Nachtrag und Neues

Schatz war und ist ständig sehr kalt. Manchmal möchte er 2 Bettdecken haben und friert immer noch. Obwohl ihm kalt ist, hat er das Bedürfnis die Bettdecken ständig weg zu schieben. Ich bin sehr geduldig mit ihm, niemals ruppig. Auch wenn es mir zugegeben etwas auf die Nerven ging, als er immer wieder sitzen wollte nur um sich dann nach hinten fallen zu lassen, um dann unmittelbar wieder sitzen zu wollen…aber ich war immer ruhig und geduldig. Er nestelt auch immer an seiner Hose herum. Die meiste Zeit ist er verwirrt bzw. redet komische Sachen. Manchmal ist er völlig klar.

Neues

Das ist heute auch so. Heute Nacht war die erste Nacht in der ich mal 5 Stunden am Stück schlafen konnte. Schatz denke ich auch. Jetzt schläft er auch. Die letzten Tage hat er immer nur kurz geschlafen, ansonsten mich auf Trab gehalten. Er hat Schmerzen auf der linken Seite, wahrscheinlich hat er sich bei dem Sturz seine Rippen geprellt. Gestern wollte er das der Hausarzt vorbei kommt. Als ich sagte, ich rufe ihn an damit er kommt, wollte Schatz wieder keinen Arzt.

Das Problem ist, ich kann nicht über seinen Kopf entscheiden. Immer wenn ich ihm was „abnehmen“ will, oder es ihm nicht schnell genug geht, oder ich „was falsches“ (in seinen Ohren) sage, wird er sehr agressiv. Er entscheide immer noch was wann wie wo. Verstehe ich. Es ist richtig Scheisse, wenn man keine Gewalt mehr über sich hat und das Gefühl hat Entmündigt zu werden. Er wehrt sich immens dagegen. Es ist eine Gratwanderung wie ich was sage, damit er nicht ausrastet.

Seine linke Seite ist fast vollständig gelähmt. Urinieren ist nicht das Problem, aber er hatte gestern die Idee, er wolle auf die Toilette. Ich versuchte ihm verständlich zu machen, daß ich das nicht schaffen würde. Er ist zu schwer, ich habe keinen Rollstuhl, oder Klostuhl, die Bettpfanne verweigert er. Ich habe dann einen Bürostuhl genommen und ihn damit aufs Klo gefahren. Man war das eine Aktion! Auf Toilette angekommen, wollte er alleine aufs Klo. Das hat auch irgendwie geklappt, aber wieder runter und auf den Stuhl eben nicht. Er ist gestürzt und lag vor der geschlossen Tür. Ich kam aber irgendwie rein und musste dann Schatz auf den Stuhl heben. Zurück ins Bett war einfacher dann.

Er musste groß und das war gut so. Jetzt ist erstmal Ruhe damit, denn er hat seit Freitag nichts mehr gegessen. Ich biete ihm immer Essen an, aber er will nicht. Heute Nacht war es auch wieder so, daß er sich eingenässt hat. Ich sagte ihm, er solle mir bescheid sagen, und er meinte, er wüsste selber nicht immer wann er muss. Blöde Situation. Ich frage regelmäßig nach, ob er Pinkeln muss, was meistens dann so ist…wenn nicht, dann jedes mal umziehen, vorher etwas waschen. Die Maschine läuft nur noch mit Unterwäsche und Jogginghosen…ich habe Einlagen gekauft, eher sowas wie Windeln, aber das verweigert er absolut. Er ist zwar nicht ganz bei sich, weiß aber genau was er will und was nicht.

Gestern musste ich auf die Bank. Ich fragte Schatz ob er müsse und er verneinte. Ich flitze los und als ich wieder kam, dache ich mir nur – bitte lasse ihn schlafen, oder auf dem Bett liegen…ich kam in den Hausflur und hörte kein Stöhnen, oder ähnliches. Leicht erleichtert öffnete ich die Tür und sah das Schatz auf dem Boden lag…eingenässt..es ist so furchtbar ihn so zu sehen..so hilflos…er wollte auf die Toilette, weil er pinkeln musste..aber das hätte nicht geklappt. Also schaffte ich ihn wieder auf das Couchbett und zog seine Sachen aus. Wusch ihn und zog ihm eine neue Hose an.

Es tut mir so weh, meinen Mann so zu sehen. Er ist nicht mehr ER. Er ist launisch, aggressiv, dann wieder schmunzelt er, weil er was lustiges im Tv gesehen hat, sein Körper ist schwach, gelähmt…wenn er redet, redet er sehr leise. Ich verstehe nicht immer was er dann möchte und frage nach. Je nach Stimmung reagiert er dann aggressiv. Eine normale Unterhaltung ist nicht möglich. Manchmal erzählt er mir, was er im Tv gesehen hat, wenn ich mal auf dem Klo war. Das sind dann aber nur ein paar Sätze die wir reden und das war es dann. Wenn jemand an der Tür kloppft, fragt er immer wer das war und warum. Ich rede ganz normal mit ihm, als wäre nichts. Ich bin mir nicht sicher, wie lange er es aufnehmen kann. Bei einer Begebenheit hat er mir zu einer Sache 3 mal Anweisung gegeben und ich sagte ihm immer wieder, daß dies schon erledigt sei…

Ich weiß das es nicht er ist und versuche ruhig zu bleiben und mit ruhiger Stimme zu sprechen. Gelingt mir meistens auch. Hin und wieder rede ich aber auch etwas härter in meinem Ton. Es ist wahnsinnig anstrengend. Manchmal entschuldigt er sich und sagte, er meine es nicht so, er wäre nicht böse, es täte ihm alles so leid…das sind dann Momente da weiß ich, das ist mein Schatz. Keine 2 Minuten später schreit er wieder rum, weil ich nicht schnell genug reagiere, oder ihm nicht schnell genug was gebe…es ist wie als würde ein anderer Mensch in ihm sein..so Jekyll und Hyde…

Mein Schatz ist kein Lämmchen, daß weiß ich auch, aber immer gut und lieb zu mir gewesen. Gestritten haben wir in den 11 Jahren unserer Ehe selten. Alle paar Jahre hat es mal richtig geknallt, aber sonst haben wir alles sachlich ausdiskutiert. Wir sind Harmoniemenschen, vermieden Konflikte aber nie..man muss immer reden was einen bedrückt und beschäftigt…Aber so wie er jetzt manchmal mit mir spricht, weiß ich auch, daß ist nicht mein Mann.

Sein sehr starker Charakter bricht sehr negativ durch. Ich sehe das alles nicht persönlich…es ist NICHT ER! Es ist wahnsinn einen Menschen so zerfallen zu sehen. Wenn man das selbst nicht erlebt, glaubt man es nicht…

Gestern Abend meinte Schatz, er wolle ein Glas Sekt. Fand ich erst seltsam, denn Schatz trinkt keinen Sekt, wenn dann Wein. Ich sagte, ich hätte den Krim noch da…er nickte..Ich öffnete die Flasche und schenkte den Krim in unsere Gläser. Schatz hob sein Glas und streckte es mir entgegen. Wir haben angestoßen und tranken einen Schluck. Mich hat das sehr traurig gemacht. Sollte es doch noch einen besonderen Moment geben, den Krim zu öffnen. War dies der besondere Moment? Als das Glas von Schatz halb voll nur noch war, schenkte ich ihm nach. Mehr wollte er nicht trinken. Ich trank den Rest und war angedüst. Das hat mich insofern geärgert, daß ich ja noch alles machen muss..ihn heben und pflegen usw. Jeder weiß, wenn man einen im Tee hat, ist das nicht mehr so leicht. Ich habe dann Massen an Wasser nachgetrunken. Ich war traurig, aber irgendwie versuchte ich diesen Moment zu genießen. Denn so ein Moment kommt nicht mehr.

Eben ist Schatz aufgewacht und sagte mir ganz ruhig und lieb – das er mich nicht gesehen hat, als er aufwachte…dabei schaute er mich mit einem Blick an, der mir ins Herz stach…

Bis dann

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