Uff aber schön

Gegen halb 3 Uhr Mittags kam BF vorbei, mit einer ihrer Töchter. Der Ältesten. Kaum war sie bei mir die Tür drin, lachten wir bereits. Ich bot den beiden etwas zu trinken an und wir giggelten und lästerten und erzählten. Gegen 16 Uhr kam Künstlerin, kurz drauf auch Mainzer. BF und ich waren schon leicht angeschickert und die „Neuankömmlinge“ mussten sich erst auf unseren Pegel schaffen. Künsterlin trinkt keinen Alkohol und Mainzer hat sich in Rekordzeit 2 Bier in den Kopf gejagt und war dann „bei uns“. Schwägerin kam gegen 18 Uhr vorbei und Rumpelstielzchen war sowieso da. Geisenheimer kam nicht. Er schrieb eine SMS am Abend, er sei rotzevoll. Ich rief ihn an und fragte was denn los sei. Seine Ex hat angerufen, oder sie war da – keine Ahnung – und es hat ihn wieder total zerstört. Ich sagte ihm, wärst du doch gleich zu uns gekommen, hier ist es sau lustig und wir hätten dich ablenken können..aber egal jetzt auch, er solle seinen Rausch ausschlafen.

Bruder und Vorderhauszote haben sich die Grippe gefangen, der Bärtige ist nicht gekommen. Macht nichts. Wir hatten soviel Spaß – ich hatte wieder Muskelkater in den Wangen vor lachen. Zwischendurch meinem Engel immer wieder gratuliert und dabei ein Schnapsgläschen mit Apfelkorn getrunken. Es ist reichlich Alkohol geflossen. BF und ich haben unseren Wein getrunken und Mainzer sein Bier. Irgendwann war auch die Flasche Apfelkorn leer und Rumpelstielzchen ging an den Kiosk eine weitere Flasche holen. Uff.

Älteste ging gegen 9 Uhr und auch Künstlerin und Schwägerin gingen. Es wurde später und später und wir voller und voller. Wir waren alle so zu – wie lange nicht mehr. Als die 4 Flaschen Wein auch leer waren, sind wir auf Bier umgestiegen. BF Cola-Bier, ich ohne Cola. Rumpelstielzchen hat irgendwann seinen sentimentalen bekommen und wollte mich in der Küche sprechen. Es ging wieder nur darum, daß er sich Sorgen um mich mache. Um mich als Person und um mein Geschäft, ich kümmere mich zu wenig. Ich sagte ihm es gehe ihn nichts an, ich habe alles im Griff. Er brauche sich keine Sorgen machen. Auch als er wieder damit anfing, ich solle aufpassen und mich nicht ausnutzen lassen, nahm ich ihm gleich den Wind aus den Segeln. Ich sagte ihm, das ihm dies auch nichts angeht. Es geht ihn nichts an mit wem ich wie lange „alleine“ bin, was ich dabei mache, oder mit mir machen lasse…er solle mich nicht nerven damit! Abgesehen davon lasse ich nichts mit mir machen, was nicht in meinem Sinne ist. Egal um was es sich dabei handelt.

Ich habe festgestellt, daß es wohl doch noch redebedarf bei ihm gibt und wir uns nochmal hinsetzen müssten..oh man…kann ich einmal, nur für eine Stunde nicht ich sein? Warum muss ich mich mit so einer Kinderkacke beschäftigen…

Er rauschte ab, wie immer halt, wenn ihm was nicht passt. Mir egal, ich wollte mir meine Laune nicht verderben lassen. Ich habe soviel geweint in den letzten Tagen wieder und ich wollte lachen! Auch wenn dieser Tag nicht zum lachen eigentlich war. Meinem Engel hätte es aber sicherlich gefallen, mich nicht so trübselig zu sehen..auch wenn es sein erster Geburtstag war, an dem er nicht da war. Später, sehr viel später, als die Stimmung alkoholbedingt etwas runter ging, kam Rumpelstielzchen nochmal rüber. Wir saßen eigentlich nur da und redeten. Er fragte mich, ob er ein paar Zigarettenpapers haben könne, der Kiosk war schon zu und er hätte vergessen welche zu kaufen. Klar, sagte ich. Er nahm sich ein paar Papers raus und dann schmiss er sie auf den Tisch, stand auf und prustete irgendwas von wegen – das müsse er sich nicht anhören – sowas in der Art. Zack war er die Tür draussen. Verdutzt schaute mich BF an und ich schaute genauso. Ich habe was gesagt, daran kann ich mich nicht mehr erinnern, und das hat ihn wohl getroffen. So ist er dann eben wieder abgerauscht. Vor Schreck wusste auch BF nicht mehr, was ich denn so schlimmes gesagt haben muss…

Gegen 1 Uhr Nachts kam die jüngste Tocher von BF vorbei. Sie trank ein ColaBier mit uns und ist dann auch wieder abgerauscht. Sie wollte ins EuroPalace, vorher aber bei mir reinschauen. Kurz danach hob sich die Stimmung wieder und wir lachten, daß unsere Bäuche wehtaten, das Gesicht verkrampfte und wir Angst hatten das würde so bleiben. Was wieder ein Anlass war Tränen zu lachen. Gegen halb 3 wurden wir alle müde. Dagmar legte sich längst auf die eine Seite der Couch und ich gab ihr eine Decke. Sie muss um halb 4 los, mit schlafen ist aber nicht mehr. Sie döste vor sich hin, während Otto und ich auf der anderen Seite der Couch saßen und uns unterhielten über dies und das. Meistens jedoch über meinen Engel. Alte Geschichten, Erinnerungen, wie es so ist. War richtig gemütlich und schön.

Um halb 4 klingelte der Wecker, den ich vorsorglich gestellt hatte. BF setzte sich hin, rauchte eine Zigarette, und machte dann los zur Arbeit. Die arme Maus…doch durch gemacht und nun bis 12 Uhr arbeiten. Mainzer und ich saßen immer noch auf der Couch und unterhielten uns weiter. Auf einmal war es 7 Uhr morgens, und er musste auch los zur Arbeit, auch bis um 12 Uhr schaffen. Die armen Leute, dachte ich mir. Zum Glück bin ich selbstständig…ich hätte krank machen müssen, hätte ich einen Angestelltenjob. Wir hatten alle noch gut Restgas bzw. waren noch gut dabei, keinen Schlaf und dann arbeiten gehen…na Danke… Als Mainzer auch ging, legte ich mich auf die Couch und schlief ein. Ich habe nicht so lange geschlafen, gefühlt gar nicht. Gegen halb 11 raffte ich mich auf um meine Runde zu machen.

Ich ging ins Bad und schaute in den Spiegel. Wer ist denn das? Fragte ich mich, denn die Frau die mich ansah, kam mir nicht bekannt vor. Meine Güte, siehst du verstrahlt aus. Die Augen rot, das Gesicht auch..Restgas definitiv vorhanden. Boah ey und so muss ich raus!? Hilft alles nichts. Wasser ins Gesicht, Zähne geputzt und Haare gekämmt. Siehst nicht besser aus und fühlst dich auch nicht besser. Egal, los jetzt! Ich bin Lotto spielen gegangen, dann etwas einkaufen. Kaum zu Hause, habe ich mich umgezogen. Meine Schlabberhose, bequem eben und ich gehe heute eh nicht mehr raus und überhaupt, wenn jemand klopft, bin ich nicht da. Komatöser Samstagszustand.

Vom Tante E Laden habe ich mir ein Päckchen Hackfleisch geholt. Ich hatte die letzten 2 Tage nichts gegessen, ausser einer Scheibe Brot mit Räucherlachs und hatte nun irgendwie Hunger. Schnell muss es gehen und was zum Schaufeln sein. Um 11 Uhr fing ich an mir eine Bolognese zu machen, dazu Nudeln. Schaffte mir einen Teller rein und legte mich danach auf die Couch um noch ein bisschen zu schlafen. Irgendwie konnte ich nicht einschlafen. Ich bin schlagskaputt, aber konnte nicht einschlafen. Mein Kreislauf war auch nicht on Top. Ich ging in die Küche und räumte diese auf und sah, daß in der 2. Flasche Apfelkorn noch ein Schluck drin war. Ah gut, dachte ich mir und trank den Schluck grade aus der Flasche. Assig ich weiß… Mein Kreislauf stabilisierte sich innerhalb weniger Minuten und ich versuchte es nochmal mit schlafen. Gelang mir diesmal.

Um halb 3 Mittag klopfte es an der Tür. Mein erster Gedanke war – och nö…dann viel mir auf, das ich dieses Klopfen nicht kannte. Wer mag das sein? Ich stand auf und in dem Moment kam mir der Gedanke, das es Älteste sein müsse. Sie hat sich gestern von mir Geld geliehen und wollte es heute wieder bringen. So war es dann auch. Oh habe ich dich geweckt, fragte sie mich mit großen Augen. Ich sagte – ja, aber nicht schlimm. Komm rein. Sie wollte nicht lange bleiben, nur das Geld wieder bringen. Ich zündete mir eine Zigarette an und sie meinte, sie bliebe noch so lange wie ich rauchen würde. Kein Ding, sagte ich. Ich fragte sie nach ihrer Mutter. Sie lachte und sagte, sie hätte eben mit ihr telefoniert. Die Arbeit war so schlimm heute, sie wäre so kaputt und müde und als sie nach Hause kam hätte sie sich gleich schlafen gelegt. Ich lachte auch und sagte – ja das Beste heute, was man tun kann. Meine Zigarette war fertig geraucht und Älteste verabschiedete sich mit den Worten – schlafe du auch noch ein bisschen. Ich brachte sie an die Tür und antwortete – das kannste aber glauben.

Ich legte mich wieder hin, stieg aber auch gleich wieder auf. Ich bin müde, aber es ist jetzt 16 Uhr und wenn ich nun weiter penne kann ich heute Nacht nicht schlafen. Also bleibe ich nun wach und gehe eben später etwas früher ins Bett.

Rumpelstielzchen hat sich heute noch nicht blicken lassen. Schon gut so, aber auch wieder so typisch. Wenn er mich nervt wegen gestern, sage ich ihm ganz egal was ich gesagt habe – ich war dicht und da sollte man nicht alles so ernst und persönlich nehmen. Wenn ich einen Punkt getroffen habe, dann soll er das nächste Mal nicht weg rennen, sondern mir sagen, daß ich grade Scheiße labere..wo ist das Problem?

Ich mache jetzt die Osterkörbchen für meine Lieben, für morgen, fertig…

Bis dann

Alltag und inneres…

Von Samstag auf Sonntag war Dagmar bei mir. Am Sonntagmorgen fuhr sie mich zu meinen Eltern. Meinem Pa geht es den Umständen eigentlich ganz gut, meine Mam macht mir grade etwas Sorgen. Sie hat COPD und mit ihrer Luft war es gestern nicht so dolle. Der Tag war aber wie immer lustig und es gab Lasagne. Lecker! Am Nachmittag hat mich meine Sis heimgefahren. Gegen Abend kam Karl vorbei, blieb nicht lange. So war der Abend mir und ich gammelte nur auf der Couch, schaute fern bis ich eingeschlafen war.

Das Wochenende hatte seltsame Züge. Ist es selektive Wahrnehmung, oder ist es doch seltsam… Letzte Woche schrieb ich über das Lied „Die immer lacht“ … dann sah ich Werbung im Tv von „The Dom“ – auch mit diesem Titel. Dann hörte ich es im Radio, dann schrieb hier auf WordPress jemand über das Lied. Sie weinte, als sie die ersten Zeilen hörte – so wie ich. Sie erkannte sich wieder in dem Lied – wie ich. Ich fühle mich gerade verfolgt von dem Titel. Er scheint aber „neu“ zu sein, deswegen hört man es jetzt immer öfter…. Die andere Sache aber, ich höre viel Musik in letzter Zeit. Ich lasse das Radio einfach laufen..ohne Hintergedanken. Seit geraumer Zeit eben. Sie spielen auch David Bowie. Immer nur „China Girl“, oder ein anderes Lied, dessen Titel mir gerade nicht einfällt.

Am Samstagabend, daß Radio lief auch, spielten sie auf einmal „Space Oddity“! Ich bin direkt zusammen gebrochen. Wir sprachen gerade wieder darüber, wie sehr mir mein Engel fehlt und mein Leben so ohne ihn ist..und dann kommt dieser Titel ins Radio…es gibt keine Zufälle…

Gestern morgen bin ich aufgewacht und war direkt in einer Art Melancholie gefangen. Ich kann direkt umschalten, wenn es zB. an der Tür klopft. Aber in meinen Kopf kann niemand hineinsehen…nicht mehr…derjenige, der das konnte, ist nicht mehr bei mir. Ich befinde mich in einer Identitätskrise. Ich stelle mir dauernd die Frage – wer bin ich? Vorher war ich immer „seine“ Frau. Ein eigenständiger Mensch, aber eben – seine – Frau. Wir waren das Zentrum in unserer Herde. Zu uns sind sie alle gekommen. Sie haben es genossen, daß sie alle bei uns so sein konnten, wie sie waren. Ohne Maske..ohne sich zu verstellen… es hat mich Stolz gemacht seine Frau zu sein. Es hat mich stark gemacht, mir Kraft gegeben. So konnte ich mich genauso um alle kümmern, wie er es getan hat. Wir hatten unsere „Gebiete“, aber meist kümmerten wir uns beide – je nach dem mit welcher „Sorge“ unsere Leute zu uns kamen. Wenn sie von uns wieder gegangen waren, waren sie befreit. Hatten wieder einen Blick nach vorne. Konnten ihre Krisen bewältigen. Mein Engel konnte so gut reden…er hat immer die richtigen Worte gefunden und alleine die Art und Weise wie er sprach, wie er etwas „rüber brachte“ war einfach sagenhaft.

Ich muss gerade an Situationen denken, welche unsere Leute immer ausgeflippt haben. Uli zB. hatte einmal eine echte Lebenskrise. Sie kam zu uns um Rat zu erbitten. Wir hörten uns an was sie bedrückte und dann sprachen Schatzi und ich kurz darüber. Aber nicht in einer bekannten Sprache. Wir hatten unsere eigene Sprache, die niemand verstehen konnte… Das ging nur wenige Sätze hin und her, dann wandten wir uns Uli zu und Schatzi hatte die passenden Worte, welche ich nur bestätigen konnte. Geflasht von diesem Eindruck und den Worten bekam sie innerhalb kürzester Zeit ihre Krise in den Griff. Sie erinnert sich heute noch daran und bedankt sich nach wie vor immer wieder, wie wir ihr damals geholfen haben…wie wir wie eine Erleuchtung waren, ein Schutzwall, eine Einheit….wie Engel auf Erden mit dieser unglaublichen Aura…

Heute morgen wollte ich wieder mal nicht aufstehen. Ich war um Punkt 8 Uhr wach, twitterte mein Guten Morgen an meine Lieben. Ich überlegte was heute so anliegt und drehte mich um…ich habe dann bis ca. halb 10 geschlafen, dabei von meinem Engel geträumt. Ein normaler Traum…nichts luzides…aber so schön, so konnte ich ihn sehen..

Ich machte mir einen Tee und überlegte wieder. Ich müsste auf die Bank, auch in die Stadt paar Dinge erledigen. Also aufgerafft und um halb 11 bin ich los. Erst auf die Bank, dann in die Stadt rein. Alles erledigt. Habe auch an den Krim gedacht, mein Engel hat am Freitag Geburtstag….Karfreitag… Gestern Abend rief mich Schwägerin an und wollte fragen, ob wir uns am Freitag treffen könnten. Sie würden mich zum Essen einladen, weil ja mein Schatzi Geburtstag hat. Ich bedankte mich für die Einladung, sagte aber, daß unsere Leute und ich schon was geplant hätten. Wir „feiern“ seinen Geburtstag bei mir, mit allen unseren Leuten – das hätte auch meinem Engel gefallen..so wie es eben immer war.. Sie meinte, alles klar, kein Problem. Sie dachte, ich würde den Tag alleine sein und das wollte sie nicht.. Aber alles gut. Ich sagte, sie könnten aber auch gerne zu mir kommen. Gerne nahm sie die Einladung meinerseits an.

Ich war heute gut gelaunt. Fröhlich und entspannt. Als ich aber nach Hause kam, brach ich in Tränen aus. Ich hielt meine Hände vors Gesicht und sagte mir selbst – nein nicht weinen…aber das half nicht.. Dabei war ich bisher wirklich gut gelaunt heute. Mir ist sogar was passiert..nichts schlimmes, nichts aufregendes…

Ich stand an der Bushaltestelle, bevor ich nach Hause kam, und wartete auf den Bus. Da kam ein Typ zu mir und fragte mich nach Feuer. Ich gab ihm mein Feuerzeug, er machte sich seine Kippe an und gab mir das Feuer wieder und sagte Danke. Ich sagte „Gerne“ wie ich es immer sage. Er ging wieder einige Schritte weg. Es passierte eine lustige Sache und er sprach mich wieder an. Wir scherzten beide über die Situation. Wir standen dann einfach nur da, er recht neben mich. Machte mir nichts aus…Dann sagte er, er hätte keine Lust den Berg hochzulaufen, ich sagte – nö ich auch nicht. Er meinte dann, er wäre arbeitslos, aber den Berg gebe er sich nicht. Ich lachte und sagte – tja, so geht es dem Menschen wie den Leut´.  Ich schaffte meinen schweren Einkauf in meine andere Hand und er meinte, da hast du aber schwer zu tragen. Ich sagte, ja das ist der vorallem der  Krim.. Er schaute und sagte dann, oh Champagner…gibt es was zu feiern? Ich antwortete – ja..mein verstorbener Mann hat am Freitag Geburtstag. Wir haben immer mit Krim angestossen…

Er hielt kurz inne und sprach mir dann sein Beileid aus. Ist aber früh gegangen – meinte er. Ich sagte nur – Ja. Dann kam der Bus. Wir stiegen ein und saßen nebeneinander. Wir redeten kurz über das Wetter. An der gleichen Bushaltestelle sind wir ausgestiegen. Er musste in die entgegengesetzte Richtung wie ich. Ich sagte TSCHÜSS und er meinte – vielleicht treffen wir uns ja mal wieder. Ich sagte – ja warum nicht…(ich habe ihn nie wieder gesehen…)

Es hat mir irgendwie gut getan, daß jemand „fremdes“ Interesse an mir gezeigt hat. Ich bin misstrauisch und ein skeptischer Mensch, aber er war mir tendenziell symphatisch. Mir ist egal, ob jemand arbeitslos ist, oder nicht. Was ein Mensch macht, ist mir egal…mir ist wichtig WER ein Mensch ist. Ich definiere Menschen nicht über ihre Arbeit.. Ich springe nun auch nicht den erst Besten an, der mir über den Weg läuft. Aber warum nicht jemanden kennelernen. Wäre ein Anfang. Und wenn das mein Weg ist, sicherlich sogar. Dann treffe ich mich mal mit ihm und klopfe ihn ab. Ob er überhaupt in mein Rudel passt….wenn nicht, nicht schlimm…es ist aber grundsätzlich ok neue Leute kennenzulernen. Ich habe ihn zumindest nicht abgeschreckt. Er sagte mir „gleich“ er wäre arbeitslos, ich sagte ihm „gleich“ ich bin Witwe….trotzdem „möchte er mich wieder sehen“. Mal schauen was daraus wird. Mein Weg wird es mir zeigen…und wenn nicht, auch nicht schlimm… Ich forciere nichts…ich gehe meinen Weg… Baby, send me an angel..beschütze mich und führe mich…

Nach aussen hin wirke ich souverän, stark, habe alles im Griff. Innerlich bin ich verunsichert und verzweifelt…feeling like jekyll and hyde….

Bis dann

 

 

Wenn Schmetterlinge tanzen

Dieses Wochenende war eher ruhig. Am Freitag kam Geisenheimer um mich abzuholen. Es hat sich eingeschlichen, daß wir Freitags Billardspielen gehen, danach noch was trinken, oder auch nicht. Am Samstag sind wir gegen Mittag zur BF gefahren, zu ihrer Arbeit. Wir haben sie abgeholt und sind dann erst kurz zu ihr, danach zu mir gefahren. Geisenheimer ist wieder los – er wollte heute der Tochter von BF helfen einen Küchenschrank in eine andere Wohnung zu fahren. In der zwischenzeit haben BF und ich es uns bei mir gemütlich gemacht und tranken Wein. Am frühen Abend kam Geisenheimer wieder und wir saßen noch eine ganze Weile bei mir. BF musste auch am Sonntag arbeiten und uns viel nichts ein, wo wir mal hingehen könnten. Ich hatte aber auch nicht so recht Lust, hatte meine Erdbeerwoche und da ist mit mir eh nicht so viel anzufangen. Gegen 9 Uhr brachte Geisenheimer BF nach Hause und ich machte es mir auf der Couch gemütlich. Ein eher ruhiges Wochenende eben..Sonntag waren meine Sis und ich bei der Mama, danach im Krankenhaus beim Papa…es geht ihm soweit gut, zum Glück….

Am Sonntagnachmittag, als ich wieder zu Hause war, legte ich mich auf die Couch und tat nichts. Ich lag nur da und schaute aus dem Fenster. Der Himmel war blau, ein paar Wolken zogen vorbei. Meine Gedanken schwebten. Ich sah Flugzeuge vorbei fliegen, Amseln die sich jagten und Tauben in ihrem Balztanz. Im Garten geht es wieder gut ab, sagte ich laut. Dann sah ich einen Schmetterling der vor meinem Fenster flatterte. Er suchte das ganze Fenster ab um einen Weg hinein zu finden. Ich dachte mir, nö du kommst nicht rein..das wäre nicht gut für dich. Er flog wieder weg…nach einer kurzen Weile kam er wieder und war nicht alleine. Es waren 2 Schmetterlinge. Sie flogen nicht nebenher, oder wirr durcheinander. Sie tanzten. Sie drehten sich im Kreis, fliegend auf und ab. Trennten sich und kamen wieder zusammen. Alles vor meinem Fenster, als würden sie es mit Absicht machen. Ich sah ihnen zu und meine Gedanken fingen auch zu tanzen an. Die Leichtigkeit eines Schmetterlings müsste man haben. Es sind so zarte Wesen, hübsch anzusehen und sie sind wie kleine Feen. Wünsche erfüllen sie keine…aber sie zu beobachten, lässt ihre Leichtigkeit spüren.

Ich dachte an die Tage, an denen ich diese Leichtigkeit gefühlt hatte. Wie alles egal war. Das Leben war einfach nur schön. Ich strich mit der Hand über die Couch. Ich erinnerte mich daran, wie wir sie ausgesucht hatten. Wo wir überall waren um genau DIE Couch zu finden, die wir wollten. Wir haben sie uns zum 11. Hochzeitstag geschenkt….da wussten wir noch nichts…Dann schaute ich zum Fernseher. Als wir den gekauft hatten, wussten wir bereits alles…du hast den Tv ausgesucht. Du wolltest DIESEN Fernseher unbedingt haben. Du hast zu mir gesagt: So hast du ein schönes Bild…ich wollte eigentlich nicht so einen großen…aber mein Engel wollte den unbedingt…damit ich gut fernsehen kann…damit ich das Kinofeeling haben kann, weil wir ja nicht mehr ins Kino gehen können…und wir sind so gerne ins Kino gegangen…und oft.

Selbst als wir wussten, daß alle Hoffnung vergebens ist, hat mein Engel immer noch darauf geachtet und alles dafür getan, daß es mir gut geht. Und wenn es sich um so banale und unwichtige Dinge gehandelt hat. Mein Blick richtete sich auf das Bild an der Wand, an dem er viele Jahre gemalt hat. Dieses Bild hat sich ständig verändert. Es hat über die Jahre 1000 Gesichter bekommen, es war immer wieder anders. Nun steht das Bild still…es dreht sich nicht mehr…

Ich kann nicht alleine sein. Wenn jemand da ist, liegt meine ganze Aufmerksamkeit bei dem jenigen, auch wenn wir darüber sprechen wie es mir geht. Es ist aber anders dann. Wenn ich alleine bin, richtet sich meine volle Aufmerksamkeit auf mich. Dann bin ich konfrontiert mit dem was ist. Früher, oder später muss ich dann weinen. Ich will nicht alleine sein, ich will mich nicht damit auseinandersetzen müssen wie es ist. Es tut so weh…ich weiß, ich darf nicht verdrängen…aber es tut so wahnsinnig weh… Ich versuche mich abzulenken in dem ich putze..oder die Autoschlüssel suche, die ich irgendwie verlegt habe..aber das kann ich nicht den ganzen Tag machen…selbst arbeiten lenkt mich nicht genug ab, denn irgendwann habe ich mein Tagespensum ja auch erledigt…und dann?

Dann höre ich wieder diese Stimmen. Sie erzählen mir wie es einmal war. Erinnerungen. Ich lasse es zu und quäle mich damit selbst. Es liest sich vielleicht alles schlimm. Es ist auch schlimm. Aber niemand muss sich Sorgen machen – es ist ja „ganz normal“. Ich wünschte nur, ich wäre schon 5 Jahre weiter und der Schmerz hat nachgelassen..dann..hoffe ich zumindest. Es kann sich niemand vorstellen wie sehr sein Teil meiner Seele mir fehlt…auch wenn sie es sagen, daß sie es können. Jeder von uns hat irgendwann einen recht schmerzlichen Verlust zu ertragen. Aber leidet jeder auch so wahnsinnig? Bestimmt..wie gehen die aber damit um? Wie lernen sie damit umzugehen? Ich weiß nicht wie es machen soll….Baby hilf mir!

Mein offizielles Ich bekommt wieder Stärke. Ich habe Verpflichtungen, Verantwortung, Ziele und halte meinen Kopf hoch. Mein inoffizielles Ich bricht immer mehr zusammen. Die Kluft zwischen den beiden wird immer größer. Wie lange kann das gut gehen? Solange bis ich wirklich durch drehe? Bis ich einen Burn Out bekomme? Oder doch eine Depression? Ich bin nicht so ein Mensch…aber ich bin auch keine Maschine, kein Roboter…. Ich will die Verantwortung die ich mir „aufhalse“. Ich will meine Ziele erreichen und durchsetzen. Ich halte mich an das was ich versprochen habe…aber an wen kann ich mich anlehnen und mich auch mal fallen lassen? Da ist keiner mehr…ich muss an mir selbst wachsen. Es ist kein leichter Weg. Ich bin tief gefallen und meine Lieben helfen mir mit aller Macht, mich wieder aufzurichten.

Aber am Ende des Tages bin ich alleine…

Bis dann

Extreme

Freitag. Gegen halb 2 Uhr mittags kam Geisenheimer und wir sind direkt los zu meiner Freundin. Ihre erwachsenen Kinder waren auch noch nicht da. Es dauerte aber nicht lange, da kam die Jüngste. Sie ist 25 und ich verstehe mich mit ihr total gut. Eine halbe Stunde später kamen die anderen beiden. Der Schweinebraten war richtig lecker und zum Essen gab es einen Wein.

Ich wollte erst keinen, will ich doch mit dem Alk aufhören. Aber wie es eben so ist – ok dann doch. Nach dem Essen saßen wir in gemütlicher Runde und hatten Spaß. Jüngste erzählte mir 1000 Sachen und ich war nur am lachen. Es wurde Abend und ich wollte nach Hause. Hätte auch da bleiben können, aber es hatten sich Leute bei mir angemeldet..war dann auf einmal sogar spät dran. Wollte um 5 zu Hause sein, um 7 Uhr war ich es dann. Wir hatten eine so tolle Stimmung und kurzerhand entschlossen wir uns, alle zu mir zu fahren.

Die Jüngste musste arbeiten gehen und die andere konnte auch nicht. Nur die älteste Tochter (32) kam noch mit. Sie blieb aber nicht lange..sie musste auch um 10 Uhr anfangen zu arbeiten – war eben ihre Schicht im Hotel. Bis dahin hatten wir einen super Abend. Der Wein floss wieder in Strömen und wir haben so gelacht, daß uns der Bauch weh getan hatte.

Auch als die älteste Tochter gegangen war, haben wir nur gegröhlt, kamen zwischendurh auch die Leute, die vorbeikommen wollten. Gott haben wir gelacht. Natürlich gab es auch Gespräche die eher ruhig und ernst waren. Die meiste Zeit haben wir aber vor lachen unter dem Tisch gelegen. Es war irgendwann nachts 2 Uhr und alle sind gegangen. Nur Freundin blieb, sie war die Nacht wieder bei mir. Wir tranken noch die Flasche Wein leer und redeten über alles mögliche. Gegen 4 Uhr waren wir dann auch so müde, daß wir uns hin gelegt hatten.

Samstag. Gegen 9 Uhr sind wir aufgestanden. Ich war zwar schon um halb 8 wach, war müde und kaputt, hatte aber keinen Kater. Mir ging es gut. Ich wollte so früh Freundin nicht wecken und legte mich wieder ins Bett. Gegen 9 Uhr aber dann, dachte ich mir, ich will jetzt einen Tee und Freundin wachte auch auf. Sie räumte die Bettdecke weg, sie schlief auf der Couch, und im Handumdrehen war alles wieder aufgeräumt. Gegen 10 Uhr drehten wir unsere Runde. Ich musste ja Lotto spielen und etwas einkaufen. Wir wollten chillen und ich habe dann 2 Flaschen Wein gekauft.

Geisenheimer wollte kommen, da wir zum Steinbruch fahren wollten. Es hat aber nur geregnet, und als er dann gegen 2 Uhr kam sagte ich, daß wir das verschieben. Keine Lust im Regen im Steinbruch rumzulaufen um Steine zu suchen. Die brauche ich, für die Grabumrandung…läuft ja nicht weg. Wir hatten einen super gechillten Tag. Freundin und ich tranken unseren Wein, Geisenheimer seine Cola und wir unterhielten uns. Vorderhauszote kam auch mal vorbei. Es wurde immer später und später und Geisenheimer wollte nach Hause. Ich sagte, nee nee – du musst bitte Freundin nach Hause bringen. Ok kein Ding, macht er gerne. Gegen 8 Uhr Abends sind die beiden dann los.

Rumpelstielzchen kam nochmal kurz rüber, blieb aber nicht lange. Ich war müde und fertig. Nicht hackedicht, aber eben fertig und platt. Ich saß auf der Couch und blätterte in der Fernsehzeitung. Programm gefunden, bequem gemacht. Dann bekam ich einen Weinkrampf. Von jetzt auf gleich. Ich heulte so eine Stunde vor mich hin und dann fing ich mich wieder. Ich dachte darüber nach, wie ich immer von einem Extrem ins andere Falle. Letztes Wochenende noch war ich total am Ende. Ich habe nur geheult. Alles war trostlos, grausam und einfach nur beschissen. Jetzt am Wochenende habe ich so gelacht, ich hatte Muskelkater im Bauch vor lachen. Was für Stimmungsschwankungen, dachte ich mir, und ich weiß ja – alles ganz normal..

Sonntag. Ich war gestern früh im Bett bzw habe auf der Couch geschlafen. Ich wollte noch einen Film schauen, heulte, bin dann eingeschlafen..war zu faul ins Bett zu gehen. Macht ja nichts. War heute morgen aber richtig fit, nur faul. Bei meinen Eltern war es wieder cool. Das Essen war super lecker, Gulasch, und verloren habe ich auch wie immer. Aber es hat Spaß gemacht. Meine Sis hat mich nach Hause gefahren. Bisher bin ich entspannt. Ich bin müde. Heute werde ich auch nicht sehr alt…

Gedanken:

Jeder Mensch hat in seinem Leben eine „Aufgabe“ zu erfüllen. War ich ein Teil deiner Aufgabe? Was hast du mir gezeigt, gelehrt? Habe ich es schon längst verinnerlicht, oder begreife ich es nicht? Du hast mich verändert! Das stimmt. Oder war ich nur „Beiwerk“, weil wir uns, wie wir wissen, in jedem Leben treffen? Wir sind Jahrhunderte alt. Wir kommen nur hier her zum spielen. Aber du, mein Engel, hast so vielen Menschen ihren Weg geebnet. Du hast deine Aufgabe in jedem Fall erfüllt. Ich meine nicht…deswegen bin ich noch hier…

Warum haben wir uns das ausgesucht? Das ich nun so leide? Es nutzt nichts, daß ich hier sitze und so leide und so weine. Du siehst nicht wie ich leide…es bringt dich mir nicht  zurück. Vielleicht siehst du es doch, oder kannst mich hören..aber ich kann nicht mit dir reden.

Ich fühle nichts..gar nichts…der Schmerz überstrahlt einfach alles. Jede Zelle meines Körpers und jede Faser meiner Seele schreien nach dir. Ich weiß ja „von der anderen Seite“, wie es da ist, wie der Weg nach dem Übergang ist…wir hatten so viele Gespräche…dabei sind wir immer geflogen.

Trauer ist nichts fremdes für mich. Ich kenne einige der Gefühle nur allzu gut . Aber so heftig und vernichtend habe ich sie noch nicht erlebt…ich dachte, ich hätte alles im Griff. Habe ich auch. Es läuft alles ohne Komplikationen. Mit jedem Tag aber, werde ich unsicherer..was soll ich nur machen? Mit jedem Tag brauche ich dich mehr…

Unsere Freunde sind ständig um mich herum…aber sie können nicht ersetzen, wonach ich mich so sehne..

Bis dann

Mein Plan im Detail

Ich war Lotto spielen, dann schnell was im Tante E Laden einkaufen – wie immer Samstags, ändert sich auch nicht. Gegen halb 10 klopfte es auf einmal Sturm an der Tür. Achja Mist – fast vergessen..hatte was bestellt und das kam jetzt. Das Geburtstagsgeschenk für meine beste Freundin. Sie hat am Mittwoch Geburtstag.

Das Päckchen habe ich erstmal nebenhin gelegt. Mir meinen Mantel angezogen und runter in die Stadt den Krim holen…alles bisher wie ich es gesagt hatte, keine besonderen Vorkommnisse. Als ich wieder zu Hause war, habe ich mich hingesetzt und musste erst wieder runter kommen. Die Busse fahren Samstags nicht soo oft und wie es so ist, ist mir die 6 vor der Nase weg gefahren…nun wollte ich keine 15 Minuten warten und bin den Berg hoch gelaufen. Die Schwalbacher Strasse zieht sich, vorallem, wenn man was schweres dabei hat. Egal…

Während ich weiter aufräumte, überlegte ich mir die ganze Zeit, den Friedhof doch auf morgen zu verschieben. Ich überlegte hin und her. Letztenendes bin ich um halb 1 etwa dann doch los marschiert. Das Wetter war einfach zu schön heute. Es war relativ warm, die Sonne hat geschienen. Ich dachte mir, wenn ich es auf morgen verschiebe – dann ist aber scheiss Wetter morgen, gehe ich morgen nicht..also mache ich es heute. Auf dem Weg zum Friedhof ging mir einiges durch den Kopf. Ich habe mal gesagt, wenn mein Engel nicht mehr ist, bin ich jeden Tag an seinem Grab…so war und ist es aber nicht…ich war bisher einmal die Woche dort. Ich finde es auch sowieso komisch. Warum rennen alle an ein Grab..dort ist er/sie doch gar nicht. Nur die sterblichen Hüllen..mein Engel ist überall..nicht nur an seinem Grab.

Dort angekommen begrüßte ich dennoch meinen Schatz. Ich redete mit ihm und fing an zu weinen. Nicht schlimm, nur das meine Tränen über mein Gesicht liefen. Nach ein paar Minuten holte ich die Appelkorn aus meiner Tasche. Ich stieß mit den kleinen Fläschchen an und trank eines, das andere goß ich über sein Grab. Ich sammelte mich kurz und entfernte die Kränze. Diese waren schon sehr verblüht. Aus dem einem Kranz holte ich lauter Tannenzweige raus und aus unserem Kranz 5 Rosen und etwas Schöllkraut…

Die beiden Kränze entsorgte ich. Die Tannenzweige legte ich über sein Grab mit den Worten – damit du nicht frierst mein Schatz…auf die Tannenzweige legte ich die 5 Rosen mit dem Schöllkraut. Ich verabschiedete mich und es hat eine ganze Weile gedauert. Irgendwie wollte ich plötzlich nicht gehen. Es war wieder wie ein Abschied. Ich wollte das nicht so..Nach langen Minuten bin ich dann doch gegangen. Ich drehte mich nochmal um, warf ihm einen Handkuss zu und winkte ihm..so wie ich es immer getan habe…

Zu Hause bin ich ins Internet und habe mir Grabkreuze, Grabschmuck und Grabplatten angesehen. Irgendwas muss ich ja machen..es soll schön aussehen..persönlich sein… Ich hörte den Briefträger. Im Briefkasten lag eine Rechnung vom Bestatter. Dachte ich mir schon, daß da noch was kommt…ich schaute auf mein Bankkonto und stellte mit erstaunen fest, daß auf dem Konto meines Engels mehr Geld war, als ich angenommen hatte..Nicht viel, aber deutlich mehr als gedacht. Wieder bin ich in Tränen ausgebrochen und sagte – Danke mein Schatz, damit habe ich nicht gerechnet. Das hilft mir…

Die Zeit ging schnell rum und ich machte mich fertig zum Familientreffen. Rumpelstielzchen wollte mich unbedingt an den Bus bringen. Ich soll nicht alleine draussen rumlaufen, in der Dämmerung, oder wenn es dunkel ist. Es laufen zuviele komische Gestalten rum in letzter Zeit..die Medien tun ihr übriges dazu.

Im Leib&Seele angekommen, war nur Schwester da. Wir saßen am Tisch und ich fragte sie, was es neues gäbe. Mit traurigen Blick sah sie mich an und sagte – *nameihresmannes* trennt sich. SCHOCK. Das hätte ich nicht erwartet…eine schlechte Nachricht nach der anderen..es reißt nicht ab. Wir redeten ca. 10 Minuten, dann kamen die anderen Geschwister mit ihren Partnern…Als wir alle was zu trinken hatte und Essen bestellt hatten, verkündete Schwester auch den anderen diese „Neuigkeit“. Die Stimmung war gedrückt. Die Trauer über meinen Engel ist nicht verflogen, nun die schreckliche Nachricht über die Trennung von Schwester…die anderen bohrten natürlich mit ihren Fragen und Schwester stand auf, winkte mir zu und sagte: Wir gehen jetzt eine Rauchen, und dann haben wir hier aber eine andere Stimmung und ein anderes Thema! Ich sagte, das es eine sehr gute Idee wäre, sonst fange ich an zu heulen.. Schwester lachte und sagte. Ja..ich auch!

Wir haben beide nun unsere Männer verloren…es ist in beiden Fällen eine Trennung von jemand geliebten….im Laufe des Abend überlegte ich mir, vielleicht doch noch zum nächsten Familientreffen zu kommen…sowie das Schicksal eben spielt, verbindet uns jetzt mehr als vorher, verbinden uns andere Dinge….der Abend war schön und lustig. Wie immer, wenn wir uns treffen. Komisch war es aber schon, denn mein Engel ist nicht dabei gewesen…ich kam mir schon irgendwie fehl am Platz vor, aber ich gehöre zu deren Familie genauso dazu und sie möchten mich dabei haben…

Einer fing an die Rechnung zu verlangen. Ich sagte auch, daß ich gerne bezahlen möchte. SchwesterTochter ging die Paare durch und rechnete ab. Als nur noch Bruder mit seiner Frau und ich übrig waren, rief Bruder gleich laut raus – der Rest geht auf mich. Auf dem Parkplatz bedankte ich mich und sagte: „Das es aber nicht zur Gewohnheit wird“ und lachte. Bruder lachte auch und meinte, es wäre ihm aber ein Bedürfnis gewesen, was die Zukunft bringt, werden wir dann schon sehen.

Wahrscheinlich wird er meine Rechnung das nächste mal wieder übernehmen. Im Grunde ja nichts dagegen, aber ich kann mich ja nicht ständig einladen lassen… Bruder hat mich noch nach Hause gefahren. Der Abend war schön, auch wenn mein Engel mir so unendlich fehlt. Es ist einfach nicht mehr das Selbe..es verändert sich einfach alles…

 

Blauer Fleck

Heute Nacht habe ich wieder von meinem Schatz geträumt bzw, erschien er mir. Ich wache ja mehrmals auf..aber er erscheint mir immer nur in dem letzten Traum..bevor es hell wird, bevor ich aufstehe. So war es die letzten Tage. Wenn ich könnte, würde ich nur noch schlafen..mein Engel ist dann bei mir…ich weiß, daß dies nicht geht..es tut weh und ich sehne jeden Tag die Nacht herbei, in der Hoffnung länger zu schlafen, länger zu träumen..ihn länger zu sehen…

Gegen halb 8/8 bin ich aufgestanden und habe mir einen Tee gekocht. Fencheltee. Meine Verdauung spinnt immer noch ein wenig, aber die Krämpfe sind weg. Auch dieses aufgeblähte Gefühl hat nachgelassen…während der Wasserkocher das Wasser erhitzte, habe ich das Bad angeheizt. Wollte duschen und es ist morgens doch ein wenig frisch.

Ich richtete alles her, zog mich aus und stellte mich unter die Dusche. Gedankenleer wusch ich mir erst meine Haare, dann seifte ich meinen Körper ein. Erst beim abduschen ist mir aufgefallen, daß ich einen blauen Fleck auf der Brust habe. Leicht verwundert schaute ich ihn mir an..mh..keine Ahnung woher der kommt. Ich trocknete mich ab. Meine Gedanken schwirrten um den blauen Fleck. Ich hatte schon blaue Flecken auf meiner Brust..kam halt mal vor…im Eifer des Gefechts…beim Sex…

Ich dachte an den Körper meines Engels. Seine Brust, seinen Bauch, seine Privatabteilung, seine Arme…alles…wie wir Sex hatten…wie schön es war, seine Haut zu spüren, wie er mich berührte…ich stand in der Dusche und trocknete mich ab. Ich fing bitterlich an zu weinen. Ich drückte mein Handtuch fest in mein Gesicht, damit mich niemand hören konnte…aber wer sollte mich schon hören…

Nach einer Weile fing ich mich wieder und stieg aus der Dusche. Trocknete mich weiter ab und zog mich an. Wieder fing ich an zu weinen und ich rief nach ihm. Er soll doch bitte zu mir zurück kommen – flehte ich…ich weiß, daß geht nicht, aber bitte komm zurück zu mir. Ich kann das nicht..ich will das alles nicht… – wimmerte ich vor mich hin…

Dann fing ich mich langsam wieder und beruhigte mich. Heute wollte der Schornsteinfeger ja kommen. Die Rauchmelder überprüfen. Als der Schornsteinfeger kam drückte er sein Beileid aus. Erstaunt fragte ich, woher er das denn wüsste? Er erzählte mir dann, daß er es von einem Bekannten gehört hätte – das jemand gestorben ist, um den es echt schade sei..auf die Nachfrage wer denn gestorben sei, sagte sein Bekannter  der aus der „XXXStrasse 55“. Der Schornsteinfeger kontrollierte die Rauchmelder und wünschte mir alles Gute.

Als er gegangen war, räumte ich im Raum weiter. 1000 Kabel auseinander geknotet, sortiert. Seine Monitore abgeklemmt und weggestellt. Wieder 1000 Papiere durchgesehen und sortiert. Es ist soviel arbeit. Ich weiß schon, warum du dich immer gedrückt hast – und lächelte in mich rein. Ich ging ins Wohnzimmer, machte mein Handy an und küsste sein Bild auf meinem Display. Du du – sagte ich und küsste ihn wieder. Dann räumte ich weiter. Ich mache mir keinen Stress. Ich mache alles ganz gemütlich und nehme mir Zeit.

Am Nachmittag kam meine Sis vorbei. Ich habe mich riesig gefreut, hat sie doch einen weiteren Weg zu mir. Sie wohnt in der Nähe von Worms und braucht zu mir etwa 45 Minuten mit dem Auto. Wir schnatterten und lästerten über Dschungelcamp, und sprachen über RIFT unser MMORPG. Sie blieb etwa eine Stunde. Zwischenzeitlich kam noch jemand anderes. Blieb aber nur ganz kurz. Ich ging mit meiner Sis raus und wir verabschiedeten uns. Ich ging noch schnell in den Tante E Laden. Zu Hause räumte ich noch eine Weile weiter – bis ca. 18 Uhr. Dann kommt „Gefragt – „Gejagt“ im Ersten und das schaue ich gerne…wir haben immer gerne QuizShows gesehen…

Nun liegt der Abend vor mir. Es ist ruhig heute..war keiner heute da, ausser meiner Schwester und kurz eine Bekannte. Mit Bruder habe ich kurz telefoniert, er kommt morgen, oder am Samstag auch mal vorbei. Rumpelstielzchen hat wieder mal einen Prass auf alles und lässt jeden daran teilhaben, in dem er seine Musik aufdreht bis nach ganz hinten..mich stört das nicht…jeder geht mit Stress eben anders um…

Morgen fahre ich mit Freundin zum Friedhof. Ich denke, jetzt nach einer Woche, sind die Blumen auf den Kränzen abgeblüht und welk…aber mal sehen…

Bis dann

Besuch der Nichten

Die Nacht war einigermaßen gut..ich bin öfter aufgewacht und sah,daß Schatz immer dann ausch schon wach war.Ich fragte ihn, ob er was brauche, was trinken, anders hinlegen. Er sah mich nur an. Ich denke im Nachhinein war er nicht wirklich wach. Gegen 4 Uhr in der Früh bin ich wieder mal wach geworden, dann gegen 5 Uhr..gegen 6 Uhr bin ich dann aufgestanden. Schatz musste mal. Ich war hundemüde, Schatz schlief immer mal wieder ein.

Gegen halb 8 legte ich mich dann auch noch mal neben ihn und schlief ein..so einigermaßen. Gegen 9 Uhr bin ich dann endgültig hoch. Wach werden, dann die morgendlichen Erledigungen machen. Der Vormittag ging schnell rum irgendwie. Ich habe etwas aufgeräumt und mich um Schatz gekümmert. Er hatte viel Durst. In der Apotheke habe ich ein Spray geholt, gegen seine Entzündung im Mund bzw. an der Lippe, auf die er sich immer wieder draufbeisst.

Gegen 13 Uhr klingelte das Telefon. Halbschwester war dran (Halbschwester von Tochter von Bruder) und fragte, ob sie vorbei kommen könnte, und ob sie Tochter von Schwester (von Schatz) mitbringen darf. Natürlich dürften sie vorbei kommen.

Zuerst kam aber Bruder, gegen 15 Uhr. Er hat mir wieder ein Brötchen mitgebracht. Ich müsste mal was essen…ich ernähre mich nur noch von Brot, zwischen Tür und Angel..habe auch keinen Hunger eigentlich..aber essen muss man. Bruder begrüßte Schatz und er freute ich. Dann unterhielten wir uns über alles mögliche. Bruder erzählte viel aus seiner Vergangenheit und was er mit Schatz so erlebt hat.  Bruder konnte heute nicht so lange bleiben, weil er später noch arbeiten muss.

Gegen 17bUhr kamen dann Halbschwester und SchwesterTochter. Zur Überraschung waren auch BruderTochter dabei, und ihr Mann. Ob es ok sei, daß Mann mitgekommen ist. Kurz stutzte ich, aber na klar..komm nur rein, freu mich das du da bist – sagte ich. Also waren alle 3 Nichten von Schatz da. Alle 3 saßen am Bett von Schatz und alle drei hielten seine Hand. Schatz hat sich sehr gefreut und hat viel gelacht, sich Mühe gegeben, Witze gemacht. Immer wieder ging er die Reihe durch und sagte die Namen auf.  Er lächelte. Halbschwester wollte dann daß ich ihr mal unseren Garten zeige, den hätte sie ja noch nie gesehen – war sie auch noch nie bei uns..hat sich nie ergeben, nicht schlimm. Mann kam auch mit. Im Garten sah sie sich erst um und lobte und freute sich, wie tolles doch sei, so einen Garten zu haben. Dann standen wir da zu dritt. Halbschwester hatte Fragen und ich erzählte alles weitere. Sie war in der Altenpflege tätig und kennt sich aus. Sie sagte mir, wie toll sie es findet, daß ich das alles meistere…alleine..es ist schwer..

Als wir wieder reingingen, wollte Schatz dann ein Bier trinken. Eulchen Bier, hatte die SchwesterTochter mit gebracht. Ich machte für jeden eine Flasche auf und wir stießen an. Nach einer Weile musste SchwesterTochter aber gehen, arbeiten. Sie fragte mich, ob es ok ist am Samstag wieder zu kommen. Ich sagte natürlich das sie das könne, Schatz würde sich freuen und ich auch. Wie könnte ich nur NEIN sagen? Mann brachte SchwesterTochter auf die Arbeit und kam dann wieder zurück.

Als ich kurz in der Küche war, kam BruderTochter und Mann auch in die Küche. BruderTochter drückte mich und Mann sagte mir, wie toll ich das mache. Es würden nicht viele machen…vorallem das aushalten, und so liebevoll sein..so geduldig. Ich war kurz den Tränen nah. Ich sagte dann zu BruderTochter, auch den Tränen nahe, sie solle nicht weinen, denn dann müsste ich es auch.

Wir gingen wieder ins Wohnzimmer. Schatz redete viel, das meiste konnte man verstehen. Ich erzählte von unseren gemeinsamen Erlebnissen, unserer Malerei usw und es war sehr lustig. Überhaupt haben wir viel gelacht. Junge Leute halt – die Nichten sind zwischen 24 und 28 Jahre alt. Auch Schatz hat viel gelacht und es war ein richtig schöner Spätnachmittag.

Gegen halb 7 Uhr merkte man, wie Schatz die Kraft verließ. Er nickte weg. Halbschwester erkannte es sofort und schlug den Aufbruch vor. Sie verabschiedeten sich von Schatz. Er will auf jeden Fall alle wieder sehen. Als sie sich von mir verabschiedeten, drückten mich alle feste und boten natürlich an, wenn ich was brauche – solle ich mich melden…und sei es nur um zu quatschen.

Zwischenzeitlich, als die Nichten alle da waren, kam ein Freund vorbei, eine Bestellung abholen. Als ich es ihm sagte, fing er an zu weinen und sagte: Nein, nicht *sein Name* (Von Schatz). Traurig und erschütter ging er dann- Später kam noch ein anderer Freund vorbei und er sagte, daß er sich das schon gedacht hatte..aber es jetzt so zu hören ist schon was anderes…

Jetzt wissen es fast alle…eine ganz enger Freund noch und eine Freundin von uns…die beiden sind hochsensibel..wie soll ich es ihnen nur sagen…aber es muss raus..gut ist vielleicht, dasß ich heute ein Bier getrunken habe..etwas „Mut antrinken“…wenns hilft..

Bis dann

Endlich mal ein schöner Tag

Ob man von schönen Tagen im Krankenhaus reden kann – na ich weiß ja nicht..aber heute war einer der Tage, die man durchaus als schön bezeichnen kann.

Um 11 Uhr war ich auf der Station und ging in sein Zimmer. Auf seinem Platz lag ein ganz anderer Mann. Ich bin dann zur Theke gegangen und habe nach meinem Mann gefragt. Die Schwester wusste gleich bescheid und sagte mir, dass er noch auf Intensiv wäre, aber gleich hoch käme. Dann sagte der Stationsarzt, welcher auch an der Theke saß, dass mein Mann übers CT nach oben käme, würde halt noch dauern.

Alles klar, sagte ich, dann gehe ich nochmal runter. Die Schwester meinte – ja gehen sie spazieren, dass kann noch dauern.
Die Ärztin, mit der wir das OP Gespräch hatten, saß auch an der Theke und als ich ging sagte sie voller Fröhlichkeit, dass sie (die Ärzte) super zufrieden wären mit der OP und das alles super gelaufen wäre. Das hört sich doch gut an, dachte ich mir und freute mich offensichtlich.

Clever wie ich bin, dachte ich mir, ich gehe runter zum CT und warte dort auf meinen Schatz. Ich stellte mich auf 1 – 2 Stunden Wartezeit ein und spielte an meinem Handy. Ca. 10 Minuten später kam er aber schon mit dem Bett angefahren und freute sich mich dort zu sehen. Nach weiteren 20 Minuten kam er aus dem CT wieder raus und ich bin mit ihm gemeinsam auf die Station gefahren.

Er hat jetzt ein anderes Zimmer bekommen. Mit ihm auf dem Zimmer ist ein 80 Jähriger pensionierter evangelischer Pfarrer. Ein süßer Kerl, hört schwer seit seiner OP (die Ärzte sagen das ist normal, OP war heute) und sieht aus wie eine Mischung aus Papa Schlumpf und Konfuzius. Ein echt lieber Kerl.

Nachdem die Pfleger das Bett von Schatz richtig positioniert haben, seine Sachen aus dem anderen Zimmer geholt hatten und seine Tabletten gebracht haben, konnte ich ihn endlich richtig begrüßen.
Er war ganz vergnügt, keine Spur von Übelkeit. Im Gegenteil – er hatte Hunger! Er hat auf der Intensiv gefrühstückt. Erst ein halbes Brötchen, dann die andere Hälfte auch.
Er erzählte mir wie es ihm letzte Nacht noch so ergangen war und ich erzählte meinen Abend. Wir machten Witze darüber, dass er ja einen Blasenkatheter hat und das er immer noch deswegen sein OP Hemd anhat. Seinen Kasten hat er abgeklemmt bekommen und nach seiner Aussage, kommt der auch nicht mehr dran. Es müsse halt noch der Schlauch gezogen werden. Das sollte eigentlich heute sein. Auch der Blasenkatheter sollte heute raus.

Gestern Abend haben sie ihm einen Flutter gebracht, er muss UNBEDINGT seine Lunge trainieren. Erstens um eben zu trainieren, und auch damit er keine Lungenentzündung bekommt. Auch muss er noch abhusten – gewollt, und zwar so, das der Auswurf blutig ist. Wenn er Rosa ist, ist es gut, je dunkler um so besser aber auch. Es ist deswegen, weil dann der „Kern“ rauskäme aus der Lunge. Also tiefes Sekret, wegen der Drainage. Das ist sehr wichtig.

Er hat sich dann mehr oder weniger dran gehalten. Also er hat schon mit dem Flutter gearbeitet..so ist das nun nicht.
Wir haben sehr viel gelacht – das war ein schönes Gefühl. Er sagte mir, er denke die haben bei der OP sein „Lustigzentrum“ geöffnet, denn er hat wirklich über alles gelacht. Es lief im Fernsehen „The Big Bang Theorie“ und diese Folge haben wir schon bis zur Vergasung gesehen. Er hat aber herzlich gelacht über die Gags, als hätte er es zum erste mal gesehen. Er hat über die Fliege an der Wand gelacht! Schön!

Mitterweile war es halb 1 Uhr und das Essen wurde ausgeteilt. Schatz hat nichts bekommen, wahrscheinlich weil die dort nicht wussten wann er wieder da ist und es gab nichts für ihn.
Aber „Mutti“ ist ja schlau und ich habe auf Verdacht ihm Käsebrote mitgebracht und 2 Bananen. Er hat 2 Käsebrote gegessen und eine Banane hinterher. Ich bin dann auch für eine halbe Stunde erstmal runter ins Bistro und habe auch Mittag gegessen.

Als ich wieder oben war, haben wir dann trainiert. Er hat auf der Intensiv ein „Lungentuch“ bekommen. Das soll er sich um den Rücken legen und vorne auf der Brust über Kreuz legen. Wenn er dann hustet, soll er das Tuch festziehen, damit sich die Lunge hebt und das tiefe Sekret besser ausgeworfen werden kann.
Also habe ich das Tuch um ihn herum gelegt und er hat seine 10 Minuten mit dem Flutter trainiert und jedes mal wenn er husten musste, hat er das Tuch fest gezogen und der Auswurf war rosa. Sehr gut Schatz, dass machst du super – habe ich ihn gelobt.

Nach 5 Minuten Pause kam dann das „Voldyne“ dran. Da muss er einatmen damit das Volumen trainiert wird. Der Schieber kommt bis zur 2500 Marke. Das ist schon sehr gut! Auch da habe ich ihn gelobt, wenn er es bis dahin geschafft hat. Meistens ging es nur bis zur 2000 Markierung, manchmal auf 2250. Aber eben auch manchmal auf die 2500 Markierung.

Die Stunden verstrichen, aber es kam weder ein Arzt, noch eine Schwester (oder Pfleger) rein. Er sollte doch seine Schläuche abbekommen.
Naja, vielleicht machen die das auch später, wenn ich nicht mehr da bin. Macht nichts.

Auf der Thoraxchirurgie kamen „ständig“ Pfleger um die Ecke, aber auf dieser Station irgendwie nicht. Dabei hatte ich angenommen, dass auf der Neuro öfter mal einer vorbei kommt, da liegen schließlich die ganzen frisch operierten. Naja, wieder etwas das ich nicht verstehen muss. Den ganzen Tag über kam niemand.

Wir haben nur gealbert und gelacht. Es tat sooo gut. Gegen 17 Uhr haben wir dann nochmal trainiert. Dann kam auch schon das Abendessen.
Schatz wollte das nicht, ihm missfällt das die den Käse auf die Wurst legen und der Käse dann nach Wurst riecht und schmeckt. Er hat dann von mir die restlichen Käsebrote gegessen und die Banane. Dazu gab es Pfefferminztee.

Wir haben uns noch kurz ernster Unterhalten, weil ich sagte, dass wir seit Sonntag irgendwie keine Infomationen mehr bekommen. Wir wissen immer noch nicht – hat er jetzt Lungenkrebs, oder nicht, und wenn doch warum sagt das keiner – und wenn doch nicht, woher kommen die „Hirnmetastasen“ und dieses Thema eben.

Er sagte zu mir, ich soll auf jeden Fall darauf bestehen die Befunde und alle Bilder in Kopie zu bekommen. Das ist ja mal super klar! Ich würde am liebsten mal seine Akte lesen damit wir mal bescheid wissen. Natürlich kümmere ich mich darum, die Befunde usw in die Hand zu bekommen. Geht gar nicht anders, ich bekomme IMMER die Arztbriefe usw in die Hände. Das ist mir wichtig!

Dann haben wir noch ein bisschen uns mit dem Pfarrer und seiner Frau unterhalten und es war sehr lustig.
Kurz bevor ich gegangen bin, haben wir noch mal herzlich gelacht und ausgemacht was ich morgen alles mitbringen soll. Auf jeden Fall wieder Brote. Er würde sogar das Krankenhausessen essen, aber erst wenn er es gesehen hat. Wenn es schon „scheisse“ aussieht, isst er es auch nicht.
Klar bringe ich ihm morgen auf jeden Fall wieder was von zu Hause mit!

Ich wollte dann los und der Pfarrer sprach mich an. Er wollte mir kurz die Hand geben und als ich sie ihm gab, lobte er mich ganz lieb.
Er sagte, er fände es so schön wie ich mit meinem Mann umginge, wie herzlich und führsorglich und auch wie ich seiner Frau begegnet wäre. Auch für die Freundlichkeit und Geduld ihm gegenüber, er hört ja schwer.

Ich mache mir keine Gedanken darüber wie andere über mich denken, warum auch, er ist mein Mann und mein Leben und ich bin halt so wie ich bin. Aber wenn das jemanden anderen „auffällt“ und es so süß angemerkt wird, hat mich das schon mit Freude erfüllt. Hört man halt gerne in dem Moment.

Ich bedankte mich höflich für das schöne Lob und wünschte dem pensionierten Pfarrer alles Gute und wir würden uns ja morgen wieder sehen.

Dann bin ich los – endlich mal erfüllt von einem guten Gefühl.

Ich hoffe dass das auch so bleibt. Also nicht nur morgen, oder so, bitte eine ganze Weile. Wie das weitergeht mit Bestrahlung und was weiß ich, ist etwas an das ich heute nicht denken mag. Es hat so gut getan meine Liebe so lachen zu sehen und seine Fröhlichkeit zu erleben.
Alles Schlechte war heute so weit weg, als wäre es nicht geschehen.
Dafür Danke ich dem Kosmos!

Bis dann

P.S. Ich habe seit dem 30.06, also der Einweisung ins Krankenhaus bis heute 4 Kilo abgenommen. Ich esse zwar gefühlt die ganze Zeit, bis auf den Tag der Nachricht der Hirnmetastasen..da konnte ich nichts essen..heute morgen bemerkte ich das meine Hose irgendwie lockerer saß und ich bin auf die Waage… – 4 Kilo… Ich finde es zwar gut, da ich die letzte Zeit viel zugenommen habe, aber unter solchen Umständen ist es schon komisch…

Always Look On The Bright Side Of Life

Ich bin ein humorvoller Mensch, manchmal lache ich sogar dummerweise dann, wenn ein Lachen nicht angebracht ist.

Im Moment fällt es mir manchmal schwer zu lachen auf der einen Seite, dann denke ich aber: Jetzt erst Recht!

Im Leben ist es so, das man irgendwann in ein Alter kommt, da sterben Menschen um einen herum die man kennt…seien es die Großeltern, die Schwiegereltern, der Lehrer, oder tragischer Weise ein Freund zB durch einen Unfall.

Das ist alles normal, vorallem wenn ältere Menschen sterben…das ist natürlich….

Ich will nicht sagen das ich Angst habe, denn die habe ich nicht. Es ist nur seltsam, warum gerade um mich herum der Tod gerade so wütet.

Ich bin schon früh mit dem Tod in Kontakt gekommen, meinen „ersten Toten“ hatte ich mit Anfang 20 – da hört man dann schon mal: „Ach der und der ist gestorben“ und man kannte diese Person halt und dachte kurz darüber nach.

Eben scheint es zu Gipfeln.
Lange war Ruhe…dann starb erst die Mutter von Horst, dann mein Opa. Aber diese Menschen waren alt, weit über 80 Jahre – es ist zwar traurig, aber DAS ist der normale Gang.

Dann aber:

2009: Uwe „Haxe“ und Uwe Peetz
2010: Reinhold, Jacky
2011: Mike, Norbert, der Seher (alle 3 im Januar)

Das sind 7! Menschen innerhalb von 2 Jahren die unserem Freundeskreis angehörten, und die waren alle NICHT alt. Mike 32 Jahre, Jacky 36 Jahre, Uwe 52 Jahre, Reinhold 54 Jahre, Norbert 51 Jahre, Seher 60 Jahre – es ist echt unheimlich!

Dann kommen noch Leute dazu, die wir hier aus der Ecke vom Sehen kennen….Menschen die man im Edeka getroffen hat usw…..aber das nur nebenbei….

Dann ist das mit der Trauer so ein Ding. Je näher derjenige einem war, desto größer die Trauer.

Wenn man nach ein paar Tagen jemanden trifft, der mit den Leuten nicht so viel zu tun hatte, wird man blöd angeschaut mit den Worten: Was? du trauerst immer noch? Wir ja mal Zeit das ruhen zu lassen, es wird mit den Augen gerollt usw…..

Trauer ist ein Tabu in unserer Gesellschaft….man räumt einem vielleicht 2 – 3 Tage ein, aber dann hat man das zu vergessen und weiter zu leben.

Aber wie soll man das schaffen, wenn einem ein Mensch nach dem anderen genommen wird? Wir haben im Moment gar keine Zeit uns zu erholen..auch nicht um zu trauern wirklich…das schlimme ist ja auch das drum herum….der Papierkram, die Beerdigungen und und und….

Manchmal schweifen meine Gedanken und ich fühle nichts….als wir das von Mike hörten, das war vorgestern ist etwas komisches passiert. Ich glaube der Körper lässt nun eine Art Schutzprogramm laufen, denn ein Kumpel sagte uns das von Mike und wir nahmen es nur zur Kenntnis….keine Reaktion weiter..

Kein Gedanke an ihn, keine Erinnerung an ihn, nur ein flüchtiges: Och nö, nicht schon wieder einer! Makaber vielleicht, aber mehr brachte ich nicht raus. Es sind einfach zu viele Todesnachrichten in letzter Zeit….alleine 3 Stück jetzt im Januar und es ist erst der 26. …..

Es ist wie im Mittelalter, als die Pest grasierte….Menschen um einen herum sterben, man selbst hat Angst um die Menschen „die noch leben“ und auch um sich selbst.
Der Tod ist so verdammt nah, und dennoch verschont er einen.

Zum Channeln bin ich zu blockiert, ich bekomme keinen Kontakt…ist vielleicht auch besser so…

Das hier soll nicht als ein depressiver JammerEintrag verstanden werden, nur ein von der Seele schreiben der seltsamen Umstände die zur Zeit um mich/uns herum passieren.

Es sind normalerweise immer Schattenwesen hier bei uns, aber seit paar Wochen habe ich keine mehr gesehen…..heisst das – es ist noch nicht vobei? Ich weiß es nicht….

Ich lache trotzdem, bin und bleibe ein fröhlicher Mensch…es ist wie es ist und es soll auch so sein…