Heute vor einem Jahr

hatte Schatz einen Termin zum Lungenröntgen. Er hustete schon eine ganze Weile und spuckte Blut,mal mehr, mal weniger. Wir hatten eigentlich keine Vorstellung, oder Ahnung, was dabei herauskommen könnte. Nachdem das Lungenröntgen vorbei war und Schatz zum Gespräch gerufen wurde, hat sich alles verändert. Er kam mit finsterer Miene aus dem Sprechzimmer und sagte nur: „Die Dame hat gesagt, da müsste dringend was gemacht werden…“ Wir machten dann einen Termin für ein Thorax CT…da hatten wir die Bestätigung vom Anfang vom Ende…

Seit ein paar Tagen denke ich daran, wie es war. Seit dem Kranzplatzfest eigentlich, denn da waren wir beide noch letztes Jahr gemeinsam gewesen…jetzt fängt es aber richtig an – was alles vor einem Jahr war!

Ich bin grade nicht in einer Trauerwelle, mir geht es eigentlich gut soweit. Nur…ich weine nach wie vor jeden Tag. Ich kann nichts dagegen machen, manchmal laufen die Tränen einfach so aus meinen Augen. Als ich auf dem Biebricher Höfefest war, vergangenes Wochenende, hatte ich 2 Tage nicht geweint. Aber am Sonntag ich hörte einen bestimmten Musiktitel und da brach es voll aus mir heraus. Plötzlich, ohne Vorwarnung. Es fühlte sich an als hätte ich versucht alles zu verdrängen, was zum Scheitern verurteilt war, denn verdängen ist nicht!  Ich weinte wie schon lange nicht mehr, in dieser Intensität.

Es war wieder einer dieser Abende, an denen ich anfing zu betteln..zu flehen. Ich möchte in deine Arme genommen werden. Du hattest diese besondere Gabe. Wenn jemand verzweifelt war, hast du denjenigen in deine Arme genommen. Deine Flügel um ihn/sie gelegt und es hat geholfen. Du hast immer etwas geflüstert und die Verzweilfelten schienen gelöster zu sein. Und so war es dann auch. Ich brauche dies mehr denn je. Dein sanftes schaukeln, dein Flüstern – das alles gut wird. Nimm mich in deine Arme…

Ich bin in 1000 Foren unterwegs. Trauerforen usw. Alle sagen das gleiche: Es wird besser – es wird leichter und erträglicher – fühle das Gleiche, hab das gleiche Schicksal bla bla bla. Sie meinen es ehrlich und gut, aber mir hilft das nicht. Ich brauche den Trost von dir, so lächerlich es sich anhören mag. Mir fehlt etwas, um dich loslassen zu können. Mir fehlt dein Trost! Mir fehlt der Impuls der mir sagt, daß alles gut wird…

Ich wehre mich mit Händen und Füßen gegen mein derzeitiges Dasein. Ich will nicht, wie es nun ist! Als ich so verzweifelt war, kam Avni vorbei. Ich wollte nicht das er mich so sieht, konnte es aber nicht verbergen. Wir redeten und er sagte.“ Du musst loslassen. Es macht dich sonst kaputt.“ Einerseits hat er ja Recht, auf der anderen Seite versteht er es auch nicht..wie alle…

Er versuchte mir den Trost zu geben, den ich brauchte. Ich fing wieder an zu weinen. Avni zog kurz los, wollte an den Kiosk und fragte ob er gleich nochmal kommen dürfe. Ich bejahte, auch wenn ich eigentlich meine Ruhe haben wollte.. Nach etwa einer halben Stunde klopfte er wieder an die Tür. Er hatte was zu trinken dabei und wir redeten wieder sehr lange miteinander. Der Alkohol half mir meine Gedanken zu verdrängen und ich weiß nicht genau wie es dazu gekommen ist, aber Avni setzte sich neben mich und nahm mich in den Arm. Er küsste mich auf die Stirn und mir ging ein Schauer durch den Körper. Der Rest ist Geschichte….

Bis dann

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