Quälende Stunden

Gestern kam Schatz ja nach Hause und war super froh. Er klagte über ein wenig Übelkeit.
Im Laufe des Nachmittags kamen der ein, oder andere Bekannte vorbei und es gab viel zureden. Naja, mehr von den Bekannten, als von meinem Schatz.

Im Laufe des Abend wurde ihm immer schlechter. Auch Schwindel war vorhanden und übelste Kopfschmerzen. Die Kopfschmerzen kamen von der Narbe/Naht hinten an seinem Kopf. Er legte sich auf die Couch und versuchte gegen die Übelkeit zu kämpfen. Er sah sehr blass aus.

Es wurde immer schlimmer. Gegen halb 10 Uhr bin ich zu einer Notapotheke gegangen und habe dort ein Mittel gegen Übelkeit geholt.
Vorher hatte er bereits 2 Paracetmol genommen, und eine halbe Stunde später Schmerztropfen. Hat alles nicht geholfen! Die Übelkeit war schlimm, und die Kopfschmerzen noch mehr..

Ich gab ihm das Mittel gegen Übelkeit, nochmal eine Schmerztablette und auch paar Schmerztropfen. Alles noch unter einer Überdosierung..

Gegen halb 11 Uhr wurde er langsam ruhiger. Das Mittel gegen Übelkeit verstärkt andere Medis (Wechselwirkung) und macht zudem etwas müde. Die Tropfen können auch müde machen und alles in allem haben die Tabletten und Tropfen endlich angeschlagen und er konnte einschlafen – mit eingedämmter Übelkeit und besser erträglichen Kopfschmerzen…mh..wie soll ichs sonst sagen..

Ich habe den Fernseher etwas leiser gemacht, damit er nicht wieder aufwacht. Ich war froh, daß er jetzt schlafen konnte. Ich habe bis ca. Mitternacht „Wache“ gehalten und habe seinen Schlaf überwacht. Dann habe ich den Fernseher ausgemacht und mich auch hingelegt, mit einem Ohr aber immer bei Schatz. Er war paar mal wach, um auf Toilette zu gehen. Auch ächzte er ein wenig, aber war schnell wieder ruhig und konnte einschlafen. Darüber war ich sehr froh.

Heute morgen gab es erstmal einen Kaffee. Kaffee und Obst ist das Einzige, daß er noch zu sich nimmt, ausser Tee und Wasser. Er hat keinen Hunger – und mag nichts essen…
Ich saß während er seinen Kaffee trank neben ihm und wir haben gekuschelt.
Wir wollten heute zu unserem Hausarzt gehen und auch einkaufen. Gegen 10 Uhr heute morgen ist ihm wieder schlecht geworden und ich habe ihm einen Bananen Kiwi Smoohtie mit Ingwer gemacht. Er hat ein halbes Glas getrunken und schläft seit dem. Jetzt ist Mittag.

Das mit dem Hausarzt wird wohl heute nichts mehr, und auch einkaufen werde ich später schnell alleine. Das ist für mich kein Problem, nur Schatz will nicht so lange alleine sein. Mal sehen – vielleicht gehen wir auch gemeinsam…

Ich bin irgendwie schlagskaputt. Das Wetter spielt auch nicht so mit heute, denke ich werde mich auch mal ein Stündchen hinlegen.

Bis dann

Nachtrag:

Kurz nachdem ich den Blog geschrieben hatte, wachte Schatz auf. Ihm war wieder sehr übel und ich gab ihm eine Tablette dagegen. Zum Glück hilft das im Moment etwas, und die Wirkung tritt recht schnell ein.

Dann fragte er, ob ich was zu essen mache. Das hat sich in meinen Ohren schön angehört – er hat Hunger! Er ist so verdammt abgemagert, er hat vielleicht noch 65 Kg bei einer Größe von 1.83m…
Ich flitze also schnell zum Edeka um die Ecke und holte Königsberger Klopse. Ist zwar TK Ware (sollte man nicht essen bei Krebs) aber ich bin noch nicht zum einkaufen gekommen.

Dazu gab es Reis und zu meinem Erstaunen aß er seinen Teller leer. War zwar jetzt keine Mega-Portion, aber immerhin! Zum Essen stellte ich ihm ein Glas frisch gepressten O-Saft mit Ingwer hin. Hilft auch etwas gegen die Übelkeit – also der Ingwer.
Ich schlug vor, uns nach dem Essen in den Garten zu setzen. Gute Idee – sagte Schatz.
Als ich vom Geschirrspülen wieder ins Wohnzimmer kam, schlief er wieder. Er schläft jetzt noch. Manchmal wacht er auf, schaut nach mir und dreht sich wieder um.

Denke heute wird nicht mehr viel passieren. Ich hoffe nur, der Abend und die Nacht werden nicht so schlimm wie gestern.

Morgen Vormittag muss ich zum Hausarzt – ich muss ihm die Befunde etc. vom KH bringen. Dann auf die Bank und ich muss wirklich was einkaufen gehen.

Ich habe auch heute die Bestrahlung nicht abgesagt. Wir haben auch nicht darüber gesprochen. Schatz meinte nur mal kurz, daß er es hasse das man auf andere (Menschen) so angewiesen wäre.
Ich sagte ihm gestern bereits, daß ich jeden Weg mit ihm gehe. Aber das er sich mit der Bestrahlung langsam anfreundet, ist für mich ok. Es geht um die Hirnmetastasen – somit auch um die Übelkeit.
Chemo lehnt er nach wie vor ab. Verstehe ich absolut. Die Bilder von Bienschen sind immer da…

Achja – dabei fällt mir noch ein, gestern Abend erzählte er mir noch das, was er mir nicht vom Vorgespräch gesagt hatte. Ich hörte mir das alles an und nickte nur. Ich hörte nur zu und streichelte seine Hand, die er in meine legte.

Er mag es nicht, daß so über ihn bestimmt würde, daß es nicht um ihn ginge, nur um seine Erkrankung und das er wie ein Ball nur hin und her geworfen werden würde. Er hat die Kontrolle nicht (über sich) und damit kommt er nicht klar. Er bestimmt über sein Leben und nicht die Ärzte! Geht mir auch so muss ich sagen…ich verstehe ihn..ist eine echte Ausnahmesituation, in der er sich befindet..und ich auch.

Eben fragte er mich, ob wir was Süßes da hätten. Wir haben noch Schokoröllchen – sagte ich – und brachte sie ihm. Ich finde es so toll, daß er isst…auch wenn es Nahrung für den Krebs ist. Aber das spielt keine Rolle jetzt.

Bis dann

Flucht – dann doch nicht

Heute morgen gegen 9 Uhr habe ich mit meinem Schatz telefoniert. Er klang gut und freute sich mich später zu sehen. Gegen 11 Uhr war ich dann im Zimmer und er hatte übelste Laune. Was war denn in den 2 Stunden passiert?

Er war super genervt und meinte, er gehe jetzt. Wie du gehst jetzt, sagte ich und er stand auf und zog sich seine Jeans an. Zuvor sollte ich ihn noch von den Strümpfen befreien – diese weißen ThromboseStrümpfe die man immer bekommt. Ich zog sie ihm aus und er zog sich seine normalen Socken an, dann eben seine Jeans.
Ich gehe jetzt – ich packe jetzt meine Sachen und hau einfach ab! Was ist denn los, meinte ich und Schatz sagte, er hätte die Schnauze voll. Er wolle nicht länger hier sein und schon gar nicht übers Wochenende.

Man bekäme keine Informationen, kein Arzt ließe sich blicken und er schimpfte vor sich hin.
Ich sagte zu ihm, daß wenn er einen Arzt sprechen wolle, dann müsse er einen antanzen lassen. Die kommen nicht von alleine, was ist denn mit der Visite.
Die war heute nicht hier – meckerte er und räumte dabei seine Schublade aus und ich war den Tränen nahe.

Ich stand kurz vor der Überforderung und sagte, ich gehe jetzt zu einer Schwester vorne an die Theke. Ich würde jetzt Dr. NAME (blonde Ärztin) verlangen damit du mit ihr reden kannst.

Schatz war dermaßen angefressen und ich bemerkte noch, daß er nicht so einfach gehen kann. Er kann zwar auf „Eigenverlangen“ nach Hause, aber er könne nicht einfach so gehen! Das hat versicherungstechnische Gründe…nicht nur für das KH, auch für ihn hätte das böse Konsequenzen. Ich will ihn ja auch mit nach Hause nehmen, aber doch nicht so! Ich weiß doch wie schwer das ist und ich weiß auch wie nervend das ist, vorallem übers Wochenende…

Er ließ sich darauf ein und ich ging zur Theke. Blonde Ärztin wäre erst am Montag wieder da. Ich fragte, wer denn dann der Stationsarzt für das Wochenende ist, und die Schwester sagte Dr. NAME…ok gut, kenne ich nicht. Ich sagte der Schwester, sie solle doch bitte Dr. NAME dann ins Zimmer X schicken, wenn sie sie erwischen würde.
Die ist grade auf Visite, das könne dauern. Toll – dachte ich mir und ging wieder mit dieser Nachricht ins Zimmer.

Schatz, immer noch angefressen und maulend, legte sich aufs Bett und schaltete stur. Ich lehnte mich an den Türrahmen und wartete auf die Stationsärztin.

Nach ca. 45 nervenaufreibenden Minuten raste sie an mir vorbei. Ich stoppte sie höflich und fragte, ob sie ein paar Minuten Zeit hätte, mein Mann hat ein paar Fragen. Sie schaute auf ihren Plan und kam mit ins Zimmer.

Sie sagte vorneweg, daß sie eigentlich hier von den Patienten nur sehr wenig Ahnung hat, sie wäre eine Vertretung. Aber vielleicht könne sie ja trotzdem helfen – welche Fragen haben sie denn?, fragte sie.

Schatz fragte, warum er denn nicht übers Wochenende nach Hause dürfe, es läge ja nichts an und ihm ginge es soweit gut. Die Ärztin (ein ganz junges Ding) fragte, wann denn die OP war..die war am Dienstag, sagte Schatz und die Ärztin erklärte ihm, daß es zu früh sei – wegen der Narbe unter anderem.

Ich sagte, man könne auch den Verband wechseln, der würde nur so da hängen und ob das mit den Haaren so gut wäre. Sie entfernte den Verband und freute sich wie gut die Naht ausieht.
Sie ging kurz raus um einen neuen Verband zu holen und ich schaute mir die Naht auch an. Sieht wirklich super aus. Kein Vergleich zu Bienschen, der sah aus wie ein Rollbraten!
Ich sagte Schatz, daß die Naht sehr schön ist, und flach und gar nicht wie bei Bienschen.

Die Ärztin kam wieder und Schatz meinte, es wäre wohl eine finanzielle Sache, daß er nicht raus dürfe. Sie stutze kurz und erklärte, daß dem nicht so sei.

Ginge es ums Geldverdienen, hätten sie ihn bereits nach der ThoraxOP entlassen und ihn dann wieder kommen lassen, wegen den Hirnmetastasen.

Solange ein Patient im Krankenhaus ist, verdienen sie nichts – solange kostet ein Patient. Erst wenn der Patient entlassen würde, könnte man Abrechnen und dann erst würde Geld fließen. Sie lachte und sagte, daß wäre nicht der Grund das er da bleiben müsse.
Sie äusserte Verständnis für seine Lage.

Sie sagte zudem noch – morgen wäre der eigentliche Stationsarzt im Haus und er wüsste auch besser bescheid über die Patienten hier auf der Station. Schatz solle morgen diesen Arzt nochmal ansprechen und vielleicht dürfe er dann für Sonntag nach Hause.

Schatz war ruhiger geworden und wir bedankten uns erstmal.

Als die Ärztin weg war, redeten wir darüber und im Verlauf des Gesrpächs habe ich raus gehört, daß er Angst hat.
Angst vor Montag – vor der Bestrahlung. Es gibt am Montag erst ein Vorgespräch und ob es auch gleich eine Bestrahlung gibt, wissen wir nicht.

Schatz wurde immer ruhiger und entspannter. Ich habe alles über Bestrahlung gelesen und erklärte ihm, daß man das nicht mit der Chemo vergleichen kann.
Schatz hat Bedenken wegen der alten Geräte mit denen Kassenpatienten behandelt werden. Ich versuchte ihn weiter zu beruhigen in dem ich sagte, daß auch die „älteren“ Geräte punktuell bestrahlen könnten. Es gäbe keine Ganzhirnbestrahlung. Er zweifelte zwar, aber sah ein, daß es mit Chemo nichts zu tun hat. Er hat Angst vor den Nebenwirkungen und dem Vorgang.
Ich erklärte ihm, daß die Nebenwirkungen nicht mit der Chemo zu vergleichen sind und jeder Mensch verträgt das anders. Manche merken nach 30 Bestrahlungen nichts und andere sofort nach der Ersten..kommt immer darauf an…

Irgendwann war er relativ entspannt und wir sind runter gegangen um einen Kaffee zu trinken. Wir saßen eine ganze Stunde im Bistro. Schatz wollte wieder hoch, er wäre müde.

Er legte sich aufs Bett und wurde ganz ruhig. Wir redeten über die Machenschaften und das System – diese 5 Tage Regel. Ich sagte, daß ich dafür zu wenig Informationen hätte um dies zu bestätigen.

5-Tage Regel deshalb: Als wir beim PET CT waren, sagte der Arzt, dass aus Abrechnungsgründen (oder so) es nun 5 Tage dauert, bis man ins Krankenhaus „darf“. Nun hatte Schatz die Idee, das sie ihn deswegen übers Wochenende behalten, weil die OP erst am Dienstag war und deswegen auch erst am Montag das mit der Bestrahlung los gehen kann. Dazwischen liegen 5 Tage…denn die hätten ja auch schon Donnerstag, oder Freitag mit der Bestrahlung anfangen können.

Wie gesagt, ich kann das nicht so beurteilen, ob dem so ist, oder ob das eine fixe Idee ist…aber es regt zum Nachdenken an. Vielleicht hat es auch nur schlicht mit der Naht am Kopf zu tun, oder weil das Gehirn natürlich auch etwas Zeit braucht, bevor es weiter strapaziert wird.

Zum Abend hin fragte ich ihn dann, wie er es jetzt weiter handbaben möchte, ob er morgen dann versuchen will zu gehen, mit Erlaubnis vom Arzt.
Ich sagte aber auch, daß er es doch aushalten und durchziehen könnte.

Als ich ging, war er so eingestellt, daß er den Sonntag eben auch noch durchziehen möchte, auch wenn er sich dazu genötigt fühlt.

Jetzt kommt die Nacht, er kann nicht schlafen, und ich weiß nicht mit welcher Laune und Begebenheit er mich morgen erwartet…

Ich will daß er nach Hause kommt – keine Frage, aber ich will das nicht unter solchen Umständen. Wenn er zu Hause ist und es passiert etwas unvorhergesehenes..was dann? Ich sagte ihm, daß er sich doch eine Schlaftablette geben lassen soll. Dann kann er wenigstens schlafen und steigert sich nicht so hinein.

Was mich auch wahnsinnig macht ist die Tatsache, daß wir nicht wissen WANN am Montag es ins andere Krankenhaus geht. Er sagt, ich soll auf jeden Fall dabei sein..aber fahre ich ins KH und dann darf ich nicht mitfahren?, oder fahre ich vor ins andere KH – aber wann wird er da sein und vorallem, welcher Eingang?
Ich will auch auf jeden Fall bei dem Vorgespräch dabei sein..er soll das nicht alleine machen. Ich weiß nicht was ich tun soll…vielleicht weiß morgen der Stationsarzt, wann er gefahren werden soll.

Ich meinte, er könne mich ja anrufen, dann käme ich zum anderen KH – aber dann bleibt die Frage, welcher Eingang und WO im KH ist das überhaupt.
Ich will nicht das er da alleine ist, ohne mich, und er will das auch nicht.

Ich sagte noch, er soll darauf bestehen das ich dabei bin, aber dann ist die Gefahr, daß sich alles wieder unnötig verzögern könnte. Das wäre auch blöd.

Es kann sein, daß wenn das hier jemand liest, sagt – stellt euch nicht so an, ist doch nicht schlimm, ist ja nur ein Vorgespräch – oder sowas..aber wer uns kennt weiß, das wir eine Seele in 2 Körpern sind und es einfach nicht geht, gerade bei solchen Dingen, getrennt zu sein.
Das verstehen die wenigstens einfach…er braucht mich, er hat Angst.

Mal sehen was morgen kommt…Sonntag..wahrscheinlich wieder nur das Gefühl alleine gelassen zu werden und alleine auf weiter (Ärzte) Flur zu stehen..

Bis dann

Was ein Affenzirkus

Ich bin heute mit einem nicht so freudigen Gefühl ins Krankenhaus gefahren. Es sollte sich auch bestätigen.
Im Zimmer angekommen, lag Schatz auf dem Bett und hatte echt schlechte Laune. Ich begrüßte ihn und sah auch gleich was Sache war. Er hatte ein T-Shirt an und ein Sweatshirt, es war kalt heute Nacht, und ich sah einen großen nassen Fleck an der Seite.
Ich sagte – och nee…echt jetzt? Und er nickte fest.

Das kann doch nicht sein, die haben den Schlauch gestern nicht gezogen! Ich fragte, was die Visite gesagt hat heute.

Also..erst haben sie gesagt, das von den angeblich kleinen Metastasen eine größere Raumforderung da ist. Er würde das Wochenende im Krankenhaus bleiben, am Montag würden sie ihn in ein anderes Krankenhaus fahren – dort gäbe es ein Vorgespräch und dann Bestrahlung vom Kopf.
Dann sagten sie noch, dass der Schlauch auf jeden Fall heute gezogen würde. Es würde jemand von der Thoraxchirurgie kommen. Bald.

Das war es dann auch schon…
Punkt 1:

Schatz war super schlecht gelaunt, weil er nochmal ein Wochenende in der Klinik bleiben soll und Montag dann ins andere KH kommt, dann wieder zurück. Nichts mit Entlassen werden *grummel*

Im Laufe des Vormittags haben wir dann darüber diskutiert, dass das alles Methode hat. Die machen alles extra um ihn da zu behalten. Sie entfernen den Schlauch extra nicht, damit er auch nicht „abhauen“ könne. Wir redeten auch darüber, dass wir mal versuchen wollen ihn nach Heidelberg zu bekommen.
Er jammerte das er raus will, er will nicht mehr im Krankenhaus sein und keiner hilft ihm, raus zu kommen…ich sagte, ich mache einen Notfall aus ihm, dann würden sie den Schlauch schneller ziehen. Das lockerte mit der Zeit die Stimmung etwas auf.

Punkt 2: Erst redeten die von „kleinen Dingern um die man sich jetzt nicht kümmern müsse“ und nun gehts am Montag schon los mit der Bestrahlung. Die größere Raumforderung läge am Gefühls- und Wissenszentrum und wenn das wächst, würde er abstumpfen und es gäbe eine Wesensveränderung. Davon hatten die am Montag aber nichts gesagt…alles nur Häppchenweise, die Informationen. Ach ja und wenn wir schon dabei sind, erwähne ich jetzt nochmal

Wir wissen immer noch nichts was mit der Lunge nun ist…Röntgenbilder sehen gut aus, toll…aber hat er jetzt einen Tumor ODER NICHT!!! Ich weiß immer noch nicht welche Klassifizierung, welches Stadium usw. Das kotzt mich so an..auf der Neuro kann ich nicht mal einen Arzt fragen – falsche Abteilung, da eben Neurologie und nicht Thorax…die könnten zwar in die Akte schauen, aber haben ja lle immer zu tun..

Man könnte denken, er hat keinen Tumor in der Lunge…der eine redet so, der andere Arzt jedoch so und ausserdem, wo kommen dann die Hirnmetastasen her?? Ich rasste bald aus!

Mittlerweile war es Mittags bzw 14 Uhr und ich sagte, ich gehe jetzt nochmal die Schwestern nerven. Ich ging an die Theke und sprach eine Schwester an und sie wusste sofort bescheid um was es ging.

Wie – es war noch niemand da?, sagte sie und sprach einen vorbei rennenden Arzt an. Dieser wusste auch bescheid und sagte zu mir, das die blonde Ärztin bereits Druck oben in der Thorax gemacht hat. Er sagte zudem noch, er sagt es ihr (blonde Ärztin) und sie wird noch mal da anrufen um Druck zu machen.

Die Schwester kam 5 Minuten später ins Zimmer und hat den Verband erstmal wieder neu gemacht. Sie hat viel mehr Mull usw verwendet, damit es eben ein bisschen länger trocken bliebe. Sie schüttelte den Kopf und sagte, dass dies ein echtes Unding wäre. Wie kann man mit Patienten nur so umgehen…und das von einer Schwester…da sah man wieder deutlich, wie in Wirklichkeit mit Menschen umgegangen wird. Ich verstehe ja, wenn die OP´s haben, oder Notfälle reinbekommen. Aber 3 Tage lang nur Versprechen und nicht kommen? Das nervt..ein Kassenpatient wird wie ein Mensch 2. Klasse behandelt. So was darf nicht sein…

Heute ist inzwischen der 3.! Tag mit dem abgesöpselten Schlauch der suppt.

Ich sagte klar und deutlich, dass sowas eine Infektion nach sich ziehen kann, und das somit auch eine Lungenentzündung provoziert werden würde. Ich sagte noch – aber das wissen SIE doch besser als ich! Abgesehen davon ist es mehr als unangenehm und überhaupt nicht tragbar.

Ich habe versucht freundlich zu bleiben, die auf der Neuro können ja nichts dafür. Aber ich war sehr bestimmt und etwas angefressen, dass konnte ich nun nicht unterdrücken. Ich habe aber vollstes Verständis bekommen..naja…

Der Nachmittag war eher lustig. Wir haben trainiert, mit dem Bettnachbar und seiner Frau gesprochen und der Tag ging schnell rum.

Gegen Abend wurde es wieder ernster und ich meinte, ich gehe heute NICHT eher weg, bis die den Scheiss Schlauch gezogen haben. Ist mir ganz egal, ob die Besuchszeit nur bis 20 Uhr geht – sollen die mich doch erstmal hier raus bekommen.

Um halb 7 Uhr ging die Tür auf und ein Thoraxchirurg kam rein, mit einer Schwester. Na endlich dachte ich mir..wurde ja mal echt Zeit!

Schatz hat sein Sweater hochgeschoben und sollte sich auf die Seite drehen. Auf einmal war er sichtlich nervös und fragte ängstlich und etwas verkrampft ob das weh tun würde. Der Arzt sagte – Nein, sie merken gar nichts.
Der Verband, der wieder durchnässt war, wurde erst entfernt, dann hat der Arzt die Nähte durch geschnitten, die den Schlauch am Körper fixiert hatten. Ich stand an seinem Bett und ich habe über seinen Arm gestreichelt, den er über seinen Kopf legen sollte.

Der Arzt sagte – Atmen sie tief ein und halten die Luft an, dann pressen. Schatz tat dies und die Schwester zog beherzt den Schlauch aus seinem Körper.
Man war der lang, 40 cm etwa.
Der Arzt sagte – normal Atmen und zog den Faden, der an seinem Körper war, fest.

Nochmal tief einatmen, Luft anhalten und pressen, sagte der Arzt – Schatz machte das mit verzerrtem Gesicht. Alles gut – sagte ich und streichelte ihm über seinen Arm. Ist schon vorbei, sagte ich.

Dann sollte Schatz ein 3. mal tief einatmen und pressen und der Arzt knotete weitere Schlingen mit der Naht. Er sagte, das ist um zu sehen ob es dicht wäre.

Neugierig fragte ich den Arzt, wie das denn sei, ob da jetzt nicht ein Loch in der Lunge ist, und wie das jetzt mit dem Atmen ist.

Er sagte, klar ist da jetzt erstmal ein „Tunnel“, aber die Muskeln würden das verschließen, alles wäre gut.

Die Schwester machte einen neuen Verband, nach einer Desinfektion, und er sollte noch 5 Minuten liegen bleiben.

Wir bedankten uns und schon war der Arzt weg. Ich meinte dann, ist ja echt Klasse…eine Sache von wenigen Minuten und da brauchen die 3 Tage um das zu machen? Na super!…

Ich fragte Schatz ob er was bemerkt hatte und er verneinte. Langsam entspannte er sich und ich sagte ihm, dass alles gut ist und er es überstanden hat.

Er ist dann aufgestanden und musste auf Toilette. Insgesamt wackelt er noch beim gehen, läuft aber schon schneller, dass ich sagte – hey mach doch langsam..Nicht so schnell, pass auf.

Er war so froh und sagte, es ginge ihm jetzt viel besser schon. Alleine das der Schlauch endlich raus ist hat schon viel bewirkt – Kopfsache.

Nach einer weiteren halben Stunde bin ich dann auch langsam los. Schatz brachte mich vor bis zur Stationstür, ist schon ein Stück Weg, und wir verabschiedeten uns.
Ich wartete noch bis er wieder in sein Zimmer gewankt war, und bin dann in den Fahrstuhl gestiegen und zum Bus.

Mich nervt es auch, dass er das Wochenende im KH bleiben soll. Ist doch alles gut bis jetzt. Warum kann er nicht übers Wochenende nach Hause?
Morgen wollen die nochmal „ein Bild“ machen…bin ja mal gespannt. Vielleicht kommt er auch wieder hoch auf die Thorax, denn soweit wie ich das sehe, ist erstmal keine Kopf OP geplant. Sonst würden die ja keine Bestrahlung einleiten.

Andererseits weiß ich ja gar nicht ob die Lunge noch aktuell ist und wie und wo und was und warum…Warum sagt keiner was..man MUSS doch den Patienten informieren…ach menno…

Bis dann