10 Januar 2017 – Ein ganzes Jahr nun

Die letzten Tage waren schon nicht gut. Innerlich. Sonst habe ich viel gelacht und eigentlich nur für mich geweint. In den letzten Tagen kam es auch mal vor, dass ich auch vor anderen geweint habe. Auch als es mir eigentlich gut ging, hat Avni es mir angesehen das dem nicht so ist. Er sagt er brauche mir nur in die Augen sehen und dann wüsste er bescheid. Er nimmt mich wieder viel in den Arm in letzter Zeit und versucht mir meinen Schmerz zu lindern.

Heute morgen bin ich um Punkt halb 7 aufgewacht. Der Zeitpunkt, als sein Leben aus ihm wich. Ich flüsterte: „Baby, heute ist es ein Jahr her…“ Ich schlief wieder ein. Unruhig und traumlos wachte ich gegen halb 9 wieder auf. Ich öffnete mein Rollo und draussen war alles weiß. Alles sah so friedlich aus. Alles war still und sanft rieselte der Schnee. Es trieb mir die Tränen in die Augen, weis ich doch um die Symbolik des Schnees. Ausgerechnet heute!, dachte ich mir. Warum heute!

Ich zog mich an und machte mich fertig. Hatte vor auf den Friedhof zu fahren. Mit meinem Auto traute ich mich nicht und wollte mit dem Bus fahren. An der Haltestelle lief eine Anzeige durch. „Diese Haltestelle wird nicht angefahren, nächste Möglichkeit Platz der deutschen Einheit“ Klasse….ich muss dazu sagen, ich bin grade mal wieder krank. Bronchitis, oder leichte Lungentzündung, da war sich mein Dok ohne röntgen nicht sicher. Fühle mich schlapp, hab etwas Fieber und Husten, bei Anstrengung fehlt mir die Luft…

Ich überlegte also kurz und bin dann runter in die Stadt gelaufen. Der Platz ist nur 2 Haltestellen entfernt und es geht bergab. Unten angekommen kam auch gleich die Linie 6, mein Bus. Ich stieg ein und der Fahrer meinte dann:“Endstelle, er fährt nicht weiter“ In dem Moment dachte ich: “ wollt ihr mich heute alle verarschen???“

Wie sollte ich nun zum Nordfriedhof kommen…mir stiegen wieder Tränen in die Augen. Wäre ich gesund, wäre ich gelaufen. Von mir bis zum Nordfriedhof sind es etwa 30 Minuten zu Fuß. Jetzt stand ich unten in der Stadt, bin krank und ich  konnte einfach nicht. „Baby?, warum darf ich nicht zu dir heute? Irgendetwas verhindert das…“, so kam es mir vor… Ich entschloss mich dann eben jetzt schon in die HSK zu fahren. Bin über die Kreuzung gelaufen und die Linie 24 sollte bald kommen. Sie kam nicht, ist ausgefallen. Dann eben mit der 23… Die kam auch nicht. Ich weigerte mich nach Hause zu laufen und stand da in der Kälte und unterhielt mich mit einer älteren Dame. Etwa nach einer halben Stunde, es war inzwischen 12 Uhr, kam die 23. Ich fragte den Fahrer ob er die HSK anfährt, er bejahte. Während der Fahrt kam eine Durchsage. Dotzheim würde nicht befahren werden, nur die HSK. Innerlich schüttelte ich meinen Kopf. Wiesbaden hat selten Schnee und wenn, gibt es immer Chaos…

Meine beiden Eltern liegen seit etwa Heilig Abend im Krankenhaus. Mein Papa palliativ mit Lungenkrebs, meine Mam hat eine schwere Lungentzündung zu ihrer COPD.Liegt auf Station. In letzter Zeit rede ich wieder viel mit Ärzten und übernehme die Pflege meiner Eltern. Ein Arzt wollte mit mir morgen nochmal im Detail besprechen wie es weitergehen soll, denn die Pflege bestünde ja dann aus einer Doppelbelastung. Mama muss auch gepflegt werden, sie kann auch nicht mehr viel machen. Zudem kommt noch das ich aus meiner, aus unserer, Wohnung raus muss. Nicht wegen der Sanierung, aber es ist jetzt amtlich…ich muss ins Elternhaus ziehen damit ich rund um die Uhr für sie da sein kann.

Ich besuchte meine Eltern und bin mit einem Taxi nach Hause. Die 6 fuhr um halb 2 immer noch nicht die Schwalbacher hoch…obwohl es die Strassen inzwischen wieder zugelassen hätten…

Zu Hause angekommen redete ich mit meinem Engel. Ich entschuldigte mich immer wieder, dass ich es heute nicht schaffe zu ihm ans Grab zu kommen. Ich weiß aber auch, er hätte nicht gewollt das ich krank wie ich bin meinen Plan mit Gewalt durchsetze. Mir liefen die Tränen ohne Ende. Ich vermisse ihn so sehr, es zerreißt mich wie am ersten Tag… Ein ganzes Jahr bin ich nun ohne ihn. Ich weiß nicht, wie ich das bisher geschafft habe. Und es stimmt nicht!!! Jeder erzählt mir nach wie vor es würde erträglicher werden…das stimmt zur Hölle nicht! Das einzige ist, ich habe gelernt meinen Schmerz zu verbergen und andere damit nicht zu belasten. Es ist aber nicht erträglicher geworden!!! Im Gegenteil…im Laufe des Jahres war ich oft zelbstzerstörerisch, bis irgendwann eine Stimme mir sagte, ich hätte noch Aufgaben…

Es ruft heute immer mal jemand von seiner Familie an…ich gehe nicht ran, antworte auch nicht auf WhatsApp. Sie bedauern was passiert ist und fragen wie es mir geht…mit Sicherheit. Ich ertrage das heute nicht!

Ansonsten gab es am Jahresende 2016 interessante Wendungen. Das Verhältnis mit Avni ist inniger geworden aber nur freundschaftlich Rainer spinnt wieder rum, ist beleidigt und hat mir wieder mal seine Freundschaft gekündigt, das gibt sich auch wieder. Mit Karl und Dagmar habe ich gebrochen. Ich bin nicht nachtragend und verzeihe viele Fehler. Wir sind alles nur Menschen. Karl hat mich so enttäuscht das ich darüber nicht mehr wegsehen kann, ebenso mit Dagmar. Bei ihr wundert es mich nicht wirklich. Ich konnte noch nie länger mit Frauen…es ist halt so.

Beim Bruch habe ich mich noch bedankt, dass sie am Anfang des Jahres mir so beigestanden haben und es täte mir leid wie das Jahr nun geendet hat. Ich möchte keinen Kontakt mehr…es gibt eben Dinge im Leben, die muss ich mir nicht gefallen lassen!

Dafür bin ich in Kontakt mit Norman gekommen. Er wohnt im Vorderhaus. Ein anfänglich zurückhaltender Typ. Seine übertriebene Zurückhaltung hat mich gereizt, da kam mein Mutter Theresa Syndrom raus. Nach einigen Monaten, es sind etwa 4, hat er enorme gesellschaftliche Fortschritte gemacht. Ich konnte ihn aus seinem Schneckenhaus befreien, dadurch das wir die gleichen Filme bzw. Genres mögen. Er hat sich schnell wohl gefühlt, so wie sich bisher alle schnell wohl gefühlt haben bei uns.  Ich hoffe nur, er behält den Schubser bei. Ich ziehe ja weg und bin mit meiner „Arbeit“ nicht fertig.

Aber wer weiß schon warum die Dinge sind, wie sie sind…

Den ganzen Tag geht mir „Space Oddity“ nicht aus dem Kopf. Dein Lied…. Ich habe es mir angehört und nach der Hälfte ausgemacht. Mein Herz konnte das nicht aushalten. Dieser Schmerz und diese Wut hätten mich zu Boden gerungen. Ich kann das heute nicht….

Ich vermisse dich…du fehlst mir….jede Zelle in meinem Körper schreit nach dir….

Ich liebe Dich und sehne den Tag herbei an dem wir uns wiedersehen!

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