Brief an meinen Engel

Der gestrige Tag war ganz gut. Hatte bisschen was zu tun und Freunde waren da. War lustig und alles entspannt. Am Abend machte ich es mir gemütlich und zappte im Tv rum. Es lief nichts wirklich interessantes. Ich schaute mir auf RTL Crime „The Blacklist“ an, habe aber irgendwie nicht viel mitbekommen. Was ich danach schaute, weiß ich gar nicht mehr. Mein Kopf fing an zu rennen und ich hatte 1000 Gedanken im Kopf. Ich schnappte mir meinen Block und fing an zu schreiben, gleichzeitig zu reden – mit ihm. Ich schrieb meinem Engel einen Brief, den ich auch hier festhalten möchte. Das Internet vergisst nichts…den originalen Brief übergebe ich dem Feuer…

Auch wenn dieser Blog im Grunde nur mir alleine dient, möchte ich trotzdem vorneweg schieben – wer nicht mag, hört hier auf zu lesen….wer nicht weiß, wie es ist, jemanden zu verlieren, kann nicht nachvollziehen wie man dabei fühlt…welchen Schmerz man erleidet und ertragen muss..welche Gedanken man hat, welche Ängste einen packen können..

Brief an meinen Engel

Ich möchte so gerne wissen, was du gerade machst. Auf welcher Ebene du dich gerade befindest. Bist du noch in der Heilung? Bist du schon weiter?

Ich fühle mich so unvollständig. Ich fühle mich wie eine Rose, an der die Blüte abgebrochen ist. Zurück bleibt nur noch der Stiel mit den Dornen und den Blättern. Vermisse dein Lachen, deine Stimme, deine weisen Worte. Ich wollte heute nicht weinen und mache es doch.

Dein Bruder sagt mir immer wieder, daß er dich anruft. Nur um deine Stimme auf der Mailbox zu hören. Denke mir manchmal, ich mache das auch. Aber ich mache das nicht. Ich weiß ganz genau, wenn ich deine Stimme hören würde, könnte ich es nicht ertragen und würde zusammenbrechen. Es würde mich zerstören…ich kann es einfach nicht…

Die Menschen um mich herum sind so lieb zu mir. Nicht unbedingt aus Mitleid, nein. Sie behandeln mich inzwischen ganz normal. Nicht wie ein rohes Ei, ganz normal eben. Trotzdem versuchen sie mich immer mal wieder zu trösten. Aber sie können es nicht. Suche ich überhaupt nach Trost? Will ich getröstet werden? Warum kann ich den Trost nicht annehmen?

Was tröstet denn einen? Ich habe bisher nichts gefunden, nichts annehmen können. Egal was passiert, was gesagt wird, es tröstet mich einfach nicht…es hilft mir nicht. Es ist mir sogar eher unangenehm, wenn ich merke, daß mich jemand trösten will. Ich lenke dann immer sofort ab..du kennst mich ja….

Du hättest jetzt die passenden Worte für mich. Du hättest jetzt was dazu gesagt und es wäre so einfühlsam und so logisch. Nicht manipulativ, eher zum Nachdenken anregend. Ich würde eine andere Sicht auf die Dinge bekommen…und es würde mir helfen. Ich brauche dich! Niemand sonst vermag die Worte zu wählen, du die hattest. Ich muss mit dir reden..bitte..

Weißt du noch?, du warst dabei – ich musste dein Bild versiegeln. Es sollte sich nicht mehr weiter drehen. Siehst du, wie ich weine? Dein Bild dreht sich! Ich sehe neue Dinge, neue Wesen, neue Linien in deinem Bild. Mein Siegel weint. Das Rot und das Schwarz bahnen sich ihren Weg durch mein Siegel hindurch, und es sieht aus, als weint es. Es ist so wundervoll. In dem Moment, als ich sah das sich dein Bild dreht, habe ich mich dir so nah gefühlt. Gleichzeitig war es so grausam. Deine Magie ist noch da. Mein Siegel hat das Bild nicht angehalten. Nicht für lange. Es fängt wieder an sich zu drehen. Es ist sogar Künstlerin aufgefallen und sie fragte mich, ob ich an dem Bild war, ob ich was daran gemacht hätte. Ich verneinte, fand es aber schön, daß es ihr aufgefallen war. Dein Bild an der Wand lebt noch. Deine Energie ist enthalten und sie fließt.

Ich wurde schon gefragt, ob ich es überstreichen möchte. Ich bin nahezu ausgerastet und derjenige erkannte, daß er was ganz blödes gesagt hatte. Du weißt, wen ich meine..nicht schlimm. Ich habe überhaupt nichts verändert in der Wohnung. Nur das, was wir sowieso vor hatten. Das habe ich gemacht. Aber alles andere ist so wie es war, wie wir es uns vorgestellt hatten. Es ist, als würde ich auf dich warten. Als wärst du nur in Polen um neue Motorräder zu kaufen, oder im Krankenhaus… Ich weiß, daß du nicht mehr zurück kommst. Schon gar nicht in der Erscheinungsform, die du hattest hier auf Erden, in dieser Zeitschiene.

Baby, warum tun wir uns das immer wieder an? Wir kennen uns seit Jahrhunderten! Wir gehen immer gemeinsam auf die Reise. Sind wir so pervers, daß wir uns immer wieder so ein Leid antun? Was ist es, daß wir nicht begreifen?, daß wir nicht lernen? Du weißt es..jetzt…aber mir bleibt dieses Wissen verborgen…noch…

Ich muss mit dir reden, aber alle sagen, es wäre noch zu früh…sie kennen uns aber nicht..halten es nicht für möglich, wie wir waren..wer wir sind..

Ich habe dir gesagt, daß du dir keine Sorgen um mich machen musst. Ich schaffe das schon..ich bin „mehrere“, das weißt du. Mein „offizielles ICH“ macht ihren Job gut…alles andere obliegt bei mir.. Der Tod trennt uns nicht…das hat er niemals getan…

Ich liebe dich!

 

Ein Gedanke zu “Brief an meinen Engel

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