Quälende Stunden

Gestern kam Schatz ja nach Hause und war super froh. Er klagte über ein wenig Übelkeit.
Im Laufe des Nachmittags kamen der ein, oder andere Bekannte vorbei und es gab viel zureden. Naja, mehr von den Bekannten, als von meinem Schatz.

Im Laufe des Abend wurde ihm immer schlechter. Auch Schwindel war vorhanden und übelste Kopfschmerzen. Die Kopfschmerzen kamen von der Narbe/Naht hinten an seinem Kopf. Er legte sich auf die Couch und versuchte gegen die Übelkeit zu kämpfen. Er sah sehr blass aus.

Es wurde immer schlimmer. Gegen halb 10 Uhr bin ich zu einer Notapotheke gegangen und habe dort ein Mittel gegen Übelkeit geholt.
Vorher hatte er bereits 2 Paracetmol genommen, und eine halbe Stunde später Schmerztropfen. Hat alles nicht geholfen! Die Übelkeit war schlimm, und die Kopfschmerzen noch mehr..

Ich gab ihm das Mittel gegen Übelkeit, nochmal eine Schmerztablette und auch paar Schmerztropfen. Alles noch unter einer Überdosierung..

Gegen halb 11 Uhr wurde er langsam ruhiger. Das Mittel gegen Übelkeit verstärkt andere Medis (Wechselwirkung) und macht zudem etwas müde. Die Tropfen können auch müde machen und alles in allem haben die Tabletten und Tropfen endlich angeschlagen und er konnte einschlafen – mit eingedämmter Übelkeit und besser erträglichen Kopfschmerzen…mh..wie soll ichs sonst sagen..

Ich habe den Fernseher etwas leiser gemacht, damit er nicht wieder aufwacht. Ich war froh, daß er jetzt schlafen konnte. Ich habe bis ca. Mitternacht „Wache“ gehalten und habe seinen Schlaf überwacht. Dann habe ich den Fernseher ausgemacht und mich auch hingelegt, mit einem Ohr aber immer bei Schatz. Er war paar mal wach, um auf Toilette zu gehen. Auch ächzte er ein wenig, aber war schnell wieder ruhig und konnte einschlafen. Darüber war ich sehr froh.

Heute morgen gab es erstmal einen Kaffee. Kaffee und Obst ist das Einzige, daß er noch zu sich nimmt, ausser Tee und Wasser. Er hat keinen Hunger – und mag nichts essen…
Ich saß während er seinen Kaffee trank neben ihm und wir haben gekuschelt.
Wir wollten heute zu unserem Hausarzt gehen und auch einkaufen. Gegen 10 Uhr heute morgen ist ihm wieder schlecht geworden und ich habe ihm einen Bananen Kiwi Smoohtie mit Ingwer gemacht. Er hat ein halbes Glas getrunken und schläft seit dem. Jetzt ist Mittag.

Das mit dem Hausarzt wird wohl heute nichts mehr, und auch einkaufen werde ich später schnell alleine. Das ist für mich kein Problem, nur Schatz will nicht so lange alleine sein. Mal sehen – vielleicht gehen wir auch gemeinsam…

Ich bin irgendwie schlagskaputt. Das Wetter spielt auch nicht so mit heute, denke ich werde mich auch mal ein Stündchen hinlegen.

Bis dann

Nachtrag:

Kurz nachdem ich den Blog geschrieben hatte, wachte Schatz auf. Ihm war wieder sehr übel und ich gab ihm eine Tablette dagegen. Zum Glück hilft das im Moment etwas, und die Wirkung tritt recht schnell ein.

Dann fragte er, ob ich was zu essen mache. Das hat sich in meinen Ohren schön angehört – er hat Hunger! Er ist so verdammt abgemagert, er hat vielleicht noch 65 Kg bei einer Größe von 1.83m…
Ich flitze also schnell zum Edeka um die Ecke und holte Königsberger Klopse. Ist zwar TK Ware (sollte man nicht essen bei Krebs) aber ich bin noch nicht zum einkaufen gekommen.

Dazu gab es Reis und zu meinem Erstaunen aß er seinen Teller leer. War zwar jetzt keine Mega-Portion, aber immerhin! Zum Essen stellte ich ihm ein Glas frisch gepressten O-Saft mit Ingwer hin. Hilft auch etwas gegen die Übelkeit – also der Ingwer.
Ich schlug vor, uns nach dem Essen in den Garten zu setzen. Gute Idee – sagte Schatz.
Als ich vom Geschirrspülen wieder ins Wohnzimmer kam, schlief er wieder. Er schläft jetzt noch. Manchmal wacht er auf, schaut nach mir und dreht sich wieder um.

Denke heute wird nicht mehr viel passieren. Ich hoffe nur, der Abend und die Nacht werden nicht so schlimm wie gestern.

Morgen Vormittag muss ich zum Hausarzt – ich muss ihm die Befunde etc. vom KH bringen. Dann auf die Bank und ich muss wirklich was einkaufen gehen.

Ich habe auch heute die Bestrahlung nicht abgesagt. Wir haben auch nicht darüber gesprochen. Schatz meinte nur mal kurz, daß er es hasse das man auf andere (Menschen) so angewiesen wäre.
Ich sagte ihm gestern bereits, daß ich jeden Weg mit ihm gehe. Aber das er sich mit der Bestrahlung langsam anfreundet, ist für mich ok. Es geht um die Hirnmetastasen – somit auch um die Übelkeit.
Chemo lehnt er nach wie vor ab. Verstehe ich absolut. Die Bilder von Bienschen sind immer da…

Achja – dabei fällt mir noch ein, gestern Abend erzählte er mir noch das, was er mir nicht vom Vorgespräch gesagt hatte. Ich hörte mir das alles an und nickte nur. Ich hörte nur zu und streichelte seine Hand, die er in meine legte.

Er mag es nicht, daß so über ihn bestimmt würde, daß es nicht um ihn ginge, nur um seine Erkrankung und das er wie ein Ball nur hin und her geworfen werden würde. Er hat die Kontrolle nicht (über sich) und damit kommt er nicht klar. Er bestimmt über sein Leben und nicht die Ärzte! Geht mir auch so muss ich sagen…ich verstehe ihn..ist eine echte Ausnahmesituation, in der er sich befindet..und ich auch.

Eben fragte er mich, ob wir was Süßes da hätten. Wir haben noch Schokoröllchen – sagte ich – und brachte sie ihm. Ich finde es so toll, daß er isst…auch wenn es Nahrung für den Krebs ist. Aber das spielt keine Rolle jetzt.

Bis dann

OP gut verlaufen

aber nichts anderes habe ich auch erwartet. Die machen das ja schließlich nicht zum ersten mal.

Von 16 bis 19 Uhr ist Besuchszeit und nach dem ich geklingelt hatte, in den Vorraum eintrat und dort dann erstmal gewartet habe, konnte ich um halb 5 Uhr dann zu meinem Schatz. Er war um 16 Uhr noch auf der Wachstation.
Er war sehr benommen, von der OP noch und hatte Schmerzen hinten am Kopf. Klar – da haben sie ja auch operiert und da liegt man halt auch drauf, wenn man liegt. Die Schwester kam und hat ihm Schmerzmittel gespritzt in die Braunüle und wenige Minuten später waren die Schmerzen erstmal gebändigt.

Sehr benommen und schläfrig lag er dann da. Aber es geht ihm soweit gut, die OP ist gut verlaufen. Die OP hat ca. 7 Stunden gedauert und soweit ich weiß bzw mal annehme, haben die Chirurgen die Geschwulst erfolgreich entfernt.
Sein Tank, also dieser Kasten war auch wieder dran und mittlerweile ist das Blutplasma (Wasser) sehr hell und in der Zeit, in der ich bei ihm war, sind etwa 200 ml eingelaufen.

Er dämmerte vor sich hin und ich habe seine Hand gehalten und über seine Hand gestreichelt. Wenn er aufgewacht ist bzw seine Augen geöffnet hat, habe ich ihn angelächelt. Er lächtelte dann zurück und drückte meine Hand. Irgendwann wurde er wacher und hatte Durst. Er fragte die Schwester, ob er was zu trinken haben dürfte. Sie schaute im PC was nach und sah keinen Grund warum er nichts trinken dürfte. Sie brachte eine Tasse mit Wasser und Strohhalm und er trank ein paar Schlucke.

Ein wenig aufgeregt beobachtete ich ihn und sah, dass er das Wasser nicht wieder erbrochen hatte. Er meinte zwar mal kurz, ihm sei kotz übel, aber das hat sich schnell wieder gelegt. Ihm sei schon noch schlecht – aber KEIN Vegleich zu gestern! Eine halbe Stunden später kam eine andere Schwester und schaute ihm mit einem Licht in die Augen – alles in Ordung.
Sie gab ihm Kaliumtabletten, denn sein Kalium war schon vor der OP zu niedrig.

Sie meinte, er soll versuchen die Tabletten zu schlucken und wenn er sie aber wieder erbricht, müssen sie einen Halszugang legen.
Er nahm die Tabletten und er behielt sie bei sich! Das hat mich gefreut. Die Ärzte sagten ja bereits, dass wenn die Raumforderung weg ist, ist es auch sehr rasch mit der Übelkeit vorbei. Ich war so froh, dass DAS wenigstens schon mal eine tolle Nachricht ist.

Zwischenzeitlich ist er immer mal wieder eingeschlafen. Alle halbe Stunde kam eine Schwester und einmal 2 Ärzte. Die machten kleine Tests mit ihm, wie zB –>

Kopf drehen, Beine anheben und der eine Arzt hat seine Hände ca. einen halben Meter vom Kopf entfernt, seitlich gehalten und fragte Schatz ob der die Hände sehen würde. Das periphere Sehen klappt auch. Auch sonst hat er keine Sehstörungen, auch mit dem Gehör ist alles gut…kein Rauschen oder ähnliches.

Die Schwestern, die alle halbe Stunde reinkamen, haben ihm immer mit einem Licht in die Augen gestrahlt um zu sehen wie die Pupillen reagieren. Alles Bestens.

So gegen 18 Uhr, liefen auf dem Gang der „Spezialist“ für Lungentumoren und sein Kollege vorbei. Als sie Schatz sahen, sind sie kurz rein und der Spezialist fragte: „Da ist er ja unser Indianer. Na wie geht es denn. Alles gut?“ Wir frotzelten ein wenig über das Rauchen und der Spezialist „jammerte“ darüber und scherzte, dass ja sein Sohn rauchen würde und er das ganz furchtbar fände.
Der Kollege vom Spezialist sagte zu mir, dass mein Mann vor der OP große Angst hatte. Ich nickte und meinte, es ist ja auch für uns eine große Sache am Gehirn operiert zu werden. Der Kollege lächelte und nickte verständnisvoll.

Dann sind die beiden auch schon wieder weiter gehuscht, sie waren nicht wegen Schatz da. Ich fand es aber symphatisch, dass der Spezialist mal kurz ins Zimmer kam.

Morgen soll er wieder auf die normale Station kommen. Dann mal sehen wie es weiter geht.

Um 19 Uhr bin ich dann los und Schatz „tröstete“ mich mit den Worten, dass er ja hier in guten Händen sei. Das weiß ich. Ich küsste ihn zum Abschied und streichelte ihm über seine Wange. Freu mich dich morgen zu sehen, sagte ich noch.

Sein Puls war immer so zwischen 70 und 85 – völlig normal.
Durch den Sauertstoff, den er bekommt, war auch die Sättigung bei 98/99 – auch super
Nur der Blutdruck war etwas zu hoch. Liegt wahrscheinlich daran, das er durch sein ständiges Erbrechen seine Blutdrucktabletten seit einigen Tage nicht nehmen konnte.
Der Blutdruck schwankte immer so zwischen 150/60 – 165/66 etwa…morgen früh wird er die Tabletten aber wieder nehmen und dann geht auch der Blutdruck wieder runter.

Bis dann

Ein auf und ab

Bin mit gemischten Gefühlen heute morgen zu meinem Engel gefahren. Als ich dort ankam, bot sich ein Bild des Elends. Ihm war Hundeübel…so wie gestern.
Ich saß eine Weile neben seinem Bett und langsam rappelte er sich hoch. Seine MorgensTabletten hatte er genommen, aber nicht die Salztabletten. Aber eine Kochsalzinfusion hing an ihm dran und der Kasten war bei 600ml.

Es hat eine ganze Weile gedauert, aber die Übelkeit wurde besser und besser. Zumindest so, das er sitzen konnte und wir konnten uns unterhalten und haben auch gelacht. Gegen Mittag war der Tropf dann leer und der Pfleger hat ihn abgemacht. Was eine wohltat, meinte mein Schatz, das Ding ist echt nervig.
Kurz danach kam sogar ein Arzt heute vorbei, man staune. Dieser ist aber nur kurz durch alle Zimmer gehuscht und hat das nötigste gefragt. Er fragte Schatz wie es mit der Übelkeit ist, und er sagte – es geht im Moment. Dann wollte der Arzt noch wissen wie das mit dem Essen ist, und Schatz sagte, er habe „nicht viel“ gegessen“. Das war schlicht gelogen, er isst gar nichts aus dem Krankenhaus. Dann war der Arzt auch schon wieder weg.

Ihm ging es weiter besser und ich fing an ihn zu fordern. Mittlerweile ist ein kräftiger Wind aufgezogen und ich habe die Jalousie etwas gedreht, dass der Wind auch ins Zimmer kommen konnte. Es hat zwar nicht abgekühlt, aber es war deutlich angenehmer.
Er setzte sich auf den Stuhl und der Pfleger, den wir gerufen hatten, zeigte meinem Schatz wie das Inhalationsgerät funktioniert.
Brav hat er dann 10 Minuten lang mit dem Inhalator geatmet.

Nach 5 Minuten Pause, gab ich ihm den sogenannten Flutter (er sagt Flubber dazu) und weitere 10 Minuten eine Atemübung machen. In den Flutter soll er kräftig, wie es eben geht und solange wie es eben geht ausatmen. Das soll Sekret aus der Lunge lösen, nach der Inhalation mit Kochsalz.

Mehr oder weniger gut hat das funktioniert.
Ich gab ihm weitere 5 Minuten Pause nach dem Flutter und dann war das 3. Atemübungsgerät an der Reihe. Nennt sich – vergesse ich immer, auf jeden Fall muss er in dieses Teil einatmen, dass würde das Volumen in der Lunge trainieren. Brav macht er auch diese Übung.

Danach war er aber erstmal fertig. Fix und fertig. Er hustet auch ordentlich ab, was gut ist. Der Auswurf ist völlig klar – finde ich auch super. Aber es war halt anstrengend und Schatz musste sich erstmal wieder hinlegen. Kurz Zeit später wurde es ihm wieder Speiübel.

Ich sagte ihm, wie stolz ich auf ihn bin und er sagte, dass wir das gemeinsam morgen wieder machen. Er soll das eigentlich 6x am Tag machen, hat es aber heute das erste mal „richtig“ gemacht. Die letzten Tage war er auch schlicht nicht in der Lage dazu.

Der Pfleger freute sich auch, dass ich meinen Mann so antreibe. Es ist schließlich auch wichtig, die Lunge zu trainieren.

Ich sagte ihm noch mal wie ich Stolz auf ihn bin, denn heute ist auch der 6. Tag RAUCHFREI..keine Zigaretten mehr..

Ich ließ ihn ein bisschen schlafen und ging runter an den Kiosk mir ein Eis holen.

Als ich wieder auf seinem Zimmer war, es war mittlerweile schon 5 Uhr, war er wieder „fit“ genug um duschen zu gehen. Vorher hatten wir das mit dem Pfleger abgesprochen, ob er überhaupt duschen darf. Ja er darf, mit Einschränkung. Ja klar, weiß ich doch, der Verband usw darf nicht nass werden.

Die Dusche ist zum Glück direkt neben dem Zimmer und so musste mein Schatz nicht weit laufen. Er ist so schwach auf den Beinen, es ist ein schreckliches Bild.

In der Dusche angekommen, habe ich ihn erstmal vorsichtig ausgezogen und er setzte sich auf einen Stuhl. Über dem Waschbecken habe ich ihm seine Haare gewaschen. Dann den Oberkörper mit einem Waschlappen und Duschzeugs gewaschen, dann kam der leichteste Teil.

Unterhalb der Hüfte durfte ich ihn abbrausen. Also nass gemacht, ordentlich gewaschen, dann abbrausen. Natürlich haben wir auch Witze gemacht, die ich lieber für mich behalte. *lach*

Abtrocknen und wieder anziehen. In der Dusche waren es bestimmt 60 Grad, mir ist die Brühe gelaufen und es war heiss und stickig. Als wir aus der Dusche rauskamen, war es einfach nur herrlich – wie angenehm doch 35 Grad sein können…
Der Pfleger grinste mich an und fragte: Na, hats geklappt? Aber klar – sagte ich und zwinkerte den Pfleger an.

Nach einer halben Stunde es Abkühlens meinerseits bin ich dann auch zum Bus und nach Hause gefahren.

Die Übelkeit kam heute Schubweise, also diese heftige. Schlecht war ihm eigentlich die ganze Zeit über, aber mal mehr – mal weniger erträglich eben.
Die Salztabletten sind zwar jedes mal drin, aber er weigert sich wehement diese zu nehmen. Ich bin erstmal dafür.

Damit er aber sein Natrium im Blut erhöht, habe ich ihm heute (gestern auch schon) 2 Powerade Sport Drinks mit gebracht, die er gut verträgt. Das ist ein Sportlergetränk, Isotonisch für die Elektrolyte..kennt glaub ich jeder, kann man überall kaufen. Da ist zwar auch Salz drin, aber das verträgt er besser als diese Salztabletten. Ausserdem hatte ich eine Flasche Wasser von Hause mit gebracht, dass schmeckt ihm halt auch besser. Auch eine Banane hatte ich dabei um zu sehen, ob der diese essen würde. Er hat. Ich bringe ihm morgen wieder eine bzw 2 Bananen mit und ich mache ihm Käsebrote..NICHT aus der Klinik, von zu Hause.

Das isst er wenigstens! Geht nicht, dass er gar nichts isst…nicht bei dem Wetter und nicht bei seiner Verfassung! Er freut sich schon drauf.
Auch die Novalgintropfen verweigert er; er hat ja schließlich keine Schmerzen. Aber ständig stellen die Schwestern und Pfleger ihm Novalgin hin…naja..muss ich nichts zu sagen…

Morgen soll vielleicht dann auch der Schlauch gestöpselt werden und vielleicht auch MRT. Morgen ist ja wieder Arbeitswoche und ich bin gespannt, was die Visite sagt, der Befund aus der Pathologie ergeben hat, und überhaupt.

Bis dann

Irgendetwas stimmt hier nicht…

Als ich heute in Krankenhaus kam, sah mein Schatz nicht gut aus. Klar ist es wahnsinnig heiss, er kann nicht schlafen und es ist sowieso alles scheisse.

Ihm wäre die ganze Zeit gestern schlecht gewesen und als Abends die Ärztin nochmal kam, und er es ihr sagte, meinte sie nur lapidar: „Das ist nicht normal.“ Ach wirklich, dachte ich mir – was eine dumme Aussage. Sie ist deshalb dumm, weil mein Mann ja was gegen die Übelkeit bekommt, es aber nicht wirkt! Im Gegenteil, ihm ist danach NOCH schlechter…

Jetzt haben wir heute Samstag, und da ist sowieso KEIN Arzt zugegen und die Pfleger und Schwestern können ihm nur das geben, was er die ganze Zeit bekommt.
Der Kracher ist, sie fragte dann noch nach, ob er mal ein Magengeschwür hatte.. WIE BITTE???? Das haben wir im Vorgespräch ausführlich diskutiert, dass er ein Magengeschwür gehabt hat, was vollständig ausgeheilt ist…er hatte das Mitte April und 7 Wochen später hat die Magenspiegelung ergeben, das es ausgeheilt ist…dann sagte er noch, er hätte ja Epilepsie, weswegen er bestimmte Medis bekommt.

Achja..war die Antwort..er sagte, in dieser Klinik (wo er jetzt ist) wäre er auch damals vor einem Jahr eingeliefert und behandel worden.

Oh – da müsse sie mal nachforschen…wieso füllen wir eigentlich ständig irgendwelche Fragebögen aus, wenn die keiner liest?? Der Ärztin wurde es ein bisschen peinlich zu fragen..sie kann ja nicht wirklich was dafür, wenn der „Spezialist“ seine Arbeit (Dokumention Patient) nicht richtig macht…

Das mit der Epilepsie kann ich ja noch verstehen irgendwo..aber das mit dem Magengeschwür? Das war VOR 2 WOCHEN das Vorgespräch und die wissen nichts davon! Typisch eben…absolut typisch! Da weiß die rechte Hand wieder nicht, was die linke Hand macht.

Es geht halt darum, dass er erstens nichts isst, und 2. wenn er was isst, es direkt wieder erbricht. Ich habe ihm heute Weintrauben gebracht und die hat er auch wieder erbrochen.

Blutdruck und Puls ist aber völlig normal. Ich hatte gestern Abend den Gedanken, wenn er nun keinen Lungenkrebs hat, aber alle Symptome von Krebs, und ihm STÄNDIG (heute ganz schlimm) schlecht und richtig übel ist – vielleicht ist es ein Hirntumor..nicht auszudenken!

Und heute sagte mein Schatz mir, dass die Ärztin aufgrund der Übelkeit doch noch ein MRT vom Kopf machen will…heul…wir fallen von einer schlechten Nachricht in die nächste!

Im Laufe des Vormittags gings ihm erst zusehend besser. Wir haben viel geredet, Witze gemacht und gelacht. Er hing am Kochsalz, da er schlecht trinkt. Das Wasser da schmeckt auch echt eklig. Damit er aber nicht austrocknet, gibt es halt Infusion. Es nervt ihn, aber das ist schon gut so.

Gegen Mittag war diese leer und wurde abgemacht. Dann nahm er seine „Mittagstablette“ und wieder 2 Salztabletten. Etwa eine halbe Stunde später war er nicht mehr wieder zu erkennen. Ihm war speiübel und er hat sich auch übergeben müssen, und das heftig.

Der Pfleger kam und hat ihm wieder etwas gegen die Übelkeit gegeben, was natürlich nicht gewirkt hat. Ihm war nur noch schlecht.

Schmerzen hat er kaum, und er nimmt deswegen seine Iboprofen nicht, die er Morgens Mittags Abends Nachts in der Tablettendose liegen hat. Brauch er halt nicht. Zwischendurch bekommt er aber ständig Novalgin. Der Pfleger merkte dann an, das Novalgin auch sein zu lassen, um den Magen mal zu beruhigen. Läge vielleicht daran. Wenn die Schmerzen stärker werden sollten, muss er es sagen. Ist ja ok so.

Eine Stunde später, also nach dem Schichtwechsel, kam eine Schwester und stellte ihm jedoch aber wieder Novalgintropfen hin! Reden die nicht, wenn die Schichtwechsel machen? Was soll denn der Scheiß!

Er wird mit Schmerzmittel zugeschüttet und dann wundern sich die Leute, dass es ihm speiübel ist. Naja..wenn es auch daran liegt..

Ausserdem ist der Schlauch nicht ab. Das Wasser aus der Lunge ist wieder mehr geworden. Als ich kam, waren in dem Kasten schon 300ml drin und als ich ging, waren es über 400ml. Morgen vielleicht kommt der ab – sagen die Pfleger, vielleicht auch erst Montag.

Ich meinte zu meinem Schatz, dass das sicherlich nicht normal sein kann. Ausserdem wie soll es eigentlich dann weitergehen? Das Wasser ist aus der Lunge draussen und dann? Man muss doch auch nach der Ursache schauen! Sind es die Nieren?, oder ein schwaches Herz? Irgendeinen Grund muss doch was Wasser in der Lunge haben! Ich bemerkte das deswegen, weil er bekommt alle Tabletten die er auch zu Hause bekommt, nur morgens ist eine kleine weiße Tablette noch dabei, sonst nichts weiter..abgesehen von den Salztabletten, die er auch morgens und mittags bekommt. Heute waren für Abends keine drin.

Es war richtig heiss heute, und mein Schatz hat sich seine Jogginghose ausgezogen. Ich habe ihn heute mehrmals mit einem nassen Waschlappen abgerieben und dann mit dem Lappen gewedelt. Mein Mann ist ein Hitzeknödel, ihm ist sowieso immer heiss.
Deswegen ist das Wetter zusätzlich zu seiner Verfassung, ganz schlimm.

Das Wedeln und abreiben hat wenigstens für ein paar Minuten etwas Kühle gebracht. Ich habe heute wieder richtig Angst um ihn. Zum Abendessen, habe ich dem Pfleger gesagt, soll er einen Pfefferminztee bekommen, keinen Schwarztee. Der tut dem Magen nicht gut.

Pfefferminztee hingegen beruhigt den Magen und wenn der Tee kalt ist, kühlt er auch von innen. Als das Abendessen kam, habe ich mich auf den Weg nach Hause gemacht. Ich habe ein schlechtes Gefühl. Morgen ist erst Sonntag…da geht ja noch weniger ab als heute, und ihm ist so schlecht. Er kann und will nichts essen, wie soll er zu kräften kommen?

Die Mittel gegen Übelkeit wirken nicht, und es scheint dort auch nichts anderes zu geben. Als gäbe es nur EIN Mittel gegen Übelkeit!

Eben kommt ganz schön Wind auf und ich hoffe, dass es ein wenig abkühlt, wenn das angekündigte Gewitter kommt. Dann geht es ihm von daher schon besser, wenn es ihm nicht so unendlich heiss ist.

Schlimm für mich war, dass er heute Nachmittag ständig gejammert hat, das er nicht mehr kann. Die Übelkeit ist so immens, er kann wirklich nicht mehr. Und ich kann ihm nicht helfen..ich hoffe so sehr, dass er die Nacht einigermaßen gut übersteht und ich ihn morgen sehen kann. Hoffentlich klingelt mein Handy heute nicht.

Warum „forschen“ die nicht nach, warum er überhaupt Wasser in der Lunge hat?! Verstehe ich nicht…

Er hasst das Krankenhaus und die Ärzte dort. Alles Idioten, die nichts drauf haben – ausserdem hören die nicht zu! Er muss ständig das gleiche erzählen, und das den gleichen Personen. Die hören einfach nicht zu!
Schatz wartet morgens immer bis ich komme. Ich soll dann seine Tabletten checken, was das für welche sind. Er traut den Ärzten nicht (mehr).

Ich weiß ja was er bekommt, und die Tabletten von denen ich nichts weiß, gebe ich ihm selbstverständlich trotzdem. Ist ja bis jetzt auch nur diese kleine weiße Tablette + Salztabletten. Die Salztabletten will er nicht mehr nehmen. Ihm wird kotzübel nach den Salztabletten…warum auch immer, es ist ja eigentlich nur Kochsalz.

Keine Ahnung was sein Körper gerade für Spielchen macht, aber es macht mir Sorgen. Irgendetwas stimmt hier nicht…

Bis dann

Die Hitze ist unerträglich

und im Krankenhaus ist es noch schlimmer. Fenster sind offen, Jalousien unten – bringt alles nichts..es ist so verdammt heiss und morgen soll es bei uns in der Gegend sogar bis 40 Grad werden.

Die letzten 2 Tage höre ich nur Sirenen von den Rettungswagen, weil die Menschen das nicht verkraften.

Meinem Mann und mir ist die Hitze auch zu viel. Vorallem meinem Schatz.

Heute morgen kam ich in sein Zimmer und er saß auf dem Bett. Er strahlte mich an und freute sich mich zu sehen. Ich frage ihn gleich was es neues gibt und neigte den Kopf, das ich schon wieder schlimmes annahm.
Er sagte, das der Schlauch heute nicht abgestöpselt wird, sondern morgen. Das Wasser ist deutlich weniger geworden. Heute Nacht beim Wechsel des Kastens waren es „nur“ noch 600 ml. Als ich heute zu ihm kam, waren knapp 100 ml drin, also nur eine Pfütze, und es ist auch im ganzen Tag nicht wesentlich mehr geworden. Als ich ging, waren es 200 ml…das Wasser ist also soweit aus der Lunge raus.

Der Schlauch wird dann abgestöpselt, aber der Port und das Verbindungsstück bleiben noch dran. Am Montag gibt es erstmal wieder ein neues Röntgenbild und dann eventuell wird auch der Port abgemacht. Wie das gehen soll – keine Ahnung. Wird das wieder „rausoperiert“?, oder zieht man da einfach dran? Ich weiß es nicht.

Gegen Mittag sind wir ins Bistro gegangen. Das ging ganz gut, obwohl er immer noch sehr schwach ist und wackelig auf den Beinen.
Er isst ja auch nichts und hat noch weiter abgenommen. Sein Gesicht ist ganz schmal geworden.
Er mag das Krankenhaus Essen nicht essen, ist ja auch ekelhaft, aber er isst auch sonst nichts. Das macht mir Sorgen.
Er isst ein halbes Butterbrötchen zum Frühstück und einen Kaffee. Mittagessen bäh, Abendessen bäh. Heute morgen hat er ein bisschen was erbrochen und da war was „seltsames“ dabei.

Er hat es aufgehoben um es mir zu zeigen. Ich bin ja absolut schmerzfrei bei solchen Dingen und habe es mir angesehen, sein Erbrochenes in der Nierenschale.
Ich gehe jetzt nicht ins Detail. Das Seltsame, was mein Schatz meinte, war eine weiße, feste „Kugel“ und er fragte mich besorgt was das sei.
Ich sagte – das ist Ei. Es sieht so aus und hat die Konsistenz. Ich fragte ihn, ob er denn auch Ei gegessen hat. Er überlegte kurz und meinte dann, er hätte gestern zum Abendessen was mit Ei bekommen. Er hat es probiert und es war bäh.

Da hat er das kleine Stück Ei wieder erbrochen.
Wir sind wie gesagt dann runter ins Bistro, und ich wollte das er was isst. Die Schnitzel sind ganz lecker, auch die Frikadellen. Ausserdem haben die Ofenkartoffeln mit Kräuterquark. Er muss was essen! Wie soll er sonst zu kräften kommen?

Er wollte aber partout nicht und hat nur einen Kaffee getrunken. Nach einer dreiviertel Stunde wollte er wieder hoch aufs Zimmer, ihm wäre schlecht.

Wir sind dann wieder hoch und er legte sich aufs Bett. Du musst wenigstens genug trinken, sagte ich. Gerade bei der Hitze. Vielleicht ist dir deswegen auch so schlecht, du isst nichts, und du trinkst zu wenig, sagte ich besorgt.

Ihm wurde immer schlechter. Er quälte sich und es war so unendlich heiss. Ich habe einen Waschlappen genommen und den unter kaltes Wasser gehalten. Mit dem nassen Waschlappen habe ich ihn an den Armen und im Gesicht etwas abgerieben, wenigtens eine kurze Abkühlung.

Irgendwann kam mal ein Pfleger um nach dem Rechten zu sehen. Ich sagte ihm, meinem Mann geht es sehr schlecht..Übelkeit, kurz vor dem Erbrechen.

Der Pflger hat erstmal den Blutdruck gemessen, der war ok soweit. Dann ist er kurz weg und hat was gegen die Übelkeit geholt. Ein kleines Düppchen mit einer braunen Flüssigkeit drin. Ich roch dran und es hat fast wie Kräuterschnaps gerochen.

Mein Schatz trank das. Eine viertel Stunde später wurde ihm noch schlechter. Der Pfleger kam wieder und ich teilte ihm das mit.
Der Pfleger meinte, seine Mittel wären damit schon erschöpft und er sagt einem Assistensarzt bescheid.

Dieser kam nach einer halben Stunde etwa und legte eine neuen Braunüle. Die andere, die er die ganzen Tage hatte, wurde heute morgen rausgemacht.

Der Arzt sagte, so hätten wir mehr Möglichkeiten was gegen die Übelkeit zu tun und hing ein kleines Fläschen an. Darauf stand: Isotonische Kochsalzlösung. Das soll gegen Übelkeit helfen? Na mal sehen.

Kurz wurde es tatsächlich besser, aber nur kurz. Der Arzt bemerkte, dass mein Liebling seine Salztabletten vom Mittag nicht genommen hat. Er solle die unbedingt nehmen, denn sein Nitratgehalt im Blut sei zu niedrig.

Also nahm mein Schatz die Salztabletten. Kochsalz in Tablettenform.

20 Minuten später, es war bereits nach 16 Uhr, wurde es meinem Baby richtig schlecht. Er stand auf, wankte auf die Toilette und musste sich heftig übergeben.
Als der Pfleger dann kam, sagten wir das und er schaute etwas … nicht direkt besorgt, eher ein wenig Ratlos.

Aber meinem Schatz ging es schlagartig gut. Keine Übelkeit und er hat besser ausgesehen. Irgendwie verträgt er die Salztabletten nicht..zumindest meine Vermutung, denn jedesmal wenn er die nimmt, wird ihm speiübel..komisch…

Ich blieb noch eine Weile um mich zu vergewissern, dass es ihm wirklich besser ging. Ich konnte doch nicht nach Hause fahren, mit dem Wissen, wie er beinander ist. Ich hätte die Nacht nicht schlafen können. Kann ich so auch schlecht, aber das wäre für mein Kopfkino nun wirklich nichts gewesen.
Ich habe sowieso ständig Angst, wenn ich zu Hause bin, dass mein Handy klingelt und das Krankenhaus ist dran…

Morgen kommt das lange Wochenende. Da geht ja im Krankenhaus gar nichts ab, keine Untersuchung, kein gar nichts. Am Montag sind dann auch bestimmt die Befunde aus der Pathologie da. Ich kann es nicht erwarten diese zu hören, und gleichtzeitig habe ich riesen Angst davor.

Hat er nun Krebs, oder nicht! Ich weiß, ich soll mich nicht verrückt machen, aber das ist leichter gesagt, als getan.

Dieses Wechselspiel von Krebs, dann doch nicht, vielleicht aber doch macht mich fertig. Warum machen die das…macht das denen Spaß? Mit Menschen so umzugehen? Naja…

Bis dann