Gedankenflug

Alle sind orientierungslos, aber alle halten sich an mir fest. Ich bin doch aber auch ohne Orientierung. Vielleicht sollte ich daraus meine Kraft schöpfen?

Der Kapitän rettet sein Schiff. In dem Kapitän ruht alle Hoffnung seiner Crew. Aber muss ich das? Kann ich das? Will ich das überhaupt? Allen unseren Freunden und Bekannten fehlt mein Engel. Er war der gute Freund der immer da war, wenn man ihn brauchte. Der immer half, wo er nur konnte. Der humorvoll, ehrlich, charmant war und niemals jemanden hängen ließ. Er ist nun aber nicht mehr da… Ihr Leute hattet ein Leben auch schon vorher. Es ist, wenn man es hart betrachtet, „nur“ ein echt guter Kumpel gestorben…für euch…Ich jedoch, habe mein Leben verloren..Das Leben das ich bisher hatte ist weg. Es existiert schlicht nicht mehr!

Ich bin am orientierungslosesten. Und ich soll für euch alle das Steuerrad ergreifen, daran festhalten und uns wieder in ruhige Gewässer führen? Warum? Weil es immer schon so war? Aber ich bin doch nicht der Kapitän…der Kapitän ist fort…warum soll ich seinen Platz einnehmen? Vielleicht ist dies aber auch mein Weg… Ich bin stark..ich bin ein „Macher“…aber ihr lasst mir keine Zeit…Ich muss doch auch erst meine Wunden lecken. Ihr seht mich ständig weinen (ich hasse es vor anderen zu weinen, auch wenn ich keine Probleme damit habe Emotionen zu zeigen) und dennoch verlangt ihr so viel….Ihr macht das nicht mal bewusst… Ihr wisst einfach – an uns konntet ihr euch immer festhalten. Ihr konntet jederzeit zu uns kommen, Energie auftanken und einfach so sein wie ihr ward. So klammert ihr euch nun an mir fest. Wenn ich doch aber selbst keinen Halt habe?

Wenn ich jetzt alles aufgebe, so wie es jetzt ist. Umziehen, einen neuen Freundeskreis suchen. Einen Neuanfang beginnen.. Ein neues Kapitel in meinem Leben ist angebrochen und ich schreibe meine Geschichte weiter. Mein Engel war und ist ein Teil meiner Geschichte, meines Lebens. Das wird er auch immer bleiben! Nun muss ich aber meine Geschichte ohne ihn weiterschreiben. Irgendwie kann ich aber nicht loslassen, von dem Allem hier…Ich habe dieses tiefe Empfinden der Verantwortung. Ich kann nicht weg. Wie kann ich mich im Spiegel ansehen, wohlwissend ich habe alle im Stich gelassen? Alle kämen klar..auch ohne mich…ich bin ja nicht doof! Sie haben ja ihr Leben…sind ja erwachsene Leute.. Ich habe kein Problem damit, alles hinter mir zu lassen. Den Gedanken hatte ich sogar schon mehrfach… Irgendetwas hält mich aber hier fest. Dieses Gefühl bekomme ich nicht weg…ich weiß nicht was ich tun soll…

Ich bin nicht Mutter Theresa, oder die Mutter der Nation…bin ich nicht…das weiß ich. Für meine Herde bin ich aber ihr Halt, den sie so brauchen. Das Leben verändert sich aber nun mal. Ständig! Veränderungen sind wichtig. Aber von allen unseren Leuten habe ich die größte Veränderung am Laufen…und ich weiß nicht was ich machen soll… Ich habe Ziele zB. meine Führerschein machen, und auch andere Ziele..größere, und auch kleinere…aber ich lebe nicht. Auch den Spaß den ich habe…wenn ich aber so reflektiere, erkenne ich, daß dies alles nichts Ganzes und nichts Halbes ist…

Ich bekomme soviele Ratschläge. Alle werden einer gründlichen Prüfung unterzogen. Es sind gute Ratschläge. Es sind solche Dinge, die ich genauso raten würde. Aber warum wehre ich mich so dagegen.Vielleicht weil es mir doch auch ein bisschen Halt gibt in dieser Zeit der großen Veränderung, von allem bisher dagewesenen. Es ist etwas, daß sich eben nicht verändert, wenn ich es nicht zulasse. Ihr sucht alle Halt bei mir. Ihr seht mich nun als Kapitän. Weil ich -seine- Frau war und ihr zu mir gleichermaßen gekommen seit. Das ehrt mich auf der einen Seite. Aber habe ich nicht das Recht auf ein eigenes Leben? Ein Leben, unvorstellbar, ohne ihn! Ich muss einen Weg finden. Hilft weglaufen da wirklich? Ich lasse mich nicht in eine Schublade zwängen, aber ich kann doch innerhalb des Rahmens mein anderes Leben aufbauen…vielleicht brauche ich das auch so…

Ey man – ihr seid alle 10 – 20 Jahre älter als ich….warum haltet ihr alle an mir fest? In euren Augen bin ich doch wie ein Kind…ein junger Hüpfer….

Meine BF und Geisenheimer sind zu meinem Glück anders. Sie kümmern sich um mich, sind für mich da. Sie sind sofort da, wenn ich sie brauche! Sie sind für jeden Mist zu haben. Hauptsache es macht uns allen Spaß und sie sehen das es mir hilft, mich abzulenken. Sie haben ihren Halt woanderes. So können sie mir Halt geben und wenn es auch nur für eine Weile ist.

Rumpelstielzchen hält sich bedeckt die letzten Tage. Er ist scheiss freundlich zu mir und macht auch keine Andeutungen. Da ist etwas im Busch. Ich kenne meine Leute…aber ich finde es ok wie es jetzt ist. Ich lasse es so laufen…

Bis dann

2 Gedanken zu “Gedankenflug

  1. Hallo!
    So wie ich das lese, bist Du dabei deine Situation zu analysieren und sondieren. Das ist doch ein guter Ansatz! Alles braucht doch seine Zeit! Setz Dich nicht unter Druck und lebe so, wie Du es grad für richtig hälst. Du bist für niemanden verantwortlich, nur für Dich selbst. Erst wenn Du Dich wiedergefunden hast, kannst Du anderen Leuten evt. „Halt“ geben, so Du es dann „noch“ möchtest! Du bist eine kluge Frau! Mach einfach weiter. Nimm Dir Zeit für die Trauer, feiere, rede und schreibe über deine Gedanken, nur so bekommst Du Licht ins Dunkle! Schönes WE! LG Cornelia

    Gefällt 1 Person

  2. Ja das stimmt…seit ein paar Tagen habe ich das Gefühl, das sich mein Geist öffnet und ich fange an richtig über alles nachzudenken. Ich komme wieder in eine Bahn und schlingere nicht mehr so hin und her. Wünsche dir auch ein schönes Wochenende 🙂 LG Veronika und Danke

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s