Menschlich

Die Nacht war wieder so lala..ich konnte gut schlafen und Schatz eher nicht. Gegen 7 Uhr bin ich dann aufgestanden und war müde..ich schlafe zwar, und träume auch, aber ich erhole mich grade nicht richtig.

Heute war wieder die Familie da…Kleckerweise. Zuerst Bruder mit Frau, sind heute aber nicht so lange geblieben. Später am Nachmittag kamen dann BruderTochter mit Mann und Baby. Ich hatte vorher schon angekündigt, das sie bitte auch nicht so lange bleiben mögen – Schatz ist heute nicht gut drauf. Er ist müde. Jeden Tag die Familie um sich zu haben strengt an. Auch wenn er immer mal einschläft, aber es ist eben was anderes..

Am Mittag rief mich der älteste Bruder an, ob er vorbei kommen dürfe. Er hätte es jetzt auch erfahren. Ich fragte Schatz, ob er seinen ältesten Bruder sehen möchte. Er hält ja nicht viel von ihm, sagte aber JA. Als ich auflegte, sagte ich nochmal das der *Name* kommt um sicher zugehen, das er mich auch richtig verstanden hatte. Schatz sagte dann – Der Depp….gegen 18 Uhr kamen dann der älteste Bruder mit Frau.

Wir redeten eher sachlich, wegen einem Pflegebett usw. Aber auch mit großer Annerkennung haben die nicht hinter dem Berg gehalten. Frau sagte zu Schatz, ob er wüsste was er für ein Goldstück an seiner Seite hätte, nicht jede würde den eigenen Mann so derart pflegen, schon gar nicht zu Hause und noch weniger ganz alleine. Schatz sah mich an und sagte, daß er das wüsste. Auch der älteste Bruder hatte viel Annerkennung für mich. Wie ich das alles schaffe, so stark bin…woher ich die Kraft nur nehmen würde…

Es tut einerseits gut, aber irgendwie prallte das auch an mir ab. Ich weiß nicht, ob es die Erziehung meiner Eltern war, die Prägung wie ich aufwuchs, oder mein Naturell – oder vielleicht auch alles zusammen, aber für mich kam es nie in Frage meinen Mann „abzuschieben“, oder sonst etwas zu machen mit dem weder er, noch ich „glücklich“ sein würden.

Ausserdem habe ich es ihm versprochen. Ich gehe durch die Hölle und zurück für meinen Mann..warum sonst hätte ich ihn heiraten sollen? Damit, wenn es schwierig wird im Leben, ihn abschiebe? Mich nicht mehr kümmere? Aufgebe? NEIN! Er ist mein Mann, egal ob die Sonnenseite des Lebens uns küsst, oder ob es dunkle Schatten gibt…wir sind Eins und wir bleiben Eins…

Nach einer Weile gingen sie auch wieder, natürlich mit den Worten – wenn du Hilfe brauchst, oder wir etwas machen können, melde dich..keine Scham, keine Scheu…ob sie mich finanziell unterstützen können, war auch ein Angebot. Dankend erklärte ich, daß finanziell alles soweit gut ist und wegen allem anderen würde ich mich melden, wenn es was gibt.

Als sie gegangen waren, ist Schatz gleich wieder eingeschlafen. Er ist müde..fertig..es ist anstrengend, wenn immer jemand da ist. Mir gingen derweil ein paar Gedanken durch den Kopf. Ist es nicht seltsam, wenn es einem „gut“ geht, gesundheitlich, oder wie auch immer, fragt niemand nach, ob Hilfe gebraucht wird, finanziell alles in Ordnung ist usw…aber liegt jemand im Sterben, oder ist einfach schwer krank, reißen sich alle förmlich darum was tun zu müssen, wollen, dürfen…warum kann man nicht auch mal so jemanden fragen, ob alles in Ordnung ist..oder man helfen kann…es ist halt menschlich…

Heute war eine gute Freundin da. Ich brachte es nicht übers Herz ihr zu sagen was los ist. Ich hatte aber einen Brief geschrieben, den ich ihr gab mit der Bitte, ihn erst zu Hause zu lesen..es wird ihr, wie mir, den Boden unter den Füßen weg reißen. Sie hat einen sehr wankelmütigen, schwachen Charakter..manisch…depressiv..wir haben sie immer wieder aufgefangen und sie sagt uns immer wieder, wie lieb sie uns hat. Sie ist im Moment in einer Hochphase..das wird sich erledigt haben nach dem Brief…aber ich habe nicht die Kraft sie aufzufangen…diesmal nicht…

Mittlerweile wissen es alle…auch Freunde, die wir nicht jeden Tag sehen (wohnen weiter weg), wissen jetzt bescheid..ich erlebe eine Flut von Unterstützung. Es hilt mir natürlich, vorallem emotional..aber ich habe es bisher alleine geschafft, und werde es auch den weiteren Weg schaffen. Trotzdem bin ich dankbar..so ist das nicht…es ist komisch…ich habe kein Problem damit um Hilfe zu bitten. Ich habe aber ein „Problem“ damit, mit Hilfe überschüttet zu werden, wenn ich nicht darum gebeten habe. Zum Glück ist es aber so, daß wir alle vereinbart haben, wenn wir was brauchen – melde ich mich…so wird man nicht ständig gefragt…

Nächste Woche hole ich mir professionelle Hilfe an Board. Den ambulanten Palliativdienst…und ein Pflegebett wird beantragt…das ist etwas, das geht in der Tat nicht mehr so wie bisher..zum Wohlergehen meines Mannes..die medizinische Versorgung.

Das Blut wird wieder mehr im Auswurf…

Bis dann

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