Alltag und inneres…

Von Samstag auf Sonntag war Dagmar bei mir. Am Sonntagmorgen fuhr sie mich zu meinen Eltern. Meinem Pa geht es den Umständen eigentlich ganz gut, meine Mam macht mir grade etwas Sorgen. Sie hat COPD und mit ihrer Luft war es gestern nicht so dolle. Der Tag war aber wie immer lustig und es gab Lasagne. Lecker! Am Nachmittag hat mich meine Sis heimgefahren. Gegen Abend kam Karl vorbei, blieb nicht lange. So war der Abend mir und ich gammelte nur auf der Couch, schaute fern bis ich eingeschlafen war.

Das Wochenende hatte seltsame Züge. Ist es selektive Wahrnehmung, oder ist es doch seltsam… Letzte Woche schrieb ich über das Lied „Die immer lacht“ … dann sah ich Werbung im Tv von „The Dom“ – auch mit diesem Titel. Dann hörte ich es im Radio, dann schrieb hier auf WordPress jemand über das Lied. Sie weinte, als sie die ersten Zeilen hörte – so wie ich. Sie erkannte sich wieder in dem Lied – wie ich. Ich fühle mich gerade verfolgt von dem Titel. Er scheint aber „neu“ zu sein, deswegen hört man es jetzt immer öfter…. Die andere Sache aber, ich höre viel Musik in letzter Zeit. Ich lasse das Radio einfach laufen..ohne Hintergedanken. Seit geraumer Zeit eben. Sie spielen auch David Bowie. Immer nur „China Girl“, oder ein anderes Lied, dessen Titel mir gerade nicht einfällt.

Am Samstagabend, daß Radio lief auch, spielten sie auf einmal „Space Oddity“! Ich bin direkt zusammen gebrochen. Wir sprachen gerade wieder darüber, wie sehr mir mein Engel fehlt und mein Leben so ohne ihn ist..und dann kommt dieser Titel ins Radio…es gibt keine Zufälle…

Gestern morgen bin ich aufgewacht und war direkt in einer Art Melancholie gefangen. Ich kann direkt umschalten, wenn es zB. an der Tür klopft. Aber in meinen Kopf kann niemand hineinsehen…nicht mehr…derjenige, der das konnte, ist nicht mehr bei mir. Ich befinde mich in einer Identitätskrise. Ich stelle mir dauernd die Frage – wer bin ich? Vorher war ich immer „seine“ Frau. Ein eigenständiger Mensch, aber eben – seine – Frau. Wir waren das Zentrum in unserer Herde. Zu uns sind sie alle gekommen. Sie haben es genossen, daß sie alle bei uns so sein konnten, wie sie waren. Ohne Maske..ohne sich zu verstellen… es hat mich Stolz gemacht seine Frau zu sein. Es hat mich stark gemacht, mir Kraft gegeben. So konnte ich mich genauso um alle kümmern, wie er es getan hat. Wir hatten unsere „Gebiete“, aber meist kümmerten wir uns beide – je nach dem mit welcher „Sorge“ unsere Leute zu uns kamen. Wenn sie von uns wieder gegangen waren, waren sie befreit. Hatten wieder einen Blick nach vorne. Konnten ihre Krisen bewältigen. Mein Engel konnte so gut reden…er hat immer die richtigen Worte gefunden und alleine die Art und Weise wie er sprach, wie er etwas „rüber brachte“ war einfach sagenhaft.

Ich muss gerade an Situationen denken, welche unsere Leute immer ausgeflippt haben. Uli zB. hatte einmal eine echte Lebenskrise. Sie kam zu uns um Rat zu erbitten. Wir hörten uns an was sie bedrückte und dann sprachen Schatzi und ich kurz darüber. Aber nicht in einer bekannten Sprache. Wir hatten unsere eigene Sprache, die niemand verstehen konnte… Das ging nur wenige Sätze hin und her, dann wandten wir uns Uli zu und Schatzi hatte die passenden Worte, welche ich nur bestätigen konnte. Geflasht von diesem Eindruck und den Worten bekam sie innerhalb kürzester Zeit ihre Krise in den Griff. Sie erinnert sich heute noch daran und bedankt sich nach wie vor immer wieder, wie wir ihr damals geholfen haben…wie wir wie eine Erleuchtung waren, ein Schutzwall, eine Einheit….wie Engel auf Erden mit dieser unglaublichen Aura…

Heute morgen wollte ich wieder mal nicht aufstehen. Ich war um Punkt 8 Uhr wach, twitterte mein Guten Morgen an meine Lieben. Ich überlegte was heute so anliegt und drehte mich um…ich habe dann bis ca. halb 10 geschlafen, dabei von meinem Engel geträumt. Ein normaler Traum…nichts luzides…aber so schön, so konnte ich ihn sehen..

Ich machte mir einen Tee und überlegte wieder. Ich müsste auf die Bank, auch in die Stadt paar Dinge erledigen. Also aufgerafft und um halb 11 bin ich los. Erst auf die Bank, dann in die Stadt rein. Alles erledigt. Habe auch an den Krim gedacht, mein Engel hat am Freitag Geburtstag….Karfreitag… Gestern Abend rief mich Schwägerin an und wollte fragen, ob wir uns am Freitag treffen könnten. Sie würden mich zum Essen einladen, weil ja mein Schatzi Geburtstag hat. Ich bedankte mich für die Einladung, sagte aber, daß unsere Leute und ich schon was geplant hätten. Wir „feiern“ seinen Geburtstag bei mir, mit allen unseren Leuten – das hätte auch meinem Engel gefallen..so wie es eben immer war.. Sie meinte, alles klar, kein Problem. Sie dachte, ich würde den Tag alleine sein und das wollte sie nicht.. Aber alles gut. Ich sagte, sie könnten aber auch gerne zu mir kommen. Gerne nahm sie die Einladung meinerseits an.

Ich war heute gut gelaunt. Fröhlich und entspannt. Als ich aber nach Hause kam, brach ich in Tränen aus. Ich hielt meine Hände vors Gesicht und sagte mir selbst – nein nicht weinen…aber das half nicht.. Dabei war ich bisher wirklich gut gelaunt heute. Mir ist sogar was passiert..nichts schlimmes, nichts aufregendes…

Ich stand an der Bushaltestelle, bevor ich nach Hause kam, und wartete auf den Bus. Da kam ein Typ zu mir und fragte mich nach Feuer. Ich gab ihm mein Feuerzeug, er machte sich seine Kippe an und gab mir das Feuer wieder und sagte Danke. Ich sagte „Gerne“ wie ich es immer sage. Er ging wieder einige Schritte weg. Es passierte eine lustige Sache und er sprach mich wieder an. Wir scherzten beide über die Situation. Wir standen dann einfach nur da, er recht neben mich. Machte mir nichts aus…Dann sagte er, er hätte keine Lust den Berg hochzulaufen, ich sagte – nö ich auch nicht. Er meinte dann, er wäre arbeitslos, aber den Berg gebe er sich nicht. Ich lachte und sagte – tja, so geht es dem Menschen wie den Leut´.  Ich schaffte meinen schweren Einkauf in meine andere Hand und er meinte, da hast du aber schwer zu tragen. Ich sagte, ja das ist der vorallem der  Krim.. Er schaute und sagte dann, oh Champagner…gibt es was zu feiern? Ich antwortete – ja..mein verstorbener Mann hat am Freitag Geburtstag. Wir haben immer mit Krim angestossen…

Er hielt kurz inne und sprach mir dann sein Beileid aus. Ist aber früh gegangen – meinte er. Ich sagte nur – Ja. Dann kam der Bus. Wir stiegen ein und saßen nebeneinander. Wir redeten kurz über das Wetter. An der gleichen Bushaltestelle sind wir ausgestiegen. Er musste in die entgegengesetzte Richtung wie ich. Ich sagte TSCHÜSS und er meinte – vielleicht treffen wir uns ja mal wieder. Ich sagte – ja warum nicht…(ich habe ihn nie wieder gesehen…)

Es hat mir irgendwie gut getan, daß jemand „fremdes“ Interesse an mir gezeigt hat. Ich bin misstrauisch und ein skeptischer Mensch, aber er war mir tendenziell symphatisch. Mir ist egal, ob jemand arbeitslos ist, oder nicht. Was ein Mensch macht, ist mir egal…mir ist wichtig WER ein Mensch ist. Ich definiere Menschen nicht über ihre Arbeit.. Ich springe nun auch nicht den erst Besten an, der mir über den Weg läuft. Aber warum nicht jemanden kennelernen. Wäre ein Anfang. Und wenn das mein Weg ist, sicherlich sogar. Dann treffe ich mich mal mit ihm und klopfe ihn ab. Ob er überhaupt in mein Rudel passt….wenn nicht, nicht schlimm…es ist aber grundsätzlich ok neue Leute kennenzulernen. Ich habe ihn zumindest nicht abgeschreckt. Er sagte mir „gleich“ er wäre arbeitslos, ich sagte ihm „gleich“ ich bin Witwe….trotzdem „möchte er mich wieder sehen“. Mal schauen was daraus wird. Mein Weg wird es mir zeigen…und wenn nicht, auch nicht schlimm… Ich forciere nichts…ich gehe meinen Weg… Baby, send me an angel..beschütze mich und führe mich…

Nach aussen hin wirke ich souverän, stark, habe alles im Griff. Innerlich bin ich verunsichert und verzweifelt…feeling like jekyll and hyde….

Bis dann

 

 

Ein Gedanke zu “Alltag und inneres…

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