So viele Leben

Bevor ich auf mein eigentliches Thema einsteige, wollte ich noch etwas erzählen. Es ist nicht neu, aber heute war es wieder im Gespräch und deswegen wollte ich es mal erwähnen 😉

Rubrik: Genau mein Humor 😉

Es gibt seit einiger Zeit in Wiesbaden eine – Achtung – Waffenverbotszone! 

Aber das ist noch nicht alles. Diese Waffenverbotszone gilt auch nur zwischen 21 Uhr Abends und 5 Uhr Morgens… Ja so habe ich auch geguckt ^^

Was soll das!? Aber das ist sooo typisch deutsch. „Wir möchten dich nicht in deinem Persönlichkeitsrechts beschneiden, dewegen gibt es einen Zeitraum der für die Waffenvebotszone gilt – und daran halte dich dann bitte…“ joar…wer es nicht glaubt, hier der Link zum nachlesen 😉 ist schon lustig wie man den Menschen eine Pseudosicherheit verkauft und die, die es eindämmen soll lachen sich schlapp.

 

Themawechsel

Der Mutti geht es im Moment nicht gut. Sie hat wieder mal eine Bronchitis, bekommt kaum Luft und es ist wieder eine aufregende Zeit. Eine Zeit in der ich wieder meine Gedanken tanzen lasse und bin da auf eine interessante Spur gekommen.

Wenn die Mutti jetzt auch „geht“. Dann habe ich nur noch meine kleine Schwester. Alle anderen sind dann nicht mehr da. Alle anderen sind ja bereits verstorben. Mein gesamter Freundeskreis, mein Mann, mein Papa und dann eben die Mama.

Dann ergibt sich für mich wieder mal ein ganz anderes Leben. Das Leben unterliegt ja sowieso einer ständigen Veränderung. Aber das sich das Leben mehrmals so krass ändert?, dann noch in so kurzer Zeit? Es war ja schon Megakrass als mein Mann starb. Da hat sich ja alles, aber auch wirklich alles verändert. Das Leben das wir, ich geführt haben war weg. Einfach weg. Nicht mehr existent! Nach mühsamen 2 Jahren und durch die Pflege von meinem Papa habe ich mir wieder so eine Art Leben aufgebaut. Nicht bewusst, sondern es hat sich eben so entwickelt.

Und nun kann es wieder passieren. Es wird wieder passieren. Ich hoffe natürlich das Mama das schafft. Eines Tages wird es aber nicht so sein, dann schafft sie es nicht mehr. BAM wieder ein anderes Leben. Wieder ein komplett anderes Leben.

Ein Leben nach Mama

Da ist dann niemand mehr. Keine Freunde die ich treffen könnte, keine Beziehung die ich führen könnte. Selbst die Eltern sind weg. Kein Gespräche mehr, kein gemeinsames Essen und Lachen mehr, sowie es jetzt ist, mit Mama.

Mein Kerngedanke

Wenn es niemanden mehr gibt, der einen kennt…. Existiert man dann selbst noch? Wenn keiner mehr da ist, der dabei war? Der dabei war bei den Partys, bei den Krankenhausbesuchen der Freunde, der Hochzeiten und Beerdigungen, dem Schabernack, den wir verzapft haben. Wenn niemand mehr da ist – ist es dann überhaupt jemals passiert?

Ich bin die letzte Überlebende..Gott wie sich das anhört, aber es ist so. Es ist keiner mehr da. Ausser noch Bekannte, es sind 4 an der Zahl. Zu ihnen habe ich keinen Kontakt mehr und strebe diesen auch nicht an und wir laufen uns auch nicht zufällig über den Weg. Warum das so ist steht in älteren Posts..aber das ist hier nicht das Thema 😉

Ich bin die letzte die diese Bilder im Kopf hat. Den Kopf voller Erinnerungen der Geburtstage die wir feierten und alles andere aus diesem vergangenem Leben. Ich frage mich nun wieder. Hat das dann alles je stattgefunden?, oder ist es nur ein Hirngespinnst von mir?

Auf der anderen Seite ist es aber die Wahnsinnsmöglichkeit sich selbst ganz neu zu gestalten. Da ist ja niemand mehr, der einen kennt. Ich muss dazu nicht mal in eine andere Stadt ziehen. Alle die mich kennen sind Tod! Ich kann alles sein was ich will, kann mir ganz neue und andere Eigenschaften zulegen. Ich kann einen ganz anderen Kleidungsstil tragen. Etwas tun, das ich mich vorher nie getraut habe aus irgendwelchen Gründen. Ich kann mir meine Haare quietsch Orange färben und Federn reinstecken. Fremde Menschen die mich sehen, denken dann das ich so bin. „So eine verrückte“….gut..nur als Beispiel, denn hätte ich so etwas je gemacht, hätten meine Leute es ja auch nicht anders von mir erwartet. Ich möchte nur klar machen was ich meine 😉

Man sprengt Ketten die es vielleicht nie gab, nur in der eigenen Vorstellung. Wenn ich dann weiter darüber nachdenke, kann ich eigentlich nur noch lachen. Was ist das? Warum ist mein Leben so verlaufen bisher? Gut. Darauf wird es keine Antwort geben. Sie ist auch mehr rethorisch gemeint….diese „Warum Ich? Fragen“ sind dämlich. Es ist wie es ist und man muss damit arbeiten.

Aber ich pendel nun zwischen diesen zwei Gedanken. Es ist als würde ich nun wieder bald an einer Kreuzung stehen. Nur dieses Mal muss ich mich bewusst entscheiden. Entscheiden in welche Richtung ich gehe.

Ich könnte das ICH bleiben das ich jetzt eben bin. Wie lange bleibt die Chance etwas komplett neues und anderes aus sich zu machen aber bestehen? Sobald ich neue Leute kennen lerne, neue Freunde finde und auch Arbeitskollegen ist die Chance vertan. Wenn ich dann das ICH von heute geblieben bin, kann ich keinen Richtungswechsel mehr machen. Das würden die Menschen ja nicht verstehen. Der Gedanke der Existens vernebelt mir irgendwie alles. Habe ich mir nun alles eingebildet? Hat alles das je stattgefunden? Muss es ja..ich habe Photografien, Schriften usw. Es muss also geschehen sein. Aber wie nutze ich das nun. Schließe ich einfach ab? Es ist meine Vergangenheit und ich mache weiter als die, die ich bin. Trage dieses Paket mit mir rum. Es liegt schwer auf meinen Schultern.

Oder töte und beerdige ich mich selbst? Ich steige dann aus der Asche als ein ganz anderer Mensch. Ich verleugne meine Vergangenheit damit nicht. Ich löse mich von meiner Vergangenheit. Ich denke, das wird nicht so leicht. Es kommen immer Gedanken an früher auf durch Musik, Gerüche usw. Das wird immer so sein. Je mehr ich darüber nach denke, deso mehr vermute ich das ich mich sowieso nur in Teilen „neu erfinden“ kann. Ich bin nicht bereit mich so zu lösen bzw. loszulassen. Ist das aber nicht der eigentliche Kern? Ich muss endlich loslassen. Ich bin an ganz andere Ketten gefesselt und will nicht einsehen, das es mir „besser“ ginge wenn ich diese Ketten los lasse. Es ist wie mit dem Rauchen aufhören. Man weiß es tut einem nicht gut, man hält aber daran fest. So ist das mit meiner Vergangenheit. Ich weiß, ich muss loslassen damit ich weiter nach vorne komme…aber ich kann es einfach nicht…ich kann es nach wie vor nicht…

Es heisst ja immer – Man hat nur dieses eine Leben

Sehe ich nicht so. Man hat dieses eine biologische Leben, richtig. Aber das ist nicht damit gemeint. Man hat viele Leben. Ich war ein Kind. Ich war ein Teenager. Ich war eine Ehefrau. Ich bin die Tochter, die ihre Eltern pflegt.

Welches Leben kommt als nächstes?!

 

 

Habe verstanden…

Ich habe mich für einen Weg entschieden, aber da passt mir einiges nicht. Habe ich mich aber wirklich dazu entschieden? Wenn ich die letzten Wochen so betrachte , habe ich mich eher einfach treiben lassen. Keine bestimmte Richtung. Wie eine Feder im Wind bin ich mal in diese Richtung – dann in eine andere…aber ich nähere mich dem Boden. Es gibt Dinge, die sich festigen. Ich habe mich treiben lassen und bin nun auf einem Weg gelandet. Ich wurde auf eine Schiene gesetzt und habe es nicht mal gemerkt. Aber nun ist mir das bewusst geworden und ich denke mir nur – STOP!

In den vergangenen 2, 3 Tagen hat, nach längerer Zeit, mein Orakel zu mir gesprochen. Es war eine Warnung…ich habe nicht damit gerechnet, obwohl ich um Hilfe gebeten hatte. Um Klarsicht, um einen Hinweis. Es hat mich stark zum nachdenken angeregt. Warum eine Warnung? Was ist mir entgangen? Wo habe ich nicht aufgepasst?

Auf diesem, jetzigen Weg, möchte ich nicht bleiben. Vielleicht reicht es aber auch, wenn ich nur einen Schritt auf die Seite mache. Es ist nicht alles schlecht. Einige Dinge will ich aber so nicht haben. Das muss ich ändern… Ich muss mir meinen Weg aktiv aussuchen, gestalten. Ich darf mich nicht mehr treiben lassen. Wohin würde das führen? Am Ende bin ich an irgendwas festgenagelt, das ich so gar nicht wollte. Wohin einem ein Weg führt, kann man sowieso nicht sagen. Aber wenn ich einige Dinge weiter durchspiele in meinem Kopf, gefällt mir nicht, was da kommen kann..ich treffe lieber die Entscheidungen und lasse mich nicht auf einen Weg setzen, ohne das ich es bemerke.

Ich höre nach wie vor, daß ich für „Stark“ gehalten werde. Ich werde bewundert dafür. Jeder der uns erlebt hat weiß, was für eine besondere Verbindung wir hatten. Umso erstaunlicher kommt es den Leuten vor, wie ich damit umgehe. Aber das ist nur mein Bild nach aussen. So bin ich halt. Ich halte meinen Kopf hoch und versuche nach vorne zu schauen. So wie mein Engel es von mir wollte, so wie es auch sein sollte. Sicherlich wünsche ich mir die „Vergangenheit“ zurück, aber ich war immer ein Mensch, der sich nicht an die Vergangenheit kettet. Man kann die Vergangenheit nicht ändern. Aber seine Zukunft…das Unerträgliche hierbei ist aber die Gegenwart.

Dabei ist mein Weg doch eigentlich sowieso schon festgelegt. Es gibt Dinge in meinem Leben, da weiß ich zu 100 % was auf mich zukommen wird. Und ich werde auch diesen Weg gehen! Man kann sein Leben nicht planen, aber es gibt Situationen, da ist es einfach klar.

Mein Orakel hat mir eine Warnung ausgeprochen. Ich analysiere jetzt erstmal wieder alles. Mir muss etwas wesentliches entgangen sein und ich denke, ich habe es auch erkannt. Ich habe verstanden…

Ich darf mir die Zügel nicht gänzlich aus der Hand nehmen lassen. Ich muss die Stricke fester packen. Was ist los mit mir? Ich suche Halt, wo es keinen zu finden gibt. Das bin nicht ich… Ich kann sehr dominant sein..warum aber nicht mir selbst gegen über?  Ich bin nicht mehr „wir“, ich bin jetzt „ich“. Aber ich bin nicht „ganz“… Ich stehe immer noch am Scheideweg und weiß nicht ob ich nach links, oder rechts gehen soll. Ich trauere ja nicht erst seit dem 10. Januar. Ich hatte davor schon ein halbes Jahr Zeit um zu trauern, mich vorzubereiten was da kommt. Wir wussten es ja…

82 Tage sind es heute…wie konnte ich bisher überleben? Es ist unfassbar was ein Mensch aushalten kann – wenn er muss…ich wollte mit ihm gehen…er sagte mir, Nein du musst weiter machen…und das mache ich…ich weiß nur nicht wie…

Turn me loose…

 

Gedankenflug

Alle sind orientierungslos, aber alle halten sich an mir fest. Ich bin doch aber auch ohne Orientierung. Vielleicht sollte ich daraus meine Kraft schöpfen?

Der Kapitän rettet sein Schiff. In dem Kapitän ruht alle Hoffnung seiner Crew. Aber muss ich das? Kann ich das? Will ich das überhaupt? Allen unseren Freunden und Bekannten fehlt mein Engel. Er war der gute Freund der immer da war, wenn man ihn brauchte. Der immer half, wo er nur konnte. Der humorvoll, ehrlich, charmant war und niemals jemanden hängen ließ. Er ist nun aber nicht mehr da… Ihr Leute hattet ein Leben auch schon vorher. Es ist, wenn man es hart betrachtet, „nur“ ein echt guter Kumpel gestorben…für euch…Ich jedoch, habe mein Leben verloren..Das Leben das ich bisher hatte ist weg. Es existiert schlicht nicht mehr!

Ich bin am orientierungslosesten. Und ich soll für euch alle das Steuerrad ergreifen, daran festhalten und uns wieder in ruhige Gewässer führen? Warum? Weil es immer schon so war? Aber ich bin doch nicht der Kapitän…der Kapitän ist fort…warum soll ich seinen Platz einnehmen? Vielleicht ist dies aber auch mein Weg… Ich bin stark..ich bin ein „Macher“…aber ihr lasst mir keine Zeit…Ich muss doch auch erst meine Wunden lecken. Ihr seht mich ständig weinen (ich hasse es vor anderen zu weinen, auch wenn ich keine Probleme damit habe Emotionen zu zeigen) und dennoch verlangt ihr so viel….Ihr macht das nicht mal bewusst… Ihr wisst einfach – an uns konntet ihr euch immer festhalten. Ihr konntet jederzeit zu uns kommen, Energie auftanken und einfach so sein wie ihr ward. So klammert ihr euch nun an mir fest. Wenn ich doch aber selbst keinen Halt habe?

Wenn ich jetzt alles aufgebe, so wie es jetzt ist. Umziehen, einen neuen Freundeskreis suchen. Einen Neuanfang beginnen.. Ein neues Kapitel in meinem Leben ist angebrochen und ich schreibe meine Geschichte weiter. Mein Engel war und ist ein Teil meiner Geschichte, meines Lebens. Das wird er auch immer bleiben! Nun muss ich aber meine Geschichte ohne ihn weiterschreiben. Irgendwie kann ich aber nicht loslassen, von dem Allem hier…Ich habe dieses tiefe Empfinden der Verantwortung. Ich kann nicht weg. Wie kann ich mich im Spiegel ansehen, wohlwissend ich habe alle im Stich gelassen? Alle kämen klar..auch ohne mich…ich bin ja nicht doof! Sie haben ja ihr Leben…sind ja erwachsene Leute.. Ich habe kein Problem damit, alles hinter mir zu lassen. Den Gedanken hatte ich sogar schon mehrfach… Irgendetwas hält mich aber hier fest. Dieses Gefühl bekomme ich nicht weg…ich weiß nicht was ich tun soll…

Ich bin nicht Mutter Theresa, oder die Mutter der Nation…bin ich nicht…das weiß ich. Für meine Herde bin ich aber ihr Halt, den sie so brauchen. Das Leben verändert sich aber nun mal. Ständig! Veränderungen sind wichtig. Aber von allen unseren Leuten habe ich die größte Veränderung am Laufen…und ich weiß nicht was ich machen soll… Ich habe Ziele zB. meine Führerschein machen, und auch andere Ziele..größere, und auch kleinere…aber ich lebe nicht. Auch den Spaß den ich habe…wenn ich aber so reflektiere, erkenne ich, daß dies alles nichts Ganzes und nichts Halbes ist…

Ich bekomme soviele Ratschläge. Alle werden einer gründlichen Prüfung unterzogen. Es sind gute Ratschläge. Es sind solche Dinge, die ich genauso raten würde. Aber warum wehre ich mich so dagegen.Vielleicht weil es mir doch auch ein bisschen Halt gibt in dieser Zeit der großen Veränderung, von allem bisher dagewesenen. Es ist etwas, daß sich eben nicht verändert, wenn ich es nicht zulasse. Ihr sucht alle Halt bei mir. Ihr seht mich nun als Kapitän. Weil ich -seine- Frau war und ihr zu mir gleichermaßen gekommen seit. Das ehrt mich auf der einen Seite. Aber habe ich nicht das Recht auf ein eigenes Leben? Ein Leben, unvorstellbar, ohne ihn! Ich muss einen Weg finden. Hilft weglaufen da wirklich? Ich lasse mich nicht in eine Schublade zwängen, aber ich kann doch innerhalb des Rahmens mein anderes Leben aufbauen…vielleicht brauche ich das auch so…

Ey man – ihr seid alle 10 – 20 Jahre älter als ich….warum haltet ihr alle an mir fest? In euren Augen bin ich doch wie ein Kind…ein junger Hüpfer….

Meine BF und Geisenheimer sind zu meinem Glück anders. Sie kümmern sich um mich, sind für mich da. Sie sind sofort da, wenn ich sie brauche! Sie sind für jeden Mist zu haben. Hauptsache es macht uns allen Spaß und sie sehen das es mir hilft, mich abzulenken. Sie haben ihren Halt woanderes. So können sie mir Halt geben und wenn es auch nur für eine Weile ist.

Rumpelstielzchen hält sich bedeckt die letzten Tage. Er ist scheiss freundlich zu mir und macht auch keine Andeutungen. Da ist etwas im Busch. Ich kenne meine Leute…aber ich finde es ok wie es jetzt ist. Ich lasse es so laufen…

Bis dann

Send me an Angel

Heute Nacht habe ich wieder auf der Couch geschlafen…ich weiß echt nicht warum! Es ist irgendwie, weil ich mich auf der Couch meinem Engel näher fühle, als im Bett…ich habe echt keine Ahnung…habe aber gut geschlafen..ich habe von meinem Engel heute geträumt, nach langer Zeit mal wieder. Es war aber kein luzider Traum…ein gewöhnlicher Traum…aber ich habe ihn gesehen, ihn berührt, ihn gehört… Die Sonne scheint seit ein paar Tagen. Sie hat schon Kraft und es ist total schön in der Sonne…aber sie strahlt nicht so hell, so glücklich…meine Stimmung ist unten. Tagsüber fühle ich mich leer, verloren, kaputt. Sobald es dunkel wird kommen die schweren Gefühle. Ich weine, ich vermisse ihn.

Mir fehlt die körperliche Nähe, seine Zärtlichkeit. Mir fehlt, wie er mich immer angesehen hat, seine Stimme, wenn er mir was sanftes ins Ohr geflüstert hat. Ich rufe ihn jeden Tag und suche nach Antworten. Ich höre seit ein paar Tagen exzessiv Radio. Ich bekomme aber keinen Zugang. Ich weiß, daß ich das nicht erzwingen kann…dennoch höre ich Musik…extra…ich habe die ersten Wochen überhaupt gar keine Musik gehört, ich hätte es nicht ertragen. Nun suche ich nach Antworten, aber ich bekomme keine. Die Zeit ist nicht reif…es fehlt dieses bestimmte Gefühl das ich dann immer habe..wenn ich „gerufen“ werde. Schwer zu beschreiben, wie das ist dann…

Ich höre aber Radio, höre Musik die Erinnerungen auslöst…weine…bringe mich selbst noch weiter runter…ganz normal aber…das kennt jeder..Trauerverarbeitung…Heilung.

Schatzi sagte mir einmal, es würde keinen mehr geben, der mich so lieben wird, wie er es getan hat. Ich sagte, ich weiß das Baby…es wird keinen mehr geben den ich so lieben kann, wie ich dich geliebt habe…der Grund ist einfach..unsere Liebe stirbt nicht..sie ist immer da, sie war immer da…und wird immer da sein. Wir sind 2 Teile einer Seele…das verstehen die wenigsten. Aber das ist egal – solange du das weißt und ich es auch nicht „vergesse“. Wir haben uns das so ausgesucht..auch wenn es so wahnsinnig weh tut, und ich nicht weiß, was für ein Plan dahinter steckt…warum wir dieses Leben gewählt haben….du weißt es..jetzt..

Seit ein paar Tagen bitte ich meinen Mann mir einen Engel zu schicken. Ich war niemals in meinem Leben alleine. Ich hatte immer jemanden gehabt. Nun bin ich zum ersten Mal alleine…ich bitte meinen Engel mir jemanden zu schicken. Ich kann mein Herz nicht öffnen, aber ich will nicht alleine sein. Das weiß er..und er sucht jemanden für mich aus, auch wenn diese Liebe niemals an unsere heranreichen wird. Aber das spielt keine Rolle. Ich weiß, daß er mir jemanden „schicken“ wird, der auf mich aufpasst, der mich „beschützt“, der mir zu Seite steht…der mich auffängt…

Ich war zwischenzeitlich am Kiosk. Mit dem KioskMann verstehe ich mich gut, habe immer Spaß mit dem. Ich bin vorhin zum Kiosk und er KioskMann fragte, ob er mich was fragen dürfe. Ich sagte: Klar – du kannst mich alles fragen. Er hielt inne, fragte mich dann: Schätzchen – wie geht es dir? Ich schaute ihn an und sagte: Ganz ehrlich? Mir geht´s beschissen..mir fehlt mein Mann… ich lache zwar immer mit dir, aber das ist nur Maske… Er antwortete: Ja – ich sehe es in deinen Augen. Er war ein guter Mann…das Leben geht aber weiter.. Ich sagte, daß ich das wüsste… Wir lachten danach nochmal kurz wegen irgendwas und ich ging wieder nach Hause. Fand ich irgendwie schön, daß der KioskMann Anteil nimmt.

Gestern habe ich wieder angefangen ein Bild zu malen. Während ich es vorbereitete und „unsere“ Technik angewandt hatte, musste ich abbrechen. Zu massiv kam eine Erinnerungsflut und davon überwältigt musste ich meinen Kohlestift und meinen Pinsel weg legen..es ging einfach nicht. Ich sah uns, wie wir nächtelang an unseren Bildern hingen und selbst überrascht waren, was diese Bilder für Geschichten erzählten. Es war sehr oft so, daß ein vermeintlich weißes Blatt Papier bereits eine Geschichte enthalten hatte. Wir mussten diese nur „rauskitzeln“….es war magisch…unglaublich, zugleich faszinierend..

Ansonsten läuft alles wie immer. Ich stehe morgens auf, erledige meinen Kram. Arbeit, Haushalt..Freunde. Ich lache wieder viel, auch wenn ich traurig bin. Habe wieder einige seiner Notizen durchgesehen. Suchte ein Passwort..egal…was ich gefunden hatte, war ein schöner Spruch, den er sich mal notierte. Er lautet:

Die beste Art die Zukunft vorherzusagen ist die, sie selbst zu gestalten!

Bis dann

 

 

Heute mal entspannt – mit Gedanken

Heute Nacht haben wir beide unruhig geschlafen. Schatz musste ständig auf´s Klo – kommt vom Apfelsaft – und ich konnte heute Nacht keinen tiefen Schlaf finden. Ich habe sowieso einen Alarmschlaf, die letzten Tage habe ich wie ein Stein geschlafen. Gestern Nacht war wieder einer der Alarmschlafnächte.

Dementsprechend müde sind wir beide heute morgen aufgewacht. Nach dem Frühstück und dem Smoothie ging es aber dann. Vitamine kicken einen schon.

Ich packe in den Smoothie auch immer Papaya rein. Soll ja DIE Antikrebs-Frucht überhaupt sein. Das sagen andere Früchte auch von sich, aber die Papaya hat in der Literatur irgendwie einen besonderen Stellenwert. Naja. Schaden kann es nicht und wenn es hilft – immer her damit. Das einzige Problem ist – Papaya soll es angeblich überall zu kaufen geben. Fakt ist, bei uns in Wiesbaden gibt es nur wenige Läden die frische Papaya verkaufen. Von den 6 REWE Läden die wir kennen, sind es nur 2 die Papayas anbieten. Netto gar nicht…macht nichts, einer der 2 Läden ist bei uns in der Nähe.

Wir haben also den Tag langsam angehen lassen. Nach dem Frühstück und unserem morgendlichen Anti-Krebs-Ritual sind wir duschen gegangen. Schatz war duschen, ich habe ihm seine Haare gewaschen. Abtrocken kann er alleine – ich creme seinen Körper dann ein. Seine Haut ist soo gut geworden. Hilft schon, daß regelmäßige eincremen. Seine Haut, vorallem an den Beinen, ist ganz zart geworden. Keine Schuppen mehr, keine Flut von Hautpartikeln die sich wie Schnee überall drauf legen und vorallem keine Wunden mehr vom ständigen Jucken und kratzen.

Ab auf die Waage – Schatz hat 300 gr. abgenommen. Er hat jetzt genau 66 Kg. Es wird irgendwie nicht mehr, aber zum Glück auch nicht weniger. Gustav (der Krebs) zehrt schon an ihm, aber noch nicht so stark.

Gegen Mittag sind wir dann etwas einkaufen gefahren. Wasser, Säfte, fisches Obst und was zum Mittagessen. Ich habe auch gleich gekocht und wir haben gegessen. Schatz hat 2 Teller voll gegessen. Gut. Jetzt hält er sein wohlverdientes Verdauungsschläfchen.

Ich habe Wäsche gemacht, gespült und die Küche wieder sauber gemacht. Ich bin auch müde. Habe aber keine wirkliche Lust mich hinzulegen.

Schatz hustet immer weniger, so scheint es mir. Wenn er hustet, hustet er richtig heftig. Nicht jedesmal ist Auswurf dabei, der inzwischen wieder alle Farben hat. Von Glasklar, über bräunlich – bis hin zu echt dunkel. Seine Lunge ist ganz leise. Weiterhin kein Rasseln, Pfeifen, Brummen oder was auch immer. So wie ich das einschätze würde ich jetzt auch sagen, daß es nicht der Lungenkrebs sein wird, der ihn umbringt. Es sind entweder die Metastasen im Gehirn, oder die Kachexie – die zum Glück noch nicht voll zuschlägt. Viele Krebspatienten sterben an Entkräftung und Erschöpfung, verursacht durch das „Verhungern“…

Apropo Hirnmetastasen. Bisher konnte ich keine Wesensveränderung feststellen. Das hatte der eine Arzt uns ja gesagt. Eine Metastase würde auf das Wissens/Gefühlszentrum drücken und das würde eine Wesensveränderung nach sich ziehen. Es ist jetzt aber auch erst 2einhalb Monate nach Diagnose.

Bienschen ist 4 Monate nach Diagnose gestorben. Schatz dachte, es wäre bei ihm auch so. Hätte ja auch sein können, aber die eine Zytste wurde ja aus seinem Kopf herausoperiert. Sonst wäre er jetzt auch schon seit einem Monat Tod.

Bienschen hatten sie auch Metastasen aus dem Kopf operiert, aber es hat eben trotzdem nur 4 Monate (3 nach Op) gedauert. Er war in einer viel schlechteren Verfassung. Deswegen ging es bei Bienschen so schnell. Da hat auch die palliative Chemo nichts gebracht. Im Gegenteil..er war schon soo am Arsch und den letzten Rest haben die Ärzte ihm dann gegeben. Da war von Linderung usw nichts zu sehen…gar nichts…

Heute habe ich mich auch mal durch andere Krebstagebücher gelesen. 40 Jahre Forschung, Milliarden an Geldern…und die finden nichts das hilft?? Es gibt sowieso kein Allheilmittel das bei jedem hilft. Selbst Lungenkrebs ist nicht gleich Lungenkrebs. Aber fragt man sich nicht, warum es so gar nichts gibt?? 40 Jahre Forschung und Milliarden an Geldern?? Für was! Sterberate von 90!!! % und die forschen haupsächlich nur an neuen Chemotherapien. Es wir natürlich auch an andern Dingen geforscht, welche auch vielversprechend sind. Aber der Hauptgeldfluss fließt in die Chemoforschung.

Fragt man sich da nicht WARUM? Wenn die doch so viel Geld in die Forschung pumpen und es trotzdem 90 % Sterberate gibt…dann machen die doch was falsch! Halten aber daran fest…warum wohl….GELD GELD GELD!!! Nichts anderes….

Ich bin kein Gegner der Schulmedizin. Im Gegenteil. Man sollte immer einen der studierten Weißkittel aufsuchen, wenn man was hat. Ich bin aber ein absoluter Gegner der Onkologie. Das ist nur eine Geldmaschine auf Kosten von Menschenleben! Selbst wenn einer als „geheilt“ gilt, zählt das bei den Ärzten nur die 5 Jahre in denen diese Menschen überleben. Das soll doch was heissen…DAS ist die Erfolgsqoute und Rechtfertigung der Chemo – 5 Jahre!

Die meisten Chemo-Überlebenden bekommen ein Rezidiv…nach 5 Jahren, nach 10 Jahren und dann sterben sie auf jeden Fall. Wenn der Krebs zurück kommt, ist er nicht mehr aufzuhalten. Er ist immun geworden gegenüber den ach so hoch gelobten Chemotherapien!

Naja..die anderen Krebstagebücher sind sehr traurig. Die Versprechen, die die Ärzte geben, den Kampfeswillen der Betroffenen und dann ist da nur noch Stille…

In einem Krebstagebuch habe ich von einem Mann gelesen, der seit 15 Jahren kämpft. Oder gekämpft hat, denn Juli 2013 war sein letzter Eintrag….

So wird das auch hier werden. Einträge voller Zuversicht, kleine Verbesserungen – dann dunkle Tage bis hin zum Abschied. So läuft es jedes mal…und dann wollen die mir erzählen, sie würden forschen damit das Leid ein Ende hat? Alle paar Jahre gibt es eine Schlagzeile die da heisst „EIN MITTEL GEGEN KREBS IST GEFUNDEN“ – nur um die hoffenden Menschen bei Laune zu halten und die Taschen der Krebslobby zu füllen. In was für einer Welt leben wir eigentlich…

Versteht mich nicht falsch. Schatz geht es gut zur Zeit, aber ich denke halt nach. Ich lese so unglaublich viel und habe Kontakt zu anderen Betroffenen. Es macht mich so wütend. Krebs ist in jedem von uns, aber nicht jeder Körper schafft es sich ständig dagegen zu wehren. Und dann sind wir ausgeliefert.

Der Mensch hat vergessen auf seine innere Stimme zu hören, intuitiv darauf zu achten und zu handeln was einem Gut tut. Stattdessen essen wir Industrie-Food, von allem bereinigt was uns gesund hält und wenn der Krebs da ist, rennen wir blind in die Arme der Onkologen und hinterfragen gar nichts. Nehmen alles als gegeben und unveränderlich an.

Es ist nicht nur, daß zB Gurken gerade gezüchtet werden, weil sie dann „schöner“ aussehen. Es werden auch bestimme Stoffe rausgezüchtet, die einen gesund halten sollten. Bitterstoffe, gewisse Mineralien usw. … damit uns modernen Menschen das Obst/Gemüse auch schmeckt. Süß soll alles sein..aber nicht bitter…Stoffe die von der Pflanze selbst hergestellt werden, um sich vor Insekten und Schimmel etc zu schützen – gibt es nicht mehr. Durch die Pestizide in der Landwirtschaft produziert die Pflanze ihre eigenen Abwehrstoffe nicht mehr…sie bekommt ja von aussen „geholfen“.

Aber diese Stoffe helfen auch uns…nun nicht mehr….

Viele Gedanken schwirren in meinem Kopf…ich schreibe hier völlig unfiltriert und unzensiert, es ist alles eine Momentaufnahme meiner ganz persönlichen Empfindungen, Ängste, meiner Gefühlslage.

Sobald das alles niedergeschrieben ist, ist mein Kopf wieder frei fürs Erste. Mir geht es gut. Körperlich und Emotional. Schatz geht es auch gut.

Bis dann

Gedankengang im Alltag

Jeder Mensch hat das Recht so zu sterben wie er/sie es möchte und auch wenn das heisst – der schulmedizinischen Krebstherapie den Rücken zu kehren. In unseren Fall war es unser beider Entscheidung diesen Weg gemeinsam zu gehen – den Weg ohne Krankenhaus-Krebsmedizin.

Ich möchte nicht das Schatz lange leiden muss, nicht länger als es eben sein wird. Chemo verlängert das Leiden nur unnötig. Es geht hier nicht um Jahre, es wären nur schreckliche Wochen, vielleicht wenige Monate. Ich will mir das nicht antun. Ich will nicht mit ansehen müssen, wie er Qualen erdulden muss, bis er erlöst wird. Wie soll ich das denn aushalten? Ich will ihn nicht sehen müssen – dabei mich selbst quälen – und dabei denken  „Bitte lass es endlich vorbei sein!“

Überhaupt will ich am wenigsten das er stirbt, schon gar nicht auf diese Weise – aber es ist wie es ist. Ich wünschte es wäre anders – ich würde alles dafür geben! Ich würde jeden Preis bezahlen!
Ich werde so oder so durch eine schwere Zeit in meinem Leben gehen müssen. Ob das nun morgen ist, oder in 2/5/10 Jahren – ob Schatz nun an Krebs stirbt, oder wegen etwas anderem. Irgendwann sterben wir alle. Es geht nur um das WIE und WO. Davor kann man niemanden beschützen. Der Tod gehört zum Leben.

Was für einen Sinn macht es den Tod hinauszuzögern? Wem ist damit geholfen? Dem Betroffenen?, den Angehörigen?, den Ärzten? Sicherlich ist mir damit nicht geholfen, im Gegenteil! Ich will ihn nicht gehen lassen, aber ich will noch weniger sein Leiden verlängern – und damit gleichzeitig mein Leiden!

Was ist, wenn er stirbt während ich schlafe? Sang und Klanglos mitten in der Nacht. Das ist meine größte Angst. Dennoch wünsche ich ihm einen friedlichen Tod. Einfach friedlich einschlafen…für immer… Vielleicht wird es aber auch ganz anders, vielleicht wird das ein minutenlang andauernder Todeskampf, wenn es soweit ist…wer weiß das schon. Ich bin bei ihm, wenn seine Seele seinen irdischen Körper verlassen wird. Der Tod scheidet uns nicht. Ich bin und bleibe seine Frau. Wir werden uns wiedersehen…irgendwann…ich kann ihn nicht begleiten an den Ort, an den er geht. Aber wir werden uns wiedersehen! Dessen sind wir uns sicher.

Ich will ihn nicht gehen lassen – aber ich mache mir auch nichts vor. Keine Schulmedizin und auch nichts anders kann ihn retten. Es ist einfach zu spät. Seinen Geburtstag wird er nicht mehr erleben, oder meinen. Vielleicht den Jahreswechsel nicht mehr, oder gar Weihnachten. Ich weiß nicht wie lange wir noch haben…ein paar Monate eben…

Er verliert wieder an Gewicht. Ansonsten geht es ihm „gut“ soweit. Wenig Schmerzen. Gestern Nacht hat er durch geschlafen. Hunger hat er und er isst. Auch lachen wir viel und lästern. Es gibt Momente da ist alles so, als wäre nie was gewesen. Er ist fröhlich und ausgelassen und zieht mich mit. Ich vergesse für einen Augenblick die traurige Wahrheit und in diesen Momenten scheint mir alles unwirklich zu sein, nicht fassbar und gar nicht wahr. Aber die Realität holt einen immer ein.

Heute habe ich gefüllte Pfannkuchen gemacht. Mit Pilzfüllung, dazu einen Salat. Schatz hat 3 Pfannkuchen mit Füllung gegessen. Hat also ordentlich zugeschlagen. Heute Abend mache ich ihm Rühreier mit Griebenschmalzbrot. Mich schüttelt es bei dem Gedanken an Schmalz, aber er isst es gerne und es ist Fett pur. Nicht das schlechteste für sein Gewicht. Den obligatorischen Smoothie gibt es natürlich auch.

Heute morgen gab es einen Bananen, Nektarinen, Orangen Smoothie und heute Abend gibt es dann einen Ananas, Erdbeeren, Kiwi, Kokosmilch Smoothie.

Den ganzen Nachmittag saßen wir im Garten und haben uns entspannt. Zeitweise sind wir auch eingeschlafen. Es ist einfach herrlich – die Ruhe, das Vogelzwitschern und der sanfte Wind. Selbst die Wespen waren heute entspannt, waren nämlich nicht da. Nur kurz nach dem Essen, aber dann waren sie wieder weg.

Es ist jetzt spätnachmittag und ich werde mich mal in die Küche schmeissen und Geschirr spülen usw. Danach gehe ich unter die erfrischende Dusche und schon ist es wieder Zeit fürs Abendessen. Die Tage fliegen nur so an uns vorbei – ich bin doch gerade erst aufgestanden…so fühlt es sich nahezu jeden Tag an.

Morgen früh muss ich Rezept holen und Schatz kommt mit – Blutabnehmen ist angesagt.

Bis dann

Emotionales auf und ab…

oder – wie ich Zuversicht hasse!

Erstmal noch kurz was zu gestern.
Ich habe ja gesagt, dass es meinem Schatz gestern extrem übel wurde. Ich hatte 1000 Hoffnungen, die sich gestern Abend in Luft aufgelöst haben.

Gegen abend wurde ihm doch schwindlig und wieder speiübel. Das ging den ganzen Abend so. Innerlich bin ich gestorben und wusste nicht wohin mit mir. Unser verstorbener Freund hatte auch diesen Schwindel und diese Übelkeit, als der Krebs bei ihm diagnostiziert wurde. Ich hatte wieder alle Bilder von damals vor Augen und mich hat es zerrissen.
Ich brauche kein MRT um zu wissen ob er Hirnmetastasen hat…seine körperliche Verfassung zeigt es deutlich! Um 10 Uhr haben wir uns Bettfertig gemacht und mein Schatz ist recht schnell eingeschlafen. Ich konnte nicht schlafen und habe bis um 12 ferngesehen, dann den Fernseher ausgemacht und gefühlt noch eine Stunde wach gelegen mit 1000 Gedanken. Einfach nur schrecklich..

HEUTE 30.06.2015

Ich habe kaum geschlafen und war um halb 5 eigentlich schon wach. Mein Schatz musste dann auf die Toilette gegen 5, und da sind wir dann beide schon aufgestanden. Hätten bis halb 7 schlafen können, aber es ging eben nicht.
Er hat sich heute morgen zwar müde, aber recht fit gefühlt. Keine Übelkeit, nur leichter Schwindel und eben wackelig auf den Beinen.

Um halb 9 sind wir zum Krankenhaus gefahren und waren pünktlich um 9 Uhr in der Patientenanmeldung. Zum Glück recht früh, denn es waren nur 2 Leute vor uns und nach uns kam ein ganzer Schwung.
Die Anmeldung gestaltet sich wie der Vorgang im Sozialamt. Man muss eine Nummer ziehen und warten bis diese aufgerufen wird.
Hat zum Glück nicht lange gedauert, 10 Minuten vielleicht.

Nach der Anmeldung sollten wir dann zur ThoraxChirurgie und uns dort weiter anmelden. Da waren wir alleine und mussten trotzdem eine halbe Stunde warten bis wir dann ins Sekretariat durften.
Dort haben wir alle Papiere abgegeben und mein Schatz sollte noch zum EKG. Ging aber super flott das EKG. Nochmal warten, aber nicht so lange. Dann sollte er nochmal ein Röntgen machen lassen, ging auch schnell eigentlich.

Wieder kurz warten und dann kam die nette Dame raus und drückte uns seine Akte in die Hände, mit den Worten – wird könnten jetzt hoch auf Station. Sie wollte uns noch erklären wo das ist – ich unterbrach sie und sagte, dass ich mich leider hier in dem Gebäude zu gut auskenne. Sie nickte zustimmend und leicht mitleidig und wir verabschiedeten uns.

Also dackelten wir hoch zur Station und meldeten uns dort. Das Zimmer wäre noch nicht fertig, müsste noch geputzt werden. Er soll aber noch einen Lungenfunktionstest machen, der auch recht schnell ging. Kaum gewartet und LuFo geht ja schnell.

Als wir wieder kamen, wurden wir direkt weiter geschickt in das Zimmer. Es war kurz vor 11 Uhr. Cool, von der Aufnahme bis zum Zimmer nur 2 Stunden, inklusive 3 Untersuchungen.

Das ich dass immer so betone liegt daran – ich erinnere mich, dass es auch schon mal einen ganzen Tag gedauert hat, bis man endlich auf der Station bzw. seinem Zimmer ankam..

Wir setzten uns auf die Stühle und da sind wir beide erstmal zusammen gesackt. Der Vormittag war anstrengend für mein Schatz und mein Schlafmangel und die Hitze haben bei mir das übrige getan.

Wir sollten in dem Zimmer warten, bis der Arzt kommt und den OP Ablauf erklärt. Um halb 1 Uhr war immer noch kein Arzt in Sicht. Im Gegenteil – Essen wurde ausgeteilt. Es gab Schweinegeschnetzeltes mit Kartoffeln und Karotten.
Der Bettnachbar, auch an dem Tag erst gekommen, ist ein Araber und ein Moslem. Er bat um ein anderes Essen und die Schwester bemühte sich ein anderes zu holen. Stellte ihm ein anderes Tablett auf den Tisch, und als er es öffnete habe ich mich innerlich an den Kopf geklatscht. Es war genau das gleiche…der arme Mann…aber so typisch Krankenhaus. 10 ausländische Programme im Tv, aber nicht in der Lage einem Moslem ein schweinefleischfreies Essen hinzustellen..er ist ja immerhin nicht mal der einzige Moslem auf der Station..aber das nur am Rande.

Schatz wollte das nicht essen. Ich meinte, dass bei der Essensausgabe sowieso kein Arzt käme und wir sind ins Bistro gegangen. Eine halbe Stunde später sind wir wieder hoch – und was ist, er wurde gesucht. War ja klar!

Aber die Ärztin, eine Chirurgin kam dann nach kurzer Zeit und erklärte den Ablauf der Bronchoskopie im Detail. Es würde geschaut wie genau der Tumor liegt, eine Probe würde genommen und auch der Rest der Lunge würde gespiegelt werden. Alles unter Narkose.
Dann erzählte sie aber noch mehr…dadurch das er einen Pleuraerguss hat und der das Atmen erschwert, meinte sie – wenn er dann schon mal da läge, würde sie die Lunge punktieren bzw eine Drainage legen damit das Wasser ablaufen könnte. Der Schlauch geht aus der Lunge an der Körperseite raus und in einen Beutel. Das geht unterschiedlich schnell, je nach Patient und Verfassung. Es würde nach ein paar Tagen der Beutel entfernt werden, und der Schlauch abgestöpselt. Dann Röntgen und dann wenn kein Wasser mehr da ist, wird der Schlauch entfernt…auch unter Narkose. Das alles sollte innerhalb einer Woche passieren.

WIE BITTE – es sollten doch nur 3 Tage sein? Jetzt eine Woche?, übers Wochenende?? Schlecht…ganz schlecht..aber erstmal abwarten.
Sie erzählte dann noch, dass sie bei einer nachfolgenden OP dann noch Talkumpuder einblasen würden, damit sich das Rippenfell entzündet, damit es verklebt und kein Wasser mehr in die Lunge einlaufen könnte. Mh…scheint Methode zu sein. Schatz hat erstmal eingewilligt.

Ziel ist es, dass eben kein Wasser mehr einlaufen kann, und das die Lunge wieder besser belüftet wird und dementsprechend er besser atmen kann. Naja gut..hört sich ja alles im Allem gut an, wenn die Sache mit dem Tumor nicht wäre…da sind alle Fragen noch offen. Ist er kleinzellig, oder nicht, operabel – oder nicht, ist diese Wasserablass-Sache palliativ..oder nicht..

Es wird einem erklärt, dass alles gut ist und dem Patienten dient, aber letzendendes geht es ja um den Tumor…

Gegen 2 Uhr sollten wird noch zum Narkosearzt für das Aufklärungsgespräch. Da haben wir eine halbe Stunde gewartet und das Gespräch hat über einen Stunde gedauert. Es wird da abgefragt, was man für Vorerkrankungen hat, welche Medkamente man nimmt, und andere Sachen und eben die RisikoAufklärung der Narkose. Die Narkoseärztin war sehr nett und es hat Spaß gemacht sich mit ihr zu unterhalten. Eine echt süße Person.

Es war schon halb 4 als wir aus dem Zimmer wieder rauskamen. Wir sind dann noch mal zu ihm ins Zimmer. Aber ich musste ja los. Mein Schatz hat mich noch zum Bus gebracht und ich bin dann nach Hause. Wieder mit 1000 Gedanken im Kopf.

Ich meine, ist klar – Risiken sind immer da, auch wenn nichts eintrifft. Daum geht es eigentlich nicht. Aber das mit dem Schlauch hat mich schon etwas .. wie soll ich sagen…ich weiß nicht…ich finds gut und gleichzeitig scheisse.

Er ist morgen früh dran, vielleicht als erster schon.

Ich drücke meinem Engel alle Daumen, dass er die OP gut übersteht. Bis ich gegangen war, war er relativ fit. Er ist halt langsam gegangen, aber das ihm groß schwindlig, oder überl war konnte ich nun nicht sagen. Die Hitze ist aber nichts für ihn, ich glaube die Hitze heute ist für keinen was. Morgen soll es ja noch heisser werden.

Mir geht es im Moment gut, ich mache mir nur Sorgen wegen der OP und vorallem welchen Namen das Kind des Dämons bekommt. Welche Art Tumro es ist und wie es dann weitergeht.

Morgen fahre ich wieder zu ihm und kann es jetzt schon kaum erwarten ihn zu sehen.

Bis dann