es nenne. Mein offizielles Ich ist wie „früher“. Ich bin albern, lache viel, bin stark und selbstbewusst, teilweise dominant, aber auch warmherzig, hilfsbereit und empathisch. Mein inoffizielles Ich hingegen ist traurig, einsam im Herzen, verletzlich. Ich weine jeden Abend und oft am Morgen…

Meine Freundin sagte mir, ich solle mir keinen Kopf darum machen. Wenn ich „in einem Jahr“ noch heule, ist es für sie OK, sie ist für mich da. Ich bin so ein Mensch nicht. Ich weine nicht vor anderen..auch wenn ich dies in letzter Zeit öfter getan habe. Ich bin ein Mensch, der alles alleine schafft..so waren wir beide..mein Engel und ich..wir haben alles selbst gemacht und versucht zu erreichen und möglich zu machen. Jetzt mache ich es eben alleine. Ich scheue mich nicht nach Hilfe zu fragen, wenn ich etwas nicht hinbekomme…aber bis dahin – versuche ich es.

Was ich sagen will ist – es sind alle traurig, weil sie einen sehr guten Freund verloren haben. Ich habe aber meinen Mann verloren und das ist das Päckchen, was ICH zu tragen habe und niemand sonst. Also muss sich auch niemand damit beschäftigen. Bruder sagte zu mir heute im Telefonat, ich könnte/sollte/müsste mein Leid teilen, ich muss es nicht alleine tragen. Aber genau das stimmt eben nicht… Jeder hat sein Leben zu leben. Niemand soll mein „Leid“ mit tragen müssen…das ist etwas, daß muss ich ganz alleine machen..niemand kann mir dieses Päckchen abnehmen…

Morgen ist das Büro meines Engels soweit fertig. Es stehen noch 2 kleine Kartons da. Es sind aber nur wieder irgendwelche Elektroteile, alte Kameras usw. Die packe ich morgen weg. Dann den Boden wischen. Geisenheimer wollte morgen vorbei kommen und den Raum streichen. Halte ich nicht so für nötig, aber was solls. Wie auch immer, wenn das passiert ist kann auch im Laufe der nächsten Woche mein Bett aufgebaut werden. Papa bringt es mir, es ist das „alte“ Bett meiner Schwester. Sie hatte es neu gekauft, 2 mal drin geschlafen, dann ist sie mit ihrem (damals zukünftigen) Mann zusammengezogen.

Den großen Schrank haben ja gestern 2 Freunde in das andere Zimmer gebracht. Mein SchatziSchrank… Morgen fange ich auch an, alles in den SchatziSchrank zu räumen. Wenn das passiert ist, ist mein Schlafzimmer bald fertig, das Wohnzimmer sieht wieder aus wie ein Wohnzimmer und das andere Zimmer, mein Büro, ist dann auch bald wieder aufgeräumt und sieht nicht aus wie eine Rumpelkammer in der alles wild durcheinander steht. Das Bad wollte ich morgen auch putzen..nur die Küche muss noch warten, bis die Heizperiode durch ist..wegen dem ganzen Staub vom Holzverbrennen….aber der nächste Frühjahrsputz kommt bestimmt.

Dann, wenn alles dies geschafft ist..grob…habe ich die Wohnung quasi einmal umgekrempelt innerhalb von 5, 6 Wochen nach dem mein Schatz gegangen ist. Scheint wirklich etwas „zu“ schnell zu sein…aber hätte ich nicht schnell angefangen, hätte ich es nie getan…es wäre mir von Tag zu Tag schwerer gefallen. So habe ich alles von meinem Schatz aufgeräumt bei mir. Seine ganzen Bilder wieder auf dem Kleiderschrank und alle seine anderen Sachen in meinem Schatzischrank. Immer griffbereit, wenn ich eine bestimmte Erinnerung brauche…

Wenn ich dann irgendwann mal etwas zur inneren Ruhe komme, hole ich mir die Bilder wieder vom Schrank und sortiere diese..nach Größe, nach Datum, weiß noch nicht. Was ich weiß ist, ich werde eine Menge Bilder von ihm aufhängen…er ist in jedem seiner Bilder. Seine Energie, seine Kraft, seine Gefühle..einfach alles von ihm ist in seinen Bildern…einige habe ich schon aufgehängt….aber es gibt so viele tolle Bilder mehr….

Bis dann

Beschäftigt

Die Nacht habe ich gut geschlafen. Ich habe erst „DschungelCamp“ geschaut (ja ich schaue so einen Trash) und bin dann kurz vor Ende eingeschlafen. Es ist aber komisch dies zu schauen, ist doch mein Engel nicht mehr da um sich mit mir aufzuregen, zu lästern und Spaß zu haben..ich habe trotzdem mit ihm geredet und ihn gehört…was er gesagt hätte, wie er gelästert hätte…gegen 2 Uhr bin ich aufgewacht. Habe den Fernseher ausgemacht und bin gleich wieder eingeschlafen. Dann gegen 5 Uhr wieder wach geworden. Mich umgedreht, weitergeschlafen…es ging.

Heute morgen hatte ich keine Termine. Musste nirgendwo hin, wollte auch nirgendwo hin. Blöd. Gegen Mittag habe ich mich wieder hingelegt. Ich war müde. Die Waschmaschine war fertig, ich habe Wäsche aufgehängt..mehr nicht…ich bin noch nicht bereit, oder auch schlicht zu faul irgendwas in der Wohnung zu machen..mache mir zwar Gedanken, aber ich komme nicht zu Potte…von „seinem“ Zimmer mal abgesehen. Mich durch sein Büro zu wühlen – da fehlt mir wirklich die Kraft dazu im Moment.

Gegen 14 Uhr wurde ich wach und keine 5 Minuten später klopfte es an der Tür. Meine Freundin stand davor. Sie hatte eigentlich eine Verabredung mit unserem Freund, Geisenheimer. Ich rief ihn an und er meinte – er hätte verschlafen..er käme aber jetzt zu uns. Eine Stunde später war er da. Wir saßen dann bei mir und haben uns unterhalten. Gegen halb 4 sagte ich, wir müssten jetzt mal los – wollten die beiden doch einen Kranz holen. Wir zogen uns die Jacken an und gingen an den Blumenladen, keine 100 Meter von mir aus entfernt. Kränze sind teuer..der kleinste mit 65 cm sollte schon mindestens 120 Euro kosten. Geisenheimer schluckte. Ich sagte aber, es ist doch nicht wild – immerhin teilen wir den Betrag durch 6 Leute…

Der Florist wollte uns dann erst den großen – 80 cm – aufdrücken, denn der „kleine“ würde nur für Firmenfeste genommen..hätte auch 200 Euro gekostet der Große..ich bestand aber auf den kleinen und gut war es…dann noch ein Band ausgesucht, und die Schrift. Die Namen von unseren engsten Freunden sollten auf das Band und „letzter Gruß“. Den Blumenschmuck sucht der Florist aus, wobei ich sagte – es soll in Rot gehalten sein..Rot war die Lieblingsfarbe von meinem Engel…dann bestellte ich noch 3 rote Rosen..besondere Rosen…Trauerrosen…die werden mit einem schwarzen Band gebunden.

Dann sind wir wieder nach Hause…dort saßen wir und tranken Wein. Gegen 5 Uhr kommt der Pfarrer sagte ich, und Geisenheimer machte sich bald darauf auf den Weg nach Hause. Meine Freundin wollte eigentlich auch gehen. Sie wollte nicht dabei sein, wenn der Pfarrer kommt. Wie es aber so ist – fest gequatscht und es klopfte an der Tür.

Ich bot dem Pfarrer einen Kaffee an. Gerne habe ich einen gemacht, denn er wollte auch einen Kaffee..während ich mit dem Pfarrer sprach, kamen mir die Tränen. Ich entschuldigte mich dafür und der Pfarrer war total lieb. Es ist eine schlimme schwere Zeit und ich dürfte selbstverständlich weinen. Ich erzählte wie mein Engel so war und wie ihn unsere Freunde gesehen haben. Meine Freundin war ja da und bestätigte alles was ich sagte. Der Pfarrer schrieb alles auf. Ich denke, es wird eine schöne Rede für meinen Schatz geben…er sagte, er spüre, daß es nicht nur daher geredet ist, wie man eben „nett“ über Verstorbene spricht. Er spürt, daß da viel mehr ist. Meine Freundin bestätigte wieder…

Mein Engel war so lieb..so Aufmerksam..er hatte Respekt von allen, es gab keinen der ihm böse wollte…Er war hilfsbereit..auch wenn er nichts hatte, oder selbst helfen konnte, hat er alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit dem anderen geholfen werden konnte…er war ein echter Engel auf Erden…erzählte ihm noch 1000 andere Dinge…

Nach einer dreiviertel Stunde war alles „geklärt“ und der Pfarrer ging wieder. Ein sehr freundlicher, symphatischer Mensch.

Als er weg war, gingen meine Freundin und ich an den Kiosk. Wir holten noch eine Flasche Wein. Im Kiosk redete ich mit dem Kioskbesitzer und er fragte, ob er auch kommen dürfe. Schatz war schließlich recht oft im Kiosk und er würde ihm die letzte Ehre erweisen. Ich hatte nichts dagegen und gab ihm den Termin und Treffpunkt.

Wieder bei mir, fingen wir an zu organisieren..wer hat kein Auto, wer muss mit genommen werden, wer kann wo mit fahren, welches Auto kann wie viele Leute einpacken…wie ist das jetzt mit dem Lied das gespielt werden soll usw..RuckZuck war es halb 9 Uhr Abends, alles soweit geplant und gedacht..dann ist auch meine Freundin los, die Flasche Wein leer.

Jetzt schreibe ich den Eintrag, weine, esse was und freue mich auf das DschungelCamp..Morgen ist ein neuer Tag..wieder ein Tag, ohne meinen Schatz. Dann ist es schon unglaubliche 10 Tage her…ich fühle mich leer..ich vermisse ihn…ich werde ihn immer vermissen…ich bin nicht mehr Ganz, nicht mehr komplett…ich muss damit nun leben…

Bis dann

Sylvester

Die letzten Tage waren wie immer..mein neuer Alltag eben. Bruder kommt jeden Tag, alle paar Tage andere Familienmitglieder. Auch Freunde schauen mal rein. Gestern waren „Alt“Freunde da. Freunde die Schatz schon seit ewig kennt. Die Nächte sind besser zur Zeit. Durch das Fentanyl Nasenspray ist er viel ruhiger und schläft viel mehr. Morphium donnert ja auch einen weg…Schmerzen sind viel besser geworden, nur die Übelkeit ist noch da. Er musste aber bisher nicht mehr brechen..

Die Ärztin war gestern da um den neuen Medikamentenplan zu besprechen. Im alten wurde zu viel rumgekritzelt und ist unübersichtlich geworden.

Blut spuckt Schatz im Moment nicht mehr so arg. Jeden Abend fleht er mich an ihm doch zu helfen. Ich kann ihm nicht helfen, es tut so weh…ich soll es beenden..ich würde es tun – ich habe es ihm versprochen…aber es ist in Deutschland verboten..jeder Köter wird eingeschläfert, wenn er leidet. Aber Menschen die darum flehen, wird das Leiden nicht erspart…könnte kotzen…es sollte mal einer von denen, die darüber entscheiden, einen Angehörigen durch das Krebsleiden bringen…dann denken die doch vielleicht mal anders darüber…

Im November wurde wieder mal neu darüber diskutiert. Die Gegner argumentieren mit so bescheuerten Sätzen wie: Es würden einem eventuell noch schöne Momente genommen…nee ist klar…wenn aber einer jeden Tag darum fleht gehen zu dürfen und nicht leiden zu müssen und dahin siechen zu müssen – wo sind da schöne Momente??? Sicherlich gibt es sie..ich erlebte sie ja auch…aber hat es nicht mehr Gewicht einen Menschen VOR ALLEM WENN ER ES DOCH WILL gehen zu lassen in Würde? Es muss ja nicht für jeden gelten…aber für Menschen die unheilbar krank sind..deren Ende absehbar ist…warum dürfen die nicht gehen, wenn sie es wollen…

Heute haben wir den letzten Tag des Jahres

Ich habe gar keine Lust auf Sylvester. Es endet heute der Kalender. Kein Spaß heute, keine Freude, keine Zuversicht aufs neue Jahr. Mein Jahr endet beschissen und es geht morgen im neuen Jahr beschissen weiter..

Ich bin ein sehr abergläubiger Mensch. Ich habe die Verbindung zur Magie verloren…mit jedem Tag entferne ich mich weiter von der Magie. Mit jedem Tag verschwindet das Glitzern ein wenig mehr. Mit jedem Tag wird das Funkeln  blasser…die ganzen Rituale und Brauchtümer haben mir immer Spaß gemacht und ich habe sie zelebriert…jetzt mache ich es aus trotz im Gegenteil.

Ich werde heute Wäsche waschen und sie aufhängen! Es soll ja Unglück bringen, über Sylvester Wäschen hängen zu haben. Aber wieviel Unglück soll denn in unser Heim noch kommen…ich fordere damit nichts heraus.

Es gibt die Magie. Sie ist um uns herum..ich habe die Verbindung zu ihr verloren..das Dunkle und trostlose ergreift Besitz von mir und ich wehre mich nicht. Ich neige nicht zur Depression…ich kann nur nicht begreifen, warum mir alles genommen wird..auf so grausame Weise. Was haben wir getan, um derartig bestraft zu werden?

Schatz weiß immer weniger…er sagt es mir oft. Ich spüre und erlebe es auch. Konnte er vorgestern mir noch „helfen“, versteht er heute nicht was ich von ihm möchte. zB – Wenn ich ihn im Bett etwas hochziehen möchte, hat er mir geholfen indem er sich mit seinem Bein abgestoßen hat. Heute hat er nicht begriffen was ich von ihm wollte. Selbst als ich es ihm erklärte und sein Bein führte – er hat es nicht begriffen. Auch mit dem Trinken klappt es heute nicht so. Er nimmt zwar seinen Strohhalm in den Mund, weiß aber nichts damit anzufangen. Ich zeige es ihm dann – es dauert ewig bis er es versteht..sein Geist, sein Wissen schwindet. Es dauert nicht mehr lange und er kann nicht mehr trinken…dann muss er an den Tropf, damit er nicht austrocknet..

Auch kann ich nicht sagen, wie lange er mich noch erkennt. Er erkennt schon noch Leute die kommen. Aber gestern fragte er, wer „er“ ist und ich sagte, es ist dein Bruder *Name*..dann wusste er es wieder. Aber es kann sein, daß er irgendwann, nicht allzu fern, nicht mehr weis wer da sitzt…oder gar wer ich bin…eine Metastase wächst in sein Wissenszentrum und zerstört alles das was ihn ausmacht, was er weis – wer er ist…

Warum darf er nicht gehen…warum muss er so leiden…er ruft immer nach mir…Baby, mit schwacher Stimme, Baby – helf mir bitte…helf mir doch…und dabei sieht er mich an mit einem Blick den ich nie vergessen werde. Diese flehenden Augen..sie sind müde, er ist fast nicht mehr da…

Es zerreisst mich…

Wünsche allen meinen Lesern einen guten Rutsch…passt auf euch auf und achtet eure Partner…das Leben kann sich innerhalb einer Sekunde ändern…schätzt das Leben mit jedem Augenblick und seht nichts als Selbstverständlich an.

Bis dann

 

4. Advent

Gestern Nachmittag sagte Schatz immer wieder wie müde er sei und schlief die ganze Zeit immer wieder ein. Ich sagte ihm, ich passe auf ihn auf, er braucht keine Angst haben. Ich schlief auch kurz auf der Couch ein und wurde durch ein unsanftes Klopfen an der Tür geweckt. Es war fast 19 Uhr und ich dachte mir, wer kommt denn jetzt noch..es war Schwägerin.

Ich ließ sie rein und sie begrüßte Schatz. Er war nicht sehr erbaut, ließ sich aber begrüßen. Schlief aber gleich wieder ein. Schwägerin und ich unterhielten uns eine Weile und nach einer halbe Stunde ist sie dann auch wieder gegangen.

Ich wollte nicht einschlafen, aber ich war auch total müde irgendwie. Aber ich musste eigentlich aufpassen. Ich hatte gegen 16 Uhr ihm ein Abführmittel gegeben. Er hat schon ewig nicht mehr und die Ärztin meinte ich sollte ihm das mal geben…ich sah auf die Uhr. Ab 20 Uhr rechnete ich damit, daß es los geht. In der Packungsbeilage steht zwar 10 – 12 Stunden, aber aus eigener Erfahung weiß ich, daß es auch schon mal nach 6 Stunden los gehen kann…gegen 21 Uhr war es dann soweit. Schatz hatte aber Schmerzen dabei und es hat mir so leid getan. Es hat geklappt, war nicht soo viel – wie denn auch, er isst ja nichts mehr..und das bisschen Brot alle 3 Tage…bringts auch nicht.

Gegen Mitternacht schien es auf zuhören. Schatz schlief wieder und ich habe mich auch hingelegt. Ich konnte eigentlich gut schlafen, bin aber bei jedem kleinsten Mucks aufgewacht. Ich sah zu Schatz rüber und er schlief jedesmal.

Er schläft heute schon den ganzen Tag. Er wacht immer mal auf und verzieht schmerz verzerrt sein Gesicht. Er hat Druck, es kommt aber kaum etwas raus. Es tut weh…jetzt vorhin wachte er kurz auf und lächelte mich an. Ich gebe ihm zu Trinken, wenn er die Augen auf macht. Einmal ist er beim trinken wieder eingeschlafen…wenn ich denke, wie wach er vorgestern noch war…er schläft nur…das krasse Gegenteil. Er lächelte im Schlaf vorhin. Es ist dann immer so, als wäre alles gut..wenn dann dieses Bett nicht wäre…und das Wissen darum..

Heute fliegt meine Sis mit ihrem Mann in Urlaub. Bis Mitte Januar. Ich hoffe, sie haben viel Spaß und erholen sich gut.

Ansonsten ist in diesem Jahr alles anders….Weihnachten ist dieses Jahr richtig traurig, beschissen, verflucht, dunkel….

Gleich kommt Bruder wieder vorbei…dann mal sehen…es ist ja auch erst 15 Uhr..

Bis dann

So ist das….

Hallo 🙂

Heute komme ich mal mit einem schweren Thema, es betrifft aber nicht mich….nicht direkt..
Man bemüht sich immer positiv zu sehen, zu denken, zu sein, aber von allen Seiten wird man mit negativer Energie bombadiert.
Heute war ein Kumpel da mit einer sehr schlimmen Nachricht. Ein anderer Bekannter ist zum Arzt gegangen, er hatte schlimme Schmerzen im Arm. Kennt man ja, jeder ist mal verspannt :-/ aber dann kam etwas, mit dem keiner gerechnet hat. Nach dem röntgen – nichts war zu sehen – dann nach dem CT, war die Diagnose klar: Lungenkrebs….er hat sogar schon gestreut 88| der gesamte linke Lungenflügel und in die rechte Niere.

Ich verstehe nicht, das man das vorher nicht irgendwie gemerkt haben soll? Oder es war eine Lüge….

Am Montag wird er operiert – denke mal, wenn die Ärzte keine Hoffnung mehr hätten, würden sie auch nicht operieren.
Deswegen bin ich weiterhin positv und voller guter Energie, die ich ihm sende und natürlich hoffe, das die OP gut verläuft und das langfristig alles zum Guten kommt. Sicher kommt für ihn eine super schwere Zeit, aber er schafft das! Da gibt es nichts anderes – er schafft das! Er hat einen 8jährigen Sohn, eine Frau, hat erst vor ein paar Wochen geheiratet 😥 das kann doch nicht sein!

In meinem kleinen Kosmos, in meinem kleinen Palast kommt so eine böse Energie nicht rein, dafür mache ich alles – aber manchmal findet es doch ein kleines Schlupfloch, aber man darf nicht aufgeben! das darf man niemals – den wer aufgibt, hat bereits verloren….