Dasselbe Zimmer

In den letzten Wochen begleitete ich meinen Vater zu seinen Arztterminen. Er geht zu den Ärzten, zu denen auch mein Engel gegangen war. Es hat mir immer einen Schauer über meinen Rücken gejagt. Ist es doch seltsam, den bestimmten Arzt wiederzusehen, im selben Wartezimmer zu sitzen und doch ist es jemand anderes den ich begleite…um den ich mir Sorgen mache…um den ich bald weinen werde…

Ich komme mehr, oder weniger darauf klar. Ich verdrängte es einfach so gut es ging. Ich musste für meinen Pa da sein, ihn aufmuntern und die Wartezeit angenehm verkürzen. Irgendwie schlimmer empfand ich es im Krankenhaus. Ich habe in der Klinik meine Mam zu ihren Untersuchungen begleitet, wenn ich halt auch grade da war. In einer Abteilung hat es mir regelrecht die Schuhe ausgezogen. HSK, Untergeschoss, Nuklearmedizin, PET-CT…

Ein Krankentransporter fuhr meine Mam mit einem Rollstuhl runter und stellte sie da ab. Ich erkannte natürlich sofort wohin die Reise ging. Ich zeigte auf einen Stuhl und sagte:“Da saß Horsti und ich saß hier neben dran“ Meine Stimme veränderte sich, als ich das sagte. Ich hatte Mühe nicht loszuheulen. Mama erkannte sofort was los war und meinte, dass es ihr so leid täte und sie mir das am liebsten alles ersparen wollte. Ich riss mich zusammen und meinte, es wäre schon OK…ich möchte ihr nicht leid tun…es ist wie es ist… Was dann geholfen hat war die Tatsache, dass wir dann aufgerufen wurden.

Nach dem Arztgespräch hatte ich sie dann wieder auf ihr Zimmer gefahren. Wir wollten nicht auf den Krankentransporter warten, wollten beide schnell weg von dort!

Es ist echt eine harte Sache für mich. Die selben Praxen und Ärzte und Räume…nur die Personen sind anders…mit was für einem Fluch wurde ich da belegt?, und von wem??? Mir ist klar das ich das selbst war…gehört zu meinem Lebensplan, welcher festgelegt wird bevor man einen Fuß hier auf diesen Planeten setzt….erst nach meinem Ende werde ich wissen was ich da zu lernen hatte, welchen Grund es gab für diese Art von Prüfung…

Heute gab es es nochmals ein Gespräch mit den palliativ Mediziner. Wegen meinem Pa. Es wurden medizinische Dinge besprochen, und organisatorische. Die Ärzte wussten bescheid das ich meinen Mann gepflegt hatte und es ging dann eigentlich nur ums organisatorische. Eine Psychologin war auch anwesend. Die Ärzte haben Sorgen das ich das nicht schaffe. Am Ende war es aber so, das sie meinten, so was wie ich wäre selten. Für das was ich bereits durchgemacht habe und nun vor mir habe und ich da keinerlei Berührungsängste hätte, noch psychologische Unterstützung anfordere. Ich halte das schon aus…irgendwie…

Ich kenne den „natürlichen“ Verlauf vom Lungenkrebs und ich kenne das organisatorische drumherum, also Pflegebett anfordern, Pflegestufe erhöhen etc. Der einzige Unterschied, welcher eine neue Herausforderung darstellt ist – mein Pa verdrängt. Er ist nach wie vor der Meinung er könne noch mal aufstehen, laufen, „gesund“ werden. Er ist geistig noch voll da und akzeptiert nicht was los ist…er verdrängt was los ist. Das war bei meinem Baby anders. Sein Geist hatte sich ja schon im Großen und Ganzen  kurz vor seiner Bettlägerigkeit verabschiedet von diesem Planeten. Er wusste das er sterben wird, auch wenn er es nicht wollte..

Morgen kommt Mama nach Hause und Ende nächster Woche Papa…

Bis dann…

2 Gedanken zu “Dasselbe Zimmer

  1. Ja sag mal ,liebe Vero, das hört und hört ja gar nicht auf…was ist denn da los.Und was sind das für Begebenheiten ………also Zufälle…weis ich nicht ,gibt es die denn.Mein Neffe sagt nein.Alles sei bestimmt.Wie wird es für Dich weitergehen?Ich denke an Dich, Pamela.

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