So viele Leben

Bevor ich auf mein eigentliches Thema einsteige, wollte ich noch etwas erzählen. Es ist nicht neu, aber heute war es wieder im Gespräch und deswegen wollte ich es mal erwähnen 😉

Rubrik: Genau mein Humor 😉

Es gibt seit einiger Zeit in Wiesbaden eine – Achtung – Waffenverbotszone! 

Aber das ist noch nicht alles. Diese Waffenverbotszone gilt auch nur zwischen 21 Uhr Abends und 5 Uhr Morgens… Ja so habe ich auch geguckt ^^

Was soll das!? Aber das ist sooo typisch deutsch. „Wir möchten dich nicht in deinem Persönlichkeitsrechts beschneiden, dewegen gibt es einen Zeitraum der für die Waffenvebotszone gilt – und daran halte dich dann bitte…“ joar…wer es nicht glaubt, hier der Link zum nachlesen 😉 ist schon lustig wie man den Menschen eine Pseudosicherheit verkauft und die, die es eindämmen soll lachen sich schlapp.

 

Themawechsel

Der Mutti geht es im Moment nicht gut. Sie hat wieder mal eine Bronchitis, bekommt kaum Luft und es ist wieder eine aufregende Zeit. Eine Zeit in der ich wieder meine Gedanken tanzen lasse und bin da auf eine interessante Spur gekommen.

Wenn die Mutti jetzt auch „geht“. Dann habe ich nur noch meine kleine Schwester. Alle anderen sind dann nicht mehr da. Alle anderen sind ja bereits verstorben. Mein gesamter Freundeskreis, mein Mann, mein Papa und dann eben die Mama.

Dann ergibt sich für mich wieder mal ein ganz anderes Leben. Das Leben unterliegt ja sowieso einer ständigen Veränderung. Aber das sich das Leben mehrmals so krass ändert?, dann noch in so kurzer Zeit? Es war ja schon Megakrass als mein Mann starb. Da hat sich ja alles, aber auch wirklich alles verändert. Das Leben das wir, ich geführt haben war weg. Einfach weg. Nicht mehr existent! Nach mühsamen 2 Jahren und durch die Pflege von meinem Papa habe ich mir wieder so eine Art Leben aufgebaut. Nicht bewusst, sondern es hat sich eben so entwickelt.

Und nun kann es wieder passieren. Es wird wieder passieren. Ich hoffe natürlich das Mama das schafft. Eines Tages wird es aber nicht so sein, dann schafft sie es nicht mehr. BAM wieder ein anderes Leben. Wieder ein komplett anderes Leben.

Ein Leben nach Mama

Da ist dann niemand mehr. Keine Freunde die ich treffen könnte, keine Beziehung die ich führen könnte. Selbst die Eltern sind weg. Kein Gespräche mehr, kein gemeinsames Essen und Lachen mehr, sowie es jetzt ist, mit Mama.

Mein Kerngedanke

Wenn es niemanden mehr gibt, der einen kennt…. Existiert man dann selbst noch? Wenn keiner mehr da ist, der dabei war? Der dabei war bei den Partys, bei den Krankenhausbesuchen der Freunde, der Hochzeiten und Beerdigungen, dem Schabernack, den wir verzapft haben. Wenn niemand mehr da ist – ist es dann überhaupt jemals passiert?

Ich bin die letzte Überlebende..Gott wie sich das anhört, aber es ist so. Es ist keiner mehr da. Ausser noch Bekannte, es sind 4 an der Zahl. Zu ihnen habe ich keinen Kontakt mehr und strebe diesen auch nicht an und wir laufen uns auch nicht zufällig über den Weg. Warum das so ist steht in älteren Posts..aber das ist hier nicht das Thema 😉

Ich bin die letzte die diese Bilder im Kopf hat. Den Kopf voller Erinnerungen der Geburtstage die wir feierten und alles andere aus diesem vergangenem Leben. Ich frage mich nun wieder. Hat das dann alles je stattgefunden?, oder ist es nur ein Hirngespinnst von mir?

Auf der anderen Seite ist es aber die Wahnsinnsmöglichkeit sich selbst ganz neu zu gestalten. Da ist ja niemand mehr, der einen kennt. Ich muss dazu nicht mal in eine andere Stadt ziehen. Alle die mich kennen sind Tod! Ich kann alles sein was ich will, kann mir ganz neue und andere Eigenschaften zulegen. Ich kann einen ganz anderen Kleidungsstil tragen. Etwas tun, das ich mich vorher nie getraut habe aus irgendwelchen Gründen. Ich kann mir meine Haare quietsch Orange färben und Federn reinstecken. Fremde Menschen die mich sehen, denken dann das ich so bin. „So eine verrückte“….gut..nur als Beispiel, denn hätte ich so etwas je gemacht, hätten meine Leute es ja auch nicht anders von mir erwartet. Ich möchte nur klar machen was ich meine 😉

Man sprengt Ketten die es vielleicht nie gab, nur in der eigenen Vorstellung. Wenn ich dann weiter darüber nachdenke, kann ich eigentlich nur noch lachen. Was ist das? Warum ist mein Leben so verlaufen bisher? Gut. Darauf wird es keine Antwort geben. Sie ist auch mehr rethorisch gemeint….diese „Warum Ich? Fragen“ sind dämlich. Es ist wie es ist und man muss damit arbeiten.

Aber ich pendel nun zwischen diesen zwei Gedanken. Es ist als würde ich nun wieder bald an einer Kreuzung stehen. Nur dieses Mal muss ich mich bewusst entscheiden. Entscheiden in welche Richtung ich gehe.

Ich könnte das ICH bleiben das ich jetzt eben bin. Wie lange bleibt die Chance etwas komplett neues und anderes aus sich zu machen aber bestehen? Sobald ich neue Leute kennen lerne, neue Freunde finde und auch Arbeitskollegen ist die Chance vertan. Wenn ich dann das ICH von heute geblieben bin, kann ich keinen Richtungswechsel mehr machen. Das würden die Menschen ja nicht verstehen. Der Gedanke der Existens vernebelt mir irgendwie alles. Habe ich mir nun alles eingebildet? Hat alles das je stattgefunden? Muss es ja..ich habe Photografien, Schriften usw. Es muss also geschehen sein. Aber wie nutze ich das nun. Schließe ich einfach ab? Es ist meine Vergangenheit und ich mache weiter als die, die ich bin. Trage dieses Paket mit mir rum. Es liegt schwer auf meinen Schultern.

Oder töte und beerdige ich mich selbst? Ich steige dann aus der Asche als ein ganz anderer Mensch. Ich verleugne meine Vergangenheit damit nicht. Ich löse mich von meiner Vergangenheit. Ich denke, das wird nicht so leicht. Es kommen immer Gedanken an früher auf durch Musik, Gerüche usw. Das wird immer so sein. Je mehr ich darüber nach denke, deso mehr vermute ich das ich mich sowieso nur in Teilen „neu erfinden“ kann. Ich bin nicht bereit mich so zu lösen bzw. loszulassen. Ist das aber nicht der eigentliche Kern? Ich muss endlich loslassen. Ich bin an ganz andere Ketten gefesselt und will nicht einsehen, das es mir „besser“ ginge wenn ich diese Ketten los lasse. Es ist wie mit dem Rauchen aufhören. Man weiß es tut einem nicht gut, man hält aber daran fest. So ist das mit meiner Vergangenheit. Ich weiß, ich muss loslassen damit ich weiter nach vorne komme…aber ich kann es einfach nicht…ich kann es nach wie vor nicht…

Es heisst ja immer – Man hat nur dieses eine Leben

Sehe ich nicht so. Man hat dieses eine biologische Leben, richtig. Aber das ist nicht damit gemeint. Man hat viele Leben. Ich war ein Kind. Ich war ein Teenager. Ich war eine Ehefrau. Ich bin die Tochter, die ihre Eltern pflegt.

Welches Leben kommt als nächstes?!

 

 

Weihnachten vorbei

Der 1. Feiertag kam einem Familientreffen gleich. Zuerst kamen Nichte mit Mann und Baby, dann Bruder, dann ältester Bruder mit Frau und am Abend Schwester mit Mann. Der Tag an sich war vergnügt, aber doch sehr anstrengend für Schatz. Ich war auch froh, als der Tag vorüber war. Insgesamt ist nichts weiter passiert. Schatz konnte nicht schlafen, wollte eine Tablette..wehrte sich aber dann wieder mit aller Macht gegen den Schlaf.

Gegen Morgen ist er dann eingeschlafen. Der 2. Feiertag war dann eher ruhig. Gegen spätnachmittag kamen Bruder mit Frau, blieben aber nicht so lange – Schatz machte unmißverständlich klar, daß er lieber seine Ruhe haben möchte. Auch in dieser Nacht war Schatz eher unruhig. Gegen 2, 3 Uhr schlief er doch ein. Ich habe ein paar Stunden am Stück geschlafen und bin um 8 Uhr hoch. Schatz schläft nach wie vor…

Er hat Schmerzen und ich habe die Schmerzmittel erhöht. Auch ein Grund, warum er mehr schläft. Die letzten Tage isst er „mehr“. An einem Tag ein Käsebrot, Weihnachten ein Stückchen Fleisch vom Gulasch, am 1 Feiertag nichts und gestern eine Frühlingsrolle…eine kleine…hatte mir was vom Chinesen bestellt – aber nichts mit roter Soße…gebratener Reis und Ente.

Ich habe die Weihnachtsdeko wieder abgemacht und mir ging durch den Kopf, ob ich nächstes Jahr überhaupt schmücke… Warum soll ich für mich schmücken…ich lege ein Deckchen hin und das reicht mir. Ich hatte immer Spaß am Dekorieren, egal zu welcher Jahreszeit, oder Anlass. Schatz hat meine Deko immer gefallen und er erfreute sich daran..aber für mich…ich kann es mir jetzt nicht vorstellen.

Sowieso wird nächstes Jahr wieder ein beschissenes Weihnachten werden..es wird das erste sein ohne meinen Engel…mir graut es jetzt schon davor. Tagsüber wird es nicht so schlimm werden, denke ich, aber abends…jeder Abend wird schlimm werden, wenn Schatz nicht mehr bei mir ist.

Jetzt ist er bei mir und ich genieße jeden Augenblick. Wenn er mich anlächelt, wenn er einen Kuss verlangt, wenn er mich an sich ranzieht um mich ganz nah bei ihm zu haben…er hat Angst. Ich sage ihm immer wieder das ich bei ihm bin.

Es ist eine komische Situation. Ich will nicht das er geht, ich will nicht das er leiden muss…ich will ihn bei mir haben, aber ich bitte darum das er gehen darf…richtig verstehen kann das nur jemand, der eine solche Situation kennt….ich liebe ihn so sehr und doch bete ich um seine Erlösung….es ist ein scheiss Spiel…

Gestern Abend saß ich neben seinem Bett, wie ich dort immer sitze. Er schlief. Ich weinte leise vor mich hin. Ich sprach leise mit mir selbst, was ich denn ohne ihn machen soll. Wie soll ich mein Leben bestreiten, wenn er nicht mehr ist? Mein Weg geht weiter, das ist klar…die Frage ist nur wie…

Ich fühle mich jetzt schon so unendlich alleine. Ich meine nicht die Unterstützung von Familie und Freunde..das ist was anderes…er weiß, daß er mich alleine lassen muss…er will das nicht, weiß aber das er muss. Es ist das, was ihn noch hält. Er ist dem Tode schon so nah und auch nicht. Es kann jeden Tag soweit sein – oder sich noch um Wochen handeln..

Ich sagte ihm, daß er sich keine Sorgen um mich machen braucht, das ich das alles schon schaffe. Du gehst nur schon mal vor, ich komme nach..ich finde dich dann…ausserdem – sagte ich – holst du mich doch sowieso ab. Er nickte und lächelte. Ja das mache ich, sagte er.

Später kommt Nichte und bringt Gänsekeulen mit. Schatz freut sich darauf, auch wenn er nur einen, vielleicht zwei Bissen davon isst…aber immerhin. Bruder kommt heute auch wieder vorbei.

Die Frage nach dem „Warum“ ist die blödeste überhaupt..dennoch stellt man sie sich. Man kann nicht hinter die Kulissen schauen um zu wissen, warum es einen so hart treffen muss..warum man das durchmachen muss. Warum einem der andere genommen wird, auf so grausame Weise…

Bis dann