Wieder viel schlafen

Gestern als die vom Pall.Dienst gegangen waren, saß ich neben Schatz und streichelte ihn sanft über seinen Arm. Ich sagte leise: Ich liebe dich. Er lächelte und flüsterte: Ich auch…ich auch..ich küsste ihn und sagte: Wir schaffen das! Wieder lächelte Schatz mich an und und wiederholte: Wir schaffen das. Dabei drückte er meine Hand. Er schloss seine Augen und schlief ein.

Gegen Abend kam dann der Bote von der Apotheke und brachte alle erforderlichen Medikamente. Ich glich diese mit der Liste von der Pall. Ärztin ab und sortierte sie. Das Notfall-Epilepsie-Medikament war nun auch da und ich bereitete es vor. Man weiß ja nie…ich machte eine Spritze bereit, steckte die Kanüle auf und brach das kleine Gläschen auf, in dem das Notfallzeugs drin war. Ich zog die Spritze auf und steckte den Nasenapplikator auf. Dann legte ich in die Spritze in den Kühlschrank, wie ich es machen sollte. Ich rechne nicht mit einem epileptischen Anfall, aber man weiß ja eben nie..sicher ist sicher!

Im Laufe des Nachmittags kamen Bruder, Schwägerin und Schwester. Nicht alle auf einmal…Schatz hat die meiste Zeit geschlafen. Wir haben viel geredet, über dies und das.

Am Abend habe ich eine Keppra gemörsert und in etwas Joghurt gegeben. 2 kleine Löffelchen hat Schatz mit Ach und Krach runterbekommen..Hauptsache, es kommt überhaupt etwas in den Körper…die Nacht war ruhig…bis etwa 3 Uhr, da war Schatz wach und konnte nicht mehr schlafen..ich habe mich dann minutenweise bis gegen 6 Uhr morgen gequält. Dann bin ich hoch, und habe das Kortison gemörsert. Diesmal ging es gar nicht mit dem Joghurt..nach einiger Überredung hat er dann mühsam ein paar kleine Löffelchen genommen, hat den Joghurt aber nicht runtergeschluckt und die Hälfte wieder ausgespuckt. Ich weiß, die Tabletten sind bitter und bäh und der Joghurt schmeckt ihm auch nicht…ich versuche es heute Abend mit Schokopudding..wenn das auch nicht hilft, dann eben aufgelöst in Apfelsaft. Das Kortison und die Epi-Medis sind halt richtig wichtig…

Dann habe ich Schatz gewaschen. Ich wollte dann noch Zähneputzen mit ihm, aber er wollte eine Pause…diese Pause hält bis jetzt an..er schläft.

Gegen 10 Uhr hat der Herr von pall. Dienst angerufen um sich zu erkundigen. Er fragte nach, ob Schatz eine Abstral genommen hat und ich verneinte…die Nacht wäre er so ruhig gewesen und konnte gut schlafen. Da war der Herr M. zufrieden. Ich sagte auch, daß ich die Spritze aufgezogen hätte und sie nun bereit läge im Kühlschrank, wie es angeordnet wurde. Herr M. tat überrascht und erfreut. Er lobte mich, wie ich das gemacht hätte. Er sagte, viele trauen sich das einfach nicht (zu) und lobte mich, wie ich das ohne weitere einfach mache und klappt. Wir verabredeten eine erneute Nachfrage für Freitag. Wenn was sein sollte, kann ich natürlich Tag und Nacht anrufen…

Mir kam der Gedanke – die loben mich ja sehr…finde ich schon ok, aber ich denke die machen das „extra“, eben weil sich viele Angehörige sich nichts zu trauen. Um das aber zu stärken, sprechen sie viel Lob aus. Viele möchten ihre Lieben gerne pflegen…aber Arbeit, Wohnortentfernung, oder schlicht Angst davor es nicht zu schaffen, hält sie eben davon ab. Umso wichtiger ist es, Angehörige zu stärken in dem was sie tun. Finde ich grundsätzlich gut…sehr liebevoll. Ich persönlich..naja man hört das natürlich gerne, aber es gab nichts anderes und wird nichts anderes geben, als meinen Mann zu begleiten und ihn nicht alleine zu lassen. Der stärkste Liebesbeweis überhaupt, wie ich finde…das Lob gibt mir auch keine Kraft…unsere Liebe gibt mir die Kraft.

Kurz nachdem wir telefoniert hatten, wachte Schatz mit Husten auf. Kein Auswurf, eher ein trockener Husten. Er sagte mir, er bekäme schlecht Luft und er will trinken. Ich gab ihm Wasser und fragte noch mal nach: Du kannst schlecht Atmen? Du bekommst schlecht Luft? Ja sagte Schatz und ich gab ihm dann eine Abstral…die wird unter die Zunge gelegt und löst sich auf. Ist Fentanyl…hilft auch schnell gegen Schmerzen..einige Minuten später ist Schatz wieder ruhig atmend eingeschlafen…

Bis dann

 

Die letzten Tage

waren eigentlich ganz ok. Ich bin nicht zum schreiben gekommen, hatte zuviel zu tun mit renovieren und dem auf-ein-umräumen danach. Wenn man dann auch mal dabei ist, räumt man gleich auch alles auf…wie eine Art Herbstputz eben.

Schatz geht es gut zur Zeit. Mir machen seine Nebenwirkungen zu schaffen. Ansich verträgt er die Medikamente gut. Aber. Er ist unruhig, voller Energie, etwas schlaflos und er hat Heisshungerattacken. Ich mache mindestens 3 mal am Tag was zu Essen. Kleinere Sachen und eben Mittag bzw. Abendessen. Er isst den ganzen Tag Salzstangen. Ich finde ich eigentlich gut, denn wenn er soviel isst, nimmt er auch ordentlich zu – ist ja nicht verkehrt in seiner Situation. Aber es strengt an. Ständig stehe ich in der Küche und mache nebenbei noch den ganzen anderen Kram.

Er ist klar und voller Energie wie gesagt. Selbst das Bein ist besser geworden. Nicht gut, aber besser als es neulich noch war. Mit der Luft weiß ich nicht genau. Er ist natürlich schnell erschöpft und kann Dinge nicht lange machen. Aber er reißt sich zusammen. Er macht vieles alleine. Heute morgen ist er um 6 Uhr schon aufgestanden und hat sich selbst Frühstück gemacht. Ich weiß, wieder eigentlich banal – aber sein Hunger trieb ihn dazu, und in der näheren Vergangenheit war er nicht dazu in der Lage. Gestern und vorgestern war er duschen, ohne meine „Betreuung“ und ging ganz gut. Er war halt erstmal geschafft danach.

Auf der einen Seite freut mich mich, auf der anderen betrachte ich das mit etwas Argwohn. Wie lange wird das anhalten?, was passiert „danach“. Er ist total aufgedreht. Ich verdränge etwas seine Erkrankung, durch sein Verhalten eben. Das gefällt mir wiederum nicht. Es ist zwar nicht so, daß der Krebs ständig im Vordergrund ist und ständig ein Thema, aber irgendwie rückt das zu sehr in den Hintergrund.

Morgen gehen wir zum Hausarzt. Letzte Woche war es nocht so, daß es im Raum stand, daß der HA zu uns nach Hause kommt. Heute ist es so, daß er durchaus selbst hinlaufen kann. Es ist zwar nicht so weit – aber dennoch ein Gewaltmarsch für Schatz. Mal sehen wie das morgen klappt. Bin auch gespannt, wie das Blutbild ausfällt. Vielleicht gibt es dann bald eine Erythrozytentransfusion – wenn die Werte weiter absinken…

Ansonsten gibt es von meiner Seite aus nicht viel zu berichten. Ich habe kein Rheuma nach wie vor. Ich bin nur am wirbeln. Da räumen, da putzen udn waschen und zwischen durch immer Essen machen. Bei meinem PC ist das Netzteil durchgeflogen. Zum Glück habe ich noch meinen Laptop. Ich kann zwar mein RIFT nicht spielen, aber dazu komme ich zur Zeit sowieso nicht. Glück war auch, daß mein Papa ein Netzteil hat. Ich hoffe nur, daß es „passt“. Also von den Abmessungen dürfte es hinhauen, aber eben die Anschlüsse müssen passen. das Netzteil ist älter und mein Mainboard recht neu. Mal sehen.

War gestern auch wieder zu meinen Eltern gefahren. War wie immer lustig und der Besuch hat Spaß gemacht.

So..nun muss ich aber auch schon wieder weiter machen.

Bis dann