Die Welt dreht sich zu schnell

Seit ein paar Tagen befinde ich mich wieder in einem Trauertzunami. Ich bin sehr niedergeschlagen und weine oft, was den anderen nicht verborgen bleibt. Neulich, ich war sehr bedrückt, fragte mich Winni warum ich denn traurig sei. Ich schaute ihn entsetzt an und fragte ihn: „Das fragst du mich jetzt im Ernst?“ In dem Moment fiel es dem anderen ein. Achja stimmt ja, tut mir leid – sagte er. Ich war für einen kurzen Moment echt erschüttert. Dann dachte ich mir, ich kann dem ja gar keinen Vorwurf machen…

Wir leben in einer super schnell-lebigen Zeit. Für alle unsere Freunde und Bekannte ist vor gut 4 Monaten ein Freund gestorben, und das Leben der anderen geht eben schneller weiter, als es bei mir der Fall ist. Wir haben alle unsere Leben irgendwie, mit unseren Alltagsproblemen, mit unseren Situationen und mit unserem Überlebenskampf. Da bleibt kein Platz für Trauer. Bei den anderen ist mein Engel bereits nur eine Erinnerung, nichts weiter. Bei mir ist es grausamer Alltag mich mit meiner Trauer auseinanderzusetzen. Nebenher…nebenher zu meinem Überlebenskampf. Meinem Vermieter ist es egal, warum ich die Miete nicht bezahlen kann, oder meinem Stromversorger…denen ist es auch egal. Wenn ich nicht mehr bezahle, klemmen die mir den Strom ab. Ist ja auch verständlich…aber es kümmert niemanden warum ich keine Rechnungen mehr bezahlen kann… (Anmerkung: Ich kann alles bezahlen, darum geht es nicht)

Die Welt dreht sich so schnell das jemand, der gerade in einer Krise ist, ignoriert wird. Es gibt keine Unterstützung, es wird einem keine Zeit gelassen. Man trauert und fühlt sich verloren, überfordert und allein gelassen. Man hat den Kopf nicht frei um sich dem schnellen Tempo der Welt anzupassen. Für einen selbst, steht die Welt still…

Gestorben wird jeden Tag. Es gibt so viele trauende Menschen da draussen, aber es wird erwartet, möglichst schnell wieder im Sattel zu sitzen und loszupreschen. Wenn jemand „zu lange“ trauert, wird er der Mensch schnell abgetan. Er ist dann depressiv, oder suhlt sich nur zu gerne in seinem Selbstmitleid. Ob das stimmt, oder nicht, spielt keine Rolle. In der Gesellschaft wird eine „zu lange“ Trauer nicht akzeptiert. Erst dann, wenn es einen selbst trifft, merkt man wie unbahrmherzig die Gesellschaft ist. Es fällt ein Gehalt, ein Lohn weg und man trudelt unter Umständen schnell in finanzielle Nöte. Als hätte man nicht schon genug Probleme. Von einer regelrechten Existensangst mal ganz abgesehen. Nach einem Sterbefall, des Partners, rutschen viele ins soziale Netz. Dort ist man sowieso Mensch zweiter Klasse. Das macht das Leben nicht einfacher. Dann wundern sich die anderen Menschen, wenn man verbittert wird. Kauzig, verschlossen und bösartig. Es ist nur ein Abwehrmechanismus…jeder hat sein Schicksal zu tragen, aber niemanden kümmert es. Nicht wirklich, nur oberflächlich.

Der Mensch verdirbt, weil es keinen Platz für den MENSCHEN gibt. Klar gibt es TrauerSelbsthilfegruppen..aber mal im Ernst. Wenn es dem einen, oder andern hilft, ist ja alles gut. Wie hilfreich kann aber so etwas wirklich sein?, warum kann nicht jeder Trauernde einen Nutzen daraus ziehen? Weil es eben auch nur eine Mechanik der Gesellschaft ist. Es soll nur dazu dienen, den Trauernden möglichst schnell wieder aufzurichten. Damit er seine Aufgabe in der Gesellschaft erfüllen kann. Der trauernde Mensch ist aber keine Maschine, welche man so einfach reparieren kann. Es gibt kein Allheilmittel, das auf alle gleichermaßen zutrifft.

In Amerika, wo sonst, wird einem eine Trauerzeit von 2 Monaten gewährt. Sollte man danach noch trauern, gilt man als geistesgestört und als depressiv. Kein Witz! Ich habe die Tage einen Artikel darüber gelesen und ich finde, er drückt genau das aus, was ich mir hier niedergeschrieben habe…man hat zu funktionieren..egal wie fest das Leben einem ins Gesicht schlägt.

Fehler im System…

3 Gedanken zu “Die Welt dreht sich zu schnell

  1. Du kannst Dich ärgern-oder es bedauern wie die anderen Menschen so sind. und über alles um Dich herum. Wie alles so läuft……………Kein Paradies tut sich auf…..im Moment.Es ist verschlossen—aber es hat eine Tür……aber ich vermiss Dich….wo bist Du dann? und wie geht es Dir.Ich weis das Du in Trauer bist um Deinen Schatz.Aber heut ist heut…………..und ich denk an Dich.Pamela.

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    • Hi Pam 🙂 es ist egal, ob heute heute ist, oder heute in 20 Jahren. Ich weiss wie du es meinst… Mir geht es gut soweit, komme nicht zum Schreiben im Moment, hoffe morgen mal wieder 😉 LG Vero

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