Viel gegessen

Gestern morgen, als wir aus einer schwülen Nacht erwachten, hat Schatz sehr wach ausgesehen. Seine Augen waren weit offen. Er wollte Kaffee und frühstück. Ich habe ihm Käesbrot gemacht, dazu ein paar Brombeeren und Erdbeeren. Er hat alles aufgegessen.

Ich musste in die Stadt gestern, ein paar Erledigungen machen und Schatz sagte, er wolle mit! Ein bisschen skeptisch war ich schon, aber ich freute mich auch, daß er sich bewegen will!

Ich sagte, daß es aber eine große Runde wäre. Post, Bank, DM und Deichmann. Schatz wollte FlipFlops haben. Sehr verwunderlich, er zieht solche Schuhe NIE an – aber er sagt, er brauche Schlappen um einen sicheren Halt zu bekommen. Er läuft sehr unsicher wieder.
Wir gingen also los. Bei jeder Sitzgelegenheit mussten wir eine Pause machen.

Er kann ca. 20 Meter laufen, dann muss er eine Pause machen. So haben wir dann bei jeder Gelegenheit eine Pause gemacht. Sei es auf einer Bank, einen Steinpoller, oder eine Treppe.
Ich brauche runter zu mir in die Innenstadt 10 Minuten, wenn ich gemütlich gehe – wir haben 40 Minuten gebraucht. Nicht schlimm.
Was er und ich bemerkten war zudem, es ist nicht nur die Luft die fehlt, sondern auch sein linkes Bein will nicht so gehorchen wie es sein soll. Er schleift es manchmal nach – hat Angst einzuknicken.

Ich schmiss dann kurzerhand meine Runde über Board und wir gingen nur zum Deichman bzw ich. Der Deichmann war noch ein ganzes Stück entfernt und Schatz konnte nicht mehr. Er saß auf eine Bank im Schatten und ich flitze schnell zum Deichmann, fand ein paar schöne Flippis und flitzte wieder zurück.

Bei Schatz angekommen, zog er sich seine Schuhe aus und zog die FlipFlops an. Wir sind noch eine Weile dort gesessen und dann weiter zur nächsten Sitzgelegenheit. Die war gegenüber von Nordsee – so ein Fisch-Schnell-Restaurant.
Ich fragte Schatz, ob er denn was Essen möchte und meinte, ich könnte uns eine Garnelenbox holen. Schatz willigte ein und wir haben dann eine echt leckere Garnelenbox gegessen.

Dann auf Richtung Bus – Ca. 50 Meter entfernt. Mit einem Zwischenstopp im Stehen, ging das einigermaßen.
Zu Hause angekommen – gleich in den Garten. Ich habe eine Wanne mit Wasser gefüllt und Schatz hat seine Füße da rein getan. Herrlich erfrischend bei dem Wetter derzeit.

Wir haben den ganzen Nachmittag nur gegammelt und es uns gut gehen lassen. Ich habe Weintrauben und Salzstangen auf dem Tisch gestellt und Schatz hat ordentlich zugegriffen..also für seine Verhältnisse.
Oft ist es ja so, daß wenn der Krebs den Körper schon auszehrt, die meisten keinen Hunger/Appetit mehr haben. Das ist zum Glück bis jetzt bei Schatz anders – er hat Hunger.

Gegen 19 Uhr sind wir dann wieder ins Haus. Er wollte Abendessen, also habe ich gekocht. Es gab Pellkartoffeln mit Makrelenfilet und gebratenen Chinakohl.

Er hat eine mittelgroße Kartoffel gegessen, und den Fisch (war nicht sehr groß) und eine gute Portion Chinakohl. Fand ich echt gut.
Später habe ich noch einen Obstsalat gemacht, den Schatz zur Hälfte gegessen hat.
Alles im Allem hat er gestern gut gegessen!

Die Nacht war heiss und wir haben beide in unserem eigenen Saft geschmort.
Als er heute morgen die Augen geöffnet hat, fragte ich ihn wie es ihm geht. Mir geht es richtig gut – sagte er.

Er wollte heute wieder in die Stadt laufen und dann mit mir frühstücken gehen. Ok cool – sagte ich.
Auch wollte er duschen gehen – alleine. Er schleppte sich ins Bad und ich sagte, wenn was ist – rufe mich.

Ich hörte wie die Dusche anging und alles war gut eigentlich. Dann rief mich Schatz zu sich und sagte – bis hier hin und nicht weiter. Er stand tropfnass in der Dusche und klammerte sich an der Kabine fest. Och mensch…
Ich schnappte mir ein Handtuch und trocknete ihn ab. Seine Haare hatte ich zuvor hochgebunden, denn Kopf waschen ist nicht so – wegen der OP Naht noch. Haare müssen wir extra waschen.

Aber das ging nicht, er war total geschafft und legte sich auf die Couch. Eine halbe Stunde später konnten wir dann seine Haare waschen.
Er ist einigermaßen gut gelaunt jetzt, aber fix und fertig.

Ich kann nicht sagen, was heute noch passiert – aber werde es morgen hier schreiben.

Irgenwie muss ich ALLE meine Einträge hier – und ich meine alle, in einen anderen Blog transverieren, denn Blog.de schließt im Dezember. Das ist schon blöd insofern, daß ich diesen Blog schon einige Jahre führe und alle meine Erinnerungen hier festgehalten sind…

Bis dann

Plattenepithelkarzinom (nicht – Kleinzellig)

Das steht so im Entlassungsbericht…

Um kurz nach 9 Uhr rief mich Schatz an, er würde gleich abgeholt werden um dann in das andere Krankenhaus gebracht zu werden.
Wir sagten – ok bis gleich – und er wollte mich dann noch mal anrufen, wo er dann wäre.

Ich bin dann auch Richtung KH gefahren um ihn dort „abzufangen“. Gegen halb 10 Uhr war ich da und wartete erst kurz. Dann bin ich rein und zur Strahlentherapie Abteilung gegangen. Dort war er nicht bzw dort sah ich ihn nicht. Also bin ich wieder raus, weil ich „da unten“ keinen Handyempfang hatte.
Nach einer Stunde ca. rief ich ihn an und sein Handy war aus…ich schrieb dann eine SMS, die kommt meist durch. Aber erst machte ich mir Gedanken, warum sein Handy aus war.

Nachdem ich die SMS geschrieben hatte, klingelte mein Handy und irgendeine Nummer erschien auf dem Display. Ich ging ran und eine nette Stimme sagte mir, sie würde mir meinen Mann geben. Schatz war dran und fragte wo ich wäre. Ich bin am Haupteingang – bin aber in 2 Minuten da, sagte ich und flitzte los.
In der ST Abteilung angekommen, stand er bereits am Eingang mit Sack und Pack. Ungläubig fragte ich, ob er schön länger da sei bzw ob er jetzt gehen dürfe. Er bejahte beides.

Wir umarmten und begrüßten uns dann.

Er erzählte mir was in dem Vorgespräch besprochen wurde. Risiken, Nebenwirkungen und das am Donnerstag die Gesichtsmaske angefertigt wird und der Strahlenwinkel eingestellt und angepasst werden würde. Das alles dauert ca. 45 Minuten.
Am 22. ginge dann die erste Bestrahlung los. Die Strahlentherapie soll dann eigentlich jeden Tag sein – Montag bis Freitag – und das 5 Wochen lang.
Danach solle er sich wieder in der Klinik (wo er die ganze Zeit war) melden, dann würden sie mit der Chemo beginnen. In dem Brief steht drin, was für ein Chemo-Medikament…

In dem Brief, den ich zu Hause dann gelesen hatte, steht eine Menge drin. Ich muss mir den aber nochmal in Ruhe durch lesen, denn teilweise widerspricht dieser sich.
So steht in einem Brief drin – Plattenepithelkarzinom und auf einem anderen Brief bezg. der Metastasen, das kein Primärtumor gefunden wurde.

Aber bevor ich hier auch ein durcheinander veranstalte, pfücke ich die Briefe erstmal auseinander und werde darüber morgen dann meinen Beitrag verfassen.

Auf der ganz letzten Seite stehen so Sachen wie zB

Studienempfehlung: NEIN (finde ich ne Sauerei, möchte gerne mal die Kriterien dazu wissen) Weiterbehandlung in KH: JA

und solche Sachen.

Das Schlimmste war jedoch der Punkt:

Behandlungsziel: palliativ

Ich wusste es ja die ganze Zeit schon..die Ärzte sprachen zu jeder Zeit, daß es keine Heilung gäbe. Aber es so schwarz auf weiß zu lesen ist was anderes.

Mein ganzer Kopf schreit innerlich ganz laut: Du weiß daß er stirbt – du weißt das! ER STIRBT!
Eine kleine zarte Stimme sagt aber immer – nur weil die Ärzte das sagen? Es gibt so viele Menschen die aufgegeben wurden, oder als „austherapiert“ gelten und die haben den Krebs besiegt bzw so unter Kontrolle, daß sie ein normales Leben führen können. Es gibt Möglickeiten!!!

Mehr als nur die 3 „Möglichkeiten“ der Schulmedizin – Operieren, Bestrahlen, Chemovergiftung!

Er sagte mir, daß er das alles nicht will. Er will die Bestrahlung nicht und schon gar nicht die Chemo. Ich sagte ihm, daß es natürlich seine Entscheidung ist.
Ich sagte – gebe nicht auf und Informiere dich dann. Er meint, ich solle ihm keine Vorschriften machen. Ich verstehe das ihm das so vorkommt.

Er hatte das Vorgespräch alleine und er sagt mir nicht alles was da besprochen wurde, denke ich. Er lässt mich grade nicht an ihn ran, aber nimmt bereitwillig die Aprikosenkerne und auch den Obstsalat, den ich ihm zu Essen gab – an.

Er liegt auf der Couch und schläft ein bisschen. Es ist klar, daß er sich erstmal jetzt damit selbst richtig auseinander setzen muss. Auch wird er sich informieren und alle Möglichkeiten recherchieren und auswerten. Aber heute ist er erstmal in seinem Schneckenhaus.

Er ist heute, mehr als sonst, niedergeschlagen. Wenn die Ärzte doch schon wussten, das es ein Plattenepithelkarzinom ist, warum mussten wir das dann über den Entlassungsbrief erfahren? Warum haben die es uns nicht schon vorher gesagt? Ziehen sich wieder fein raus…

Er redet die ganze Zeit, daß doch eh alles egal ist. Nur für mich täte es ihm leid. Ich sage dann, gebe doch nicht auf! Er sagt dann wieder – mache mir keine Vorschriften und diskutier nicht mit mir.

Er will die Zeit die ihm noch bleibt, so bestimmen wie er es will! Er will nicht dahinsiechen, damit die Statistiken stimmen und die Ärzte wieder ein Patienten tot-therapiert haben und sich dabei noch im Recht fühlen. Ich gebe ihm da Recht. Wenn seine Entscheidung ist, nicht den Weg der Schulmedizin zugehen, stehe ich hinter ihm…selbstverständlich…ich gehe jeden Weg mit ihm.

Die Ärzte schaffen es aber auch, einen richtig nieder zu reden und daß alles aussichtslos ist…entgegen ihrem Arztgelöbnis! Krebs kann geheilt werden – aber nicht, wenn die Pharmamafia ihre Daumen drauf hält.

Es werden mit Sicherheit noch Gespräche kommen…vielleicht schaffen wir es, vielleicht schaffe ich es – vielleicht schafft er es bei sich selbst, den Kampfeswillen zu erwecken. Es gibt Möglichkeiten! Auch jetzt!

Die Stimme in meinem Kopf schreit – er stirbt, er hat nur noch wenige Wochen, oder Monate…

Ich sage mir selbst – solange er nicht Tod ist, kann man kämpfen.

Die Stimme in meinem Kopf drängt ein Gefühl in mir hoch – das Gefühl, daß es aussichtslos ist…

Krebs ist dermaßen stigmatisiert, daß es schwer ist sich abzuwenden und an was anderes zu denken – an Heilung.

Danke Pharmamafia…!

Bis dann

Er kommt morgen nach Hause

Weil heute Sonntag ist, bin ich auch früher in die Klinik. Ich sollte anrufen, wenn ich da bin, und das tat ich. Schatz wollte runterkommen und ich freute mich darüber, daß er laufen will. Sein Gang wird immer sicherer.

Wir begrüßten uns und haben uns erstmal draussen hingesetzt. Es war nicht so warm und es war sehr angenehm im Halbschatten zu sitzen. Wir unterhielten uns über belanglose Sachen und alles war gut.

Wir wollten dann noch einen Kaffee trinken und gingen ins Bistro. Ich holte uns einen Kaffee und saßen dort gemütlich. Er fing wieder dann übellaunig zu werden. Ich versuchte ihm positive Gedanken einzureden und sagte – morgen fährst du ja in das andere Krankenhaus und wer weiß, du kannst dann am Dienstag bestimmt nach Hause.

Er fuhr mich harsch an und sagte, daß ich das doch selbst nicht glauben würde. Er warf mit vor, ich würde nicht zuhören und er würde an mir ständig vorbeireden.
Erschrocken sah ich ihn an und sagte leise, etwas beleidigt auch, daß dies nicht stimmen würde.

Er erklärte mir, daß ein Rädchen ins andere übergeht und er nicht mehr aus der Maschinerie raus käme und ich mich immer mehr auf die Seite der Ärzte dort stellen würde, zu denen er absolut kein Vertrauen hat.

Ich hörte mir das an und dann ist mir der Kragen geplatzt!

Ich fauchte ihn an und sagte – das sie dir das Ding aus dem Kopf geholt haben war doch Gut und Notwendig, sonst wärst du in ein paar Wochen gestorben..oder war das dein Plan gewesen??

Er meinte dann, warum ich es verhindert hätte, daß er einfach gehen wollte.

Ich sagte – das geht halt einfach nicht! Es ist ja egal, ob dem Krankenhaus Konsequenzen drohen, aber was ist wenn die Krankenkasse sagt, sie würden unter diesen Umständen die bisherige Behandlung nicht mehr bezahlen und DU musst das dann auf eigene Rechnung zahlen? (Unabhäbgig davon ob das überhaupt stimmt, sagte ich das, es platze aus mir raus) und hast du denn 40.000 Euro?? Ich habe sie nicht! (Zahl einfach aus der Luft gegriffen)

Er schaute mich böse an und sagte nichts.

Ich schob hinterher – du hättest JEDERZEIT alles abbrechen können, Ärzte sind schließlich nur Dienstleister. Es ist immer und zu jederzeit DEINE Entscheidung ob du dich behandeln lassen willst, oder eben nicht. Sie zwingen dich zu garnichts, auch wenn du irgendeinen Wisch unterschrieben hast..und wenn ich sage, du kommst am Dienstag vielleicht nach Hause, dann versuche ich dir nur einen positiven Gedanken zu pflanzen! Aber hier zu meckern und mich ständig anzublaffen ist ja auch viel einfacher!

Mir tat es weh so zu reden, aber ich hatte in dem Moment einfach genug..

Der Kaffee war alle und wir wollten dann hoch aufs Zimmer. Ich brachte die Tassen in den Abräumwagen und ging zurück zu Schatz.
Er nahm mich in den Arm und drückte mich ganz feste. Ich streichelte über seinen Rücken und hielt ihn auch ganz feste. Wir standen minutenlang so mitten im Bistro.
Er sagte zu mir – es täte ihm alles so leid. Wie er mit mir spricht, daß ich alles abbekomme und er weiß auch, daß es für mich genauso schwer ist.
Ich antwortete – ich weiß mein Engel und bin dir auch nicht böse deswegen. Es ist im Moment einfach alles Scheisse und schwierig und anstrengend und ich weiß auch das du Angst hast. Ich bin immer bei dir!

Er küsste mich und wir sind dann hoch aufs Zimmer. Er legte sich aufs Bett und war etwas müde.

Ich bin dann nochmal nach Hause gefahren, um ein paar Sachen zu holen, die ich vergesssen hatte mitzubringen. Ich versprach ihm, daß ich mich beeile wie es eben geht und ich bald wieder da bin.

2 Stunden später, Sonntagsbusverbindung eben, war ich wieder da und er schaute etwas komisch drein. Was ist?, fragte ich ihn und er erzählte mir, das eben der Stationsarzt da gewesen wäre und hat gesagt, daß er morgen um 10 Uhr etwa abgeholt werden würde und dann per Krankenfahrt ins andere Krankenhaus käme. Zuerst sagte er aber, daß die Strahlentherapie nicht im diesen Krankenhaus gemacht werden würde, er hätte aber die Wahl zwischen DKD, „dem anderen Krankenhaus“, oder auch der Uniklinik Mainz.
Schatz sagte, daß er bereits angemeldet wäre.

Ah gut, sagte der Stationsarzt und teilte Schatz weiter mit, daß er nach dem Vorgespräch wieder hier her käme und wenn er es wollte, auch entlassen werden könne.
Käme darauf an wie Schatz sich fühlt. Wenn es ihm gut geht, kann er morgen gehen, wenn er sich nicht so dolle fühlt, müsste er bleiben bzw würde dann ins andere KH stationär aufgenommen.
Schatz fragte dann noch nach, wie es denn mit Heidelberg wäre. Grundsätzlich käme das in Frage, sagte der Arzt und erklärte ihm aber, warum er nicht nach Heidelberg überführt werden könne.
Ich sagte dann – aha..dann kommen nach Heidelberg ins Krebszentrum nur ganz ganz schwere Krebserkrankte, oder wie? Schatz nickte..ist er den Ärzten wohl nicht krank genug!, dachte ich mir dann…naja…

Schatz sagte natürlich dem Arzt gegenüber, daß es ihm gut ginge. Das er sich müde fühlt und ihm auch ein wenig schlecht war heute, sagte er nicht. Schatz sagte zu mir, ihm wäre etwas schlecht, weil er ja nichts essen würde…ich nehme das auch mal so hin, denn ins Krankenhaus kann er ja dann immer noch wieder. Wichtig für ihn und auch für mich ist jetzt aber trotz allem erstmal – er kann nach Hause kommen! Da wo er sich wohlfühlt!

Der Arzt sagte weiter – daß er in der Tumorkonferenz besprochen wurde, und es stünde halt auf jeden Fall eine Bestrahlung an.

Ich fragte Schatz, ob sie auch was von der Lunge gesagt hätten und wie ist das überhaupt, da wäre ja noch ein Verdacht auf eine Nierenmetastase.
Nein kein Wort – sagte Schatz.
Ich meinte dann, ist ja super toll auch…da ist wahrscheinlich nichts in der Lunge und was ist mit der Niere?, aber daß DAS uns mal jemand sagt – Fehlanzeige..aber wer weiß..vielleicht ist der Kopf dringender und die Chemo für die Lunge kommt noch…aber bisher KEIN WORT darüber, nach dem Motto „im weiteren Therapieverlauf“ bla bla bla schon komisch…

Das hört sich doch alles gut an – sagte ich zu Schatz und meinte, siehst du, du kannst sogar morgen schon nach Hause kommen. Alles andere sehen wir dann.

Wenn Schatz im anderen KH angekommen ist, will er mich anrufen damit ich bescheid weiß, daß er da ist und wo er ist. Ich soll dann auch dahin kommen, denn er will nicht das ich bei dem Vorgespräch nicht dabei bin. Also bin ich morgen ab 10 Uhr, oder so, auf Abruf. Das andere KH ist näher an unserer Wohnung und da bin ich auch dementsprechend schneller bei ihm, also mit Bus und so.

Mal sehen was morgen kommt…

Bis dann

Zwischen Leben und Tod

Meine Mam sagt mir immer, ich soll mir nicht so viele Sorgen und Gedanken machen und positiv denken. Sie hat ja Recht, aber ich habe dafür keine Kraft. Ich bin entgegen meinem „Sternzeichen“ ein ziemlich realistischer Mensch…zumindest kann ich das sein. Aber jetzt der Reihenfolge nach..

Ich kam im Krankenhaus an und – oh was eine Freude – mein Schatz begegnete mir in der Vorhalle. Sehr wackelig ist er gelaufen, aber er ist gelaufen! Wir sind ins Bistro und haben uns dort hingesetzt.
Er hat mir erzählt, wie es ihm bisher ergangen war und ich ihm meinen Tag bzw Nacht zu Hause erzählt
Auf einmal ist ihm wieder brechend schlecht geworden und er wollte wieder hoch aufs Zimmer. Er hat sich auf mich gestützt und wir sind dann hoch.

Oben wurde er schon gesucht, er soll ja heute zum MRT. Eine Stunde später haben sie ihn dann abgeholt und ich bin wieder runter, sowas dauert ja immer. Also nicht die Untersuchung, aber bis er dann endlich auch dran kommt.

Ich muss noch vorne weg sagen, oben auf seinem Zimmer war ihm schlecht und schwindelig. Ich bin nur an seinem Bett gesessen und wir haben uns nur noch ganz wenig unterhalten. Jede Kopfbewegung war ein Anreiz, dass er brechen musste…

Wieder eine Stunde später rief mich mein Schatz an, er wäre wieder auf dem Zimmer. Ich wollte mir noch ein Brötchen holen und schon klingelte das Telefon wieder. Schatz war dran, ich solle doch jetzt sofort hoch kommen.

Mit einem Klos im Magen bin ich hoch – ich wusste eigentlich schon was mich erwartet.

Er lag im Bett und er erklärte mir, dass die Ärzte was im MRT gesehen haben und er morgen unters Messer MUSS! Er wollte das ja eigentlich nicht, aber es ist wirklich dringend.

Ein Arzt kam ins Zimmer und er erklärte mir dann auch nochmal, was sie gesehen haben und wie die weitere Vorgehensweise ist.

Ich wusste es von Anfang an…Er hat eine sehr große Raumforderung am Stammhirn und diese drückt auf das Kleinhirn. Wenn wir nichts machen, hat er vielleicht noch 3 Wochen!

Schatz willigte natürlich in die OP ein. Der Arzt sagte auch, es wären auch 2 kleine Dinger von oben im Gehirn, aber um die müsse man sich jetzt nicht kümmern..
Ich fragte trotzdem, wie es dann weitergeht. Ich fragte, wie sein Überleben nach der OP ist. Der Arzt meinte, dass könne er nicht sagen – dass könne man aber bei niemanden.

Wie ist das mit den anderen 2 „Dingern“? Nun ja – dann käme Bestrahlung eben für den Kopf.

Was mich verwirrt hat war, der Arzt sprach immer von Metastasen. Aber er hat doch gar keinen Lungentumor..wieso dann Metastasen?

Hat der doch Lungenkrebs? Der Befund aus der Pathologie lag noch nicht vor…

Ich fasse kurz zusammen….

* Einweisung ins Krankenhaus wegen hochgradigem Verdacht auf Lungenkrebs
* Bei der Bronchoskopie wurde kein Tumor gefunden, Ärztin sagt „Glück gehabt“
* Arzt (im Übrigen wieder ein ganz anderer) sprach heute von Hirnmetastasen

was ist denn nur los? Was verschweigen uns die Ärzte? Vor allem sollte doch schon vergangener Mittwoch, oder Donnerstag ein MRT gemacht werden..durch die Bronchoskopie wurde das dann nicht gemacht..weil kein Tumor gefunden…undnur weil ihm mehr und mehr schlecht wurde, haben die ein MRT heute gemacht…verstehe ich nicht…

Ihm ist schlecht und schwindelig und er kann nichts essen, oder trinken, wegen dieser Hirnmetastase..deswegen wirken auch die Medis gegen die Übelkeit nicht.

Warum kommt mir das alles so verdammt bekannt vor? Ich weiß es doch…bei Bienschen (unser verstorbener Freund) war es genau der gleichen Weg.

Schlecht, Übelkeit, Übergeben, usw… 4 Monate nach Diagnose war er gestorben…

Er wurde um viertel nach 2 Uhr dann auf die Neurologie verlegt. Von da an, war es richtig schlimm. Er trank ein Schluck Wasser – promt kam dieser wieder raus. Er hat sich die Seele aus dem Leib gekotzt – auch wenn gar nichts mehr im Magen drin war. Er konnte seinen Kopf gar nicht mehr bewegen – ihm war schlecht.

Morgen früh soll die OP sein, dann 1 Tag Intensiv und je nach dem wie er sich erholt, kann er dann übermorgen wieder auf Station.

Die Ärzte sind ganz zuversichtlich und versprachen meinem Schatz, dass es ihm recht schnell besser ginge nach der OP. Also das mit der Übelkeit wäre dann weg..klar..für die ist es eine RoutineOP, aber was ist mit unserer Zukunft? Mit unseren Ängsten…ich gehe nicht davon aus, dass etwas schief geht oder so…die machen das schon.

Was mir mehr Sorge bereitet ist – ist alles jetzt doch nur noch palliativ? Lebensverlängernd? Für wie lange…Wochen? Monate? Eine Heilung ist das nicht – sagte die Ärztin bei dem OP Vorgespräch..ich weiß ja das Heilung für Ärzte was anderes Bedeutet als für den Otto Normal Verbraucher…

Ich weiß auch, ich kann Bienschen nicht nicht meinem Schatz vergleichen…vielleicht aber doch…es ist, als würde es sich alles wiederholen was vor 4 Jahren passiert ist – und wenn ich alles sage, MEINE ICH AUCH ALLES!

Wenn er morgen auf Intensiv ist, kann ich auch erst später zu ihm. Die haben ja strenge Besuchzeiten, erst ab Nachmittag auch. Verstehe ich ja, aber ich will zu ihm, ich muss bei ihm sein.

Schweren Herzens bin ich dann um halb 6 Uhr gegangen. Ich muss mich zusammen reissen nicht los zu heulen, denn wenn ich nach Hause komme, wartet erstmal die Arbeit auf mich. Bleibt ja alles liegen den Tag über. Und niemand weiß das er im Krankenhaus ist. Ich bin fröhlich gegenüber unseren Freunden und Bekannten und wenn sie mich nach meinem Schatz fragen, erzähle ich eben glaubhaft die Geschichte weiter, warum er nicht da ist.

Am Anfang habe ich nicht verstanden warum er nicht sagen will, was er hat und ins Krankenhaus muss. Mittlerweile verstehe ich das.

Ich will nicht ständig gefragt werden wie es ihm geht, und was passiert. Ich will auch nicht ständig Mitleid entgegen gebracht bekommen und mitleidig angesehen werden.

Das ist etwas, dass mache ich mit mir aus. Wenn die Bombe platzt, werde ich sowieso ständig „bedrängt“ werden. Ist ja auch lieb gemeint dann, wenn sie ständig fragen ob ich was brauche, oder wie meine Freunde mir helfen können. Aber ich will das nicht. Ich will einfach nur meine Ruhe haben! So bin ich…

Wenn meine Mam diese Zeilen liest, bricht es wieder ihr Herz…das tut mir leid, denn das will ich auch nicht. Wenn sie mich fragt, wie es ihm geht und ob sie mir helfen kann ist das logischerweise aber auch etwas ganz anderes…

Bis dann