Morphium

Der Vormittag lief so lala.Schatz war schach, konnte aber meckern, wenn ich was nicht schnell, genug, oder richtig gemacht hatte. Die meiste Zeit war er aber ruhig und ist nur gelegen. Meistens döst er vor sich hin. Er hat so Kopfschmerzern..

Gegen halb 1 Uhr kam dann der Hausarzt. Ihm bot sich ein Blick des Elends, denn Schatz hatt sich kurz vorher wieder rumgedreht um aus dem Bett zu kommen. Demenstprechend lag er ganz schief da. Der Hausarzt gab Schatz eine MorphinSpritze und gab mit ein Rezept…Fentanylpflaster. Ich solle heute Abend eines drauf machen und dann alle 3 Tage wechseln.

Schatz wurde merklich ruhiger, die Kopfschmerzen gingen aber nicht ganz weg. Dok sagte zu mir, warum ich ihn nicht in ein Krankenhaus bringen würde, da wäre er doch besser aufgehoben. Ich erklärte ihm, daß wir die Woche im KH waren und Schatz unbedingt wieder Heim wollte..er will nicht von zu Hause weg..aber die schaffen das nicht, sie werden das nicht schaffen – sagte Dok weiter, nicht ohne Hilfe…ich weiß sagte ich, aber er lässt keinen an sich ran…vielleicht ändert sich das noch, sagte ich weiterhin..

Der Dok wünschte alles Gute und ging wieder. In der Apotheke mussten die Pflaster erst bestellt werden, war mir aber klar..als ich sie am Abend abholen konnte, wollte Schatz aber keines haben. Er ist sehr ruhig.

Kopfschmerzen ja, aber scheinbar nicht mehr so wie es vorher war. Er hat Durst. Erst wollte er immer seine Fanta, die Nacht über nur Wasser..heute wieder Fanta…aber egal was, es muss eiskalt sein. Ihm ist dauernd schlecht, aber das kann vom Morphium kommen.

Er bricht aber nicht und auch Husten sehr wenig. Das Blut ist etwas zurück gegangen, es ist viel Schleim…mal mehr mal weniger blutig. Er redet nicht. Wenn er was sagt, ist es kaum verständlich. Akkustisch. Ich bemühe mich zu verstehen was er möchte. Klappt meistens.

Die Nacht war blöd für mich. Ich habe nur Stundenweise schlafen können. Ich bin müde. Hatte Schatz immer im Auge. Er hat Atemaussetzer gehabt. Heute ist wieder alles anders..er atmet regelmäßig, ohne aussetzer. Ruft nicht um Hilfe.Er hat Rückenschmerzen. Er liegt ja nur auf dem Rücken und hat sowieso immer Probleme mit dem Rücken…blöd…wenigstens behält er seine Schmerztropfen drin.

Ich dachte wieder, in den letzten 2 Tagen, jeden Moment ist es soweit. Dann verlässt er mich…es sind immer so Schübe, dann geht es wieder…Sterben ist eine hässliche Angelegenheit…eine qualvolle…

Jetzt tagsüber schläft er viel. Ich versuche das zu nutzen und schlafe auch viel. Nachts klappt das zur Zeit ja nicht so. Ich war heute morgen schnell die typischen Samstagserledigungen machen und habe dann geschlafen..bis eben..lege mich gleich auch noch mal eine Stunde hin.

Ich schreibe hier ungefiltert und unzensiert. Aber das was ich schreibe, und sei es teilweise doch sehr intim – ist dennoch nur die Spitze des Eisbergs…nicht das ich mich an alles nicht erinnern könnte…manches gehört einfach nicht hier her…öffentlich..es sind viele Dinge die er macht, viele Dinge die er sagt, Dinge die ich erlebe – die nur in meinem Herzen bleiben sollen..aber mein Krebstagebuch gewährt einen kleinen Einblick in den Vorgang des Sterbens an Krebs. Es ist nichts romantisches daran, es ist nicht wie es im Film gezeigt wird…es ist Echt…grausam…die Wahrheit.

Ich will ihn nicht verlieren, ich gebe alles dafür, wenn er doch nur gesund sein könnte…aber weniger will ich ihn sich so quälen sehen…wäre es doch nur schon vorbei…wäre er doch erlöst…könnte er doch nur gesund werden…einfach so…warum geht das nicht…

Heute ist Tag 3 an dem er seine Tabletten nicht genommen hat..gar keine…keine gegen hohen Blutdruck, keine Epilepsiemedis, kein Kortison…auch nichts gegessen…seine Beine sind schon wieder sehr dünn geworden…er hat aber Durst und trinkt immer mal ein paar Schlucke. Der Urin ist wieder sehr dunkel..braun…er kann nicht mal mehr aufstehen, damit ich ihn auf die Toilette fahren kann. Er kommt nicht mal auf den Toilettenstuhl…auch nicht mit meiner Hilfe…zum Glück habe ich die Bettpfanne.

Er ist sehr ruhig. In sich gekehrt. Schwach. Sein Blick geht ins Leere. Er schaut zum Tv, aber schaut nicht hin. Manchmal nimmt er meine Hand und küsst sie. Ich küsse ihn oft auf den Mund. Stille. Ein Lächeln. Er sagt was, ich verstehe ihn kaum. Er wiederholt es nicht. Er winkt ab.Ich frage dann, ob er trinken möchte, ihm kalt ist, …

Er nickt, oder sagt ein leises klägliches Ja..oder er schüttelt den Kopf…seine Augen sehen so erschöpft aus. So traurig…

Bis dann

3 Gedanken zu “Morphium

  1. fentanylplaster sollten helfen, hatte mein freund auch eine zeitlang. wichtig ist einfach, dass man sie nach 3 tagen (uhrzeit beachten!) wechselt weil sonst bereits entzugserscheinungen einsetzen.

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  2. Ja das Pflaster alle 3 Tage wechseln..sagte Dok auch..ich hoffe es nimmt seine Kopfschmerzen..Danke Angioletto..wie geht es deinem Freund heute?
    Danke Pam…es geht zu Ende..ich kann es immer noch nicht glauben…es ist traurige Realität..

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