2. Tag

Naja eigentlich der 3. Tag, aber der Sonntag zählt irgendwie nicht…die Nacht war wieder so lala..erst bin ich recht schnell eingeschlafen, gegen halb 10 Uhr. Dabei wollte ich doch den Wallraf Bericht sehen – es ging auch um die HSK in Wiesbaden…bei mir seit Jahren nur als „Schlachterklinik“ verrufen..aber auch egal…gegen 3 Uhr bin ich dann wieder aufgewacht, geträumt habe ich auch sicherlich..ich kann mich nicht erinnern…

Um 3 Uhr also wach und wach geblieben..ich habe die Küche aufgeräumt, den Holzofen angemacht, Kram gemacht..geweint…immer wieder auf die Uhr gesehen, sollte ich doch heute wieder zum Bestatter. Er baucht unser Stammbuch, das Geld (Stadtgebühren bla bla) und den Ausweis von Schatz. Ich bin um halb 9 dann los. Der Bestatter ist ums Eck..keine 100 Meter von meiner … unserer … Wohnung entfernt. Der macht aber erst um 9 Uhr auf..toll dachte ich mir und bin dann erstmal in den Tante E Laden. Tante E – Mann war da und ich unterhielt mich mit ihm. Dann noch schnell nach Hause und wieder los.

9 Uhr -diesmal pünktlich. Ich ging rein und der Bestatter war noch nicht da. Sein Sohn war da und ich sollte mich einen Moment setzten, der Bestatter wäre in ein paar Minuten da. Käme aus Östrich und eben der Verkehr…kein Problem sagte ich und wir hielten einen kleinen Small-Talk. Dann verließ er das Zimmer und ich saß da alleine. Ich schaute mir die Urnen an..brauche ich ja auch noch, dachte ich mir.

Ich holte den Ausweis von Schatz aus meinem Geldbeutel und sah sein Photo an. Meistens sind die Ausweisphotos ja immer „KrimminellenBilder“..aber er sieht gut aus auf dem Bild. Ich streichelte sein Gesicht auf dem Photo und spürte, wie mir die Tränen kamen. Ich wischte mir eine Träne weg und schon kam auch schon der Bestatter. Ich begrüßte ihn.

Er setzte sich an seinen Tisch. Sofort begannen wir mit den restlichen Formalitäten. Ich gab ihm unser Stammbuch und das Geld. Er packte es weg, in eine Mappe. Dann sagte ich, ich hätte auch den Ausweis dabei. Gut gut – sagt er, aber bevor ich ihm den Ausweis gab küsste ich das Bild von meinem Schatz. Der Bestatter nahm den Ausweis und packte ihn auch in die Mappe für das Standesamt. Er schrieb einen Zettel, welchen er dazu legte. Er sagte mir, normalerweise würden die Ausweise eingezogen. Er hätte jetzt aber einen Zettel dazu gelegt, daß der Ausweis entstempelt würde, dann könnte ich ihn wieder haben…zur Erinnerung…

Fand ich total lieb und freute mich darüber..hatte noch ein paar Fragen. Ich wollte wissen wie das ist mit seinen Sachen. Ich fragte, ob ich diese wieder bekäme. Der Bestatter sagte mir, wenn es für mich ok ist, würde er in seiner Kleidung verbrannt. Ich staunte kurz und sagte, ich hätte das nicht gedacht – wegen dem Gürtel, die Knöpfe an der Hose…Metallteile eben..das wäre kein Problem antwortete er. Ja gut – er hat seine Lieblingsjeans an, das ist natürlich ok für mich. Er hat eine Zahnprothese..bekomme ich die wieder? Er antwortete – Nein auch die bleibt drin. Ich sagte – ok..dann behält er auch sein Lächeln…schön…

Ich hatte im Schaufenster eine Urne gesehen, die würde Schatzi auch gefallen. Sie war schwarz, matt und hatte unten 5 rote Ringe..also rundherum um die Urne. Ganz schlicht, dennoch „schön“. Die kann man nicht in die Erde setzen, die ist aus Keramik. Die würde nur bei der Trauerfeier um die Aschekapsel sein..ich meinte dann, daß ist ja schon doof..

Die Tochter vom Bestatter holte einen Katalog und zeigte mir ähnliche Urnen. Ich habe dann eine gefunden. Auch schwarz, matt, und hat einen goldenen Ring oben. Die kann man mit in die Erde geben, auch eine Schmuckurne halt. Die würde Schatz auch gefallen. Schlicht, elegant und mit dem goldenen Ring auch schön..ist irgendwie symbolisch mit unseren Eheringen…so empfand ich das in dem Moment..

Wir hatten auch noch ein paar andere Dinge/Fragen geklärt und ich bin jetzt am Donnerstag wieder beim Bestatter. Dann wären auch die Sterbeurkunden da und eventuell auch schon ein Termin für die Einäscherung, Treffen mit der Friedhofsleitung usw…

Ich bin dann wieder nach Hause gegangen. Im Hof bin ich einem Bekannten begegnet. Er kam gleich auf mich zu und sagte, er hätte es schon gehört. Er umarmte mich und ich erzählte kurz was so war. Als ich dann in der Wohnung war, ist es wieder aus mir heraus gebrochen. Ich war relativ gefasst die ganze Zeit, aber ich heulte und heulte bitterlich. Ich vermisse ihn so sehr, ich fühle mich so leer…so verloren. Mein Herz und ein Teil meiner Seele ist weg und ich weiß nicht was ich machen soll…

Vorderhauszote klopfte an der Tür und ich öffnete sie weinend. Er fing auch sofort an zu weinen und wir trösteten uns gegenseitig. Er mich mehr als ich ihn..klar..nach einer Weile ging er wieder. Nun saß ich da und schaute auf die Uhr. Ich wollte heute zu meinen Eltern. Gegen halb 1/1 wollte ich da sein und es war gerade mal viertel nach 10…wie soll ich die Zeit rumbringen? Habe es dann irgendwie geschafft und bin um halb 12 Uhr dann los zum Bus.

Bei meinen Eltern war ich dann um kurz vor halb 1…meine Mama machte die Tür auf und hatte schon Tränen in den Augen. Ich hatte mir vorgenommen gefasst zu sein, aber als ich sah das sie Tränen hatte, musste ich auch wieder weinen. Sie drückte mich und wir schluchzten beide kurz. Dann hat mich mein Papa auch in den Arm genommen und gedrückt.

Wir haben uns hingesetzt und so nach und nach habe ich erzählt was war. Meine Mama ist auch sehr krank und ich will sie nicht belasten..aber ich konnte nicht anders und erzählte ihr im Detail wie es war. Ich heulte und weinte und konnte nicht mehr….ich habe ihr angesehen wie sie leidet, daß ich so leide..das hat mir auch wieder leid getan…nachdem alles erzählt war, haben wir uns Mühe geben von anderen Dingen zu reden. Zwischendurch kam immer mal wieder das Thema hoch und ich weinte, aber alles im Allem haben mich meine Eltern gut abgelenkt. Für eine kurze Zeit…aber es war nicht verkehrt.

Als ich wieder los wollte sagten sie ich könne auch bleiben. Wollte ich gerne, aber ich habe Freunden gesagt, daß ich abends wieder da wäre. Ich habe mich aber entschieden am Wochenende zu meinen Eltern zu fahren. Ich fahre Samstag Nachmittag hin, bleibe die Nacht und fahre Sonntagnachmittag dann wieder nach Hause..ich will ja nicht weg von unserem zu Hause, aber bei meinen Eltern bin ich auch „zu Hause“…es ist halt einfach anders, als wenn ich zu meiner Schwägerin und dem Bruder meines Engels fahre..da ist ja alles „fremd“ dort..

Zu Hause angekommen wusste ich das niemand auf mich wartet. Das ich alleine bin..mein Engel ist nicht mehr da..trotzdem begrüßte ich ihn wie immer, als ich nach Hause kam. Unser Rumpelstilzchen kam gleich rüber. Er hatte ein Päckchen für mich angenommen. Ich habe letzte Woche Freitag mir ein Tablett bestellt, ein verspätetes Weihnachtsgeschenk an mich selbst. 40 Euro…reicht zum datteln..Schatz hat noch gesehen wie ich es mir ausgesucht habe..nun ist er weg und sieht nicht mehr, was es für ein Teil ist….es tut weh…

Meine Eltern haben mir auch ihre Weihnachtsgeschenke gegeben..Weihnachten gab es für uns alle ja nicht. Aber es gab trotzdem eine Kleinigkeit…auch ich habe ihnen ihre Geschenke mitgebracht gehabt. Sie haben gefallen und sie haben sich gefreut. Ich habe mich auch sehr gefreut…

Morgen gehe ich zum Hausarzt, danach kurz in die Stadt in den DM..brauche halt paar Sachen..dann habe ich keinen „Termin“ mehr…morgen kommen aber Nichte und Bruder, vielleicht ruft auch das Sanitätshaus an um das Bett abzuholen…jetzt muss ich erstmal durch die Nacht…

Baby, ich vermisse dich….deine Stimme, deine Nähe, dein Lächeln und Zwinkern, ich vermisse alles…

Kein GirlyGirl, kein BienchenLienchen, kein Schatzi, kein SchatziSpatzi, kein meine Liebe, kein Schnupfi oder SchnupfiPupfi, kein Babe, Babylie oder Lovely..er hatte 1000 Namen für mich…

Bis dann

2 Gedanken zu “2. Tag

  1. Liebe Veronika, danke das Du wieder geschrieben hast. Ich empfinde nur jetzt noch alles viel schlimmer wie Du beschreibst wie es Dir geht.Der Platz der leer ist…..jetzt.Oh man,,ich darf nicht drann denken wie Du Dich fühlst. In der ersten Zeit ist geschäftig einiges zu tun ,denke ich ,aber was kommt .Furchtbar was einem alles passieren muss….Ich denke an Dich.Pamela.

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