Bald ist Weihnachten…

Dieses Weihnachten ist ein weiteres Weihnachten das eher traurig ist. In diesem Jahr fehlen sie wirklich alle. Mein Mann, mein Papa und nun auch die Mama…

Sie ist im August gestorben und die ganzen letzten Monate habe ich mich um so viele Dinge gekümmert, das da kein Platz für Trauer war. Sicherlich waren meine Sis und ich traurig und haben getrauert, aber eigentlich haben wir beide es von uns geschoben. Nicht darüber nachgedacht wie es sein wird, wenn dann Weihnachten vor der Tür steht. Es war ja schon schlimm das die Mama gegangen ist, eine Woche vor dem Geburtstag meiner Schwester. Das war zu dem Zeitpunkt viel dramatischer als der Gedanke wie es an Weihnachten sein wird.

Langsam kommt alles hoch wie es war mit der Mama. Dann erinnere ich mich auch wie das bei Papa war. Als er gestorben ist habe ich versucht starkt zu sein und die Trauer von Mama und meiner Schwester aufzufangen, selbst in Trauer gefangen. Ich habe mich um alles gekümmert um ein schönes Weihnachten auf die Beine zu stellen. Irgendwie hat mir das aber geholfen das zu verarbeiten. Die letzten beiden Weihnachten hatten wir dann auch ein schönes Fest. Papa war auch da, in unseren Herzen und in unseren Gesprächen. Wir dachten an ihn wie er gewesen ist, was er gesagt hat und wie gerne er doch seine Weihnachtsmusik abgespielt hat und sich gefreut hat. Es gab keinen stillen Moment, wir haben uns an die schönen Dinge erinnert und gelacht.

Dieses Jahr versuche ich das auch. Ich habe etwas Angst vor Heilig Abend, denn jetzt ist alles irgendwie anders. Dieses Weihnachten ist nur meine Schwester da und ich. Das Haus ist still. Ein bisschen habe ich geschmückt und alles etwas weihnachtlich hergerichtet, aber nicht so wie ich es die letzten Jahre gemacht habe. Irgendwie tut es weh den Weihnachtsschmuck zu dekorieren.

Meine Schwester bekommt ein zusätzliches Geschenk von mir. Es ist von Mama. Ich habe es in ihrem Sinne gekauft und es ist wie ein letzter Gruß von ihr. Das haben Mama und ich auch im ersten Weihnachten ohne Papa gemacht. Da gab es ein Geschenk im Papas Sinne.

Seit nun 4 Jahren habe ich keine schöne Weihnachten mehr. Es liegt immer ein dunkler Schatten darüber. Ich mag die Lichter, die Düfte und das Gefühl, aber ich kann es nicht mehr genießen wie früher.

Ich denke auch oft an ganz früher als Weihnachten noch schön war. Heilig Abend waren wir alle zusammen. Gegen Abend bin ich immer nach Hause gefahren und habe dann für unsere einsame Herzen Essen vorbereitet. Jedes Jahr kamen alle unsere Freunde zu uns die niemanden hatte und allein wären an dem Abend. Es wurden immer weniger über die Jahre und nun ist es so das ich das einsame Herz bin. Ganz alleine an Weihnachten…Meine Sis kommt natürlich an dem Tag, aber am Abend fährt sie nach Hause zu ihrem Mann. Ich möchte das die beiden ein schönes Fest in Zweisamkeit haben, ich klinke mich da aus. Ich will kein Mitleid oder so, ich schaue immer das es den anderen gut geht und stelle mich hinten an. War schon immer so… Das macht mich zufrieden, wenn ich sehe das es den anderen, besonders meiner Schwester, gut geht.

Ich wollte es mir dann auf der Couch gemütlich machen, etwas Wein trinken, weinen  und schauen das der Abend vorüber geht. Vielleicht wäre ich auch an meinen PC gegangen und hätte etwas gezockt.

Nun ist es aber so das ich ja jemanden an meiner Seite habe. Ihm geht es zwar auch nicht so besonders da auch in seiner Familie welche gestorben sind. Vater, Tanten und jetzt erst kürzlich seine Cousine. Dennoch möchte er für mich, für uns, ein schönes Weihnachten herrichten. Damit wir beide nicht alleine sind an dem Tag/Abend. Damit es uns gut geht bzw. werden wir es uns gut gehen lassen. Ich bereite ein schönes leckeres Essen vor und bringe einen Haufen Weihnachtsfilme bzw Disneyfilme mit, die wir dann über die Feiertage schauen wollen.

Er ist ein Lichtblick in meinem Leben. Bodenständig, eine wahnsinns Stimme und er ist so sagenhaft lieb und aufmerksam. Nach dem Tod von meinem Engel war es für mich nicht möglich jemals wieder einen Mann an meine Seite zu lassen. Emotional. Ich hatte nie daran geglaubt und habe mich auf ein Leben ohne Mann eingestellt. Langfristig auch komplett ohne Mann, das heisst auch keine Freundschaften Plus mehr, gar nichts. Nur ich mit mir alleine. Katzen wollte ich mir holen. Die kann ich auch alleine lassen wenn ich dann wieder arbeiten gehe.

Dann kam aber er in mein Leben und ich habe für einen Augenblick nicht aufgepasst und er hat eine Lücke in meine Mauer gerissen und nun bricht sie immer weiter auf. Ich hätte das nie für fassbar gehalten das es in dieser Welt noch jemanden für mich gibt, auf den ich mich einlassen könnte. Mit seiner ganzen Art, seiner Stimme und wie er spricht hat er mich eingefangen. Wir sind erst wenige Wochen zusammen aber ich spüre jetzt schon das ich eine sehr intensive Liebe zu ihm habe. Ihm geht es genauso. Ich hätte niemals daran geglaubt das ich so eine Liebe wie die, die ich zu meinem Mann hatte noch steigern könnte. Er löst es aber bei mir aus und ich bin von mir selbst etwas überrascht und verwirrt.

Es gibt ja so einen Spruch, der heisst

Dir wird im Leben niemals etwas genommen, ohne das es durch etwas besseres/schöneres ersetzt wird

Ich habe davon nichts gehalten, denn es war nicht möglich. Etwas besseres/schöneres als mein Mann gab es einfach nicht. Das war für mich immer das Non Plus Ultra.

Und dann kam er in mein Leben und in mein Herz….

Wünsche euch allen noch eine schöne besinnliche Endspurtzeit vor Weihnachten und lasst es euch gut gehen ♥

B wie Beerdigung

Am Dienstagabend kam meine Sis zu mir, nach einem langen Schultag. Sie hat sich, genauso wie ich, gleich an den Pc gesetzt und wir haben gezockt. Zur Ablenkung. Dennoch haben wir immer mal wieder traurige Momente gehabt und haben über Vergangenes, über unsere Gefühle und über die Beerdigung gesprochen. Ich bin dann so gegen 22 Uhr ins Bett gegangen und meine Sis etwa eine Stunde später. Die Nacht war solala. Eigentlich habe ich gut geschlafen, weiß nicht mehr ob ich geträumt habe, war aber auch recht früh dann wieder wach. So gegen 7 Uhr. War dann duschen und habe mir eine Menge Gedanken um Mama gemacht. Gegen 9 Uhr ist meine Sis aufgestanden und dann haben wir uns langsam angezogen und fertig gemacht.

Mittwoch – Tag der Beerdigung von Mama – 11 Uhr auf dem Nordenstadter Friedhof

Der gestrige Mittwoch war ein sehr schöner Tag. Warm und die Sonne schien noch ein letztes Mal in Sommermanier. Ganz in Schwarz gekleidet machten wir uns dann auf den Weg. Erst zum Floristen, denn wir wollten noch Rosen holen, die wir zu Mama ins Grab legen wollten. Wir liefen dann hoch zum Friedhof. Ich weiß nicht wie es meiner Sis ging, aber auf dem Weg kämpfte ich manchmal schon mit den Tränen. Wir unterhielten uns nicht viel. Aber wenn wir was sagten, war es eine Erinnerung, oder etwas lustiges, oder die Bemerkung wie sehr sich der Ort doch verändert hatte zudem letzten Mal als wir hier lang liefen.

Auf dem Friedhof angekommen trafen wir die Bestatterin. Wir unterhielten uns auch noch kurz über dies und das und dann kam auch schon unser Nachbar. Er wohnt im Haus direkt neben an und wir kennen uns schon seit über 30 Jahren. Er wollte auch Abschied nehmen von Mama, konnte er ja nicht kommen an Papas Beerdigung.

Meine Sis und ich dachten, wir gehen nun in die Trauerhalle. So war es bei Papa. Da stand die Urne auf einem kleinen Podest, mit Blumen und Kerzen. Bei Mama war es nun nicht so. Die Bestatterin fragte wer denn die Urne tragen möchte. Meine Sis wollte sie tragen und die Bestatterin drehte sich um und da stand Mamas Urne auf einer Bank. Ich hatte sie gar nicht bemerkt, dachten wir doch sie stünde in der Trauerhalle. Die Bestatterin übergab meiner kleinen Sis die Urne und wir liefen dann los Richtung Grab. Meine Sis und ich und der Nachbar. Die Bestatterin hatte sich direkt zurückgezogen. Ich bermekte dies zunächst auch nicht und fand das dann schäbig von mir, mich nicht bedankt und verabschiedet zu haben…

Auf dem Weg zum Grab weinten meine Sis und ich natürlich. Kaum zu fassen das in dieser wunderschönen Urne, einer Vase gleich, die Asche von Mama drin sein sollte. Am Grab angekommen klammerte sich meine Sis an die Urne und wir weinten bitterlich. Nach ein paar Minuten fingen wir uns. Ein sehr alter, aber agiler Mann sprach uns an. Er pflegte gerade das Grab seiner Frau, nur 2 Gräber weiter und gesellte sich zu uns. Er kannte Mama nicht, aber auch er stand andächtig für einen Moment vor dem Grab und nahm Anteil. Das fand ich irgendwie schön. Ein völlig Fremder, der Anteil an unserem Leid nahm. Nach weiteren Minuten standen wir immer noch am Grab und Irritation machte sich breit. Wo ist denn der Friedhofsmensch? Sollen wir die Urne selbst in Grab geben? Das ist so tief – wie soll das gehen?. Unser Nachbar fragte vorsichtig, ob er das für uns übernehmen soll. Wir willigten ein und er versuchte so andächtig wie möglich die Urne ins Grab zu geben. Dann war das Loch doch noch tiefer als gedacht und es gab ein lautes KLAPP als die Urne den Boden erreichte. Der Nachbar legte sich auf den Boden um die Urne zu erreichen, legte den Deckel wieder darauf und nach dem er wieder aufstand, entschuldigte er sich dafür.

Martina und ich fingen wieder an zu weinen. Wir gaben dem Nachbar den Vortritt sich zu verabschieden. Er nahm 3 mal das Schäufelchen mit Sand und jedes mal wenn er die Erde ins Grab schüttete, murmelte er etwas. Ich habe es nicht verstanden, aber das machte nichts. Dann trat ich ans Grab, legte die Rose zur Urne und gab 3 Schaufeln mit Erde/Sand ins Grab, danach meine Sis auch 3 mal. Dann standen wir alle 4 für eine Minute wortlos und weinend nur da. Jeder in seinen Abschiedsgedanken. Irgendwann sagte ich ein leises „ok“ und trat einen Schritt zurück. Das war quasi das Ende des Abschied nehmens.

Der alte Mann und unser Nachbar (die sich beide gut kennen) unterhielten sich dann kurz miteinander. Dann drehte sich der alte Mann zu uns und stellte und ein paar Fragen. Ob wir hier aus dem Ort sind, was Mama hatte und warum Papa (beide sind jetzt im gleichen Grab) so früh starb, wie alt wir sind und so Sachen eben. Er erzählte auch von sich, das er 90 Jahre alt sei, seine Frau vor 2 Jahren an Leukämie gestorben ist usw. Worüber man sich eben auf dem Friedhof so unterhält.

Die Sonne brannte uns in den Rücken und es wurde nun doch sehr warm. Dann schob sich eine dicke Wolke über die Sonne und es war schlagartig frisch. Ich dachte mir nur so – danke Mama, das tut gut, die Sonne brennt sehr, danke für den Schatten. Das hielt nicht sehr lange und die Sonne brannte wieder. Nach einer ganzen Weile der Unterhaltung verabschiedete sich unser Nachbar. Er ist ja auch schon sehr alt und für ihn war die Beisetzung eben abgeschlossen und er wollte wieder Heim. Wir bedankten uns bei ihm fürs kommen und verabschiedeten uns. Meine Sis und ich blieben noch und sprachen über Mama, Papa, das Grab. Da kam der alte Mann nochmal auf uns zu und wir redeten weiter über alles mögliche. Erinnerungen und das er Musiker war. Nach etwa weiteren 10 Minuten sind meine Sis und ich dann auch wieder Richtung nach Hause gegangen, nachdem wir dem alten Mann alles Gute gewünscht haben und Tschüss.

Auf dem Weg nach Hause bemerkte meine Sis wie typisch doch diese Beerdigung war. So ganz anders als bei Papa, obwohl es ja eigentlich der gleiche Ablauf war. Bei Papa waren wir alleine. Nur der Friedhofsmensch war aber in der Nähe und er hatte Papas Urne ins Grab gelassen. Bei Mama war es – wie sie halt auch war – alles irgendwie wie sie eben. Meine Sis sagte, es passt alles. Erst die Irritation wegen der Trauerhalle und der Urne ins Grab geben, dann mochte sie fremde Menschen eigentlich nicht so gerne, hatte aber immer alle Menschen angesprochen und sich unterhalten – im Bus, beim Einkaufen etc. Ich stimmte ihr zu. Es war wirklich eine Mama typische Beisetzung. Ganz anders als ich es je erlebt hatte und ich nun doch schon etliche Beerdigungen hinter mir.

Zu Hause angekommen habe ich erstmal eine kleinen Schnaps getrunken. Danach habe ich bei unserem Lieblingslieferanten Essen bestellt. Wir beide haben das Lieblingsessen von Mama bestellt, bzw das was sie selbst am meisten gerne gegessen hatte, wenn wir bestellt haben. Burger – Pommes – Frühlingsrollen. Ich schmunzelte ein wenig, denn ein typischer Leichenschmaus ist dann nun ja auch nicht, aber was ist schon ein normaler Leichenschmaus. Das, was der Verstorbene am meisten mochte. So halten wir es.

Nach dem Essen saßen meine Sis und ich wieder am Pc und zockten. Es war irgendwie seltsam alles. Es war, als wäre Mama da, aber sie ist es ja nicht. Wir zockten wie immer. Meine Sis meinte – es ist komisch. Es ist als hätten wir nur ein Häckchen dran gemacht, etwas abgearbeitet und weiter gehts. Ich meinte darauf zu ihr, das es normal sei und Mama und Papa immer wieder betont haben dass das Leben weitergeht. Man sich nicht an der Vergangenheit festklammern soll. Für sie macht es keinen Unterschied mehr, sie sind weg. Wir sollen uns nicht so sehr krämen..es muss einfach weitergehen. Sie sind in unseren Herzen und da werden sie immer sein.

Meine Sis nicke….

Mama wir lieben dich ♥ Papa wir lieben dich ♥

Geburtstag

Heute ist es eine Woche her als wir uns von Mama verbschiedet haben…

Meine Sis hat heute Geburtstag. Sie wird 39 Jahre alt und es ist ihr erster Geburtstag ohne Mama. Ich wusste ja schon was Mama alles für meine Schwester gekauft hat. Sie hat dieses Jahr echt „übertrieben“ aber das ist absolut ok. Wusste sie wahrscheinlich schon tief in ihr drin, das sie den Geburtstag nicht mehr miterleben wird. Sie wollte meiner Schwester nochmal alles Liebe und Schöne und tolle Überraschungen schenken.

Ich habe vorhin alles hergerichtet. Bisschen was eingepackt, vorbereitet im Mamas Sinne und alles an Sis Platzt hingestellt. Es sieht alles so schön aus. So Farbenfroh, so freundlich und lieb. Es tut mir so weh. Ich redete die ganze Zeit mit Mama und fragte, ob es so gut ist? Wie ihr das so gefällt und ob es ordentlich ist usw. Mama hätte sich tierisch gefreut. Gefreut wie alles aussieht und wie sich meine Sis heute Abend gefreut und gestrahlt hätte. Auch wenn sie immer sagt: „Müsst ihr immer so übertreiben?“

Meine Sis ist ja sehr praktisch veranlagt und es reiche, ein oder 2 Geschenke. Meine Mama und ich waren aber Gerne-Schenker und haben immer „übertrieben“ und sei es mit Deko zu den Geschenken.

Heute Abend wird sie das nicht sagen. Sie wird sich freuen. Sie wird aber auch sehr traurig werden….

Bis auf ein Teil wusste ich über alles bescheid. Bei uns ist es so, das wenn meine Sis Geburtstag hat ich auch etwas bekomme und umgekehrt. Nur bei einem Teil wusste ich jetzt nicht bescheid. Es ist das gleiche nur in einer anderen Farbe. Eines ist Blau und das andere Orange. Ich weiß nicht welches Teil für meine Sis ist und welches für mich. Ich habe mich dann dazu entschieden das Blaue Teil meiner Sis zu geben. Eigentlich ist Blau ja meine Lieblingsfarbe, aber Orange so gar nicht die von meiner Sis, aber sie mag auch Blau… Ich weiß halt nicht welche Farbe die Mama für uns gedacht hat. Orange würde zu dem „Farbkonzept“ zwar auch passen, aber egal…ich gebe meiner Sis das Blaue Teil….es ist ihr Geburtstag…der erste ohne Mama…sie ist doch erst letzten Donnerstag gestorben…

Mama ich hoffe das ist so richtig…

Ich muss später noch den Bestatter anrufen. Es hat geheissen, das die Beisetzung mitte ende erster Septemberwoche sein wird. Das geht nicht. Meine Sis hat gestern zu mir gesagt, das sie am 05.09. nach Berlin fahren muss, ein Seminar im Zuge ihrer Ausbildung. Ich hoffe das die Beerdigung an einem Tag stattfinden kann, an dem meine Sis dabei sein kann. Sie sagt, sonst würde sie nicht nach Berlin fahren. Das bereits bezahlte Geld wäre weg, aber es geht ja um die Beerdigung von Mama. Ich will das nicht. Die Beerdigung ist wichtig, aber ihre Ausbildung auch….es ist eh schon schwer genug für uns…

Seit gestern habe ich auch wieder Migräneattacken. Hatte seit über einem Jahr, oder noch länger, nicht mehr. Gestern dann auf einmal dieses ZickZackMuster im Auge. Eine halbe Stunde später nochmal ein ZickZackMuster. Heute morgen wieder ZickZick…ich habe nichts anderes gemacht wie sonst auch. Ist vielleicht der Stress. Ich habe leichte Kopfschmerzen jetzt, aber habe schon eine Schmerztablette genommen. Die Kopfschmerzen sind zum Glück nie sehr heftig, aber ich finde es trotzdem nicht gut das ich wieder diese Aura bekomme..Migräne…brauche ich nun echt nicht. Es schürt Angst in mir. Ich muss doch für meine kleine Sis da sein, wir haben nur noch uns…

Happy Birthday Püppi ♥ Mama und Papa sind bei uns ♥

 

Nachtrag:

Mama – du wirst am 04. September 2019 um 11 Uhr zu Papa gelegt ♥

Wir vermissen dich

Vor 2 Tagen und nun 42 Minuten bist du gegangen. Endlich frei und keine quälende Atemnot mehr. Wenn ich alleine bin muss ich manchmal weinen. Ich weiß, es ist ok und es ist gut so. Es war dein Wunsch – ich kann nicht mehr – hast du gesagt, und es ok für uns. Im Gegenteil, im Grunde konnten wir dir nichts besseres wünschen. Es steht ausser Frage das wir dich am liebsten noch bei uns hätten, aber zu welchem Preis. Es ist gut so wie es ist. Trotzdem weine ich wenn ich alleine bin, ich vermisse dich so schrecklich. Sis natürlich auch..

Ich vermisse euch alle. Norbert, Rainer, Norman, Papa, Horsti und nun dich…

Die letzten 3 einhalb Jahre waren nur vom Tod geprägt. Norbert ist schon 9 Jahre her, aber 2016 Horsti, ein halbes Jahr später die Oma und dann 2017 Papa. 2018 Rainer und Norman und nun 2019 Mama.

Gestern war ich beim Bestatter. Sie konnte sich an mich erinnern, war aber doch sehr überrascht als ich sagte, sie hätte schon meinen Mann und Papa beerdigt. Ich habe alles geregelt soweit und auch eine schöne Urne ausgesucht. Kleidung hatte ich dabei und es ist überhaupt kein Problem das Mama vor dem Feuer ihre Lieblingssachen angezogen bekommt. Das fand ich sehr schön das die Bestatterin immer wieder betonte das sie das gerne macht. Es ist besser und schöner als mit dem Totenhemd was sie sonst anziehen, wenn ein Mensch stirbt und es die Angehörigen nicht interessiert bzw sie keine Kleidung geben.

Gegen halb 12 Uhr war ich wieder zu Hause und musste nochmal telefeonieren. Ich habe die Firma des Beatmungsgeräts angerufen und wollte wissen wie ich das mit nun verfahren soll. Sie holen es ab. Ich legte auf und ging in die Küche. Es überfiel mich und ich weinte wieder. Ich sprach laut vor mich hin – siehst du Mama, ich kümmere mich um alles, ich versuche tapfer zu sein und ich weiß du würdest jetzt sagen, das du weißt das ich das schon alles mache. Ich habe es immer gut gemacht.

Ich holte mir was zu trinken und setzte mich in den Garten. Aufeinmal hörte ich Geräusche im Haus und dachte mir WTF. Es war meine Sis. Überraschenderweise kam sie schon gegen 12 Uhr. Sie sollte erst um 16 Uhr kommen, aber es sei Unterricht ausgefallen. Ich fands gut. Denn wenn meine Sis da ist, reiße ich mich viel mehr zusammen. Ihretwegen. Klar ich könnte auch weinen wenn sie da ist, aber ich will nicht das sie mehr traurig ist bzw sie das Gefühl hat mich trösten zu müssen. Ich bin doch die große Schwester und ich muss auf sie schauen.

Sie sucht sowieso meine Nähe grade. Sie sagt zwar, sie wäre ja auch alleine wenn sie zu Hause ist, denn wenn sie nach Hause kommt ist ihr Mann noch arbeiten, da könne sie auch zu mir kommen. Das ist sicherlich richtig. Dennoch habe ich das Gefühl sie will selber nicht alleine sein jetzt in der Zeit und ich soll auch nicht alleine sein. Ich freue mich klar wenn sie da ist. Wir sind sehr eng im Moment. Verständlich. Sie soll sich aber keine Gedanken um mich machen…hab dich lieb meine kleine Püppi ♥

Ich merke auch in den letzen Tage wie egal mir alles wieder ist. Ich habe zB mühe zu kochen. Aber wenn meine Sis da ist, muss sie ja was vernünftiges essen. Ich mache was gemacht werden muss, aber alles was mich persönlich betrifft lasse ich hängen. Wenn sie da ist, geht das nicht. Ich muss mich doch um meine kleine kümmern…

Ich gehe oft ins Zimmer von Mama. Ich hatte es noch hergerichtet, obwohl ich im Unterbewusstsein schon wusste das sie nicht mehr nach Hause kommt. Ich habe einen Engel mit Flügel der schläft auf ihr Bett gelegt. Hat eine starke Symbolkraft. So starkt, das ich weinen muss, wann immer ich in ihr Zimmer gehe und den Engel auf ihrem Bett sehe. Ich lasse das aber nun eine Weile so, dann werde ich das Bett abziehen und alles so verstauen erstmal…es tut alles so weh…

Nun ist keiner mehr da. Ich muss mir nun einen Job suchen, ganz normal eben. Schwer in dieser Zeit. Mama hat auf ihrem Sterbebett zu mir gesagt: „Finde einen Job der dich zufrieden macht, hier. (sie meinte in der Pflege) Du bist ein Engel. (sie meinte damit, das ich auch andere so lieb begleiten soll wie ich es für sie getan habe).

Sie sagte dann noch:“ und das du einen Mann findest. Wie Horsti, der dich liebte. Denn alles andere ist unwichtig.“

Ich weinte so sehr als sie das alles sagte und versprach ihr das alles zu tun. Papa hätte das auch so gesagt, ihm wäre das ja immer wichtig gewesen, sagte sie.

Einen Job finden ist ja nun wirklich nicht das Problem. Aber einen Mann? Mama – ich habe kein Interesse grade an einem Mann, auch suche ich nicht. Aber ich weiß, sollte es noch einen Mann für mich geben, werden sich unsere Wege kreuzen. Irgendwann werde ich vielleicht bereit sein und einen Mann in mein Leben lassen, der es gut mit mir meint, mich wirklich liebt und mich glücklich macht…das sagte ich ihr nicht…das sind meine Gedanken jetzt…

Wir werden uns wiedersehen. Wir lieben dich Mama ♥

22 August 2019 * 16 Uhr

Meine Sis und ich machten uns viele Gedanken und wollten heute ja nochmal in die Klinik fahren. Ich hatte ein mulmiges Gefühl. Ist sie noch bei Bewusstsein?, merkt sie das wir da sind?, machen wir es ihr und uns damit schwerer? Das waren so Gedanken.

Wir waren im Auto als mein Handy klingelte. Ich schaute auf die Uhr und es war 16:06 Uhr. Das Krankenhaus! Die Ärztin sagte mir mit lieber und ruhiger Stimme das Mama eingeschlafen ist. Es war genau 16 Uhr. Ich fragte noch ob das wirklich stimmt, ob sie einen Todeskampf hatte, aber die Ärztin sagte das sie das nicht hatte. Sie wäre ganz ruhig hinüber geglitten. Ich sagte noch das wir gleich da wären und wir legten auf. Meine Sis wusste auch dass das Krankenhaus dran war und bemühte sich mit aller Macht nicht zu weinen, saß sie doch am Steuer, im Feierabendverkehr. Ich versuchte auch stark zu sein, aber meine Stimme erstickte und Sis konnte dann auch nicht mehr. Sie weinte kurz und dann versuchten wir uns abzulenken, zumindest solange die Autofahrt noch dauern würde.

Als wir auf der Intensiv waren wollte uns ein Pfleger zu ihr bringen. Wir hatten auch Kleidung für Mama dabei und der Pfleger meinte erst, wir könnten sie anziehen. Meine Sis und ich wollten Mama aber nicht mehr sehen. Zu schmerzhaft ist das alles. Alles was wir sahen aus dem Flur aus war, das Mama ganz bedeckt in einem weißen Tuch auf ihrem Bett lag, in dem sie gestorben war.

Der Pfleger verstand das sofort. Es kam auch kurz die Ärztin dazu und wiederholte was sie am Telefon sagte. Es wäre alles gut, sie habe nicht mehr leiden müssen am Ende. Es ist so passiert wie es der Mama ihr Wunsch war…ich bedankte mich und wir sind dann gegangen. Die Kleidung mussten wir wieder mit nehmen, denn im Krankenhaus ziehen sie keine Kleidung an, denn es kommt noch die Leichenbeschau etc und es hätte auch schon mal Ärger gegeben, weil Dinge weg gekommen sind. Sie sagten, der Bestatter würde das dann machen.

So Mama, nun hast du es geschafft…du musst nicht mehr leiden, musst nicht mehr in deinem kranken Körper gegen die Atemnot kämpfen. Du brauchst auch keine Angst mehr haben ♥ Du bist frei ♥

Wir lieben dich ♥

Es dauert …leider

Gestern waren meine Sis und ich nicht in der Klinik. Wir nahmen an, das es schnell geht. Nun sind aber schon 40 Stunden vergangen, als sie das Morphin eingeleitet haben. Die Ärztin sagte mir ja, es würde mit der Zeit der Co2 Gehalt steigen, sie würde bewusstlos werden und dann sanft hinübergleiten. Es sind 40 Stunden bisher! Wie lange dauert es denn nur, bis Mama endlich ihre Flügel bekommt?, das sie endlich frei ist??

Bisher kein Anruf das es vorbei ist…Meine Sis und ich wollen heute ins Krankenhaus fahren. Wir wollen zur Mama, auch wenn wir echt zwiespältig sind. Wird sie immer nochmal wach?, wird sie merken das wir da sind und dann machen wir es ihr nur schwerer? Wird sie nochmal die Augen öffnen und darum bitten das es endlich vorbei ist?. Meine Sis sagte gestern schon, sie wisse nicht ob es gut ist. Ob es gut ist, das wir nochmal einen „2. Abschied“ erleben. Für Mama und für uns…

Aber ich weiß nicht, wie weit sie halt das alles noch mitbekommt. Vielleicht, oder auch hoffentlich ist inzwischen der Kohlendioxydgehalt so hoch, das sie sich selbst in eine Narkose geschossen hat. Es muss nur noch der Körper versagen…ich weiß wie sich das anhört, aber niemand kann das verstehen oder gar nachvollziehen, der nicht in dieser Lage war/ist.

Mit wem soll ich denn jetzt quizzen?, mit wem soll ich denn jetzt Housescapes, oder Gardenscapes spielen auf dem Tablet?, ich weiß, das sind dämliche irdische Fragen..es ist nicht wichtig…ich erinnere mich an das letzte mal als wir gemeinsam in der Stadt waren zum shoppen..oder als ich dir eine Wärmeflasche machte weil du kalte Füße hattest. Auch wird die die „Klingel“ nicht mehr klingeln, weil du etwas brauchst, oder Hilfe. Es ist alles so still geworden im Haus. Kein Klostuhl mehr reinigen, kein „Stinki hihi “ mehr wegmachen, gar nichts mehr… Ich habe dein Zimmer hergerichtet, obwohl du nicht mehr nach Hause kommst…

Ich habe Phasen da weine ich viel. Dann bin ich wieder „stark“, denn ich weiß ja, du kannst nicht mehr und willst nicht mehr und es ist einfach gut so wie es ist. Wir lassen dich gehen. Du sollst nicht mehr leiden, dich nicht mehr quälen.

Meine Sis hat heute früher Schule aus. Sie ist dann bei mir, so gegen halb 2/2 Uhr Mittags. Ich denke, ich werde was zu essen bestellen. Ich muss mich doch um meine kleine Sis kümmern. Auch um ihren Geburtstag, das alles so ist, wie Mama es wollte. Ihre Geschenke habe ich gepackt im Mamas Sinne..aber auch das drumherum muss ja stimmen. Es tut so weh. Auch wird der Geburtstag nicht schön. Ansonsten muss ich echt sparen. Ich muss mir nun eine Arbeit suchen, damit ich leben kann. Habe ja nun überhaupt kein Einkommen mehr, kein Pflegegeld und nichts. Mama sagte, das wäre auch auch immer der Wunsch von Papa gewesen. Die Kinder haben einen gute Job, der sie zufrieden macht und einen guten Mann, der sie glücklich macht.

Ich gebe mir halt schon etwas Zeit mit dem Job, auch wenn ich meine Fühler schon austrecke. Mama hat mir gesagt:“Finde eine Arbeit die dich zufrieden macht und ich wünsche mir das du einen Mann findest, wie Horsti, der dich glücklich macht.“ Zu meiner Sis sagte sie: Dein Mann liebt dich, auch wenn er ein Dickkopf ist, aber er liebt dich. Alles andere ist nicht wichtig.“

Ich melde mich später wieder. Ich habe Angst, weiß nicht was uns erwartet. Mama möchte gerne angezogen werden wenn es vorbei ist. Das muss ich mit den Schwestern klären. Auch holen wir heute das Beatmungsgerät ab. Ich muss dann die Firma anrufen, was ich damit machen soll. Ob sie es abholen, oder ob ich es in die HSK zurückbringen soll..

Auch habe ich mich schon um ein paar Dinge gekümmert. Der Klostuhl, die Sauerstoffgeräte werden ja nicht mehr gebraucht. Sie werden in der nächste Woche abgeholt…es tut so unendlich weh…

Mama ich liebe dich ♥

 

Du bist bald frei

War pünktlich um 14 Uhr in der Klinik und die Ärztin sagte mir eigentlich nur das was sie mir am Telefon sagte. Mama verweigert Behandlungen, sie will nicht mehr, was machen wir jetzt. Die Optionen waren – Intensivstation bleiben, Normalstation oder Hospiz. Sie sagte aber auch, das es mit dem Hospiz Stunden, oder Tage dauern kann bis sie einen Platz hätten bzw wäre der Transport unnötiger Stress. Ich sagte, das es auf der Intensiv doch am besten wäre. Dort hätte sie die maximale Versorgung und die Ärztin stimme mir zu.

Ich durfte dann auch schon zu Mama, lange vor der Besuchszeit. Sie schlief und ich ließ sie schlafen. Nach einer Weile wurde sie wach. Sie erkannte mich sofort und es dauerte nicht lange da sagte sie mir: „Ich kann nicht mehr“

Sie hatte ihre Stimme wieder und ihre Augen sprachen Bände. Ich weiß, sagte ich und es ist ok. Sie entschuldigte sich und ich sagte wieder mit Tränen in den Augen, das es ok ist, das es gut ist. Sie muss sich nicht entschuldigen, sagte ich ihr und das ich das verstehe.

Sie wiederholte es einige Male. Wir sprachen auch über andere Dinge dann. Sie möchte ins Feuer, sie hat uns sehr lieb und noch ein paar andere liebe Dinge die ich für mich behalte. Die Krankenschwestern waren sehr fürsorglich und haben uns allen Raum gegeben. Um halb 6 kam meine Sis. Ich war im Vorraum der Intensivstation, da ein anderer Patient ein Arztgespräch hatte und ich draussen warten sollte. In der Zeit kam meine Sis und ich versuchte erst locker ein anderes Thema anzuschneiden. Ich erzählte ihr von dem Patient der immer versucht hat aufzustehen und dann immer hingeknallt ist. Die Schwestern waren nicht sehr erfreut darüber und drohten ihm mit einer Fixierung. Dann ging auch schon die Tür auf und ich bzw wir durften wieder rein.

Kaum waren wir an Mamas Bett fing meine Sis bitterlich an zu weinen. Mama sagte wieder, es täte ihr so leid, meine Sis solle nicht weinen, aber sie (Mama) kann nicht mehr.

Es kamen dann ein Arzt und eine Schwester und meinten, Mama würde gleich in ein anderes Zimmer gebracht werden. Die Nasensonde bekommt sie gezogen und sie bekommt ein „starkes Schmerzmittel“ damit sie keine Angst hat und besser atmen kann. Ich dachte gleich an – warum sagen die nicht Morphium. Denn das war das „starke Schmerzmittel“. Gegen 18 Uhr wurde sie dann in ein anderen Raum geschoben. Ein Ein-Bett-Zimmer. Die Nasensonde hat die Schwester dann auch gleich entfernt, das war nochmal sehr unangehmen, aber ging schnell. Dann verschwand die Schwester wieder und meine Sis und ich saßen an Mamas Bett, jeder auf einer Seite, und streichelten sie bzw hielten ihre Hand. Gegen halb 7 kam dann die Schwester wieder und hatte das Morphin in der Hand. Sie klemmte die große Spritze in einen Perfusor und stellte ihn auf 2mg/h .

Mama sagte – endlich, ihr ging es nicht schnell genug. Sie wollte nicht noch länger Zeit „verschwenden“, sie wollte endlich gehen dürfen. Sie erzählte noch ein paar Dinge und wurde dann schläfrig. Zwischendurch, als sie immer mal wieder aufwachte, wollte sie Tee. Ich gab ihr den Pfefferminztee schlückchenweise, damit der Hals befeuchtet ist aber sie sich nicht verschluckt. Dann schlief sie ein. Wachte wieder auf, wollte Tee, schlief wieder ein. Das Morphin wirkt.

Die Schwestern sagten zu uns, wir könnte bleiben so lange wir wollen. Wir waren dann aber „nur“ bis halb 9 etwa da, dann sind wir gegangen. Ich wollte nicht gehen, aber ich irgendwie wollte ich auch nicht bleiben. Mama drückte unsere Hand immer wieder. Wachte kurz auf, aber ihr Blick war schon sehr weit draussen. Das Morphin wirkt. Kurz bevor wir gegangen sind wachte Mama nochmal wieder auf und wollte diesmal Wasser. Ich gab ihr einen Schluck, dann noch einen und sie sagte:“Das tat gut“.

Schweren Herzens sind wir dann gegangen. Haben uns vorher nochmal verabschiedet, küssten uns und sie winkte. Es bricht mir das Herz. Sehe ich sie in dem Moment doch zum letzten Mal…

Die Schwestern fragetn ob ich angerufen werden möchte und ich sage. „ja auf jeden Fall“, sie fragen auch Nachts?, egal zu welcher Zeit?, und ich sagte wieder: „Ja bitte rufen sie mich sofort an“.

Um halb 10 waren meine Sis und ich bei mir zu Hause. Sie blieb noch kurz und ist dann gefahren. Ich warte nun die ganze Nacht darauf dass das Telefon klingelt und sie sagen, das Mama es geschafft hat. Ich habe mir einen MariaCron gekauft und trinke ein Glas auf sie. Ich warte nun quälende Stunden darauf, dass das Handy klingelt. Das es vorbei ist, das Mama endlich frei ist.

Wir haben jetzt halb 11 gleich. Es kann noch Stunden dauern. Ich hoffe so sehr für Mama das sie nichts mitbekommt. Das war ihr größter Wunsch.

Mama schlaf gut, wir sehen uns wieder. Du bist frei und musst dich nicht mehr quälen.

Mama ich liebe dich! ♥

 

Was soll ich da sagen

Meine Sis kam gegen 14 Uhr und ichließ sie erstmal ankommen und ihre Hausaufgaben erledigen. Gegen 15 Uhr habe ich es aber angesprochen. Ich sagte das mich eine Ärztin angerufen hat und gesagt hat das Mamas Werte sich weiter verschlechtern, das sie Behandlungen ablehnt und das sie eventuell einen Luftröhrenschnitt bekommt um kpnstlich beatmet zu werden und wohin die Reise nun gehen soll..also Richtung palliativ..

Meine Sis und ich waren sehr angespannt, sprachen auf er Fahrt hin in die Klinik kaum ein Wort. Ich war sehr aufgeregt wie wir Mama heute vorfinden würden, mein Herz schlug mir bis zum Hals.

Die Tür ging auf und mit weichen Knien gingen wir in ihr Zimmer. Und was war?

Sie saß auf einem Stuhl! 2 Schwestern um sich rum und versuchten ob sie Wasser trinken könnte, da es immer noch schlecht mit dem Schlucken ist. Natürlich freute mich der Anblick, war aber besorgt das Mama dazu gezwungen wurde. Ich sagte zu Mama: „Hey du sitzt ja auf dem Stuhl“ und sie lächelte und hielt den Daumen nach oben. Ich fragte sie dann ob sie das gut findet und sie nickte. Welche Behandlung lehnt sie denn jetzt genau ab?, fragte ich mich. Die Schwestern hatten eine Menge Fragen. Sie wollten wissen wie es zu Hause war, ob sie da trinken konnte und ich sagte darauf, dass sie sogar ganz normal gegessen hatte und getrunken und selbstständig auch auf den T-Stuhl konnte. Erstaunte Gesichter seitens der Schwestern.

Nach einer Stunde konnte Mama nicht mehr sitzten, war halt anstrengen und auch auf Dauer dann unbequem. Das zurücklegen ins Bett ist gut gelaufen. Mama hat das gut mitgemacht und es war halt anstrengend – klar – aber sie war zufrieden. Weniger toll fand sie das Husten bzw das Absaugen vom Schleim. Da wir ein dünner Schlauch durch die Nase geschoben bis runter an den Hals. Sie sagte aufeinmal mit Stimme – Hör auf! aber die Schwester musste das ja machen. Wir streichelten sie und sagten immer wieder, das es gleich vorbei ist. Den Mund hat sie sich dann ohne widerstand reinigen lassen, das war ok für sie. Also..welche Behandlung lehtn sie denn ab??

Der Assistenzarzt kam hinzu und meinte, ich wollte ja mit ihm reden. Ich weiß darüber zwar nichts, aber besser so. Ich sagte ihm das ich angerufen wurde und er war ganz erstaunt darüber und wollte wissen wann und wer mich angerufen hat. Er wusste aber augenscheinlich bescheid über den Inhalt des Gesprächs, denn ich habe nicht viel gesagt, er hat aber gemeint das dem so gar nicht wäre. Ihre Werte sind gut, es gäbe keinen Anlass zu einer Tracheostoma. Klar kann immer ein Notfall eintreten, aber jetzt im Moment sähe es halt nicht so aus. Dennoch sollte ich ein Gespräch mit dem Oberarzt führen was gemacht werden soll aktuell, im Notfall, wohin die Reise geht. Er vermittelte mir aber auch das es noch Möglichkeiten gäbe. Ich habe morgen um 14 Uhr nun einen Termin mit der Oberärztin und dann sprechen wir über Mama. Ich hoffe nur, das es nicht die Oberärztin war die mich angerufen hat…

Mama hat dann auch wieder versucht was zu sagen. Wir haben dann herausgefunden das sie: „Schönen Geburtstag“ sagte. Sie hat offenbar kein Zeitgefühl, denn als meine Sis und ich ihr sagten das der Geburtstag von Sis erst in 8 Tagen sei. Bis dahin kann noch viel passieren. Mama war sehr erstaunt und ich glaube auch ein bisschen froh darüber. Es tut ihr doch so wahnsinnig leid dass das alles um den Geburtstag meiner Schwester passiert. Sie wollte uns noch etwas sagen, wir sind aber nicht dahinter gekommen.

Das erste Wort war „Kollege“. Zwar nicht Kollege, aber als ich das Wort nannte reagierte sie mit Gesten nach dem Motto – ok kann man auch so sagen. Dann noch Krankenhaus.

Mehr haben wir nicht herausgefunden. Es hat nichts mit den Ärzten zu tun, nichts mit den Schwestern, nicht das sie nach Hause will (möchte sie zwar aber das wollte sie nicht sagen), oder ob sie palliativ liegt, egal was wir sagten, wir haben es nicht herausgefunden. Auch hat sie sich manchmal an den Kopf gefasst, dann auch an die Nasenbrille oder an den Ernährungsschlauch. Aber wir konnte es eben nicht herausfinden. Morgen habe ich mein Tablet dabei und auch einen Stift und Zettel packe ich ein. Vielleicht kommen wir so weiter.

Es war so schön zu sehen das Mama sich weiter ins Leben zurück kämpft. Wir haben aber auch im Hinterkopf das jederzeit ein Anruf kommen kann, oder das sie intubiert etc ist wenn wir sie das nächste mal sehen. Die Angst um sie ist immer da.

Auf jeden Fall war der Anruf von heute Mittag echt unnötig. Hat uns nur unnötig dunkle Gedanken verursacht, die sowieso auf uns zukommen. Aber was sollte das…

Mama wir lieben dich ♥

 

Der Anruf

Vorhin um viertel nach 12 Uhr Mittags klingelte mein Handy. Mein Herz blieb für eine Sekunde stehen und ich sah an der Nummer, das es das Krankenhaus war. Eine Ärztin war an der Leitung und meinte erst, das es der Mama soweit gut ginge, deswegen rufe sie nicht an. Sie sagte dann aber dann sich ihre Werte (Sattigung) immer weiter verschlechtern, sie alles ablehnt und versucht die Maske abzunehmen. Sie wollte wissen wohin der Weg nun führen soll. Auf der Intensiv können sie halt nicht mehr tun als beatmen. Ein weiterer Schritt wäre wieder intubieren, das ginge aber nicht für so lange, die Alternative wäre ein Luftröhrenschnitt, der dann dauerhaft verbleiben kann.

In einer Stunde etwa kommt meine Sis von der Schule. Ich muss dann mit ihr bereden was gesagt worden ist. Heute Abend muss ich dann Mama fragen was sie möchte. Möchte sich einen Luftröhrenschnitt?, oder möchte sie gehen. Das wird sehr schwer werden…ich soll dann der Ärztin mitteilen wie nun der Kurs sein soll…

Mama will nicht mehr. Das hat sie gesagt. Wem nutzt es sie weiter zu quälen? Ihr am allerwenigsten. Vielleicht kann sie auf die palliativ und dann gemäß ihrem Wunsch sediert werden, damit sie nichts mitbekommt. Dann heisst es warten. Warten das sie sich erlöst und frei ist von dem Körper der ihr Jahrelang die Luft zum Atmen genommen hat. Das kann dann noch einige Tage sein, vielleicht sogar noch Wochen. Es tut weh. Ich kann grade nicht denken, aber tief in mir weiß ich was zu tun ist. Ihren Wunsch erfüllen…

Mein Herz zerbricht wieder und tiefer. Die meisten meiner Freunde sind gestorben, mein Mann, meine Großeltern, mein Papa und nun die Mama. Alles in den letzten knapp 4 Jahren.

Ihre Lunge ist am Ende, der Körper geschwächt und sie will frei sein. Sie will gehen…in knapp 2 Wochen hat meine Sis Geburtstag. Papa ist 4 Tage nach meinem Geburtstag gestorben und Mama hat nun vor um den Geburtstag meiner Sis zu gehen. Was ist das nur…

Nach dem Krankenhaus schreibe ich weiter…

Zwischen Sorge und Freude

In der Pflegedokumentation stand heute drin, das sie sehr passiv sein, aber alles versteht und darauf reagieren kann, aber auch das ihre Sauerstoffsättigung schlecht ist. Sie ist tendenziell immer nach unten und es war ein Wert von 75 eingetragen. Das ist zu wenig. Auch als wir da waren war der Sauerstoffwert immer so um 85 gependelt. Für einen COPD Patienten eigentlich ein guter Wert, aber sie atmet dann sehr schwer und die Sättigung fällt weiter ab. Sie war am Beatmungsgerät und hat geschlafen.

Nach einer halben Stunde etwa ist sie aufgewacht und nach ein paar weiteren Minuten hat sie sich sichtlich gefreut das wir da waren. Sie wollte die Maske unbedingt abhaben, der Grund war erst nicht so ersichtlich. Sie wollte mit uns reden, das haben wir dann herausgefunden. Die Schwester hat Blut abgenommen und kam kurze Zeit später wieder. Die Maske kann nicht ab, der Co2 Wert ist eigentlich gar nicht mal so schlecht, aber eben die Sättigung. Mama war dann sichtlich genervt.

Wir kamen dann auf die Idee, sie könne es ja aufschreiben. Die Schwester brachte einen Stift und ein Klemmbrett und Mama versuchte zu schreiben. Ausser ein paar Striche hat das aber nicht hingehauen. Ich habe dann jeden Buchstaben aufgesagt und sie nickte dann bei dem richtigen Buchstaben. Der erste ein K, dann der zweit ein O. Sie fasste sich an den Kopf und ich schnallte sofort dass das Wort Kopf sein soll, sie nickte. Gleich danach fragte ich ob sie Kopfschmerzen hat. Ja das ist es! Auch die Maske drückte ein wenig zu sehr. Auch das konnten wir beheben, konnten die Maske etwas lockern. Gegen die Kopfschmerzen hat Mama ein Schmerzmittel bekommen. Sie zeigte an welche Stärke die Ibuprofen haben, die sie immer nimmt. Die Schwester gab ihr 600erter, die haben schnell gewirkt, gab ja schließlich intravenös – flüssig.

Dann nach einigem Hin und Her kommunizierte sie auch das sie 5 Bananen gegessen hatte. Was dabei rauskam war, das wir ihr ja gestern tröpfchenweise ihr Bananensaft in den Mund geträufelt haben, das hat ihr gefallen. Gegen die Mundtrockenheite heute, bekam sie wieder so ein Spray in den Mund. Das half gut und Mama war erstmal zufrieden.

Auch sonst wurde sie im Verlauf unseres Besuchs sehr aktiv. Sie lächelte oft und bewegte sich viel. Auch ging die Sättigung hoch auf 92, 93. Gegen Ende unseres Besuchs wurde sie müde. Wir sagten ihr das wir sie lieb haben und sie formte ihre Lippen auch zu einem – ich euch auch. Meine Sis hat den Besuch heute als sehr positiv gewertet. Ich sagte zuvor noch, das Mama ja schwer raus kommt aus dem ganzen, die Schwester meinte aber das Mama riesen Schritte macht. Da hat sie aber Recht. Den Stift halten hätte Mama gestern nicht geschafft. Nur die Kopplung von Bewusststein zum Körper stimmt halt gar nicht.

Geistig scheint sie völlig da zu sein. Sie weiß wo sie ist, sie versteht vollkommen was man ihr sagt und kann auch darauf reagieren, aber der Körper macht gar nichts mit. Auch sprechen geht nicht. Sie bekommt keinen Ton raus. Das macht mir alles halt schon Sorgen. Ich bin jeden Tag mega aufgeregt wenn wer zu ihr fahren. Was erwartet uns? Im Moment sieht es so aus als ob es mit jedem Tag besser wird. Ich hoffe das bleibt so und sie kommt wirklich wieder auf die Beine. Heute hatte ich trotz der guten Dinge die passiert sind, ein mulmiges Gefühl. Mal sehen wie es ihr morgen geht.

Mama ich hab dich lieb ♥