Die Bombe platzt

Gestern ist Schatz recht schnell wieder eingeschlafen, nachdem Bruder gegangen war. Er fragte später, als er mal wach wurde, was denn heute im Tv laufen würde…ich schlug ein paar Filme vor. Schatz meinte dann nur, ich solle schauen was ich möchte. Ich hatte mich dann für Django Unchained entschieden.

Schatz ist wieder eingeschlafen. Der Film fing an und ich habe es mir neben meinem Engel gemütlich gemacht. Ich habe vielleicht 20 Minuten vom Film gesehen und noch vor der ersten Werbepause muss ich eingeschlafen sein. Als ich wieder aufwachte, lief ein ganz anderer Film. Schatz wachte kurz darauf auch auf und wollte trinken. Ich brachte ihm was er wollte und er schlief wieder ein. Ich bin auch wieder eingeschlafen und habe bis zum morgen geschlafen. Gegen 7 Uhr bin ich aufgewacht und Schatz schlief.

Einerseits war ich froh, auch mal schlafen zu können und ich habe geschlafen. Fühlte mich erholt..hatte mich gleichzeitig aber geärgert…was wäre wenn…?

Den ganzen Tag über hat Schatz geschlafen. Gegen 15 Uhr weckte ich ihn, um ihm zu sagen das sein Bruder mit seiner Frau im Anmarsch wäre. Ich ließ die beiden rein. Schwägerin hatte viele Fragen und ich beantwortete sie. Bruder saß bei Schatz. Wir haben auch darüber geredet, wem aus der Familie es noch zu sagen ist..seiner Schwester als nächstes…und der Tochter von Bruder…Die Tochter hat vor 6 Monaten ein Baby bekommen und Schatz will seine Großnichte sehen..auf jeden Fall.

Dann ging es darum dem Ältesten Bruder auch bescheid zu geben…Brudre fragte Schatz, ob das ok ist..Schatz hält nicht sehr viel von seinem ältesten Bruder. Sie sind 11 Jahre auseinander..er sagte: Der ist für mich ein Bubi..um auszudrücke, wie er über ihn denkt…Bruder fragte wieder nach und Schatz hat sich aufgeregt. Er konnte sich nicht verbal ausdrücken, aber man hat deutlich gemerkt wie er sich aufregt. Also wird dem ältesten erstmal nichts gesagt..noch nicht…

Wir redeten auch über andere Sachen. Schatz in unserer Mitte. Er ist immer wieder eingeschlafen. Das schlimme ist, er hört und versteht gut und alles…kann sich aber nicht ausdrücken. Manchmal, eher selten, redet er klar und verständlich. Meistens sehr leise, undeutlich..verwaschen. Er bekommt keine klaren Worte mehr raus. Ärgert sich aber, wenn man ihn nicht versteht…der Verstand ist da…nur der Körper kann nicht mehr…es ist so schrecklich das mit an zu sehen..einmal sprach er wirr…er fragte, was denn die Stunde kosten würde…Schwägerin verstand erst nicht, daß es keine echte Frage aus „unserer“ Welt ist. Bruder gab ihr aber schnell ein Zeichen und ich stieg auf seine Frage ein. Ich antwortete Schatz, daß es nicht teuer geworden ist. Schatz fragte: Billiger? Ich sagte, nein auch nicht billiger..ist der gleiche Preis. Kurz darauf ist Schatz wieder eingeschlafen..zumindest in den Döszustand.

Schwägerin bot mir an, daß sie ja mal, wenn sie da sind, Bruder bei Schatz bleibt und ich und Schwägerin mal „raus“ gehen. Damit ich mal aus der Situation raus komme, was anderes sehe, etwas Abstand für kurze Zeit haben kann. Ich sagte, daß wir das gerne mal machen können…innerlich hatte ich aber diese Ablehnung…ich weiß selbst, daß mir das auf jeden Fall mal gut tun würde..wenn es auch nur eine kurze Zeit wäre…aber wie kann ich von Schatz weg? Länger als die 10 Minuten täglich, in denen ich schnell den Tagesbedarf im Tante Emma Laden einkaufe?..das Band zwischen mir und meinem Engel ist so fest…und es wird fester und enger mit jedem Tag…ich will nicht weg von meinem Schatz…irgendwann, bald, ist er gar nicht mehr da..und dann?

Ich habe den Entschluss gefasst es heute unseren Freunden zu sagen. Ein Kumpel war heute schon kurz da, aber da war die Situation unpassend…später kommt ein anderer guter Freund vorbei. Er will seine Schulden bezahlen kommen…egal – tut nichts zur Sache…ihm werde ich heute sagen was los ist…die Bombe platzt…

Schatz atmet ruhig. Wenn er schläft, gurgelt er. Wenn er hustet, kommt zäher dunkelroter Schleim. Vorhin hat er etwas mehr gehustet und es kam Schleim, und reines Blut..viel mehr als sonst…seine Uhr tickt unaufhaltsam. Wieviel Zeit bleibt uns…bis sie stehen bleibt…

Die Kopfschmerzen scheinen weniger zu werden. Er hat noch massive Kopfschmerzen, aber er hält sich nicht mehr dauernd seinen Kopf. Ich denke, das Fentanylpflaster hat langsam den Spiegel erreicht. Zwischendurch gebe ich ihm seine TramadolTropfen.

Bis dann

Danke (Nachtrag)

Schatz hat geschlafen…manchmal etwas gebrabbelt. Die große Überraschung kam aber am Nachmittag…ich bin so Dankbar…

Es klopfte gegen 14 Uhr an der Tür…ich machte die Tür auf und es stand sein Bruder vor der Tür. Erfreut und gleichzeitig überfordert, dem Gefühl nach, bat ich ihn einen Moment zu warten bitte. Ich schoss zurück ins Wohnzimmer und sagte Schatz, daß sein Bruder vor der Tür steht. Schatz richtete seinen Blick auf. Ich deckte ihn zu, er saß so halb auf dem Bett. (Couch). Ich sagte Schatz: Es ist Zeit für die Wahrheit…Schatz sah mich an und ich wiederholte: Jetzt ist es Zeit für die Wahrheit.

Schatz nickte und ich ließ seinen Bruder rein. Er sah natürlich gleich was los ist..zumindest, das etwas schreckliches ist….er setzte sich auf einen Stuhl und begrüßte Schatz. Er strich ihm sanft über den Kopf. Schatz sagte als erstes, wie dankbar er ist, das er mich hat. Wie ich alles mache und das ich da bin für ihn. Er hob mich in den Himmel. Ich küsste Schatz auf die Hand und lächelte.

Ich sagte dann zu Bruder: Ich bin so froh das du da bist und fing an zu weinen…ich entschuldigte mich und versuchte meine Tränen sofort zu unterdrücken. Alles ok sagte Bruder…und lächelte mich an.

Es ist so eine wahnsinnige Last von mir herab gefallen. Da brach es aus mir raus. Ich erklärte Bruder warum niemand früher was gesagt bekommen hat, und das ich aber schon seit Tagen mit mir hadere es eben jemanden zu sagen..ich sagte wieder, wie froh und dankbar ich sei..Bruder sagte: Nein, ich danke dir…Bruder war fast 3 Stunden da und wir unterhielten uns über alles mögliche…über das Universum, wie wir zu „Gott“ stehen, Physik und physikalische Gesetze, und eben alles mögliche…auch über das Leben nach dem Tod, was es es da geben mag…ja…nerdisch ich weiß…zwischendurch erzählte er von seinem familiären Zwist, denn da lag auch einiges im Argen, von dem wir nichts wussten. Wir tratschen es auch nicht weiter..eine Vertrauensache eben…

Ich erzählte und erklärte was mit Schatz los ist…Bruder streichelte Schatz immer wieder. Bruder verstand unsere Beweggründe niemanden was gesagt zu haben. Ich dankte ihm wieder, daß er heute einfach mal aufgetaucht war…was eine Last von mir gefallen ist…Bruder sagte, er würde jetzt jeden Tag kommen. Ich sagte sofort JA..auch bot er an uns finanziell zu Unterstützen, oder Erledigungen zu machen. Ich nahm das Angebot dankend an…aber zur Zeit komme ich/wir klar…aber ich sage bescheid. Bruder sagte, ich solle mich nicht schämen, oder eine Scheu haben…wieder sagte ich, weinend und dankbar, daß ich mich melde, wenn ich/wir was brauchen..

Schatz haben wir natürlich immer eingebunden ins Gespräch, die meiste Zeit war er aber ruhig, oder brabbelte etwas unverständliches vor sich hin. Es hat mir weh getan zu sehen, daß er sich beteiligen wollte, aber keine Worte fand und nur mühsam Sätze formen konnte..er ist einfach nicht mehr ER…er wollte reden – und tut sich so schwer damit…

Ich habe aber gesehen, trotz der anfänglichen Ablehnung es jemanden zu sagen, Schatz sichtlich erfreut und auch erleichtert war, daß sein Bruder (älter) da war. Der Bann ist gebrochen…wir haben aber am Ende entschieden, daß sein anderer Bruder, und seine Schwester erst mal noch nichts gesagt bekommen…noch nicht…

Bruder verabschiedete sich dann und „wir sehen uns morgen“.

Ich hatte dann den Entschluss es auch unseren Freunden zu sagen..als dann aber eine Freundin, und später ein guter Freund vorbei kamen – habe ich nichts gesagt…der Zeitpunkt ist noch nicht reif…ich weiß auch nicht wie ich es sagen soll…

Ich fühle mich erstmal erleichtert…und Schatz irgendwie auch…

Bis dann

Schlafen

Jeder möchte in den Himmel – aber niemand will sterben…(amerikanisches Sprichwort)

Schatz schläft richtig viel…auch gestern Abend/Nacht- Seine Atmung war ruhig und gleichmäßig. Ich habe mich auch hingelegt. Das war gegen halb 11 Uhr und ich habe bis ca. 1 Uhr Nachts geschlafen. Dann wurde ich wach und sah, daß Schatz auch wach wurde. Ich ging in die Küche und holte ihm was kaltes zu trinken. Fanta. Er trank ein paar Schlucke und ist bald wieder eingeschlafen. Ich bin auch gleich wieder eingeschlafen.

Gegen 4 Uhr wurde ich dann wieder wach. Schatz war bereits wach und sah mich traurig an. Ich holte wieder was zu trinken, diesmal Wasser. Er hatte einige Zewa Tücher in den Händen. Sie waren voller Blut. Erschrocken, und auch nicht erschrocken nahm ich das Zewa und schmiss es in den Mülleimer. Ich sah, daß auch Schatz mit Blut bekleckert war. Am Kinn, an der Schulter, seine rechte Bauchseite..alles voll…ich dachte wieder – das war es jetzt..ich denke seit Tagen nur noch – jeden Moment ist es soweit…

Ich machte ihn sauber. Kurz darauf schlief Schatz wieder ein. Ich blieb von da an wach und wachte über seinen Schlaf. Es kam mir vor wie eine halbe Stunde, aber ruckzuck war es halb 7 Uhr in der Früh. Schatz wachte wieder auf. Er ist schläfrig. Ich bin mir nicht sicher, in wie weit er „da“ ist. Er weiß was er will, dann wieder redet er komisches Zeugs…Wenn er was sagt, ist er sehr leise, verwaschen…schwer zu verstehen. Wenn ich was nicht gleich verstehe, ist er genervt. Aber er hat keine Kraft so aggressiv zu werden, wie er es die letzte Woche noch war..

Meist will er einfach nur was trinken…oder seine Bettdecke neu gerichtet bekommen…er schlief wieder ein.

Gegen 9 Uhr wachte er auf. Irgendwie „richtig“. Er sprach leise, verwaschen..schwer zu verstehen. Er sagte mir, relativ „deutlich“ das er mich lieb hat. Das er mir Dankt, daß ich an seiner Seite bin..ohne mich wäre er total am Arsch.

Ich küsste seine Hand. Er wollte Fanta, Cola und „Flöte“..ich solle an den Kiosk gehen – egal was es Geld kostet..ich weiß nicht was er mit Flöte meint, aber ich habe Fanta, Cola und eine Flasche Wein geholt. Er wollte sofort ein bisschen Cola haben. Nach einem Schluck und einer Pause, einen Schluck Wasser.

Er dankte mir wieder und sagte, daß er mich lieb hat. Er fragte mich, ob ich heute zu meinen Eltern fahre. Ich sagte NEIN, ich bleibe bei dir mein Engel. Die ganze Zeit. Ich gehe nicht weg. Ich bleibe hier – bei dir.

Er stieß einen zufriedenen Laut aus. Ein „mhhh“ und nickte. Er sah mich an. Seine Augen sind da, und wiederum nicht. Er griff meine Hand und küsste sie.

Er spuckt Blut, immer wieder…dunkelrot. Zäher fester Schleim…dunkelrot. Es ist Mittag mittlerweile und er versucht wieder zu schlafen. Er war fast eingeschlafen, da wachte er wieder auf. Was da im Tv laufen würde..ich sagte – Fluch der Karibik (Sky) es läuft nichts anderes (das man schauen könnte)..ich weiß, den kennen wir schon, aber der ist ja ganz lustig. Versuche zu schlafen mein Engel. Ich strich ihm sanft über seinen Kopf.

Ich habe hier aua, sagte er..er zeigte auf sein Gesicht. Hast du Kopfschmerzen? Frage ich und er sagte ein jämmerliches, trauriges und erschöpftes Ja. Ich habe ihm heute mehrmals seine Tropfen angeboten. Er wollte sie, hat sie aber nicht getrunken. Ich sagte dann – pass auf mein Schatz, ich gebe dir ein Pflaster..dann wird es besser. Wenn es dir komisch wird, schlechter und sonst wie blöd – machen wir es sofort wieder ab.

Er stimmte zu und ich klebte ihm jetzt zum Ersten mal ein Fentanylpflaster auf. Ich weiß, daß soll man alle 3 Tage wechseln. Dok hat das gesagt und er hat auch gesagt, wenn die Wirkung nach 2 Tagen schon weg ist, dann eben nach 2 Tagen schon wechseln..wenn es gar nichts taugt, dann bekomme ich die nächst höhere Dosierung….er hat jetzt bereits schon 25 mg bekommen…an und für sich hat er keine schlimmen Schmerzen..es sind die Kopfschmerzen, die Metastasen, der Hirndruck – der alles Schlimm macht.

Er hat aber auch diese Rückenschmerzen..vom Liegen…

Ich denke ständig, daß er die Nacht nicht überlebt…den Tag nicht übersteht…aber andererseits auch nicht. Er ist schwach..aber es ist noch nicht soweit. Es kann noch Wochen dauern, in denen er sich so quälen muss..vielleicht sind es auch nur noch ein paar Tage..oder Stunden..ich weiß es einfach nicht..er ist so schwach, dann geht es wieder besser…aufstehen kann er aber gar nicht mehr…hinsetzen ist mit Schmerzen verbunden, wegen seinem Rücken…ist er klar?, ist er nicht mehr ganz da..ich weiß es einfach nicht.

Ich bin für ihn da und weiche nicht von seiner Seite..das ist das Wichtigste…es tut so weh..man kann es sich nicht vorstellen…Sterben ist ein Prozess..ein hässlicher, wenn es um Krebs geht…

Er will immer noch keinen sehen…es soll immer noch nicht niemand wissen…aber ich spüre irgendwie, daß ich wenigstens seinen Geschwistern ein Zeichen geben muss..auch wenn er sich dann hintergangen fühlt, und er niemanden (bis jetzt) sehen will…aber ich denke, es muss einfach sein..aber vielleicht kommt auch bald der Punkt, an dem er selbst sagt – hole alle herbei…

Bis dann

Morphium

Der Vormittag lief so lala.Schatz war schach, konnte aber meckern, wenn ich was nicht schnell, genug, oder richtig gemacht hatte. Die meiste Zeit war er aber ruhig und ist nur gelegen. Meistens döst er vor sich hin. Er hat so Kopfschmerzern..

Gegen halb 1 Uhr kam dann der Hausarzt. Ihm bot sich ein Blick des Elends, denn Schatz hatt sich kurz vorher wieder rumgedreht um aus dem Bett zu kommen. Demenstprechend lag er ganz schief da. Der Hausarzt gab Schatz eine MorphinSpritze und gab mit ein Rezept…Fentanylpflaster. Ich solle heute Abend eines drauf machen und dann alle 3 Tage wechseln.

Schatz wurde merklich ruhiger, die Kopfschmerzen gingen aber nicht ganz weg. Dok sagte zu mir, warum ich ihn nicht in ein Krankenhaus bringen würde, da wäre er doch besser aufgehoben. Ich erklärte ihm, daß wir die Woche im KH waren und Schatz unbedingt wieder Heim wollte..er will nicht von zu Hause weg..aber die schaffen das nicht, sie werden das nicht schaffen – sagte Dok weiter, nicht ohne Hilfe…ich weiß sagte ich, aber er lässt keinen an sich ran…vielleicht ändert sich das noch, sagte ich weiterhin..

Der Dok wünschte alles Gute und ging wieder. In der Apotheke mussten die Pflaster erst bestellt werden, war mir aber klar..als ich sie am Abend abholen konnte, wollte Schatz aber keines haben. Er ist sehr ruhig.

Kopfschmerzen ja, aber scheinbar nicht mehr so wie es vorher war. Er hat Durst. Erst wollte er immer seine Fanta, die Nacht über nur Wasser..heute wieder Fanta…aber egal was, es muss eiskalt sein. Ihm ist dauernd schlecht, aber das kann vom Morphium kommen.

Er bricht aber nicht und auch Husten sehr wenig. Das Blut ist etwas zurück gegangen, es ist viel Schleim…mal mehr mal weniger blutig. Er redet nicht. Wenn er was sagt, ist es kaum verständlich. Akkustisch. Ich bemühe mich zu verstehen was er möchte. Klappt meistens.

Die Nacht war blöd für mich. Ich habe nur Stundenweise schlafen können. Ich bin müde. Hatte Schatz immer im Auge. Er hat Atemaussetzer gehabt. Heute ist wieder alles anders..er atmet regelmäßig, ohne aussetzer. Ruft nicht um Hilfe.Er hat Rückenschmerzen. Er liegt ja nur auf dem Rücken und hat sowieso immer Probleme mit dem Rücken…blöd…wenigstens behält er seine Schmerztropfen drin.

Ich dachte wieder, in den letzten 2 Tagen, jeden Moment ist es soweit. Dann verlässt er mich…es sind immer so Schübe, dann geht es wieder…Sterben ist eine hässliche Angelegenheit…eine qualvolle…

Jetzt tagsüber schläft er viel. Ich versuche das zu nutzen und schlafe auch viel. Nachts klappt das zur Zeit ja nicht so. Ich war heute morgen schnell die typischen Samstagserledigungen machen und habe dann geschlafen..bis eben..lege mich gleich auch noch mal eine Stunde hin.

Ich schreibe hier ungefiltert und unzensiert. Aber das was ich schreibe, und sei es teilweise doch sehr intim – ist dennoch nur die Spitze des Eisbergs…nicht das ich mich an alles nicht erinnern könnte…manches gehört einfach nicht hier her…öffentlich..es sind viele Dinge die er macht, viele Dinge die er sagt, Dinge die ich erlebe – die nur in meinem Herzen bleiben sollen..aber mein Krebstagebuch gewährt einen kleinen Einblick in den Vorgang des Sterbens an Krebs. Es ist nichts romantisches daran, es ist nicht wie es im Film gezeigt wird…es ist Echt…grausam…die Wahrheit.

Ich will ihn nicht verlieren, ich gebe alles dafür, wenn er doch nur gesund sein könnte…aber weniger will ich ihn sich so quälen sehen…wäre es doch nur schon vorbei…wäre er doch erlöst…könnte er doch nur gesund werden…einfach so…warum geht das nicht…

Heute ist Tag 3 an dem er seine Tabletten nicht genommen hat..gar keine…keine gegen hohen Blutdruck, keine Epilepsiemedis, kein Kortison…auch nichts gegessen…seine Beine sind schon wieder sehr dünn geworden…er hat aber Durst und trinkt immer mal ein paar Schlucke. Der Urin ist wieder sehr dunkel..braun…er kann nicht mal mehr aufstehen, damit ich ihn auf die Toilette fahren kann. Er kommt nicht mal auf den Toilettenstuhl…auch nicht mit meiner Hilfe…zum Glück habe ich die Bettpfanne.

Er ist sehr ruhig. In sich gekehrt. Schwach. Sein Blick geht ins Leere. Er schaut zum Tv, aber schaut nicht hin. Manchmal nimmt er meine Hand und küsst sie. Ich küsse ihn oft auf den Mund. Stille. Ein Lächeln. Er sagt was, ich verstehe ihn kaum. Er wiederholt es nicht. Er winkt ab.Ich frage dann, ob er trinken möchte, ihm kalt ist, …

Er nickt, oder sagt ein leises klägliches Ja..oder er schüttelt den Kopf…seine Augen sehen so erschöpft aus. So traurig…

Bis dann

Nebel

Heute ist es düster draussen, Viel Nebel, kalte Temperaturen. In der Wohnung haben wir in der Küche 28 Grad, im Wohnzimmer 25 Grad…Ofen sei Dank…

Den Tag über gestern, hat Schatz viel geschlafen. Immer wenn er wach war, stöhnte er bei jedem Atemzug. Er bricht. Er hustet Blut aus. Dunkelrot. Er hat rasende Kopfschmerzen. Ich gebe ihm seine Tropfen. Er kann sie entweder nicht schlucken – oder er bricht sie gleich wieder aus. Hilfe…Helf mir, sagte er immer wieder. Ich halte seine Hand. Er schwitzt starkt.

Gegen Abend habe ich ihm wieder versucht Schmerzmittel zu geben. Die Tropfen gebe ich in Fanta und ich sagte ihm, mache kleine Schlucke. Nicht alles auf einmal…diesmal behielt er es drin und die Schmerzen gingen etwas zurück. Er hielt sich aber immer wieder seinen Kopf und sagte mit verwaschener, leiser schwacher Stimme – Kopfschmerzen.

Er weinte kurz. Es tut mir so weh ihn so zu sehen – und ich kann ihm nicht helfen, kann ihm nichts abnehmen.

In der Nacht, die teilweise wieder sehr unruhig war, stöhnte er manchmal – Mama – er ruft nach seiner Mutter…er sagte auch immer wieder, er muss weg, er muss hier jetzt weg, helf mir, er rief mich…er sagte immer wieder Baby, wo bist du..ich bin hier und hielt seine Hand. er öffnete seine Augen einen Spalt und sagte immer wieder Baby… (unser beider Kosenamen)

Ich sterbe..ich weiß das ich sterbe..zwischendurch schlief er immer wieder mal ein. Hieöt sich seinen Kopf. Manchmal sollte ich ihm hochhelfen, das er sich setzen kann. Dann aber gleich wieder hinlegen…

Helf mir zu sterben..schnell…das hat mir dann endgültig meine Fassung entrissen und ich fing an zu weinen. Ich hielt seine Hand und streichelte ihn. Mehr kann ich nicht machen…plötzlich kam ein großer Schwall aus seinem Mund. Er erbracht sich im Liegen. Ich machte ihn sauber, wechselte die Bettwäsche…alles schnell, damit er nicht friert.

Ich versuchte ihm nochmal Schmerzmittel zu geben. Er kann es nicht schlucken. Gegen 2 Uhr Nachts etwa, wurde er ruhiger und schlief länger. Ich hatte mich auch hingelegt und konnte 2 Stunden schlafen, bevor ich von seinem Stöhnen wieder aufgewacht war. Ich sah, wie er versuchte das Bett zu verlassen. Wo willst du hin? Ich muss weg hier…jetzt…ich kann nicht mehr..

Ich nahm ihn zärtlich und legte ihn wieder hin. Baby, rief er und ich hielt seine Hand. Alles gut Baby, sagte ich zu ihm.Alles ist ok…schlafe wieder..Er sagte mit schwacher Stimme einfach nur – Ja..ich schlafe jetzt..

Er quält sich so…es tut so weh…heute morgen wollte er einen Arzt. Ich habe unseren Hausarzt angerufen. Dann wollte er ins Krankenhaus und ich sagte ihm, daß er dann aber gleich wieder nach Hause will…stimmt, meinte er. Heute morgen ist er „fitter“..ich erkenne das daran, daß er seine Stimme wieder erheben kann, deutlich spricht und mich gereizt behandelt.

Ihm ist schlecht…wir haben jetzt 10 Uhrmorgens, hoffentlich kommt der HA bald…dann sehen wir weiter…ich hoffe nur, da SChatz nicht leiden muss..keine Schmerzen haben muss und auch nicht gereizt sein muss..das strengt auch an..

Seit gestern hat er keine seiner Tabletten genommen, wie denn auch…gegessen hat er auach nicht und trinken geht immer nur Schluckweise..es ist nicht viel…

Bis dann

Bergab…

Gestern war ein ruhiger und entspannter Tag, als wir zu Hause waren…den ganzen Tag über, bis in den Abend rein war Schatz vergnügt. Nicht ganz bei sich, verwirrt und hat viel Stuss geredet. Ich bin darauf eingestiegen und wir hatten beide Spaß und waren ganz entspannt. Haben viel gelacht und Schatz hat alles zugelassen..wie ich ihn anfasse usw…hat sogar, als ich echt was blödes gemacht hatte, nicht gereizt reagiert, sondern ganz gelassen…ich dachte mir am Abend, das sie ihm bestimmt was gegeben haben..müssen…man merkt das einfach..ich hätte ja auch fragen können (die Ärztin) habe ich aber vergessen..naja egal auch…

Am Abend wollte Schatz einen Kakao, einen Kaffee und ein Weberli. Die isst er am allerliebsten. Später gab es dann noch eine Bratwurst im Brötchen. Auch wieder mit Kakao. Auf einmal wurde er ganz müde und fing auch wieder an etwas gereizt zu wirken…um halb 9 Uhr habe ich dann das Bett aufgeklappt und Schatz ist sofort eingeschlafen. Zuvor sagte er noch, daß es schön ware mal etwas länger zu schlafen. Ich stimmte zu und küsste ihn.

Ich konnte aber noch nicht schlafen..ich konnte schon, aber es könnte noch jemand vorbei kommen. Und so war es auch..gegen 9 Uhr klopfte es an der Tür und ich verströstete einen Freund auf einen späteren Zeitpunkt. Dann konnte ich mich auch hinlegen und habe mir erst noch einen Film angesehen, bin dabei aber eingeschlafen. Gegen 1 Uhr Nachts bin ich geweckt worden. Schatz musste pinkeln – kein Problem…dann ging es aber los…

Schatz war es furchtbar kalt. Er schrie mich an, ich solle was machen, ihm ist soo kalt. Ich gab ihm meine Bettdecke, er hatte seine und eine zusätzliche KuschelCouchdecke und mümmelte ihn ein. Das reicht nicht, mir ist kalt schrie er mich an. Ich machte ihm einen Tee und füllte eine Wärmeflasche. Ich legte diese in seinen Rücken. Schatz beruhigte sich langsam wieder. Ich hielt ihn in meinen Armen und streichelte ihn. Er ist dann wieder eingeschlafen mit den sanften Worten – Bis später.

Gegen 3 Uhr ist er bzw. ich wieder aufgewacht. Ich bemerkte wie unruhig Schatz ist. Ich schoß hoch und erkannte, er zieht sich aus. Er versuchte seine Socken auszuziehen, dann seine Hose. Völlig im Delir sagte er – mache es auf, mach es auf jetzt schnell…ich zog ihm seine Hose aus, seine Strümpfe und auch sein T-Shirt. Er friert und er schwitzt. Ich wickelte ihn wieder in alle 3 Decken ein und Schatz stöhnte laut bei jedem Atemzug. Irgendwann wurde er ruhiger und schlief wieder…ich konnte ab da nicht mehr schlafen..

Ich wusste, daß ist auf keinen Fall normal…bald danach ist er aufgewacht und hat gurgelnde Geräusche von sich gegeben. Ich reichte ihm ein Zewa und es war dunkelrot..

Jetzt haben wir gleich halb 12 Uhr und er schläft nur, hat rasende Kopfschmerzen, muss öfter brechen und immer ist es Blut, und etwas Bratwurst von gestern Abend. Das ist nicht gut…ich muss nicht weinen…ich bin an seiner Seite und streichel ihn. Manchmal stößt er mich weg, aber dann streckt er die Hand wieder nach mir aus. Es sind jetzt nur noch ein paar Tage, vielleicht sogar nur Stunden..heute Nacht war es so schlimm, da dachte ich – nun ist es das Ende.

Er ist nach wie vor ganz nackt und will sich nichts anziehen..lassen..eben musste er wieder brechen..Blut…Bratwurstreste, Schleim…er ist schwach.

Ich bin soweit..endgültig..es zerreißt mich in Milliarden Stücke und mein Herz tut so unendlich weh…aber ich bete um Erlösung..

Gestern sagte er mir noch, bzw. heute Nacht, warum sterben so lange dauert….warum kann er nicht einfach gehen…als ich ihn auszog, zog er sich auch an seiner Haut. Das muss runter, sagte er, ich muss aus diesem Körper raus…ich kann nicht mehr, ich schaffe das nicht. Ich bin Tod..

Ich kann nicht weinen..noch nicht, ich bin zu angespannt. Bin in seiner Nähe und achte auf alles. Das er es warm hat, wenn er brechen muss, wische seinen Mund ab und streichel ihn.

Ich sagte ihm heute Nacht immer wieder, das es ok ist. Es ist nicht schlimm. Es ist alles Gut.

Er stöhnt bei jedem Atemzug. Er hat Schmerzen. Kopfschmerzen. Zwischendurch sagt er: Hilfe…Hilf mir…

es tut sooo weh..ich kann ihm nicht helfen, nur bei ihm sein…

..ich dachte nicht, daß es jetzt so schnell geht..wieder eine Phase ohne Atemaussetzer, ganz ruhig. Kein Rasseln, kein Gurgeln, ganz ruhig..wie er eben liegt…er sagte eben – gehen wir jetzt nach Hause? Ich sagte ihm:Ja – wir gehen jetzt nach Hause. Er legte sich wieder hin, nachdem ich ihm aufhelfen sollte und sagte: Ja gehen wir nach Hause…

Schatz ich liebe dich!

Bis dann..

 

 

Risperdal, Krankenhaus

Die Nächte sind wieder schwierig. Er schläft halt schlecht und wenn, nicht lange…Ich habe ihm gegen halb 5 Uhr (vorgestern) dann eine Risperdal gegeben. Er hat sich auch relativ ohne Diskussion genommen, nachdem ich ihm erklärt habe für was das ist. Eine dreiviertel Stunde später ist er wieder, wegen nichts, total ausgeflippt und ich dachte, mir – oh Scheisse, wirkt nicht..aber schon kurze Zeit später war alles deutlich entspannter. Er war entspannter und hat sich nicht schnell über alles aufgeregt, war wieder etwas gelassener. Der Abend ist dann ruhig verlaufen, mit schönen Momenten.

Es ist teilweise auch das Gegenteil eingetreten…er sprach darüber, daß er spürt, daß er stirbt. Wenn nicht heute, dann morgen, oder übermorgen. Er muss weg…

Vor der Risperdal hat er mich angeschrien, wenn er was nicht wusste…also er schrie mich an – er weiß nicht wie man trinkt, aber richtig heftigeben…es ist die Hilflosigkeit die aus ihm heraus schreit. Ich sagte ihm dann, daß er das Glas in die Hand nimmt, an dem Mund bringt und solange das Glas hebt, bis er was nasses am Mund spürt. Dann schlucken. Das klappt dann immer auf Anhieb. Auch mit den Tabletten. Er weiß nicht wie man die nimmt…ich erkläre ihm dann, er nimmt die Tablette in den Mund, nicht kauen, sonder was trinken und die Tablette runterschlucken. Klappt wie gesagt auf Anhieb, aber ohne das ich es ihm sage, geht es nicht…

Die darauf folgende Nacht war schlimm. Er konnte nicht schlafen und hat schlecht Luft bekommen. Am Morgen ging es dann wieder…erstmal….am Mittag  bekam er wieder schlecht Luft und wollte eine Tablette nach der anderen. Ich gab ihm erst die Tabletten, die er sowieso bekommen hätte. Die helfen aber nicht für´s bessere Atmen..er verlangte ständig eine Tablette und ich konnte ihm keine geben…sagte ich ihm auch. Dann sprach ich den unausprechlichen Fluch aus. Ich sagte: Soll ich einen Rettungswagen rufen, dann fahren wir in die Klinik und da können dir was geben. Er sah mich an – ich weiß nicht wie….ich sprach weiter: Wenn die dir dann geholfen haben, fahren die dich wieder nach Hause..

Es war gegen 13 Uhr und erst war er einverstanden, dann meinte er, es ginge auch so. Er schlief erst wieder kurz ein..als er wieder aufwachte, sagte er mir mit einer Stimme die ich nie vergessen werde: Rette mich

Kurz vor 14 Uhr habe ich dann einen Rettungswagen gerufen. Er ist auf einmal zusammengebrochen. Er streckte den Arm nach mir aus und ich legte mich an ihn ran. Er weinte und sagte: Dann sterbe ich nun doch unter fremden Menschen. Ich drückte ihn und sagte mit ersticker Stimme: Ich bin bei dir!

Dann sagte er: Ich hoffe das wir noch ein paar Tage haben…mich hat es zerrissen, als er das sagte..wie er es sagte…ich soll ihn nicht alleine lassen, ich muss bitte immer an seiner Seite sein. Ich drückte ihn noch fester und verprach ihm, daß ich natürlich bei ihm bin.

Im Krankhaus angekommen, ging er natürlich erstmal in die Notaufnahme. Da durfte ich nicht mit rein. Nach ca. einer Stunde wurde ich ausgerufen, daß ich zu meinem Mann darf. Blutdruck war völlig normal, seine Sauerstoffsättigung war bei 100 % und die Ärztin sagte noch, daß sein Blut gar nicht schlecht aussieht. Sie würden ihn die Nacht da behalten wollen. Erst sollte aber noch ein Röntgen von der Lunge und ein MRT vom Kopf gemacht werden. Schatz wollte wieder nach Hause…ich konnte ihn beruhigen und sagte ihm, daß die Untersuchungen wichtig sind, sonst muss ich in 3 Tagen wieder den Notarzt rufen. Er willigte ein..

Als er zum MRT gebracht wurde, bin ich schnell los und habe ihm eine Pizza geholt. Er hatte Mordshunger und den ganzen Tag nichts mehr gegessen..inzwischen war es auch schon 19 Uhr durch…

Er wollte nach Hause..ich überredete ihn aber, die Nacht da zu bleiben, sicher ist sicher..morgen gehen wir nach Hause – verprach ich ihm. Gegen halb 9 Uhr konnte er dann auf Station. Ich fragte ihn, ob er Angst hat..er verneinte, aber ich konnte an seinen Augen sehen, daß er schon Angst hat. Angst alleine zu sein unter Fremden und ich bin nicht da…ich blieb noch bis halb 10 Uhr und bin dann schweren Herzens los..musste ich ihn doch alleine lassen..in einer fremden Umgebung, in seinem (verwirrten) Zustand. Ich küsste ihn und sagte, daß ich ihn liebe. Er flüstere leise: Ich bin Stolz dein Mann zu sein..ich liebe dich. Ich sagte ihm nochmal, daß ich ihn liebe und sah, daß er Tränen in den Augen hatte. Es hat mir so weh getan.

In der Nacht konnte ich nicht schlafen. Ich bin zu unseren üblichen Zeiten aufgewacht und auch sonst habe ich schlecht geschlafen. Es hatte angefangen zu schneien..es bringt so eine melancholische Ruhe…

Heute morgen bin ich zeitig los, denn ich muss ja bei der Visite dabei sein. Als ich gegen halb 9 Uhr im Bus saß, schon kurz vor der Klinik, klingelte mein Handy. Es war die Ärztin dran und fragte, ob ich schnell kommen könnte. Ich sagte, daß ich in ca. 10 Minuten da sein würde und fragte was denn los sei. Sie sagte mir, er wäre sehr verwirrt und er randaliert. Schmeisst Gläser durch die Gegend und schreit rum. Nur seine Frau könne ihn beruhigen – hoffte die Ärztin…

In der Klinik angekommen bin ich schnell hoch auf seine Station und habe das Schlimmste befürchtet. Als ich ins Zimmer kam, lag er ganz ruhig im Bett. Es schien mir, als hätten sie ihn ruhig gestellt. Haben sie wahrscheinlich auch..ich begrüßte ihn, gab ihm einen Kuss und sagte, daß ich nun da bin. Ich fragte ihn, ob die ihm was gegeben hätten. Er sagte: Ja..weiß ich nicht…später sagte er, sie hätten ihm nichts gegeben…aber wie gesagt, mir schien es so…

Dann wurde er wieder etwas aufgeregt, er will jetzt nach Hause. Ich sagte ihm, daß wir auch nach Hause fahren heute…ich ging vor an den Schwesternthresen und fragte wegen einem Krankentransport. Die Schwester sagte mir, erst müsse die Visite durch, denn das muss mit dem Arzt abgeklärt werden. Die Visite sollte um halb 10 Uhr losgehen und es war vertel nach 9 Uhr..ich versuchte Schatz die ganze Zeit zu beruhigen und das wir ja bald fahren…es dauert eben eine Weile bis das Auto da wäre..er beruhigte sich mit der Zeit. Ich war ja da und versprach es ihm.

Gegen halb 11 Uhr kam dann die Ärztin und sie sagte halt das übliche. Normalerweise würde jetzt die Maschinerie anspringen, Behandlung usw. Da er aber palliative Behandlungen ablehnt, respektiere sie den Wunsch. Nur hat die Medikamente wären halt schon wichtig..kein Problem sagte ich. Sie sprach auch sein Verhalten an und wie es zu Hause so ist..wegen der Pflege usw. Ich sagte ihr, daß niemand an ihn ran darf ausser mir..sie nickte und meinte, ja das hätten hier alle gemerkt. Er hat auch seine MorgenTabletten verweigert. Ich muss sie ihm geben, selbst dann diskutiert er ja noch, aber er nimmt sie…ich habe dann einen Zettel unterschrieben, daß er gehen darf. Er muss den eigentlich unterschreiben, aber das kann er nicht…und ich habe ja die Vollmacht. Die Ärztin bestellte dann einen Transport und sagte, es dauere etwa 1 Stunde..Schatz war kurz vor dem ausflippen. Ich konnte ihn beruhigen. Die erste halbe Stunde Wartezeit war er sehr knatschig und ich versuchte alles…dann wurde er ruhiger und wir haben gelästert,Witze gemacht und uns aus zu Hause gefreut. Nach 2 Stunden kam dann endlich der Transport. Irgendwie gingen die auch relativ schnell rum…zum Glück.

Als wir zu Hause ankamen, die Pfleger haben ihn bis auf die Couch gebracht, er kann ja nicht laufen – habe ich erstmal eine Pizza gemacht, einen Kakao und einen anständigen Kaffee. Schatz war zufrieden und ganz ruhig. Er redete viel Stuss…die Verwirrtheit eben, war aber vergnügt und guter Dinge…Nach der Pizza ist er eingeschlafen und freute sich jedesmal, wenn er die Augen aufmachte, daß ich da bin.

Ich bin mal auf den Arztbrief gespannt, vor allem auf das Blutbild…das sein Verhalten von der wachsenden Metastase kommt, war klar…dazu brauche ich keinen Arzt, oder ein MRT…

Bis dann

Echt anstrengend

Vorgestern Nacht: Schatz hat den ganzen Tag fast geschlafen. Nachts war  er dafür aktiv..eigentlich

h nicht so..erst ist er um 1 Uhr aufgewacht, pinkeln, hat sich gleich wieder hingelegt…dann ist er um 3 Uhr aufgewacht und ich merkte schon, daß die Stimmung kippt. Er hat gepinkelt und saß dann einfach nur da…ich lege mich wieder hin, mit einem Auge offen..ich warte immer bis er wieder einschläft, bis ich einschlafe…

Plötzlich sagte er mit einem harschen Ton, daß er einen Kaffee will..und was essen…ich stand auf und machte ihm einen Kaffee und gar ihm seine kalte Pizza aus dem Kühlschrank…es war gut, daß ich nichts sagte..hätte ich gesagt, es ist 3 Uhr Nachts, es gibt jetzt keinen Kaffee, hätte er wieder einen Tobsuchtanfall bekommen…das wollte ich halt vermeiden…er trank seinen Kaffee und aß seine Pizza..danach schlief er wieder..

Der Tag war nur mit geschrei und getöse verbunden.  Nichts habe ich richtig gemacht. Ich fasse ihn nicht richtig an, ich mache das falsche Essen, Besucher nerven usw…hört sch lapidar an, aber man muss ihn dabei erleben…Abends ging es dann eine Weile wieder recht gut und normal zu. Aber es reicht ein kleiner Reiz, ich weiß nicht mal welchen, und er flippt total aus..

Gestern Nacht: Zunächst schlief er wieder früh ein..dann Nachs raus. Er wusste nicht wo er war, was er war, was los ist. Pinklen hat aber geklappt. Er schläft tagsüber ziemlich viel, wenn er mich nicht gerade anschreit und rumkommandiert, dementsprechen in der Nacht schlecht. Trotz Schlafmittel.

Gegen 4 Uhr war er wieder wach und wollte aufstehen. Ich sagte ihm, es sei zu früh. Er legte sich knurrend gegen halb 5 wieder hin und schlief gleich ein. Gegen halb 8 sind wir aufgewacht und aufgestanden. Er fing direkt an zu schreien, warum er nicht um 4 Uhr aufstehen dürfte. Er beschimpfte mich wüst. Er hat sich so in Rage gebracht, daß er ein Kissen nahm und es quer über den Tisch zog. Die Kaffeetasse flog natürlich und alles andere…er schrie mich an, ich solle das aufwischen. Schneller…Lahmarsch..noch schneller…mach das sauber!

Ich möchte gar nicht wiedergeben was er alles gesagt hat…ich konnte mich nur bemühen alles so zu machen, wie er es will…

Ich soll überhaupt alles machen wie er es macht. Gestern sagte ich ihm, daß ich nicht er bin – sondern ich, und Dinge anders mache. Ich soll aber alles machen wie er es macht…er kommandiert mich extrem rum, damit ich es mache wie er es will….zB wollte er gestern, daß ich die Wohnungstür aufmache..und dann wieder zu…einfach nur, weil er es so wollte…das war noch die harmlose Sache…wenn ich nicht sofort pariere, schreit er mich an. Beschimpft mich. Beleidigt mich.

Gestern fing er an mir Gewalt anzudrohen…das war dann der Punkt, in dem ich beschloss ihm ein Medikament zu holen. Gegen diese Aggressionen.

Bevor er mich gefährdet, ist es besser so..ich war dann heute morgen beim HA und erklärte ihm die Situation. Er schrieb mir ein Medikament auf, das nennt sich Risperdal. Ich hoffe das es wirkt und die Aggressionen nachlassen. Es ist ja auch wegen was anderem…er will seine Ruhe und schimpft und flucht, und niemand soll an der Tür klopfen. Ich sagte ihm, (wegen dem Geschäft) wie ich dann die Miete zahlen soll, wenn keine Kunden mehr kommen dürfen..es sei ihm egal, er will niemanden sehen, hören usw…schon gar nicht soll ich hinter seinem Rücken Geschäfte machen….er bestimmt alles und das mit Nachdruck…

Als ich heute vom HA wiederkam und die Tür aufschloss, war ich froh Schatz nicht auf dem Boden liegen zu sehen..das änderte sich schnell, als ich ins Wohnzimmer kam. Er saß vor der Couch, und sah mich jämmerlich an. Er sagte, er sei froh das ich wieder da bin. Ich schmiss meine Jacke und den Einkaufe in die Ecke und half meinem Schatz hoch auf die Couch. Dann zog ich ihm die nassen Sachen aus. Diesmal hat er es nicht geschafft die Ente alleine zu benutzen. Ich zog ihm also frische Sachen an und wischte den Boden. Alles wieder gut….keine 10 Minuten später war das dankbare und hilflose Verhalten vorbei und er fand wieder einen Grund mich anzuschreien und zu toben..

Ich hoffe das Medikament hilft…es kann so nicht weiter gehen…vorhin, trotz dem angemecker wie unfähig ich doch sei, sagte er mir, es dürfe ihn niemand ausser mir anfassen…ich sagte ihm, daß es auch niemand macht ausser mir…ich habe es ihm versprochen…ich halte mich daran..ich versuche es mit aller Macht.

Bis dann

Wechselbäder

Vorgestern Nacht war gut…Schatz ist einmal um 2 Uhr ca., dann gegen 4 Uhr afgewacht und musste pinkeln. Im Gegensatz zu den anderen Nächten, hat er kein „Theater“ gemacht und war ganz ruhig. Wir haben gepinkel, er hat sich wieder hingelegt und ist gleich wieder eingeschlafen. Gestern Nacht war es fast genauso. Einmal um halb 1 Uhr, dann gegen 4 Uhr wieder. Als er um halb 1 aufgewacht war, war alles soweit in Ordnung, ausser das ich erst gegen halb 12 eingeschlafen war…ist nicht schlimm..

Als er um 4 aufgewacht war, meinte ich erst, es würde wieder anstrengend. Er hatte Tendenzen. Er fragte mich, was er macht, wo er ist, was das alles soll…ich beruhigte ihn mit ruhigen Worten und bat ihn wieder zu schlafen. Er legte sich leicht widerwillig hin. Ich bin sofort eingeschlafen…oder so…ich hörte ihn ständig murmeln, wann es denn Zeit wäre zum Aufstehen. Ich sagte ihm, daß 4 Uhr morgen doch etwas zu früh sei…für mich zumindest…

Vorgestern Tag: Er sagte mir den Tag davor, daß er „lieb“ zu mir sein würde…daraus wurde nichts..morgens ging es zwar recht normal zu, aber ab Mittags schrie er nur noch rum. Er war unzufrieden. Ich habe alles falsch gemacht und war sowieso blöd. Gegen Abend wurde es immer schlimmer. Ich konnte niemanden reinlassen. Unser Nachbar kommt täglich vorbei…auch andere Freunde, die ich vertrösten musste. Ich sagte dem einem, er würde grade schlafen und anderen – Schatz ist krank..Grippe…kommt immer darauf an, wie „nah“ uns der jeweilige Freund/Besuch ist.

Gestern Abend, später am Abend, wurde Schatz ganz sanft und ruhig. Er entschuldigte sich wieder und sagte mir – im Grunde ist es ihm ja egal…er schrie mich am Tage an, das mich die Kunden abziehen und betrügen würden und ich würde es nicht raffen. Ich bin ja sowieso doof dumm und blöd…Abends sagte er das Gegenteil und eben, daß es ihm ja egal sein kann..er ist eh nicht mehr lange da…ich bin niemals böse mit ihm, wenn er mich anschreit, mich beleidigt…er kann nichts dafür…es ist nicht er…ich verstehe das, auch wenn es echt anstrengend ist, dabei ruhig zu bleiben und zu versuchen ihn zu beruhigen.

Den ganzen späten Abend war er super lieb zu mir. Wir haben gekuschelt, gewitzelt, geredet und alles war „wie früher“.

Heute morgen, schon so ab 4 Uhr, sagte er immer wieder, es wäre irgendwas komisch…anders..Er weiß nicht was es ist, aber er würde es deutlich spüren. Alles ist komisch…er weiß nur nicht was..um halb 7 war die Nacht dann auch endgültig für mich vorbei.. Schatz konnte einfach nicht schlafen…

Er sagte dann später, ich spürte wie sich wieder aggressionen stauten, das er kurz vor´m durchknallen wäre. Ich nahm ihn in den Arm. Er lehnte sich an mich ran.

Schatz schläft tagsüber wieder viel mehr…Nachts dementsprechend eben schlecht. Ich habe oft im Internet gelesen, daß es zu einer Tag/Nacht Verschiebung kommt…es wird alles nicht leichter…neulich habe ich mich dabei ertappt, daß ich darüber nachgedachte hatte, ihn doch in ein Hospiz bringen zu lassen. Ich war selbst erschrocken darüber. Das kommt für mich nicht in Frage! Ich weiß nicht woher ich die Kraft habe das alles durchzustehen, aber ich habe sie! Sicherlich habe ich Momente in denen ich überfordert bin…aber er ist mein Mann und er will zu Hause sterben und ich habe es ihm versprochen! Wenn er nicht mehr da ist, kann ich mir immer noch Hilfe suchen – falls nötig…aber so bin ich nicht…ich bin stark und habe schon andere extreme emotionale Sachen gestemmt…was es mit mir letztenendes macht, kann ich nicht sagen…das wird die Zukunft zeigen..auch wenn dieses eine Ausnahmesituation ist…

Ich lasse meinen Mann nicht alleine, auch wenn er noch so schimpft, noch so aggressiv ist, noch so beleidigend und abwertend ist. In den klaren Momenten, die gefühlt immer weniger werden, weiß er selbst, was er mir antut und es tut ihm mehr weh als mir…er kann es nicht kontrollieren..

Wenn er so böse zu mir ist, ist es nicht mal das schlimmste für mich…schlimm ist es zu sehen, wie ein geliebter Mensch zerfällt..körperlich und seelisch und ich kann ihm nicht helfen..er selbst kann sich nicht wehren, auch wenn er mit aller Macht dagegen kämpft.

Ich könnte Beruhigungsmittel holen…aber er diskutiert mit seinen „normalen“ Tabletten schon extrem. Auch wenn er sie anstandslos nimmt, wenn er „klar“ ist heisst das nicht, daß er sie nimmt, wenn er seinen Tobsuchtsanfall hat…

Der Tag heute ist noch jung, und er sagte mir gestern, daß er keine Lust mehr hat rumzuschreien..aber das liegt eben nicht in seiner Macht…auch wenn er es nicht will, es passiert einfach…

Bis dann

 

Herbst

Es ist trüb und dunkel seit ein paar Tagen. Das drückt die Stimmung. Ich habe Kerzen brennen, damit es ein einigermaßen heimeliges Gefühl gibt.

Schatz war gestern Nachmittag auf einmal wieder richtig schlecht gelaunt und dementsprechen schnell gereizt. Nichts konnte ich Recht machen, alles was ich sagte war falsch und alles was ich tat sowieso. Eine Freundin war gestern da und Schatz griff mich vor ihr an. Verbal natürlich. Unsere Freundin war sichtlich geschockt und sagte, daß sie uns so ja gar nicht kennt. Erst beruhigte Schatz sich wieder, aber unsere Freundin zog es dann doch schnell vor wieder zu gehen….war auch nicht das Schlimmste, denn sie war auch nicht gut drauf…das kennen wir aber von ihr..sie ist manisch-depressiv und eben wieder mal in ihrer Abwärtsspirale drin. Aber ich habe keine Kraft, Zeit und Lust mich um sie zu kümmern…

Gegen Abend kamen ein Freund (nennen wir ihn mal Geisenheimer) und unser Freund und Nachbar (nennen wir ihn Rumpelstilzchen) vorbei. Wieder war Schatz sehr aggressiv mir gegenüber. Ich konnte aber mit lockeren Sprüchen alle zum lachen bringen, auch Schatz. Jeder bemerkte aber die gereizte Stimmung. Aber es ging dann ganz gut eigentlich…die Zeit in der unsere Freunde da waren..

Als Geisenheimer nach Hause fahren wollte, bin ich mit ihm raus damit ich den Poller im Hof wieder aufstellen konnte. Draussen fragte er mich, was denn mit Schatz los sei. Ich erklärte ihm, daß er genervt sei wegen Rumpelstilzchen…ist so nicht mal gelogen, denn Schatz hat die letzten Jahre immer mal wieder einen Prass auf Rumpelstilzchen…er ist manchmal echt „klatsch ihn gegen die Wand“ – und so auch in letzter Zeit wieder…Geisenheimer verstand das sofort, denn auch er war leicht genervt von Rumpelstilzchen. Mein Glück..so konnte ich glaubwürdig ablenken von dem was wirklich los ist….

Gestern Abend im Bett war Schatz auf einmal wieder ganz sanft. Er schaute mich mit trauriger Mine an und entschuldigte sich für sein Verhalten. Ich weiß – sagte ich, und mache dir keine Sorgen. Er versprach mir, daß er morgen lieb sein würde zu mir. Lächelnd dachte mir – ja mal sehen…es ist ja nicht seine Schuld, es sind die Metastasen die in seinem Frontalhirn wachsen…Wesensveränderung…er bekommt mit, wenn er aggressiv ist, kann es aber nicht kontrollieren, abstellen..

Ich küsste ihn zur Guten Nacht und wünschte ihm schöne Träume…Schatz ist auch gleich eingeschlafen..ich lag noch eine Weile wach..

Nachts um halb 3 Uhr etwa wachte er auf, er musste mal…soweit kein Problem…dann fing er aber an wieder zu schimpfen…warum er seine Tabletten nicht bekommt…ich sagte ihm, es sei zu früh, er würde das Kortison erst um 6 bekommen bzw spätestens um 8 Uhr – wie immer..

Das sei alles Lüge, er will sein Kortison jetzt haben…was macht eine halbe Stunde denn schon aus…ich erklärte ihm, daß es zu früh ist…3 Stunden zu früh…alles Lüge und ich soll aufhören zu Widersprechen! Sehr aggressiv…ich gab ihm dann seine Kortisontabletten…alles andere hätte in einer Katastrophe geendet, er ließ sich nicht abbringen…

Inzwischen war es viertel nach 3 Uhr und er wollte nochmal Kortison…ich sagte ihm, daß Dok gesagt hat er soll 6 mg bekommen…LÜGE alles LÜGE…er will mehr Kortison…bevor ich lange rumdiskutierte gab ich ihm noch mal 6mg…er wollte dann noch eine Schlaftablette und ich gab sie ihm. Die ist nicht teilbar, aber er bestannt darauf das dem so ist…er wollte dann die Packung sehen, damit ich ihm nichts anderes gebe…angeblich eben..

Die Schlaftablette ist nicht teilbar – aber in seinem Kosmos schon…die Tablette hat keine Brechrille, sie ist auch ganz klein…er biss sie durch und nahm eine halbe…abgebissene eben und er sagte, ich soll aufhören immer Recht behalten zu wollen…ich sagte nichts…besser…

Gegen halb 4 legte er sich wieder hin und schlief recht schnell ein…er hatte den Fernseher angemacht und ich konnte nicht schlafen…der Tv bleibt an! Als er eingeschlafen war, habe ich wenigstens die Lautstärke ausgemacht..das Licht stört mich nicht weiter, aber eben wenn es „laut“ ist..er hat das nicht bemerkt und so konnte ich um halb 5 Uhr auch wieder einschlafen..

Gegen halb 7 Uhr war die Nacht dann wieder vorbei…er wollte Kaffee, den brachte ich ihm..er wollte Frühstück – seine Pizza – ich machte sie ihm…aber falsch! Er wollte eine kalte aus dem Kühlschrank. Die hat er aber gestern Abend bereits gegessen und ich haben den „Fehler“ gemacht, nicht noch fertige kalte Pizza im Kühlschrank zu haben..also habe ich eine frische in den Ofen gepackt…war natürlich falsch und er schimpfte…aß die warme aus dem Ofen dann aber doch…

Der Tag ist noch jung…er gibt sich Mühe – ich auch…er fragte mich warum ich so finster schaue…ich sagte – alles in Ordnung, liegt am Wetter…

Bis dann