Intensiv-Fahrschule

Ich habe nun den Führerschein angefangen. Vor etwa 15 Jahren hatte ich es schonmal versucht, aber nachdem ich 2! mal durch die praktische geflogen war, und meine Lebensumstände sich drastisch geändert hatten, habe ich damals aufgegeben. Nun habe ich mich bei einer Intensiv Fahrschule angemeldet. Ich wollte das so, weil ich keine 3 Monate Zeit habe den „Lappen“ zu machen, denn ich wollte u.a. schon den Schein haben, bevor die Heizperiode wieder anfängt. Seit Samstag bin ich dabei und halte hier nun alles dazu fest.

Das Motto dieser Fahrschule ist – In 7 Tagen zum Führerschein

Samstag:

Am vergangenen Samstag Vormittag gings los. Ich hatte keine Vorstellung was mich erwartet und habe mir festes Schuhwerk angezogen, was uns Schülern schriftlich mitgeteilt wurde. Ich konnte nicht wissen, daß wir am Samstag NUR Theorie haben. Und es war soo heiss an dem Tag. Samstag also nur Theorie, 2 Kapitel (von 14). Das war es schon. Insgesamt waren wir 5 Leute. Im Laufe der Theorie habe ich aber festgestellt, dass 3 Schüler ihren letzten Theorietag hatten und ein Typ und ich waren die „Neuen“. Am Samstag ging es nur um folgendes: Wie sieht ein Auto aus, welche Scheinwerfer gibt es, und Rücklichter, Öl schauen usw. Rein technische Dinge.

Sonntag frei/Montag:

Montagmorgen gleich halb 9 wieder in der Fahrschule. Nun waren wir nur zu zweit. Der Typ, anfang 20 schätze ich mal und eben ich. Unser Theorielehrer, der Carsten, ist auch unser Fahrlehrer. Los ging es erst wieder mit Theorie. Zwischen den Theoriestunden gibt es jeweils 15 min. Pause. Danach hatte ich meine erste Doppelstunde. Eine Fahrstunde (Theorie auch) sind 45 min. Ich wusste einiges noch von meinem ersten Anlauf vor 1000 Jahren und das starten klappte gut. Dann auf die Strasse. Da es eine Intensivschule ist, wurde auch gleich mit allem möglichen begonnen. Von wegen erstmal bisschen Stadtverkehr und Auto kennenlernen, NEIN, gleich volle Kanne lernen. Rechts vor Links. Einparken rückwärts, Kreisverkehr, richtiges einordnen in Einbahnstrassen usw.

Damals hatte ich auf einen Golf gelernt. Jetzt ist es ein Hyundai – was eigentlich völlig Latte ist ABER. Ich kam auf das Auto überhaupt nicht klar. Ein völlig neumodisches Ding. Tippschaltung, Motor geht aus, wenn man länger steht usw. Ich kam halt gar nicht drauf klar, war sowieso hypernervös. Die erste Doppelstunde war rum und mir graute vor der 3. Stunde die ich noch zu fahren hatte. Zwischen diesen Stunden hatte ich aber 3 Stunden Pause und bin erstmal wieder heimgefahren. Dann Nachmittags nochmal hin, bin gefahren mitten im Berufsverkehr. Alles im Allem etwas holprig, zu nervös und aufgeregt, zu blöde einfach. Carsten meinte, ich solle mich nicht verrückt machen, es wäre ja auch immerhin erst mein erster Tag.

Was mich am meisten genervt hatte an dem Tag war aber die Tatsache, das ich eben auf das Auto nicht klar kam und dementsprechend wie der erste Mensch gefahren bin. Ich hatte mich nur auf das Auto konzentriert und Carsten musste öfter mal eingreifen. Das machte mich noch nerviger, denn die Verkehrsregeln kenne ich ja soweit! Auch hatte ich ständig das Problem, den ersten Gang nicht reinzubekommen. Immer ist er rausgesprungen, oder ich habe ihn gar nicht erst reinbekommen…dann war noch – ich bin ständig, aber auch STÄNDIG zu weit rechts gefahren, sodas Carsten „Angst“ hatte um das Auto und die parkenden Autos der anderen, bzw. kam auch der Bordstein zu oft zu nah…

Dienstag:

Auch wieder halb 9 da sein und gleich fahren. Ich bemühte mich ruhig und entspannt zu bleiben und Spaß an der Sache zu haben. Immerhin WILL ICH ES JA AUCH! Die ersten 10 Minuten war das Auto nicht mein Freund. Aber alles im Allem klappte es besser. Erstmal! Wieder eine Doppelfahrstunde und nachdem diese vorbei war, meinte Cartsten: Du bist am Anfang gar nicht schlecht gefahren und dann wurdest du richtig schlecht. Was war da los? Ich sagte: Ich weiß es nicht. Ich setze mich selbst unter Druck und weiß nicht warum… Du musst ruhiger werden, und weniger verkrampft. Toll dachte ich mir…und wie soll ich das machen?? Danach Pause, dann Theorie und dann wieder eine Fahrstunde. Diese klappte eigentlich ganz ordentlich. Fahren war wieder – Wohngebiet rechts vor links, links abbiegen, Kreisverkehr, 30iger Zone und Stadtverkehr, rückwärts einparken usw.

Am Abend bzw. als ich im Bett war, bin ich den Tag nochmal durch. Habe mir ständig Mantramäßig selbst gesagt – bleibe entspannt, bleibe ruhig, hab Spaß daran. Morgen klappt es besser.

Mittwoch:

Heute konnte ich etwas länger schlafen, beginn war erst um 10:15 Uhr. Doppelstunde fahren, 45 Pause, dann nochmal eine Stunde fahren. Ich war gefühlt heute entspannter und hatte stellenweise sogar Spaß am fahren. Ich schaffe das, ich kann das – sagte ich mir immer wieder. Danach hatten wir 2 Stunde Pause, dann Theorie. Heute haben wir die Theorie im schnelldurchgang durchlaufen. Carsten war müde und das Thema war Vorfahrtsregeln und Bahnübergänge, Lichtzeichen usw. Da wir das die ganze Zeit ja schon „üben“ gabs eben den Schnelldurchgang. So waren wir gut eine halbe Stunde eher fertig.

Gestern ging es auch schon kurz auf die Autobahn. Aber echt nur kurz, einmal rauffahren, gefühlt 10 Meter gefahren und schon waren wir wieder in der Stadt. Heute auch Autobahn, etwas länger und auch eine andere. Ansonsten das übliche wie Rechts vor Links, Kreisverkehr, bla bla bla und Überlandfahrt. Wir sind nach Freudenberg gefahren. Parken in allen Varianten auch wieder und Wenden in einer zB. Sackgasse, sowie massiv Schulterblick üben im Zusammenhang mit Abbiegen und Spurwechsel.

Heute bin ich echt gut gefahren, was auch Carsten anmerkte. Er sagte mir aber auch – du fährst schon richtig gut, aber manchmal haust du da eine kleine Katastrophe rein. Ich weiß was er meint…heute war 2 mal eine Sache, da könnte ich mir selbst den Kopf aufschlagen.

Einmal sollte ich links abbiegen, in einem Wohngebiet, und habs zu spät gesehen. Ich bremste voll und riss das Lenkrad rum..warum? weil ich bescheuert bin. Ich hatte das gesten schon mal und bin halt einfach weitergefahren. Das war kein Problem. Mein Einsatz heute aber schon! Dann im Kreisverkehr sagte er, die erste Ausfahrt wieder raus. Ich vergas es und es viel mir im gleichen Moment wieder ein und ich bremste wieder heftig und wollte unbedingt aus der ersten Möglichkeit wieder raus. Gab natürlich gemecker – wenn ich die Kreisausfahrt verpasse, soll ich halt noch eine Runde drehen! Ja weiß ich auch, weiß aber nicht warum ich so blöde reflexartig reagiert habe… ich weiß es doch! Ich weiß es wirklich…

Auch mit dem Schulterblick…er hat mir anfangs immer gesagt wann ich das machen muss und dann eben nicht mehr, damit ich es alleine und selbstständig erkenne. Hat meistens gut geklappt, manchmal habe ich es nicht gemacht…ich habe ja den Strassenverlauf gesehen und wusste da ist weder ein Fußgänger, oder ein Radfahrer, beim rechtsabbiegen halt..trotzdem muss ich den Schulterblick machen….ist klar, keine Diskussion…bin halt echt blöd manchmal…

Es sind eigentlich nur Kleinigkeiten, sagt Carsten auch. Aber eben diese Kleinigkeiten brechen mir das Genick. Ich bin zwar heute viel entspannter gewesen und habe auch den Wagen mittlerweile gut im Griff, aber ich haue immer mal was total bescheuertes rein…

Heute war auch so, das ich mich richtig gefreut habe Auto zu fahren und konnte es teilweise kaum erwarten. Nicht nur, damit ich es hinter mir habe. Ich will es wirklich und es ist ja nichts schlimmes.

Ich merke an mir selber, wenn ich gut und selbstständig fahre. Ich erkenne Gefahrensituationen und gehe vom Gas bzw. bremse auch leicht usw. Und ich merke es daran, daß Carsten manchmal anfängt mich zu-zu-labern. Er erzählt dann alles mögliche. Über sein Privatleben, über Nachrichten usw., normale Unterhaltung halt. Also er unterhält sich, ich bleibe einsilbig meist und konzentriere mich aufs Autofahren. Im Gegensatz zu Montag, hat er aber insgesamt echt wenig bis kaum eingegriffen.

Die Theoriestunden sind auch sehr lustig und vorallem interaktiv. Damals hat der Lehrer nur runtergerasselt was anlag. Dieses mal ist es anders. Ich finde, der Lerneffekt ist dadurch auch höher. Wir lachen viel und haben Spaß. Das prägt sich besser ein. Auch sind wir alle per „du“ egal wie alt wir sind. Carsten ist Berliner, redet aber Hochdeutsch. Er kann aber seinen Slang nicht verbergen. Es macht Spaß ihm zuzuhören. Einmal hatten wir einen anderen Theorielehrer, den Klaus. Er kommt aus Erfurt und das „sächsische“ hört man auch voll raus, zudem er ja schon 63 ist. Ist zwar nicht Sachsen, klar, aber eben den typischen Ost Akzent. Herrlich, macht auch Spaß zuzuhören. Ab heute ist Klaus im Urlaub.

Gestern war so, wir hatten eine längere Pause und ich bin ins Gespräch gekommen mit ihm. Er erzählte, daß er seine Frau vor 2 Jahren verloren hat und wie sehr er darunter leidet. Ich erzählte ihm, daß ich meinen Mann verloren habe, jetzt erst im Januar und von dem Zeitpunkt an sprachen Klaus und ich den ganzen Tag zusammen. Er sagte mir, er weiß genau wie es mir geht und ich weiß auch ganz genau wie es Klaus geht. Das hat uns irgendwie verbunden. Wenn wir in den Pausen zusammenstanden legte er immer seinen Arm um mich. Nichts verwerfliches, rein „freundschaftlich“, obwohl wir uns ja gar nicht kennen. Als wir uns gestern verabschiedeten, er hat ja Urlaub ab heute, drückte er mich, wünschte mir viel Erfolg und Glück und nannte mich Schnucki. Fand ich irgendwie total lieb von ihm.

Morgen ist der anstrengenste Tag für mich. Es geht zwar erst um halb 2 los, mit einer Doppelfahrstunde, dann kommt Theorie, dann Doppelstunde begleitendes Fahren. Das heisst, das je eine Stunde nicht nur der Fahrlehrer mit fährt, sonder auch ein Fahrschüler. Um zu sehen, was der jeweils andere für Fehler macht usw. Das kann ich ausblenden, ist mir egal auf der einen Seite und macht mich trotzdem leicht nervös auf der anderen. Naja mal sehen wie es ist, ich will zuerst fahren auf jeden Fall!

Dann Pause, dann gleich weiter mit einer Doppelstunde und einer Einzelstunde. Also fast 3 Fahrstunden am Stück. Nachtfahrt eben…geht eigentlich bis halb 11. Carsten hat heute aber angesprochen das ER entscheidet wann Nacht ist und so haben wir festgelegt alles bisschen straffer zu machen. Wir wären dann etwa eine dreiviertel Stunde bis Stunde eher fertig. Von mir aus, gerne. Stressprogramm und sauanstrengend wird es trotzdem morgen werden.

Wie es mir am morgigen Donnerstag usw ergeht, schreibe ich am Samstag. Samstag ist ja nur wieder Theorie und dann sind auch wieder Neuankömmlinge dabei. Mit der Theorie sind wir beide ja dann fertig. Montag ist theoretische Prüfung. Dienstags die praktischen, wobei ich noch sagen muss – ich fühle mich unsicher, egal wie gut ich mich anstelle, oder noch anstellen werde. Ich habe zum Carsten gesagt, daß ich auf jeden Fall noch ein paar Übungsstunden haben möchte um Sicherheit und Routine zu erlangen.

Führerschein in 7 Tagen ist durchaus möglich, aber nicht für mich. Ich hätte es mir anders gewünscht und auch anderes geplant, aber es hilft niemanden wenn ich mich unsicher fühle. Theorie kann ich, Autofahren auch…nur die beiden Dinge zusammenbringen ist eine andere Sache…ich setzte mich selbst unter Druck und das muss ich loswerden, BEVOR ich zur Prüfung antrete.

In diesem Sinne

Bis dann..

 

P.S. Was ich traurig finde ist, das mein Engel das nicht mitbekommt. Jeden Tag bevor ich gehe verabschiede ich mich von ihm und jeden Tag, wenn ich wieder nach Hause komme begrüße ich ihn und erzähle ihm was am Tag so war. Ich kann aber nicht in sein Gesicht sehen, höre seine Worte nicht die mich beruhigen und motivieren könnten, so wie er es getan hätte…er ist immer in meinen Gedanken und ich bitte ihn jeden Tag mir beizustehen. Zur Zeit vermisse ich ihn wieder so stark. Ich vermisse ihn jeden Tag, aber im Moment eben noch mehr. Jeder hat einen super tollen Rat für mich, finde ich auch in Ordnung. Seine Worte aber, würden mir tiefer ins Ohr dringen. Er hatte so eine gewisse Art…Baby, miss you!

 

 

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