22 August 2019 * 16 Uhr

Meine Sis und ich machten uns viele Gedanken und wollten heute ja nochmal in die Klinik fahren. Ich hatte ein mulmiges Gefühl. Ist sie noch bei Bewusstsein?, merkt sie das wir da sind?, machen wir es ihr und uns damit schwerer? Das waren so Gedanken.

Wir waren im Auto als mein Handy klingelte. Ich schaute auf die Uhr und es war 16:06 Uhr. Das Krankenhaus! Die Ärztin sagte mir mit lieber und ruhiger Stimme das Mama eingeschlafen ist. Es war genau 16 Uhr. Ich fragte noch ob das wirklich stimmt, ob sie einen Todeskampf hatte, aber die Ärztin sagte das sie das nicht hatte. Sie wäre ganz ruhig hinüber geglitten. Ich sagte noch das wir gleich da wären und wir legten auf. Meine Sis wusste auch dass das Krankenhaus dran war und bemühte sich mit aller Macht nicht zu weinen, saß sie doch am Steuer, im Feierabendverkehr. Ich versuchte auch stark zu sein, aber meine Stimme erstickte und Sis konnte dann auch nicht mehr. Sie weinte kurz und dann versuchten wir uns abzulenken, zumindest solange die Autofahrt noch dauern würde.

Als wir auf der Intensiv waren wollte uns ein Pfleger zu ihr bringen. Wir hatten auch Kleidung für Mama dabei und der Pfleger meinte erst, wir könnten sie anziehen. Meine Sis und ich wollten Mama aber nicht mehr sehen. Zu schmerzhaft ist das alles. Alles was wir sahen aus dem Flur aus war, das Mama ganz bedeckt in einem weißen Tuch auf ihrem Bett lag, in dem sie gestorben war.

Der Pfleger verstand das sofort. Es kam auch kurz die Ärztin dazu und wiederholte was sie am Telefon sagte. Es wäre alles gut, sie habe nicht mehr leiden müssen am Ende. Es ist so passiert wie es der Mama ihr Wunsch war…ich bedankte mich und wir sind dann gegangen. Die Kleidung mussten wir wieder mit nehmen, denn im Krankenhaus ziehen sie keine Kleidung an, denn es kommt noch die Leichenbeschau etc und es hätte auch schon mal Ärger gegeben, weil Dinge weg gekommen sind. Sie sagten, der Bestatter würde das dann machen.

So Mama, nun hast du es geschafft…du musst nicht mehr leiden, musst nicht mehr in deinem kranken Körper gegen die Atemnot kämpfen. Du brauchst auch keine Angst mehr haben ♥ Du bist frei ♥

Wir lieben dich ♥

Es dauert …leider

Gestern waren meine Sis und ich nicht in der Klinik. Wir nahmen an, das es schnell geht. Nun sind aber schon 40 Stunden vergangen, als sie das Morphin eingeleitet haben. Die Ärztin sagte mir ja, es würde mit der Zeit der Co2 Gehalt steigen, sie würde bewusstlos werden und dann sanft hinübergleiten. Es sind 40 Stunden bisher! Wie lange dauert es denn nur, bis Mama endlich ihre Flügel bekommt?, das sie endlich frei ist??

Bisher kein Anruf das es vorbei ist…Meine Sis und ich wollen heute ins Krankenhaus fahren. Wir wollen zur Mama, auch wenn wir echt zwiespältig sind. Wird sie immer nochmal wach?, wird sie merken das wir da sind und dann machen wir es ihr nur schwerer? Wird sie nochmal die Augen öffnen und darum bitten das es endlich vorbei ist?. Meine Sis sagte gestern schon, sie wisse nicht ob es gut ist. Ob es gut ist, das wir nochmal einen „2. Abschied“ erleben. Für Mama und für uns…

Aber ich weiß nicht, wie weit sie halt das alles noch mitbekommt. Vielleicht, oder auch hoffentlich ist inzwischen der Kohlendioxydgehalt so hoch, das sie sich selbst in eine Narkose geschossen hat. Es muss nur noch der Körper versagen…ich weiß wie sich das anhört, aber niemand kann das verstehen oder gar nachvollziehen, der nicht in dieser Lage war/ist.

Mit wem soll ich denn jetzt quizzen?, mit wem soll ich denn jetzt Housescapes, oder Gardenscapes spielen auf dem Tablet?, ich weiß, das sind dämliche irdische Fragen..es ist nicht wichtig…ich erinnere mich an das letzte mal als wir gemeinsam in der Stadt waren zum shoppen..oder als ich dir eine Wärmeflasche machte weil du kalte Füße hattest. Auch wird die die „Klingel“ nicht mehr klingeln, weil du etwas brauchst, oder Hilfe. Es ist alles so still geworden im Haus. Kein Klostuhl mehr reinigen, kein „Stinki hihi “ mehr wegmachen, gar nichts mehr… Ich habe dein Zimmer hergerichtet, obwohl du nicht mehr nach Hause kommst…

Ich habe Phasen da weine ich viel. Dann bin ich wieder „stark“, denn ich weiß ja, du kannst nicht mehr und willst nicht mehr und es ist einfach gut so wie es ist. Wir lassen dich gehen. Du sollst nicht mehr leiden, dich nicht mehr quälen.

Meine Sis hat heute früher Schule aus. Sie ist dann bei mir, so gegen halb 2/2 Uhr Mittags. Ich denke, ich werde was zu essen bestellen. Ich muss mich doch um meine kleine Sis kümmern. Auch um ihren Geburtstag, das alles so ist, wie Mama es wollte. Ihre Geschenke habe ich gepackt im Mamas Sinne..aber auch das drumherum muss ja stimmen. Es tut so weh. Auch wird der Geburtstag nicht schön. Ansonsten muss ich echt sparen. Ich muss mir nun eine Arbeit suchen, damit ich leben kann. Habe ja nun überhaupt kein Einkommen mehr, kein Pflegegeld und nichts. Mama sagte, das wäre auch auch immer der Wunsch von Papa gewesen. Die Kinder haben einen gute Job, der sie zufrieden macht und einen guten Mann, der sie glücklich macht.

Ich gebe mir halt schon etwas Zeit mit dem Job, auch wenn ich meine Fühler schon austrecke. Mama hat mir gesagt:“Finde eine Arbeit die dich zufrieden macht und ich wünsche mir das du einen Mann findest, wie Horsti, der dich glücklich macht.“ Zu meiner Sis sagte sie: Dein Mann liebt dich, auch wenn er ein Dickkopf ist, aber er liebt dich. Alles andere ist nicht wichtig.“

Ich melde mich später wieder. Ich habe Angst, weiß nicht was uns erwartet. Mama möchte gerne angezogen werden wenn es vorbei ist. Das muss ich mit den Schwestern klären. Auch holen wir heute das Beatmungsgerät ab. Ich muss dann die Firma anrufen, was ich damit machen soll. Ob sie es abholen, oder ob ich es in die HSK zurückbringen soll..

Auch habe ich mich schon um ein paar Dinge gekümmert. Der Klostuhl, die Sauerstoffgeräte werden ja nicht mehr gebraucht. Sie werden in der nächste Woche abgeholt…es tut so unendlich weh…

Mama ich liebe dich ♥

 

Norman Keller

Norman alias Rocky hatte am 24. September seinen 41. Geburtstag.

Drei Tage nach seinem Geburtstag rief er mich an, er wäre im Krankenhaus gewesen. Ich dachte mir – schon wieder? und dachte es ging wieder um seine Diabetes oder seine Bauchspeicheldrüse. Nein. Er erzählte mir, er sei in der Bäckerei an der Ecke umgefallen und es wurde ein Rettungswagen gerufen. Ab ins Krankenhaus. Die Ärzte stellten ein Gerinnsel in seinem Herzen fest. Er bekam Infusionen und eine Menge Untersuchungen.

Sie hätten ihn aber dann am nächsten Tag wieder entlassen mit einen Haufen Tabletten. Blutverdünner, Betablocker, Magenschutzmittel. Er solle in 4 Wochen wieder vorstellig werden um zu sehen um sich seine Gesundheit gebessert habe. Ob das Gerinnsel noch besteht, oder sich aufgelöst hat.

Am 29. September traf ich mich in der Stadt mit ihm. War nicht geplant. Wollte mich mit einer Freundin treffen. Er hatte ein Handyproblem und als meine Freundin nicht auftauchte, rief ich ihn an, ob er Zeit und Lust habe, ich wäre in der Stadt und könne ihm bei seinem Handyproblem helfen. Er kam runter und wir tranken erstmal einen Kaffee oben im Karstadt. Er machte einen guten Eindruck auf mich. Er fühle ich so lala. Das Ereignis hatte ihn schwer mitgenommen und er hatte Angst. Er erzählte mir nochmal wie es war. Wie er sich gefühlt hatte als er umfiel, die Tage davor und die Tage danach.

Ich versuchte ihn zu beruhigen, wunderte mich aber das sie ihm keinem Herzkhathter unterzogen haben. Nach dem Kaffee sind wir weitergezogen. Ich musste ins Perfeto ein paar Backsachen kaufen. In dem Laden gibt es einen Weinbereich und er kam auf die Idee dort an der Theke ein Glas Wein zu trinken. Ich willigte ein. Wir stießen nachträglich auf seinen Geburtstag an und unterhielten uns wieder über sein Ereignis. Danach sind wir in Richtung Handyladen und haben uns um sein Problemchen gekümmert. Er fühlte sich etwas schlapp und ich wollte dann auch nach Hause.

Am Abend bekam ich eine WhatsApp von ihm in der er sich für meine Zeit und Gedult mit ihm bedankte und wünschte mir eine Gute Nacht. Um 22:05 Uhr war er zuletzt online.

Eine Woche später am Abend bekam ich eine WA von Vorderhauszote. Norman ist gestorben. Was?!!? Ich rief sofort an und wollte Einzelheiten wissen. Vorderhauszote meinte, er wäre nicht auf der Arbeit gewesen, unentschuldigt und da wäre *hab ich nicht verstanden* an die Tür gekommen und hätten geklopft, da ans Handy auch niemand ging. Das Klopfen an der Tür verhallte in die Stille, die sich hinter der Tür befand. Polizei wurde gerufen, Tür aufgebrochen. Da wurde er gefunden. Kalt, leblos, tot.

Ich legte auf und mir ging viel durch den Kopf. Warum hat ihn das Krankenhaus nach Hause geschickt? Mit einem Gerinnsel im Herz? Was für eine Fügung, das ich am Samstag mich mit ihm nochmal getroffen habe. Wir hatten uns davor fast ein Jahr nicht gesehen..was hat das zu Bedeuten. Was will mir das Schicksal damit sagen? Will es was damit sagen? Warum ist er gestorben? An was genau? Er hatte doch erst Geburtstag. Hätte er sich retten können? Oder dachte er, es geht vorbei – wie so oft und dann ging das Unwohlsein doch nicht vorbei?, oder ging es ganz schnell?

Ich erinnerte mich daran, wie wir uns kennenlernten. Wieviel Spaß wir hatten und das wir die gleichen Filmgenres liebten und wie oft wir Filme diskutiert hatten. Ich erzählte ihm einmal von Pam. Eine Leserin die mir oft warme Worte unter meine Beiträge hinterließ, als mein Mann gestorben war. Norman kannte ihre Söhne. Klein ist die Welt dachte ich mir, als er ausflippte, das ich Pam „kenne“.

Nun ist er überraschend gestorben…Norman war ein Mensch voller Selbstzweifel und hat sich mehr und mehr in sein Schneckenhaus verkrochen. Als wir uns kennenlernten holte ich ihn da raus und er blühte richtig auf. Bekam Selbstbewusstsein, wurde lockerer und weniger agressiv. Er ging sogar wieder auf Konzerte, auch alleine und hatte richtig Spaß seine alten Leute wieder zu treffen. Nun sowas…ich weiß nicht wie ich darüber denken soll. Ich weiß nur eines

Ich werde dich nicht vergessen!

 

 

Hotel California

Mein letzter Eintrag war am 10. Januar. Das ist eine ganze Weile her. Inzwischen ist auch viel passiert. Viel passiert mit mir – gute Dinge. Nur handelt dieser Eintrag nicht davon. Wollte darüber berichten wie ich heile und es mir einfach gut geht.

Mein Leben dachte sich aber – dir geht es gut? Gib mir einen Moment! Ha Ha Ha

Gestern bekam ich einen Anruf von Avni. Zuerst eine WhatsApp. In dieser stand, dass es Rumpelstilzchen nicht gut geht und ein Krankenwagen angefordert wurde. 2 Minuten später dann der Anruf. Rumpelstilzchen ist tot.

Ich fragte mehrmals nach, denn für den Bruchteil einer Sekunde wollte ich es nicht hören. Ich war regelmäßig bei ihm, habe mich um ihn gekümmert. Er hatte ja nichts. Hartz4, arbeitsunfhähig, kein Geld. Ich ging einmal, zweimal die Woche ein paar Lebensmittel einkaufen, damit er sein bisschen Geld für seinen Tabak usw. verwenden konnte.

Am 13. Februar, sein Geburtstag, war ich bei ihm und dann erst wieder Anfang April. An seinem Geburtstag ging es ihm richtig gut. Er war, wie er eben war. Dann Anfang April ein Bild des Leidens. Von da ab war ich jede Woche bei ihm. Seine Schulterschmerzen waren richtig schlimm geworden. Er hatte diese Schmerzen in der Schulter seit gut einem Jahr, vielleicht etwas länger. Er war richtig abgemagert und er hatte nur noch eine leise heisere Stimme. Er erzählte mir, er hätte eine Bronchitis oder sowas gehabt, ihm ginge es aber besser. Die Lunge würde nicht mehr wehtun und er hätte auch keinen Auswurf mehr, kein Fieber mehr usw. Wie er erzählte, dachte ich da aber eher an eine Lungenentzündung.

Ich ließ das alles so stehen. Woche für Woche ändert sich seine Stimme nicht. Er erzählte mir Ende April, das er manchmal keine Luft bekäme und schnell erschöpft sei. Er habe nicht einmal mehr die Kraft um in den Tante Emma Laden zu gehen. Das sind um die 60 Meter nur. Er müsse sich mehrmal setzen. Die Alarmglocken in meinem Kopf schrillten auf. Sie klingelten schon eine Weile. Ich verdrängte das. Ich dachte, vielleicht interpretiere ich zu viel rein und es ist doch nur eine Bronchitis gewesen…

Aber als er mir das erzählte, konnte ich die Alarmglocken nicht mehr überhören. Lungekrebs…ich sprach auch mit ihm darüber. Ich nahm die Worte nicht in den Mund, aber er verstand genau was ich ihm sagte. Auch im Laufe des Mai besserte sich seine Stimme nicht. Und er wurde noch schwächer.

Zuletzt war ich Anfang Juni bei ihm. Er sagte, das Amt würde ihm jetzt mehr Geld überweisen denn eine Ratenzahlung wäre zu Ende. Er sagte mir wieviel er bekäme und das er damit den Monat gut rum käme. Ich meinte, dass wäre ok und ich würde dann so um den 20. wieder vorbeikommen.

Dann gestern der Anruf. Dieser eine Anruf vor dem ich mich schon seit Anfang April gefürchtet habe. Es ging so schnell jetzt. An seinem Geburtstag war er wie immer…nun ein paar Monate später ist er tot. Er ist der letzte aus unserem „inneren Kreis“.

Zuerst starb Norbert, mein Ex/bester Freund. Dann starb mein Mann, mein Engel meine Seele…und nun Reiner….unser Rumpelstilzchen…mit nur 61 Jahren. An seinem Geburtstag kam Hacky auch vorbei und wir sprachen darüber, das wir die letzten seien aus unserer Gang. Wir ahnten alle nicht..ich ahnte nicht, was für eine Bedeutung diese Worte hatten. Nun ist der innere Kreis aufgelöst. Nur ich bin noch da. Aus dem „äußeren Kreis“ sind auch nicht viele mehr da. Nur noch Otto, der Karl, die Künstlerin Uli…Avni und Norman gehören nicht zu „unserem Kreis“. Dieser Freundeskreis, unsere Clique, Gang, Rudel, was auch immer, entstand vor über 20 Jahren. Das waren die „AltBiebricher“ und ich bin als letztes dazu gekommen. Habe alle in einem Alter von 19 Jahren kennengelernt. Ich bin nun 41 Jahre alt. Und nun ist keiner mehr da von unseren Leuten ausser eben uns 5. Künstlerin, Mainzer, Geisenheimer, Hacky und ich. In den letzten 10 Jahre sind die meisten gestorben. Mit Reiner zusammen sind es nun insgesamt 13…

Vorgestern Abend hatte ich schon eine Ahnung. Ich wusste es aber erst hinterher. Ich hatte ein seltsames Gefühl, ich konnte es nicht einorden. Wie so eine Art spontan Depression. Schweren Gemüts ging ich ins Bett und grübelte darüber nach. Ich hoffte das es nichts mit Mama zu tun hatte. Hatte es auch nicht. Als der Anruf kam – wusste ich es. Ich fühlte das Reiner uns verlässt.

Am Abend habe ich mir eine Flasche von seines Lieblingsgetrank (Chantré) geholt. Ihm zu ehren wollte ich einen kleinen Schoppen trinken, mit viel Cola… Den ganzen Tag über war ich recht gefasst. Mein Verstand sperrte ab. Mir sind nicht mal Erinnerungen eingefallen, Gespräche die ich noch vor 2 Wochen geführt hatte usw. Nichts. Nur in einem dicken Nebel kam mal das ein oder andere durch, aber sehr schwach. Vielleicht eine Art Schock, ohne das ich es mitbekommen habe..keine Ahnung…jedenfalls saß ich dann Abends im Garten und trank ein Glas. Der Chantré stieg mir direkt zu Kopf..klar nach der langen Abstinenz. Ich füllte mir ein 2. Glas und nahm mein Handy mit in den Garten. Ich trank ein Schluck und sprach laut „Ach Reiner…“ aus und trank noch ein Schluck. Ich steckte mir die Ohrhörer in die Ohren und spielte eines seiner Lieblingslieder ab. Er hat dieses Lied bis zu Vergasung auf seiner Gitarre gespielt.

Von den Eagles „Hotel California“

Kaum hörte ich das Gitarrenintro brach es aus mir raus. Ich sah ihn ganz deutlich vor mir wie er spielte und ich brach zusammen. Ich heulte und heulte und es tat alles so weh. Alles in mir verkrampfte. Als ich dann aufhören konnte sagte ich mir nur:“ Jetzt bist du wieder beim Horsti…und grüße Norbert von mir. Wir sehen uns wieder.“

Ich komme aus der Trauer nie wieder raus. Vor 7 Jahren Norbert, vor 2 Jahren Horsti, dann mein Papa vor einem Jahr und nun Reiner…dabei ging es mir so gut in der letzten Zeit… Heute habe ich dann erstmal alles abtelefoniert. Polizei, weil die Wohnung versiegelt wurde und ich noch Besitztümer in seiner Wohnung habe. Ortsgericht um zu erfahren wann die Bestattung ist und wie ich an mein Zeugs komme usw.

Unseren Freunden und Bekannten haben Vorderhauszote und ich gestern schon bescheid gegeben. Es ging rum wie ein Lauffeuer.

Naja..mal sehen was nun passiert demnächst. Wann die Beerdigung ist usw.

Leb wohl Reiner…du wirst mir fehlen. Was mich tröstet ist – ein Teil der alten Gang, des inneren Kreises ist wieder vereint.

 

6 verdammte Monate

Heute ist der 10. Juli. Es ist ein Sonntag. Es ist heute auf den Tag genau 6 Monate her, das du gegangen bist…am 10.Januar..Sonntag…

Ich weiß gar nicht wie ich es bis hierhin, bis heute, geschafft habe. Für mich steht die Welt immer noch still, dreht sich kaum spürbar weiter. Die Welt um mich herum dreht sich weiter und mit ihr, ich mich auch ein bisschen. Geht ja gar nicht anders.

Mein anderes Leben ergreift immer mehr Besitz von mir. Es bleibt mir schließlich keine Wahl. Das Leben passiert einfach. Das Leben um einem herum.

Ein Verlust wäre weit weniger schmerzlich, wenn es keine Erinnerung gäbe. Es würde jemand fehlen, aber dieser jemand würde einfach ersetzt werden, sodaß alles seinen gewohnten Gang weiter ginge…

Ich befinde mich in einem, diesem, Leben ohne dich. Ich führe ein halbes Leben und doch ist es ein ganzes..irgendwie…

Ich konnte dich nicht retten. Das vermochte niemand. Es war auch nicht so vorgesehen. Egal was wir taten, nichts half. Selbst unsere göttliche Liebe hat nichts ausgerichtet, oder verändert. Es musste so sein und es ist gekommen, wie es kommen musste. Es war geschehen, es ist geschehen und es wird geschehen. Das Schicksal lässt sich nicht ändern, auch wenn einige anderer Meinung sind. Es lässt sich nicht ändern! Es lässt sich beugen und etwas formen, aber das was passieren soll, wird passieren! Es gibt kein Entrinnen.

Ich fasse es immer noch nicht. Ich habe dich sterben sehen, war bei dir als du gegangen bist. Ich denke nicht, dass du gleich zur Tür reinkommst, oder ähnliches. So ist es nicht, ich habe ja gesehen! Aber mein Verstand verweigert nach wie vor die Realität. Ich weiß das du Tod bist…aber mein Verstand lässt es nicht zu die Realität zu akzeptieren. Würde mein Verstand es zulassen, würde ich auf der Stelle Tod umfallen, glaube ich…

Es ist die bisher größte Herausforderung in meinem Leben und ich habe schon echt heftige, verstörende und zerstörende Dinge erlebt. Aber das was ich jetzt durchmache, ist mit nichts zu vergleichen…nicht mal mit den anderen verstorbenen Menschen, die mir sehr am Herzen lagen…nicht mal bei Bienschen….bei ihm trauerte ich ca. 4 Jahre…

Seit einigen Wochen drängt es mich ein Bild zu malen. Ich habe seit Jahren keinen Pinsel mehr in die Hand genommen, es gab auch nichts zu „bannen“. Ich habe aber Angst davor ein Bild zu malen…wenn ich etwas zur Leinwand bringe, etwas banne, dann ist es auch weg. Ich habe Angst was mein Unterbewusstsein zu Tage fördern wird, was es zu bannen gibt. Auf der anderen Seite weiß ich aber auch ganz genau, dass mir das helfen wird. Es war immer so…sobald etwas in einem meiner Bilder gefangen war, löste sich dieses schlechte und dunkle auf. Man könnte auch ganz banal „Maltherapie“ dazu sagen..für mich ist es mehr…für uns war es immer mehr. Mit unseren Bildern haben wir auch Kontakt zu unseren „Wesen“ aufgenommen…ich habe Angst das Bild zu malen das in mir brodelt und raus will. Wenn ich aber beginne, weiß ich auch, wie heftig das werden wird…ich bin nicht bereit dazu…

Etwa eine Woche vorher, hast du zu mir gesagt – ich wäre jetzt frei. Ich habe das schonmal in einem Beitrag angesprochen, weil ich nicht verstanden habe, was du damit meintest. Ich habe mich mit dir niemals gefangen gefühlt. Im Gegenteil! Mit dir war ich frei, so unendlich frei. Nun fühle ich mich gefangen. Gefangen in einer Welt, in einer Zeit, ohne dich!

Zu unserem Hochzeitstag habe ich 12 Rosen gekauft. 11 rote für jedes Jahr unserer Ehe und eine weiße, für das 12. Jahr…als die Rosen anfingen zu verblühen, fand ich es zu banal sie einfach weg zu schmeissen. Ich habe die Essenz aus diesen Rosen gezogen. Das Rosenwasser bringe ich zu dir auf den Friedhof und gieße das Rosenwasser über dein Grab aus. So sickert die Energie in diesen Platz, auch wenn sich dort nur deine sterbliche Hülle verbirgt.

Die Welt dreht sich zu schnell

Seit ein paar Tagen befinde ich mich wieder in einem Trauertzunami. Ich bin sehr niedergeschlagen und weine oft, was den anderen nicht verborgen bleibt. Neulich, ich war sehr bedrückt, fragte mich Winni warum ich denn traurig sei. Ich schaute ihn entsetzt an und fragte ihn: „Das fragst du mich jetzt im Ernst?“ In dem Moment fiel es dem anderen ein. Achja stimmt ja, tut mir leid – sagte er. Ich war für einen kurzen Moment echt erschüttert. Dann dachte ich mir, ich kann dem ja gar keinen Vorwurf machen…

Wir leben in einer super schnell-lebigen Zeit. Für alle unsere Freunde und Bekannte ist vor gut 4 Monaten ein Freund gestorben, und das Leben der anderen geht eben schneller weiter, als es bei mir der Fall ist. Wir haben alle unsere Leben irgendwie, mit unseren Alltagsproblemen, mit unseren Situationen und mit unserem Überlebenskampf. Da bleibt kein Platz für Trauer. Bei den anderen ist mein Engel bereits nur eine Erinnerung, nichts weiter. Bei mir ist es grausamer Alltag mich mit meiner Trauer auseinanderzusetzen. Nebenher…nebenher zu meinem Überlebenskampf. Meinem Vermieter ist es egal, warum ich die Miete nicht bezahlen kann, oder meinem Stromversorger…denen ist es auch egal. Wenn ich nicht mehr bezahle, klemmen die mir den Strom ab. Ist ja auch verständlich…aber es kümmert niemanden warum ich keine Rechnungen mehr bezahlen kann… (Anmerkung: Ich kann alles bezahlen, darum geht es nicht)

Die Welt dreht sich so schnell das jemand, der gerade in einer Krise ist, ignoriert wird. Es gibt keine Unterstützung, es wird einem keine Zeit gelassen. Man trauert und fühlt sich verloren, überfordert und allein gelassen. Man hat den Kopf nicht frei um sich dem schnellen Tempo der Welt anzupassen. Für einen selbst, steht die Welt still…

Gestorben wird jeden Tag. Es gibt so viele trauende Menschen da draussen, aber es wird erwartet, möglichst schnell wieder im Sattel zu sitzen und loszupreschen. Wenn jemand „zu lange“ trauert, wird er der Mensch schnell abgetan. Er ist dann depressiv, oder suhlt sich nur zu gerne in seinem Selbstmitleid. Ob das stimmt, oder nicht, spielt keine Rolle. In der Gesellschaft wird eine „zu lange“ Trauer nicht akzeptiert. Erst dann, wenn es einen selbst trifft, merkt man wie unbahrmherzig die Gesellschaft ist. Es fällt ein Gehalt, ein Lohn weg und man trudelt unter Umständen schnell in finanzielle Nöte. Als hätte man nicht schon genug Probleme. Von einer regelrechten Existensangst mal ganz abgesehen. Nach einem Sterbefall, des Partners, rutschen viele ins soziale Netz. Dort ist man sowieso Mensch zweiter Klasse. Das macht das Leben nicht einfacher. Dann wundern sich die anderen Menschen, wenn man verbittert wird. Kauzig, verschlossen und bösartig. Es ist nur ein Abwehrmechanismus…jeder hat sein Schicksal zu tragen, aber niemanden kümmert es. Nicht wirklich, nur oberflächlich.

Der Mensch verdirbt, weil es keinen Platz für den MENSCHEN gibt. Klar gibt es TrauerSelbsthilfegruppen..aber mal im Ernst. Wenn es dem einen, oder andern hilft, ist ja alles gut. Wie hilfreich kann aber so etwas wirklich sein?, warum kann nicht jeder Trauernde einen Nutzen daraus ziehen? Weil es eben auch nur eine Mechanik der Gesellschaft ist. Es soll nur dazu dienen, den Trauernden möglichst schnell wieder aufzurichten. Damit er seine Aufgabe in der Gesellschaft erfüllen kann. Der trauernde Mensch ist aber keine Maschine, welche man so einfach reparieren kann. Es gibt kein Allheilmittel, das auf alle gleichermaßen zutrifft.

In Amerika, wo sonst, wird einem eine Trauerzeit von 2 Monaten gewährt. Sollte man danach noch trauern, gilt man als geistesgestört und als depressiv. Kein Witz! Ich habe die Tage einen Artikel darüber gelesen und ich finde, er drückt genau das aus, was ich mir hier niedergeschrieben habe…man hat zu funktionieren..egal wie fest das Leben einem ins Gesicht schlägt.

Fehler im System…

Düstere Gedanken, aber HEY That´s Life

Der Tod begleitet mich mehr, als andere Menschen. Aber warum? Ich bin in Afrika aufgewachsen. Als Kind habe ich den Tod schon oft gesehen. Als Kind begreift man es aber nicht. Man denkt nicht darüber nach. Meinen ersten Toten, den ich kannte, war ein Freund meines Vaters. Ich war 8, oder 9, vielleicht auch älter, ich weiß es nicht mehr, und er ist an Lungenkrebs gestorben. Hat nie geraucht. Ich habe es nicht begriffen. Er war halt einfach nicht mehr da, und er war so lustig. Es hat mich nicht bedrückt, konnte damit nichts anfangen. Ein paar Jahre später ist wieder jemand gestorben, den ich kannte. Da hatte ich das erste mal das Gefühl von Trauer. Ich weiß noch wie ich um ihn geweint hatte. Auch ein Freund meiner Eltern. Ich weiß nicht mehr wie alt ich da war. Aber ich habe begriffen was es bedeutet!

Während meiner Schulzeit in Afrika sind auch Menschen gestorben. Klassenkameraden, Leute eine Stufe höher, alles Leute die ich kannte, mit denen man was zu tun hatte. Da war ich um die 14 denke ich. Als ich 16 Jahre alt war, sind wir nach Deutschland zurück gekehrt. Dann war eine Weile Ruhe. Ich bin zwar hier in die Schule gegangen, aber hier läuft alles etwas anders. Ich kannte die erste Zeit ja niemanden und habe mich nur um mich gekümmert, nebst Familie eben. Irgendwann starb mein Opa. Ich war traurig, aber nicht so sehr irgendwie. Ich hatte meinen Opa ewig nicht mehr gesehen. Jahre nicht mehr gesehen. Die Verbindung war nicht eng…es hat mir aber sehr leid getan…

Irgendwann ging es richtig los. Seitdem ich Anfang 20 bin, sterben Leute in meinem Umfeld. Menschen, mit denen ich eng zu tun hatte und Menschen die ich nur flüchtig kannte. Ein Freund sagte vor ein paar Jahren mal: „Man sollte seinen schwarzen Anzug nicht zu weit hinten im Schrank vergraben.“ Makaber, aber wahr!

Im Schnitt ist alle 1 bis 2 Jahre jemand gestorben. Ich weiß gar nicht, auf wie vielen Beerdigungen ich war… Unser Freundeskreis dünnt sehr aus in den letzten Jahren. Auch ich selbst, bin dem Tod schon von der Schippe gesprungen. Aber er ist immer da, er ist immer bei mir. Aus Unterhaltungen mit anderen habe ich erfahren, daß die meisten Menschen bei weitem nicht so viele Tote zu beklagen haben. Die Eltern, die Großeltern maximal. Der ganz normale Gang eben. Aber das ich jemanden getroffen hätte, der fast jedes Jahr einen Toten zu beklagen hat – Nein…da bin ich in der Tat ein Einzelfall…

Ich bin ein Lebensbejahender Mensch, lache gerne und viel. Aber die andere Seite in mir ist düster…warum begleitet mich der Tod mehr als andere Menschen? Warum ist er immer in meiner Nähe. Abgesehen davon, daß ich ihm schon entkommen konnte, kommt er mir sehr nah. Mein Ex, mein bester Freund, Bienschen, ist gestorben vor 5 Jahren. Ich habe 4 Jahre lang um ihn getrauert. Vor 4 Monaten ist meine Seele gestorben…2 Menschen mit denen ich sehr sehr eng verbunden war. Mit meinem Engel noch viel mehr…

Manchmal fordere ich den Tod heraus. Es ist nichts risikohaftes, oder so. Manchmal denke ich mir aber, wenn ich unter einem Kran laufe, daß dieser doch umfallen möge und mich unter sich begraben soll. Sowas in der Art, ein dummes Unglück eben, wie es so passiert. Ich bin dann enttäuscht, wenn der Kran nicht umfällt. Ich kenne mein Schicksal nicht, ich weiß aber, daß ich noch nicht dran bin. Ich habe noch Aufgaben im Leben zu erfüllen, daran kann auch Gevatter Tod nichts ändern.

Meine Eltern sind beide sehr krank und es dauert nicht mehr lange, da werde ich mich um sie kümmern müssen. Ich mache das gerne, es sind ja schließlich meine Eltern! Sie haben mich ins Leben begleitet und ich begleite sie auf ihrem letzten Weg. Ich wünschte natürlich, es würde noch dauern…vielleicht sind es noch 2, oder 5 Jahre, aber keinesfalls mehr als 10 Jahre. Seit etlichen Jahren habe ich das Gefühl aus der Trauer nicht mehr rauszukommen. Es sind einfach zu viele Menschen, die ich kannte, die ich mochte, die mir was bedeutet haben…

Ich lache viel und bin ein positiver Mensch, aber wenn ich es zulasse, zereisst mich was ich bisher erleben durfte…nur warum ist das so? Warum ist der Tod immer in meiner Nähe? Was hat das zu bedeuten?

Mein Engel und ich teilen nicht den Grabkult. Es ist irgendwo lächerlich. Jeder rennt auf den Friedhof, um die leere sterbliche Hülle zu betrauern, dabei ist doch die Person gar nicht da. Sie ist überall, wo man sie spüren kann. Zu Hause, an schönen gemeinsamen Orten, im Herzen..aber nicht dort auf dem Friedhof…gebunden an sein Grab.. Trotzdem gehe ich auch auf den Friedhof, wohlwissend das er ja gar nicht da ist…nicht dort! Der Friedhof macht aber einem mehr als bewusst, wie vergänglich alles ist. Es zwingt einem zu Gedanken seinen eigenen Tod an sich ran zu lassen. Wie will ich beerdigt werden?, ist der banalste Gedanke dazu. Mir ist es mehr als egal, denn wenn ich irgendwann auch mal diesen Planeten verlasse, interessiert es mich doch nicht mehr, was mit meinem Körper passiert. Er gehört mir dann nicht mehr, brauche ihn nicht mehr und es spielt für mich auch keine Rolle mehr. Der Grabkult dient nur den Angehörigen…eine teure Angelegenheit ist es dazu…

Es ist seltsam…was will der Tod von mir? Er weiß doch wann ich dran bin…soll er doch jemanden anderes auf die Nerven gehen…. C´est la vie

Bis dann

 

 

Brief an meinen Engel

Der gestrige Tag war ganz gut. Hatte bisschen was zu tun und Freunde waren da. War lustig und alles entspannt. Am Abend machte ich es mir gemütlich und zappte im Tv rum. Es lief nichts wirklich interessantes. Ich schaute mir auf RTL Crime „The Blacklist“ an, habe aber irgendwie nicht viel mitbekommen. Was ich danach schaute, weiß ich gar nicht mehr. Mein Kopf fing an zu rennen und ich hatte 1000 Gedanken im Kopf. Ich schnappte mir meinen Block und fing an zu schreiben, gleichzeitig zu reden – mit ihm. Ich schrieb meinem Engel einen Brief, den ich auch hier festhalten möchte. Das Internet vergisst nichts…den originalen Brief übergebe ich dem Feuer…

Auch wenn dieser Blog im Grunde nur mir alleine dient, möchte ich trotzdem vorneweg schieben – wer nicht mag, hört hier auf zu lesen….wer nicht weiß, wie es ist, jemanden zu verlieren, kann nicht nachvollziehen wie man dabei fühlt…welchen Schmerz man erleidet und ertragen muss..welche Gedanken man hat, welche Ängste einen packen können..

Brief an meinen Engel

Ich möchte so gerne wissen, was du gerade machst. Auf welcher Ebene du dich gerade befindest. Bist du noch in der Heilung? Bist du schon weiter?

Ich fühle mich so unvollständig. Ich fühle mich wie eine Rose, an der die Blüte abgebrochen ist. Zurück bleibt nur noch der Stiel mit den Dornen und den Blättern. Vermisse dein Lachen, deine Stimme, deine weisen Worte. Ich wollte heute nicht weinen und mache es doch.

Dein Bruder sagt mir immer wieder, daß er dich anruft. Nur um deine Stimme auf der Mailbox zu hören. Denke mir manchmal, ich mache das auch. Aber ich mache das nicht. Ich weiß ganz genau, wenn ich deine Stimme hören würde, könnte ich es nicht ertragen und würde zusammenbrechen. Es würde mich zerstören…ich kann es einfach nicht…

Die Menschen um mich herum sind so lieb zu mir. Nicht unbedingt aus Mitleid, nein. Sie behandeln mich inzwischen ganz normal. Nicht wie ein rohes Ei, ganz normal eben. Trotzdem versuchen sie mich immer mal wieder zu trösten. Aber sie können es nicht. Suche ich überhaupt nach Trost? Will ich getröstet werden? Warum kann ich den Trost nicht annehmen?

Was tröstet denn einen? Ich habe bisher nichts gefunden, nichts annehmen können. Egal was passiert, was gesagt wird, es tröstet mich einfach nicht…es hilft mir nicht. Es ist mir sogar eher unangenehm, wenn ich merke, daß mich jemand trösten will. Ich lenke dann immer sofort ab..du kennst mich ja….

Du hättest jetzt die passenden Worte für mich. Du hättest jetzt was dazu gesagt und es wäre so einfühlsam und so logisch. Nicht manipulativ, eher zum Nachdenken anregend. Ich würde eine andere Sicht auf die Dinge bekommen…und es würde mir helfen. Ich brauche dich! Niemand sonst vermag die Worte zu wählen, du die hattest. Ich muss mit dir reden..bitte..

Weißt du noch?, du warst dabei – ich musste dein Bild versiegeln. Es sollte sich nicht mehr weiter drehen. Siehst du, wie ich weine? Dein Bild dreht sich! Ich sehe neue Dinge, neue Wesen, neue Linien in deinem Bild. Mein Siegel weint. Das Rot und das Schwarz bahnen sich ihren Weg durch mein Siegel hindurch, und es sieht aus, als weint es. Es ist so wundervoll. In dem Moment, als ich sah das sich dein Bild dreht, habe ich mich dir so nah gefühlt. Gleichzeitig war es so grausam. Deine Magie ist noch da. Mein Siegel hat das Bild nicht angehalten. Nicht für lange. Es fängt wieder an sich zu drehen. Es ist sogar Künstlerin aufgefallen und sie fragte mich, ob ich an dem Bild war, ob ich was daran gemacht hätte. Ich verneinte, fand es aber schön, daß es ihr aufgefallen war. Dein Bild an der Wand lebt noch. Deine Energie ist enthalten und sie fließt.

Ich wurde schon gefragt, ob ich es überstreichen möchte. Ich bin nahezu ausgerastet und derjenige erkannte, daß er was ganz blödes gesagt hatte. Du weißt, wen ich meine..nicht schlimm. Ich habe überhaupt nichts verändert in der Wohnung. Nur das, was wir sowieso vor hatten. Das habe ich gemacht. Aber alles andere ist so wie es war, wie wir es uns vorgestellt hatten. Es ist, als würde ich auf dich warten. Als wärst du nur in Polen um neue Motorräder zu kaufen, oder im Krankenhaus… Ich weiß, daß du nicht mehr zurück kommst. Schon gar nicht in der Erscheinungsform, die du hattest hier auf Erden, in dieser Zeitschiene.

Baby, warum tun wir uns das immer wieder an? Wir kennen uns seit Jahrhunderten! Wir gehen immer gemeinsam auf die Reise. Sind wir so pervers, daß wir uns immer wieder so ein Leid antun? Was ist es, daß wir nicht begreifen?, daß wir nicht lernen? Du weißt es..jetzt…aber mir bleibt dieses Wissen verborgen…noch…

Ich muss mit dir reden, aber alle sagen, es wäre noch zu früh…sie kennen uns aber nicht..halten es nicht für möglich, wie wir waren..wer wir sind..

Ich habe dir gesagt, daß du dir keine Sorgen um mich machen musst. Ich schaffe das schon..ich bin „mehrere“, das weißt du. Mein „offizielles ICH“ macht ihren Job gut…alles andere obliegt bei mir.. Der Tod trennt uns nicht…das hat er niemals getan…

Ich liebe dich!

 

Gedankengang im Alltag

Jeder Mensch hat das Recht so zu sterben wie er/sie es möchte und auch wenn das heisst – der schulmedizinischen Krebstherapie den Rücken zu kehren. In unseren Fall war es unser beider Entscheidung diesen Weg gemeinsam zu gehen – den Weg ohne Krankenhaus-Krebsmedizin.

Ich möchte nicht das Schatz lange leiden muss, nicht länger als es eben sein wird. Chemo verlängert das Leiden nur unnötig. Es geht hier nicht um Jahre, es wären nur schreckliche Wochen, vielleicht wenige Monate. Ich will mir das nicht antun. Ich will nicht mit ansehen müssen, wie er Qualen erdulden muss, bis er erlöst wird. Wie soll ich das denn aushalten? Ich will ihn nicht sehen müssen – dabei mich selbst quälen – und dabei denken  „Bitte lass es endlich vorbei sein!“

Überhaupt will ich am wenigsten das er stirbt, schon gar nicht auf diese Weise – aber es ist wie es ist. Ich wünschte es wäre anders – ich würde alles dafür geben! Ich würde jeden Preis bezahlen!
Ich werde so oder so durch eine schwere Zeit in meinem Leben gehen müssen. Ob das nun morgen ist, oder in 2/5/10 Jahren – ob Schatz nun an Krebs stirbt, oder wegen etwas anderem. Irgendwann sterben wir alle. Es geht nur um das WIE und WO. Davor kann man niemanden beschützen. Der Tod gehört zum Leben.

Was für einen Sinn macht es den Tod hinauszuzögern? Wem ist damit geholfen? Dem Betroffenen?, den Angehörigen?, den Ärzten? Sicherlich ist mir damit nicht geholfen, im Gegenteil! Ich will ihn nicht gehen lassen, aber ich will noch weniger sein Leiden verlängern – und damit gleichzeitig mein Leiden!

Was ist, wenn er stirbt während ich schlafe? Sang und Klanglos mitten in der Nacht. Das ist meine größte Angst. Dennoch wünsche ich ihm einen friedlichen Tod. Einfach friedlich einschlafen…für immer… Vielleicht wird es aber auch ganz anders, vielleicht wird das ein minutenlang andauernder Todeskampf, wenn es soweit ist…wer weiß das schon. Ich bin bei ihm, wenn seine Seele seinen irdischen Körper verlassen wird. Der Tod scheidet uns nicht. Ich bin und bleibe seine Frau. Wir werden uns wiedersehen…irgendwann…ich kann ihn nicht begleiten an den Ort, an den er geht. Aber wir werden uns wiedersehen! Dessen sind wir uns sicher.

Ich will ihn nicht gehen lassen – aber ich mache mir auch nichts vor. Keine Schulmedizin und auch nichts anders kann ihn retten. Es ist einfach zu spät. Seinen Geburtstag wird er nicht mehr erleben, oder meinen. Vielleicht den Jahreswechsel nicht mehr, oder gar Weihnachten. Ich weiß nicht wie lange wir noch haben…ein paar Monate eben…

Er verliert wieder an Gewicht. Ansonsten geht es ihm „gut“ soweit. Wenig Schmerzen. Gestern Nacht hat er durch geschlafen. Hunger hat er und er isst. Auch lachen wir viel und lästern. Es gibt Momente da ist alles so, als wäre nie was gewesen. Er ist fröhlich und ausgelassen und zieht mich mit. Ich vergesse für einen Augenblick die traurige Wahrheit und in diesen Momenten scheint mir alles unwirklich zu sein, nicht fassbar und gar nicht wahr. Aber die Realität holt einen immer ein.

Heute habe ich gefüllte Pfannkuchen gemacht. Mit Pilzfüllung, dazu einen Salat. Schatz hat 3 Pfannkuchen mit Füllung gegessen. Hat also ordentlich zugeschlagen. Heute Abend mache ich ihm Rühreier mit Griebenschmalzbrot. Mich schüttelt es bei dem Gedanken an Schmalz, aber er isst es gerne und es ist Fett pur. Nicht das schlechteste für sein Gewicht. Den obligatorischen Smoothie gibt es natürlich auch.

Heute morgen gab es einen Bananen, Nektarinen, Orangen Smoothie und heute Abend gibt es dann einen Ananas, Erdbeeren, Kiwi, Kokosmilch Smoothie.

Den ganzen Nachmittag saßen wir im Garten und haben uns entspannt. Zeitweise sind wir auch eingeschlafen. Es ist einfach herrlich – die Ruhe, das Vogelzwitschern und der sanfte Wind. Selbst die Wespen waren heute entspannt, waren nämlich nicht da. Nur kurz nach dem Essen, aber dann waren sie wieder weg.

Es ist jetzt spätnachmittag und ich werde mich mal in die Küche schmeissen und Geschirr spülen usw. Danach gehe ich unter die erfrischende Dusche und schon ist es wieder Zeit fürs Abendessen. Die Tage fliegen nur so an uns vorbei – ich bin doch gerade erst aufgestanden…so fühlt es sich nahezu jeden Tag an.

Morgen früh muss ich Rezept holen und Schatz kommt mit – Blutabnehmen ist angesagt.

Bis dann

Runes of Magic Tod!?

Hallo B)

Gestern habe ich nach relativ langer Spielpause, 3-4 Monate oder so, mal wieder in Runes of Magic reingeschaut.
Aus dem „reinschauen“ wurden dann 2 Stunden Spielzeit.

In den 2 Stunden ist mir EIN anderer Char begegnet 😐 Ich war im Staubteufel-Canyon, Varanas und im Gebiet der Burg Grafu – weiß grade nicht wie das Gebiet heisst.

Ich fand es aber irgendwie traurig, das NIEMAND da war..und das Freitag Abend zwischen 6 und 8 Uhr 😐

Einerseits hat es mich früher manchmal so genervt, das soviele Leute da waren – die haben einem oft die Mobs geklaut und es hat eben länger gedauert um eine Quest abzuschließen. Wenn nun aber so gar keiner da ist, ist es auch doof 🙄

Ist Runes of Magic tot? Selbst der Chat war ruhig – zumindest von echten Spielern…alle halbe Stunde hat jemand im Worldchat paar Leute für einen Run gesucht – das war es aber auch….Zonenchat tot!

Ansonsten dauerfeuer von Goldsellern 😡

Es war zwar abzusehen, das ROM langsam die Luft ausgeht, aber das es SO schlimm ist, hatte ich nicht geahnt. Ich war/bin sehr enttäuscht..bin zwar lieber solo unterwegs, aber manchmal braucht man andere Leute – für Gruppenquest, oder für Instanzen.

Weiß nicht was ich denken soll – es ist wie gewohnt eigentlich, aber es ist leer…man läuft durch die Gebiete und es ist alles wie eine Geisterstadt..selbst wenn man selbst in den Zonenchat schreibt, niemand antwortet einem…

Erst dachte ich ja noch „super“ dann kann ich wenigstens paar Bossquesten abschließen – aber dann doch Pustekuchen – die sind natürlich weg! Die Ameisenkönigin zB…die spawnt nur alle 24 Stunden, und die holt sich halt irgendjemand..sowie paar andere Bosse die selten spawnen…

Also ist alles im allem echt enttäuschend >:-[ aber auf der anderen Seite fände ich es schade, wenn ROM ganz down geht – denn so gesehen macht es mir trotzdem Spaß, man hat Platz und genug Zeit eine Quest abzuschließen – ach ich weiß auch nicht 😉

Das Auktionshaus habe ich mir nicht angesehen – aber ich vermute mal, dass da entweder unglaubliche Wucherpreise für Items drin stehen, oder kaum noch was….schau später mal rein 😉

In diesem Sinne :wave: