Krankenhaus

Die letzten Tage ging es Mama immer schlechter. Sie kann nicht schlafen. Sie ist totmüde, aber sie schlief schlecht ein und von durchschlafen konnte auch keine Rede sein. Am Montag bin ich dann am Vormittag zum Hausarzt und wollte nach Schlafhilfen/Schlaftabletten fragen. Dadurch das Montag war, war eine Menge los und ich sollte gegen halb 5 nochmal kommen.

Wieder zu Hause erzählte ich das alles und Mama meinte, sie würde es dann mit der Schlaftablette versuchen und wenn es nicht besser würde, würde sie am Dienstag dann ins Krankenhaus wollen/müssen. Krankenhaus ist das schlimmste für sie, sie wehrt sich immer mit Händen und Füssen dagegen. Aber es hilft ja alles nichts.

Am Nachmittag gegen 15 Uhr war ich hinten bei ihr im Zimmer und ihr ging es gar nicht gut. Die Müdigkeit und das schwere Atmen war einfach schlimm. Ich machte mir große Sorgen und war ein wenig hilf- und ratlos. Dann sagte sie, es wäre vielleicht besser das sie jetzt ins Krankenhaus will. Ich sagte ihr, das ich kurz davor war den Rettungswagen sowieso anzurufen, weil mir ihr Zustand so gar nicht gefiel. Ich rief dann an und gegen halb 4 war der Notarzt dann da. Durch die Aufregung war die Luft fast ganz weg. Sie konnte nicht mehr atmen und die Rettungsleute taten ihr Bestes. Richtig schlimm war es mit dem Beatmungsgerät. Es ist nicht nur einfach ein Sauerstoffgerät. Das Beatmungsgerät puscht Sauerstoff in die Lunge, aber mit Wiederstand. Ihr Körper ist das nicht gewöhnt und sie rief immer, sie kann nicht nicht atmen!

Nach ein paar langen und beängstigen Minuten ging es aber dann und sie war transportfähig. Wir fuhren dann in die Klinik. Sie hatte auch massiv Wasser in den Beinen und sie gaben ihr erstmal eine Menge Entwässerungstabletten. Sie musste alle 15 Minuten auf den Klostuhl. Sie tat mir so unendlich leid, den schlafen war jetzt wieder nicht an gesagt. Gestern hat sie dann aber keine Tabletten mehr bekommen, zumindest musste sie nicht mehr ständig aufs Klo. Die Beine sind noch dick. Es kommt von ständigen Sitzen und wahrscheinlich hat sie eine Herzinsuffiziens mittlerweile. Der letzte Status des Herzens ist 2 Jahre her und da kam bei der Untersuchung heraus, das sie altersbedingte Kalkflecken an der Herzklappe hat. Naja….2 Jahre her…wer weiß wie das Herz jetzt ist. Wird aber untersucht!

Das schlimme ist eigentlich nicht das Krankenhaus. Schlimm ist das sie ihre Medikamente nicht bekommt, ein anderes Medi ist einer schwächeren Form. Dann so eine übermotivierte junge! Lungenfachärztin die ihr Programm abspulen will und gar nicht auf die Mama einging. Die Ärztin setzte ein CT an und Mama sagte, das dies nicht ginge. Sie kann nicht auf dem Rücken liegen. Die Ärztin winke ab und meinte:“ Doch doch das bekommen wir schon hin“. Das letzte mal beim CT ist Mama fast erstickt! Das interessiert die Ärztin aber gar nicht. Sie will das CT machen, da es ja eine Raumforderung in der Lunge gibt und sie will schauen was es ist.

Mama hat in den letzten Jahre immer wieder ein CT desgwegen gemacht und auch eine Biospie und jedesmal! ist herausgekommen, das die Ärzte NICHT wissen was es ist. Eine undefinierte Raumforderung eben. Warum sollte es nun anders sein? Die wollen ihr Programm durchspülen und gehen NULL auf den Patienten ein. Sie hat nicht mal gefragt wie es der Mama geht!. Sie kam rein ins Zimmer und setzte gleich im Millitärstil an was gemacht werden soll.

Deswegen mag ich „alte“ Ärzte. Die agieren weniger nach Lehrbuch, sondern eher nach Erfahrung. Man muss die Mama nur ansehen und man SIEHT SOFORT das sie gar nichts kann, ausser sich sitzend abstützen um Luft zu bekommen. Null Empathie hat diese junge Ärztin.

Meine Schwester und ich haben auf die Mama eingeredet sie soll nichts an sich und mit sich machen lassen, das sie nicht möchte. Das ist ihr gutes Recht! Sonst lässt sich Mama auch mal überreden, einfach um ihre Ruhe zu haben, aber diesmal ist es anders. Die Angst ist einfach zu groß und gerade was die Raumforderung angeht auch einfach nur eine unnötige Untersuchung. Die Mama ist jetzt palliativ. Es ist wirklich wirklich eng mittlerweile. Wichtig ist das sie nun ein Nicht invasives Beatmungsgerät für zu Hause angepasst bekommt und sie ihre letzte Zeit noch einigermaßen gut leben kann.

Der Arzt auf der Intensivstation hat dies auch angesprochen, was die Mama bisschen lustig fand, denn ich hatte ein paar Tage zu vor mit ihr darüber geredet. Es ist also schon „bekannt“ gewesen. Es kam sogar ein palliativ Arzt auf sie zu und frage ob sie Morphin schon bekäme. Das verneinte sie, denn es ist erst jetzt der Fall das wir die palliativ einschalten.

Seit gestern ist sie auf der normal Station, Lungenstation, und die spulen halt einfach nur ihr allerwelts Programm ab. Dabei sollte doch der Patient relativ individuell behandelt werden. Sie ist kein Lungekrebspatient der nach Schema F ein gewisses vorgesehenes und automatisiertes Behandlungsprogramm durchläuft. Was ja auch ok ist.

Sie hat aber COPD GOLD IV – das ist Endstadium! Da sollte man doch nun nicht das übliche Programm abspulen. Sie soll nur ihr Beatmungsgerät bekommen, die Schulung dazu und alles weitere läuft dann über palliativ. Der Arzt hat gemeint, wenn sie das Beatmungsgerät bekäme, hätte sie durchaus noch ein Jahr.

Ich fahre später wieder in die Klinik. Ich hoffe sie konnte heute Nacht etwas schlafen. Es ist heiss und das ist nochmal mehr schlecht zum atmen für sie. Ich hoffe auch das sie heute besser drauf ist als gestern, nachdem meine Sis und ich nach Hause gefahren sind um ihre Medis zu holen die sie seit Montag nicht bekommen hat. Die wichtigsten Medis im Übrigen!

Schlimm für mich sind die Sorgen. Am schlimmsten ist es für mich wenn ich zu Hause bin. Diese Angst, dass das Telefon klingelt mit einer schlechten Nachricht bringt mich fast um den Verstand.

Ich bin so gespannt wie die Mama später drauf ist wenn ich in die Klinik fahre und ob auch schon Visite war. Welchen Knaller die Ärztin wieder abgelassen hat. Wichtig ist aber Mama.

Melde mich wieder

Plattenepithelkarzinom (nicht – Kleinzellig)

Das steht so im Entlassungsbericht…

Um kurz nach 9 Uhr rief mich Schatz an, er würde gleich abgeholt werden um dann in das andere Krankenhaus gebracht zu werden.
Wir sagten – ok bis gleich – und er wollte mich dann noch mal anrufen, wo er dann wäre.

Ich bin dann auch Richtung KH gefahren um ihn dort „abzufangen“. Gegen halb 10 Uhr war ich da und wartete erst kurz. Dann bin ich rein und zur Strahlentherapie Abteilung gegangen. Dort war er nicht bzw dort sah ich ihn nicht. Also bin ich wieder raus, weil ich „da unten“ keinen Handyempfang hatte.
Nach einer Stunde ca. rief ich ihn an und sein Handy war aus…ich schrieb dann eine SMS, die kommt meist durch. Aber erst machte ich mir Gedanken, warum sein Handy aus war.

Nachdem ich die SMS geschrieben hatte, klingelte mein Handy und irgendeine Nummer erschien auf dem Display. Ich ging ran und eine nette Stimme sagte mir, sie würde mir meinen Mann geben. Schatz war dran und fragte wo ich wäre. Ich bin am Haupteingang – bin aber in 2 Minuten da, sagte ich und flitzte los.
In der ST Abteilung angekommen, stand er bereits am Eingang mit Sack und Pack. Ungläubig fragte ich, ob er schön länger da sei bzw ob er jetzt gehen dürfe. Er bejahte beides.

Wir umarmten und begrüßten uns dann.

Er erzählte mir was in dem Vorgespräch besprochen wurde. Risiken, Nebenwirkungen und das am Donnerstag die Gesichtsmaske angefertigt wird und der Strahlenwinkel eingestellt und angepasst werden würde. Das alles dauert ca. 45 Minuten.
Am 22. ginge dann die erste Bestrahlung los. Die Strahlentherapie soll dann eigentlich jeden Tag sein – Montag bis Freitag – und das 5 Wochen lang.
Danach solle er sich wieder in der Klinik (wo er die ganze Zeit war) melden, dann würden sie mit der Chemo beginnen. In dem Brief steht drin, was für ein Chemo-Medikament…

In dem Brief, den ich zu Hause dann gelesen hatte, steht eine Menge drin. Ich muss mir den aber nochmal in Ruhe durch lesen, denn teilweise widerspricht dieser sich.
So steht in einem Brief drin – Plattenepithelkarzinom und auf einem anderen Brief bezg. der Metastasen, das kein Primärtumor gefunden wurde.

Aber bevor ich hier auch ein durcheinander veranstalte, pfücke ich die Briefe erstmal auseinander und werde darüber morgen dann meinen Beitrag verfassen.

Auf der ganz letzten Seite stehen so Sachen wie zB

Studienempfehlung: NEIN (finde ich ne Sauerei, möchte gerne mal die Kriterien dazu wissen) Weiterbehandlung in KH: JA

und solche Sachen.

Das Schlimmste war jedoch der Punkt:

Behandlungsziel: palliativ

Ich wusste es ja die ganze Zeit schon..die Ärzte sprachen zu jeder Zeit, daß es keine Heilung gäbe. Aber es so schwarz auf weiß zu lesen ist was anderes.

Mein ganzer Kopf schreit innerlich ganz laut: Du weiß daß er stirbt – du weißt das! ER STIRBT!
Eine kleine zarte Stimme sagt aber immer – nur weil die Ärzte das sagen? Es gibt so viele Menschen die aufgegeben wurden, oder als „austherapiert“ gelten und die haben den Krebs besiegt bzw so unter Kontrolle, daß sie ein normales Leben führen können. Es gibt Möglickeiten!!!

Mehr als nur die 3 „Möglichkeiten“ der Schulmedizin – Operieren, Bestrahlen, Chemovergiftung!

Er sagte mir, daß er das alles nicht will. Er will die Bestrahlung nicht und schon gar nicht die Chemo. Ich sagte ihm, daß es natürlich seine Entscheidung ist.
Ich sagte – gebe nicht auf und Informiere dich dann. Er meint, ich solle ihm keine Vorschriften machen. Ich verstehe das ihm das so vorkommt.

Er hatte das Vorgespräch alleine und er sagt mir nicht alles was da besprochen wurde, denke ich. Er lässt mich grade nicht an ihn ran, aber nimmt bereitwillig die Aprikosenkerne und auch den Obstsalat, den ich ihm zu Essen gab – an.

Er liegt auf der Couch und schläft ein bisschen. Es ist klar, daß er sich erstmal jetzt damit selbst richtig auseinander setzen muss. Auch wird er sich informieren und alle Möglichkeiten recherchieren und auswerten. Aber heute ist er erstmal in seinem Schneckenhaus.

Er ist heute, mehr als sonst, niedergeschlagen. Wenn die Ärzte doch schon wussten, das es ein Plattenepithelkarzinom ist, warum mussten wir das dann über den Entlassungsbrief erfahren? Warum haben die es uns nicht schon vorher gesagt? Ziehen sich wieder fein raus…

Er redet die ganze Zeit, daß doch eh alles egal ist. Nur für mich täte es ihm leid. Ich sage dann, gebe doch nicht auf! Er sagt dann wieder – mache mir keine Vorschriften und diskutier nicht mit mir.

Er will die Zeit die ihm noch bleibt, so bestimmen wie er es will! Er will nicht dahinsiechen, damit die Statistiken stimmen und die Ärzte wieder ein Patienten tot-therapiert haben und sich dabei noch im Recht fühlen. Ich gebe ihm da Recht. Wenn seine Entscheidung ist, nicht den Weg der Schulmedizin zugehen, stehe ich hinter ihm…selbstverständlich…ich gehe jeden Weg mit ihm.

Die Ärzte schaffen es aber auch, einen richtig nieder zu reden und daß alles aussichtslos ist…entgegen ihrem Arztgelöbnis! Krebs kann geheilt werden – aber nicht, wenn die Pharmamafia ihre Daumen drauf hält.

Es werden mit Sicherheit noch Gespräche kommen…vielleicht schaffen wir es, vielleicht schaffe ich es – vielleicht schafft er es bei sich selbst, den Kampfeswillen zu erwecken. Es gibt Möglichkeiten! Auch jetzt!

Die Stimme in meinem Kopf schreit – er stirbt, er hat nur noch wenige Wochen, oder Monate…

Ich sage mir selbst – solange er nicht Tod ist, kann man kämpfen.

Die Stimme in meinem Kopf drängt ein Gefühl in mir hoch – das Gefühl, daß es aussichtslos ist…

Krebs ist dermaßen stigmatisiert, daß es schwer ist sich abzuwenden und an was anderes zu denken – an Heilung.

Danke Pharmamafia…!

Bis dann

Er kommt morgen nach Hause

Weil heute Sonntag ist, bin ich auch früher in die Klinik. Ich sollte anrufen, wenn ich da bin, und das tat ich. Schatz wollte runterkommen und ich freute mich darüber, daß er laufen will. Sein Gang wird immer sicherer.

Wir begrüßten uns und haben uns erstmal draussen hingesetzt. Es war nicht so warm und es war sehr angenehm im Halbschatten zu sitzen. Wir unterhielten uns über belanglose Sachen und alles war gut.

Wir wollten dann noch einen Kaffee trinken und gingen ins Bistro. Ich holte uns einen Kaffee und saßen dort gemütlich. Er fing wieder dann übellaunig zu werden. Ich versuchte ihm positive Gedanken einzureden und sagte – morgen fährst du ja in das andere Krankenhaus und wer weiß, du kannst dann am Dienstag bestimmt nach Hause.

Er fuhr mich harsch an und sagte, daß ich das doch selbst nicht glauben würde. Er warf mit vor, ich würde nicht zuhören und er würde an mir ständig vorbeireden.
Erschrocken sah ich ihn an und sagte leise, etwas beleidigt auch, daß dies nicht stimmen würde.

Er erklärte mir, daß ein Rädchen ins andere übergeht und er nicht mehr aus der Maschinerie raus käme und ich mich immer mehr auf die Seite der Ärzte dort stellen würde, zu denen er absolut kein Vertrauen hat.

Ich hörte mir das an und dann ist mir der Kragen geplatzt!

Ich fauchte ihn an und sagte – das sie dir das Ding aus dem Kopf geholt haben war doch Gut und Notwendig, sonst wärst du in ein paar Wochen gestorben..oder war das dein Plan gewesen??

Er meinte dann, warum ich es verhindert hätte, daß er einfach gehen wollte.

Ich sagte – das geht halt einfach nicht! Es ist ja egal, ob dem Krankenhaus Konsequenzen drohen, aber was ist wenn die Krankenkasse sagt, sie würden unter diesen Umständen die bisherige Behandlung nicht mehr bezahlen und DU musst das dann auf eigene Rechnung zahlen? (Unabhäbgig davon ob das überhaupt stimmt, sagte ich das, es platze aus mir raus) und hast du denn 40.000 Euro?? Ich habe sie nicht! (Zahl einfach aus der Luft gegriffen)

Er schaute mich böse an und sagte nichts.

Ich schob hinterher – du hättest JEDERZEIT alles abbrechen können, Ärzte sind schließlich nur Dienstleister. Es ist immer und zu jederzeit DEINE Entscheidung ob du dich behandeln lassen willst, oder eben nicht. Sie zwingen dich zu garnichts, auch wenn du irgendeinen Wisch unterschrieben hast..und wenn ich sage, du kommst am Dienstag vielleicht nach Hause, dann versuche ich dir nur einen positiven Gedanken zu pflanzen! Aber hier zu meckern und mich ständig anzublaffen ist ja auch viel einfacher!

Mir tat es weh so zu reden, aber ich hatte in dem Moment einfach genug..

Der Kaffee war alle und wir wollten dann hoch aufs Zimmer. Ich brachte die Tassen in den Abräumwagen und ging zurück zu Schatz.
Er nahm mich in den Arm und drückte mich ganz feste. Ich streichelte über seinen Rücken und hielt ihn auch ganz feste. Wir standen minutenlang so mitten im Bistro.
Er sagte zu mir – es täte ihm alles so leid. Wie er mit mir spricht, daß ich alles abbekomme und er weiß auch, daß es für mich genauso schwer ist.
Ich antwortete – ich weiß mein Engel und bin dir auch nicht böse deswegen. Es ist im Moment einfach alles Scheisse und schwierig und anstrengend und ich weiß auch das du Angst hast. Ich bin immer bei dir!

Er küsste mich und wir sind dann hoch aufs Zimmer. Er legte sich aufs Bett und war etwas müde.

Ich bin dann nochmal nach Hause gefahren, um ein paar Sachen zu holen, die ich vergesssen hatte mitzubringen. Ich versprach ihm, daß ich mich beeile wie es eben geht und ich bald wieder da bin.

2 Stunden später, Sonntagsbusverbindung eben, war ich wieder da und er schaute etwas komisch drein. Was ist?, fragte ich ihn und er erzählte mir, das eben der Stationsarzt da gewesen wäre und hat gesagt, daß er morgen um 10 Uhr etwa abgeholt werden würde und dann per Krankenfahrt ins andere Krankenhaus käme. Zuerst sagte er aber, daß die Strahlentherapie nicht im diesen Krankenhaus gemacht werden würde, er hätte aber die Wahl zwischen DKD, „dem anderen Krankenhaus“, oder auch der Uniklinik Mainz.
Schatz sagte, daß er bereits angemeldet wäre.

Ah gut, sagte der Stationsarzt und teilte Schatz weiter mit, daß er nach dem Vorgespräch wieder hier her käme und wenn er es wollte, auch entlassen werden könne.
Käme darauf an wie Schatz sich fühlt. Wenn es ihm gut geht, kann er morgen gehen, wenn er sich nicht so dolle fühlt, müsste er bleiben bzw würde dann ins andere KH stationär aufgenommen.
Schatz fragte dann noch nach, wie es denn mit Heidelberg wäre. Grundsätzlich käme das in Frage, sagte der Arzt und erklärte ihm aber, warum er nicht nach Heidelberg überführt werden könne.
Ich sagte dann – aha..dann kommen nach Heidelberg ins Krebszentrum nur ganz ganz schwere Krebserkrankte, oder wie? Schatz nickte..ist er den Ärzten wohl nicht krank genug!, dachte ich mir dann…naja…

Schatz sagte natürlich dem Arzt gegenüber, daß es ihm gut ginge. Das er sich müde fühlt und ihm auch ein wenig schlecht war heute, sagte er nicht. Schatz sagte zu mir, ihm wäre etwas schlecht, weil er ja nichts essen würde…ich nehme das auch mal so hin, denn ins Krankenhaus kann er ja dann immer noch wieder. Wichtig für ihn und auch für mich ist jetzt aber trotz allem erstmal – er kann nach Hause kommen! Da wo er sich wohlfühlt!

Der Arzt sagte weiter – daß er in der Tumorkonferenz besprochen wurde, und es stünde halt auf jeden Fall eine Bestrahlung an.

Ich fragte Schatz, ob sie auch was von der Lunge gesagt hätten und wie ist das überhaupt, da wäre ja noch ein Verdacht auf eine Nierenmetastase.
Nein kein Wort – sagte Schatz.
Ich meinte dann, ist ja super toll auch…da ist wahrscheinlich nichts in der Lunge und was ist mit der Niere?, aber daß DAS uns mal jemand sagt – Fehlanzeige..aber wer weiß..vielleicht ist der Kopf dringender und die Chemo für die Lunge kommt noch…aber bisher KEIN WORT darüber, nach dem Motto „im weiteren Therapieverlauf“ bla bla bla schon komisch…

Das hört sich doch alles gut an – sagte ich zu Schatz und meinte, siehst du, du kannst sogar morgen schon nach Hause kommen. Alles andere sehen wir dann.

Wenn Schatz im anderen KH angekommen ist, will er mich anrufen damit ich bescheid weiß, daß er da ist und wo er ist. Ich soll dann auch dahin kommen, denn er will nicht das ich bei dem Vorgespräch nicht dabei bin. Also bin ich morgen ab 10 Uhr, oder so, auf Abruf. Das andere KH ist näher an unserer Wohnung und da bin ich auch dementsprechend schneller bei ihm, also mit Bus und so.

Mal sehen was morgen kommt…

Bis dann

Flucht – dann doch nicht

Heute morgen gegen 9 Uhr habe ich mit meinem Schatz telefoniert. Er klang gut und freute sich mich später zu sehen. Gegen 11 Uhr war ich dann im Zimmer und er hatte übelste Laune. Was war denn in den 2 Stunden passiert?

Er war super genervt und meinte, er gehe jetzt. Wie du gehst jetzt, sagte ich und er stand auf und zog sich seine Jeans an. Zuvor sollte ich ihn noch von den Strümpfen befreien – diese weißen ThromboseStrümpfe die man immer bekommt. Ich zog sie ihm aus und er zog sich seine normalen Socken an, dann eben seine Jeans.
Ich gehe jetzt – ich packe jetzt meine Sachen und hau einfach ab! Was ist denn los, meinte ich und Schatz sagte, er hätte die Schnauze voll. Er wolle nicht länger hier sein und schon gar nicht übers Wochenende.

Man bekäme keine Informationen, kein Arzt ließe sich blicken und er schimpfte vor sich hin.
Ich sagte zu ihm, daß wenn er einen Arzt sprechen wolle, dann müsse er einen antanzen lassen. Die kommen nicht von alleine, was ist denn mit der Visite.
Die war heute nicht hier – meckerte er und räumte dabei seine Schublade aus und ich war den Tränen nahe.

Ich stand kurz vor der Überforderung und sagte, ich gehe jetzt zu einer Schwester vorne an die Theke. Ich würde jetzt Dr. NAME (blonde Ärztin) verlangen damit du mit ihr reden kannst.

Schatz war dermaßen angefressen und ich bemerkte noch, daß er nicht so einfach gehen kann. Er kann zwar auf „Eigenverlangen“ nach Hause, aber er könne nicht einfach so gehen! Das hat versicherungstechnische Gründe…nicht nur für das KH, auch für ihn hätte das böse Konsequenzen. Ich will ihn ja auch mit nach Hause nehmen, aber doch nicht so! Ich weiß doch wie schwer das ist und ich weiß auch wie nervend das ist, vorallem übers Wochenende…

Er ließ sich darauf ein und ich ging zur Theke. Blonde Ärztin wäre erst am Montag wieder da. Ich fragte, wer denn dann der Stationsarzt für das Wochenende ist, und die Schwester sagte Dr. NAME…ok gut, kenne ich nicht. Ich sagte der Schwester, sie solle doch bitte Dr. NAME dann ins Zimmer X schicken, wenn sie sie erwischen würde.
Die ist grade auf Visite, das könne dauern. Toll – dachte ich mir und ging wieder mit dieser Nachricht ins Zimmer.

Schatz, immer noch angefressen und maulend, legte sich aufs Bett und schaltete stur. Ich lehnte mich an den Türrahmen und wartete auf die Stationsärztin.

Nach ca. 45 nervenaufreibenden Minuten raste sie an mir vorbei. Ich stoppte sie höflich und fragte, ob sie ein paar Minuten Zeit hätte, mein Mann hat ein paar Fragen. Sie schaute auf ihren Plan und kam mit ins Zimmer.

Sie sagte vorneweg, daß sie eigentlich hier von den Patienten nur sehr wenig Ahnung hat, sie wäre eine Vertretung. Aber vielleicht könne sie ja trotzdem helfen – welche Fragen haben sie denn?, fragte sie.

Schatz fragte, warum er denn nicht übers Wochenende nach Hause dürfe, es läge ja nichts an und ihm ginge es soweit gut. Die Ärztin (ein ganz junges Ding) fragte, wann denn die OP war..die war am Dienstag, sagte Schatz und die Ärztin erklärte ihm, daß es zu früh sei – wegen der Narbe unter anderem.

Ich sagte, man könne auch den Verband wechseln, der würde nur so da hängen und ob das mit den Haaren so gut wäre. Sie entfernte den Verband und freute sich wie gut die Naht ausieht.
Sie ging kurz raus um einen neuen Verband zu holen und ich schaute mir die Naht auch an. Sieht wirklich super aus. Kein Vergleich zu Bienschen, der sah aus wie ein Rollbraten!
Ich sagte Schatz, daß die Naht sehr schön ist, und flach und gar nicht wie bei Bienschen.

Die Ärztin kam wieder und Schatz meinte, es wäre wohl eine finanzielle Sache, daß er nicht raus dürfe. Sie stutze kurz und erklärte, daß dem nicht so sei.

Ginge es ums Geldverdienen, hätten sie ihn bereits nach der ThoraxOP entlassen und ihn dann wieder kommen lassen, wegen den Hirnmetastasen.

Solange ein Patient im Krankenhaus ist, verdienen sie nichts – solange kostet ein Patient. Erst wenn der Patient entlassen würde, könnte man Abrechnen und dann erst würde Geld fließen. Sie lachte und sagte, daß wäre nicht der Grund das er da bleiben müsse.
Sie äusserte Verständnis für seine Lage.

Sie sagte zudem noch – morgen wäre der eigentliche Stationsarzt im Haus und er wüsste auch besser bescheid über die Patienten hier auf der Station. Schatz solle morgen diesen Arzt nochmal ansprechen und vielleicht dürfe er dann für Sonntag nach Hause.

Schatz war ruhiger geworden und wir bedankten uns erstmal.

Als die Ärztin weg war, redeten wir darüber und im Verlauf des Gesrpächs habe ich raus gehört, daß er Angst hat.
Angst vor Montag – vor der Bestrahlung. Es gibt am Montag erst ein Vorgespräch und ob es auch gleich eine Bestrahlung gibt, wissen wir nicht.

Schatz wurde immer ruhiger und entspannter. Ich habe alles über Bestrahlung gelesen und erklärte ihm, daß man das nicht mit der Chemo vergleichen kann.
Schatz hat Bedenken wegen der alten Geräte mit denen Kassenpatienten behandelt werden. Ich versuchte ihn weiter zu beruhigen in dem ich sagte, daß auch die „älteren“ Geräte punktuell bestrahlen könnten. Es gäbe keine Ganzhirnbestrahlung. Er zweifelte zwar, aber sah ein, daß es mit Chemo nichts zu tun hat. Er hat Angst vor den Nebenwirkungen und dem Vorgang.
Ich erklärte ihm, daß die Nebenwirkungen nicht mit der Chemo zu vergleichen sind und jeder Mensch verträgt das anders. Manche merken nach 30 Bestrahlungen nichts und andere sofort nach der Ersten..kommt immer darauf an…

Irgendwann war er relativ entspannt und wir sind runter gegangen um einen Kaffee zu trinken. Wir saßen eine ganze Stunde im Bistro. Schatz wollte wieder hoch, er wäre müde.

Er legte sich aufs Bett und wurde ganz ruhig. Wir redeten über die Machenschaften und das System – diese 5 Tage Regel. Ich sagte, daß ich dafür zu wenig Informationen hätte um dies zu bestätigen.

5-Tage Regel deshalb: Als wir beim PET CT waren, sagte der Arzt, dass aus Abrechnungsgründen (oder so) es nun 5 Tage dauert, bis man ins Krankenhaus „darf“. Nun hatte Schatz die Idee, das sie ihn deswegen übers Wochenende behalten, weil die OP erst am Dienstag war und deswegen auch erst am Montag das mit der Bestrahlung los gehen kann. Dazwischen liegen 5 Tage…denn die hätten ja auch schon Donnerstag, oder Freitag mit der Bestrahlung anfangen können.

Wie gesagt, ich kann das nicht so beurteilen, ob dem so ist, oder ob das eine fixe Idee ist…aber es regt zum Nachdenken an. Vielleicht hat es auch nur schlicht mit der Naht am Kopf zu tun, oder weil das Gehirn natürlich auch etwas Zeit braucht, bevor es weiter strapaziert wird.

Zum Abend hin fragte ich ihn dann, wie er es jetzt weiter handbaben möchte, ob er morgen dann versuchen will zu gehen, mit Erlaubnis vom Arzt.
Ich sagte aber auch, daß er es doch aushalten und durchziehen könnte.

Als ich ging, war er so eingestellt, daß er den Sonntag eben auch noch durchziehen möchte, auch wenn er sich dazu genötigt fühlt.

Jetzt kommt die Nacht, er kann nicht schlafen, und ich weiß nicht mit welcher Laune und Begebenheit er mich morgen erwartet…

Ich will daß er nach Hause kommt – keine Frage, aber ich will das nicht unter solchen Umständen. Wenn er zu Hause ist und es passiert etwas unvorhergesehenes..was dann? Ich sagte ihm, daß er sich doch eine Schlaftablette geben lassen soll. Dann kann er wenigstens schlafen und steigert sich nicht so hinein.

Was mich auch wahnsinnig macht ist die Tatsache, daß wir nicht wissen WANN am Montag es ins andere Krankenhaus geht. Er sagt, ich soll auf jeden Fall dabei sein..aber fahre ich ins KH und dann darf ich nicht mitfahren?, oder fahre ich vor ins andere KH – aber wann wird er da sein und vorallem, welcher Eingang?
Ich will auch auf jeden Fall bei dem Vorgespräch dabei sein..er soll das nicht alleine machen. Ich weiß nicht was ich tun soll…vielleicht weiß morgen der Stationsarzt, wann er gefahren werden soll.

Ich meinte, er könne mich ja anrufen, dann käme ich zum anderen KH – aber dann bleibt die Frage, welcher Eingang und WO im KH ist das überhaupt.
Ich will nicht das er da alleine ist, ohne mich, und er will das auch nicht.

Ich sagte noch, er soll darauf bestehen das ich dabei bin, aber dann ist die Gefahr, daß sich alles wieder unnötig verzögern könnte. Das wäre auch blöd.

Es kann sein, daß wenn das hier jemand liest, sagt – stellt euch nicht so an, ist doch nicht schlimm, ist ja nur ein Vorgespräch – oder sowas..aber wer uns kennt weiß, das wir eine Seele in 2 Körpern sind und es einfach nicht geht, gerade bei solchen Dingen, getrennt zu sein.
Das verstehen die wenigstens einfach…er braucht mich, er hat Angst.

Mal sehen was morgen kommt…Sonntag..wahrscheinlich wieder nur das Gefühl alleine gelassen zu werden und alleine auf weiter (Ärzte) Flur zu stehen..

Bis dann

Was ein Affenzirkus

Ich bin heute mit einem nicht so freudigen Gefühl ins Krankenhaus gefahren. Es sollte sich auch bestätigen.
Im Zimmer angekommen, lag Schatz auf dem Bett und hatte echt schlechte Laune. Ich begrüßte ihn und sah auch gleich was Sache war. Er hatte ein T-Shirt an und ein Sweatshirt, es war kalt heute Nacht, und ich sah einen großen nassen Fleck an der Seite.
Ich sagte – och nee…echt jetzt? Und er nickte fest.

Das kann doch nicht sein, die haben den Schlauch gestern nicht gezogen! Ich fragte, was die Visite gesagt hat heute.

Also..erst haben sie gesagt, das von den angeblich kleinen Metastasen eine größere Raumforderung da ist. Er würde das Wochenende im Krankenhaus bleiben, am Montag würden sie ihn in ein anderes Krankenhaus fahren – dort gäbe es ein Vorgespräch und dann Bestrahlung vom Kopf.
Dann sagten sie noch, dass der Schlauch auf jeden Fall heute gezogen würde. Es würde jemand von der Thoraxchirurgie kommen. Bald.

Das war es dann auch schon…
Punkt 1:

Schatz war super schlecht gelaunt, weil er nochmal ein Wochenende in der Klinik bleiben soll und Montag dann ins andere KH kommt, dann wieder zurück. Nichts mit Entlassen werden *grummel*

Im Laufe des Vormittags haben wir dann darüber diskutiert, dass das alles Methode hat. Die machen alles extra um ihn da zu behalten. Sie entfernen den Schlauch extra nicht, damit er auch nicht „abhauen“ könne. Wir redeten auch darüber, dass wir mal versuchen wollen ihn nach Heidelberg zu bekommen.
Er jammerte das er raus will, er will nicht mehr im Krankenhaus sein und keiner hilft ihm, raus zu kommen…ich sagte, ich mache einen Notfall aus ihm, dann würden sie den Schlauch schneller ziehen. Das lockerte mit der Zeit die Stimmung etwas auf.

Punkt 2: Erst redeten die von „kleinen Dingern um die man sich jetzt nicht kümmern müsse“ und nun gehts am Montag schon los mit der Bestrahlung. Die größere Raumforderung läge am Gefühls- und Wissenszentrum und wenn das wächst, würde er abstumpfen und es gäbe eine Wesensveränderung. Davon hatten die am Montag aber nichts gesagt…alles nur Häppchenweise, die Informationen. Ach ja und wenn wir schon dabei sind, erwähne ich jetzt nochmal

Wir wissen immer noch nichts was mit der Lunge nun ist…Röntgenbilder sehen gut aus, toll…aber hat er jetzt einen Tumor ODER NICHT!!! Ich weiß immer noch nicht welche Klassifizierung, welches Stadium usw. Das kotzt mich so an..auf der Neuro kann ich nicht mal einen Arzt fragen – falsche Abteilung, da eben Neurologie und nicht Thorax…die könnten zwar in die Akte schauen, aber haben ja lle immer zu tun..

Man könnte denken, er hat keinen Tumor in der Lunge…der eine redet so, der andere Arzt jedoch so und ausserdem, wo kommen dann die Hirnmetastasen her?? Ich rasste bald aus!

Mittlerweile war es Mittags bzw 14 Uhr und ich sagte, ich gehe jetzt nochmal die Schwestern nerven. Ich ging an die Theke und sprach eine Schwester an und sie wusste sofort bescheid um was es ging.

Wie – es war noch niemand da?, sagte sie und sprach einen vorbei rennenden Arzt an. Dieser wusste auch bescheid und sagte zu mir, das die blonde Ärztin bereits Druck oben in der Thorax gemacht hat. Er sagte zudem noch, er sagt es ihr (blonde Ärztin) und sie wird noch mal da anrufen um Druck zu machen.

Die Schwester kam 5 Minuten später ins Zimmer und hat den Verband erstmal wieder neu gemacht. Sie hat viel mehr Mull usw verwendet, damit es eben ein bisschen länger trocken bliebe. Sie schüttelte den Kopf und sagte, dass dies ein echtes Unding wäre. Wie kann man mit Patienten nur so umgehen…und das von einer Schwester…da sah man wieder deutlich, wie in Wirklichkeit mit Menschen umgegangen wird. Ich verstehe ja, wenn die OP´s haben, oder Notfälle reinbekommen. Aber 3 Tage lang nur Versprechen und nicht kommen? Das nervt..ein Kassenpatient wird wie ein Mensch 2. Klasse behandelt. So was darf nicht sein…

Heute ist inzwischen der 3.! Tag mit dem abgesöpselten Schlauch der suppt.

Ich sagte klar und deutlich, dass sowas eine Infektion nach sich ziehen kann, und das somit auch eine Lungenentzündung provoziert werden würde. Ich sagte noch – aber das wissen SIE doch besser als ich! Abgesehen davon ist es mehr als unangenehm und überhaupt nicht tragbar.

Ich habe versucht freundlich zu bleiben, die auf der Neuro können ja nichts dafür. Aber ich war sehr bestimmt und etwas angefressen, dass konnte ich nun nicht unterdrücken. Ich habe aber vollstes Verständis bekommen..naja…

Der Nachmittag war eher lustig. Wir haben trainiert, mit dem Bettnachbar und seiner Frau gesprochen und der Tag ging schnell rum.

Gegen Abend wurde es wieder ernster und ich meinte, ich gehe heute NICHT eher weg, bis die den Scheiss Schlauch gezogen haben. Ist mir ganz egal, ob die Besuchszeit nur bis 20 Uhr geht – sollen die mich doch erstmal hier raus bekommen.

Um halb 7 Uhr ging die Tür auf und ein Thoraxchirurg kam rein, mit einer Schwester. Na endlich dachte ich mir..wurde ja mal echt Zeit!

Schatz hat sein Sweater hochgeschoben und sollte sich auf die Seite drehen. Auf einmal war er sichtlich nervös und fragte ängstlich und etwas verkrampft ob das weh tun würde. Der Arzt sagte – Nein, sie merken gar nichts.
Der Verband, der wieder durchnässt war, wurde erst entfernt, dann hat der Arzt die Nähte durch geschnitten, die den Schlauch am Körper fixiert hatten. Ich stand an seinem Bett und ich habe über seinen Arm gestreichelt, den er über seinen Kopf legen sollte.

Der Arzt sagte – Atmen sie tief ein und halten die Luft an, dann pressen. Schatz tat dies und die Schwester zog beherzt den Schlauch aus seinem Körper.
Man war der lang, 40 cm etwa.
Der Arzt sagte – normal Atmen und zog den Faden, der an seinem Körper war, fest.

Nochmal tief einatmen, Luft anhalten und pressen, sagte der Arzt – Schatz machte das mit verzerrtem Gesicht. Alles gut – sagte ich und streichelte ihm über seinen Arm. Ist schon vorbei, sagte ich.

Dann sollte Schatz ein 3. mal tief einatmen und pressen und der Arzt knotete weitere Schlingen mit der Naht. Er sagte, das ist um zu sehen ob es dicht wäre.

Neugierig fragte ich den Arzt, wie das denn sei, ob da jetzt nicht ein Loch in der Lunge ist, und wie das jetzt mit dem Atmen ist.

Er sagte, klar ist da jetzt erstmal ein „Tunnel“, aber die Muskeln würden das verschließen, alles wäre gut.

Die Schwester machte einen neuen Verband, nach einer Desinfektion, und er sollte noch 5 Minuten liegen bleiben.

Wir bedankten uns und schon war der Arzt weg. Ich meinte dann, ist ja echt Klasse…eine Sache von wenigen Minuten und da brauchen die 3 Tage um das zu machen? Na super!…

Ich fragte Schatz ob er was bemerkt hatte und er verneinte. Langsam entspannte er sich und ich sagte ihm, dass alles gut ist und er es überstanden hat.

Er ist dann aufgestanden und musste auf Toilette. Insgesamt wackelt er noch beim gehen, läuft aber schon schneller, dass ich sagte – hey mach doch langsam..Nicht so schnell, pass auf.

Er war so froh und sagte, es ginge ihm jetzt viel besser schon. Alleine das der Schlauch endlich raus ist hat schon viel bewirkt – Kopfsache.

Nach einer weiteren halben Stunde bin ich dann auch langsam los. Schatz brachte mich vor bis zur Stationstür, ist schon ein Stück Weg, und wir verabschiedeten uns.
Ich wartete noch bis er wieder in sein Zimmer gewankt war, und bin dann in den Fahrstuhl gestiegen und zum Bus.

Mich nervt es auch, dass er das Wochenende im KH bleiben soll. Ist doch alles gut bis jetzt. Warum kann er nicht übers Wochenende nach Hause?
Morgen wollen die nochmal „ein Bild“ machen…bin ja mal gespannt. Vielleicht kommt er auch wieder hoch auf die Thorax, denn soweit wie ich das sehe, ist erstmal keine Kopf OP geplant. Sonst würden die ja keine Bestrahlung einleiten.

Andererseits weiß ich ja gar nicht ob die Lunge noch aktuell ist und wie und wo und was und warum…Warum sagt keiner was..man MUSS doch den Patienten informieren…ach menno…

Bis dann

Heute eher ruhig

Wie gewohnt war ich um 11 Uhr bei meinem Schatz und als ich ins Zimmer kam, saß er an seinem Bett. Ich küsste ihn zur Begrüßung und sah gleich, hier stimmt was nicht. Wie geht es dir, fragte ich und er sagte, er hätte Kopfschmerzen – Schmerzen von der OP Narbe ausgehend. Er hätte aber Schmerzmittel bekommen. Er hat Morgens Mittags Abends Nachts eine Novalgintablette in seinen Pillenvorrat, aber die würde nicht wirken.
Ich sagte dem Pfleger bescheid und er brachte daraufhin Paracetamol. Die haben dann angeschlagen und es ging besser mit den Kopfschmerzen.

Die Drainage war nach wie vor dran und auch der Blasenkatheter. Beides sollte heute gezogen werden. Wir unterhielten uns und haben auch wieder gelästert und gelacht. Nicht so wie gestern, aber ok.

Gegen Mittag kam der Pfleger und wollte den Blasenkatheter ziehen. Vorher machte ich noch Witze, wie das von Statten geht und Schatz verzog auf lustige Weise sein Gesicht.

Der Pfleger sagte zu Schatz, auf 3 gehts los und zog den Katheter schon bei 2 raus. Es tut nicht weh, aber fühlt sich sehr komisch an, sodass Schatz sein voriges Gesicht aufsetzte und ich lachen musste. Ich sagte zu ihm, er müsse trinken. Eine halbe Stunde später kam der Pfleger wieder und fragte, ob mein Mann schon auf Toilette war. Nein war er nicht. Der Pfleger meinte, er müsse es mal versuchen und Schatz stand auf um zur Toilette zu gehen. Er wankte stark und ging sehr unsicher. Der Toilettengang funktionierte gut und der Pfelger war zufrieden.

Ich fragte Schatz wie das mit dem Gehen ist. Er sagte, es ist nicht mehr so als würde er auf Eiern laufen, er fühle sich aber unsicher.
Ist ja auch klar, er ist die letzten 3 Tage nur gelegen.

Dann haben wir Atemtraining gemacht. Das Lungentuch wollte Schatz aber nicht benutzen, denn die Drainage war irgendwie undicht und Schatz hatte Bedenken, dass es dann noch mehr suppt.
Dann fragte ich was die Visite so gesagt hat. Er meinte, die hätten nur gefragt wie es ihm geht und das die Drainage + Blasenkatheter heute gezogen würden.
Wieder nichts neues in dem Sinn..

Mittagessen kam und Schatz wollte das nicht. War auch eklig heute wieder. Es gab Kartoffeln mit Wirsing und Kasseler…ich habe es probiert und BÄH…zum Glück hatte ich heute wieder Käsebrote dabei und hatte im REWE Bananen, Himbeeren und Brombeeren gekauft.
Gierig aß er die ganze Schale Himbeeren auf, dann ein Käsebrot, dann eine Banane.
Nach dem Essen bin ich kurz runter ins Bistro und wollte mein obligatorisches Schnitzel essen. Heute gab es aber auch Lasagne, und dafür habe ich mich dann entschieden.

Wieder hoch und die Drainage war immer noch drin und keine Info wann diese endlich rauskommt.
Ich bin raus und habe eine Schwester gefragt deswegen. Sie antwortete mir, das die Ärzte noch in der OP wären und danach würden sie kommen und die Drainage entfernen.
Er hat sein ganzes Bett, sein T-Shirt und eine Menge von diesen Trockentüchern durchgeweicht. Hört sich jetzt schlimmer an, aber es hat halt getropft. Wir hatten dann die Idee, über den kurzen Schlauch eine Tüte zu machen, damit das getropfe dort aufgefangen wird. Hatte ja die Käsebrote in einer Brottüte. Rumgewickelt und mit einem Haargummi festgemacht.

Das war kurz nach Mittag..Blöderweise war es auch nass unter dem Verband und da ist die Suppe auch raus gekommen. Ich habe ihm ein Handtuch gegeben, dass er sich dann über die Drainage gelegt hat, damit das nächste T-Shirt nicht auch noch nass wird. Ist ja auch eine Keim Angelegenheit.

Geduldig warteten wir und der Tag ging seinen Lauf. Abends gegen 18 Uhr wurde es mir aber zu blöd und ich bin wieder einmal raus und wollte nun wissen, wie lange das denn nun dauert.
Die blonde Ärztin war da und ich sprach sie damit an. Ich sagte, wir warten schon den ganzen Tag und es ist für ihn sehr unangenehm und auch nicht sehr hygienisch.

Sie war sichtlich erstaunt und wollte sich das gleich ansehen. Als sie kam, war sie doch sehr erschrocken. Sie rauschte wieder raus, kam nach kurzer Zeit wieder und hat den durchnässten Verband gewechselt. Sie telefonierte mit der Thoraxchirurgie um zu fragen, ob sie die Drainage entfernen könnte. Die Thoraxch. verneinten, dass wollten die schon selbst machen. Aber alles sehr freundlich.

Nachdem der Verband gewechselt war und alles einigermaßen sterilisiert, entschuldigte sie sich und meinte, dass das ihr niemand bei der Patientenübergabe erwähnt hätte. Ich dachte mir nur so dabei – das machen die nie..die wichtigen Dinge lassen die immer unter den Tisch fallen..habe ich nun schon öfter erlebt, bei mir und bei Schatz…

Sie entschuldigte sich oft und ich glaube ihr das es ihr wirklich leid tat. Die blonde Ärztin ist sehr freundlich und bemüht. Sie fragte zudem, ob der Thorax schon geröngt wurde und ich sagte – ja heute morgen schon. Später sagte sie zu uns dann, dass alles sehr gut aussieht in der Lunge.

Kurze Zeit später kam eine Schwester um das Bett von Schatz neu zu beziehen. Auch ihr tat es leid und wiederholte, dass sowas nicht passieren darf und es nun leider passiert ist.

Schatz und ich redeten später dann darüber, dass genau DAS aber passiert, weil Krankenhäuser auf Gewinnmaximierung aus sind, und Personalabbau betreiben. Das übrige Personal ist hoffnungslos überfordert..Hauptsache auf der Homepage steht aber sowas wie:

Ethische Grundsätze werden gewahrt, Zeit für Patienten und Angehörige ist ein Muss bla bla bla…Theorie und Praxis sind 2 paar Schuhe.

Gegen halb 7 Uhr bin ich dann los und wünschte meinem Schatz noch eine gute erholsame Nacht. Und wenn was ist, soll er klingeln! Er stellt sich immer etwas an, lieber hält er Schmerzen aus usw…er nickte und sagte – ja mache ich..
Heute bekommt er auf jeden Fall die Drainage gezogen.

Es war zwar alles nass – aber es waren wirklich nur Tropfen. Schwer zu erklären. Ich hatte die Brottüte ja um das Ende vom Schlauch geknotet und es waren in der ganzen Zeit nur ca. 100 ml, wenn überhaupt in die Tüte gelaufen. Also echt nicht viel…aber wenn man da halt liegt, sind paar Tropfen doch sehr unangenehm und alles wird nass.

Zu Hause angekommen, war Post im Briefkasten. Normale Post eben, und ein Brief von der HSK an meinen Mann adressiert. Ich dachte mir HÄ, er ist doch noch in der Klinik, was schreiben die denn.

Ich machten den Brief auf und erkannte im Briefkopf, das es ein Arztbrief war an den Hausarzt. Oh nein..was steht da blos drin.

Ich nahm zitternd den Brief, faltete ihn auf und laß ihn. Ich habe ihn 2 mal gelesen und war einerseits erleichtert, andererseits enttäuscht. Komisches Gefühl irgendwie DENN

2 Seiten geschriebenes..normales Arzt bla bla wie Warum er überhaupt hin ist, Diagnosen usw…dann stand in dem Brief weiter was im Krankenhaus gemacht wurde, PET CT zB und Thoraxdrainage.

Histologie steht noch aus, danach würde weitere Therapie beschlossen bla bla bla..Das weiß ich doch schon ALLES. In dem Brief stand NICHTS neues drin.
Es steht am Ende noch drin, dass sie vorraussichtlich eine Chemo/Bestrahlungstherapie einleiten. Na und? Das sagte die uns am Anfang doch auch schon..lustigerweise ist der Brief auf den 18.06.2015 datiert. Da wussten die Ärzte ja selbst nicht mal was sich bis heute so ergeben hat.

Ist also nur ein Bericht an den Hausarzt was die letzte Woche passiert ist. Hat mir aber erstmal einen Schrecken ausgelöst. Naja nicht schlimm.

So..nun ist Blasenkatheter gezogen und ich denke mittlerweile auch die Drainage. Röntgen Lunge sieht sehr gut aus.

Morgen bei der Visite kommt hoffentlich nun endlich mal was raus, dass wir noch nicht wissen – zB wie geht es jetzt weiter…was hat die Histologie ergeben..was ist SACHE!

Sicherlich fahre ich morgen wieder etwas nervöser hin, aber ich will auch endlich bescheid wissen!

Bis dann

Endlich mal ein schöner Tag

Ob man von schönen Tagen im Krankenhaus reden kann – na ich weiß ja nicht..aber heute war einer der Tage, die man durchaus als schön bezeichnen kann.

Um 11 Uhr war ich auf der Station und ging in sein Zimmer. Auf seinem Platz lag ein ganz anderer Mann. Ich bin dann zur Theke gegangen und habe nach meinem Mann gefragt. Die Schwester wusste gleich bescheid und sagte mir, dass er noch auf Intensiv wäre, aber gleich hoch käme. Dann sagte der Stationsarzt, welcher auch an der Theke saß, dass mein Mann übers CT nach oben käme, würde halt noch dauern.

Alles klar, sagte ich, dann gehe ich nochmal runter. Die Schwester meinte – ja gehen sie spazieren, dass kann noch dauern.
Die Ärztin, mit der wir das OP Gespräch hatten, saß auch an der Theke und als ich ging sagte sie voller Fröhlichkeit, dass sie (die Ärzte) super zufrieden wären mit der OP und das alles super gelaufen wäre. Das hört sich doch gut an, dachte ich mir und freute mich offensichtlich.

Clever wie ich bin, dachte ich mir, ich gehe runter zum CT und warte dort auf meinen Schatz. Ich stellte mich auf 1 – 2 Stunden Wartezeit ein und spielte an meinem Handy. Ca. 10 Minuten später kam er aber schon mit dem Bett angefahren und freute sich mich dort zu sehen. Nach weiteren 20 Minuten kam er aus dem CT wieder raus und ich bin mit ihm gemeinsam auf die Station gefahren.

Er hat jetzt ein anderes Zimmer bekommen. Mit ihm auf dem Zimmer ist ein 80 Jähriger pensionierter evangelischer Pfarrer. Ein süßer Kerl, hört schwer seit seiner OP (die Ärzte sagen das ist normal, OP war heute) und sieht aus wie eine Mischung aus Papa Schlumpf und Konfuzius. Ein echt lieber Kerl.

Nachdem die Pfleger das Bett von Schatz richtig positioniert haben, seine Sachen aus dem anderen Zimmer geholt hatten und seine Tabletten gebracht haben, konnte ich ihn endlich richtig begrüßen.
Er war ganz vergnügt, keine Spur von Übelkeit. Im Gegenteil – er hatte Hunger! Er hat auf der Intensiv gefrühstückt. Erst ein halbes Brötchen, dann die andere Hälfte auch.
Er erzählte mir wie es ihm letzte Nacht noch so ergangen war und ich erzählte meinen Abend. Wir machten Witze darüber, dass er ja einen Blasenkatheter hat und das er immer noch deswegen sein OP Hemd anhat. Seinen Kasten hat er abgeklemmt bekommen und nach seiner Aussage, kommt der auch nicht mehr dran. Es müsse halt noch der Schlauch gezogen werden. Das sollte eigentlich heute sein. Auch der Blasenkatheter sollte heute raus.

Gestern Abend haben sie ihm einen Flutter gebracht, er muss UNBEDINGT seine Lunge trainieren. Erstens um eben zu trainieren, und auch damit er keine Lungenentzündung bekommt. Auch muss er noch abhusten – gewollt, und zwar so, das der Auswurf blutig ist. Wenn er Rosa ist, ist es gut, je dunkler um so besser aber auch. Es ist deswegen, weil dann der „Kern“ rauskäme aus der Lunge. Also tiefes Sekret, wegen der Drainage. Das ist sehr wichtig.

Er hat sich dann mehr oder weniger dran gehalten. Also er hat schon mit dem Flutter gearbeitet..so ist das nun nicht.
Wir haben sehr viel gelacht – das war ein schönes Gefühl. Er sagte mir, er denke die haben bei der OP sein „Lustigzentrum“ geöffnet, denn er hat wirklich über alles gelacht. Es lief im Fernsehen „The Big Bang Theorie“ und diese Folge haben wir schon bis zur Vergasung gesehen. Er hat aber herzlich gelacht über die Gags, als hätte er es zum erste mal gesehen. Er hat über die Fliege an der Wand gelacht! Schön!

Mitterweile war es halb 1 Uhr und das Essen wurde ausgeteilt. Schatz hat nichts bekommen, wahrscheinlich weil die dort nicht wussten wann er wieder da ist und es gab nichts für ihn.
Aber „Mutti“ ist ja schlau und ich habe auf Verdacht ihm Käsebrote mitgebracht und 2 Bananen. Er hat 2 Käsebrote gegessen und eine Banane hinterher. Ich bin dann auch für eine halbe Stunde erstmal runter ins Bistro und habe auch Mittag gegessen.

Als ich wieder oben war, haben wir dann trainiert. Er hat auf der Intensiv ein „Lungentuch“ bekommen. Das soll er sich um den Rücken legen und vorne auf der Brust über Kreuz legen. Wenn er dann hustet, soll er das Tuch festziehen, damit sich die Lunge hebt und das tiefe Sekret besser ausgeworfen werden kann.
Also habe ich das Tuch um ihn herum gelegt und er hat seine 10 Minuten mit dem Flutter trainiert und jedes mal wenn er husten musste, hat er das Tuch fest gezogen und der Auswurf war rosa. Sehr gut Schatz, dass machst du super – habe ich ihn gelobt.

Nach 5 Minuten Pause kam dann das „Voldyne“ dran. Da muss er einatmen damit das Volumen trainiert wird. Der Schieber kommt bis zur 2500 Marke. Das ist schon sehr gut! Auch da habe ich ihn gelobt, wenn er es bis dahin geschafft hat. Meistens ging es nur bis zur 2000 Markierung, manchmal auf 2250. Aber eben auch manchmal auf die 2500 Markierung.

Die Stunden verstrichen, aber es kam weder ein Arzt, noch eine Schwester (oder Pfleger) rein. Er sollte doch seine Schläuche abbekommen.
Naja, vielleicht machen die das auch später, wenn ich nicht mehr da bin. Macht nichts.

Auf der Thoraxchirurgie kamen „ständig“ Pfleger um die Ecke, aber auf dieser Station irgendwie nicht. Dabei hatte ich angenommen, dass auf der Neuro öfter mal einer vorbei kommt, da liegen schließlich die ganzen frisch operierten. Naja, wieder etwas das ich nicht verstehen muss. Den ganzen Tag über kam niemand.

Wir haben nur gealbert und gelacht. Es tat sooo gut. Gegen 17 Uhr haben wir dann nochmal trainiert. Dann kam auch schon das Abendessen.
Schatz wollte das nicht, ihm missfällt das die den Käse auf die Wurst legen und der Käse dann nach Wurst riecht und schmeckt. Er hat dann von mir die restlichen Käsebrote gegessen und die Banane. Dazu gab es Pfefferminztee.

Wir haben uns noch kurz ernster Unterhalten, weil ich sagte, dass wir seit Sonntag irgendwie keine Infomationen mehr bekommen. Wir wissen immer noch nicht – hat er jetzt Lungenkrebs, oder nicht, und wenn doch warum sagt das keiner – und wenn doch nicht, woher kommen die „Hirnmetastasen“ und dieses Thema eben.

Er sagte zu mir, ich soll auf jeden Fall darauf bestehen die Befunde und alle Bilder in Kopie zu bekommen. Das ist ja mal super klar! Ich würde am liebsten mal seine Akte lesen damit wir mal bescheid wissen. Natürlich kümmere ich mich darum, die Befunde usw in die Hand zu bekommen. Geht gar nicht anders, ich bekomme IMMER die Arztbriefe usw in die Hände. Das ist mir wichtig!

Dann haben wir noch ein bisschen uns mit dem Pfarrer und seiner Frau unterhalten und es war sehr lustig.
Kurz bevor ich gegangen bin, haben wir noch mal herzlich gelacht und ausgemacht was ich morgen alles mitbringen soll. Auf jeden Fall wieder Brote. Er würde sogar das Krankenhausessen essen, aber erst wenn er es gesehen hat. Wenn es schon „scheisse“ aussieht, isst er es auch nicht.
Klar bringe ich ihm morgen auf jeden Fall wieder was von zu Hause mit!

Ich wollte dann los und der Pfarrer sprach mich an. Er wollte mir kurz die Hand geben und als ich sie ihm gab, lobte er mich ganz lieb.
Er sagte, er fände es so schön wie ich mit meinem Mann umginge, wie herzlich und führsorglich und auch wie ich seiner Frau begegnet wäre. Auch für die Freundlichkeit und Geduld ihm gegenüber, er hört ja schwer.

Ich mache mir keine Gedanken darüber wie andere über mich denken, warum auch, er ist mein Mann und mein Leben und ich bin halt so wie ich bin. Aber wenn das jemanden anderen „auffällt“ und es so süß angemerkt wird, hat mich das schon mit Freude erfüllt. Hört man halt gerne in dem Moment.

Ich bedankte mich höflich für das schöne Lob und wünschte dem pensionierten Pfarrer alles Gute und wir würden uns ja morgen wieder sehen.

Dann bin ich los – endlich mal erfüllt von einem guten Gefühl.

Ich hoffe dass das auch so bleibt. Also nicht nur morgen, oder so, bitte eine ganze Weile. Wie das weitergeht mit Bestrahlung und was weiß ich, ist etwas an das ich heute nicht denken mag. Es hat so gut getan meine Liebe so lachen zu sehen und seine Fröhlichkeit zu erleben.
Alles Schlechte war heute so weit weg, als wäre es nicht geschehen.
Dafür Danke ich dem Kosmos!

Bis dann

P.S. Ich habe seit dem 30.06, also der Einweisung ins Krankenhaus bis heute 4 Kilo abgenommen. Ich esse zwar gefühlt die ganze Zeit, bis auf den Tag der Nachricht der Hirnmetastasen..da konnte ich nichts essen..heute morgen bemerkte ich das meine Hose irgendwie lockerer saß und ich bin auf die Waage… – 4 Kilo… Ich finde es zwar gut, da ich die letzte Zeit viel zugenommen habe, aber unter solchen Umständen ist es schon komisch…

Ein auf und ab

Bin mit gemischten Gefühlen heute morgen zu meinem Engel gefahren. Als ich dort ankam, bot sich ein Bild des Elends. Ihm war Hundeübel…so wie gestern.
Ich saß eine Weile neben seinem Bett und langsam rappelte er sich hoch. Seine MorgensTabletten hatte er genommen, aber nicht die Salztabletten. Aber eine Kochsalzinfusion hing an ihm dran und der Kasten war bei 600ml.

Es hat eine ganze Weile gedauert, aber die Übelkeit wurde besser und besser. Zumindest so, das er sitzen konnte und wir konnten uns unterhalten und haben auch gelacht. Gegen Mittag war der Tropf dann leer und der Pfleger hat ihn abgemacht. Was eine wohltat, meinte mein Schatz, das Ding ist echt nervig.
Kurz danach kam sogar ein Arzt heute vorbei, man staune. Dieser ist aber nur kurz durch alle Zimmer gehuscht und hat das nötigste gefragt. Er fragte Schatz wie es mit der Übelkeit ist, und er sagte – es geht im Moment. Dann wollte der Arzt noch wissen wie das mit dem Essen ist, und Schatz sagte, er habe „nicht viel“ gegessen“. Das war schlicht gelogen, er isst gar nichts aus dem Krankenhaus. Dann war der Arzt auch schon wieder weg.

Ihm ging es weiter besser und ich fing an ihn zu fordern. Mittlerweile ist ein kräftiger Wind aufgezogen und ich habe die Jalousie etwas gedreht, dass der Wind auch ins Zimmer kommen konnte. Es hat zwar nicht abgekühlt, aber es war deutlich angenehmer.
Er setzte sich auf den Stuhl und der Pfleger, den wir gerufen hatten, zeigte meinem Schatz wie das Inhalationsgerät funktioniert.
Brav hat er dann 10 Minuten lang mit dem Inhalator geatmet.

Nach 5 Minuten Pause, gab ich ihm den sogenannten Flutter (er sagt Flubber dazu) und weitere 10 Minuten eine Atemübung machen. In den Flutter soll er kräftig, wie es eben geht und solange wie es eben geht ausatmen. Das soll Sekret aus der Lunge lösen, nach der Inhalation mit Kochsalz.

Mehr oder weniger gut hat das funktioniert.
Ich gab ihm weitere 5 Minuten Pause nach dem Flutter und dann war das 3. Atemübungsgerät an der Reihe. Nennt sich – vergesse ich immer, auf jeden Fall muss er in dieses Teil einatmen, dass würde das Volumen in der Lunge trainieren. Brav macht er auch diese Übung.

Danach war er aber erstmal fertig. Fix und fertig. Er hustet auch ordentlich ab, was gut ist. Der Auswurf ist völlig klar – finde ich auch super. Aber es war halt anstrengend und Schatz musste sich erstmal wieder hinlegen. Kurz Zeit später wurde es ihm wieder Speiübel.

Ich sagte ihm, wie stolz ich auf ihn bin und er sagte, dass wir das gemeinsam morgen wieder machen. Er soll das eigentlich 6x am Tag machen, hat es aber heute das erste mal „richtig“ gemacht. Die letzten Tage war er auch schlicht nicht in der Lage dazu.

Der Pfleger freute sich auch, dass ich meinen Mann so antreibe. Es ist schließlich auch wichtig, die Lunge zu trainieren.

Ich sagte ihm noch mal wie ich Stolz auf ihn bin, denn heute ist auch der 6. Tag RAUCHFREI..keine Zigaretten mehr..

Ich ließ ihn ein bisschen schlafen und ging runter an den Kiosk mir ein Eis holen.

Als ich wieder auf seinem Zimmer war, es war mittlerweile schon 5 Uhr, war er wieder „fit“ genug um duschen zu gehen. Vorher hatten wir das mit dem Pfleger abgesprochen, ob er überhaupt duschen darf. Ja er darf, mit Einschränkung. Ja klar, weiß ich doch, der Verband usw darf nicht nass werden.

Die Dusche ist zum Glück direkt neben dem Zimmer und so musste mein Schatz nicht weit laufen. Er ist so schwach auf den Beinen, es ist ein schreckliches Bild.

In der Dusche angekommen, habe ich ihn erstmal vorsichtig ausgezogen und er setzte sich auf einen Stuhl. Über dem Waschbecken habe ich ihm seine Haare gewaschen. Dann den Oberkörper mit einem Waschlappen und Duschzeugs gewaschen, dann kam der leichteste Teil.

Unterhalb der Hüfte durfte ich ihn abbrausen. Also nass gemacht, ordentlich gewaschen, dann abbrausen. Natürlich haben wir auch Witze gemacht, die ich lieber für mich behalte. *lach*

Abtrocknen und wieder anziehen. In der Dusche waren es bestimmt 60 Grad, mir ist die Brühe gelaufen und es war heiss und stickig. Als wir aus der Dusche rauskamen, war es einfach nur herrlich – wie angenehm doch 35 Grad sein können…
Der Pfleger grinste mich an und fragte: Na, hats geklappt? Aber klar – sagte ich und zwinkerte den Pfleger an.

Nach einer halben Stunde es Abkühlens meinerseits bin ich dann auch zum Bus und nach Hause gefahren.

Die Übelkeit kam heute Schubweise, also diese heftige. Schlecht war ihm eigentlich die ganze Zeit über, aber mal mehr – mal weniger erträglich eben.
Die Salztabletten sind zwar jedes mal drin, aber er weigert sich wehement diese zu nehmen. Ich bin erstmal dafür.

Damit er aber sein Natrium im Blut erhöht, habe ich ihm heute (gestern auch schon) 2 Powerade Sport Drinks mit gebracht, die er gut verträgt. Das ist ein Sportlergetränk, Isotonisch für die Elektrolyte..kennt glaub ich jeder, kann man überall kaufen. Da ist zwar auch Salz drin, aber das verträgt er besser als diese Salztabletten. Ausserdem hatte ich eine Flasche Wasser von Hause mit gebracht, dass schmeckt ihm halt auch besser. Auch eine Banane hatte ich dabei um zu sehen, ob der diese essen würde. Er hat. Ich bringe ihm morgen wieder eine bzw 2 Bananen mit und ich mache ihm Käsebrote..NICHT aus der Klinik, von zu Hause.

Das isst er wenigstens! Geht nicht, dass er gar nichts isst…nicht bei dem Wetter und nicht bei seiner Verfassung! Er freut sich schon drauf.
Auch die Novalgintropfen verweigert er; er hat ja schließlich keine Schmerzen. Aber ständig stellen die Schwestern und Pfleger ihm Novalgin hin…naja..muss ich nichts zu sagen…

Morgen soll vielleicht dann auch der Schlauch gestöpselt werden und vielleicht auch MRT. Morgen ist ja wieder Arbeitswoche und ich bin gespannt, was die Visite sagt, der Befund aus der Pathologie ergeben hat, und überhaupt.

Bis dann

Irgendetwas stimmt hier nicht…

Als ich heute in Krankenhaus kam, sah mein Schatz nicht gut aus. Klar ist es wahnsinnig heiss, er kann nicht schlafen und es ist sowieso alles scheisse.

Ihm wäre die ganze Zeit gestern schlecht gewesen und als Abends die Ärztin nochmal kam, und er es ihr sagte, meinte sie nur lapidar: „Das ist nicht normal.“ Ach wirklich, dachte ich mir – was eine dumme Aussage. Sie ist deshalb dumm, weil mein Mann ja was gegen die Übelkeit bekommt, es aber nicht wirkt! Im Gegenteil, ihm ist danach NOCH schlechter…

Jetzt haben wir heute Samstag, und da ist sowieso KEIN Arzt zugegen und die Pfleger und Schwestern können ihm nur das geben, was er die ganze Zeit bekommt.
Der Kracher ist, sie fragte dann noch nach, ob er mal ein Magengeschwür hatte.. WIE BITTE???? Das haben wir im Vorgespräch ausführlich diskutiert, dass er ein Magengeschwür gehabt hat, was vollständig ausgeheilt ist…er hatte das Mitte April und 7 Wochen später hat die Magenspiegelung ergeben, das es ausgeheilt ist…dann sagte er noch, er hätte ja Epilepsie, weswegen er bestimmte Medis bekommt.

Achja..war die Antwort..er sagte, in dieser Klinik (wo er jetzt ist) wäre er auch damals vor einem Jahr eingeliefert und behandel worden.

Oh – da müsse sie mal nachforschen…wieso füllen wir eigentlich ständig irgendwelche Fragebögen aus, wenn die keiner liest?? Der Ärztin wurde es ein bisschen peinlich zu fragen..sie kann ja nicht wirklich was dafür, wenn der „Spezialist“ seine Arbeit (Dokumention Patient) nicht richtig macht…

Das mit der Epilepsie kann ich ja noch verstehen irgendwo..aber das mit dem Magengeschwür? Das war VOR 2 WOCHEN das Vorgespräch und die wissen nichts davon! Typisch eben…absolut typisch! Da weiß die rechte Hand wieder nicht, was die linke Hand macht.

Es geht halt darum, dass er erstens nichts isst, und 2. wenn er was isst, es direkt wieder erbricht. Ich habe ihm heute Weintrauben gebracht und die hat er auch wieder erbrochen.

Blutdruck und Puls ist aber völlig normal. Ich hatte gestern Abend den Gedanken, wenn er nun keinen Lungenkrebs hat, aber alle Symptome von Krebs, und ihm STÄNDIG (heute ganz schlimm) schlecht und richtig übel ist – vielleicht ist es ein Hirntumor..nicht auszudenken!

Und heute sagte mein Schatz mir, dass die Ärztin aufgrund der Übelkeit doch noch ein MRT vom Kopf machen will…heul…wir fallen von einer schlechten Nachricht in die nächste!

Im Laufe des Vormittags gings ihm erst zusehend besser. Wir haben viel geredet, Witze gemacht und gelacht. Er hing am Kochsalz, da er schlecht trinkt. Das Wasser da schmeckt auch echt eklig. Damit er aber nicht austrocknet, gibt es halt Infusion. Es nervt ihn, aber das ist schon gut so.

Gegen Mittag war diese leer und wurde abgemacht. Dann nahm er seine „Mittagstablette“ und wieder 2 Salztabletten. Etwa eine halbe Stunde später war er nicht mehr wieder zu erkennen. Ihm war speiübel und er hat sich auch übergeben müssen, und das heftig.

Der Pfleger kam und hat ihm wieder etwas gegen die Übelkeit gegeben, was natürlich nicht gewirkt hat. Ihm war nur noch schlecht.

Schmerzen hat er kaum, und er nimmt deswegen seine Iboprofen nicht, die er Morgens Mittags Abends Nachts in der Tablettendose liegen hat. Brauch er halt nicht. Zwischendurch bekommt er aber ständig Novalgin. Der Pfleger merkte dann an, das Novalgin auch sein zu lassen, um den Magen mal zu beruhigen. Läge vielleicht daran. Wenn die Schmerzen stärker werden sollten, muss er es sagen. Ist ja ok so.

Eine Stunde später, also nach dem Schichtwechsel, kam eine Schwester und stellte ihm jedoch aber wieder Novalgintropfen hin! Reden die nicht, wenn die Schichtwechsel machen? Was soll denn der Scheiß!

Er wird mit Schmerzmittel zugeschüttet und dann wundern sich die Leute, dass es ihm speiübel ist. Naja..wenn es auch daran liegt..

Ausserdem ist der Schlauch nicht ab. Das Wasser aus der Lunge ist wieder mehr geworden. Als ich kam, waren in dem Kasten schon 300ml drin und als ich ging, waren es über 400ml. Morgen vielleicht kommt der ab – sagen die Pfleger, vielleicht auch erst Montag.

Ich meinte zu meinem Schatz, dass das sicherlich nicht normal sein kann. Ausserdem wie soll es eigentlich dann weitergehen? Das Wasser ist aus der Lunge draussen und dann? Man muss doch auch nach der Ursache schauen! Sind es die Nieren?, oder ein schwaches Herz? Irgendeinen Grund muss doch was Wasser in der Lunge haben! Ich bemerkte das deswegen, weil er bekommt alle Tabletten die er auch zu Hause bekommt, nur morgens ist eine kleine weiße Tablette noch dabei, sonst nichts weiter..abgesehen von den Salztabletten, die er auch morgens und mittags bekommt. Heute waren für Abends keine drin.

Es war richtig heiss heute, und mein Schatz hat sich seine Jogginghose ausgezogen. Ich habe ihn heute mehrmals mit einem nassen Waschlappen abgerieben und dann mit dem Lappen gewedelt. Mein Mann ist ein Hitzeknödel, ihm ist sowieso immer heiss.
Deswegen ist das Wetter zusätzlich zu seiner Verfassung, ganz schlimm.

Das Wedeln und abreiben hat wenigstens für ein paar Minuten etwas Kühle gebracht. Ich habe heute wieder richtig Angst um ihn. Zum Abendessen, habe ich dem Pfleger gesagt, soll er einen Pfefferminztee bekommen, keinen Schwarztee. Der tut dem Magen nicht gut.

Pfefferminztee hingegen beruhigt den Magen und wenn der Tee kalt ist, kühlt er auch von innen. Als das Abendessen kam, habe ich mich auf den Weg nach Hause gemacht. Ich habe ein schlechtes Gefühl. Morgen ist erst Sonntag…da geht ja noch weniger ab als heute, und ihm ist so schlecht. Er kann und will nichts essen, wie soll er zu kräften kommen?

Die Mittel gegen Übelkeit wirken nicht, und es scheint dort auch nichts anderes zu geben. Als gäbe es nur EIN Mittel gegen Übelkeit!

Eben kommt ganz schön Wind auf und ich hoffe, dass es ein wenig abkühlt, wenn das angekündigte Gewitter kommt. Dann geht es ihm von daher schon besser, wenn es ihm nicht so unendlich heiss ist.

Schlimm für mich war, dass er heute Nachmittag ständig gejammert hat, das er nicht mehr kann. Die Übelkeit ist so immens, er kann wirklich nicht mehr. Und ich kann ihm nicht helfen..ich hoffe so sehr, dass er die Nacht einigermaßen gut übersteht und ich ihn morgen sehen kann. Hoffentlich klingelt mein Handy heute nicht.

Warum „forschen“ die nicht nach, warum er überhaupt Wasser in der Lunge hat?! Verstehe ich nicht…

Er hasst das Krankenhaus und die Ärzte dort. Alles Idioten, die nichts drauf haben – ausserdem hören die nicht zu! Er muss ständig das gleiche erzählen, und das den gleichen Personen. Die hören einfach nicht zu!
Schatz wartet morgens immer bis ich komme. Ich soll dann seine Tabletten checken, was das für welche sind. Er traut den Ärzten nicht (mehr).

Ich weiß ja was er bekommt, und die Tabletten von denen ich nichts weiß, gebe ich ihm selbstverständlich trotzdem. Ist ja bis jetzt auch nur diese kleine weiße Tablette + Salztabletten. Die Salztabletten will er nicht mehr nehmen. Ihm wird kotzübel nach den Salztabletten…warum auch immer, es ist ja eigentlich nur Kochsalz.

Keine Ahnung was sein Körper gerade für Spielchen macht, aber es macht mir Sorgen. Irgendetwas stimmt hier nicht…

Bis dann

Die Hitze ist unerträglich

und im Krankenhaus ist es noch schlimmer. Fenster sind offen, Jalousien unten – bringt alles nichts..es ist so verdammt heiss und morgen soll es bei uns in der Gegend sogar bis 40 Grad werden.

Die letzten 2 Tage höre ich nur Sirenen von den Rettungswagen, weil die Menschen das nicht verkraften.

Meinem Mann und mir ist die Hitze auch zu viel. Vorallem meinem Schatz.

Heute morgen kam ich in sein Zimmer und er saß auf dem Bett. Er strahlte mich an und freute sich mich zu sehen. Ich frage ihn gleich was es neues gibt und neigte den Kopf, das ich schon wieder schlimmes annahm.
Er sagte, das der Schlauch heute nicht abgestöpselt wird, sondern morgen. Das Wasser ist deutlich weniger geworden. Heute Nacht beim Wechsel des Kastens waren es „nur“ noch 600 ml. Als ich heute zu ihm kam, waren knapp 100 ml drin, also nur eine Pfütze, und es ist auch im ganzen Tag nicht wesentlich mehr geworden. Als ich ging, waren es 200 ml…das Wasser ist also soweit aus der Lunge raus.

Der Schlauch wird dann abgestöpselt, aber der Port und das Verbindungsstück bleiben noch dran. Am Montag gibt es erstmal wieder ein neues Röntgenbild und dann eventuell wird auch der Port abgemacht. Wie das gehen soll – keine Ahnung. Wird das wieder „rausoperiert“?, oder zieht man da einfach dran? Ich weiß es nicht.

Gegen Mittag sind wir ins Bistro gegangen. Das ging ganz gut, obwohl er immer noch sehr schwach ist und wackelig auf den Beinen.
Er isst ja auch nichts und hat noch weiter abgenommen. Sein Gesicht ist ganz schmal geworden.
Er mag das Krankenhaus Essen nicht essen, ist ja auch ekelhaft, aber er isst auch sonst nichts. Das macht mir Sorgen.
Er isst ein halbes Butterbrötchen zum Frühstück und einen Kaffee. Mittagessen bäh, Abendessen bäh. Heute morgen hat er ein bisschen was erbrochen und da war was „seltsames“ dabei.

Er hat es aufgehoben um es mir zu zeigen. Ich bin ja absolut schmerzfrei bei solchen Dingen und habe es mir angesehen, sein Erbrochenes in der Nierenschale.
Ich gehe jetzt nicht ins Detail. Das Seltsame, was mein Schatz meinte, war eine weiße, feste „Kugel“ und er fragte mich besorgt was das sei.
Ich sagte – das ist Ei. Es sieht so aus und hat die Konsistenz. Ich fragte ihn, ob er denn auch Ei gegessen hat. Er überlegte kurz und meinte dann, er hätte gestern zum Abendessen was mit Ei bekommen. Er hat es probiert und es war bäh.

Da hat er das kleine Stück Ei wieder erbrochen.
Wir sind wie gesagt dann runter ins Bistro, und ich wollte das er was isst. Die Schnitzel sind ganz lecker, auch die Frikadellen. Ausserdem haben die Ofenkartoffeln mit Kräuterquark. Er muss was essen! Wie soll er sonst zu kräften kommen?

Er wollte aber partout nicht und hat nur einen Kaffee getrunken. Nach einer dreiviertel Stunde wollte er wieder hoch aufs Zimmer, ihm wäre schlecht.

Wir sind dann wieder hoch und er legte sich aufs Bett. Du musst wenigstens genug trinken, sagte ich. Gerade bei der Hitze. Vielleicht ist dir deswegen auch so schlecht, du isst nichts, und du trinkst zu wenig, sagte ich besorgt.

Ihm wurde immer schlechter. Er quälte sich und es war so unendlich heiss. Ich habe einen Waschlappen genommen und den unter kaltes Wasser gehalten. Mit dem nassen Waschlappen habe ich ihn an den Armen und im Gesicht etwas abgerieben, wenigtens eine kurze Abkühlung.

Irgendwann kam mal ein Pfleger um nach dem Rechten zu sehen. Ich sagte ihm, meinem Mann geht es sehr schlecht..Übelkeit, kurz vor dem Erbrechen.

Der Pflger hat erstmal den Blutdruck gemessen, der war ok soweit. Dann ist er kurz weg und hat was gegen die Übelkeit geholt. Ein kleines Düppchen mit einer braunen Flüssigkeit drin. Ich roch dran und es hat fast wie Kräuterschnaps gerochen.

Mein Schatz trank das. Eine viertel Stunde später wurde ihm noch schlechter. Der Pfleger kam wieder und ich teilte ihm das mit.
Der Pfleger meinte, seine Mittel wären damit schon erschöpft und er sagt einem Assistensarzt bescheid.

Dieser kam nach einer halben Stunde etwa und legte eine neuen Braunüle. Die andere, die er die ganzen Tage hatte, wurde heute morgen rausgemacht.

Der Arzt sagte, so hätten wir mehr Möglichkeiten was gegen die Übelkeit zu tun und hing ein kleines Fläschen an. Darauf stand: Isotonische Kochsalzlösung. Das soll gegen Übelkeit helfen? Na mal sehen.

Kurz wurde es tatsächlich besser, aber nur kurz. Der Arzt bemerkte, dass mein Liebling seine Salztabletten vom Mittag nicht genommen hat. Er solle die unbedingt nehmen, denn sein Nitratgehalt im Blut sei zu niedrig.

Also nahm mein Schatz die Salztabletten. Kochsalz in Tablettenform.

20 Minuten später, es war bereits nach 16 Uhr, wurde es meinem Baby richtig schlecht. Er stand auf, wankte auf die Toilette und musste sich heftig übergeben.
Als der Pfleger dann kam, sagten wir das und er schaute etwas … nicht direkt besorgt, eher ein wenig Ratlos.

Aber meinem Schatz ging es schlagartig gut. Keine Übelkeit und er hat besser ausgesehen. Irgendwie verträgt er die Salztabletten nicht..zumindest meine Vermutung, denn jedesmal wenn er die nimmt, wird ihm speiübel..komisch…

Ich blieb noch eine Weile um mich zu vergewissern, dass es ihm wirklich besser ging. Ich konnte doch nicht nach Hause fahren, mit dem Wissen, wie er beinander ist. Ich hätte die Nacht nicht schlafen können. Kann ich so auch schlecht, aber das wäre für mein Kopfkino nun wirklich nichts gewesen.
Ich habe sowieso ständig Angst, wenn ich zu Hause bin, dass mein Handy klingelt und das Krankenhaus ist dran…

Morgen kommt das lange Wochenende. Da geht ja im Krankenhaus gar nichts ab, keine Untersuchung, kein gar nichts. Am Montag sind dann auch bestimmt die Befunde aus der Pathologie da. Ich kann es nicht erwarten diese zu hören, und gleichtzeitig habe ich riesen Angst davor.

Hat er nun Krebs, oder nicht! Ich weiß, ich soll mich nicht verrückt machen, aber das ist leichter gesagt, als getan.

Dieses Wechselspiel von Krebs, dann doch nicht, vielleicht aber doch macht mich fertig. Warum machen die das…macht das denen Spaß? Mit Menschen so umzugehen? Naja…

Bis dann