B wie Beerdigung

Am Dienstagabend kam meine Sis zu mir, nach einem langen Schultag. Sie hat sich, genauso wie ich, gleich an den Pc gesetzt und wir haben gezockt. Zur Ablenkung. Dennoch haben wir immer mal wieder traurige Momente gehabt und haben über Vergangenes, über unsere Gefühle und über die Beerdigung gesprochen. Ich bin dann so gegen 22 Uhr ins Bett gegangen und meine Sis etwa eine Stunde später. Die Nacht war solala. Eigentlich habe ich gut geschlafen, weiß nicht mehr ob ich geträumt habe, war aber auch recht früh dann wieder wach. So gegen 7 Uhr. War dann duschen und habe mir eine Menge Gedanken um Mama gemacht. Gegen 9 Uhr ist meine Sis aufgestanden und dann haben wir uns langsam angezogen und fertig gemacht.

Mittwoch – Tag der Beerdigung von Mama – 11 Uhr auf dem Nordenstadter Friedhof

Der gestrige Mittwoch war ein sehr schöner Tag. Warm und die Sonne schien noch ein letztes Mal in Sommermanier. Ganz in Schwarz gekleidet machten wir uns dann auf den Weg. Erst zum Floristen, denn wir wollten noch Rosen holen, die wir zu Mama ins Grab legen wollten. Wir liefen dann hoch zum Friedhof. Ich weiß nicht wie es meiner Sis ging, aber auf dem Weg kämpfte ich manchmal schon mit den Tränen. Wir unterhielten uns nicht viel. Aber wenn wir was sagten, war es eine Erinnerung, oder etwas lustiges, oder die Bemerkung wie sehr sich der Ort doch verändert hatte zudem letzten Mal als wir hier lang liefen.

Auf dem Friedhof angekommen trafen wir die Bestatterin. Wir unterhielten uns auch noch kurz über dies und das und dann kam auch schon unser Nachbar. Er wohnt im Haus direkt neben an und wir kennen uns schon seit über 30 Jahren. Er wollte auch Abschied nehmen von Mama, konnte er ja nicht kommen an Papas Beerdigung.

Meine Sis und ich dachten, wir gehen nun in die Trauerhalle. So war es bei Papa. Da stand die Urne auf einem kleinen Podest, mit Blumen und Kerzen. Bei Mama war es nun nicht so. Die Bestatterin fragte wer denn die Urne tragen möchte. Meine Sis wollte sie tragen und die Bestatterin drehte sich um und da stand Mamas Urne auf einer Bank. Ich hatte sie gar nicht bemerkt, dachten wir doch sie stünde in der Trauerhalle. Die Bestatterin übergab meiner kleinen Sis die Urne und wir liefen dann los Richtung Grab. Meine Sis und ich und der Nachbar. Die Bestatterin hatte sich direkt zurückgezogen. Ich bermekte dies zunächst auch nicht und fand das dann schäbig von mir, mich nicht bedankt und verabschiedet zu haben…

Auf dem Weg zum Grab weinten meine Sis und ich natürlich. Kaum zu fassen das in dieser wunderschönen Urne, einer Vase gleich, die Asche von Mama drin sein sollte. Am Grab angekommen klammerte sich meine Sis an die Urne und wir weinten bitterlich. Nach ein paar Minuten fingen wir uns. Ein sehr alter, aber agiler Mann sprach uns an. Er pflegte gerade das Grab seiner Frau, nur 2 Gräber weiter und gesellte sich zu uns. Er kannte Mama nicht, aber auch er stand andächtig für einen Moment vor dem Grab und nahm Anteil. Das fand ich irgendwie schön. Ein völlig Fremder, der Anteil an unserem Leid nahm. Nach weiteren Minuten standen wir immer noch am Grab und Irritation machte sich breit. Wo ist denn der Friedhofsmensch? Sollen wir die Urne selbst in Grab geben? Das ist so tief – wie soll das gehen?. Unser Nachbar fragte vorsichtig, ob er das für uns übernehmen soll. Wir willigten ein und er versuchte so andächtig wie möglich die Urne ins Grab zu geben. Dann war das Loch doch noch tiefer als gedacht und es gab ein lautes KLAPP als die Urne den Boden erreichte. Der Nachbar legte sich auf den Boden um die Urne zu erreichen, legte den Deckel wieder darauf und nach dem er wieder aufstand, entschuldigte er sich dafür.

Martina und ich fingen wieder an zu weinen. Wir gaben dem Nachbar den Vortritt sich zu verabschieden. Er nahm 3 mal das Schäufelchen mit Sand und jedes mal wenn er die Erde ins Grab schüttete, murmelte er etwas. Ich habe es nicht verstanden, aber das machte nichts. Dann trat ich ans Grab, legte die Rose zur Urne und gab 3 Schaufeln mit Erde/Sand ins Grab, danach meine Sis auch 3 mal. Dann standen wir alle 4 für eine Minute wortlos und weinend nur da. Jeder in seinen Abschiedsgedanken. Irgendwann sagte ich ein leises „ok“ und trat einen Schritt zurück. Das war quasi das Ende des Abschied nehmens.

Der alte Mann und unser Nachbar (die sich beide gut kennen) unterhielten sich dann kurz miteinander. Dann drehte sich der alte Mann zu uns und stellte und ein paar Fragen. Ob wir hier aus dem Ort sind, was Mama hatte und warum Papa (beide sind jetzt im gleichen Grab) so früh starb, wie alt wir sind und so Sachen eben. Er erzählte auch von sich, das er 90 Jahre alt sei, seine Frau vor 2 Jahren an Leukämie gestorben ist usw. Worüber man sich eben auf dem Friedhof so unterhält.

Die Sonne brannte uns in den Rücken und es wurde nun doch sehr warm. Dann schob sich eine dicke Wolke über die Sonne und es war schlagartig frisch. Ich dachte mir nur so – danke Mama, das tut gut, die Sonne brennt sehr, danke für den Schatten. Das hielt nicht sehr lange und die Sonne brannte wieder. Nach einer ganzen Weile der Unterhaltung verabschiedete sich unser Nachbar. Er ist ja auch schon sehr alt und für ihn war die Beisetzung eben abgeschlossen und er wollte wieder Heim. Wir bedankten uns bei ihm fürs kommen und verabschiedeten uns. Meine Sis und ich blieben noch und sprachen über Mama, Papa, das Grab. Da kam der alte Mann nochmal auf uns zu und wir redeten weiter über alles mögliche. Erinnerungen und das er Musiker war. Nach etwa weiteren 10 Minuten sind meine Sis und ich dann auch wieder Richtung nach Hause gegangen, nachdem wir dem alten Mann alles Gute gewünscht haben und Tschüss.

Auf dem Weg nach Hause bemerkte meine Sis wie typisch doch diese Beerdigung war. So ganz anders als bei Papa, obwohl es ja eigentlich der gleiche Ablauf war. Bei Papa waren wir alleine. Nur der Friedhofsmensch war aber in der Nähe und er hatte Papas Urne ins Grab gelassen. Bei Mama war es – wie sie halt auch war – alles irgendwie wie sie eben. Meine Sis sagte, es passt alles. Erst die Irritation wegen der Trauerhalle und der Urne ins Grab geben, dann mochte sie fremde Menschen eigentlich nicht so gerne, hatte aber immer alle Menschen angesprochen und sich unterhalten – im Bus, beim Einkaufen etc. Ich stimmte ihr zu. Es war wirklich eine Mama typische Beisetzung. Ganz anders als ich es je erlebt hatte und ich nun doch schon etliche Beerdigungen hinter mir.

Zu Hause angekommen habe ich erstmal eine kleinen Schnaps getrunken. Danach habe ich bei unserem Lieblingslieferanten Essen bestellt. Wir beide haben das Lieblingsessen von Mama bestellt, bzw das was sie selbst am meisten gerne gegessen hatte, wenn wir bestellt haben. Burger – Pommes – Frühlingsrollen. Ich schmunzelte ein wenig, denn ein typischer Leichenschmaus ist dann nun ja auch nicht, aber was ist schon ein normaler Leichenschmaus. Das, was der Verstorbene am meisten mochte. So halten wir es.

Nach dem Essen saßen meine Sis und ich wieder am Pc und zockten. Es war irgendwie seltsam alles. Es war, als wäre Mama da, aber sie ist es ja nicht. Wir zockten wie immer. Meine Sis meinte – es ist komisch. Es ist als hätten wir nur ein Häckchen dran gemacht, etwas abgearbeitet und weiter gehts. Ich meinte darauf zu ihr, das es normal sei und Mama und Papa immer wieder betont haben dass das Leben weitergeht. Man sich nicht an der Vergangenheit festklammern soll. Für sie macht es keinen Unterschied mehr, sie sind weg. Wir sollen uns nicht so sehr krämen..es muss einfach weitergehen. Sie sind in unseren Herzen und da werden sie immer sein.

Meine Sis nicke….

Mama wir lieben dich ♥ Papa wir lieben dich ♥

2 Gedanken zu “B wie Beerdigung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s