Habe verstanden…

Ich habe mich für einen Weg entschieden, aber da passt mir einiges nicht. Habe ich mich aber wirklich dazu entschieden? Wenn ich die letzten Wochen so betrachte , habe ich mich eher einfach treiben lassen. Keine bestimmte Richtung. Wie eine Feder im Wind bin ich mal in diese Richtung – dann in eine andere…aber ich nähere mich dem Boden. Es gibt Dinge, die sich festigen. Ich habe mich treiben lassen und bin nun auf einem Weg gelandet. Ich wurde auf eine Schiene gesetzt und habe es nicht mal gemerkt. Aber nun ist mir das bewusst geworden und ich denke mir nur – STOP!

In den vergangenen 2, 3 Tagen hat, nach längerer Zeit, mein Orakel zu mir gesprochen. Es war eine Warnung…ich habe nicht damit gerechnet, obwohl ich um Hilfe gebeten hatte. Um Klarsicht, um einen Hinweis. Es hat mich stark zum nachdenken angeregt. Warum eine Warnung? Was ist mir entgangen? Wo habe ich nicht aufgepasst?

Auf diesem, jetzigen Weg, möchte ich nicht bleiben. Vielleicht reicht es aber auch, wenn ich nur einen Schritt auf die Seite mache. Es ist nicht alles schlecht. Einige Dinge will ich aber so nicht haben. Das muss ich ändern… Ich muss mir meinen Weg aktiv aussuchen, gestalten. Ich darf mich nicht mehr treiben lassen. Wohin würde das führen? Am Ende bin ich an irgendwas festgenagelt, das ich so gar nicht wollte. Wohin einem ein Weg führt, kann man sowieso nicht sagen. Aber wenn ich einige Dinge weiter durchspiele in meinem Kopf, gefällt mir nicht, was da kommen kann..ich treffe lieber die Entscheidungen und lasse mich nicht auf einen Weg setzen, ohne das ich es bemerke.

Ich höre nach wie vor, daß ich für „Stark“ gehalten werde. Ich werde bewundert dafür. Jeder der uns erlebt hat weiß, was für eine besondere Verbindung wir hatten. Umso erstaunlicher kommt es den Leuten vor, wie ich damit umgehe. Aber das ist nur mein Bild nach aussen. So bin ich halt. Ich halte meinen Kopf hoch und versuche nach vorne zu schauen. So wie mein Engel es von mir wollte, so wie es auch sein sollte. Sicherlich wünsche ich mir die „Vergangenheit“ zurück, aber ich war immer ein Mensch, der sich nicht an die Vergangenheit kettet. Man kann die Vergangenheit nicht ändern. Aber seine Zukunft…das Unerträgliche hierbei ist aber die Gegenwart.

Dabei ist mein Weg doch eigentlich sowieso schon festgelegt. Es gibt Dinge in meinem Leben, da weiß ich zu 100 % was auf mich zukommen wird. Und ich werde auch diesen Weg gehen! Man kann sein Leben nicht planen, aber es gibt Situationen, da ist es einfach klar.

Mein Orakel hat mir eine Warnung ausgeprochen. Ich analysiere jetzt erstmal wieder alles. Mir muss etwas wesentliches entgangen sein und ich denke, ich habe es auch erkannt. Ich habe verstanden…

Ich darf mir die Zügel nicht gänzlich aus der Hand nehmen lassen. Ich muss die Stricke fester packen. Was ist los mit mir? Ich suche Halt, wo es keinen zu finden gibt. Das bin nicht ich… Ich kann sehr dominant sein..warum aber nicht mir selbst gegen über?  Ich bin nicht mehr „wir“, ich bin jetzt „ich“. Aber ich bin nicht „ganz“… Ich stehe immer noch am Scheideweg und weiß nicht ob ich nach links, oder rechts gehen soll. Ich trauere ja nicht erst seit dem 10. Januar. Ich hatte davor schon ein halbes Jahr Zeit um zu trauern, mich vorzubereiten was da kommt. Wir wussten es ja…

82 Tage sind es heute…wie konnte ich bisher überleben? Es ist unfassbar was ein Mensch aushalten kann – wenn er muss…ich wollte mit ihm gehen…er sagte mir, Nein du musst weiter machen…und das mache ich…ich weiß nur nicht wie…

Turn me loose…

 

Seit Ostern

Sonntag war ich wie immer bei meinen Eltern, am Abend kam Dagmar vorbei, auch andere Leutz. Die Nacht war uns und auch der Montag, bis wir dann am Montagabend alle erschöpft die Segel strichen. Dienstag musste Dagmar ja arbeiten bis 9 Uhr in der Früh, und danach kam sie zu mir. Wollte sie eigentlich nicht, aber ich schrieb ihr eine WhatsApp und das hat sie dann doch animiert. Als sie da war, sprachen wir über alles was so passiert war. Mit ordentlich Gas im Kopf sieht jeder ja gewisse Dinge etwas anders… Wir lästerten, klärten uns gegenseitig auf und lachten wieder was das Zeug hielt.

Sie fuhr wieder, gegen 14 Uhr, und der restliche Tag verlief ruhig. Was soll auch schon anliegen – an einem Werktag. Da geht jeder seiner Arbeit nach, gammelt zu Hause rum, oder macht sonst was. Heute ist Mittwoch und auch heute liegt nichts weiter an, ausser einen Termin später um halb 4. Wie ich sowas leiden kann…sagte ich bereits das ich ein „Vormittagserlediger“ bin? Vormittags bin ich am fittesten. Da kann ich am besten arbeiten, aber was solls. Der Termin ist wichtig – Augen zu und durch.

Mein Kopf ist leer….ich kann nicht denken, mache alles immer noch wie ferngesteuert… Ich bräuchte mal eine Pause..von der Trauer…ich kann nicht mehr.

Am Abend war ich richtig schlecht drauf wieder. Ich kann nicht mehr…mein Kopf platzt, ich weiß nicht wo vorne und hinten ist. Karl kam vorbei, unangemeldet. Hat mich genervt. Kann man mich nicht endlich einfach mal in Ruhe lassen. Ich setzte mich wieder auf die Couch und ignorierte ihn einfach. Ich starrte in den Fernseher und meine Tränen brannten sich auf meine Wangen ein. Karl sagte irgendwas, ich weiß nicht mehr was. Ich bekam wieder einen regelrechten Heulkrampf und konnte mich kaum beruhigen. Karl packte eine Flasche Apfelkorn auf den Tisch und schenkte mir ein Glas ein. Das beruhigt dich – sagte er. Ich nahm das Glas und kippte es auf Ex runter. Es half nicht. Ein weiteres Glas..es haf nicht. Ich spürte wie mir der Korn in den Kopf stieg, aber ich konnte nicht aufhören zu weinen.

Ich fing an zu reden. Wie mir alles zuviel ist, das ich alleine bin und ich nicht weiß was ich machen soll. Ich war richtig am Ende, der Schmerz zerreißt mich… Ein Kribbeln stellte sich ein, wahrscheinlich vom Korn und meinen Zorn und meine Verzweiflung. Ich dachte mir –  was solls…ich fragte Karl ob er Lust hätte. Er war erschrocken und meinte ich sollte mal klar werden. Ich lachte und meinte das es dafür wohl zu spät sei. Karl stand auf und wollte gehen. Ich sagte das es ok sei, ist vielleicht besser so und weinte wieder bitterlich.

Karl ging aus der Tür und verschwand. Ich heulte und hörte Musik und dachte über alles nach. Keine Ahnung wann, denke so eine Stunde später, klopfte es wieder ander Tür. Ich dachte das es Avni sei, war aber Karl wieder. Wir setzten und auf die Couch und wir setzten das Gespräch fort. Ich fragte ihn, warum er denn wieder gekommen ist. Es wäre besser gewesen, er wäre gegangen und nicht mehr wieder gekommen. Er sagte, er hätte mich nicht in diesem Zustand alleine lassen können. Er hätte Angst gehabt, dass ich mir etwas antue…

Ich trank noch einen Schluck und ich küsste ihn…der Rest ist Geschichte

Bis dann

Uff aber schön

Gegen halb 3 Uhr Mittags kam BF vorbei, mit einer ihrer Töchter. Der Ältesten. Kaum war sie bei mir die Tür drin, lachten wir bereits. Ich bot den beiden etwas zu trinken an und wir giggelten und lästerten und erzählten. Gegen 16 Uhr kam Künstlerin, kurz drauf auch Mainzer. BF und ich waren schon leicht angeschickert und die „Neuankömmlinge“ mussten sich erst auf unseren Pegel schaffen. Künsterlin trinkt keinen Alkohol und Mainzer hat sich in Rekordzeit 2 Bier in den Kopf gejagt und war dann „bei uns“. Schwägerin kam gegen 18 Uhr vorbei und Rumpelstielzchen war sowieso da. Geisenheimer kam nicht. Er schrieb eine SMS am Abend, er sei rotzevoll. Ich rief ihn an und fragte was denn los sei. Seine Ex hat angerufen, oder sie war da – keine Ahnung – und es hat ihn wieder total zerstört. Ich sagte ihm, wärst du doch gleich zu uns gekommen, hier ist es sau lustig und wir hätten dich ablenken können..aber egal jetzt auch, er solle seinen Rausch ausschlafen.

Bruder und Vorderhauszote haben sich die Grippe gefangen, der Bärtige ist nicht gekommen. Macht nichts. Wir hatten soviel Spaß – ich hatte wieder Muskelkater in den Wangen vor lachen. Zwischendurch meinem Engel immer wieder gratuliert und dabei ein Schnapsgläschen mit Apfelkorn getrunken. Es ist reichlich Alkohol geflossen. BF und ich haben unseren Wein getrunken und Mainzer sein Bier. Irgendwann war auch die Flasche Apfelkorn leer und Rumpelstielzchen ging an den Kiosk eine weitere Flasche holen. Uff.

Älteste ging gegen 9 Uhr und auch Künstlerin und Schwägerin gingen. Es wurde später und später und wir voller und voller. Wir waren alle so zu – wie lange nicht mehr. Als die 4 Flaschen Wein auch leer waren, sind wir auf Bier umgestiegen. BF Cola-Bier, ich ohne Cola. Rumpelstielzchen hat irgendwann seinen sentimentalen bekommen und wollte mich in der Küche sprechen. Es ging wieder nur darum, daß er sich Sorgen um mich mache. Um mich als Person und um mein Geschäft, ich kümmere mich zu wenig. Ich sagte ihm es gehe ihn nichts an, ich habe alles im Griff. Er brauche sich keine Sorgen machen. Auch als er wieder damit anfing, ich solle aufpassen und mich nicht ausnutzen lassen, nahm ich ihm gleich den Wind aus den Segeln. Ich sagte ihm, das ihm dies auch nichts angeht. Es geht ihn nichts an mit wem ich wie lange „alleine“ bin, was ich dabei mache, oder mit mir machen lasse…er solle mich nicht nerven damit! Abgesehen davon lasse ich nichts mit mir machen, was nicht in meinem Sinne ist. Egal um was es sich dabei handelt.

Ich habe festgestellt, daß es wohl doch noch redebedarf bei ihm gibt und wir uns nochmal hinsetzen müssten..oh man…kann ich einmal, nur für eine Stunde nicht ich sein? Warum muss ich mich mit so einer Kinderkacke beschäftigen…

Er rauschte ab, wie immer halt, wenn ihm was nicht passt. Mir egal, ich wollte mir meine Laune nicht verderben lassen. Ich habe soviel geweint in den letzten Tagen wieder und ich wollte lachen! Auch wenn dieser Tag nicht zum lachen eigentlich war. Meinem Engel hätte es aber sicherlich gefallen, mich nicht so trübselig zu sehen..auch wenn es sein erster Geburtstag war, an dem er nicht da war. Später, sehr viel später, als die Stimmung alkoholbedingt etwas runter ging, kam Rumpelstielzchen nochmal rüber. Wir saßen eigentlich nur da und redeten. Er fragte mich, ob er ein paar Zigarettenpapers haben könne, der Kiosk war schon zu und er hätte vergessen welche zu kaufen. Klar, sagte ich. Er nahm sich ein paar Papers raus und dann schmiss er sie auf den Tisch, stand auf und prustete irgendwas von wegen – das müsse er sich nicht anhören – sowas in der Art. Zack war er die Tür draussen. Verdutzt schaute mich BF an und ich schaute genauso. Ich habe was gesagt, daran kann ich mich nicht mehr erinnern, und das hat ihn wohl getroffen. So ist er dann eben wieder abgerauscht. Vor Schreck wusste auch BF nicht mehr, was ich denn so schlimmes gesagt haben muss…

Gegen 1 Uhr Nachts kam die jüngste Tocher von BF vorbei. Sie trank ein ColaBier mit uns und ist dann auch wieder abgerauscht. Sie wollte ins EuroPalace, vorher aber bei mir reinschauen. Kurz danach hob sich die Stimmung wieder und wir lachten, daß unsere Bäuche wehtaten, das Gesicht verkrampfte und wir Angst hatten das würde so bleiben. Was wieder ein Anlass war Tränen zu lachen. Gegen halb 3 wurden wir alle müde. Dagmar legte sich längst auf die eine Seite der Couch und ich gab ihr eine Decke. Sie muss um halb 4 los, mit schlafen ist aber nicht mehr. Sie döste vor sich hin, während Otto und ich auf der anderen Seite der Couch saßen und uns unterhielten über dies und das. Meistens jedoch über meinen Engel. Alte Geschichten, Erinnerungen, wie es so ist. War richtig gemütlich und schön.

Um halb 4 klingelte der Wecker, den ich vorsorglich gestellt hatte. BF setzte sich hin, rauchte eine Zigarette, und machte dann los zur Arbeit. Die arme Maus…doch durch gemacht und nun bis 12 Uhr arbeiten. Mainzer und ich saßen immer noch auf der Couch und unterhielten uns weiter. Auf einmal war es 7 Uhr morgens, und er musste auch los zur Arbeit, auch bis um 12 Uhr schaffen. Die armen Leute, dachte ich mir. Zum Glück bin ich selbstständig…ich hätte krank machen müssen, hätte ich einen Angestelltenjob. Wir hatten alle noch gut Restgas bzw. waren noch gut dabei, keinen Schlaf und dann arbeiten gehen…na Danke… Als Mainzer auch ging, legte ich mich auf die Couch und schlief ein. Ich habe nicht so lange geschlafen, gefühlt gar nicht. Gegen halb 11 raffte ich mich auf um meine Runde zu machen.

Ich ging ins Bad und schaute in den Spiegel. Wer ist denn das? Fragte ich mich, denn die Frau die mich ansah, kam mir nicht bekannt vor. Meine Güte, siehst du verstrahlt aus. Die Augen rot, das Gesicht auch..Restgas definitiv vorhanden. Boah ey und so muss ich raus!? Hilft alles nichts. Wasser ins Gesicht, Zähne geputzt und Haare gekämmt. Siehst nicht besser aus und fühlst dich auch nicht besser. Egal, los jetzt! Ich bin Lotto spielen gegangen, dann etwas einkaufen. Kaum zu Hause, habe ich mich umgezogen. Meine Schlabberhose, bequem eben und ich gehe heute eh nicht mehr raus und überhaupt, wenn jemand klopft, bin ich nicht da. Komatöser Samstagszustand.

Vom Tante E Laden habe ich mir ein Päckchen Hackfleisch geholt. Ich hatte die letzten 2 Tage nichts gegessen, ausser einer Scheibe Brot mit Räucherlachs und hatte nun irgendwie Hunger. Schnell muss es gehen und was zum Schaufeln sein. Um 11 Uhr fing ich an mir eine Bolognese zu machen, dazu Nudeln. Schaffte mir einen Teller rein und legte mich danach auf die Couch um noch ein bisschen zu schlafen. Irgendwie konnte ich nicht einschlafen. Ich bin schlagskaputt, aber konnte nicht einschlafen. Mein Kreislauf war auch nicht on Top. Ich ging in die Küche und räumte diese auf und sah, daß in der 2. Flasche Apfelkorn noch ein Schluck drin war. Ah gut, dachte ich mir und trank den Schluck grade aus der Flasche. Assig ich weiß… Mein Kreislauf stabilisierte sich innerhalb weniger Minuten und ich versuchte es nochmal mit schlafen. Gelang mir diesmal.

Um halb 3 Mittag klopfte es an der Tür. Mein erster Gedanke war – och nö…dann viel mir auf, das ich dieses Klopfen nicht kannte. Wer mag das sein? Ich stand auf und in dem Moment kam mir der Gedanke, das es Älteste sein müsse. Sie hat sich gestern von mir Geld geliehen und wollte es heute wieder bringen. So war es dann auch. Oh habe ich dich geweckt, fragte sie mich mit großen Augen. Ich sagte – ja, aber nicht schlimm. Komm rein. Sie wollte nicht lange bleiben, nur das Geld wieder bringen. Ich zündete mir eine Zigarette an und sie meinte, sie bliebe noch so lange wie ich rauchen würde. Kein Ding, sagte ich. Ich fragte sie nach ihrer Mutter. Sie lachte und sagte, sie hätte eben mit ihr telefoniert. Die Arbeit war so schlimm heute, sie wäre so kaputt und müde und als sie nach Hause kam hätte sie sich gleich schlafen gelegt. Ich lachte auch und sagte – ja das Beste heute, was man tun kann. Meine Zigarette war fertig geraucht und Älteste verabschiedete sich mit den Worten – schlafe du auch noch ein bisschen. Ich brachte sie an die Tür und antwortete – das kannste aber glauben.

Ich legte mich wieder hin, stieg aber auch gleich wieder auf. Ich bin müde, aber es ist jetzt 16 Uhr und wenn ich nun weiter penne kann ich heute Nacht nicht schlafen. Also bleibe ich nun wach und gehe eben später etwas früher ins Bett.

Rumpelstielzchen hat sich heute noch nicht blicken lassen. Schon gut so, aber auch wieder so typisch. Wenn er mich nervt wegen gestern, sage ich ihm ganz egal was ich gesagt habe – ich war dicht und da sollte man nicht alles so ernst und persönlich nehmen. Wenn ich einen Punkt getroffen habe, dann soll er das nächste Mal nicht weg rennen, sondern mir sagen, daß ich grade Scheiße labere..wo ist das Problem?

Ich mache jetzt die Osterkörbchen für meine Lieben, für morgen, fertig…

Bis dann

59 Jahre

wäre mein Herz, meine Seele heute geworden. Er hat heute Geburtstag..an einem Karfreitag…wie es wieder passt…

Gestern Abend saßen wieder Leute bei mir. Es war den Abend eher ruhig, aber dann war wieder Leben bei mir. Nicht viel eigentlich. Gegen 7 etwa kam Koko vorbei. Er gehört nicht zu unserem Kreis, ist eher ein Randläufer, aber man begegnet sich hin und wieder. Etwas später kam Rumpelstielzchen. Wir schauten uns alle einen Film an, dann noch einen. Geisenheimer kam auch noch vorbei und schaute mit. Ein spontaner Filmabend sozusagen. Geredet haben wir fast nichts. Gegen halb 12 habe ich alle rausgeschmissen, wurde Zeit. Ich war müde und hatte ja noch unsere Tradition vor.

Ich öffnete den Krim und trank um Schlag Mitternacht ein Glas, nachdem ich meinem Schatz gratuliert habe. Das erste Glas schoss mir direkt in den Kopf. Ich fing an zu reden mit ihm. Was den Tag über passiert war, wie sehr er mir fehlt, wie scheisse alles ist – ohne ihn. Klar kullerten auch ein paar Tränchen über mein Gesicht..der Schmerz sitzt tief..

Ich trank noch 2 weitere Gläser und legte mich hin. Schlief sofort ein. Heute morgen musste ich zur gewohnten Zeit hoch. Wollte duschen, gegen 10/11 Uhr wollte ein Kumpel vorbei kommen mir was bringen. Es wurde 10 Uhr, es wurde 11 Uhr und weit und breit kam „der Kleine“ nicht. Ich schrieb eine WhatsApp wo er denn bliebe, denn ich wollte noch auf den Friedhof. Gegen halb 12 kam er dann, brachte mir das Päckchen und ging gleich wieder.

Es regnete. Mir egal. Ich machte mich fertig, packte alles ein und fuhr mit dem Bus hoch zum Friedhof. Normalerweise laufe ich das Stück, aber die Tasche war sehr schwer..seine Grabplatte war sehr schwer. Als ich am Grab angekommen war, begrüßte ich ihn bzw. seine sterbliche Hülle. Ich erzählte ihm, daß ich nun endlich seinen Namen auf sein Grab legen könnte und auch sein Kreuz. Ohne einen weiteren Gedanken machte ich alles fertig und sähte die Grassamen. Nachdem ich fertig war, stand ich vor seinem Grab und redete wieder mit ihm. Ich hatte 2 kleine Apfelkorn dabei und gratulierte meinem Engel. Einen Apfelkorn trank ich, den anderen schüttete ich über sein Grab. So haben wir das schon gemacht, als Bienschen gegangen war, jedes Jahr an seinem Geburtstag.

Ich fing an zu weinen. Ich sagte ihm, daß ich auch Zigaretten dabei hätte – komm mein Schatz, rauchen wir eine. So rauchte ich dann eine Zigarette mit ihm…bei ihm. Ich stand eine ganze Weile bei ihm. Weinte, es regnete, es war kein Unterschied zu sehen, ob es Regentropfen waren – oder meine Tränen. Dann bin ich wieder los. Ich verabschiedete mich mit den Worten – sehe dich zu Hause mein Schatz, bis gleich…

Nach Hause bin ich gelaufen. Weinte dabei. Es war mir egal. Mir ist zwar niemand begegnet, es wäre auch niemanden aufgefallen…es regnete ja…hatte 1000 Gedanken im Kopf und gleichzeitig war mein Kopf leer. Meine Füße haben mich nach Hause gebracht, ich war wie ferngesteuert.

Zu Hause angekommen, klingelte das Handy. Bruder war dran und sagte mir, er könne heute nicht kommen. Er hat die Grippe. Er hat sich wirklich schlecht angehört, vom Husten mal ganz abgesehen. Schwägerin würde aber später mal reinschauen. Ok alles klar. Wir telefonierten eine Weile, dann wünschte ich ihm Gute Besserung und wir legten auf. Es ist noch genug Zeit. Ich kühlte das Bier ein, stellte die üblichen Knabbereien auf den Tisch und machte meine Käse-Weintrauben-Sticks. So wie ich es jedes Jahr an seinem Geburtstag getan habe…

Gleich ist es 14 Uhr. BF kommt gleich..die anderen alle später. BF muss morgen arbeiten und kann nicht so lange bleiben. Schade, aber es ist halt so. Ich für meinen Teil habe alles vorbereitet und schreibe nun den Eintrag, schaue dabei etwas fern. Ich fühle mich so verloren und leer heute. Bemühe mich aber mich zusammenzureißen. Jeder würde verstehen, wenn ich heute nur am heulen wäre. Mache ich ja auch. Aber wenn später alle da sind, wird es bestimmt wieder lustig. Das hätte meinem Engel gefallen…wir hatten immer geile „Partys“ und er war doch so gesellig…er wäre heute 59 Jahre alt geworden..Das ist doch kein Alter!

Verwachsen und verschlungen waren sie einst wie zwei Bäume, die engen Raum, sich teilten und doch wohl gediehn.

Da fiel ein Stein und blieb in ihrer Mitte einfach liegen. Nun fragen sie sich, jeder still für sich: Wo wächst du hin?

Man sah in ihrer Mitte deutlich immer nur den Einen, als würde alles sich um dieses Zentrum drehen.

Nun reckt ein jeder seine eigne Krone und doch:

Die Wurzeln bleiben beieinander stehen…

Happy Birthday mein Engel…ich liebe dich!

Bis dann

Lost inside

Gestern Abend schaute ich mir „Grey´s Anatomy“ an. War ein Fehler. Ausgerechnet in dieser Folge stirbt Derek… Ich war nicht in der Lage umzuschalten, ich habs mir richtig gegeben. Ich flennte die ganze Zeit über und ärgerte mich gleichzeitig. Warum tust du dir das auch an? Aber so grausam es war, so schön war es auch. Am Anfang jeder Folge spricht die Hauptdarstellerin (Meredith) mit sich selbst und sie sagte etwas, was mich getroffen hat..so wie es noch nie getroffen hat. Sie sagte: „Schon komisch wie das Gedächtnis funktioniert. An manches kann man sich nicht erinnern..manches kann man nicht vergessen.“

Ich schreibe dieses Tagebuch für mich. Wenn ich es nicht schreiben würde, wüsste ich nicht, was ich die letzen Wochen gesagt, gedacht, gemacht, oder gefühlt hätte. Ich wüsste es schlicht nicht mehr! Es ist alles wie in einem Rausch…schon komisch wie das Gedächtnis funktioniert…

Ich halte es nicht aus. Ich kann einfach nicht mehr. Tränen laufen mir über das Gesicht. Sie brennen auf meiner Haut.

Am vergangenen Wochenende ist der Vater von Künstlerin gestorben. Auch Krebs. Für sie war es eine extreme Belastung, trotz dem sie einen Pflegedienst hatten. Sie ist eine eher labile Person. Als er gestorben war ist für sie eine enorme Last abgefallen und sie war froh darüber. Erleichtert. Ich sagte ihr, sie müsse sich nicht schämen deswegen. Sie schaute mich an und sagte, sie liebe ihren Vater. Aber ich hätte Recht damit, daß sie nun froh ist, daß er endlich gehen durfte. Ich sagte ihr erneut, sie müsse sich wegen ihren Gefühlen nicht schämen. Viele Menschen empfinden es als Erleichterung, wenn die Qualen endlich aufhören. Für den Betroffenen, für die Angehörigen.

Ich fühle mich nicht erleichtert. Im Gegenteil. Auf mich trifft das alles nicht zu! Die Belastung war enorm, das stimmt. Schatz wollte niemanden an sich heranlassen, ausser mir. Also habe ich mich 24/7 um ihn gekümmert. Ich habe es „gerne“ gemacht, es war das mindeste was ich noch tun konnte für meinen Engel. Ich hatte nur wenig Ahnung von Pflege, aber ich bin ganz schnell da rein gewachsen. Ich habe ständig Lob von dem palliativ Dienst bekommen, aber das war mir egal. Ich musste alles machen…einmal nur hat er den Herrn. M an sich gelassen, daß konnte ich nun wirklich nicht machen…es war die Schmerzpumpe setzen…ansonsten habe ich alles gemacht, aber auch wirklich alles! Aber ich hätte es auch noch die nächsten 10 Jahre gemacht! War mir egal, hauptsache mein Engel wäre noch bei mir. Sicherlich hätte ich ihn lieber gesund bei mir…aber das war nicht unser Weg.

Nachdem er gegangen war, hatte ich nicht dieses Gefühl der Erleichterung das es vorbei ist. Ich finde es JETZT noch um ein vielfaches schwerer, als in der Zeit, als ich meinen Engel auf seinem letzten Weg begleitete. Tag und Nacht. Kaum Schlaf..Erschöpfung…aber ich war immer da für ihn, war immer bei ihm! Ich wollte das selbst auch so….es gab keine andere Option für mich!

Mein Nachbar macht grade wieder Musik..es passt grade total…

Wheel in the sky keeps on turnin‘
I don’t know where I’ll be tomorrow

Ich schreibe hier den Blog, flenn mir einer ab und habe später um halb 5 noch einen Termin. Wie ich sowas hasse..ich bin ein „Vormittagserlediger“, aber es geht halt nicht anders.

Heute morgen war schon cool. Ich wachte auf und dachte darüber nach, was ich heute noch machen muss, was ich auch noch besorgen muss und über den morgigen Tag. Es klopfte an der Tür, es war halb 11. Ich ging an selbige und BF stand davor. Sie musste mir unbedingt etwas erzählen und hoffte auf einen Rat von mir, um eine andere Sicht der Dinge zu erlangen. Wir berieten uns und kamen auch zu einer Lösung. Gut. Dann kam sie mir „gerade Recht“, denn ich wollte ja für morgen Getränke holen. Ich wäre halt 2 mal gelaufen, aber sie hat ja ein Auto. Wir sind dann zum REWE gefahren und ich konnte alles auf einmal besorgen. Eine Kiste Bier, paar Flaschen Wein, eine Flasche Apfelkorn, Chips, Salzstangen, Weintrauben und Käse.

Jetzt spielt er Meat Loaf – Bat out of Hell….ich liebe Meat Loaf!

Jetzt habe ich alles da, was wir immer geholt hatten, wenn wir Geburtstag gefeiert haben. Ich habe allen unseren Leuten gesagt, daß ich einen kleinen Umtrunk mache. Unseren Kern halt. Mainzer, der Bärtige, Rumpelstielzchen, BF, Geisenheimer, Künstlerin, Voderhauszote und ich… Bruder und Schwägerin kommen auch mal kurz vorbei…

Morgen, an seinem Geburtstag, gehe ich auf den Friedhof. Ich bringe sein Kreuz und seine Grabplatte zu ihm uns sähe erstmal Rasen. Paar Hyazinthen noch..die mochte mein Engel. Einen Rosenstock darf ich ja nicht pflanzen – Friedhofsbestimmung…

Jetzt spielt er „The Final Countdown“…ausgerechnet! Zu dem Lied habe ich eine besondere Beziehung..ich schrieb bereits darüber…MilleniumSong!

Heute Nacht – um Mitternacht – öffne ich „unseren“ roten Krim. Unsere Tradition. Ich trinke ein Glas, oder 2, alleine und weiß jetzt schon das ich weinen werde…es wird richtig schwer heute Nacht…und morgen..aber da sind unsere Leute da und es wird lustig werden, daß weiß ich…aber…es ist sein erster Geburtstag den ich ohne ihn „feier“…

Baby ich kann nicht mehr….

Bis dann

 

I won´t let the sun go down on me

Gestern Nachmittag hatte ich mich mal hingelegt. Ich habe zwar soviel zu tun, aber ich hatte schlicht keine Lust zu irgendwas. Ich war traurig und sah keinen Sinn darin, etwas zu tun…kaum war ich eingenickt, klopfte es an der Tür. Es war ca. halb 4 Uhr. Geisenheimer kam und hatte Holz dabei. Leicht genervt fragte ich ihn, warum er denn so früh heute käme, damit hatte ich nicht gerechnet, er habe mich aus meinem Mittagsschläfchen geweckt. Er entschuldigte sich und fragte, ob er das Holz schneiden dürfe. Ich sagte – klar mach das ruhig, keine Frage. Geisenheimer schaffte das Holz in meinen Garten und richtete alles her. Er hatte seine Kettensäge dabei und legte los.

So eine Kettensäge ist recht laut, so war es mit dem Nickerchen eh vorbei. Naja gut, dachte ich mir. Ich schnappte mir meinen Eimer und fing halt an meine Wohnung zu putzen. Aber nur grob. Schnell Staub gewischt, und die Böden geputzt. Dann habe ich mir die Grabplatte von meinem Engel genommen und diese auf die große Schieferplatte geklebt, mit Silikon. Ich habe mir ein paar Lackstifte geholt und die Grabplatte etwas gestaltet. Die Grabplatte ist eine Schieferplatte und sein Name und ein schöner Spruch, sowie eine Rose, welche sich um ein Kreuz schlängelt, ist in weißer Schrift eingraviert. Das Kreuz habe ich in Gold nachgemalt und die Rose eben in Rot und Grün. Die Ecken der kleineren Grabplatte habe ich ebenso in Gold gemalt. So geht die kleine Schieferplatte nicht unter, auf der größeren. Sieht schön aus…wenn man das Wort in diesem Zusammenhang überhaupt verwenden möchte….

Gegen Abend war dann Geisenheimer fertig. Er hatte alles Holz gesägt, dann noch gehackt. Er war fix und fertig. Ich bot ihm was kaltes zu trinken an und wir unterhielten uns. Es klopfte an der Tür, dann wieder und dann nochmal…innerhalb kürzester Zeit kamen paar Kumpels vorbei, einfach mal so – wie immer eigentlich. Dann saßen bei mir Geisenheimer, Mainzer, Psycho und der Bärtige. Den Bärtigen kenne ich auch schon bald 20 Jahre, er ist der älteste im Rudel“, er ist 61 Jahre…. Mainzer ging an den Kiosk und holte was zu trinken. Nach einer Stunde etwa, ging Psycho – er hatte noch ein Date. Der Abend war so schön. So schön, wie lange nicht mehr. Der Abend war so wie es früher mal war, als mein Engel noch bei mir war.

Ich saß mit den Boys in gemütlicher Runde. Wir lachten, hatten Spaß, babbelten dummes Zeug und keiner von denen war mir gegenüber anzüglich, oder sonst wie „ungesittet“, trotz des Alkohols. Sie haben mich als Kumpel gesehen, nicht als Frau, so wie es eben früher war. Wir machten frauenfeindliche Witze (kann ich gut) und schossen auch gegeneinander, wie es eben unter „Kerlen“ so ist. Klar gab es auch mal einen Spruch, aber das war alles nichts im Vergleich, wie ich es die letzten Wochen erlebt hatte. Es war richtig schön, es war wie, als wäre mein Baby da…ich habe mich richtig entspannt gefühlt und gelöst.

Gegen halb 2 Nachts habe ich den letzten dann raus geschmissen. Machte es mir auf der Couch gemütlich, dachte über den Abend nach weinte und schlief ein. Ich habe heute bis halb 10 geschlafen… Der Tag war ruhig. Ich habe meinen Kram gemacht und gegen Nachmittag mich wieder hingelegt. Ich könnte im Moment nur schlafen… Jetzt haben wir 17 Uhr durch, Geisenheimer müsste bald kommen, nochmal mit Holz. Was ich hab – hab ich, sagte er. Abends heize ich noch mit meinem Holzofen. Tagsüber geht es eigentlich, aber abends wirds doch noch ganz schön frischelig.

Es ist alles wie immer und doch stimmt gar nichts…ich vermisse dich…ich liebe dich!

Bis dann

Alltag und inneres…

Von Samstag auf Sonntag war Dagmar bei mir. Am Sonntagmorgen fuhr sie mich zu meinen Eltern. Meinem Pa geht es den Umständen eigentlich ganz gut, meine Mam macht mir grade etwas Sorgen. Sie hat COPD und mit ihrer Luft war es gestern nicht so dolle. Der Tag war aber wie immer lustig und es gab Lasagne. Lecker! Am Nachmittag hat mich meine Sis heimgefahren. Gegen Abend kam Karl vorbei, blieb nicht lange. So war der Abend mir und ich gammelte nur auf der Couch, schaute fern bis ich eingeschlafen war.

Das Wochenende hatte seltsame Züge. Ist es selektive Wahrnehmung, oder ist es doch seltsam… Letzte Woche schrieb ich über das Lied „Die immer lacht“ … dann sah ich Werbung im Tv von „The Dom“ – auch mit diesem Titel. Dann hörte ich es im Radio, dann schrieb hier auf WordPress jemand über das Lied. Sie weinte, als sie die ersten Zeilen hörte – so wie ich. Sie erkannte sich wieder in dem Lied – wie ich. Ich fühle mich gerade verfolgt von dem Titel. Er scheint aber „neu“ zu sein, deswegen hört man es jetzt immer öfter…. Die andere Sache aber, ich höre viel Musik in letzter Zeit. Ich lasse das Radio einfach laufen..ohne Hintergedanken. Seit geraumer Zeit eben. Sie spielen auch David Bowie. Immer nur „China Girl“, oder ein anderes Lied, dessen Titel mir gerade nicht einfällt.

Am Samstagabend, daß Radio lief auch, spielten sie auf einmal „Space Oddity“! Ich bin direkt zusammen gebrochen. Wir sprachen gerade wieder darüber, wie sehr mir mein Engel fehlt und mein Leben so ohne ihn ist..und dann kommt dieser Titel ins Radio…es gibt keine Zufälle…

Gestern morgen bin ich aufgewacht und war direkt in einer Art Melancholie gefangen. Ich kann direkt umschalten, wenn es zB. an der Tür klopft. Aber in meinen Kopf kann niemand hineinsehen…nicht mehr…derjenige, der das konnte, ist nicht mehr bei mir. Ich befinde mich in einer Identitätskrise. Ich stelle mir dauernd die Frage – wer bin ich? Vorher war ich immer „seine“ Frau. Ein eigenständiger Mensch, aber eben – seine – Frau. Wir waren das Zentrum in unserer Herde. Zu uns sind sie alle gekommen. Sie haben es genossen, daß sie alle bei uns so sein konnten, wie sie waren. Ohne Maske..ohne sich zu verstellen… es hat mich Stolz gemacht seine Frau zu sein. Es hat mich stark gemacht, mir Kraft gegeben. So konnte ich mich genauso um alle kümmern, wie er es getan hat. Wir hatten unsere „Gebiete“, aber meist kümmerten wir uns beide – je nach dem mit welcher „Sorge“ unsere Leute zu uns kamen. Wenn sie von uns wieder gegangen waren, waren sie befreit. Hatten wieder einen Blick nach vorne. Konnten ihre Krisen bewältigen. Mein Engel konnte so gut reden…er hat immer die richtigen Worte gefunden und alleine die Art und Weise wie er sprach, wie er etwas „rüber brachte“ war einfach sagenhaft.

Ich muss gerade an Situationen denken, welche unsere Leute immer ausgeflippt haben. Uli zB. hatte einmal eine echte Lebenskrise. Sie kam zu uns um Rat zu erbitten. Wir hörten uns an was sie bedrückte und dann sprachen Schatzi und ich kurz darüber. Aber nicht in einer bekannten Sprache. Wir hatten unsere eigene Sprache, die niemand verstehen konnte… Das ging nur wenige Sätze hin und her, dann wandten wir uns Uli zu und Schatzi hatte die passenden Worte, welche ich nur bestätigen konnte. Geflasht von diesem Eindruck und den Worten bekam sie innerhalb kürzester Zeit ihre Krise in den Griff. Sie erinnert sich heute noch daran und bedankt sich nach wie vor immer wieder, wie wir ihr damals geholfen haben…wie wir wie eine Erleuchtung waren, ein Schutzwall, eine Einheit….wie Engel auf Erden mit dieser unglaublichen Aura…

Heute morgen wollte ich wieder mal nicht aufstehen. Ich war um Punkt 8 Uhr wach, twitterte mein Guten Morgen an meine Lieben. Ich überlegte was heute so anliegt und drehte mich um…ich habe dann bis ca. halb 10 geschlafen, dabei von meinem Engel geträumt. Ein normaler Traum…nichts luzides…aber so schön, so konnte ich ihn sehen..

Ich machte mir einen Tee und überlegte wieder. Ich müsste auf die Bank, auch in die Stadt paar Dinge erledigen. Also aufgerafft und um halb 11 bin ich los. Erst auf die Bank, dann in die Stadt rein. Alles erledigt. Habe auch an den Krim gedacht, mein Engel hat am Freitag Geburtstag….Karfreitag… Gestern Abend rief mich Schwägerin an und wollte fragen, ob wir uns am Freitag treffen könnten. Sie würden mich zum Essen einladen, weil ja mein Schatzi Geburtstag hat. Ich bedankte mich für die Einladung, sagte aber, daß unsere Leute und ich schon was geplant hätten. Wir „feiern“ seinen Geburtstag bei mir, mit allen unseren Leuten – das hätte auch meinem Engel gefallen..so wie es eben immer war.. Sie meinte, alles klar, kein Problem. Sie dachte, ich würde den Tag alleine sein und das wollte sie nicht.. Aber alles gut. Ich sagte, sie könnten aber auch gerne zu mir kommen. Gerne nahm sie die Einladung meinerseits an.

Ich war heute gut gelaunt. Fröhlich und entspannt. Als ich aber nach Hause kam, brach ich in Tränen aus. Ich hielt meine Hände vors Gesicht und sagte mir selbst – nein nicht weinen…aber das half nicht.. Dabei war ich bisher wirklich gut gelaunt heute. Mir ist sogar was passiert..nichts schlimmes, nichts aufregendes…

Ich stand an der Bushaltestelle, bevor ich nach Hause kam, und wartete auf den Bus. Da kam ein Typ zu mir und fragte mich nach Feuer. Ich gab ihm mein Feuerzeug, er machte sich seine Kippe an und gab mir das Feuer wieder und sagte Danke. Ich sagte „Gerne“ wie ich es immer sage. Er ging wieder einige Schritte weg. Es passierte eine lustige Sache und er sprach mich wieder an. Wir scherzten beide über die Situation. Wir standen dann einfach nur da, er recht neben mich. Machte mir nichts aus…Dann sagte er, er hätte keine Lust den Berg hochzulaufen, ich sagte – nö ich auch nicht. Er meinte dann, er wäre arbeitslos, aber den Berg gebe er sich nicht. Ich lachte und sagte – tja, so geht es dem Menschen wie den Leut´.  Ich schaffte meinen schweren Einkauf in meine andere Hand und er meinte, da hast du aber schwer zu tragen. Ich sagte, ja das ist der vorallem der  Krim.. Er schaute und sagte dann, oh Champagner…gibt es was zu feiern? Ich antwortete – ja..mein verstorbener Mann hat am Freitag Geburtstag. Wir haben immer mit Krim angestossen…

Er hielt kurz inne und sprach mir dann sein Beileid aus. Ist aber früh gegangen – meinte er. Ich sagte nur – Ja. Dann kam der Bus. Wir stiegen ein und saßen nebeneinander. Wir redeten kurz über das Wetter. An der gleichen Bushaltestelle sind wir ausgestiegen. Er musste in die entgegengesetzte Richtung wie ich. Ich sagte TSCHÜSS und er meinte – vielleicht treffen wir uns ja mal wieder. Ich sagte – ja warum nicht…(ich habe ihn nie wieder gesehen…)

Es hat mir irgendwie gut getan, daß jemand „fremdes“ Interesse an mir gezeigt hat. Ich bin misstrauisch und ein skeptischer Mensch, aber er war mir tendenziell symphatisch. Mir ist egal, ob jemand arbeitslos ist, oder nicht. Was ein Mensch macht, ist mir egal…mir ist wichtig WER ein Mensch ist. Ich definiere Menschen nicht über ihre Arbeit.. Ich springe nun auch nicht den erst Besten an, der mir über den Weg läuft. Aber warum nicht jemanden kennelernen. Wäre ein Anfang. Und wenn das mein Weg ist, sicherlich sogar. Dann treffe ich mich mal mit ihm und klopfe ihn ab. Ob er überhaupt in mein Rudel passt….wenn nicht, nicht schlimm…es ist aber grundsätzlich ok neue Leute kennenzulernen. Ich habe ihn zumindest nicht abgeschreckt. Er sagte mir „gleich“ er wäre arbeitslos, ich sagte ihm „gleich“ ich bin Witwe….trotzdem „möchte er mich wieder sehen“. Mal schauen was daraus wird. Mein Weg wird es mir zeigen…und wenn nicht, auch nicht schlimm… Ich forciere nichts…ich gehe meinen Weg… Baby, send me an angel..beschütze mich und führe mich…

Nach aussen hin wirke ich souverän, stark, habe alles im Griff. Innerlich bin ich verunsichert und verzweifelt…feeling like jekyll and hyde….

Bis dann

 

 

Messlatte

Gestern war es ein entspannter Freitag. Es saßen paar Leute bei mir und es war gemütlich. Uli redete die meiste Zeit, immer sehr aufgeregt. Manchmal musste ich sie bremsen, sie überschlug sich förmlich beim reden. Avni versuchte ihr den Rang streitig zu machen und babbelte auch was das Zeug hielt. Es war sehr lustig – ich mitten drin, kam kaum zu Wort. War aber nicht schlimm. Avni ging gegen 9 Uhr. Uli babbelte sich fest, war aber in Ordnung. Wenn mir was zuviel wird, sage ich es schon. Ich war entspannt und nippelte an meinem Wein. Gegen 10 Uhr klopfte es an der Tür und Karl kam. Er hatte ein ernstes Gesicht und ich fragte ihn, was denn los sei.

Er war drüben bei Rainer und hätte sich mit ihm mal ausgesprochen. Ach endlich!, sagte ich und wollte wissen was so gesprochen wurde. Uli verstummte und wollte auch hören wie die Geschichte weiterging. Karl nagelte Rainer fest, er habe das Gespräch ohne um den heissen Brei zu schleichen, angefangen mit den Worten – was das denn soll, ihn als „NeuenHorsti“ zu bezeichnen. Er sagte weiterhin, er habe ihn auch darauf angesprochen, weil er (Karl) ja etwas „zu oft und zu lange“ bei mir wäre. Er würde mir helfen, wo er kann, und er mache das auch gerne, wie er eben Zeit hat. Er wüsste um die Gerüchte, das er (Karl) ja alles knallt was bei 3 nicht auf den Bäumen wäre und alle (nur Rainer!) „Angst“ hätten um mich, daß ich mich ausnutzen lasse. Rainer verfiel in Schnappatmung, wie er es immer macht wenn er festgenagelt und in die Verteidigungshaltung gedrängt wird.

Rainer sagte wir hätten das alle falsch verstanden, er hätte das alles ganz anders gemeint. Ich bin ausgeflippt und sagte – das ist ja wieder mal so typisch! Was kann man bitte daran falsch verstehen, wenn jemand sagt – da ist der „NeueHorsti“ und mir ins Gesicht gesagt wird, daß ich mit dem ins Bett steige? Karl lachte und sagte, daß er das auch angesprochen hätte. Es würde ja gar nicht stimmen! Woher dieser Ruf kommt, wüsste er nicht… Ich sagte, daß wäre doch auch ganz egal… Uli schüttelte den Kopf und verstand auch nicht, wie man eine solche eindeutige Aussage mißverstehen könnte. Dann solle Rainer sich halt so ausdrücken, daß es eben alle „richtig“ verstehen!, sagte sie.

Ich ließ mir das alles nochmal durch den Kopf gehen und heraus kam auch nur ein Kopfschütteln. Kinderkram, sagte ich..ich dachte wir wären erwachsene Leute und vorallem Kumpels. Wenn etwas im Raum steht, reden wir darüber..aber nicht so Rainer! Ich sagte das in Richtung meiner Haustür, er war ja nicht da… Wir sprachen noch eine Weile über diese ganze Sache. Abschließend sagte ich dann, mir könne man alles sagen, mich könne man auch in 1000 Gerüchte einbinden – mir egal…aber niemand…niemand! schon gar nicht Rainer hat seinen Namen in einem solchen Zusammenhang in den Mund zu nehmen. Es wird niemals wieder einen „NeuenHorsti“ geben. Selbst wenn ich eines Tages einen neuen Mann an meiner Seite habe, ist es trotzdem kein „NeuerHorsti“!

Ich bekam Tränen in die Augen. Dieser Auspruch von Rainer tat mir weh. Ausgerechnet von ihm… Uli nahm mich in den Arm und sagte, sie fände es auch ungeheuerlich. Er wollte dich treffen. Er hat das mit bösartiger Absicht gemacht. Ich sagte, und nun?, soll ich das falsch verstanden haben? Er hat sie echt nicht mehr alle… Ich fragte Karl nochmal was genau er gesagt hatte..also Rainer.. Karl sagte, er hätte nur das gesagt, was er eben gesagt hätte. Dann wollte er ständig vom Thema ablenken. Es war ihm unangenehm. Ich sagte, ja das ist so typisch für ihn. Austeilen kann er gut, aber einstecken und sich konfrontieren gar nicht.

Uli drückte mich nochmal feste und ich sagte – Alles gut, und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. Karl fragte mich, ob wir nun los wollten. Ich hatte keine Lust gestern weg zu gehen. Nicht wegen dem Gespräch, ich hatte einfach nicht so recht Lust. Kein Problem – sagte Karl. Ich bot ihm was zu trinken an und wir hatten dann noch viel darüber geredet. Gegen Mitternacht ging Uli. Karl wollte dann auch bald los. Zunächst hatte er nur Fanta getrunken, aber dann später auch Wein. Er trinkt nicht viel, oder selten und er hatte ordentlich einen sitzen. Ich sagte ihm, er könne die Nacht auch hier bleiben. Mir wäre nicht wohl zu wissen, daß er angedüst Auto fährt. Vorallem nicht nach Geisenheim. Er überlegte kurz und fragte, ob das so eine gute Idee wäre. Ich lachte und sagte – na dann gibt es eben wieder neue Gerüchte, mir egal…dann hätten die Leute wieder was zu reden….

Wir schauten noch einen Film im Tv und redeten über dies und das. Gegen 2 Uhr war ich müde und sagte, daß ich mich nun hinlegen würde. Ich gab Karl Decke und Kissen und erklärte ihm die Fernbedienung und gab ihm den Code für Sky. Ich legte mich in mein Bett und Karl machte es sich auf der Couch gemütlich. Es ist nichts passiert zwischen uns…nicht das er es nicht versucht hätte, aber ich wollte das nicht. Er sagte, es gäbe die Gerüchte doch sowieso.. ich lachte und meinte – aber sicher! Gute Nacht!

Heute morgen sind wir hoch und ich habe Kaffee gemacht. Karl war nicht wohl. Ich fragte ihn, was er denn hätte. Karl machte sich Gedanken darüber, daß er die Nacht bei mir war…gerade nach dem Gespräch mit Rainer gestern. Ich sagte ihm, mach´ dir nen Kopp´..ist doch scheissegal. Reden werden die sowieso..aber es ist doch nichts passiert, warum machst du dir dann einen Kopf. Wir kennen doch die Wahrheit. Und selbst wenn, wäre es doch unsere Sache. Karl nickte. Wir machten uns fertig. Karl fuhr nach Hause und ich machte meine Runde. Lotto spielen, einkaufen, nach Hause wieder. Als ich nach Hause kam, hörte ich wie Rainer Musik machte. Er drehte seine Anlage hoch und spielte Liebeslieder. Ich dachte mir – du kleiner Wurm. Ich höre das und ich weiß was das soll… Er hört sonst nicht solche Lieder… Er hat ja seine Eagles meistens laufen… Ganz ehrlich? Ich bin gespannt, ob mich Rainer ansprechen wird…über das Gespräch, daß Karl die Nacht bei mir war….

Ich habe meine Küche geputzt und endlich mal auch eine Waschmaschine angestellt. Ich bin ein ordentlicher Mensch, nicht steril, aber ordentlich. In letzter Zeit lasse ich aber die Dinge etwas schleifen. Verständlich. Aber mir geht es gerade auf die Nerven, wie es bei mir aussieht. Während ich gespült habe, habe ich nachgedacht. Ich sage folgendes jetzt etwas überzogen und hochtrabend, aber so fühle ich mich gerade.

Ich bin das Alphaweibchen in meinem Rudel! Ich gebe mich niemandem hin, der nicht annähernd an meinen Engel heranragt. Geist über Körper! Ich war..ich bin seine Frau und gebe mich nicht unter Wert her. Schon gar nicht für eine „gewisse“ Zeit. Unser… mein König ist nicht mehr da. Soll ich mich aber deswegen den Trieben hingeben mit jemanden aus unserem „Hofstaat“? Ich hätte gestern die Gelegenheit gehabt…aber ich wollte das nicht…ich kann die Konsequenzen nicht abschätzen, also lasse ich es sein.

Ich habe mir das nicht ausgesucht… Baby?

Castle of Glass…

Bis dann

 

Zwischen den Zeilen

Liebes Tagebuch – wer will ich sein?

Ich kann keine Liebe für jemanden anderes empfinden. Ich merke aber, wenn jemand „lieb“ zu mir ist, daß ich das brauche…ich vermisse es…es tut mir gut. Ich aber bin kalt. Ich kann Zärtlichkeit geben, aber ich habe kein Gefühl dabei. Ich liebe meinen Mann. Diese unsere Liebe wird auch nicht vergehen…

Ich höre von immer mehr Leuten, meistens von Frauen, daß ich „Spaß“ haben soll. „Sex“ geschehen lassen soll – ich könnte mir ja sogar den Kerl aussuchen.. Mir ist auch klar, daß ich nicht im Kloster enden will…aber es sind nicht mal 3 Monate, als meine Seele gegangen ist. Ich könnte ganz schnell in den Armen eines anderen liegen, sagen sie. Aber niemand von denen ist „er“, denke ich. Wie kann ich mich jemanden hingeben, der nicht „er“ ist?

Es wäre ohne Gefühl. Was ist aber, wenn dann Gefühle auftauchen? Ich möchte niemanden verletzen, oder falsche Signale senden. Ich bin nicht bereit dazu! Aber ich finde es lustig und auch interessant, wie ich immer öfter dazu ermutigt werde. Ich wäre ja noch so jung. Erst 39. Aber ich liebe meinen Mann! Es spielt dabei keine Rolle, ob er bei mir ist, oder nicht. Ich bin emotional an ihn gebunden. Es lässt sich nicht brechen. Versteht das keiner? Ich weiß, ich muss leben…weiter machen…

Wer will ich sein? Wer war ich? Bevor ich meine Seele traf, war ich noch ein Teenager. Blutjunge 19 Jahre alt. Habe mich ausprobiert, war in einer Beziehunge nicht treu, nachdem man mir untreu war. Es viel mir aber nicht schwer meinem Engel treu zu sein – böse Gelegenheiten gab es oft…kein Thema für mich! Mein Engel war genauso. Ich scherzte immer mit ihm, daß er ja „halb Wiesbaden durch“ hätte. Als wir zusammen kamen, war das auch Geschichte. Er war mir genauso treu, wie ich ihm.

Wir schworen uns niemals dem anderen zu Schaden. Immer darauf zu achten, daß es dem anderen gut geht. Nichts als Selbstverständlich hinzunehmen. So war das dann auch…Seit dem Tag als wir zusammen waren, waren wir 24/7 zusammen. Siamesische Zwillinge haben sie uns genannt. Viele sagten uns, sie könnten das nicht. 24/7 mit dem Partner zusammen sein. Für uns gab es nichts anderes. Für uns war das normal. Und nun? Ich will keinen Mann von der Stange.  Die Leute in unserer Herde sind keine Spießer, auch wenn der Großteil einer geregelten Arbeit nachgeht und das Essen zu bestimmten Zeiten auf dem Tisch steht usw. Aber sie sind alle nicht so wie mein Engel.

Die Männchen in meiner Umgebung sind alle nicht die hellsten Leuchten im Lampengeschäft. Das merke ich…Schatzi war sehr intelligent. Ich halte mich nicht für besonders schlau. Ich habe von dem Einen und dem Anderen aber schon gehört, daß ich denen überlegen sei. Daher haben sie auch alle Respekt vor mir. Schatzi hat mir auch immer gesagt, ich solle mein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Ich sei klüger, als ich es vermuten würde.  Er hat mich immer gefordert und gefördert. Es fehlt mir…er fehlt mir…

Vielleicht sollte ich aber auch nicht so weit denken. Es geht erstmal darum, vielleicht körperliche Bedürfnisse zu stillen. Es würde mir helfen – sagen einige. Wie soll ich aber das machen? Ich weiß schon wie das geht… Aber wen soll ich auswählen? Soll es überhaupt jemand aus meinem Rudel sein? Oder sollte ich mal jagen gehen… Irgendjemand den ich nicht kenne, der mich nicht kennt. Dagmar sagte mir mal, es wäre doch ganz egal. Es wäre ja nur eine Triebbefriedigung, mal Energie ablassen. Sie sagte das, weil ich überlegte das ich Sex ohne Liebe nicht mehr kann. Es ist doch viel schöner als Sex ohne Gefühl.

Bevor ich meinen Engel traf, war das auch kein Problem für mich. Ich war jung und nahm alles mit. Warum auch nicht.

Es sind nicht mal 3 Monate! Er fehlt mir mit jedem Tag mehr. Die Sehnsucht treibt mich in solche Gedanken. Die Sehnsucht ihn bei mir zu haben. Nicht nur Bett-Technisch… Aber dies wird mir niemand geben können, diese Sehnsucht wird niemand lösen können. Sie sind alle nicht ER! Ich will auch keinen Segen dazu bekommen…von niemanden… aber für sie wäre es „ok“ – sie  ermutigen mich ja dazu…aber ich kann das nicht. Mein Körper kollidiert mit meinem Geist. Kopf sagt JA – Bauch sagt NEIN.

Wer bin ich? Ich muss mir eine neue Identität suchen. Wer will ich sein? Ich bin Witwe… Was bedeutet dieser Stempel? Ich trage unsere Ringe nach wie vor. Ich kann sie nicht ablegen. Hochverrat an uns! In diesem Leben gibt es „uns“ aber nicht mehr. Dennoch existiert das „uns“. Ich denke darüber nach, aus unseren Ringen einen Witwenring machen zu lassen. Dabei werden aber unsere Ringe zerstört. Es wäre aber wieder ein Schritt weiter.. Auch wenn ich das nicht will, wäre es aber notwendig wieder auf einen Weg zu kommen, ins Leben zurück zu finden.

Wer will ich sein? Wer bin ich jetzt? Ich liebe meinen Engel immer noch abgöttisch. Das wird sich auch nicht ändern. So war es immer schon und so wird es auch immer sein. Wir sind Teile einer Seele..Die anderen sind andere Seelen…niemand ist ein Teil von mir…

Du hast zu mir gesagt, ich solle weitermachen…ich soll leben und wieder Glück finden. Auf die Frage wie ich das machen soll, hattest du keine Antwort…

Bis dann

Wir stehen alle am Kreuzweg

Gestern morgen wollte ich nicht aufstehen. Ich war müde, obwohl ich gut geschlafen habe. Aber hilft ja alles nichts. Ich musste unbedingt ein Rezept von meinem Arzt holen und auf die Bank. Wenn ich schon mal in der Stadt bin, kann ich auch schnell in den REWE – dachte ich mir. Ich esse seit 2 Monaten nur Dreck. Man kann ja mal TK Ware essen, aber wenn ich mal was esse, ist es nur TK Zeugs. Auf Dauer nicht gesund. Abgesehen davon habe ich zugenommen…das passt mir nicht. Ich sah die ganze Zeit keinen Sinn im kochen. Für mich alleine? Nein….ich habe nur vernünftig gegessen, wenn ich bei meinen Eltern war. Ich habe nun aber wieder Lust zu kochen. Im REWE habe ich mir einen Rinderbraten geholt. Dazu wollte ich Kartoffelpüree machen und einen Salat. Als ich wieder zu Hause war sah ich, daß ich Salz vergessen hatte…bin raus, in den Tante E Laden. Mariane saß an der Kasse und wir unterhielten uns kurz. Sie fragte mich, ob langsam wieder Normalität in mein Leben einkehrt. Ich wusste nicht so Recht was ich darauf antworten sollte. Ich sagte dann – ja, ich denke schon. Es muss ja irgendwie weitergehen.

Zu Hause fing ich gleich mit dem Braten an. Der braucht ja ewig und es war schon halb 1. Ich habe mir ein Kilo geholt. Der braucht 4 Stunden und ich habe dann auch gleich für morgen noch genug da..und übermorgen. Mir ging die Frage von Tante E nicht aus dem Kopf. Ich fing an nachzudenken über das Wort „Normalität“

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Veränderungen sind da sehr unpassend. „Veränderung“ heisst: Gewohnheiten verändern sich in dem Maße, daß sie abgelegt werden, oder bis zur Unkenntlichkeit verbogen werden. Das ist ein Prozess. Manche können sich schneller anpassen, manche nicht.

Rainer warf mir ja vor, ich hätte mich verändert. Sicherlich habe ich das. Ich habe es bei einigen Dingen wahrscheinlich nicht mal gemerkt. Aber das was für mich bisher normal war existiert nicht mehr. Ich bin auf dem Weg in eine neue Normalität..eine andere…eine veränderte…eine nur für mich geltende. Rainer kann damit nichts anfangen. Ich passe nicht mehr in seine Normalität, weil ich ja nicht mehr normal bin. So wie ich eben war, als mein Engel noch bei mir war. Ich habe aber keine Wahl. Ich muss meine Gewohnheiten hinter mir lassen und neue Gewohnheiten entwickeln. Rainer aber nicht. Für ihn ändert sich doch nichts, ausser das ein enger Kumpel gestorben ist ……aber auch wenn mein Engel nicht mehr bei mir ist, mache ich was ihn angeht doch alles wie immer.

Rainer geht auf Distanz seit neuestem. Er zieht sich zurück. Jeden Tag haben wir Kontakt, er wohnt ja gegenüber. Er zieht sich emotional zurück. Er ist freundlich zu mir, macht keine Andeutungen, oder geht mir sonst wie auf die Nerven. Es ist mir komisch, aber irgendwie finde ich es gut. Es verändert sich eben alles..Bricht am Ende die Freundschaft zwischen uns weg? Fände ich schade, aber wenn er nicht mehr ein Wegbegleiter sein wird, dann ist es eben so. Leute kommen und gehen. Einige bleiben nur kurz mit auf dem Weg, andere bleiben Jahrzehnte. Wir stehen nun alle an einer Kreuzung auf dem Weg des Lebens. Wege werden sich trennen, andere Wege fügen sich zusammen. So ist das einfach..aber dies wird für uns alle auch irgendwann „normal“ sein…spätestens dann, wenn wir uns alle in die veränderte, dann neue Normalität eingefügt haben.

Mein Gedankengang wurde unterbrochen, als mein Handy piepte. Ich schaute drauf und hatte eine WhatsApp von Avni. Er fragte mich, ob ich zu Hause wäre. Ich schrieb – ja – dann schrieb er, ob ich mal kurz kommen könnte. Ich schrieb wieder – Ja… Ich zog mir meine Schuhe an, schnappte mir meinen Mantel und ging vor. Ich nahm an, er hätte ein Problem bei dem ich behilflich sein sollte. Ich klopfte an seine Tür und er machte sie auf. Er sagte, komm in die Küche – ich habe uns etwas vorbereitet. Auf dem Esstisch standen 2 Teller mit Pasta, Gemüse und lecker Soße. Es dampfte noch. Ich war erstaunt und fragte, wie ich zu dieser Ehre komme, ob ein Weibchen kurzfristig abgesagt hätte – zwinkerte und lachte dabei. War ja auch nur als Scherz gemeint. Avni sagte – Nein, das habe ich für uns gemacht. Ich setzte mich an den Tisch und wir haben lecker gegessen. Er kann gut kochen. Nach dem Essen machte er uns einen Tee… Nachdem ich das Gläschen ausgetrunken hatte, bot er mir gleich noch einen an. Ich nahm gerne an, sagte aber – ich muss mal kurz rüber, meinen Ofen nachladen. Bis gleich.

Avni sagte, ich solle die Tür angelehnt lassen. Ich ging rüber zu mir, schob neues Holz in den Ofen, schaltete meinen Herd runter und ging wieder vor. Die Tür war angelehnt, ich klopfte aber trotzdem kurz und ging dann rein. Ich wollte wieder in die Küche. Avni rief mir zu, ich solle ins Wohnzimmer kommen. Er hat uns beiden einen Tee eingeschenkt und wir redeten über das Fernsehprogramm. Es lief ein Bericht über Gaddafi. Nach einer ganzen Weile, ich glaube ich war fast 2 Stunden bei ihm, wollte ich gehen. Ich stand auf, Avni auch. Ich reichte ihm meine Hand und bedankte mich für die Einladung. Ich sagte, wir könnten das ja mal wiederholen, hat mich sehr gefreut. Avni meinte – gerne.

Ich wollte dann den Handgriff wieder lösen, aber Avni hielt mich erst fest, dann ließ er meine Hand sanft aus seiner gleiten. Das hat er noch nie so gemacht. Ich hatte auf einmal ein seltsames Gefühl. Ich zog meinen Mantel an und wollte gehen. Avni wollte mir dann aber noch sein Schlafzimmer zeigen. Ich kenne seine Wohnung, aber wir hatten die Tage darüber gelacht, daß sein Schlafzimmer in Rosa angemalt ist. Er wollte mir dann zeigen WIE rosa es ist. Ein „echter Kerl“, Typ Türsteher, in einem rosa Schlafzimmer…ich lachte und sagte – naja, deinen Weibchen gefällt das sicherlich. Er schüttelte den Kopf und sagte, er hätte schon lange keine Weibergeschichten mehr. Ich ging aus dem Schlafzimmer raus und stand im Wohnzimmer. Avni kam nach und legte seinen Arm um mich. Nichts aufregendes, wie man es bei einem Freund macht, so seitlich über die Schultern. Er sagte, er müsse unbedingt streichen. Ich lachte nur kurz und strich ihm über seinen Rücken nach dem Motto – du machst das schon.

Dann zog er mich näher an sich ran und hielt mich fest. Er neigte seinen Kopf und küsste mich auf den Hals. Wir schaffen alles Hase, sagte er zu mir. Mir wurde in dem Moment auch wieder ganz anders. Ich habe mich nicht bedroht gefühlt, es hat mir gefallen…es hat mich verwirrt, was ich mir aber natürlich nicht anmerken ließ. Dann ging ich Richtung Tür und wollte los. Er muss mir noch was zeigen, sagte er und wir gingen ins Bad. Das ist die Scheiss Therme – sagte er – und zeigte mir, was daran so nervig war. Wir sprachen schon über dieses Kackding..das Teil ist wirklich für die Tonne, aber die Hausverwaltung kommt nicht zu Potte das zu richten. Danach standen wir noch eine Weile im Flur und ich hatte stark das Gefühl, daß er mich nicht gehen lassen wollte. Er stand mir immer sehr nah und berührte meinen Arm immer wieder…Irgendwann hatte ich es an die Tür geschafft und war draussen. Dann redeten wir noch eine Weile im Hof. Rainer kam vorbei und fragte mich, ob ich mal kurz Zeit hätte. Avni lachte und ich auch. Klar habe ich Zeit, bin gleich da. Avni und ich verabschiedeten uns endgültig und ich ging Heim zu mir.

Avni ist ein enger Freund. Er hat mich die letzten Wochen oft in den Arm genommen. Vorallem dann, wenn ich geweint hatte und er mich trösten wollte, ohne Worte. Einfach in den Arm nehmen…Er küsste mich manchmal auf den Hals, auf die Stirn, auf die Wange. Immer freundschaftlich. Gestern war das aber irgendwie anders..ich kann es nicht benennen, es war anders…Mein Engel und ich waren seine Familie..ich schrieb schon darüber. Avni sagte mir „früher“ oft, daß ich für ihn wie eine Schwester bin. Mein Engel war für ihn der „Onkel Hotte“. Es gab daran nie einen zweifel. Aber gestern, kamen ganz andere Gefühle auf… Ich dachte nur, vielleicht bilde ich es mir auch nur ein. Ich überlegte den ganzen Abend. Nein, es war anders. Da bin ich mir sicher. Es verwirrt mich, denn von Avni hätte ich das niemals erwaret. Ich muss auch eingestehen, es hat mir gefallen. Ich redete mit meinem Engel, was das soll. Warum macht er das? Fängt der jetzt auch an mir Avancen zu machen? Ich bin doch gar nicht sein Typ?!

Am späten Abend kam Avni bei mir vorbei. Rainer stand an seiner Tür. Ich machte meine Tür auf und Avni rief laut, sodaß es Rainer auf jeden Fall mit bekommt – was ist denn denn mit dir los? Du bist ja noch angezogen! Dabei zwinkerte er mich an. Ich lachte, sagte Tschüss zu Rainer und ließ Avni rein. Wir lästerten ein wenig über ihn. Es ist gemein, aber er provoziert das ja mit seinem Verhalten. Nach einer halben Stunde klopfte es an der Tür und Rainer stand davor. Kontrollbesuch wie ich jetzt immer sage. Lächerlich einfach. Nach ein paar Minuten ging er wieder. Kurze Zeit später klopfte es wieder an meine Tür und Avni meinte, warte warte – ich muss erst noch meine Hose ausziehen – nur zur reinen Provokation um Rainer auf die Palme zu bringen.

Ich lachte und sagte – ja nee lasse das lieber. Karl kam vorbei. Ich ließ ihn rein mit den Worten –  Hast du dich bei Rainer angemeldet? Wir lachten alle. Wir sprachen kurz über die Unterstellungen und Avni erzählte mir, daß er er ihm ein paar Takte die Tage gesagt hatte. Ich wäre nicht sein Eigentum, und was ich mache gehe ihn nichts an, auch wenn er ein Freund ist. Karl wollte auch noch mit Rainer reden, schließlich war er ja der Kern seines Ausrasters…aber er haut immer ab. Er meidet Karl…

Avni verhielt sich nun wieder ganz anders. So wie ich ihn kenne. Mit seinen Sprüchen, seinem Imponiergehabe und seinen Scherzen. Da war nichts von irgendwelchen Gefühlen zu spüren. Aber das ist normal…sobald jemand anderes dabei ist, verhält er sich anders mir gegenüber….aber bisher niemals so, wie gestern. Das war neu…

Bis dann