Wenn Schmetterlinge tanzen

Dieses Wochenende war eher ruhig. Am Freitag kam Geisenheimer um mich abzuholen. Es hat sich eingeschlichen, daß wir Freitags Billardspielen gehen, danach noch was trinken, oder auch nicht. Am Samstag sind wir gegen Mittag zur BF gefahren, zu ihrer Arbeit. Wir haben sie abgeholt und sind dann erst kurz zu ihr, danach zu mir gefahren. Geisenheimer ist wieder los – er wollte heute der Tochter von BF helfen einen Küchenschrank in eine andere Wohnung zu fahren. In der zwischenzeit haben BF und ich es uns bei mir gemütlich gemacht und tranken Wein. Am frühen Abend kam Geisenheimer wieder und wir saßen noch eine ganze Weile bei mir. BF musste auch am Sonntag arbeiten und uns viel nichts ein, wo wir mal hingehen könnten. Ich hatte aber auch nicht so recht Lust, hatte meine Erdbeerwoche und da ist mit mir eh nicht so viel anzufangen. Gegen 9 Uhr brachte Geisenheimer BF nach Hause und ich machte es mir auf der Couch gemütlich. Ein eher ruhiges Wochenende eben..Sonntag waren meine Sis und ich bei der Mama, danach im Krankenhaus beim Papa…es geht ihm soweit gut, zum Glück….

Am Sonntagnachmittag, als ich wieder zu Hause war, legte ich mich auf die Couch und tat nichts. Ich lag nur da und schaute aus dem Fenster. Der Himmel war blau, ein paar Wolken zogen vorbei. Meine Gedanken schwebten. Ich sah Flugzeuge vorbei fliegen, Amseln die sich jagten und Tauben in ihrem Balztanz. Im Garten geht es wieder gut ab, sagte ich laut. Dann sah ich einen Schmetterling der vor meinem Fenster flatterte. Er suchte das ganze Fenster ab um einen Weg hinein zu finden. Ich dachte mir, nö du kommst nicht rein..das wäre nicht gut für dich. Er flog wieder weg…nach einer kurzen Weile kam er wieder und war nicht alleine. Es waren 2 Schmetterlinge. Sie flogen nicht nebenher, oder wirr durcheinander. Sie tanzten. Sie drehten sich im Kreis, fliegend auf und ab. Trennten sich und kamen wieder zusammen. Alles vor meinem Fenster, als würden sie es mit Absicht machen. Ich sah ihnen zu und meine Gedanken fingen auch zu tanzen an. Die Leichtigkeit eines Schmetterlings müsste man haben. Es sind so zarte Wesen, hübsch anzusehen und sie sind wie kleine Feen. Wünsche erfüllen sie keine…aber sie zu beobachten, lässt ihre Leichtigkeit spüren.

Ich dachte an die Tage, an denen ich diese Leichtigkeit gefühlt hatte. Wie alles egal war. Das Leben war einfach nur schön. Ich strich mit der Hand über die Couch. Ich erinnerte mich daran, wie wir sie ausgesucht hatten. Wo wir überall waren um genau DIE Couch zu finden, die wir wollten. Wir haben sie uns zum 11. Hochzeitstag geschenkt….da wussten wir noch nichts…Dann schaute ich zum Fernseher. Als wir den gekauft hatten, wussten wir bereits alles…du hast den Tv ausgesucht. Du wolltest DIESEN Fernseher unbedingt haben. Du hast zu mir gesagt: So hast du ein schönes Bild…ich wollte eigentlich nicht so einen großen…aber mein Engel wollte den unbedingt…damit ich gut fernsehen kann…damit ich das Kinofeeling haben kann, weil wir ja nicht mehr ins Kino gehen können…und wir sind so gerne ins Kino gegangen…und oft.

Selbst als wir wussten, daß alle Hoffnung vergebens ist, hat mein Engel immer noch darauf geachtet und alles dafür getan, daß es mir gut geht. Und wenn es sich um so banale und unwichtige Dinge gehandelt hat. Mein Blick richtete sich auf das Bild an der Wand, an dem er viele Jahre gemalt hat. Dieses Bild hat sich ständig verändert. Es hat über die Jahre 1000 Gesichter bekommen, es war immer wieder anders. Nun steht das Bild still…es dreht sich nicht mehr…

Ich kann nicht alleine sein. Wenn jemand da ist, liegt meine ganze Aufmerksamkeit bei dem jenigen, auch wenn wir darüber sprechen wie es mir geht. Es ist aber anders dann. Wenn ich alleine bin, richtet sich meine volle Aufmerksamkeit auf mich. Dann bin ich konfrontiert mit dem was ist. Früher, oder später muss ich dann weinen. Ich will nicht alleine sein, ich will mich nicht damit auseinandersetzen müssen wie es ist. Es tut so weh…ich weiß, ich darf nicht verdrängen…aber es tut so wahnsinnig weh… Ich versuche mich abzulenken in dem ich putze..oder die Autoschlüssel suche, die ich irgendwie verlegt habe..aber das kann ich nicht den ganzen Tag machen…selbst arbeiten lenkt mich nicht genug ab, denn irgendwann habe ich mein Tagespensum ja auch erledigt…und dann?

Dann höre ich wieder diese Stimmen. Sie erzählen mir wie es einmal war. Erinnerungen. Ich lasse es zu und quäle mich damit selbst. Es liest sich vielleicht alles schlimm. Es ist auch schlimm. Aber niemand muss sich Sorgen machen – es ist ja „ganz normal“. Ich wünschte nur, ich wäre schon 5 Jahre weiter und der Schmerz hat nachgelassen..dann..hoffe ich zumindest. Es kann sich niemand vorstellen wie sehr sein Teil meiner Seele mir fehlt…auch wenn sie es sagen, daß sie es können. Jeder von uns hat irgendwann einen recht schmerzlichen Verlust zu ertragen. Aber leidet jeder auch so wahnsinnig? Bestimmt..wie gehen die aber damit um? Wie lernen sie damit umzugehen? Ich weiß nicht wie es machen soll….Baby hilf mir!

Mein offizielles Ich bekommt wieder Stärke. Ich habe Verpflichtungen, Verantwortung, Ziele und halte meinen Kopf hoch. Mein inoffizielles Ich bricht immer mehr zusammen. Die Kluft zwischen den beiden wird immer größer. Wie lange kann das gut gehen? Solange bis ich wirklich durch drehe? Bis ich einen Burn Out bekomme? Oder doch eine Depression? Ich bin nicht so ein Mensch…aber ich bin auch keine Maschine, kein Roboter…. Ich will die Verantwortung die ich mir „aufhalse“. Ich will meine Ziele erreichen und durchsetzen. Ich halte mich an das was ich versprochen habe…aber an wen kann ich mich anlehnen und mich auch mal fallen lassen? Da ist keiner mehr…ich muss an mir selbst wachsen. Es ist kein leichter Weg. Ich bin tief gefallen und meine Lieben helfen mir mit aller Macht, mich wieder aufzurichten.

Aber am Ende des Tages bin ich alleine…

Bis dann

4 Gedanken zu “Wenn Schmetterlinge tanzen

  1. Beim Besuch der Schmetterlinge dachte ich sofort an Deinen Mann und Bienchen–die Dich einfach mal besuchen wollten. Die kommen wieder–oder Du siehst sie an einem ganz anderen Platz wenn Du mal unterwegs bist.Denk ich mal so.

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