Muss das denn jetzt sein?!

In meinem letzten Beitrag war ich noch so glücklich das es der Mama wieder besser ging. Im Laufe der letzten Wochen hat sich ihr Gesundheitszustand aber wieder verschlechtert. Trotz NIV Beatmung hat sich immer wieder Erstickungsanfälle gehabt. Dann ging es ihr stundenweise wieder gut, dann war die Atmung wieder schlecht usw.

Gestern morgen um 6 Uhr, sie war an der Beatmung, klingelte sie mich wach. Ich dachte zunächst erst nur daran, daß Gerät abzumachen, damit sie ihre Medis nehmen kann.

Sie saß auf dem Bett, atmete sehr schwer und sagte ständig das sie keine Luft bekommt. Ich versuchte sie zu beruhigen und gab ihr eine Tavor. Ist erst gar nicht angeschlagen. Mama war so verzweifelt und hatte große Angst und ich konnte ihr nicht helfen.

Ich rief dann den Notarzt an und hoffte das sie es ins Krankenhaus schaffen. So einen echt heftigen Erstickungsanfall hatte sie bis dato noch nicht. Jedesmal war es echt schlimm, aber diesesmal dachte ich, das war es jetzt. Innerlich kämpfte ich mit mir und flehte das der Übergang doch bitte nicht so sein darf. Sie hat Angst und ist so verzweifelt, es tut weh es zu sehen.

Erst kam sie ins Joho, dann ist sie ins Paulinenstift gekommen. Dort auf die Intensiv mit einem NIV Beatmungsgerät das ziemlich kräftig Luft und Sauerstoff in sie hineingepresst hat. Ich hielt ihr Hand und sie sagte, das sie Angst hat. Ihre Augen hat sie immer wieder aufgerissen. Sie hatte Angst einzuschlafen unf kämpfte mit aller Macht gegen die Sedierung an.

Nach einer Weile beruhigte sie sich und ließ die Sedierung zu. Sie ist immer mal kurz eingeschlafen. Sie fragte nach meiner Sis und ich sagte, das sie nicht kommen kann. Das tat mir so leid. Die Atmung war anstrengend aber nach einer Weile hatte sie das Gefühl es ginge besser. Es war so schlimm sie so zu sehen, wie sie sich immer wieder aufbäumte und die Augen aufriss. Ich konnte nichts weiter tun als ihre Hand festzuhalten und versuchen ihr die Angst zu nehmen.

Der Arzt kam zu mir und wir besprachen das weitere vorgehen. Kurz zusammengefasst gab ich die Einwilligung alles medizinisch mögliche zu unternehmen. Er sagte sie habe eine kleine Lungenentzündung. Na klasse, muss das sein?! Ich sagte auch, das wenn es zum äusserten kommt, soll keine Reanimation gemacht werden. Der Arzt nickte und notierte sich das. Wir sprachen dann auch darüber, das es durchaus wahrscheinlich ist, das sie eine Invasive Beatmung braucht und darüber hinaus in ein künstliches Koma gelegt werden muss. Auch da willigte ich ein. Er erklärte mir die Risiken und was alles passieren kann, bis hin zum aufwecken.

Ich war dann noch eine Weile da und Mama begann zu lachen wann immer das NIV einen Pupston abgelassen hatte. Ich dachte mir dabei, wie schön das sie jetzt im Moment so gelöst ist und lachen kann. Ich bin dann gegangen und sagte noch, das ich morgen mit Sista komme.

Heute Mittag sind wir dann wieder zu ihr gefahren und ich hatte ein seltsames Bauchgefühl. Als wir in die Intensiv kamen, sprach uns eine Schwester an und fragte ob wir wissen das sie beatmet wird. Ich sagte JA und nahm an mit dem NIV. Aber dem war nicht so. Sie lag zugedeckt schlafend auf dem Rücken mit einer Menge Schläuchen um sie herum. Sie hat eine Invasive Beatmung bekommen, inklusive Magensonde zur Ernährung. Ich habe damit nicht gerechnet, aber es hat mich nicht wirklich überrascht. Sie hat keinen Luftröhrenschnitt, sie wird mit einem Schlauch in den Mund beatmet.

Sis und ich standen je an einer Seite neben ihrem Bett und ich streichelte ihrn Arm und ihre Hand immer wieder und erzählten was seit gestern so passiert ist. Ich sagte ihr auch, das sie keine Angst haben braucht. Ich sagte auch, das sie gehen kann wenn sie das möchte, wir wären ihr nicht böse darum….

Es tut weh, aber für sie … sie muss sich nicht mehr quälen…

Ich war dann doch etwas verwundert das es mit der inv Beatmung so schnell ging und las in der Pflegedokumentation nach was passiert war. Sie wurde sogar fixiert.. Ihr Zustand hat sich gestern weiter verschlechtert und sie haben sie sediert und haben ihr das inv. Beatmungsgerät gelegt. Sie bäumte sich immer wieder auf und versuchte sich den Schlauch aus dem Mund zu ziehen. Nachdem dann eine Fixierung nicht geholfen hat, was ich sowieso ganz schlimm finde, haben sie dann die Mama ins künstliche Koma geschickt….

Letzter Eintrag von heute morgen 5:50 Uhr (Pflegedokumentation) – Kreislauf schwankend ohne erkennbaren Grund

Ich kann mir vorstellen warum der Kreislauf so schwankt. Sie hat Angst! Sie weiß nicht wo sie ist, was mit ihr passiert usw auch wenn sie in dieser tiefen Bewusstlosigkeit ist. Sie ist alleine und verzweifelt. Ich hoffe das sie uns gespürt hat und gehört hat. Immer wieder sagten wir ihr sie braucht keine Angst haben, sie wird wieder aufwachen wenn die Lungenentzündung abgeklungen ist und wenn etwas unheimliches ihr begegnet, solle sie es einfach wegkicken.

Schweren Herzens sind meine Sis und ich dann wieder gegangen. Ich gab ihr noch einen Kuss und sagte wieder, sie brauche keine Angst haben…

Mein Verstand sagt mir: Sie hat doch eh nur nur eine ganz kleine zerfressene kaputte Lunge. Jetzt die Lungenentzündung. Wird sie je wieder aufwachen? Klar will ich sie noch etwas bei mir haben, aber ich möchte viel mehr das es ihr gut geht, das sie erlöst ist von den Qualen. Wie lange wird es dauern? Wird sie selbst gehen?, werden wir in ein paar Wochen/Monaten die berühmte Entscheidung treffen müssen?

Klar immer positiv denken, aber man darf sich nicht verklären, man muss auch realistisch bleiben. Es tut halt einfach weh, egal was. Alleine sie so zu sehen bringt mich schon fast um.

Mama wir lieben dich ♥

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