In guten und in schlechten Zeiten

Es ist jetzt ganz schön kalt geworden in den letzten Tagen. Zum Glück hatten wir schon Holz hier und seit 2 Tagen brennt unser Holzofen. Es ist ein fast göttliches Gefühl, wenn man nach Hause kommt, die Tür aufschließt und dann von der wohligen Wärme des Feuers empfangen wird. Gerade wenn es draussen so nass-kalt ist wie heute. Es ist als würde man in eine vorgewärmte Wolldecke gewickelt werden. Es ist einfach nur herrlich. Es macht zwar arbeit und eine Menge Dreck, aber für nichts in der Welt gebe ich meinen Holzofen wieder her.

Gestern ist der Tag ein wenig stressig verlaufen. Ich hatte viel zu tun und Schatz war ein wenig schlecht gelaunt. Ihn nervt das so, daß er nichts machen kann. Er will unbedingt, aber es fehlt ihm an Kraft. Ich kann nachvollziehen wie das ist. Es ist einfach Scheisse….es ist wie ein dasitzen und auf den Tod warten. Er spürt sehr wie ihn seine Kräfte mehr und mehr verlassen. Man kann sich das eigentlich nicht vorstellen. Wir vergessen wie es ist zu sterben. (Wiedergeburt-Thema)

Wir können nur hilflos mit ansehen wie es zu sein scheint, aber wir können es nicht nachfühlen.

Gestern sagte Schatz zu mir: Er hätte Verständnis dafür, wenn ich gehen wollte. Ich sollte doch auch besser gehen. Ich sagte: Wohin? und er meinte: Einfach nur weg von mir. Er sagte: Es tut mir so unendlich leid, daß du das erleben musst. Das du mit ansehen musst wie ich sterbe, wie ich zerfalle.

Ich sagte darauf: Schatz, ich werde nicht gehen. Habe ich dich geheiratet um dich jetzt im Stich zu lassen? JETZT?? In guten und in schlechten Zeiten heisst es doch. Es sind sicherlich super beschissene Zeiten nun, aber ich habe dich geheiratet und gehe jeden Weg mit dir. Ich gehe nicht weg…ich bin kein feiger Mensch, wie könnte ich dich alleine lassen. Wie sollte ich das vor allem mit meinem Gewissen vereinbaren? Stell dir vor ich bin weg. Ich hätte nur die Bilder vor Augen wie du leidest, immer mehr. Wenn du nichts mehr kannst und dir keiner hilft und beiseite steht. Ich hätte das Gefühl dich im Stich gelassen zu haben…

Er betonte wieder, daß er nicht wolle daß ich das alles mitmache und erlebe. Ich streichelte ihm über sein Haar. Ich liebe dich mein Schatz und es ist nun so wie es ist. Sicherlich haben wir uns was anderes vorgestellt, aber ob es jetzt soweit ist, oder wenn es in 10, 20 Jahren soweit wäre. Das spielt alles keine Rolle…ich bin da für dich und ich verlasse dich nicht. Denk nicht sowas. Du schützt mich damit nicht, im Gegenteil…

Er drückte mich und nickte und er bedankte sich bei mir. Ich sagte, danke mir nicht dafür. Das hat nichts mit Pflichterfüllung, oder sonst was zu tun. Ich liebe dich und alleine deswegen bin und bleibe ich bei dir.

Er schluchzte etwas und sagte: es ist nur, weil ich so genervt bin. Warum kann es nicht einfach schon vorbei sein? Warum dauert das so lange…wie lange dauert denn so ein Endstadium.

Ich weiß es nicht, kommt darauf an, meinte ich. Bei Bienschen hat es nach Diagnose 4einhalb Monate gedauert. Wie lange es bei dir ist, kann ich nicht sagen, daß kann niemand. Vielleicht noch eine Woche, vielleicht noch ein paar Monate..wer weiß das schon…

Er lachte kurz und sagte darauf – JA die Scheisse ist ja, ich sehe gut aus. Ich sehe nicht krank aus und wiege schon wieder über 70 Kg. Aber innerlich fühle ich wie ich immer kraftloser und zerfressender werde. Ich sagte wieder, daß ich das eben nicht wüsste…der Mensch kann sehr zäh sein.

Danach verlief dieses Gespräch in banale andere Themen über. Wir lästerten zB über unseren Nachbar und sowas eben.

Die Nacht verlief ganz gut. Schatz musste nur einmal aufstehen, sonst hat er gut durchgeschlafen. Er hustet kein Blut, ist aber sehr müde. Er ist das ja schon eine ganze Weile, aber ich denke das Wetter heute macht sein übriges dazu. Ich könnte auch nur schlafen, aber ich habe viel zu tun, muss mich um vieles kümmern.

Gleich gibt es erstmal was warmes auf den Tisch. Habe Hunger und mein Schatz erst. Er hat ständig Hunger…

Bis dann

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