Wir sind durch

Es klopfte also Mittags an der Tür. Ich dachte zunächst, es wäre Rainer. Es waren aber Dagmar und Karl, mit den beiden hatte ich absolut nicht gerechnet. Dagmar sagte mir Karl müsse mit mir unbedingt reden, koste es was es wolle. Ich ließ die beiden rein und wir setzten uns auf die Couch. Wir saßen wieder recht verklemmt da und ich fing an zu zittern. Ich war mit der Situation überfordert. Mein Zittern blieb nicht unbemerkt und ich sagte zu Dagmar das ich überfordert sei weil ich nicht mit euch gerechnet hatte.

Karl saß in der Ecke von meiner Couch und Dagmar neben mir. Wir beide babbelten ganz normal und lachten auch. karl sah aus wie ein geprügelter Hund und man sah ihm an wie er unter der Situation leidet. Irgendwann stand er auf und fragte mich, ob er den Rasen mähen dürfe. Ich schaute raus und meinte – oh meine Blümchen (da wachsen wild irgendwelche Flugblumen, aber schön), aber so im Scherz. Ja klar, wenn du das möchtest?, sagte ich. Ich muss dir aber aufschließen. Ich ging raus in meinen Garten, ans Gerätehäuschen. Karl kam mir hinterher und als wir im Häuschen standen, nahm er mich am Arm und sagte er müsse unbedingt mit mir reden, wir dürfen so nicht auseinander gehen. Aber nicht jetzt. Ich antwortete, daß es kein Problem sei, ich bin für ein Gespräch bereit. Bin wieder rein und Karl mähte den Rasen.

Drinnen redete Dagmar mit mir. Sie sagte, er wäre die Nacht bei ihr gewesen und hätte sich heute krank gemeldet. Er hätte aber nur über mich gesprochen…er wäre kurz vor dem durch drehen, weil er mich nicht verlieren will. Wir packten also nochmal alles auf den Tisch. Das er in mich verliebt ist, er aber auch weiß das ich nicht so fühle, ich allem den Rücken kehren wollte und er das nicht zulassen könne alleine wegen unserer Freundschaft und sie (Dagmar) weiß, daß sie keine Chance bei ihm hat und bla bla bla. Karl kam wieder rein und wir wechselten abrupt das Thema. Er blieb nicht lange, dann sind er und Rainer auf den Friedhof zu meinem Engel gefahren. Dagmar und ich sprachen weiter über das Thema. Alles was ich zu ihr sagte, solle ich doch IHM sagen – meinte Dagmar. Ich sagte ihr, daß ich das doch schon so oft getan hätte, er es aber nicht begreifen will und ich so nicht weiter machen kann. Wie kann ich Spaß haben mit dem Wissen, das andere in meiner Gegenwart unglücklich sind..

Gegen halb 4 am Nachmittag, machte ich uns was zu Essen. Einfach ein paar Nudeln und eine FertigBologneseSoße. Die Nudeln waren fast fertig, da kam Karl wieder. Ich öffnete die Tür und fragte ihn, ob er auch einen Teller haben möchte. Gerne, sagte er. Wir haben dann gegessen und es hat gut getan. Nicht wegen dem Essen an sich, aber das wir 3 gemeinsam gegessen hatten. Das hat die Stimmung etwas gelöst. Eine Weile später wollte Dagmar nach Hause. Sie hat die Nacht wieder nicht geschlafen gehabt, war arbeiten und muss morgen auch wieder arbeiten. Ich sagte, ich gehe mit euch raus, ich muss an den Kiosk. Dagmar ging zuerst aus der Tür. Karl fragte mich in der Tür, ob er später nochmal kommen dürfe, es wäre ihm wichtig. Ich sagte – ja gut. Reden wir. Ich bin mit den beiden raus ans Auto. Karl warf mir nur ein – Bis später – zu und Dagmar und ich drückten uns. Sie flüsterte mir ins Ohr – kommt er später wirklich zu dir? Ich – ja. Meldest du dich morgen bei mir? Ich sagte wieder – Ja. Ich komme runter zu dir. Dann fuhren die beiden und ich bin an den Kiosk.

Wieder zu Hause, bin ich in Tränen ausgebrochen. Ich sprach mit meinem Engel und sagte ihm, daß die ganze Scheisse nicht passiert wäre, wenn er noch da wäre. Ich redete und redete und war der Verzweiflung sehr nahe. Ich bin die letzten Wochen nicht ICH gewesen. Ich bin durchgedreht und wusste nicht wohin. Das Wichtigste in meinem Leben wurde mir genommen und ich kann einfach nicht mehr. Mein Leben wurde mir genommen und ich habe Halt gesucht, wo es keinen zu finden gab. Bei Partys, im Alkohol, im Feiern. Es hat Spaß gemacht und es hat auch geholfen…aber dann nicht mehr…das konnte auch nicht lange gut gehen…das ist jetzt alles vorbei. Ich habe den Gang rausgezogen…

Gegen 9 Uhr Abends kam Karl dann wieder zu mir. Ich ließ ihn rein und sah das er Tränen in den Augen hatte. Wir setzten uns. Er sagte es tät ihm alles leid, er will sich entschuldigen das er sich in mich verliebt hat. Ich sagte ihm, daß er dafür doch nichts kann. Ich muss mich entschuldigen. Ich wollte doch nur Spaß haben, mich Ablenken, ohne Limit und habe euch in meine Trauerverdrängung mit reingezogen. Das wollte ich nicht und schon gar nicht wie es geendet hat. Hättet ihr mich doch einfach in Ruhe gelassen… Wir sprachen nochmal über das verfluchte Wochenende, über seine Gefühle und über meine Gefühle. Ich fragte ihn, wie das in Zukunft aussehen soll. Er meinte, er weiß ja das ich nur Freundschaft für ihn empfinde, aber es würde ihn dennoch umbringen wenn ich den Flug mache und wir auseinander gehen würden. Denn wie auch immer alles ist, als Freundin will er mich auf keinen Fall verlieren. Ich sagte ihm wieder und wieder, daß er mir auch wichtig ist und es Schade wäre. Ich hätte aber ein ganz neues Leben angefangen und hätte dem allem Hier den Rücken gekehrt.

Er sagte, er hätte das niemals zugelassen. Er hätte mich gefunden. Ich lachte kurz auf und sagte – Nein das hättest du nicht. Wie hättest du mich denn finden können, wenn niemand wüsste wo ich bin? Ich hätte dich gefunden, ich hätte die Welt in Bewegung gesetzt um dich zu finden, sagte Karl daraufhin. Danach waren wir beide still. Keiner von uns hat was gesagt. Dann sagte Karl, ob wir nicht einfach von vorne anfangen wollen. Ich schaute ihn an, überlegte kurz und meinte – ist gut. Versuchen wir einen Neuanfang. Wir gaben uns die Hand, dann nahmen wir uns in den Arm und drückten uns. Wie hielten uns eine ganze Weile fest. Dann flüsterte Karl ein – Danke – in mein Ohr. Ich ließ los und sagte, Nein – ich habe zu danken… Wir sind schon ein verrückter Haufen, nicht wahr? Karl grinste und sagte – es ist auch gut so, vorallem das wir auch darüber reden können. Das hätte er so noch nicht erlebt. Immer wenn es Stress gab, hat man die Leute nicht mehr gesehen. Ich nickte.

Es war mittlerweile nach Mitternacht und ich sagte zu Karl, daß er hier bleiben soll. Er war ebenso total übernächtigt und ihm sind die Augen bereits zu gefallen. Ich gab ihm Decke und Kissen, stellte den Wecker und ging in mein Bett, er blieb auf der Couch. Kurz bevor ich in mein Bett ging fragte Karl, ob er mir noch was sagen darf. Ich meinte, ja klar, was ist denn. Von ihm kam ein – Ich liebe dich – Ich lächelte und meinte – ich weiß…ich hab dich auch lieb… Aber nur als Freund!, und lachte kurz. Er grinste und antwortete – Ich weiß…

Im Bett ging mir der Kopf. Wird das wirklich funktionieren? Denke ich vielleicht doch auch nur zuviel nach? Ich habe meine Seele, meinen Engel, verloren und war kurz davor meine 2 besten Freunde zu verlieren. Aber so ist das Leben eben..da steckt man nicht drin, wie es einem geschehen kann..

Heute morgen gegen 4 Uhr ist dann Karl gefahren. Er muss um 6 Uhr anfangen zu arbeiten und muss vorher noch nach Hause. Ich habe nicht mit bekommen, als er gegangen ist, habe aber den Wecker gehört. Später, als ich dann aufgestanden bin und das Rollo hoch zog, sah ich in den Garten. Er hat die Blümchen stehen gelassen und hat aussenrum gemäht…

Bis dann

 

4 Gedanken zu “Wir sind durch

  1. Es wird sich alles weisen. Ihr habt Euch erneut gefunden und habt Euch gern.Ihr werdet einen Weg finden.Das ist aber echt ein nicht so einfache Situation.Ich denke an Dich,Pamela.

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  2. Ach, Du Liebe!
    Ich wünsche Dir Kraft Dinge so anzunehmen, wie Sie sind und Dinge zu ändern, die Dir wichtig sind! Also, bleib gelassen beim Gedanken, dass der Geisenheimer Dich liebt und nimm es als Geschenk. Es ist umsonst geliebt zu werden! Sei ein wenig egoistisch, das tut Dir gut! 😉
    Dass Du die Wochenenden nunmehr anders gestalten möchtest, kann ich sehr gut nachvollziehen. Alkohol ist ein Spielverderber und macht dauerhaft ALLES kaputt!!!!!!
    Ich wünsch Dir noch eine gute Restwoche! Nutze die sonnigen Tage! Meine Devise lautet: wenn es eben geht, 30 Minuten walken und Sonne/Licht tanken. Das füllt den Energiespeicher auf und man kann so wunderbar seine Gedanken sortieren!
    LG Cornelia

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