Trüber Oktober

Ich bekomme zur Zeit gar nichts mehr gebacken. Bin nur unterwegs, und wenn ich mal einen Tag zu Hause bin, gammel ich nur rum. Dabei gäbe es so viel zu tun.

Ich bin immer noch sehr traurig und vermisse meinen Engel derart schmerzlich, das ich mir manchmal wie ein Zombie vorkomme. Ich fühle Leere, Zorn, manchmal auch einfach gar nichts. Meine Umwelt bemerkt davon nichts. Das ist gut so, es ist ja auch mein Päckchen das ich zu tragen habe. Wenn ich mit meinen Freunden unterwegs bin, kann ich mich gut ablenken, obwohl ich ständig an meinen Engel denke. Der einzige Lichtblick, ist Avni. Seit Monaten spielen wir jeden Abend Kniffel und es macht Spaß. Auch sonst kümmert er sich nach wie vor rührend um mich. Wenn nicht sogar in letzter Zeit etwas mehr. Er achtet drauf das ich esse, mich nicht in eine Depression stürze, er passt auf mich auf und schaut das es mir einfach gut geht – soweit dies möglich ist. Und das alles ohne irgendwelche Ambitionen, oder Hintergedanken, er ist einfach ein Freund. Ein Freund, den man so nicht oft im Leben trifft.

Er ist mir näher als irgendjemand sonst. Er versteht meine Tränen und weiß wann mein Lachen falsch ist. Das bekommt nicht mal meine beste Freundin hin, ist aber nicht schlimm…

Ein Auto habe ich auch noch nicht. Ich bekomme es einfach nicht gebacken unseren Benz herzurichten und zu verkaufen. Ständig kommt etwas dazwischen. Ich wollte ihn ja selbst fahren. Der Wagen steht nun ein Jahr an Ort und Stelle, das heisst – die Reifen sind durch und Tüv ist auch in diesem Monat abgelaufen. Was weiß ich, was sonst noch gemacht werden muss. Ich habe das Geld nicht dafür. Schweren Herzens habe ich mich dazu entschieden den Benz zu verkaufen…unseren Baby-Benz..unsere Zicke…es ist wieder wie ein Abschied. Es mag für andere lächerlich klingen, aber mir bricht es wieder ein kleines Stück das Herz.

Wenn ich das Auto verkauft habe, kann ich mir von dem Geld ein eigenes Auto kaufen. Einen Käufer hätte ich vielleicht sogar eigentlich schon. Künsterlin wollte den Benz haben. Erst war ich dagegen, ich könnte es nicht ertragen sie ihn dem Auto fahren zu sehen. Aber letztenendes ist es doch nur ein Auto…ich habe mich entschieden ihr den Wagen zu verkaufen. Zum einen gehört sie quasi zur Familie und nachdem ihre Eltern kürzlich gestorben sind und sie ins Elternhaus nach Georgenborn ziehen möchte, ist es doch ein Gutes ihr den Benz zu geben.

Die nächste Baustelle. Unser Haus, in dem ich wohne, soll saniert werden. Dafür sollen aber alle Mieter raus. Die Hausverwaltung hat mir eine Wohnung in Schierstein angeboten. Da lache ich nur drüber! Ich will in keinen Vorort und schon 3mal nicht nach Schierstein, oder gar Klarenthal. Ich widerspreche der Sanierung. Wenn die mich raushaben wollen, sollen sie mich rausklagen. So einfach ist das! Ich ziehe nicht hier aus! In dieser Wohnung ist mein Mann gestorben, er ist HIER! Die Hausverwaltung meinte, ich könne nach der Sanierung wieder zurück in meine Wohnung. 1. ziehe ich aber nicht 2 mal im Jahr um und 2. wird die Wohnung mit Sicherheit teuer als vorher…das kann ich mir nicht leisten..

Das war zumindest Stand bis vor einigen Wochen. Nun scheint es aber so, da mein Vater sehr krank ist und meine Mam auch, daß ich wahrscheinlich früher oder später ins Haus meiner Eltern ziehen werde. Nicht gleich morgen, oder so, aber in ein paar Jahren möglichwerweise schon…so oder so, werde ich aus meiner Wohnung raus müssen…wieder ein Abschied…ich war die Tage darüber so sauer, daß ich mir gedacht habe – wenn ich hier ausziehe dann breche ich auch alle Brücken ab. Dann ist alles Vergangenheit und ich war mal existend für alle die mich kennen. Dann fange ich ganz neu an. Kein Kontakt zu meinen Leuten mehr, lerne neue Leute kennen die mich nicht kennen, und ich sie nicht. Einerseits nur gebabbel, andererseits – wer weiß schon was die Zukunft bringt. Ich hatte in den letzten 8 Monaten immer mal Fluchtgedanken…gibt sich wieder…nichts wird so heiss gegessen, wie es gekocht wird.

Ansonsten geht es mir im Großen und Ganzen ganz gut. Nur der trübe Oktober strengt etwas an…