Wochenende

Die Nächte sind ok. Seine Launen auch. Manchmal flippt er schnell aus, beruhigt sich aber schnell wieder. Meistens ist er „wie früher“…die Gedächtnisslücken sind super zurückgegangen und auch verwirrt ist er nicht..eigentlich…liegt an der höheren Dosis Kortison. Ich weiß, daß dies nicht so lange anhält..

Samstag war ich erstmal wie immer schnell einkaufen und Lotto spielen. Dann Haushalt. Gegen Mittag klopfte es an der Tür und ein Freund kam vorbei. Er brachte 1.2 Tonnen Holzbrikettes. Schnell noch unseren Freund und Nachbarn aus dem Bett geschmissen und abladen. Dafür hat er dann auch (gegen Geld) eine Menge Briketts abbekommen. 400 Kilo um genau zu sein, aber zu einem Freundschaftspreis. Schatz konnte nicht helfen und das hat ihn sehr genervt. Aber unser Nachbar und ich haben das schon gedeichselt. 10 Kilo wiegt ein Paket, ist halt öfter mal hin und her laufen – aber es ging. Unser Lieferfreund musste nach dem abladen gleich weiter, ging nicht anders. Kurz bevor wir fertig waren kam ein Kumpel vom Nachbar und der hat dann auch noch geholfen. Wäre zwar nicht mehr nötig gewesen, aber gut.

Dann war ich erstmal geschafft, aber super froh erstmal genug Holz nun da zu haben…soll ja mächtig runter gehen mit den Temperaturen. Mir taten die Oberschenkel etwas weh und ich dachte ich bekomme den Muskelkater des Jahrhunderts…am Sonntag aufgewacht und NICHTS. Hat mich doch etwas überrascht, kein Muskelkater, keine Verspannungen.

Ich bin am Sonntag wieder nicht zu den Eltern gefahren. Es tut mir irgendwie leid, habe ich sie nun auch schon seit einem Monat nicht mehr gesehen. Aber es geht nicht anders. Ich kann Schatz nicht über Stunden alleine lassen. Es geht ihm zwar soweit wieder „gut“, aber wenn er nicht aufs Klo kann – ist es halt blöd…ne Stunde geht immer mal….aber keinen halben Tag.

Ansonsten war das Wochenende recht ruhig. Schatz war gut drauf und alles war entspannt. Auch ihn aufs Klo zu bringen mit dem Bürostuhl geht mittlerweile flott und unkompliziert. Aber auch nur, weil er mich machen lässt. Wenn er immer meckert und schimpft usw wirds umständlich…die Woche soll ja der Klostuhl kommen, mal sehen ob dann der Transport noch einfacher wird…gehe mal von aus…

Gestern und heute haben Schatz und ich wieder geredet über das was ist…irgendwann sagte er zu mir, ich sähe nicht glücklich aus. Ich meinte: Das sagst du nicht im Ernst? – Doch, sagte er. Ich antwortete: Wie kann ich glücklich sein. So wie es jetzt ist? – Er würde es ja verstehen, aber er will das ich glücklich bin. Ich sagte leise: Das geht jetzt nicht…das was mich glücklich macht, ist fort…jeder Tag mit dir ist ein Geschenk..aber das reicht nicht aus um richtig glücklich zu sein, so wie wir es waren…vorher…. Es ist Glück….aber ich bin nicht glücklich…der schwarze Schatten ist einfach zu allgegenwärtig…

Er flüsterte fast, daß er das wisse…es täte ihm so leid. Danach schwiegen wir eine ganze Weile. Jeder war in seinen Gedanken vergraben. Bevor wir uns ganz in den Gedanken verloren hätten, rissen wir uns da wieder raus – ganz einfach…Schatz musste mal..

Bis dann

Ruhe vor dem Sturm

Die Nacht war wieder ok. Schatz schläft fast durch und ich kann auch soweit gut schlafen. Sein Atem ist ruhig, ohne rasseln, oder sonstige Atemgeräuschen. Er hustet wenig, auch der Blutauswurf hält sich in Grenzen. Es ist mal mehr, mal weniger. Er schläft viel.

Sein Lungenkrebs wird ihn nicht umbringen…seine Metastasen werden schneller sein. Er ist schnell gereizt, beruhigt sich aber auch schnell wieder…noch…er hat nach wie vor Lücken in der Erinnerung. Dinge die kürzlich passiert sind, hat er vergessen. Neuerdings sagt er immer, es würde etwas nicht stimmen, aber er käme da schon dahinter. Heute morgen war er skeptisch mit seinen Tabletten. Ich sagte ihm, diese Tabletten nimmt er schon seit ein paar Jahren jeden morgen. Ich muss jeden morgen und jeden Abend jede Tablette mehrfach benennen  – also für/gegen die sind. Blutdruck, Epilepsie usw…er denkt ich würde ich verarschen. Ich fragte ihn, warum ich das tun sollte und er antwortet nur, daß er das eben nicht wüsste…ich verarsche dich dich nicht, im Gegenteil..ich will das es dir gut geht – sage ich dann jedesmal…irgendetwas stimmt hier nicht..mehrmals am Tag kommt diese Aussage.

Er spürt das sich was verändert in seinem Gehirn. Davon gehe ich aus. Ich frage mich aber, merkt jemand, der eine Wesensveränderung durchmacht, DASS er diese durchmacht? Merkt der Betroffene selbst das er sich verändert?, oder Gedächtnislücken hat? Wenn ich ihn frage, verneint er..es würde nicht stimmen..ich würde lügen…ist das aber bei jedem so?

Heute waren wir wieder Haare waschen. Das 2. mal in dieser Woche. Rasieren kann er sich selbst. Haare wasche ich am Waschbecken. Auch die Körperpflege mache ich..Katzenwäsche…wieder zurück im Wohnzimmer ist Schatz gleich eingeschlafen. Obwohl ich ihn fahre ist er sehr schnell sehr erschöpft.

Ich habe vorhin einen Arzttermin von mir abgsagen müssen..ich kann ihn nicht lange alleine lassen. Nicht weil er im Moment zu „Dummheiten“ neigt, eher weil er nicht laufen kann, sein linker Arm auch nicht gehorcht – wie soll er pinklen ohne meine Hilfe…morgen muss ich Rezept holen beim Hausarzt, muss auf die Bank und etwas einkaufen…da bin ich eine Stunde, eher länger bestimmt unterwegs…ich gehe erst, wenn er uriniert hat, dann mache ich mich schnell los…er muss nicht alle halbe Stunde. Aber was weiß ich, auf welche Ideen er kommt, eben weil ich nicht da bin…innerhalb der Wohnung ist es kein Problem…wenn was ist, kann er mich rufen. Aber wenn ich unterwegs bin nicht. Auch das Handy kann er nicht bedienen..zumindest weiß er im Moment welchen Wochentag wir haben…

Das wird alles nicht so lange anhalten..man kann vielleicht die Kortisondosis weiter erhöhen, aber selbst wenn – irgendwann hilft das auch nicht mehr…dann wirds wieder richtig schwer..seine heftigen Aggressionen kehren zurück, seine Lücken, seine Hilfosigkeit…ich bete jeden Tag…ich bete daß er gesund wird…

Schwierig ist es, alles vor unseren Freunden, die wir fast jeden Tag sehen, zu verbergen. Sie fragen mich ständig was mit meinem Schatz ist. Er sähe mitgenommen aus, ist alles in Ordnung, was ist mit ihm. Ich sage ihnen, er hatte erst wieder die Grippe..das ging eine Zeit lang, aber das kann ich nicht wochenlang sagen. Er will einfach nicht das es jemand weiß. Aber wenn er sich doch so verändert, von seinem Wesen her, wie lange kann das noch gut gehen? Ich meine – irgendwo will ich auch nicht das es jemand weiß. Ich habe keine Lust auf die übertriebene Mitleidswelle und gut gemeinte Fürsorge, die dann über uns hereinbricht. Aber es wäre manches einfacher im Alltag…

Bis dann

Korstison sei Dank

Die letzten Tage waren viel besser. Er und ich können in der Nacht paar Stunden am Stück schlafen. Er muss 1 bis 2 mal raus in der Nacht, aber das ist ok..kein Vergleich zu der schlimmen Woche, als er gestürzt war. Ich dachte ernsthaft in dieser Woche stirbt er..er hatte alle „Anzeichen“.

Aggression, Bettflucht, Unruhe, Verwirrtheit, Nesteln an der Kleidung, „ich muss weg“ Reden, Schmerzen, fahler Blick usw…er hat die Woche aber überstanden und jetzt ist es so, wie es vor dem Sturz war….Kortison sei Dank..seine Verwirrtheit und seine Aggression haben stark nachgelassen. Er hat immer noch Erinnerungslücken, aber auch nicht mehr so schlimm.

Mit dem Laufen ist es so eine Sache. Er steht auf und steht auf seinen 2 Beinen, auch wenn ich grade mal den Raum verlasse..wenn ich das sehe, bleibt mir das Herz stehen. Nur mit dem Laufen selbst, ist es schwierig. Er lässt sich aber darauf ein, sich auf den Bürostuhl zu setzen, damit ich ihn für den Stuhlgang aufs Klo schieben kann. Der Pflegediensttyp hat gesagt, wir sollten uns einen Toilettenstuhl holen. Nicht das er ihn auch gleich benutzen sollte, aber es gibt ja welche mit Rollen und so wäre der Transport um vieles einfacher als mit einem Bürostuhl…sobald ich den Bescheid der Pflegestufe habe, hole ich dann einen solchen Stuhl. Ich hätte ja schon längst einen, aber die sind nicht ganz billig – also Gute – und so bekomme ich den als Hilfsmittel…es ist zwar einerseites egal, aber wenn es Kosten spart ist es gut…ich habe nicht so viel Geld mehr…

Das Kortison drückt die Ödeme im Gehirn etwas runter, sodaß er eben nicht mehr so verwirrt ist usw. Das ist aber kein Dauerzustand und ich weiß nicht, in wie weit wir die Dosis erhöhen können…ich denke, trotz des Sturzes, war die schlimme Woche nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was mich in naher Zukunft sowieso erwarten wird…Aggressionen, Verwirrtheit, Gedächtnislücken…die Metastasen sitzen blöderweise hald genau an diesen Stellen, die eine Wesenveränderung hervorrufen..von der Lähmung mal ganz angesehen…

Zur Zeit bin ich nur froh, daß er Vorschläge von mir annimmt, sich anfassen lässt wie es besser ist zum Heben usw und das er seine Tabletten ohne große Diskussionen annimmt. Trotz alledem, kann ich ihn nicht lange alleine lassen..alleine schon wegen dem Urinieren. Wenn er gepinkelt hat, kann ich vielleicht mal eine halbe Stunde/Stunde weg..einkaufen oder so..aber ich fühle mich trotzdem nicht wohl dabei, wer weiß schon auf welche Ideen er kommt, wenn ich nicht da bin..ich habe Angst das er was versucht und dann wieder stürzt…

Er trinkt auch wieder viel mehr, trotzdem ist der Urin etwas dunkel..auch regelmäßig essen ist wieder drin.Eigentlich Pizza, aber ich habe auch schon normale Sachen gekocht und er hats gegessen..es kommt halt darauf an was ich koche..er muss es mit einer Gabel aufspießen können, da er seine linke Hand nicht benutzen kann. Lähmung.

Er schläft im Moment wieder..er schläft viel…daduch, daß es ihm scheinbar besser geht, schürt es in mir wieder die Hoffnung..aber ich bin Realist..es tut mir so weh…jetzt um Erlösung zu bitten kommt mir wieder so falsch vor…er leidet nicht so wie in der schlimmen Woche nach dem Sturz…aber es ist alles nur aufgeschoben…Kortison sei Dank…aber es trügerisch…

Ich muss morgen, oder übermorgen zum HA. Abgesehen davon, daß ich Rezepte brauche, müsste ich mich auch mal mit Dok unterhalten über das weitere Vorgehen…wie weit können wir das Kortison zB steigern, wie ist das mit den Wassereinlagerungen usw…auf die Bank muss ich auch…ich bin so dankbar für jeden Tag…ich wünschte, er wäre gesund..wollten wir doch in naher Zukunft noch Pläne verwirklichen..unseren 11. Hochzeitstag nachholen, kirchlich heiraten und einfach noch eine Menge Spaß am Leben haben…warum nimmt ihr ihn mir weg..was habe ich getan, um so bestraft zu werden..Fragen auf die es natürlich keine Antwort gibt…ich rufe seit Tagen seine verstorbene Mutter an..er sollte abgetrieben werden, aber sie hat ihm das Leben geschenkt..ich bete zu ihr – ihm ein 2. mal das Leben zu schenken..das wäre mein größter Wunsch…es passieren so unglaubliche Dinge auf der Erde…können wir nicht auch eines dieser Wunder sein?

Bis dann

Gedächtnislücken

Gestern war Schatz eigentlich ganz sanft, die Aggressionen waren fast nicht da. Vielleicht liegt es am Korstison, aber er hat sich auch ein bisschen von dem Sturz erholt. Er hat aber Gedächtnislücken und die stressen ihn. Er würfelt Ereignisse durcheinander und ist sauer, wenn ich das anders sehe. Auch weiß er nicht welchen Tag wir haben, oder welches Datum. Er bestimmt aber alles und will alles kontrollieren. Ich muss dann immer schauen wie ich da herum schiffe. Es geht irgendwie. Gestern Abend war er relativ ruhig und es gab wieder einen Gute Nacht Kuss.

Gestern wollte er wieder aufstehen. 2 mal ist er gestanden und mir ist fast das Herz stehen geblieben. Er will nicht das ich ihn anfasse dann, aber was ist, wenn er fällt? Er ist, was das pinkeln angeht, aber irgendwie einsichtig geworden. Er hat sich sogar an die Ente (Urinflasche) gewöhnt seit gestern. Er verlangt sofort nach dieser und hat keinen Drang auf die Toilette zu wollen. Wenn er „groß“ machen will, sieht das aber anders aus…

Seine Gedächtnislücken sind anstrengend. Er hat eine Erinnerung an was und besteht darauf…egal ob es stimmt, oder nicht. Ich bin dann wieder blöd und weiß nichts, denn er hat ja Recht und lässt sich davon auch nicht abbringen. Ich frage mich, wie weit das noch geht. Wird er irgendwann auch nicht mehr wissen wer ich bin? Jetzt weiß er dieTage nicht, oder welches Datum wir haben, oder Dinge die passiert sind…manche…wenn das schlimmer wird, ist es wie Demenz. Ich denke, er wird dann irgendwann auch nicht mehr wissen wer ich bin…

Morgens nimmt er seine Tabletten ohne Diskussion…abends wird immer rumgemacht, er traut mir dann nicht. Ich mache sonst sowieso alles falsch. Heute Nacht sind wir um halb 1 eingeschlafen..ich dachte mir, ok – gegen halb 2 wird er wach und muss pinkeln, spätestens zwischen halb 4 und 6 Uhr…aber nichts…ich war zwar immer mal aufgewacht, aber Schatz hat durchgeschlafen – von halb 1 bis heut morgen um ca. 8 Uhr. Hat mir auch gut getan, konnte ich doch so auch mal ein paar mehr Stunden am Stück schlafen…das erste mal seit einer Woche.

Insgesamt ist er nicht mehr so aggressiv wie die Tage…aber das wird wieder kommen, denke ich. Es sind halt die scheiss Metastasen…auch die Wesensveränderung wird weiter voranschreiten und mir wird nichts übrig bleiben da was zu tun. Es fällt mir schwer und es ist hart. Aber der Dok muss mir dann Medikamente geben, daß zu lindern…

Durch das Kortison hat er wieder Hunger. Er hatte die Woche nichts gegessen, aber gestern gestern wollte er eine ganze Pizza und hat bis auf 3 Stücke alles gegessen + Kakao.

Mal sehen was heute noch passiert…

Bis dann

Mal so mal so

Gestern lief insgesamt glimpflich ab. Er hatte aggressive Tendenzen, hatte sich aber immer schnell wieder beruhigt…oder ich konnte ihn schnell beruhigen, weiß nicht genau. Morgens nimmt er seine Tabletten ohne großen Widerstand. Abends gibt es immer „Diskussionen“. Er hat seine Tabletten aber gestern Abend dann doch genommen. Heute morgen wieder kein Problem.

In der Nacht musste er mal pinkeln. Ich war nicht schnell genug und etwas ging in die Hose. Er wollte sich nicht helfen lassen, als ich ihm neue Sachen anziehen wollte und schimpfe wieder rum. Nach einigem Hin und Her durfte ich dann doch ihm neue Sachen anziehen. Er wehrt sich gegen alles, wenn er total verwirrt ist. Nichts mache ich dann richtig. Ich bleibe geduldig und rede mit ruhiger Stimme. Irgendwann lässt er sich dann helfen. Gegen Abend hatte er einen klaren Moment und sagte mir: Heute war ich wieder nervig..stimmts?

Auch zum Schlafengehen wollte er einen Gute Nacht Kuss haben…und suchte meine Nähe..bis dann das Ereignis in der Nacht kam.

Heute morgen war er ganz sanft und sagte ein paar mal – ich sterbe.. ich weiß nicht wie ich mich bewegen soll…

Sein Arm tut weh. Sein gelähmter Arm. Auch hat er ein ziehen im linken Bein. Ich fragte ihn, ob er seine linke Seite überhaupt spürt. Er sagte: Ja .. so halb..

Er sitzt auf der Couch und schläft immer mal wieder ein. Ich habe die Kortisondosis bisschen erhöht. Vielleicht hilft das auch ein bisschen. Er ist zumindest bis jetzt etwas zugänglicher und grinst auch mal über das, was er im Tv sieht. Heute ist es eine Woche her, als er so schwer gestürzt ist…Er ist so verwirrt. Nicht immer, aber wenn dann richtig, Dann ist er paranoid, denkt ich will ihn vergiften und geben ihm falsche Medikamente…oder es steht jemand 3. in der Küche und er will das nicht. Wenn er nach der Fernbedienung verlangt, drückt er immer irgendwelche Knöpfe und meisten dann auf Aufnahme einer Sendung und kommt nicht mehr raus.

Gestern wollte er eine SMS schreiben. Er hat zur Zeit ein altes Handy, das andere ist ja kaputt, und es ist keines mit Touchscreen. Er drückte auf dem alten Handy die ganze Zeit rum und hat nicht verstanden, das es eben kein Smartphone ist.Ich versuchte es ihm klar zumachen, aber er sagte dann nur wieder wie blöd ich doch sei und dumm…ich ließ das an mir abprallen..was soll ich sonst tun. Nach einiger Zeit gab er auf und ich habe dann die SMS geschrieben….scheinbar…lauter so Sachen. Ich verstehe es ja…ich verstehe ihn…

Der Tag ist noch jung, mal sehen wie er weiter verläuft. Zumindest fürs pinkeln hat er nicht mehr den Drang (bisher) auf Toilette zu wollen. Er nimmt den Behälter bisher an..auch mit meckern…ich weiß nur, daß es zum nächsten Drama kommt, wenn er „groß“ muss und ich ihm die Bettpfanne nur geben kann…sein Wille ist so stark und er ist so stur…und wenn er merkt, daß es nicht zur Toilette geht, weil er nicht aufstehen kann, auf den Stuhl kommt – geschweige denn ins Bad aufs Klo, bin ich Schuld und Böse und überhaupt alles…aber das ist ok…geht eben nicht anders…

Bis dann

Aggressionen

Gestern verlief eigentlich wieder ganz gut….tagsüber zumindest. Gegen Abend wird es meist schlimmer. Vorgestern, als er mich wieder mal wüst beschimpfte, habe ich falsch reagiert und bin eingestiegen. Das ist natürlich dann eskaliert..es hat mir so leid getan…er kann doch nichts dafür…

Gestern Abend wurde er auch aus dem Nichts raus wieder sehr aggressiv. Diesmal bin ich überaus ruhig geblieben, habe auf das meiste gar nicht reagiert, war aber nicht ignorant. Für alles was er sagte entschuldigte ich mich und sagte ihm immer wieder, daß ich ihn liebe und ihm nicht schlechtes will. Er denkt zur Zeit ich würde ihn vergiften wollen und traut den Tabletten nicht, die ich ihm gebe. Gestern Abend hat er dann auch die Einnahme verweigert. Er wollte die Päckchen sehen, doch selbst als ich sie ihm gab, blieb er bei seiner Meinung.

Er war sehr wütend. Im Internet, auf einer Krebsseite, habe ich  gelesen das man diese Aggressionen nicht persönlich nehmen soll. Viele Krebspatienten leiden darunter. Es fällt zwar schwer, aber die Erklärung dazu hat mir etwas geholfen. Es heisst, die Krebspatienten sind unglaublich wüten auf die Krankheit, über Kontrollverlust und den unausweichlichen Tod. Der Tod ist nun aber nicht greifbar und so richtet sich die Wut an die Angehörigen, das Pflegepersonal, an jeden der eben greifbar ist. Manchmal legt sich das wieder, spätestens dann, wenn die Akzeptanz des Patienten erreicht ist. Oft ist dem auch nicht so..kommt eben drauf an…

Heute schläft Schatz wieder extrem viel, auch ohne Schlafmittel. Er wollte vorhin auf Toilette und ich stellte wieder den Stuhl bereit usw. Nach ein bis 2 Versuchen gab er recht schnell auf und verschob es auf später..etwa eine halbe Stunde später verlangte er jedoch gleich nach dem Pinkelbehälter….auch sonst ist er heute wenig aggressiv (noch) und hat die MorgensTabletten ohne großen Widerstand genommen…er sagte heute sogar zu mir, als ich ihn auf der Couch richtig setzen/heben wollte, wie anstrengend das alles ist für mich. Ich sagte ihm – ja das ist es, aber ich mache das alles für dich, das habe ich dir versprochen.

Gestern waren auch paar Freunde da und haben natürlich gesehen wie Schatz beinander ist. Ich überlege die ganze Zeit schon, ob ich nicht langsam unsere Freunde aufkläre…ich weiß auch was da dran hängt und das Schatz das nicht will…

Heute morgen musste ich zum HA ein Rezept holen. Mir war gar nicht wohl. Ich flitzte runter und hatte sogar etwas Glück. Wartezimmer war super voll und normalerweise warte ich dann locker mal eine halbe bis dreiviertel Stunde, bis ich mein Rezept bekomme. Heute hat aber die Sprechstundenhilfe das Rezeot sofort gedruckt und der Dok musste nur noch unterschreiben. So war ich nach 20 Minuten wieder zu Hause. Ich flitzte in die Apotheke, immer mit dem Bild vor Augen, daß Schatz wieder auf dem Boden liegt. Ich schloss die Wohnungstür auf – Schatz lag nicht auf dem Boden..er saß so auf der Couch, wie ich ihn verlassen hatte…man was das eine Erleichterung für mich…

Ich bin gespannt, wie der Abend wird..gegen Abend ist die Aggressionsgefahr immer größer. Langsam lerne ich aber, wie ich die Situation entspanne…ich versuche alles an mir abprallen zu lassen und wenn er mir was vorwirft, entschuldige ich mich einfach und rechtfertige es nicht, oder stelle es richtig oder sonst was….egal ob es stimmt oder nicht…er meint nicht mich…

Gestern meinte er auch das wir am Montag ja das Familientreffen hätten. Er will natürlich hin. Ich sagte ihm nicht, daß dies nicht möglich ist. Ich nickte nur. Ich lasse den Montag auf mich zu kommen. Keine Ahnung was passiert…

Am Montag kommt auch der Typ um die Pflegestufe zu erörtern. Im Brief der AOK stand drin, das es erfahrungsgemäß 5 Wochen dauert, bis man einen Termin bekommt. Ums erstaunter war ich, daß es jetzt schon am Montag so weit ist. Freut mich natürlich. So wie Schatz JETZT drauf ist, rechne ich mit Stufe 3 sogar schon…er baucht rund um die Uhr Zuwendung und Aufmerksamkeit. Er kann ja gar nichts mehr.

Gestern sprach ich mit meinem Vater darüber, daß das Auto abgemeldet werden sollte. Im Dezember kommt die neue Rechnungfür Steuer usw. Im November sollte es also abgemeldet sein. Ich habe Schatz noch nichts darüber gesagt, suche aber schon die Papiere dazu. Am Montag, wenn er merkt es geht nichts, wegen dem Familientreffen, sage ich ihm auch, daß ich das Auto abmelden möchte…ich weiß jetzt schon daß das wieder einen Ausbruch geben wird.

Es ist ein weiteres Stück, daß ihm genommen wird….und er kannes nicht ändern…kein Wunder, das man da auch böse wird..es ist alles nicht einfach…gar nicht…

Es ist sowieso komisch..alles was meinen Schatz betrifft zerbricht. Als er aus dem Krankenhaus kam hat er seinen Lottozettel verloren den er seit Jahren schon spielt. Dann ging der Verschluss seiner heissgeliebten Uhr kaputt und es muss ein neues Verschluss ans Stahlband, dann sein Handy…nun soll sein Auto weg…es sind nur paar Dinge, aber es ist seltsam…

Bis dann

Augenblicke

Gestern morgen war Schatz eigentlich gut drauf, wenn man das so sagen kann. Er wollte am Morgen einen Kaffe trinken. Auch vom Kopf her, schien es mir, es würde wieder etwas besser werden. Auch im Laufe des Tages war er zugänglich und ruhig. Kein eSpur von Aggressionen, oder Ausfällen. Am späten Abend ging es aber wieder los…ein Freund von uns hat (auf Bestellung unserseits) ein halbes Brathänchen und einen Döner mit gebracht. Schatz isst sowieso nur die Brust vom Hähnchen und ich wollte sie im auslösen. Natürlich habe ich ihn vorher gefragt und er wollte es alleine machen.

Sein linker Arme ist soweit gelähmt und so war das als richtig schwieriges Unterfangen. Er wurde sichltlich genervter. Irgendwann meckerte er rum und ich „durfte“ dann doch das restliche Fleisch vom Knochen lösen und ihm in Mundegerechte Stücke auf den Teller legen, damit er nur noch mit der Gabel hätte reinstechen müssen. Er war mittlerweile aber so genervt, daß er alles verweigert und eine Pizza haben wollte. Ich habe ihm dann eine Pizza gemach, er wollte eine ganze. Nach 2 Stücken von der Pizza war er „satt“. Das Hähnchen hätte ihm nicht geschmeckt und auch die Pizza nicht. Nur der Kakao war in Ordnung. Immerhin hat er überhaupt was gegessen, auch wenn es mich jetzt schon wieder unter Stress setzt, will er doch immer auf Toilette.

Ich finde es ja gut, daß er versuchen will sich zu bewegen. Aber andererseite geht es eben nicht mehr und er sieht es nicht ein. 2 Stunden haben wir dann am Abend versucht ihn auf den Stuhl zu setzen, weil er „groß“ wollte. Er schrie rum, wie blöd ich doch sei und nichts geregelt bekomme. Er hat es nicht geschafft und ich war Schuld. Er wollte sich von mir aber auch nicht helfen lassen. Ich sollte nur den Stuhl festhalten, aber egal was dann war, ich war Schuld und einfach nur zu blöd. Die Bettüfanne wollte er auch nicht. Dann irgendwann schrie er wieder rum, er müsse jetzt unbedingt und ich reichte ihm den PinkelBehälter. Er schrie wieder rum und ich bin dann in die Küche und sagte ihm – auch wenn es mich zerrissen hat, er sollte doch schauen wie er klar komme. Irgendwann rief er mich und ich sollte ihm beim pinkeln helfen. Ich tat das natürlich, mit weiteren Beschimpfungen. Es ist nicht leicht mit so einem dominanten, starken Charakter der eingestehen muss, daß er keine Kontrolle mehr hat. Nicht über sich und nicht über alles andere.

Sage einem Workaholic er darf nicht mehr arbeiten, von jetzt auf gleich…Stress vorprogrammiert. Ich kann nur hoffen, daß er sich bald seiner Situation stellt und eingesteht das nichts mehr geht.

Vor ein paar Wochen noch, hat er ganz anders gesprochen. Jetzt merke ich an seinem Verhalten, daß es doch nimmer so ist, wie man sich es vorstellt. Das tut mir leid.

Irgendwann Nachts ist er dann eingeschlafen, mit Hilfe von Schlafmitteln. Erst heute morgen ist er wieder aufgewacht und rief gleich nach mir, er müsse pinkeln – aber sau dringend. Er nahm den Pinkelbehälter sofort an. Klar…

Er hat sehr große Schmerzen. Gestern schon, hat aber alle Schmerzmittel verweigert. Die würden alle nichts taugen. Irgendwann nahm er es aber doch, dann die Schlafmittel. Guter Schlaf, schmerzfreier Schlaf. Er hat Kopfschmerzen, Tumorschmerzen und heftige Schmerzen von der Rippenprellung durch den Sturz. Heute morgen hat er gleich Schmerzmittel genommen, redete verwirrt und wirres Zeug. Bekommt aber alles in seiner Umgebung mit. Er wollte das und das Tv Programm eingeschaltet haben, daß wir immer schauen zB…

Gestern schien er mir auch etwas klarer zu sein, aber als er die Fernbedienung in der Hand hatte, drückte er alle Knöpfe und kam nicht mehr raus..aus dem Menü, und was er so gedrückt hatte. Auch den Sperrpin von Sky hat er öfter falsch eingegeben. Ich habe ich machen lassen…auch hatte ich ihm gestern seine Haare gewaschen, liegend im Bett. Hat soweit geklappt, habe aber eine spezielle Haarwaschwanne bestellt, für Bettlägerige. Dann gehts einfacher. Er wollte seine Haare gewaschen haben. Später nervte er mich an, warum wir das denn gemacht hätten, er wollte doch morgen sowieso duschen gehen…ich dachte mir – ja klar…wenn du einen Plan dazu hast, sage mir bescheid.

Heute morgen wollte er keinen Kaffee. Er schläft jetzt. Er liegt etwas blöd, unbequem wie ich finde, aber sobald ich ihn anfasse schreit er vor Schmerzen. Ich kann ihn nicht bewegen…

Mal sehen wie der Tag heute verläuft…

Bis dann

Vollzeitpflege

Mittwoch und Donnerstag waren gute Tage. Schatz war gut drauf, lustig und entspannt. Zur Toilette musste ich ihn bringen, er konnte nur noch mit Unterstützung laufen. Den Klogang selbst hat er alleine geschafft. Er hat sich an meinen Schultern festgehalten und so ging es ganz gut. Polonaisemäßig.

Freitagmorgens, gegen 5 Uhr früh, weckte mich Schatz, weil er aufs Klo musste. Ich stand also auf und half ihm hoch. Ich spürte wie er sich an meinen Schultern festkrallte und dann los ließ. Ich drehte mich um und in dem Moment sah und hörte ich wie er auf dem Boden aufschlug. Er ist gestürzt, konnte sich nicht halten. Hätte ich das geahnt, hätte ich ihn anders geführt…der Sturz ist meine Schuld..aus Unerfahrenheit und aus „nicht daran gedacht, daß das passieren könnte“, obwohl er schon mal gestürzt war. Glimpflich…

Er lag auf der linken, der gelähmten, Seite. An seinem Ellenbogen hat er eine 3 cm lange Wunde. Seinen Kopf hat er sich auch gestoßen. Es war ein schreckliches Bild. Ich habe ihm hoch geholfen, was erstmal ein Akt war. Wieder zurück im Bett musste er er auch erstmal nicht mehr aufs Klo. Er hat laut gestöhnt vor Schmerzen, ist aber sofort wieder eingeschlafen. Eine halbe Stunde später ist er aufgewacht und ihm war sehr übel, er hat sich erbrochen. Auch über wahnsinnige Kopfschmerzen hat er geklagt und seine linke Seite tat weh. Schmerzmittel wollte er nicht, hätte er auch nicht in sich behalten.

Egal was, ob Fanta, Wasser, oder Cola, alles kam sofort wieder raus. Einen Arzt wollte er auch nicht, er hat mir massiv gedroht, wenn ein Arzt auftauchen würde. Dabei ist er wieder eingeschlafen. Ich habe ich dann beobachtet, immer im Hinterkopf doch einen Arzt zu rufen. Er ist dann ständig mit Schmerzensschreien aufgewacht, hat geschimpft und geflucht und sich dabei immer wieder erbrochen. Gehirnerschütterung vermute ich mal stark. Das ging die ganzen Freitag noch so…gegen Abend hat die Übelkeit nachgelassen, auch Dank einer Vomex. Ich war seit 5 Uhr morgens wach, und auch Samstag Nacht habe ich kaum schlafen können. Immer wenn er weg genickt ist, dachte ich mir, ich könnte mich auch mal hinlegen. Aber kaum war ich eingeschlafen, hörte ich Schatz und ich war wieder wach um ihm zu helfen.

Einen Behälter reichen und halten zum erbrechen, ihn aufrichten dazu, ihm einen Schluck Wasser zu geben – einfach alles. Es war super anstrengend, ich hatte ja zu diesen Zeitpunkt nicht mehr geschlafen und war super kaputt. Körperlich und emotional. Das anstrengenste war, seine Unruhe die eingesetzt hat. Er kann die linke Seite gar nicht mehr bewegen. Also der Arm schon noch einigermaßen, aber sonst ist die Muskulatur erschlafft. Schatz lag auf dem Bett und ich sollte ihm immer hoch helfen, daß er sitzen konnte. Kaum war er oben, legte er sich wieder hin, um mir spätestens eine Minute danach wieder die Hand entgegen zustrecken, daß er hoch möchte. Das gingt im Schnitt 6 – 7 mal, dann schlief er wieder für 10, 15 Minuten. Das ging den ganzen Freitag so, die ganze Samstag Nacht so..immer und immer wieder. Er ist auch nicht so leicht, hat noch um die 70 Kilo.

Samstag musste ich dann einkaufen gehen und sagte Schatz das ich mich beeile. Er schlief soweit. Ich flitze los, mit dem Kackgefühl ihn alleine zu lassen. Als ich wieder nach Hause kam, hat sich einer meiner Alpträume erfüllt. Schon im Hausflur hörte ich ein lautes Stöhnen, nahe an Schmerzensschreien. Ich öffnete die Wohnungstür und sah Schatz auf dem Boden liegen! Er wollte auf die Toilette und war wieder gestürzt…ich schmiss meinen Einkauf in die Ecke und half ihm hoch. Es war noch schwieriger als den Tag zuvor, er war noch unbeweglicher geworden. Ich fragte ihn, was er denn wollte und er meinte, er müsse aufs Klo. Nachdem ich ihn wieder auf die Couch (Bett) geschafft hatte, habe ich einen kleinen Behälter geholt und…nun ja…ihn da rein pinkeln lassen. Ich bin dann schnell in die Apotheke und habe nach einer Urinflasche gefragt und einer Bettpfanne….denn so sieht es jetzt aus…mussten sie aber bestellen, am Montag ist es da…naja bis dahin kann ich mir helfen.

Samstag Nacht fing er an wirr zu reden. Immer wieder spricht er davon, daß er weg müsse. Einmal sagte er: Ich muss tatsächlich weg, ich glaube es ja nicht. Meistens aber nur: Ich muss weg…manchmal schimpfte er auch und sagte so Sachen wie: Hau ab – lass mich in Ruhe und sowas..es hat eine Weile gedauert bis ich erkannte, daß er damit nicht mich meint. Denn jedesmal wenn HAU AB sagte, streckte er seine Hand nach mir aus und wollte hoch. Auch hat er immer irgendwas in der Luft gegriffen und er wollte auch einmal seine Jacken einpacken. So krass wie das ist, vielleicht hat er jemanden gesehen, der ihn mitnehmen möchte…aber er will noch nicht. Er wiederholt auch immer wieder: Ich bin Tod, ich bin kaputt…ich muss weg…aber er weiß das bald eine „Reise“ ansteht.

Heute ist Sonntag und er ist viel ruhiger geworden. Naja, manchmal hat er Anfälle von Bettflucht. Ich erkläre ihm dann immer, daß er nicht laufen kann und wieder hinfallen wird. Dabei streichel ich ihn sanft und er beruhigt sich wieder. Aber sonst schläft er sehr viel. Dieses ständige ihm hoch helfen, daß er sitzen kann um sich dann wieder einfach nach hinten fallen zu lassen hat stark nachgelassen. Er sagt mir, wann er Pipi muss und ich mache dann alles andere. Nachts ist das aber schlimmer als Tagsüber..mit der Unruhe und der Bettflucht.

Seit heute morgen akzeptiert er auch wieder Schmerzmittel und das hat ihn auch ruhiger macht. Das ging soweit, das ich heute den Sonntag über immer mal 1, 2 Stunden am Stück schlafen konnte. Ich weiß nicht woher ich die Kraft hatte, die letzten 2 Tage und Nächte, auch wenn ich einmal dachte, ich schaffe das alles nicht. Aber ihn abholen lassen kommt für mich nicht in Frage!

Ich habe mich auch gewandelt, es ist sehr seltsam. Ich liebe ihn nicht weniger, oder habe (ihn) gar aufgegeben. Ich bin auch einerseits immer noch nicht bereit, aber ich habe eine große Akzeptanz erfahren. Dieses egoistische Denken ihn nicht gehen lassen zu wollen/können ist nicht mehr vorhanden. Ich möchte das er erlöst wird von seinen Schmerzen und seinem Leid. Es zerreisst mir mein Herz, aber es ist noch schlimmer einen geliebten Menschen so zu sehen…zu sehen wie er sich quält, wie er klagt, daß er nicht mehr kann. Es geht nicht darum, daß mir die Pflege zuviel wird, oder so. Irgendwie ist es ok. Es ist eine Herausforderung, aber auch eine tiefe Erfahrung. Aber er leidet so seit seinem Sturz, mehr denn je…das tut mir so unendlich weh…es ist unglaublich hart für mich das zu sagen und einzugestehen – aber ich wünsche mir, daß er nicht mehr leiden muss, das er bald erlöst ist…

Zwischen seinem Schimpfen und Fluchen sagt er mir immer wie leid ihm das alles tut, ich wäre ja noch so jung. Er ist unsagbar dankbar das ich bei ihm bin. Wenn ihm etwas nicht schnell genug wird, schimpft er mich an, sagt aber gleichzeitig hinterher, daß er das nicht so meint. Ich weiß daß Schatz – es ist ok. Es ist halt eine richtige Scheiß Situation…für ihn vorallem. Sterben ist wahnsinnig anstrengend und frustriert ihn. Es geht einerseits ihm nicht schnell genug, auf der anderen Seite will er noch nicht. Er greift ihn die Luft und sagt zu „irgendjemanden“ Hau ab“ und „lass mich in Ruh“.

Er hat seit Freitag nichts mehr gegessen und den Tag davor auch nur morgens und abends je eine halbe TK Pizza. Trinken fast gar nicht..wenn er was trinkt, ist es nur ein kleiner Schluck, oder 2..mehr nicht. Sein Urin ist dementsprechend dunkel und riecht starkt. Das Urinieren klappt ganz gut, geht nichts daneben und ich mache das gleich weg, klar. Etwas Angst habe ich vor Stuhlgang. Nicht wegen dem Geruch, oder weil es Stuhlgang ist – es ist, ich habe erst am Montag eine Bettpfanne…ich hatte eine relativ flache Schüssel, weil er einmal meinte er müsste „groß“, aber die war zu flach (sein Po lag auf) und der Rand zu hart. Das tat ihm weh. Er musste aber dann doch nicht. Morgen habe ich wie gesagt eine Bettpfanne und dann klappt das auch bestimmt. Er muss ja mal irgendwann, auch wenn er nichts mehr gegessen hatte die letzten Tage, aber etwas ist ja auf jeden Fall noch im Darm. Soo schnell geht Verdauung auch nicht..manche Sachen bleiben bis zu 60 Stunden im Körper, bevor es ausgeschieden wird.

Ich kann das alles schlecht einordnen. Kommt das alles von seinem Sturz? Hat der Sturz nur das Ende beschleunigt? Wie wäre er drauf, wenn er nicht gestürzt wäre…sicherlich ginge es ihm besser als jetzt…Er verweigert immer noch einen Arzt. Die würden ihn mit nehmen und vielleicht nicht mehr nach Hause lassen. So denkt er, aber die bringen einen wieder nach Hause, wenn das der Wunsch des Sterbenden ist. Aber das will er nicht verstehen. Er will unter gar keinen Umständen in ein Krankenhaus. Selbst wenn er jetzt ..keine Ahnung…bewusstlos wird, oder einen Schlaganfall, Herzinfarkt, Erstickungsanfall hat – soll ich es zulassen. Er ist nicht mehr zu retten gesundheitlich. Alles andere wäre nur eine weitere und längere Quälerei. Für jemanden, der das nicht kennt, ist das alles nicht nachzuvollziehen. Ich hätte das früher auch nicht so gesehen. Es ist alles richtig krass…

Langsam wird es dunkel und etwas kühl in der Wohnung. Ich mache mal den Ofen an, dann wird es schön warm.

Bis dann

Nebenwirkungen

oder geht es jetzt langsam richtig los….Heute Nacht war scheinbar gut. Schatz bekommt ein leichtes Schlafmittel, er hatte darum gebeten. Er schläft viel den ganzen Tag über und Nachts kann er dann nicht mehr schlafen. Er schläft zwar schnell ein und die Nächte sind gut bisher gewesen, aber er hat das Gefühl nicht richtig zu schlafen. Heute Nacht war es wie immer. Er ist schnell eingeschlafen und hat bis um 3 Uhr ca. geschlafen. Dann musste er hoch und ich habe ihn zur Toilette gebracht.

Mir ist weiter nichts aufgefallen. Heute morgen wusste ich dann, das nicht alles in Ordnung war. Er sagte mir, er wusste nicht was er tun sollte, als er auf Toilette war…es ist zwar nichts passiert, aber seine Aussage schließt darauf, daß er heute Nacht wieder leicht verwirrt war…es tut mir so weh, ihn so zu sehen..

Ich weiß jetzt nur nicht, ob das Nebenwirkungen von den Schlaftabletten sind (es steht sowas in den Packungsbeilage) oder ob es eben weiter fortschreitet…wahrscheinlich Nebenwirkungen, denn jetzt – tagsüber – ist er völlig klar und sortiert.

Schatz schläft heute nun schon den ganzen Tag…also er ist zwischendurch immer mal wach, aber die meiste Zeit döst er vor sich hin. Laufen geht richtig schlecht mittlerweile….am 09. November haben wir das obligatorische Familientreffen. Ich weiß nicht was bis dahin passiert, ob wir dahin gehen können. Schatz wird sich wahrscheinlich zusammenreissen und wir gehen hin und er setzt sich gleichzeitig den Blicken und  Fragen seiner Geschwister aus…vielleicht gehen wir auch nicht…ich kann es jetzt unmöglich sagen!

Er wird auch kaum die Kraft dazu haben, sich 2, 3 Stunden in ein Restaurant zu setzten..ich weiß es nicht…er ist immer für eine Überraschung gut, aber…

Heute Vormittag rief die AOK an. Die Dame am Telefon sagte mir, sie hätte den Antrag vor sich liegen und wollte uns ein Beratungsgespräch empfehlen. Ich sagte ihr, daß mein Mann am liebsten mit Nichts was zu tun haben möchte und sie lenkte sofort ein mit den Worten, daß man ihn (meinen Mann) ja nicht unnötig quälen müsste. Wenn ich aber Fragen hätte zur Pflege und Möglichkeiten, sollte ich sie anrufen. Ich nahm das an und sie verabschiedete sich mit den Worten: Alles Gute für sie..

Sie war sehr bedacht in ihren Worten und überhaupt nicht aufdringlich, nicht so wie ich es von der AOK eigentlich kenne…oder von anderen „Ämtern“ wenn angerufen wird.

Heute habe ich auch meinen Kürbis ausgehölt und geschnitzt und Fenster etc. für Halloween geschmückt. Nur ein bisschen, nicht so viel und pompös wie die vergangenen Jahre. Schatz schmunzelt, ihm gefällt die Deko.

Am Freitag sind es 4 Monate nach Diagnose…seit etwa 3 Wochen geht es böse bergab…

Je mehr mein Schatz nicht mehr kann, umso mehr mache ich…Haushalt habe ich immer schon komplett alleine gemacht. Arbeit haben wir geteilt, mache ich jetzt auch nahezu komplett…nebenbei war mein Schatz die rechte Hand der Hausverwaltung, daß mache ich jetzt auch…Hof kehren, nach Ordnung schauen, die Mülltonnen raus und reinstellen, im Haus nach dem rechten sehen, Absprache und Kontaktperson vor Ort für Handwerker etc….dann die Pflege meines Mannes…ich habe zwar keine Angst, daß mir das alles zu viel wird, aber gefühlt ist das eine Menge die ich machen muss.

Abends bin ich müde. Seit Monaten habe ich den Alarmschlaf. Ich muss mich doch um meinen Engel kümmern und aufpassen…bei jedem noch so kleinen Geräusch wache ich auf….mir macht das nichts weiter aus..hört sich dramatisch an vielleicht, aber ich schaffe das alles. Wenn mein Schatz nicht mehr ist, wird sowieso alles anders. Bis dahin bin ich stark! Das ist mein Naturell…

Naja, jetzt liegt der Pflegeantrag der AOK vor, dann wird es wohl auch nicht mehr lange dauern bis einer vorbei kommt um die Pflegestufe festzustellen. Ich schreibe dieses Minutentagebuch und was ich so am Tag an Grundpflege habe, wird es wahrscheinlich Pflegestufe 1. Das ist, wenn man 45 Minuten am Tag Grundpflege hat. Pflegestufe 2 geht los mit 90 Minuten Grundpflege. Je nach Wochentag liege ich bei ca. 40 bis 70 Minuten. Aber vielleicht übersehe ich auch das ein, oder andere. Dafür ist ja dann noch die Begutachtung.

Bis dann

Die nächste Stufe

Die Nacht war ok. Schatz schläft schnell ein und schläft manchmal auch durch, bis auf einmal. Da muss er raus aufs Klo. Nichts aufregendes. Heute morgen aufgestanden und frühstück gemacht. Schatz isst neuerdings Pizza zum Frühstück, aber nur die Ofenfrische und meist eine halbe. Dazu einen Kaffee, einen Kakao und den Smoothie, den ich auch trinke.

Er hustet bisschen mehr wieder und manchmal ist blutiger Auswurf dabei. Gestern Abend habe ich Bolognese gemacht, mit Spirelli Nudeln. Dabei konnte ich bemerken, daß er Schwierigkeiten hatte mit den Nudeln. Er kann die Gabel links halten, aber schlecht führen. Bald ist die ganze linke Seite lahm…auch fallen ihm Dinge aus der Hand, wenn er sie links hält. Ansonsten ist der Arm beweglich und er hat Kraft. Es ist die Motorik die nachlässt…

Ich muss besser aufpassen…einerseits versucht er solche Dinge vor mir zu vertuschen, andererseits beklagt er sich, warum es keine Spaghetti gab…ich verstehe warum…ich bin nun noch mehr sensibilisiert um seine Vertuschereien „aufzudecken“ bzw. anzunehmen und respektvoll damit umzugehen. Ich verstehe warum er versucht das vor mir zu verbergen…würde ich genauso machen! Man will halt einfach nicht den Krüppel mimen…ist zwar hart ausgedrückt, aber passender kann man das nicht sagen….

Es ist eine Gradwanderung. Ich möchte das er seine Selbstständigkeit solange wie es geht behält, er will das auch. Aber manchmal ist es so, da lässt er es zu, daß ich ihm beim Anziehen und Ausziehen helfe. Duschen geht er alleine, ein Kraftakt. Er möchte das so…solange es eben geht…wenn was ist ruft er mich. Ich kämme ihm seine langen Haare, das geht mit dem Arm nicht mehr so gut.

Ich muss nun überlegen was ich koche. Es muss ein Gericht sein, das ihn nicht „vorführt“ und er es gut essen kann. Schneiden und gut zum Mund führen kann. Spaghetti sind da gut, die kann man auf der Gabel aufrollen, da fällt nichts runter. Auch Kartoffelpüree ist gut. Kleine Sachen sind nicht gut, denn das fällt ja von der Gabel runter…deswegen isst er fast nur noch Pizza…die kann er gut in der Hand halten…ich verstehe das alles ja, aber manchmal denke ich mir, warum sagt er es mir nicht – warum habe ich es nicht vorher gesehen…es ist nicht leicht für ihn..das wäre es für mich auch nicht..

Heute bin ich runter zum HA – brauchte ein Rezept für mich und für meinen Schatz. Aber dazu musste ich auch mit meinem Arzt reden. Es war voll heute und ich habe lange warten müssen, bis ich dran kam. Ich sagte zum Dok, daß er stärkere Schmerzmittel braucht. Mit dem was wir jetzt haben, kommen wir zwar gut klar – aber es gibt neuerdings Schmerzspitzen und da hilft das Novalgin nicht…

Anmerkung: In der Krebsschmerztherapie gibt es laut WHO 3 Stufen. Die erste Stufe zur Schmerzlinderung ist Novalgin und ähnliches…die 2. Stufe ist Tramadol und ähnliches…die 3 Stufe ist Fentanyl und Morphium…danach kommt nichts mehr…

Schatz rutscht also jetzt langsam in „Stufe 2“ rein….Ich sagte also dem Dok, daß er stärkere Mittel bräuchte, und Dok hat sofort genickt. Ich wollte Tropfen haben, die sind besser zu dosieren…also kam nur Tramadol in Frage. Bei Bedarf gebe ich ihm nun dieses..ansonsten erstmal weiterhin das Novalgin. Dann habe ich Dok noch erzählt wie es ihm sonst so geht. Ich kann dem Arzt gegenüber ungehemmt alles ausprechen. Dok hingegen tut sich schwer, obwohl als Arzt kennt er das doch alles…es ist vielleicht Respekt, Pietät, oder ..keine Ahnung. Aber Dok druckst immer ein wenig rum mit dem Krebs und nennt die Dinge nicht beim Namen. Egal..war mir nur aufgefallen…

Dann war ich noch schnell im REWE einkaufen für heute und wollte schnell wieder nach Hause. Mir ist nicht wohl, wenn ich Schatz alleine zu Hause lassen muss…als ich im Bus war, kam mir wie so oft ein schlimmer Gedanke…ich sah vor meinem geistigen Auge wie ich die Tür aufschließe und Schatz krampfend auf der Couch liegt. Dem war natürlich nicht so..zum Glück…es ist einfach die Angst die mich ständig begleitet..ganz abwegig ist das nicht…er hatte einen Schlaganfall vor 3 Jahren, und genau an der Stelle, wo die Narbe ist, war der Ausgangspunkt von seinem (bisher einmaligen) epileptischen Grand Mal Anfall…und genau an der Stelle sitzt nun eine wachsende Metastase…hin und wieder hat er einen Krampf im linken Arm..

Der Denker und der Beweisführer…was das Gehirn denkt, versucht es auch zu beweisen (realisieren). Das betrifft natürlich nur einen selbst…Schatz arbeitet natürlich dagegen und lässt solche Gedanken nicht zu…ich muss das meinem Kopfkino beibringen…bei mir ist das aber oft so, wenn ich mir Dinge vorstelle, treffen sie nicht ein, oder ich kann damit besser umgehen…ich habe es ja bereits im meinem Kopf durchgespielt…

Bis dann