Lieber ein Ende mit Schrecken

als ein Schrecken ohne Ende….

Die letzten Tage ging es Schatz besser. Er hat sich besser gefühlt und sah besser aus. Aber dann, seit vorgestern hat sich das Blatt gewendet. Er fühlt sich nicht gut, auch wenn man ihm das nicht unbeededingt ansieht.

Gestern hat er, nach einem Hustenanfall, ja Blut gehustet. Das hat nicht aufgehört. Zunächst schon, aber dann wurde es immer heftiger. Er hat dolle gehustet und das erst helle Blut wurde wieder sehr dunkel. Wie man sich Blut vorstellt. Wie man es aus Filmen kennt. Immer waren Blutklumpen dabei. Große. Nicht so schwarz wie neulich, aber sehr dunkel. Altes Blut eben, oder abgestorbene Tumorzellen. Wer weiß das schon.

Schatz hat so viel Blut gehustet, die ganze Zeit. Ich dachte – so wie das aussah, jetzt dauert es nicht mehr lange. Der Tumor wächst weiter in den Bronchus. Schatz sagt, er kann gut atmen. Er hat keine Atemnot. Nur diesen Reiz zum Husten, und das heftig. Schatz war aufgedreht, hat gelacht und viele Sprüche gemacht. Er hat Angst. Habe ich auch. Er überspielt damit die Situation.

Ich dachte, jeden Moment kommt es zu Blutsturz. Irgendetwas reißt. Er verblutet und ich kann nichts machen. Ich dachte dass es das jetzt war. Es hat einfach nicht aufgehört. Gegen Abend hat es nach gelassen. Ich hatte Angst zu schlafen. Ich will nicht schlafen, wenn er stirbt. Das könnte ich mir nie verzeihen. Er konnte während dem Husten nicht liegen. Jedesmal wenn er sich hingelegt hatte, kam ein heftiger Hustenanfall. Blut. Blutklumpen.

Ich dachte, seine Lunge läuft voller Blut. Als wir uns zu später Stunde aber hingelegt hatten, war dem nicht mehr so. Er hatte aufgehört zu husten. Zumindest so heftig. Manchmal hustete er noch. Blut. Helles Blut. Manchmal auch oranger Auswurf.

Ich habe schlecht geschlafen. Einnmal bin ich aufgewacht, weil ich eine Aura hatte. Dieses schillernde Muster im Augenwinkel. Migräne. Na toll. Mein Gehirn schaltete auf – Failure, Error, Tilt….

Das seltsame war, als er ständig dieses dunkle Blut gehustet hatte, war ich ganz ruhig. Kein Herzklopfen, keine Aufregung, beinahe uninteressiert. Vom Gefühl her. Ich will nicht das er so stirbt, aber es scheint, als wüsste mein Unterbewusstsein bescheid. Aber auf diesen Moment kann man sich nicht vorbereiten, auch wenn man sich das noch und nöcher einredet.

Das Thema „Chemo“ rückt in den Vordergrund. Aber will ich mir das antun? Sollen wir uns das antun? Lieber ein Ende mit Schrecken – als ein Schrecken ohne Ende. Warum soll ich sein Leiden verlängern?! Es ist für uns beide nicht das verkehrteste, wenn es schnell passiert. Auch wenn wir beide das nicht wollen…aber es ist wie es ist. Krebs ist eine hässliche Angelegenheit. Das versteht niemand, der nicht in GENAU dieser Situation steckt.

Wir haben das schon einmal durchgemacht. Unser bester Freund ist qualvoll gestorben. Nun stirbt mein Schatz, mein Leben, mein Herz an dieser Sache…in ein paar Jahren mache ich das nochmal durch. Mein Vater hat auch Lungenkrebs. Ich werde die 3 wichtigsten Männer in meinem Leben an den Lungenkrebs verlieren.

Schatz geht es nicht gut. Er stöhnt beim atmen. Er kann gut atmen, sagt er, aber es sind eben diese körperlichen Dinge. Kenne ich auch. Asthmaanfall – da stöhne ich genauso….er kann kaum noch laufen. Er kann laufen – aber das linke Bein will nicht. Er bewegt es so, wie man es von Menschen kennt, die einen Schlaganfall hatten. Man sieht es eben einem an. Er hatte einen Schlaganfall. 3 Jahre her. Er ist so kaputt, so schnell erschöpft. Müde, kraftlos, daß ich alleine Einkaufen war. Er saß im Auto und hat gewartet.

Er ist kaputt. Es geht jetzt vielleich schneller als gedacht. Als geahnt. Manchmal wünschte ich mir, daß es schon vorbei wäre. Das ich diesen Druck nicht mehr aushalten müsste. Ich hasse mich dafür. Ich vermisse ihn jetzt schon. Warum kann er nicht einfach gesund werden, gesund sein?! Krebs ist nur eine Krankheit. Wir fliegen auf den Mond, auf den Mars…aber Krebs ist nicht „heilbar“ ..von wegen!!! Mein Hass auf Onkologen wächst…scheiß Profitgier, scheiß Geld, scheiß Pharmamafia. Wer das nicht sieht, hat den Schuss nicht gehört. Ist blind…vertraut falsch…es gibt andere Möglichkeiten…aber warum soll man das selbst bezahlen? WEIL ES KEIN GELD DER PHARMAMAFIA BRINGT!!! Es besteht kein Interesse daran, daß Betroffene gesund werden….Fehler im System…..

Warum will das niemand erkennen…

Bis dann

Wehmut

Vorhin habe ich die restlichen Äpfel vom Baum geholt. Die meisten waren angefressen, von den Wespen und anderem Getier. Wir spritzen den Baum nicht. Wir essen auch die Äpfel nicht. Die Blüten sind sehr schön und es ist toll zu sehen, wie aus den Blüten Äpfel werden. Ein paar Äpfel waren unversehrt. Eine Freundin nimmt diese Äpfel immer dankbar an. Sie macht daraus Apfelmus, oder sonst was. So wachsen sie nicht ganz umsonst.

Der nächste Schritt war den Pavillion abzubauen. Also das Dach. Die Seitenwände lassen wir dran. Das Dach hält eventuellen Schneemassen nicht stand. Ich habe erst die Gartenstühle weg geräumt, dann den Tisch, dann alle Kabel. Das Kabel ist dafür da, daß wir Radio hören können, oder den Ventilator anschließen können.

Der Sommer ist vorbei, und selbst wenn es noch mal warm werden sollte, ist es doch zu kalt um im Garten zu sitzen. Als ich alles weg- und aufgeräumt hatte, stand ich an der Tür zum Garten und schaute noch mal zurück. Mich packte ein wenig wehmut. Als ich alles weg räumte, hatte ich nichts weiter im Sinn. Als ich an der Tür stand überkam es mich. Ich dachte – immer wieder traurig, wenn der Sommer sich dem Ende neigt…und ich dachte – nächstes Jahr ist Schatz vielleicht nicht mehr da.

Vielleicht auch schon, aber in welcher Verfassung. So oder so – das war wahrscheinlich der letzte Sommer in dem wir gemeinsam lachend im Garten saßen und den Sommer in vollen Zügen genießen konnten. Eine dunkle Wolke zog vorbei und Wind kam auf. Das trieb meine melancholische Stimmung weiter. Mein Herz schnürte sich zu und ich hatte das Gefühl nicht mehr atmen zu können. Ich riss mich selbst aus der Stimmung raus. Ich wollte nicht in Tränen ausbrechen. Ich schloss die Tür zum Garten und es war, als würde ich eine ganz andere Tür schließen.

Eine Tür zu einem wunderbaren Ort voller Erinnerungen. Freude. Entspannung. Frieden. Unser Garten war in dem Moment nicht mehr derselbe. Er sieht aus wie vorher, aber er fühlt sich anders an…

Nächstes Jahr ziehe ich alleine das Dach wieder auf. Werde alleine den Rasen mähen, alleine dort sitzen. Vielleicht auch nicht. Klar habe ich Freunde, die den Rasen für mich mähen und ich werde auch nicht alleine dort sitzen. Ich werde trotzdem alleine sein.

Unser Freund und Nachbar kam vorbei und meine melancholische Stimmung war fort. Gut so. Wir frotzelten etwas rum und nach einer Weile ging er wieder.

Kurz darauf bekam Schatz einen Mega Hustenanfall. Helles Blut. Dunkles Blut. Einen großen Blutbrocken. Nicht schwarz, aber dunkel. Sehr dunkel. Er ist aber guter Dinge. Er ist gut gelaunt. Kaum das er sich hingelegt hat, schlief er ein. Er sagte gestern – ich sehe immer besser aus, aber innerlich fühle ich mich immer schlechter. Das stimmt. Er ist nicht blass, hat eine gesunde Gesichtsfarbe. Sein Gewicht hält sich zur Zeit um die 67 – 68 Kg. Sein Fuß ist nicht so kalt, wie es schon mal war. Seine Müdigkeit verändert sich nicht. Er hat die letzten Tage auch kein Blut gehustet. Bis auf vorhin.

Später noch etwas einkaufen. Ich habe keine Idee was ich kochen könnte. Vielleicht mache ich was mit Blumenkohl. Hätte da Lust drauf. Jetzt ruft erstmal wieder etwas Hausarbeit.

Bis dann

Gute Tage

Neulich hatte ich geschrieben, daß Schatz angefangen hat Blut zu husten. Das hatte sich gesteigert, daß er nur noch Blut gehustet hatte – bis zu dem Hustenanfall vor ein paar Tagen. Was er mir erst am nächsten Tag sagte war, daß er bei dem riesen Hustenanfall danach noch etwas ganz schwarzes festes ausgehustet hatte. An diesem schwarzen etwas waren auch leichte Blutspuren zu sehen – Fäden und..naja kennt man ja vielleicht.

Danach hat das Bluthusten relativ schnell aufgehört und ich muss auch sagen, die letzten Tage war kein Blut mehr im Auswurf. Schatz sagt, unmittelbar nach dem das schwarze „etwas“ ausgehustet war, ging es ihm auch schlagartig besser. Er konnte besser atmen und er fühlte sich auch besser.

Ich nehme mal an, daß ist sehr altes Blut das er ausgehustet hat. Er sagte aber, die Konsistenz wäre nicht so wie Blut. Altes Blut ist zäh und gummiartig. Dieser Blob (so nenne ich das jetzt mal) war aber weder zäh, noch gummiartig. Auch das frisches Blut dran hing, wäre schon seltsam. Wir einigten uns darauf, daß es ein Stück abgestorbener Tumor war. Ähnliches habe ich in diversen Foren gelesen…seit dem ist Schatz besser drauf. Das mit dem Bein und seine Müdigkeit sind unverändert. Er ist aber besser drauf – schwer zu erklären, man muss ihn erleben. Seit dem der Blob aus der Lunge ist, schläft er gut. Nicht so wie die vorangegangenen Tage – richtig gut und dementsprechend erholt ist er morgens.

Er ist schnell erschöpft, wie gehabt, aber das liegt an den Erythrozyten die ja viel zu wenig sind. Ich bin gespannt, wenn wir in 4 Wochen wieder zu Blutabnahme gehen, wie sich die Werte verändert haben. Ich hoffe das sie nicht weiter absinken….er bekommt ja Eisen…da sollte schon eine Besserung eintreten…zur Zeit geht es ihm den Umständen entsprechen gut.

Die Woche hat er gut gegessen. Beim nächsten mal duschen, stelle ich ihn auf die Waage und schau mal was mit seinem Gewicht so los ist. Seine Beine sind ganz dünn, seine Arme auch…aber er hat ein kleines Bäuchlein bekommen. Das letzte mal hatte er knapp 67 Kilo. Je höher das Körpergewicht, umso länger „überleben“ Betroffene. Wie gesagt, Kachexie ist eine gefährliche und lebenslimitierende Komplikation…solange er Hunger hat und isst, ist alles gut. Ich weiß, ich sage das total oft…

Heute regnet es schon den ganzen Tag. Schatz kann nichts weiter machen als Fernsehen und schlafen. Das nervt ihn so. Er hat Energie, aber der Körper macht nicht mit. Ein scheißgefühl.

Was uns auch aufgefallen ist – er hat Besenreiser an den Füßen, sehr viele und es sieht heftig aus. Seit gut einer Woche bilden wir uns ein, daß die Besenreiser heller werden bzw. auch ganz verschwinden. Ich creme seine Beine und Füße ja seit Wochen schon ein, wegen seiner Haut. Die Creme ist zwar nicht dafür verantwortlich, aber ich sehe seine Füße dabei. Und wie gesagt, wir bilden uns ein, daß die Besenreiser weniger werden. Wir beobachten das nun genau und wenn dem wirklich so ist, müssten ja in geraumer Zeit alles weg sein. Der eine Fuß war schon immer etwas lila, wegen den Besenreisern eben und nun ist er nicht mehr lila…deswegen ist es mir zuerst aufgefallen. Werde berichten.

Also den lila Fuß hat er schon seit Jahren..das ist nichts, daß jetzt neu ist. Aber neu ist, das er eben nicht mehr lila ist…

Jetzt muss ich noch schnell zum Laden um die Ecke, dann Mittagessen machen. Heute mache ich Bratkartoffeln mit Spiegelei. Was ganz einfaches, aber lecker.

Bis dann