I treasure your love

You can’t run away for ever
But there’s nothing wrong with getting a good head start
You want to shut out the night, you want to shut down the sun
You want to shut away the pieces of a broken heart

Think of how we’d lay down together
We’d be list’ning to the radio so loud and so strong
Ev’ry golden nugget coming like a gift of the gods
Someone must have blessed us when he gave us those songs

I treasure your love
I never want to lose it
You’ve been through the fires of hell, and I know you’ve got the ashes to prove it

I treasure your love
I want to show you how to use it
You’ve been through a lot of pain in the dirt, and I know you’ve got the scars to prove it

Remember everything that I told you, and I’m telling you again that it’s true
You’re never alone, ‚cause you can put on the ‚phones,
and let the drummer tell your heart what to do

Keep on believing, and you’ll discover baby

There’s always something magic
There’s always something new
And when you really really need it the most, that’s when rock and roll dreams come through
The beat is yours for ever
The beat is always true
And when you really really need it the most, that’s when rock and roll dreams come through, for you

Once upon a time was a backbeat
Once upon a time all the chords came to life
And the angels had guitars even before they had wings
If you hold onto a chorus you can get through the night

I treasure your love
I never want to lose it
You’ve been through the fires of hell, and I know you’ve got the ashes to prove it

I treasure your love
I want to show you how to use it
You’ve been through a lot of pain in the dirt, and I know you’ve got the scars to prove it

Remember everything that I told you, and I’m telling you again that it’s true
You’re never alone, ‚cause you can put on the ‚phones,
and let the drummer tell your heart what to do

Keep on believing, and you’ll discover baby

There’s always something magic
There’s always something new
And when you really really need it the most, that’s when rock and roll dreams come through
The beat is yours for ever
The beat is always true

And when you really really need it the most, that’s when rock and roll dreams come through, For you!

Rock and roll dreams come through – Meat Loaf

Baby…es passieren wieder so seltsame Sachen. Ich weiß nicht was ich machen soll..du fehlst mir so wahnsinnig…du würdest mir jetzt nur sagen: „Es passiert alles deinetwegen“..das weiß ich..ich fühle mich allem gewachsen, dennoch ist mir alles zuviel….
Ich liebe dich..du bist und bleibst ein Teil meiner Seele…du wirst immer bei und mit mir sein, egal was ist..das war schon immer so..über alle Jahrhunderte hinweg. Das gibt mir etwas Trost, auch wenn es so unendlich schwer auf meinem Herzen liegt.
Ich finde einen Weg!

 

Es geht alles seinen Gang

Vergangenen Freitag bekam ich mehrere WhatsApp Nachrichten, und auch Anrufe. Fand ich witzig, denn alle hatten das gleiche Thema – komme ich wirklich am Samstag, bleibe ich, oder muss ich wieder weg? Ich versicherte den Boys zu kommen und auch zu bleiben. Zumindest über Nacht. Die Freude war auf allen Seiten groß.

Am Samstag kam meine Sis gegen 11 Uhr und wir machten die Übergabe. Ich erklärte ihr noch bissl was und machte mich auf den weg. Vorderhauszote wollte das ich ihn anrufe, wenn ich mich los mache. Wir unterhielten uns kurz und er freute sich mich wieder zu sehen.

Gegen halb 1 war ich bei mir. Schnell noch Lotto spielen und einkaufen, alles erledigt. In meiner Wohnung hatte es frostige 5 Grad. Sofort den Ofen an geschmissen, wobei es mir so kalt gar nicht war, aber heizen musste ich trotzdem, ist klar. Ich fing auch sofort an weiter zu packen. Die Küche wollte ich ursprünglich zuletzt packen, entschied mich aber dann doch eben in besagter weiterzumachen. Da wurde es allmählich wärmer und das war gut so. Eine Kiste und ein blauer Sack mit ausmistkram später rief ich die Boys zusammen. Mein Gartenhäuschen sollte geräumt werden…unser 2. Wohnzimmer…

Zuerst kam Norman und wir tranken erst ein Glas Wein bzw. Bier zusammen. Vorderhauszote kam auch bald und machte auf eilig. Sein Vater würde gleich kommen… OK super, dann los. Nebenbei klopfte ich noch Rumpelstilzchen wach. Völlig verstrahlt öffnete er die Tür und ich sagte ihm, dass wir jetzt anfangen und er auch helfen wollte. Wir sind dann raus und im Gartenhaus war es soo kalt. Es dauerte keine 2 Minuten und uns froren die Finger ab. Ich holte persönliche Sachen von meinem Engel raus und die Boys fingen schon zu entrümpeln an. Wir haben einfach alles in den Garten getan… Alles im Allem hat es knapp eine Stunde gedauert, dann waren wir fertig. Innerlich hat sich mir alles zu geschnürt…hängen doch eine Menge Erinnerungen an dem Raum…und es ist ein weiterer Schritt in Richtung Endgültigkeit nicht mehr wiederzukommen.

Avni verabschiedete sich, versprach aber später nochmal aufzutauchen. Norman und ich gingen in meine Wohnung zurück und unterhielten uns über alles mögliche. Nebenbei mistete ich immer mal was aus. Am Abend war dann gemütlich angesagt. Spät am Abend kam auch Avni, Norman war auch noch da, und wir saßen gemütlich zusammen und hatten wieder einen berühmt, berüchtigten, feucht, fröhlichen Abend. Irgendwann wollte ich dann Feierabend haben. Die Boys haben das konsequent ignoriert, fand ich jetzt nicht so tragisch, war auch nicht besonders überzeugend. Hatte trotzdem ordentlich den Hut auf und legte mich einfach auf der Couch um. Nach einer Weile ging es wieder, und ich war wieder dabei.

Wir frotzelten untereinander rum und es war sau lustig. Irgendwann rief mich auch mal die Natur. Als ich aus dem Bad raus kam, stand Avni am Ofen. Er wollte sich etwas aufwärmen, dachte ich. Er kam mir einen Schritt entgegen, zog mich an sich ran und ehe ich mich versah küsste er mich. Kein liebevoller Kuss wie neulich. Er war sehr fordernd und leidenschaftlich. Er flüsterte mir was ins Ohr und wir lösten uns. Leicht verwirrt und sehr überrascht  folgte ich ihm ins Wohnzimmer. Kurze Zeit später schmiss ich Rocky raus. War nicht die feine englische Art, entschuldigte mich dafür.

Kaum fiel meine Haustür in Schloss, ist dann das undenkbare passiert. Wir sind im Bett gelandet..naja eher auf der Couch… Details behalte ich für mich… Als wir fertig waren fragte Avni, ob es mir gut geht. Ich lachte und meinte, dass ihm das ja früh einfallen würde. Er solle sich keine Gedanken machen, ich war ja schließlich nicht abgeneigt…nach einer kurzen Unterhaltung ging er dann auch. Ich bin erstmal total erschöpft in mein Bett gefallen und sofort eingeschlafen.

Am Sonntag erwacht, zum Glück ohne Kater. Nur leichte Kopfschmerzen hatte ich, etwas Muskelkater…ansonsten ging es mir gut. Dann ließ ich den Abend nochmal durchlaufen. Was ist da passiert und vor allem warum? Vorderhauszote betonte immer mal wieder das ich für ihn wie seine kleine Schwester bin. Und unser Gespräch vor einem halben Jahr? Sex unter Freunden macht Freundschaften kaputt! Wir sind nicht, und werden auch nicht zusammenkommen. Ich bin nicht bereit für eine Bindung…der Sex hat mir aber gut getan. Irgendwie befreiend…auf der anderen Seite hätte es nicht sein müssen, aber ich bereue es auch nicht. Denke, mein Engel hätte nichts gegen… Ich habe nicht das Gefühl mein Baby betrogen zu haben…dennoch verspürte ich einen tiefen Stich in meinem Herzen. 1000 Gedanken prasselten auf mich ein…

Hier ging es doch aber nur um Sex. Aber warum jetzt?, warum Vorderhauszote.. Ich rechtfertige mich vor mir selbst. Was mache ich eigentlich für einen Aufriss…ich habe ihn sehr gerne und er ist mir wichtig. Verändert sich jetzt was zwischen uns? Letztenendes ist es doch völlig egal. In den nächsten Wochen bin ich ausgezogen. Wer weiß ob und wann wir uns wiedersehen… Es zwickt mich sowieso böse das ich von dort weg muss. Seit 1995 lebe ich in dem Viertel, alle kennen mich da…es tut weh.. Ich vermisse jetzt schon alles dort und auch meine Leute…jeden von denen…einfach alles…am meisten jedoch meine Wohnung…

Sonntag Abend bin ich wieder nach Nordenstadt. Meine Sis hat das Wochenende super gemeistert. Alles in bester Ordnung, da hatte ich auch keinen Zweifel. Hat sie doch auch Ahnung von Pflege etc. Schnell machten wir die Übergabe und dann ist sie auch los nach Hause. Der Abend verlief ruhig. Ich bin jetzt wieder im Pflegemodus. Alles was jetzt seit einiger Zeit passiert ist so unwirklich und fremd. Mein Leben passiert, aber ich bin gar nicht dabei…irgendwie…schon wieder…

Heute am Montag geht alles wieder seinen normalen Gang. Medis geben, Frühstück machen, Körperpflege usw…und das in doppelter Ausführung fast…Papa und Mama…

Bin stinkend SAUER!!!

Heute kam Mam nach Hause. Was ein Glück…einerseits. Ihr geht es nicht richtig gut, die Ärzte können nichts machen. Trotz angelegter Kulturen konnten sie den Virus nicht identifizieren. Haben die den keine Virologen? Soviel zu – die HSK Wiesbaden ist doch so ein wahnsinns fortschrittliches Krankenhaus. Sie muss den Virus aussitzen. Toll. Ist ja nicht so, dass sie sowieso schwer krank ist. COPD. Jeder Infekt kann auch böse ausgehen, vom Erstickungstod mal abgesehen…

Wallraff hatte vor einiger Zeit schon die Missstände aufgezeigt. Hat sich was verändert? Nein! Im Gegenteil, es ist schlimmer geworden! Pa lag auf der palliativ Station. Da waren sie alle sehr bemüht, übelst aufmerksam und einfühlsam. Klar. Sterbestation.

Mam lag auf der A23 – Internistische Station. Da kommt erstmal alles hin, egal ob Lunge, Leber, Knie, oder sonst was. Ist ja auch in Ordnung, darum geht es mir nicht.

Das dort aber nur 1 mal geputzt wurde in 5 Tagen, und das auch nur halbscharig ist schon ein Ding. Das dort aber Patienten 3 Stunden ohne etwas zu trinken in ihren Zimmern gelassen werden ist schon eine Nummer. Wohlgemerkt bettlägerige Patienten! Klingeln bringt auch nichts, denn die Schwestern und Pflegern ziehen es vor, lieber in der Ecke zu stehen um zu tratschen und bloß nicht stören im Klatschausstausch!

Von wegen Schwestern bzw. Pfleger. Auf der A23 gibt es nur EINE echte Krankenschwester. Die anderen sind abgezogenes Personal aus Altenheimen, oder ReHa Einrichtungen. Das spürt man auch an ihren Arbeitsverhalten. Was interessiert mich, ob der Patient Durst hat, der wird schon nicht verdursten! 

Meine Ma hatte eine Braunüle/Zugang an der Hand, welche immer hin und her wackelte und auch weh tat dadurch. Sie bat darum diese zu sichern und was tat der Herr Altenpfleger? Klebte ein Pflaster zum sichern über ein altes Pflaster. Das war schon angegammelt und hätte gewechselt werden müssen. Infektionsgefahr! Hielt natürlich nicht und eine andere Aushilfskraft klebte erneut ein Pflaster darüber, über die bereits geklebten wohlgemerkt. Das passierte ein paar mal… Irgendwann kam die echte Krankenschwester ins Zimmer und Mam bat erneut um eine saubere Lösung. Kurzerhand zog die Schwester eine Mullbinde aus ihrem Kittel und sicherte den Zugang sauber und schmerzfrei an der Hand. Toilettenstühle, ohne Deckel, wurden auch nur sporadisch geleert. Höflichkeit, Verständnis und respektvoller Umgang – Fehlanzeige. Die Patienten werden von den Hilfskräften wie Vieh behandelt. Sind ja eben auch kein fachbezogenes, ausgebildetes Personal…

Die Tochter der Bettnachbarin war ebenso sehr erbost über die Zustände der Station. Worte wie „Sauhaufen“, oder „letzter Drecksladen“ waren hierbei noch die höflichen Worte. Ein Anschiss eines Arztes an einen AushilfsmöchtegernPfleger hielt auch nur kurze Zeit an.

Wenn man das hier so liest, klingt es vielleicht gar nicht so schlimm. Es mag vielleicht auch nur die A23 betreffen, aber das reicht schon. Die Profitgier der Helios Kliniken, der Stellenabbau des  ausgebildeten Personals und das menschenunwürdige Verhalten Patienten gegenüber zeugt nicht von einem guten Bild der HSK Wiesbaden.

Altenpfleger sollten in Altenheimen arbeiten und nicht in Krankenhäuser. Die Arbeit ist zwar ähnlich und doch gänzlich anders als das was eine Krankenschwester leistet! Arbeiten die für weniger Geld, oder was? Was bringt ein Stellenabbau, wenn die wenig übrig geblieben nicht über die fachspezifische Ausbildung verfügen?? Da steht nur wieder die übliche Profitgier im Vordergrund und nicht der Patient, nicht der MENSCH, der Hilfe braucht. Könnte kotzen, aber so was von!!!

Ich wills nicht hoffen, aber sollte Mam in den nächsten Tagen wieder in die Klinik, dann ins JoHo, oder Paulinen Stift…aber nie wieder HSK!

Während ich meinen Eintrag schreibe, läuft auf RTL Punkt 12 ein Beitrag…eine Krankenschwester packt aus. Missstände, unzureichend gelerntes Personal da nur Hilfskräfte usw., genau das was ich beschrieben habe. Scheint, wie so oft, ein Bundesweites Problem zu sein….es wird immer schlimmer…toll Wallraff, hat sich ja viel verändert…nur nicht zum Guten!

Gedankensammlung

Morgen kommt Mam nach Hause. Das Fieber geht runter, die Ärzte wissen nach wie vor nicht was es ist, was für ein Virus es war. Ich war so sauer das ich sagte:“Sollen die doch mal bei Wikipedia nachsehen was es für Viren gibt und diese abarbeiten!!! Für was studieren die eigentlich!?“ Hoffe sie muss nicht wieder 3 Tage später wieder rein….

Pa ist stabil soweit. Er schläft viel. Das kenne ich von meinem Engel noch… Wir sind total eingespielt. Medigabe, Körperpflege, Unterhaltung – läuft alles. Pa ist irgendwie voll süß geworden. Es ist die Art wie er redet. Manchmal fast kindlich, verletzlich. Liegt am Morphium… Es fehlt ihm auch an Luft, deswegen drückt er sich recht einfach aus. Aber nicht blöde…es ist schwer zu erklären… Im Gegensatz muss man ihm die einfachsten Dinge erklären. Ma und Sis verlieren schnell die Gedult dabei. Ich erkläre es ihm 5 mal am Tag und jedes mal so, als erkläre ich es zum ersten mal….

Die Tage fragten beide mich, was ich mir zum Geburtstag wünsche. Meine Reaktion innerlich war eher – bitte was? Wen interessiert mein Geburtstag? Ich bin in einem anderen Modus..mein Geburtstag interessiert mich nicht… Was ich mir wünsche ist einfach.

Ich wünsche mir meinen Mann zurück! Ich wünsche mir mein Leben zurück! Ich wünschte meine Eltern könnten ihren Lebensabend gesund genießen, wie es sein sollte… Diese Wünsche werden nicht erfüllt. Wie auch… Unser Leben ist gekennzeichnet mit Krankheit, Schmerz und Tod.

Mein Geburtstag interessiert mich nicht. Ich werde 40. Eigentlich feiert man die „Nuller“. Aber es gibt Dinge, die sind wichtiger. Es ist für mich selbstverständlich für meine Eltern da zu sein, sie zu unterstützen. Wie ich es auch für mein Baby getan habe. Mein Engel hat immer gesagt – sehe nichts im Leben als selbstverständlich an! Er hat schon Recht damit…dies ist aber etwas anderes. Es ist nicht meine Pflicht, ich bereinige nicht mein Karma damit, noch will ich Anerkennung, oder gar einen Preis! Es ist das mindeste das ich zurück geben kann…und DAS ist mir wichtig, DAS ist selbstverständlich für mich.

Ich stelle mein Leben hinten an. Wieder. Es macht mir nichts aus. Zum Einen habe ich sowieso kein Leben mehr und zum Anderen ist es auch eine Art Leben. Hr. Maurer (palliativ Dienst) sprach mit mir heute darüber, etwas besorgt. Ich meinte, es überrasche mich selbst, wie ich das alles wegstecke und wie „gut“ ich damit klar käme. Ich kann es einfach! Zu seiner Beruhigung sagte ich noch, wenn mir alles zu viel würde, wäre ich natürlich bereit mir Hilfe zu holen. In seinen Augen sah ich, dass er mir nicht glaubt. Er war aber zufrieden mit diesem Zugeständnis.

Jetzt schon bekomme ich wieder Lob und Anerkennung vom pall. Dienst. auch die Psychologin im Krankenhaus war erstaunt über mein Verhalten. Ganz Ehrlich? Interessiert mich nicht. Ich bin, wie ich bin…

Wieder kommen alte Gedanken hoch. Vielleicht ist es doch mein Weg. Der Weg in die Sterbebegleitung. Ich hab die Ruhe, die Gedult und die Kraft. Ich kann Kraft geben, ohne selbst welche zu haben. Es geht…

Ich vermisse mein altes zu Hause. Ich vermisse Vorderhauszote, ich vermisse Rocky…sogar Rumpelstilzchen… Auch wenn wir im täglichen Kontakt sind…telefonisch, oder per WhatsApp… Auch wenn man nicht weiß warum Veränderungen stattfinden, man unsicher ist, oder gar Angst verspürt…man muss Vertrauen haben. Manchmal kann man seinen Weg nicht beeinflussen, aber man muss darauf vertrauen das alles richtig ist. Es passiert alles dann, wenn es passieren soll. Auch wenn wir es nicht verstehen.

Wenn einem etwas genommen wird, wird es mit etwas schönerem, höherem, oder besserem ersetzt werden..ich frage mich persönlich – was erwartet mich? Da gibt es nichts mehr…nichts, das in meiner Vorstellung existiert. Mein Baby ist mein Maßstab..darüber gibt es nichts..darüber kann es nichts geben…was soll es darüber noch geben…da ist nichts…ich kann damit leben…denn ich erwarte nichts.

Es wird nicht aufhören

Donnerstag, vor einer Woche, kam Mam aus dem Krankenhaus nach Hause. Ihr ging es jeden Tag etwas besser, war die Angst doch groß, dass sie nach 3 Tagen wieder rein muss. So war es seit Heilig Abend…sie kam nach Hause, 3 Tage später kam sie wieder in die Klinik, dann das Gleiche nochmal…nun war sie schon seit gut einer Woche da und ihr ging es gut.

Heute Abend fing sie auf einmal an zu frieren, hüllte sich in ein paar Decken und fror trotzdem. Gegen halb 7 bekam sie Fieber. Die Temperatur ging stetig hoch. Gegen 8 war die Temperatur bei 38,7. Ich gab ihr eine Iboprofen und kaltes Wasser mit Waschlappen zur Kühlung. Temperatur nach einer halben Stunde runter auf 38,6. Aber die Temp stieg wieder…sie bekam Angst. Schon wieder ein Infekt?, oder der „alte“ nicht ausgeheilt, wie gehabt.

Mit ihrer Luft war soweit aber alles gut, trotzdem rief ich den Rettungsdienst. Es wäre egal gewesen. Spätestens heute Nacht hätte ich ihn rufen müssen. Dann hätte es aber auch eng werden können, der Bereitschaftsarzt merkte letztes mal schon an, dass die nächste Atemnot auch die letzte sein könnte…ihre Lunge ist am Limit…

Während der Rettungsdienst da war schnellte ihr Puls hoch auf 150 Schläge und es setzte eine Atemnot ein. Zum Glück hatten die Sauerstoff dabei und sie bekam 6 Liter zunächst. Zur Beruhigung sagten die Sanis immer das alles gut ist, sie könnten bis auf 15 Liter hoch. Nach einer Weile bekam sie wieder Luft und sie war Transportfähig. Ich konnte sie nicht begleiten, das tat und tut mir so leid. 

Papa kam gestern nach Hause und er ist absolut bettlägerig. Kann unter keinen Umständen alleine bleiben. 

Ich schrieb meiner Schwester was passiert ist. Sie kommt morgen wie geplant. Ich wollte morgen zu mir nach Hause um weiter zu packen, kann nur am Wochenende. Das fällt nun flach. Ich warte nun auf eine Nachricht, wo Mam über haupt ist. Ist die HSK rot – also zu viele Notfälle – würden sie ins JoHo fahren. Meine SIS bringt ihr dann morgen paar Sachen. Aber erstmal auf Nachricht warten…

Papa ist soweit stabil. Heute Mittag hatte er etwas zu viel vom FentanylSpray und war high. Wenn es nicht so tragisch wäre, wäre es eigentlich ganz lustig. Er hat viel geredet, durcheinander und unterhielt sich mit mir über mich. So als wäre ich nicht im Raum und er er unterhalte sich mit Mam über mich. Wie gesagt, war ganz witzig…wenn nicht die Krankheit da wäre….

Ich liebe mein Leben! (Ironie off)

Und es hört nicht auf….

Sound of silence…

Hello darkness, my old friend. I’ve come to talk with you again…

Morgen kommt Papa nach Hause. Mein letztes Jahr wiederholt sich. Zu meinem Engel gibt es jedoch 2 Unterschiede. Papa hat keine Schmerzen…dennoch ist er auf Fentanyl eingestellt, mit „wachsender“ Dosis…wegen der Atmung. Die andere Sache ist, er ist geistig noch voll da. Er sitzt in seinem eigenen Gefängnis. Sein Kopf, sein Geist, ist voll da. Sein Körper wird immer schwächer. Mittlerweile kann er nur noch liegen, schafft es nicht mal mehr auf den Klostuhl. Das ging letzte Woche noch. Es ist zu anstrengend für ihn. Jede Bewegung kostet unendlich Kraft und er bekommt keine Luft.

Ich kann nicht sagen was die nächsten Wochen zeigen werden…

Hello darkness, my old friend. I’ve come to talk with you again….

Hallo Dunkelheit, mein alter Freund…ich komme zu dir um mit dir wieder zu sprechen….

Wieder ein Bett… DAS Bett

Heute kam das Pflegebett für Pa. Zwischen 14 und 17 Uhr sollte es kommen, um kurz von 5 kam es dann auch. Der Typ vom Sanitätshaus baute es schnell und routiniert auf. Es steht im Wohnzimmer, damit Papa bei uns sein kann und nicht so abgeschoben hinten im Zimmer liegt. 

Es ist das gleiche Bett wie wir hatten. Es ist ein seltsames Gefühl wieder so ein Bett zu sehen…wieder im Wohnzimmer…Erinnerungen kommen hoch. Es bedeutet den Anfang vom Ende…wie lange wird es dauern, wie heftig wird es werden, wie anstrengend für uns alle….wieviel Schmerz kann man ertragen.

Ich schaue auf das Bett und lasse meine Gedanken kreisen. Selbst meine eigenen Erinnerungen scheinen mir fremd. Als hätte ich alles nur mal in einem Film gesehen. Es kommt nicht an mich ran. Ich denke, wenn ich es jetzt an mich lasse wird nichts funktionieren. Meine Stärke nicht, meine Funktionalität nicht. Gar nichts.

Ende der Woche kommt Pa nach Hause. Dann geht es richtig los. Mama ist zur Zeit zu Hause und ich kümmere mich um sie. Sie ist stabil, braucht aber auch pflegerische Unterstützung. Sie hat ständig einen Infekt. Jeder Atemnotsanfall könnte der letzte sein. Ihre Lunge ist auch am Limit…jeder Arzt sagt ihr, ihm Krankenhaus ist sie besser aufgehoben, ansonsten kann es auch tödlich enden, wenn sie zu Hause ist. Im Krankenhaus wird sie nach ein paar Tagen Heim geschickt, denn sie können nichts weiter machen. Sie selbst meint auch, Antibiotika kann sie auch zu Hause nehmen…stimmt ja schon, aber….wenn sie hier keine Luft bekommt kann es zu spät sein bis der Rettungsdienst da ist. Wie gesagt…im Krankenhaus wird sie aber nach ein paar Tagen Heim geschickt. Was bliebe wäre eben auch die palliativ Station…. Schlimm sind die Nächte…ich habe wieder diesen Alarmschlaf. Ich höre ein Geräusch das ich als ungewöhnlich empfinde und bin wach….oder habe immer im Hinterkopf das sie mich wachklingelt, weil sie keine Luft bekommt…

Was mir auch etwas Sorge bereitet ist – unter der Woche bin ich da…am Wochenende meine Schwester. Abgesehen davon das sie nicht genug Kraft hat Papa zu heben, weiß ich nicht wie sie die doch unangenehmen Dinge der Pflege meistern soll…sie hat Ahnung von Pflege, alles gut…es ist aber nicht jedem gegeben, …naja..muss ich nicht ausführen…

Vielleicht ist es möglich das am Wochenende, in der Früh, ein/e Krankenpfleger/in kommt um eben die morgentlichen unangenehmen Dinge zu erledigen…mal sehen. Ich muss morgen mal mit den Ärzten darüber reden. Es wäre ja nicht für immer. Nur so lange bis ich hier her umgezogen bin. Dann bin ich ja immer da….

Vorderhauszote ruft mich jeden Tag an bzw. schreibt mir über WhatsApp. Er fragt wie es mir geht und möchte auch auf dem Laufenden gehalten werden was meine Eltern betrifft. Es hilft mir und gleichzeitig macht er es mir schwer damit. Ich hadere sowieso damit aus meinem Revier weg zu müssen. Er kümmert sich immer noch um mich, ist da für mich wenn ich ihn brauche und er sagt, dass er mich vermisst…es überwiegt aber diesen Anker zu haben. Er hält die Stellung, meinen Platz frei…ein schönes und warmes Gefühl.

Morgen fahre ich zu Pa ins Krankenhaus. Rede mit den Ärzten und danach schnell zu mir. Paar Sachen packen zum sofortigen Mitnehmen. Dann sehen wir uns, wenn auch nur kurz, aber wichtig…wichtig für ihn und auch für mich.

Ich muss aber erst schauen wie es Mama morgen geht. Wenn ich ein ungutes Gefühl habe, fahre ich nicht morgen. Ich möchte sie nicht so lange alleine lassen. Eine halbe Stunde ist nicht so schlimm, aber 3,4 Stunden schon….

Baby, ich brauche dich…es ist alles so verquer…ich muss mit dir reden! Bevor ich schlafe, küsse ich mein Tattoo. Es ist das einzige das ich von dir habe, was wirklich DU bist…

Love is in the air und die Magie der Dinge

Ob das wohl am gestrigen Vollmond lag?

Gestern ist meine Mam nach Hause gekommen, per Krankentransport. Das lustige war, selbst die Autos die kein Hinderniss auf ihrer Strassenseite hatten, sind alle stehen geblieben und haben uns vorgelassen. Der Fahrer meinte irgendwann:“Was sind denn alle heute so scheiss freundlich?“, dann schaute er erschrocken auf sein Display im Auto und meinte, er wäre schon mal mit Blaulicht gefahren und hätte es nicht gemerkt. Das war aber diesmal nicht der Grund, das Blaulicht war aus. Dennoch sind alle anderen Autos, sogar ein LKW, stehen geblieben und haben uns vorbeigelassen an den Engstellen auf den Strassen.

Ich musste später nochmal los, mit dem Bus. In dem Bus, schon an der Haltestelle, waren alle Menschen super zuvorkommend und aufmerksam und hilfsbereit. In einem Maße, das ich so noch nie erlebt habe. In Wiesbaden ist sich jeder selbst der Nächste, aber nicht am gestrigen Vollmondtag. Mir schien alles fremd und gleichzeitig war ich fasziniert. Was war denn los? Ich kann es kaum in Worte fassen, aber es waren alle Menschen so lieb und nett zueinander, wie man es sich nur wünschen kann. Eine nahezu schon übertriebene Harmonie unter den Menschen. Sehr merkwürdig, aber irgendwie schön.

Als ich bei mir zu Hause ankam, atmete ich erstmal durch. Das ist nicht die Welt da draussen, dich ich kenne. Ich grinste in mich rein und wunderte mich. Schließlich zuckte ich mit den Schultern und dachte mir nur – Love is in the Air – Vollmond der Liebe, und das im trüben und kalten Januar. Schön.

Ich packte einige Sachen zusammen, die ich mit nehmen wollte. In mein neues, altes zu Hause. Es klopfte an der Tür und Avni stand davor. Selbst ER verhielt sich anders als sonst. Er begrüßte mich schon auf eine Art und Weise, die ich so nicht von ihm kannte. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, dachte ich zunächst. Wir unterhielten uns über dies und das, alles ganz normal..unverfänglich…

Gegen 15 Uhr musste ich wieder los und wir gingen an die Tür. Der Abschied war keine Einbildung! Er nahm mich in den Arm, wie er es manchmal macht. Er wünschte mir Kraft für die kommende Zeit. Normalerweise bekomme ich dann einen freundschaftlichen Kuss auf die Stirn. Diesmal aber küsste er mich zärtlich auf den Mund! Sagte, er hätte mich lieb und das er mich vermissen wird, bis wir uns wieder sehen. Das er mich lieb hat, sagt er ja manchmal, ist ja ok…aber er küsst mich nicht!

Das war kein „nach 3 Flaschen Wein mal rumknutschen“, nein, es war ein zärtlicher bewusst gewollter Kuss! Er drückte mich nochmals. Wir gingen dann zusammen durch den Hof und dort verabschiedete er sich nochmal mit je einem Bussi auf beide Wangen. Er schaute mich an und sagte:“ich weiß was du denkst. Wenn wir uns das nächste mal sehen, reden wir darüber.“

Ich saß im Bus und konnte nur den Kopf schütteln. Was soll das? Wir hatten doch mal ein Gespräch, bei dem wir uns beide einig waren das zwischen uns nichts laufen wird? So von wegen Respekt meinem Baby gegenüber und das man nicht die Witwe von seinem Freund nimmt!? Und das DAS unsere Freundschaft kaputt machen würde….? Er hatte vor einigen Tagen schon mal so einen „Anfall“, aber da haben wir ordentlich gefeiert und sowas ist dann nicht Ernst zu nehmen….was war das gestern nur für ein Vollmond…

Ich erzählte den Tag meiner Mam und sie konnte auch nur verwundert schauen, was für ein Tag das nur war …gestern…

Ich war dennoch froh wieder in bekannten Gefilden zu sein und meine Mam und ich haben den Tag gemütlich ausklingen lassen. Gegen Mitternacht bin ich ins Bett. Ich habe schlecht geschlafen und es hat mich geärgert. Ich wollte fit und ausgeruht sein, denn heute (Freitag) hatte ich einen Termin für mein Tattoo. Endlich DAS Tattoo was ich mir die ganze Zeit schon stechen lassen wollte. Seit einem Jahr…Gestern war ich schon mal in dem Laden. Punkt 12 Uhr, er hatte da aber keine Zeit. Ich hätte mich um 14 Uhr stechen lassen können, aber da konnte ich nicht. Deswegen dann der Termin heute um 13 Uhr.

Hat wunderbar geklappt und es ist so toll geworden. Es ist kein Motiv. Es ist sein Name. Nicht nur sein Name, es ist sein Name in seiner Handschrift! Es ist so, als hätte mein Baby einen Stift in die Hand genommen und seine Unterschrift auf mein Handgelenk geschrieben. Mein Engel hat öfter mal auf meinen Arm gemalt, gekritzelt, wenn grade kein Papier da war. So ist nun dieses Tattoo auf meinem Handgelenk. Es gibt mir unsagbar Kraft. Es ist ein Teil seiner Magie auf mich übergegangen in dem Moment. Magie die ich brauche für die Zeit die nun auf uns zukommt.

Ich habe zur Zeit keine Möglichkeit ein Photo hochzuladen, hole das nach. Wenn das Tattoo  irgendwann verblasst – ist es hier für immer festgehalten…

Es ist wieder ein Freitag an dem etwas passiert ist, was mit meiner Seele zu tun hat.

An einem Freitag haben wir geheiratet, an einem Freitag habe ich dich dem Feuer übergeben, an einem Freitag bist du beigesetzt worden und nun?, an einem Freitag (den 13.!) habe ich einen Teil deiner Magie zurückerlangt! Zufall? Nein…es gibt keine Zufälle…

Es ist wie es ist…es passiert alles zur rechten Zeit…auch wenn wir es nicht verstehen…

Love you

 

Dasselbe Zimmer

In den letzten Wochen begleitete ich meinen Vater zu seinen Arztterminen. Er geht zu den Ärzten, zu denen auch mein Engel gegangen war. Es hat mir immer einen Schauer über meinen Rücken gejagt. Ist es doch seltsam, den bestimmten Arzt wiederzusehen, im selben Wartezimmer zu sitzen und doch ist es jemand anderes den ich begleite…um den ich mir Sorgen mache…um den ich bald weinen werde…

Ich komme mehr, oder weniger darauf klar. Ich verdrängte es einfach so gut es ging. Ich musste für meinen Pa da sein, ihn aufmuntern und die Wartezeit angenehm verkürzen. Irgendwie schlimmer empfand ich es im Krankenhaus. Ich habe in der Klinik meine Mam zu ihren Untersuchungen begleitet, wenn ich halt auch grade da war. In einer Abteilung hat es mir regelrecht die Schuhe ausgezogen. HSK, Untergeschoss, Nuklearmedizin, PET-CT…

Ein Krankentransporter fuhr meine Mam mit einem Rollstuhl runter und stellte sie da ab. Ich erkannte natürlich sofort wohin die Reise ging. Ich zeigte auf einen Stuhl und sagte:“Da saß Horsti und ich saß hier neben dran“ Meine Stimme veränderte sich, als ich das sagte. Ich hatte Mühe nicht loszuheulen. Mama erkannte sofort was los war und meinte, dass es ihr so leid täte und sie mir das am liebsten alles ersparen wollte. Ich riss mich zusammen und meinte, es wäre schon OK…ich möchte ihr nicht leid tun…es ist wie es ist… Was dann geholfen hat war die Tatsache, dass wir dann aufgerufen wurden.

Nach dem Arztgespräch hatte ich sie dann wieder auf ihr Zimmer gefahren. Wir wollten nicht auf den Krankentransporter warten, wollten beide schnell weg von dort!

Es ist echt eine harte Sache für mich. Die selben Praxen und Ärzte und Räume…nur die Personen sind anders…mit was für einem Fluch wurde ich da belegt?, und von wem??? Mir ist klar das ich das selbst war…gehört zu meinem Lebensplan, welcher festgelegt wird bevor man einen Fuß hier auf diesen Planeten setzt….erst nach meinem Ende werde ich wissen was ich da zu lernen hatte, welchen Grund es gab für diese Art von Prüfung…

Heute gab es es nochmals ein Gespräch mit den palliativ Mediziner. Wegen meinem Pa. Es wurden medizinische Dinge besprochen, und organisatorische. Die Ärzte wussten bescheid das ich meinen Mann gepflegt hatte und es ging dann eigentlich nur ums organisatorische. Eine Psychologin war auch anwesend. Die Ärzte haben Sorgen das ich das nicht schaffe. Am Ende war es aber so, das sie meinten, so was wie ich wäre selten. Für das was ich bereits durchgemacht habe und nun vor mir habe und ich da keinerlei Berührungsängste hätte, noch psychologische Unterstützung anfordere. Ich halte das schon aus…irgendwie…

Ich kenne den „natürlichen“ Verlauf vom Lungenkrebs und ich kenne das organisatorische drumherum, also Pflegebett anfordern, Pflegestufe erhöhen etc. Der einzige Unterschied, welcher eine neue Herausforderung darstellt ist – mein Pa verdrängt. Er ist nach wie vor der Meinung er könne noch mal aufstehen, laufen, „gesund“ werden. Er ist geistig noch voll da und akzeptiert nicht was los ist…er verdrängt was los ist. Das war bei meinem Baby anders. Sein Geist hatte sich ja schon im Großen und Ganzen  kurz vor seiner Bettlägerigkeit verabschiedet von diesem Planeten. Er wusste das er sterben wird, auch wenn er es nicht wollte..

Morgen kommt Mama nach Hause und Ende nächster Woche Papa…

Bis dann…

10 Januar 2017 – Ein ganzes Jahr nun

Die letzten Tage waren schon nicht gut. Innerlich. Sonst habe ich viel gelacht und eigentlich nur für mich geweint. In den letzten Tagen kam es auch mal vor, dass ich auch vor anderen geweint habe. Auch als es mir eigentlich gut ging, hat Avni es mir angesehen das dem nicht so ist. Er sagt er brauche mir nur in die Augen sehen und dann wüsste er bescheid. Er nimmt mich wieder viel in den Arm in letzter Zeit und versucht mir meinen Schmerz zu lindern.

Heute morgen bin ich um Punkt halb 7 aufgewacht. Der Zeitpunkt, als sein Leben aus ihm wich. Ich flüsterte: „Baby, heute ist es ein Jahr her…“ Ich schlief wieder ein. Unruhig und traumlos wachte ich gegen halb 9 wieder auf. Ich öffnete mein Rollo und draussen war alles weiß. Alles sah so friedlich aus. Alles war still und sanft rieselte der Schnee. Es trieb mir die Tränen in die Augen, weis ich doch um die Symbolik des Schnees. Ausgerechnet heute!, dachte ich mir. Warum heute!

Ich zog mich an und machte mich fertig. Hatte vor auf den Friedhof zu fahren. Mit meinem Auto traute ich mich nicht und wollte mit dem Bus fahren. An der Haltestelle lief eine Anzeige durch. „Diese Haltestelle wird nicht angefahren, nächste Möglichkeit Platz der deutschen Einheit“ Klasse….ich muss dazu sagen, ich bin grade mal wieder krank. Bronchitis, oder leichte Lungentzündung, da war sich mein Dok ohne röntgen nicht sicher. Fühle mich schlapp, hab etwas Fieber und Husten, bei Anstrengung fehlt mir die Luft…

Ich überlegte also kurz und bin dann runter in die Stadt gelaufen. Der Platz ist nur 2 Haltestellen entfernt und es geht bergab. Unten angekommen kam auch gleich die Linie 6, mein Bus. Ich stieg ein und der Fahrer meinte dann:“Endstelle, er fährt nicht weiter“ In dem Moment dachte ich: “ wollt ihr mich heute alle verarschen???“

Wie sollte ich nun zum Nordfriedhof kommen…mir stiegen wieder Tränen in die Augen. Wäre ich gesund, wäre ich gelaufen. Von mir bis zum Nordfriedhof sind es etwa 30 Minuten zu Fuß. Jetzt stand ich unten in der Stadt, bin krank und ich  konnte einfach nicht. „Baby?, warum darf ich nicht zu dir heute? Irgendetwas verhindert das…“, so kam es mir vor… Ich entschloss mich dann eben jetzt schon in die HSK zu fahren. Bin über die Kreuzung gelaufen und die Linie 24 sollte bald kommen. Sie kam nicht, ist ausgefallen. Dann eben mit der 23… Die kam auch nicht. Ich weigerte mich nach Hause zu laufen und stand da in der Kälte und unterhielt mich mit einer älteren Dame. Etwa nach einer halben Stunde, es war inzwischen 12 Uhr, kam die 23. Ich fragte den Fahrer ob er die HSK anfährt, er bejahte. Während der Fahrt kam eine Durchsage. Dotzheim würde nicht befahren werden, nur die HSK. Innerlich schüttelte ich meinen Kopf. Wiesbaden hat selten Schnee und wenn, gibt es immer Chaos…

Meine beiden Eltern liegen seit etwa Heilig Abend im Krankenhaus. Mein Papa palliativ mit Lungenkrebs, meine Mam hat eine schwere Lungentzündung zu ihrer COPD.Liegt auf Station. In letzter Zeit rede ich wieder viel mit Ärzten und übernehme die Pflege meiner Eltern. Ein Arzt wollte mit mir morgen nochmal im Detail besprechen wie es weitergehen soll, denn die Pflege bestünde ja dann aus einer Doppelbelastung. Mama muss auch gepflegt werden, sie kann auch nicht mehr viel machen. Zudem kommt noch das ich aus meiner, aus unserer, Wohnung raus muss. Nicht wegen der Sanierung, aber es ist jetzt amtlich…ich muss ins Elternhaus ziehen damit ich rund um die Uhr für sie da sein kann.

Ich besuchte meine Eltern und bin mit einem Taxi nach Hause. Die 6 fuhr um halb 2 immer noch nicht die Schwalbacher hoch…obwohl es die Strassen inzwischen wieder zugelassen hätten…

Zu Hause angekommen redete ich mit meinem Engel. Ich entschuldigte mich immer wieder, dass ich es heute nicht schaffe zu ihm ans Grab zu kommen. Ich weiß aber auch, er hätte nicht gewollt das ich krank wie ich bin meinen Plan mit Gewalt durchsetze. Mir liefen die Tränen ohne Ende. Ich vermisse ihn so sehr, es zerreißt mich wie am ersten Tag… Ein ganzes Jahr bin ich nun ohne ihn. Ich weiß nicht, wie ich das bisher geschafft habe. Und es stimmt nicht!!! Jeder erzählt mir nach wie vor es würde erträglicher werden…das stimmt zur Hölle nicht! Das einzige ist, ich habe gelernt meinen Schmerz zu verbergen und andere damit nicht zu belasten. Es ist aber nicht erträglicher geworden!!! Im Gegenteil…im Laufe des Jahres war ich oft zelbstzerstörerisch, bis irgendwann eine Stimme mir sagte, ich hätte noch Aufgaben…

Es ruft heute immer mal jemand von seiner Familie an…ich gehe nicht ran, antworte auch nicht auf WhatsApp. Sie bedauern was passiert ist und fragen wie es mir geht…mit Sicherheit. Ich ertrage das heute nicht!

Ansonsten gab es am Jahresende 2016 interessante Wendungen. Das Verhältnis mit Avni ist inniger geworden aber nur freundschaftlich Rainer spinnt wieder rum, ist beleidigt und hat mir wieder mal seine Freundschaft gekündigt, das gibt sich auch wieder. Mit Karl und Dagmar habe ich gebrochen. Ich bin nicht nachtragend und verzeihe viele Fehler. Wir sind alles nur Menschen. Karl hat mich so enttäuscht das ich darüber nicht mehr wegsehen kann, ebenso mit Dagmar. Bei ihr wundert es mich nicht wirklich. Ich konnte noch nie länger mit Frauen…es ist halt so.

Beim Bruch habe ich mich noch bedankt, dass sie am Anfang des Jahres mir so beigestanden haben und es täte mir leid wie das Jahr nun geendet hat. Ich möchte keinen Kontakt mehr…es gibt eben Dinge im Leben, die muss ich mir nicht gefallen lassen!

Dafür bin ich in Kontakt mit Norman gekommen. Er wohnt im Vorderhaus. Ein anfänglich zurückhaltender Typ. Seine übertriebene Zurückhaltung hat mich gereizt, da kam mein Mutter Theresa Syndrom raus. Nach einigen Monaten, es sind etwa 4, hat er enorme gesellschaftliche Fortschritte gemacht. Ich konnte ihn aus seinem Schneckenhaus befreien, dadurch das wir die gleichen Filme bzw. Genres mögen. Er hat sich schnell wohl gefühlt, so wie sich bisher alle schnell wohl gefühlt haben bei uns.  Ich hoffe nur, er behält den Schubser bei. Ich ziehe ja weg und bin mit meiner „Arbeit“ nicht fertig.

Aber wer weiß schon warum die Dinge sind, wie sie sind…

Den ganzen Tag geht mir „Space Oddity“ nicht aus dem Kopf. Dein Lied…. Ich habe es mir angehört und nach der Hälfte ausgemacht. Mein Herz konnte das nicht aushalten. Dieser Schmerz und diese Wut hätten mich zu Boden gerungen. Ich kann das heute nicht….

Ich vermisse dich…du fehlst mir….jede Zelle in meinem Körper schreit nach dir….

Ich liebe Dich und sehne den Tag herbei an dem wir uns wiedersehen!