Freunde

Die Nacht wieder eher schlecht geschlafen. Heute morgen hatte ich einen Anflug von „ich stehe heute nicht auf, ist mir doch egal“. Bin aber dann trotzdem gegen 8 Uhr hoch. Ja, 8 Uhr – später als sonst. Gegen halb 6 etwa war ich wach und habe mich dann umgedreht und wollte einfach schlafen. Erstmal einen Tee gemacht, wach werden, zum Tante E Laden gehen. Boah war das frisch heute morgen draussen..

Heute habe ich einiges geschafft. Geht auf einmal schneller als die letzten Tage. Liegt aber daran, daß ich nicht 1000 Kleinteile sortiere, sondern eher größere Dinge. Einen blauen Sack hatte ich voll, mit Kram der keine persönliche Bedeutung hat. Weder zu ihm, noch zu mir. Kaputte Kabel usw..Zeitungen…Dann, hinter dem Schrank stand seine Tasche. Eine große Tasche, in der man Bilder und Zeichnungen aufbewahrt. Ein paar gemalte Bilder habe ich aufgehängt. Ich kann mich an jedes erinnern, wie er es gemalt hat…

Bilder, die lose rumstanden, habe ich in die Tasche gepackt. Bilder die in der Tasche sind, habe ich mir nicht angesehen. Ich nehme mir Zeit dafür…hänge einige auf..er ist in jedem seiner Bilder…Am Mittag kam Bruder mal vorbei. Rumpelstielzchen war auch da und ich hatte was zu Essen bestellt. Schnitzel mit Pfeffersoße – haben wir uns geteilt. Gegen 14 Uhr sind beide wieder gegangen und ich wartete auf Freundin. Wir wollten heute zum Friedhof. Um 15 Uhr kam sie dann und wir sind direkt los. Ich habe am Kiosk 3 Apfelkorn gekauft, und für die Kränze einen blauen Sack..naja Tüte halt, diese ganz großen Müllbeutel…

An seinem Grab angekommen, stellten wir erstaunt fest, daß die Kränze noch relativ gut aussehen. Einige Blumen sind abgeblüht, aber die meisten sind noch richtig frisch. Ich redete mit Schatzi und Freundin und wir tranken auf ihn unseren Apfelkorn. Ich habe dich nicht vergessen – sagte ich, und mein Engel bekam auch seinen Apfelkorn. Ich nahm mir eine rote Rose aus dem Kranz. Die nehme ich mit nach Hause…sagte ich. Ich verabschiedete mich von meinem Engel und wir gingen an das Grab von Bienschen. Auf seinen Grab waren frische Blumen. Er hätte am 27.01 Geburtstag gehabt und offensichtlich war seine Schwester da. Schön…

Das Wetter war gut. Es war kalt, es ging…und die Sonne war da. Wir fuhren wieder zu mir nach Hause. Freundin und ich tranken ein Glas Wein und lästerten über Dschungelcamp, über Leute die wir kennen und es war sehr lustig. Rumpelstielzchen kam auch rüber und kurze Zeit später Geisenheimer. Wir lachten, redeten, lästerten und es war schön. Ein richtig schöner Abend mit Freunden. Manchmal, wenn die anderen sich heiss diskutierten, hielt ich inne. Ich nahm mein Glas und flüsterte vor mich hin – Prost mein Schatzi..ich wünschte du wärst hier..es ist wie in alten Zeiten…du fehlst mir…

Morgen mache ich im Raum weiter. Den Schrank weiter ausräumen und sortieren..ist noch eine ganze Menge, aber ich habe ja keinen Druck…heute habe ich eine Karton ausgeräumt und empfand diese tiefe Liebe von meinem Engel. Ich fand Liebesbriefe, die ich an ihn geschrieben habe. Sorgfältig hat er sie alle aufbewahrt..selbst die kleinen Zettelchen, die ich mal vor Jahren in seinen Adventskalender getan hatte..selbst diese banalen Zettelchen..kennt jeder .. „Bin mal kurz weg“, Du hast noch geschlafen, wollte dich nicht wecken“ usw..die hat er auch alle aufgehoben…er hat alles von mir aufgehoben…

Morgen gehen ein paar Freunde und ich zur Rollschuhdisko…sie haben mich dazu überredet. Ich bin manchmal sehr froh das ich nicht ständig alleine bin, meist wünsche ich es mir aber. Ich will einfach meine Ruhe haben…Zeit für mich und mit mir selbst…habe mich dann halt überreden lassen und mal sehen…

Bis dann

Das erste Wochenende..

Ich war natürlich wieder früh wach..ich habe immer noch die „Zeiten“ drin..das wird sich geben..irgendwann..hoffe ich.

Ich konnte nicht weg. Die wollten ja das Bett abholen. Im Laufe des Vormittags…wie ich solche Angaben hasse. Gegen 10 Uhr dachte ich mir aber, was solls…sagte unserem Nachbarn bescheid, daß ich mal eben 10 Minuten weg bin, ob er er aufpassen könnte, weil die das Bett abholen kämen. Kein Problem sagte er – und ich gab ihm unseren Haustürschlüssel. Wie es nämlich so ist – immer dann wenn man nur mal ganz kurz weg ist, kommen die Leute….ich flitzte also los. Lotto spielen, kurz in den Tante E Laden. Wieder nach Hause..die waren nicht da wegen dem Bett. Auch gut. Bin dann raus und habe die Nummerschilder vom Auto abgemacht..fand ich so traurig…sein Autosche…unsere „Zicke“.

Ich lief nur in der Wohnung hin und her, fand keine Ruhe. Gegen halb 12 kamen der Typ dann endlich und hat das Bett inerhalb von 10 Minuten abgebaut. Obwohl ich es endlich weg haben wollte, kam es mir dann aber wieder wie ein kleiner Abschied vor…es war seltsam. Noch seltsamer aber war es, als ich den Tisch wieder an seinen Platz stellte. Es war so viel Platz auf einmal in der Wohnung..es ist alles wie vorher…und doch ist es nicht so. Es ist so viel Platz auf einmal wieder – und es ist so leer..mein Engel fehlt…es ist auch kälter in Wohnung als vorher. Seine Wärme.. unsere Wärme ist nicht da…

Ich machte mich fertig und bin runter in die Stadt. Erst in DM, dann in C&A nochmal, dann in den Listman. Dort traf ich eine gute Bekannte, die dort arbeitet. Wir unterhielten uns kurz. Ich holte einen Gold Lackstift für die Urne. Dann wieder schnell nach Hause. Ich weiß gar nicht warum ich so geflitzt bin, ist doch keiner mehr da der auf mich wartet und sich freut, wenn ich wieder da bin…trotzdem.

Ich packte alles an seinen Platz, Shampoo etc und packte meine Sachen. Auch die Nummernschilder hatte ich dabei. Auf zu meinen Eltern. Als ich dort ankam, war es auch erst wie immer. Die ersten 1, 2 Stunden waren gut. Es war, als wäre ich halt nur zu Besuch dort. Mein Papa schaute Fussball, Mama und ich spielten Rommé. Dabei erzählte ich ich wie die Einäscherung war. Dann fing es auch an komisch zu werden. Als ich mich dann am Abend umgezogen hatte, Jogginghose usw, überkam mich ein schlechtes Gewissen. Ich war soweit weg von zu Hause (Nordenstadt). Ein seltsames Gefühl. Ich weiß ja, daß mein Baby nicht mehr da ist, trotzem hatte ich dieses blöde Gefühl nicht zu Hause zu sein…bei ihm..

Im Fernseher lief nichts und wir haben dann eine DVD geschaut. Mockingjay Teil 1 von Tribute von Panem. Ich versuchte den Film zu schauen, aber meine Gedanken schweiften immer wieder ab…der Film war zu Ende, es war halb 11 Uhr etwa..ich wollte ins Bett gehen. Meine Eltern auch. Recht schnell schlief ich ein…wie immer wachte ich zu unseren Zeiten auf und schlief von da an nicht mehr so gut. Um 7 Uhr bin ich dann hoch und geisterte leise durchs Haus. Um viertel nach 8 fing ich an die Rollos hoch zumachen und hörte wie mein Papa auch aufstand. 20 Minuten später auch die Mama. Normale Zeit bei ihnen.

Der Vormittag ging schnell rum. Gegen 11 Uhr kam meine Schwester und es gab Mittagessen. Kohlrouladen. Das erste richtige Essen seit langem wieder… Wir spielten Mensch – ärgere – dich – nicht und Rommé wie immer..und eben weil es „wie immer“ war, war es wieder seltsam. Ich schaute auf die Uhr, immer wieder, und stellte mir vor wie es war, als mein Schatz gegen halb 4 an der Tür klingelte um mich abzuholen…heute würde er nicht kommen….er wird nie wieder kommen mich abzuholen…

Zur gewohnten Zeit hörten wir auf zu spielen und wir machten uns fertig. Als wir zum Auto gingen rief mich Bruder an. Wir redeten etwas. Ich musste meine Tränen unterdrücken, war es doch sehr schwer die Informationen weiterzugeben, die er noch nicht kannte. Meine Sis fuhr mich nach Hause und blieb noch einen kurzen Moment. Ich erzählte ein paar Details wie es war und musste weinen..meine Sis umarmte mich und weinte auch..

Als sie gefahren war, kamen gleich 2 Freunde. Unser Nachbar und die Vorderhauszote. Blieben kurz, wenn was wäre – sie sind für mich da. Dann war ich alleine..bin es noch. Ich trinke ein Glas Wein, vielleicht auch 2..der Ofen ist auch angefeuert..es wird warm in der Wohnung und doch ist mir kalt…mein Engel fehlt mir..seine Wärme, seine Nähe…seine Stimme..sein Lachen…

Morgen bekomme ich den Termin für die Beisetzung…mit dem Pfarrer treffe ich mich dann auch bald…die Woche wird richtig schwer für mich und es hört nicht auf…wenn die Beisetzung dann war – muss ich versuchen meinen Alltag in mein Leben zu bringen…ohne ihn..

Bis dann

 

Wieder ein kleiner Schritt

Ich bin gestern gegen Mitternacht eingeschlafen. Der Fernseher lief, aber ich weiß nicht was ich eingeschaltet habe. Ich habe gestern auch zum ersten Mal in dieser Woche das Licht ausgemacht. In der Nacht bin ich um viertel nach 2 Uhr wieder aufgewacht. Es sind immer Schatzis Zeiten gewesen, wenn er in der Nacht geschlafen hat…ich wurde wach und redete mir gleich ein – ich kann schlafen…er ist nicht mehr da…ich machte den Fernseher aus und schlief unter Tränen wieder ein..irgendwie…war ab da aber ein sehr leichter Schlaf. Gegen Morgen muss ich aber doch nochmal fester eingeschlafen sein, denn als ich auf die Uhr schaute war es bereits 10 nach 7 Uhr..

Ich stand auf und machte mir das Bad warm. Wollte duschen. Um viertel nach 8 war ich dann duschen und benutze das Deo von meinem Engel..so kann ich ihn wenigstens noch riechen…ganz schnell wurde es dann 9 Uhr und ich ging zum Bestatter.

Er gab mir die Mappe mit allem darin. Das Stammbuch, Papiere, seinen Ausweis. Ich muss einen Termin machen – wegen der Witwenrente…diese Mappe muss ich dann mitbringen. Auch die Sterbeurkunden waren da…es hat mich zerrissen…wir verabredeten uns für den nächsten Tag, damit ich mit seiner Tochter zum Krematorium fahren kann, um pünktlich da zu sein…der Bestatter fragte ob, ob sie den Sarg nochmal öffnen sollten..Ich sagte nein.. Er ist jetzt schon fast eine Woche tot und er wird nicht so hergerichtet sein, wie als wenn er aufgebahrt würde…diesen Anblick von meinem Engel möchte ich dann doch nicht mehr sehen…der Bestatter fand das gut, wäre auch nochmal extrem belastend von der Psyche her.

Um 11 Uhr war der Termin auf dem Friedhof dann. War wie immer überpünktlich. Sie ging mit mir über den Friedhof zu den Plätzen. Ich wollte einen Platz, auf dem die Sonne scheint. Die Plätze, die sie mir zuerst zeigte, waren furchtbar…sah nicht schön aus alles da. Sie ging dann mit mir zu einem anderen Abteil. Dort war es zwar besser, aber ich fühlte schon eine Enttäuschung in mir wachsen..das hat mir alles nicht gefallen. Das 2. Abteil hätte auch gar keine Sonne..viele Bäume, viele Sträucher, alles sehr eng aneinandergereiht..auch die Gräber.

Sie ging dann zum 3. Abteil mit mir. Das ist oben in der Nähe vom Westeingang. Dort in der Nähe liegt Bienschen auch. Sie steuerte aber einen anderen Weg lang. An dem Abteil angekommen, wären 3 Plätze frei. Ganz spontan entschied ich mich für eines davon. Es ist schön..habe ich nicht mehr erwartet..da ist Platz, es ist ein Eckgrab. So hat er eine Seite frei. Sonne hätte er auch und auch Schatten..wie es bei uns im Garten gewesen wäre. Es ist oben auf dem Hügel des Friedhofs. Ich hatte direkt ein Gefühl als ich das Grab sah. Als hätte er mich angestubst – hier ist es doch schön! Ich sagte, daß es dieses Plätzchen sein soll und fing an zu weinen. Die Friedhofsdame nahm mich in den Arm. Ich beruhigte mich schnell wieder, wollte ich doch stark sein…keine 5 Meter entfernt gibt es eine große Skulptur. Schatz war ein Künstler und das war auch ein Grund diesen Platz zu wählen; fand das Grab schön. So hat er was in der Nähe – was ihm auch entspricht. Auch sonst ist da viel Platz..es ist nicht eng dort.

Danach sind wir wieder ins Verwaltungsgebäude gelaufen und sie hat seinen und meinen Namen aufgenommen; ich musste paar Zettel unterschreiben..dann verabschiedeten wir uns.

So…da kommt er jetzt hin…auf den Nordfriedhof in Wiesbaden…ich bin nach Hause gelaufen. Der Nordfriedhof ist ca. 20/25 Minuten Gehweg von unserem zu Hause entfernt. Aber ich wollte laufen..ich brauchte das…

Es ist alles so komisch…ich weiß, das er nicht mehr da ist…wenn ich aber zu Hause bin, ist es fast so, als wäre er „nur“ im Krankenhaus..aber ich kann nicht zu ihm hinfahren, ihm keine SMS schicken, oder ihn gar anrufen..er kann mich auch nicht anrufen…

Ich kann ihn nicht mehr küssen, wenn ich wohin gehe und nicht mehr küssen, wenn ich wieder komme..oder wenn er mal kurz weg war..er steht auch nicht mehr am Fenster um mir zu winken, wenn ich mal weg gehe…er öffnet mir nicht mehr die Tür, wenn ich wieder nach Hause komme und er mich schon gesehen hat…wie soll ich das alles schaffen..was soll ich nur machen..ohne dich…

Es war halb 1 und ich habe mir eine 5 Minuten Terrine gemacht..ich wollte was warmes…Hunger hatte ich jedoch keinen. Ich setzte mich auf die Couch. Es war dann irgendwann auch 13 Uhr geworden..ich überlegte nochmal zum Friedhof zu laufen. Bienschen hat heute seinen 5. Todestag…habe mich dann aber doch anders entschieden und bin nicht gegangen.

Ich legte mich hin und bin für eine halbe Stunde eingeschlafen..wurde um 10 nach halb 2 wach. Ich sortierte mich und um kurz vor 2 klopfte es an der Tür. Schwägerin kam vorbei und wollte nach mir sehen. Wir unterhielten uns kurz über das was ich heute gemacht habe und was morgen passiert. Dann unterhielten wir uns über ihre Tochter…sie hat mit ihr auch ein Päckchen zu tragen…gegen 3 Uhr ging sie wieder. Ich bin dann zum Tante E Laden. Ich brauchte Weichspüler. Ich habe einen anderen gekauft..ich kann den Geruch eben nicht mehr ertragen…auch den Klingenton vom Handy habe ich geändert….ich hatte vorher einen Alarmton, so ähnlich, und ich will jetzt diesen nicht mehr hören. Erinnert er mich doch an die böse Zeit.

Ich verdränge aber nichts…die wichtigen und stärksten Erinnerungen sind um mich herum. Seine gemalten Bilder hängen an der Wand und auch sonst habe ich nichts verändert und werde ich auch nicht. Was mich aber etwas fertig macht ist – das Bett haben die immer noch nicht abgeholt…heute ist schon Donnerstag…

Wenn ich verdrängen würde – würde ich ihn verdrängen…das geht nicht..will ich auch nicht..kann ich gar nicht…ich werde lernen müssen ohne meinen Engel zu leben…mit dem Schmerz…

Bis dann

2. Tag

Naja eigentlich der 3. Tag, aber der Sonntag zählt irgendwie nicht…die Nacht war wieder so lala..erst bin ich recht schnell eingeschlafen, gegen halb 10 Uhr. Dabei wollte ich doch den Wallraf Bericht sehen – es ging auch um die HSK in Wiesbaden…bei mir seit Jahren nur als „Schlachterklinik“ verrufen..aber auch egal…gegen 3 Uhr bin ich dann wieder aufgewacht, geträumt habe ich auch sicherlich..ich kann mich nicht erinnern…

Um 3 Uhr also wach und wach geblieben..ich habe die Küche aufgeräumt, den Holzofen angemacht, Kram gemacht..geweint…immer wieder auf die Uhr gesehen, sollte ich doch heute wieder zum Bestatter. Er baucht unser Stammbuch, das Geld (Stadtgebühren bla bla) und den Ausweis von Schatz. Ich bin um halb 9 dann los. Der Bestatter ist ums Eck..keine 100 Meter von meiner … unserer … Wohnung entfernt. Der macht aber erst um 9 Uhr auf..toll dachte ich mir und bin dann erstmal in den Tante E Laden. Tante E – Mann war da und ich unterhielt mich mit ihm. Dann noch schnell nach Hause und wieder los.

9 Uhr -diesmal pünktlich. Ich ging rein und der Bestatter war noch nicht da. Sein Sohn war da und ich sollte mich einen Moment setzten, der Bestatter wäre in ein paar Minuten da. Käme aus Östrich und eben der Verkehr…kein Problem sagte ich und wir hielten einen kleinen Small-Talk. Dann verließ er das Zimmer und ich saß da alleine. Ich schaute mir die Urnen an..brauche ich ja auch noch, dachte ich mir.

Ich holte den Ausweis von Schatz aus meinem Geldbeutel und sah sein Photo an. Meistens sind die Ausweisphotos ja immer „KrimminellenBilder“..aber er sieht gut aus auf dem Bild. Ich streichelte sein Gesicht auf dem Photo und spürte, wie mir die Tränen kamen. Ich wischte mir eine Träne weg und schon kam auch schon der Bestatter. Ich begrüßte ihn.

Er setzte sich an seinen Tisch. Sofort begannen wir mit den restlichen Formalitäten. Ich gab ihm unser Stammbuch und das Geld. Er packte es weg, in eine Mappe. Dann sagte ich, ich hätte auch den Ausweis dabei. Gut gut – sagt er, aber bevor ich ihm den Ausweis gab küsste ich das Bild von meinem Schatz. Der Bestatter nahm den Ausweis und packte ihn auch in die Mappe für das Standesamt. Er schrieb einen Zettel, welchen er dazu legte. Er sagte mir, normalerweise würden die Ausweise eingezogen. Er hätte jetzt aber einen Zettel dazu gelegt, daß der Ausweis entstempelt würde, dann könnte ich ihn wieder haben…zur Erinnerung…

Fand ich total lieb und freute mich darüber..hatte noch ein paar Fragen. Ich wollte wissen wie das ist mit seinen Sachen. Ich fragte, ob ich diese wieder bekäme. Der Bestatter sagte mir, wenn es für mich ok ist, würde er in seiner Kleidung verbrannt. Ich staunte kurz und sagte, ich hätte das nicht gedacht – wegen dem Gürtel, die Knöpfe an der Hose…Metallteile eben..das wäre kein Problem antwortete er. Ja gut – er hat seine Lieblingsjeans an, das ist natürlich ok für mich. Er hat eine Zahnprothese..bekomme ich die wieder? Er antwortete – Nein auch die bleibt drin. Ich sagte – ok..dann behält er auch sein Lächeln…schön…

Ich hatte im Schaufenster eine Urne gesehen, die würde Schatzi auch gefallen. Sie war schwarz, matt und hatte unten 5 rote Ringe..also rundherum um die Urne. Ganz schlicht, dennoch „schön“. Die kann man nicht in die Erde setzen, die ist aus Keramik. Die würde nur bei der Trauerfeier um die Aschekapsel sein..ich meinte dann, daß ist ja schon doof..

Die Tochter vom Bestatter holte einen Katalog und zeigte mir ähnliche Urnen. Ich habe dann eine gefunden. Auch schwarz, matt, und hat einen goldenen Ring oben. Die kann man mit in die Erde geben, auch eine Schmuckurne halt. Die würde Schatz auch gefallen. Schlicht, elegant und mit dem goldenen Ring auch schön..ist irgendwie symbolisch mit unseren Eheringen…so empfand ich das in dem Moment..

Wir hatten auch noch ein paar andere Dinge/Fragen geklärt und ich bin jetzt am Donnerstag wieder beim Bestatter. Dann wären auch die Sterbeurkunden da und eventuell auch schon ein Termin für die Einäscherung, Treffen mit der Friedhofsleitung usw…

Ich bin dann wieder nach Hause gegangen. Im Hof bin ich einem Bekannten begegnet. Er kam gleich auf mich zu und sagte, er hätte es schon gehört. Er umarmte mich und ich erzählte kurz was so war. Als ich dann in der Wohnung war, ist es wieder aus mir heraus gebrochen. Ich war relativ gefasst die ganze Zeit, aber ich heulte und heulte bitterlich. Ich vermisse ihn so sehr, ich fühle mich so leer…so verloren. Mein Herz und ein Teil meiner Seele ist weg und ich weiß nicht was ich machen soll…

Vorderhauszote klopfte an der Tür und ich öffnete sie weinend. Er fing auch sofort an zu weinen und wir trösteten uns gegenseitig. Er mich mehr als ich ihn..klar..nach einer Weile ging er wieder. Nun saß ich da und schaute auf die Uhr. Ich wollte heute zu meinen Eltern. Gegen halb 1/1 wollte ich da sein und es war gerade mal viertel nach 10…wie soll ich die Zeit rumbringen? Habe es dann irgendwie geschafft und bin um halb 12 Uhr dann los zum Bus.

Bei meinen Eltern war ich dann um kurz vor halb 1…meine Mama machte die Tür auf und hatte schon Tränen in den Augen. Ich hatte mir vorgenommen gefasst zu sein, aber als ich sah das sie Tränen hatte, musste ich auch wieder weinen. Sie drückte mich und wir schluchzten beide kurz. Dann hat mich mein Papa auch in den Arm genommen und gedrückt.

Wir haben uns hingesetzt und so nach und nach habe ich erzählt was war. Meine Mama ist auch sehr krank und ich will sie nicht belasten..aber ich konnte nicht anders und erzählte ihr im Detail wie es war. Ich heulte und weinte und konnte nicht mehr….ich habe ihr angesehen wie sie leidet, daß ich so leide..das hat mir auch wieder leid getan…nachdem alles erzählt war, haben wir uns Mühe geben von anderen Dingen zu reden. Zwischendurch kam immer mal wieder das Thema hoch und ich weinte, aber alles im Allem haben mich meine Eltern gut abgelenkt. Für eine kurze Zeit…aber es war nicht verkehrt.

Als ich wieder los wollte sagten sie ich könne auch bleiben. Wollte ich gerne, aber ich habe Freunden gesagt, daß ich abends wieder da wäre. Ich habe mich aber entschieden am Wochenende zu meinen Eltern zu fahren. Ich fahre Samstag Nachmittag hin, bleibe die Nacht und fahre Sonntagnachmittag dann wieder nach Hause..ich will ja nicht weg von unserem zu Hause, aber bei meinen Eltern bin ich auch „zu Hause“…es ist halt einfach anders, als wenn ich zu meiner Schwägerin und dem Bruder meines Engels fahre..da ist ja alles „fremd“ dort..

Zu Hause angekommen wusste ich das niemand auf mich wartet. Das ich alleine bin..mein Engel ist nicht mehr da..trotzdem begrüßte ich ihn wie immer, als ich nach Hause kam. Unser Rumpelstilzchen kam gleich rüber. Er hatte ein Päckchen für mich angenommen. Ich habe letzte Woche Freitag mir ein Tablett bestellt, ein verspätetes Weihnachtsgeschenk an mich selbst. 40 Euro…reicht zum datteln..Schatz hat noch gesehen wie ich es mir ausgesucht habe..nun ist er weg und sieht nicht mehr, was es für ein Teil ist….es tut weh…

Meine Eltern haben mir auch ihre Weihnachtsgeschenke gegeben..Weihnachten gab es für uns alle ja nicht. Aber es gab trotzdem eine Kleinigkeit…auch ich habe ihnen ihre Geschenke mitgebracht gehabt. Sie haben gefallen und sie haben sich gefreut. Ich habe mich auch sehr gefreut…

Morgen gehe ich zum Hausarzt, danach kurz in die Stadt in den DM..brauche halt paar Sachen..dann habe ich keinen „Termin“ mehr…morgen kommen aber Nichte und Bruder, vielleicht ruft auch das Sanitätshaus an um das Bett abzuholen…jetzt muss ich erstmal durch die Nacht…

Baby, ich vermisse dich….deine Stimme, deine Nähe, dein Lächeln und Zwinkern, ich vermisse alles…

Kein GirlyGirl, kein BienchenLienchen, kein Schatzi, kein SchatziSpatzi, kein meine Liebe, kein Schnupfi oder SchnupfiPupfi, kein Babe, Babylie oder Lovely..er hatte 1000 Namen für mich…

Bis dann

Der erste Tag

an dem mein Baby nicht mehr bei mir ist. Heute morgen gleich um 8 Uhr habe ich die Pflegekasse angerufen, damit sie die Zahlung einstellen. Das Geld, daß ich für den Januar bereits bekommen habe, muss ich nicht zurück zahlen.

Dann war ich um halb 9 in der Apotheke, die ganzen Medikamente abgeben. Normalerweise nehmen die keine Medis zurück, aber die liebe Frau hat es doch für mich gemacht. Sie hat nicht nur die ganzen BTM Sachen genommen, auch alle anderen Medikamente die Schatz so hatte. Dann war ich noch schnell im Tante E Laden und habe dort auch bescheid gesagt. Sie brauchten mich aber nur ansehen und wussten, es ist etwas schreckliches passiert. Ich erzählte kurz wie es war und sie drückte mich ganz feste.

Als nächstes war ich dann gegen 9 Uhr beim Bestatter. Es ist alles doch etwas teuer, als ich es im Internet laß. Insgesamt werde ich um die 4000 Euro bezahlen müssen. 3000 Euro habe ich, den Rest kann ich per Ratenzahlung dann abstottern. Das ist ok für mich. Er kommt auf den Nordfriedhof, da liegt auch Bienschen…unser/sein bester Freund, der jetzt am 14. seinen 5. Todestag hat….

Der Bestatter sagte mir, sie würden ihn überführen gegen halb 11/11 Uhr.

Ihm ist noch etwas Blut aus dem Mund gelaufen. Ich machte ihm seine Wange sauber, damit er gut aussieht. Danach saß ich die ganze Zeit an seinem Bett und streichelte ihn. Ich sagte ihm immer wieder, wie leid es mir tut, daß er am Ende doch so leiden musste…das er so einen Kampf haben musste…es tut mir so leid für ihn..Gegen halb 11 kamen sie dann. Ich ließ sie rein und wärend sie die Bahre vorbereiteten, küsste ich ihn immer wieder und sagte ihm, daß wir uns bald wieder sehen…Tschüss mein Engel, ich liebe dich…ich küsste ihn immer wieder und streichelte sein Haar. Sie packten ihn ein und er war weg.

Es war nochmal so schrecklich. Auch wenn es nur sein Körper ist, es war so schlimm für mich als sie ihn abgeholt hatten. Jetzt ist er ganz weg…ich heulte erstmal und versuchte diesen Schmerz zu ertragen. Selbst jetzt, wenn ich hier schreibe, hab ich das Gefühl – Ich kann nicht mehr…ich kann das alles nicht…es tut so weh…

Bevor sie ihn abgeholt hatten, habe ich seinen Ehering abgezogen. Ich trage ihn jetzt als Kette um meinen Hals. Sein Ring! Verdammt!

Als ich mich einigermaßen wieder gefangen hatte, kam unser Freund der Geisenheimer vorbei. Er hatte einen Ordner dabei um mir zu zeigen, was er für seinen Vater so latzen musste..ich schaute alles durch, und es hat alles im Allem auch so um die 4000 Euro gekostet…auch Feuerbestattung..Urne…ein Plätzchen auf dem Friedhof. Geisenheimer ging nach einer halben Stunde etwa wieder und ich machte meinen Kram weiter. Wäsche waschen, die Küche aufräumen..mein Schatz würde mir in den Arsch treten, wenn ich jetzt den Kopf hängen lasse…nicht böse gemeint, ich darf natürlich um ihn trauern..aber ich soll trotzdem nach vorne schauen..das Leben geht weiter…Kopf hoch..

Am Mittag kam dann Bruder vorbei und brachte mir Brötchen. Ich habe gestern nichts gegessen und ich habe auch heute keinen Hunger….er wollte mich mitnehmen. Ich sagte ihm, daß ich das nicht könne. Es ist super lieb und fürsorglich, aber wenn ich jetzt 1, 2 Tage bei denen bin und ich weiß ja, daß ich wieder nach Hause komme..und es ist so leer hier…ich kann das nicht ertragen. So bin ich gleich lieber einfach hier zu Hause und mache weiter wie es eben geht. Er hat das verstanden. Später kommt noch Schwägerin und sie wird mich auch zu überzeugen versuchen. Aber ich möchte das nicht. Ich will hier bei mir zu Hause bleiben, wo mein Schatzi ist…

Die Tage möchte ich auch zu meinen Eltern fahren. Ich will sie nicht voll heulen, aber ich war jetzt so lange nicht bei ihnen und ich möchte sie sehen..klar werde ich erzählen und heulen…aber ich will sie sehen. Sind doch meine Mami und Papi, auch wenn ich eine „alte Kuh“ bin…

Ich vermisse ihn so schrecklich, es tut so wahnsinnig weh. Er war immer ein herzensguter Mensch, hat allen immer geholfen Selbst wenn er nichts hatte, hat er alle Hebel in Bewegung gesetzt damit es dem anderen gut geht. Er war so warmherzig und Gut, so Aufmerksam und Charmant. Er hat es nicht verdient…nicht so!

Ich weiß, ihm geht es jetzt wieder gut. Er hat keine Schmerzen mehr und er muss nicht mehr leiden…aber dieses Wissen..es hilft mir nicht..es tut trotzdem so weh…ich vermisse ihn…

Bis dann

Erlöst

Meine Welt hat gestern aufgehört sich zu drehen. Mein Engel hat seine Flügel bekommen – am Sonntagmorgen 10. Januar 2016 um 6:30 Uhr.

Ich schreibe keine Details auf, ist es doch zu intim. Nur so viel sei gesagt – er ist leider nicht einfach nur eingeschlafen, wie ich es mir für ihn doch so gewüscht hatte…er ist erstickt…

Ich rief den pall. Dienst an und kamen auch sofort. Sie machten die Schmerzpumpe ab und legten ihn ganz grade hin. Bruder angerufen und Bruder kam auch gleich…ich war nur am weinen, konnte mich nicht beruhigen. Kurze Momente gab es schon, aber der Schmerz rollte immer wieder über mich drüber.

Sie sagten, daß gleich nochmal eine andere Ärztin käme, wegen dem Totenschein usw. Kurz bevor sie kam, ist Bruder gegangen. Sie hat alle Papiere ausgefüllt, mich getröstet und gelobt was ich doch alles für meinen Engel getan hatte.

Als sie wieder ging habe ich meinen Engel hergerichtet. Es waren mittlweile fast 2 Stunden vergangen und die Starre setze ein. Ich rasierte ihn und habe ihn gewaschen. Mit allem Drum und Dran, Rasierwasser für danach und Deo, damit er gut duftet. Ein neues T-Shirt habe ich ihm angezogen, Unterwäsche, Socken und seine Lieblingsjeans. Als letztes habe ich seine Haare gekämmt und ihm Münzen auf die Augen gelegt. Er sieht aus, als würde er nur schlafen…er lächelt…

Dann habe ich allen bescheid gesagt und es kamen auch fast alle vorbei im Laufe des Tages. Nur Schwägerin war den ganzen Tag bei mir. Nichten kamen, Freunde…alle haben sich rührend um mich gekümmert, selbst in Trauer…ich küsste ihn immer wieder und strich ihm über seine Haare…seine Wange..

Ich habe mich entschieden Schatz auch nicht gestern schon abholen zu lassen..er sollte den Sonntag noch bei mir sein und auch in der Nacht.

Die Nacht habe ich schlecht geschlafen…erst von halb 11 etwa bis um 3 Uhr. Da war ich irgendwie wach und konnte erst wieder gegen halb 6 für eine dreiviertel Stunde etwa wieder einschlafen..ich habe komisch geträumt..

Ich träumte das Schatz im Krankenhaus wäre, Tod..ich war bei ihm und er bewegte sich und fing auch an zu reden. Er sah aber tot aus..blass, die Augen gebrochen, dünn und abgemagert in seinem Wattehöschen. Keiner wollte mir glauben, daß er sich bewegt und mit mir spricht. Einmal kam jemand vorbei und hatte einen kleinen Defibrillator. Ein Stoß – Nulllinie – Schulterzucken. Er ist dann auch mal aus dem Bett gefallen und ich sagte – „sehen sie das nicht? Ein Toter kann nicht aus dem Bett fallen!“ (Szenenwechsel) ich kam ans Bett von Schatz und es war ein Fernseher angeschlossen und Schatz versuchte vergeblich daran zu kommen. Ich half ihm und sah dabei, das er eine Infusion gelegt bekommen hatte. Ich schaute drauf und es war Dexamethason (Kortison) und Propofol…das mit dem Narkosemittel habe ich nicht verstanden, freute mich aber – endlich haben die gesehen, daß er nicht tot ist…dann bin ich aufgewacht.

Heute muss ich anfangen die Bürokratie in Angriff zu nehmen. Als erstes Krankenkasse anrufen bescheid sagen, wegen dem Pflegegeld. Dann zum Bestatter gehen und da alles regeln und meinen Engel abholen lassen..danach Sanitätshaus anrufen – Bett kann abgeholt werden…

Heute Nachmittag wollte Schwägerin vorbei kommen und mich mit nehmen zu sich nach Hause. Ich will das aber gar nicht. Was soll ich denn da? Ablenkung wäre das nicht und „mal raus aus den Wänden kommen“ ist auch nicht, muss ja wieder zurück dann irgendwann…

Hiermit schließe ich das Krebstagebuch. Ich liebe meinen Engel und das werde ich immer tun…

Es weiss ja keiner, der’s nicht erlebt
wie’s ist, wenn einer die Flügel hebt
und leise, leise sich auf die Reise – die letzte macht.
Es weiss ja keiner, dem’s nicht geschah
wie’s ist, wenn einer nun nicht mehr da.
Wenn leer die Stätte des, den man
hätte so gern noch nah.

Ich liebe dich mein Baby!

Wochenende und so

Die Nächte waren gut. Konnten beide gut schlafen, bis auf die wenigen üblichen Unterbrechungen. Samstag verlief auch gut. Schatz sah gut aus und war auch geistig relativ da. Das sollte sich jedoch am Sonntag ändern…

Sonntag Vormittag war alles soweit in Ordnung…am Nachmittag klagte er über Schmerzen und das ihm schlecht sei. Ich machte mir Sorgen, da wir doch die Schmerzmitteldosis hochgesetzt hatten auf 50ziger Pflaster und nach Bedard das Instanyl..ich gab ihm dann das Spray wieder alle 2 Stunden, aber die Schmerzen gingen nie ganz weg. Kopfschmerzen, Bauchschmerzen..alles tut weh..Dann diese blöde Übelkeit…

Gegen Abend gab ich ihm noch eine Tavor zwischendurch. Er lächelte mich immer wieder an Er sagte zu mir – ich müsse mein Herz überbrücken.. Ich verstand erst nicht was er sage wollte. Ich fragte ihn – ich überbücke mein Herz und dann? Er lächtelte und sagte: Mal sehen…

Plötzlich verstand ich was er damit sagen wollte. Ich fühle es. Ich kann es nicht mit Worten „übersetzen“, aber das ist hier auch nicht wichtig. Ich weiß es. Ich sagte dann – ich werde es versuchen… er lächelte wieder.

Der Abend verlief recht ruhig. Bruder war da und Schwester, wie gehabt. Am späteren Abend wurde ihm wieder schlecht. So schlecht, daß er sich übergeben musste. Ich konnte ihm keine MCP mehr geben, der Zeitraum war noch zu eng. Ich gab ihm dann ein Vomex Dragee. Die Übelkeit ging weg – für etwa eine Stunde..dann war ihm wieder schlecht. Er hat sich aber nicht wieder erbrochen. Hatte Bauchschmerzen um den Bauchnabel herum…mein armer Schatz..

Die Nacht war dann wieder richtig scheisse. Ich habe im halbe Stundentakt geschlafen und Schatz hat dafür gesorgt. Einmal sagte ich, ich müsse schlafen, denn wenn ich tot umfalle, kann ich dir nicht mehr helfen..ich sagte das nicht mal ruppig oder so, eher ruhig. Ein Versuch ihn zum schlafen zu bewegen bzw. mich schlafen zu lassen. Er schaute mich traurig an und sagte, ich solle nicht böse sein – er kann nichts dafür.

Och Baby, sagte ich – ich bin dir nicht böse..ich weiß doch das du nichts dafür kannst…ich bin dir nicht böse… Ich strich ihm über seinen Kopf und küsste ihn. Wieder der Versuch mich schlafen zu legen…gegen halb 7 gab ich dann auf – hatte doch so viel zu tun und wie immer Angst, daß mir die Zeit davon läuft…totaler Quatsch – mache ich aber immer so…mich morgens unter Stress setzen..

Er sah ich Schatz sich just in dem Moment nass gemacht hatte. Also Schatz frisch gemacht. Dann einen Kaffee getrunken…ich trinke keinen Kaffee normalerweise, aber heute hatte ich Lust auf einen (Instant) Kaffee.  Dann nach dem Kaffee ran an den Kaminofen. Seit einiger Zeit heizt der nicht mehr richtig und fing dann auch noch an zu qualmen wie Hund. Ich ließ das Feuer heute Nacht ausgehen und machte den Ofen heute morgen gründlich sauber. Dann der schmutzigste Part – das Rauchrohr…ich montierte es ab, was einfacher ging, als ich es dachte. Das Rohr war total zu. Also das Rohr sauber geputzt. Rohr war sauber, ich sah aus wie ein Schornsteinfeger…als ich das Rohr wieder anschloss, sah ich ein Problem…in der Wand bröckelte der alte Mörtel (oder was auch immer das war) ab und es gab einen großen Spalt.

So konnte ich den Ofen nicht in Betrieb nehmen, was ein Mist…ich überlegte, ob wir noch in unserem Werkzeugraum Zement, oder änhliches haben und ging raus. Siehe da – Feuerzement – juhu. Den Kram angerührt und den Spalt zwischen Rohr und Wand schön abgedichtet. 2 Stunden noch gewartet und den Ofen wieder angeheizt. Zieht ohne Ende und heizt wieder wie Sau…zum Glück..selbst ist die Frau, dachte ich mir…obwohl ich zunächst dachte – och scheisse Baby, das ist Männerarbeit, was soll ich nur tun…war trotzdem ein wenig Stolz auf mich. Nicht das ich zu blöd dazu wäre, aber ich habe es eben ohne Hilfe alleine geschafft. Ich bin handwerklich nicht unbegabt….trotzdem. Obwohl ich sehr behutsam und vorsichtig ab-und anmontiert hatte, war ich in einer Stunde mit allem fertig.

Ich schaute nach Schatz um ihn zu zeigen wie ich ausgesehen habe. Er hat gar nicht realisiert wie ich aussah, geschweige denn was ich ihm erzählte….

Ich sagte ihm, daß ich mal eben schnell duschen gehe und gleich wieder bei ihm sei. Er nickte und sagte leise, bis später. Schatz war eingeschlafen und hat den ganzen Vormittag geschlafen. Der Vormittag ging recht schnell rum und gegen halb 11 kam Herr. M.

Ich erzählte von der Nacht und alles andere. Das Fentanylpflaster wird ab heute schon auf 75 hoch gesetzt. Das Instanyl Spray erstmal nicht auf alle 2 Stunden, erstmal nur nach „Bedarf“. Die MCP Tropfen komplett weg, dafür das Haldol alle 8 Stunden mit je 5 Tropfen. Das sediert nicht so arg – es hilft gegen Übelkeit. Herr M. hat Schatz seit Weihnachten nicht mehr gesehen und sagte mir: Gegenüber unserem letzten Treffen sähe Schatz heute sehr reduziert aus. Seine Nase wäre auch ganz spitz geworden. Er schaute mich an und ich sagte: Ich weiß, was das bedeutet… Herr M. senkte seinen Blick.

Wir unterhielten uns noch kurz über Schatz, die Medikation usw und ein kleines bisschen „privates“ Dann verabschiedete sich Herr M. Schatz war inzwischen wieder eingeschlafen und hat nicht mit bekommen, als Herr M. ging…

Ich war sehr traurig dann..ich weiß, daß es nicht mehr lange dauert…

Heute Nacht sagte Schatz zu mir, ich würde ihn an lügen. Als ich ihm die Vomex gab, dachte Schatz es wären Tabletten für seine Erlösung. Ich erklärte ihm wieder, daß dies in D nicht geht und ich so Tabletten nicht bekommen würde..er flehte wieder, mein Versprechen einzulösen..du hast es versprochen, sagte er mit einem leicht trotzigen Ton. Ich weiß Baby..aber ich kann dieses Versprechen nicht halten…

Vorhin war Bruder da und ich erzählte was war, und was mit Herr M besprochen wurde. Bruder nickte, schaute Schatz an und sagte, daß es ihm seit ein paar Tagen auch auffällt…es dauert nicht mehr allzulange…ich konnte nichts sagten, ich hätte weinen müssen…Bruder blieb nur kurz.

Wir verabredeten uns für morgen, sowie jeden Tag.

Ich vermisse meinen Mann jetzt schon. Es tut so weh….ich sehe ihn an und wenn er lächelt, möchte ich die Zeit anhalten..ich kann nicht glauben, ich kann es nicht fassen…er wird bald nicht mehr da sein..

Bis dann

Es ist alles so schlimm..

Schatz ist sehr unruhig. Ich weiß nicht woher das kommt. Er wehrt sich halt mit aller Macht, Schmerzen hat er keine soweit. Er greift ständig in die Luft und zieht Fäden. Manchmal gibt er sie mir und ich stecke sie in meine Tasche…imaginär…

Am Mittag kam ein weiterer Freund vorbei, der es vorgestern erfahren hat. Als er kam, mit seiner Frau, sagte er mir, er hat sich richtig überwinden müssen zu kommen. Schatz – bis dahin ganz ruhig – begrüßte ihn. Ob er wirklich realisiert hat, wer da war…ich kann es nicht sagen… Freund saß auf der Couch und weinte leise vor sich hin. Frau fragte „alles ab“ und Schatz brabbelte vor sich hin…1…5…14/69…lauter Zahlenkollonen..Schatz schaute immer mal wieder in Richtung von Freund. Er wurde immer unruhiger und aggressiver…ihn hat gestört, daß Freund weint…

Nach einer Weile gingen sie wieder…Freund sagte, er weiß nicht, ob er es nochmal schafft zu kommen..emotional…ich sagte ihm, er solle sich nicht selber so einen Druck machen…es ist ok..

Später kamen Bruder und Frau. Auf Bruder reagiert er herzlich, auf Frau nicht mehr so…das Ding ist, Frau von Bruder mischt sich zu sehr ein..sobald Schatz eine Bewegung macht, springt sie auf und will was tun. Ist ja lieb und nett, aber eben falsch..ich sagte ihr dann -*Name* lass ihn bitte, ich mache das..er will das so…sei mir nicht böse deswegen..

Sie verstand es eigentlich..bin gespannt, ob sie das heute auch noch weiß…

Auch Geisenheimer kam und Schatz war etwas aufgeregt, aber alles war gut. Als wieder alle weg waren, war Schatz wieder aggressiv geworden. Ich ließ ihn mich treten, tat nicht weh, und fragte ihn warum er das mache..er weiß es nicht, sagt er…aber trat wieder nach mir..ich blieb ganz entspannt.

Am Abend kam ein Bekannter aus dem Vorderhaus vorbei. Ein sehr religiöser Mensch. Er hatte eine Flasche Wasser dabei. Das ist Wasser vom Dom, sagte er..gib ihm das, daß kann Krebs heilen. Er habe das schon einmal gemacht, einmal jemanden vom Krebs befreit mit diesem Wasser.  Zuerst meinte ich, ich könne ihm das nicht geben…Bekannter flehte mich an, es zu tun. Es ist nur Wasser vom (Mainzer) Dom. Heiliges Wasser….es hilft..bitte bitte. Er betet die ganze Zeit für Schatz. Ok..ich gebe ich ihm das Wasser..aber bete weiter für ihn, sagte ich.

Kurz später kam ein anderer Freund. Er kam auch die ganze Zeit nicht, weil er es nicht geschafft hat..emotional…Schatz schlief und ich ließ (ich nenne ihn) Vorderhauszote (liebvoll gemeint) rein. Er sah Schatz und fing an zu weinen. Er erzählte mir, wie sehr Schatz ihm geholfen hat…als seine Mutter starb, als er Stress mit Ämtern hatte usw…ich war ja immer dabei, aber ich ließ ihn erzählen. Ich musste auch weinen..es ist einfach nur schrecklich, dieser Albtraum..warum denn er? Es ist die blödeste Frage überhaupt, aber man stellt sie sich…die bösen Menschen werden 100 Jahre alt…aber die Guten gehen immer zuerst…er drückte mich feste und sagte, wir schaffen das schon..er käme morgen nochmal vorbei..ok sagte ich, kein Problem…bis dann…

Gegen 8 Uhr war es dann ganz schlimm…er hat sich im Bett nur gewunden und meckerte vor sich hin. Auch wüste Beschimpungen waren dabei. Ich fragte Schatz, ob er eine Tablette möchte..ja sagte er und ich gab ihm Tavor zum beruhigen..2 mg diesmal…nach einer halben Stunde wurde mein Engel sichtlich entspannter. Gegen 9 Uhr schlief er dann ein und hat bis ca halb 3 in der Nacht geschlafen. Dann war er wieder wach und unruhig. Ich machte ihn sauber, machte alles frisch. Er wollte wieder eine Schlaftablette und ich gab ihm wieder 2mg Tavor. Gegen halb 4 schlief er dann wieder ganz tief und fest. Ich konnte die Nacht dementsprechend auch gut schlafen.

Ich habe heute morgen gemerkt, wie gut mir das auch mal tat. Ich habe bis fast halb 9 Uhr geschlafen..war zwar immer mal wach zwischendurch, aber als ich sah das Schatz ruhig schlummerte, bin ich auch wieder eingeschlafen.

Am Vormittag war ich schnell im Lädchen um Dinge des täglichen Bedarfs zu holen. Uschi saß an der Kasse. Sie ist nicht so oft da, nur wenn Not am Mann ist, ca. ein bis 2 mal in der Woche.  Sie ist immer sehr lieb zu mir, fast mütterlich. Sie fragte mich, ob alles gut ist und ich sagte…naja geht so..“wieso“ meinte sie und ich erzählte ihr von meinem Leid. Sie fiel aus allen Wolken und sagte mir dann: Das hätte ich nicht gedacht..oh wie schrecklich..och meine arme Maus…

Sie wollte mich schon mal fragen, hat sich aber nicht getraut, was denn los sei..Schatz und ich waren meistens zusammen im Lädchen und die letzte Zeit käme ich alleine…Uschi dachte, wir hätten uns vielleicht getrennt und wollte deshalb nicht fragen, um nicht irgendwelche Wunden aufzureissen.

Nee nee sagte ich…es ist Krebs..sie drückte mich…wenn sie was tun kann, soll ich keine Hemmung haben was zu sagen.. Ich dankte ihr und bin wieder nach Hause…

Schatz schläft…er wollte vorhin eine Schmerztablette..Morphium, daß macht auch müde..dann haben wir dieses finstere Wetter heute…es nieselt, es regnet, es nieselt..es ist dunkel…

Vorhin hat Schwägerin (vom ältesten Bruder) angerufen und hat sich erkundigt. Ich erzählte ihr wie es ist. Sie wollte, daß ich ihr verpreche, wenn es soweit wäre, wollten sie sich verabschieden. Ich gab das Versprechen …warum sollte ich jemanden verweigen sich zu verabschieden…für Schatz ist das auch ok…vielleicht sogar wichtiger, als er es für sich selbst annimmt…

Bis dann