Nebenwirkungen

oder geht es jetzt langsam richtig los….Heute Nacht war scheinbar gut. Schatz bekommt ein leichtes Schlafmittel, er hatte darum gebeten. Er schläft viel den ganzen Tag über und Nachts kann er dann nicht mehr schlafen. Er schläft zwar schnell ein und die Nächte sind gut bisher gewesen, aber er hat das Gefühl nicht richtig zu schlafen. Heute Nacht war es wie immer. Er ist schnell eingeschlafen und hat bis um 3 Uhr ca. geschlafen. Dann musste er hoch und ich habe ihn zur Toilette gebracht.

Mir ist weiter nichts aufgefallen. Heute morgen wusste ich dann, das nicht alles in Ordnung war. Er sagte mir, er wusste nicht was er tun sollte, als er auf Toilette war…es ist zwar nichts passiert, aber seine Aussage schließt darauf, daß er heute Nacht wieder leicht verwirrt war…es tut mir so weh, ihn so zu sehen..

Ich weiß jetzt nur nicht, ob das Nebenwirkungen von den Schlaftabletten sind (es steht sowas in den Packungsbeilage) oder ob es eben weiter fortschreitet…wahrscheinlich Nebenwirkungen, denn jetzt – tagsüber – ist er völlig klar und sortiert.

Schatz schläft heute nun schon den ganzen Tag…also er ist zwischendurch immer mal wach, aber die meiste Zeit döst er vor sich hin. Laufen geht richtig schlecht mittlerweile….am 09. November haben wir das obligatorische Familientreffen. Ich weiß nicht was bis dahin passiert, ob wir dahin gehen können. Schatz wird sich wahrscheinlich zusammenreissen und wir gehen hin und er setzt sich gleichzeitig den Blicken und  Fragen seiner Geschwister aus…vielleicht gehen wir auch nicht…ich kann es jetzt unmöglich sagen!

Er wird auch kaum die Kraft dazu haben, sich 2, 3 Stunden in ein Restaurant zu setzten..ich weiß es nicht…er ist immer für eine Überraschung gut, aber…

Heute Vormittag rief die AOK an. Die Dame am Telefon sagte mir, sie hätte den Antrag vor sich liegen und wollte uns ein Beratungsgespräch empfehlen. Ich sagte ihr, daß mein Mann am liebsten mit Nichts was zu tun haben möchte und sie lenkte sofort ein mit den Worten, daß man ihn (meinen Mann) ja nicht unnötig quälen müsste. Wenn ich aber Fragen hätte zur Pflege und Möglichkeiten, sollte ich sie anrufen. Ich nahm das an und sie verabschiedete sich mit den Worten: Alles Gute für sie..

Sie war sehr bedacht in ihren Worten und überhaupt nicht aufdringlich, nicht so wie ich es von der AOK eigentlich kenne…oder von anderen „Ämtern“ wenn angerufen wird.

Heute habe ich auch meinen Kürbis ausgehölt und geschnitzt und Fenster etc. für Halloween geschmückt. Nur ein bisschen, nicht so viel und pompös wie die vergangenen Jahre. Schatz schmunzelt, ihm gefällt die Deko.

Am Freitag sind es 4 Monate nach Diagnose…seit etwa 3 Wochen geht es böse bergab…

Je mehr mein Schatz nicht mehr kann, umso mehr mache ich…Haushalt habe ich immer schon komplett alleine gemacht. Arbeit haben wir geteilt, mache ich jetzt auch nahezu komplett…nebenbei war mein Schatz die rechte Hand der Hausverwaltung, daß mache ich jetzt auch…Hof kehren, nach Ordnung schauen, die Mülltonnen raus und reinstellen, im Haus nach dem rechten sehen, Absprache und Kontaktperson vor Ort für Handwerker etc….dann die Pflege meines Mannes…ich habe zwar keine Angst, daß mir das alles zu viel wird, aber gefühlt ist das eine Menge die ich machen muss.

Abends bin ich müde. Seit Monaten habe ich den Alarmschlaf. Ich muss mich doch um meinen Engel kümmern und aufpassen…bei jedem noch so kleinen Geräusch wache ich auf….mir macht das nichts weiter aus..hört sich dramatisch an vielleicht, aber ich schaffe das alles. Wenn mein Schatz nicht mehr ist, wird sowieso alles anders. Bis dahin bin ich stark! Das ist mein Naturell…

Naja, jetzt liegt der Pflegeantrag der AOK vor, dann wird es wohl auch nicht mehr lange dauern bis einer vorbei kommt um die Pflegestufe festzustellen. Ich schreibe dieses Minutentagebuch und was ich so am Tag an Grundpflege habe, wird es wahrscheinlich Pflegestufe 1. Das ist, wenn man 45 Minuten am Tag Grundpflege hat. Pflegestufe 2 geht los mit 90 Minuten Grundpflege. Je nach Wochentag liege ich bei ca. 40 bis 70 Minuten. Aber vielleicht übersehe ich auch das ein, oder andere. Dafür ist ja dann noch die Begutachtung.

Bis dann

Die nächste Stufe

Die Nacht war ok. Schatz schläft schnell ein und schläft manchmal auch durch, bis auf einmal. Da muss er raus aufs Klo. Nichts aufregendes. Heute morgen aufgestanden und frühstück gemacht. Schatz isst neuerdings Pizza zum Frühstück, aber nur die Ofenfrische und meist eine halbe. Dazu einen Kaffee, einen Kakao und den Smoothie, den ich auch trinke.

Er hustet bisschen mehr wieder und manchmal ist blutiger Auswurf dabei. Gestern Abend habe ich Bolognese gemacht, mit Spirelli Nudeln. Dabei konnte ich bemerken, daß er Schwierigkeiten hatte mit den Nudeln. Er kann die Gabel links halten, aber schlecht führen. Bald ist die ganze linke Seite lahm…auch fallen ihm Dinge aus der Hand, wenn er sie links hält. Ansonsten ist der Arm beweglich und er hat Kraft. Es ist die Motorik die nachlässt…

Ich muss besser aufpassen…einerseits versucht er solche Dinge vor mir zu vertuschen, andererseits beklagt er sich, warum es keine Spaghetti gab…ich verstehe warum…ich bin nun noch mehr sensibilisiert um seine Vertuschereien „aufzudecken“ bzw. anzunehmen und respektvoll damit umzugehen. Ich verstehe warum er versucht das vor mir zu verbergen…würde ich genauso machen! Man will halt einfach nicht den Krüppel mimen…ist zwar hart ausgedrückt, aber passender kann man das nicht sagen….

Es ist eine Gradwanderung. Ich möchte das er seine Selbstständigkeit solange wie es geht behält, er will das auch. Aber manchmal ist es so, da lässt er es zu, daß ich ihm beim Anziehen und Ausziehen helfe. Duschen geht er alleine, ein Kraftakt. Er möchte das so…solange es eben geht…wenn was ist ruft er mich. Ich kämme ihm seine langen Haare, das geht mit dem Arm nicht mehr so gut.

Ich muss nun überlegen was ich koche. Es muss ein Gericht sein, das ihn nicht „vorführt“ und er es gut essen kann. Schneiden und gut zum Mund führen kann. Spaghetti sind da gut, die kann man auf der Gabel aufrollen, da fällt nichts runter. Auch Kartoffelpüree ist gut. Kleine Sachen sind nicht gut, denn das fällt ja von der Gabel runter…deswegen isst er fast nur noch Pizza…die kann er gut in der Hand halten…ich verstehe das alles ja, aber manchmal denke ich mir, warum sagt er es mir nicht – warum habe ich es nicht vorher gesehen…es ist nicht leicht für ihn..das wäre es für mich auch nicht..

Heute bin ich runter zum HA – brauchte ein Rezept für mich und für meinen Schatz. Aber dazu musste ich auch mit meinem Arzt reden. Es war voll heute und ich habe lange warten müssen, bis ich dran kam. Ich sagte zum Dok, daß er stärkere Schmerzmittel braucht. Mit dem was wir jetzt haben, kommen wir zwar gut klar – aber es gibt neuerdings Schmerzspitzen und da hilft das Novalgin nicht…

Anmerkung: In der Krebsschmerztherapie gibt es laut WHO 3 Stufen. Die erste Stufe zur Schmerzlinderung ist Novalgin und ähnliches…die 2. Stufe ist Tramadol und ähnliches…die 3 Stufe ist Fentanyl und Morphium…danach kommt nichts mehr…

Schatz rutscht also jetzt langsam in „Stufe 2“ rein….Ich sagte also dem Dok, daß er stärkere Mittel bräuchte, und Dok hat sofort genickt. Ich wollte Tropfen haben, die sind besser zu dosieren…also kam nur Tramadol in Frage. Bei Bedarf gebe ich ihm nun dieses..ansonsten erstmal weiterhin das Novalgin. Dann habe ich Dok noch erzählt wie es ihm sonst so geht. Ich kann dem Arzt gegenüber ungehemmt alles ausprechen. Dok hingegen tut sich schwer, obwohl als Arzt kennt er das doch alles…es ist vielleicht Respekt, Pietät, oder ..keine Ahnung. Aber Dok druckst immer ein wenig rum mit dem Krebs und nennt die Dinge nicht beim Namen. Egal..war mir nur aufgefallen…

Dann war ich noch schnell im REWE einkaufen für heute und wollte schnell wieder nach Hause. Mir ist nicht wohl, wenn ich Schatz alleine zu Hause lassen muss…als ich im Bus war, kam mir wie so oft ein schlimmer Gedanke…ich sah vor meinem geistigen Auge wie ich die Tür aufschließe und Schatz krampfend auf der Couch liegt. Dem war natürlich nicht so..zum Glück…es ist einfach die Angst die mich ständig begleitet..ganz abwegig ist das nicht…er hatte einen Schlaganfall vor 3 Jahren, und genau an der Stelle, wo die Narbe ist, war der Ausgangspunkt von seinem (bisher einmaligen) epileptischen Grand Mal Anfall…und genau an der Stelle sitzt nun eine wachsende Metastase…hin und wieder hat er einen Krampf im linken Arm..

Der Denker und der Beweisführer…was das Gehirn denkt, versucht es auch zu beweisen (realisieren). Das betrifft natürlich nur einen selbst…Schatz arbeitet natürlich dagegen und lässt solche Gedanken nicht zu…ich muss das meinem Kopfkino beibringen…bei mir ist das aber oft so, wenn ich mir Dinge vorstelle, treffen sie nicht ein, oder ich kann damit besser umgehen…ich habe es ja bereits im meinem Kopf durchgespielt…

Bis dann

Kollektives Unterbewusstsein

Ich träumte, daß ich einen goldenen Ring hatte mit einem überdimensionierten Diamanten darauf. Spitz, eher stilisiert, wie man einen Diamanten zeichnen würde. Der Ring war später im Traum schmutzig, oder Messingfarben, daß weiß ich nicht mehr…

Zuerst ist der Diamant abgebrochen und ich versuchte diesen wieder anzubringen, was scheiterte. Kurze Zeit später zerbrach auch der Ring in viele Teile. Ich wollte das vertuschen und den Ring reparieren, was mir nicht gelang. Schatz sah den Ring und dann bin ich aufgewacht.

Interpretation: Nun was gibt es da zu sagen…der (goldene) Ring steht für Hochzeit, Verbindungen, Ewigkeit (kein Anfang und kein Ende). Wenn ein Ring zerbricht, steht das für Trennung. In manchen Kulturen kündigt ein zerbrochener Ring einen Todesfall an. Der Diamant steht für Klarheit, aber auch für Härte und zeigt die Einheit des Bewußtseins mit dem Unterbewußtsein. Der Traum kann also sehr positiv gedeutet werden. Verliert der Träumende im Traum allerdings einen Diamanten oder Brillanten, deutet dies auf den Verlust einer wichtigen Sache hin. Ich weiß nicht mehr genau was mit dem Diamanten passiert ist, er war aber angelaufen…teilweise schmutzig, oder schwarz geworden.

Einen geschliffenen Diamanten sehen bedeutet Erfolg und Annerkennung, Gemütsruhe und eine frohe, glänzende Zukunft.

Ich weiß nicht genau wie ich das deuten soll…kündigt einen Todesfall, in jedem Fall eine Trennung an..wird wohl so sein…frohe und glänzende Zukunft? Ohne meinem Schatz? Das wichtigste in meinem Leben, meinem Herz und meiner Seele? Sicherlich ist es so, wenn mein Schatz von mir geht, daß dies einen Neubeginn in meinem Leben darstellt. Ganz klar…aber von einer frohen und vorallem glänzenden Zukunft zu sprechen?, mh….ich weiß nicht wie lange es dauern wird…die Trauer…vielleicht kommen dann wieder frohe Tage…bei Bienschen habe ich über 3 Jahre getrauert…und nun geht es aber um meinen Mann!

Das ist jetzt nur mal grob zerpflückt…aber das Grobe steht schon für sich, wie ich finde…der Traum hat mich sehr beeindruckt und beschäftigt…

Heute bin ich nicht zu meinen Eltern gefahren. Wir wollten das milde Wetter ausnutzen um den Garten winterfest zu machen. Schatz hat sich in den Garten gesetzt und ich habe alles andere gemacht. War gar nicht so viel zu tun – der Winter kann kommen…zumindest Gartentechnisch. Pünktlich zur Formel 1 war ich dann fertig und wir sind wieder rein.

Schatz ist seit gestern wieder ruhiger und in sich gekehrt. Er sagte in sanfter Stimme zu mir: Ich bin Tod. Ich sagte ihm dann, daß weiß ich Schatz und ich kann es nicht ändern und ich kann dir nicht helfen. Ich küsste ihn auf die Wange und streichelte seinen Arm. Schatz sagte, wenn die Lähmung links immer weiter schreitet, sterbe ich wohlmöglich nicht am Ersticken..da wird mein Herz vorher schlapp machen.

Ich antwortete, daß man das nicht wissen könne. Bei einem Schlaganfall hat man ja keinen Herzinfarkt gleichzeitig, also wird die Lähmung eher nicht das Herz lahmlegen…nur das die scheiß Metastase genau an der Narbe deines Schlaganfalls liegt und die Lähmung verursacht. Wäre die nicht, hättest du keine Lähmung.

Wieder sagte er: Ich bin Tod. – dabei drückte er meine Hand.

Es klopfte an der Tür und wir ließen uns los. Ich stand auf und schaute Schatz an. Er nickte und ich machte die Tür auf. Ein guter Freund kam vorbei und wir taten so, als wäre alles in Ordnung. Es ist immer ein schnelles Umschalten von unserem inoffiziellen Dasein zum offiziellen. Wir sind alle Schauspieler….wir tragen alle eine Maske gegenüber der Öffentlichkeit…

Vorhin habe ich ein Pflegetagebuch ausgedruckt. Wenn der Gutachter kommt, um die Pflegestufe festzustellen, sollte man so etwas vorlegen können. Man soll dies eine Woche lang führen, damit der Gutachter sich ein Bild machen kann. Nun kann man natürlich nicht willkürlich x Stunden da rein schreiben. Es gibt Richtlinien wie zB. Duschen mit Voll-Ünterstützung 25 minuten. Bei Teil-Unterstützung weniger Minuten..wenn ich aber jetzt 30 Minuten brauche, kann man dies auch so reinschreiben..oder anziehen…da werden einem 10 – 15 Minuten gewährt. Der Gutachter schaut nicht nur auf das Tagebuch, er begutachet natürlich auch Schatz selbst…

Morgen fangen wir damit an. Bin selbst irgendwie gespannt, wieviele „Pflegeminuten“ dabei heraus kommen. Mir war zB. nicht klar, das einige für mich selbstverständliche Dinge wie „Trinken anreichen“, auch unter Pflege fällt..ich meine – gibst du mir mal bitte mein Wasser? Ist doch ein alltäglicher Vorgang..aber wenn man krank ist, scheint dies anders gewertet zu werden. Leuchtet mir auch ein…wenn man eben selbst dazu nicht mehr in der Lage ist…braucht man eben Hilfe.

Selbst das kochen, waschen, Wohnung putzen soll dokumentiert werden. Aber da gibt es keine festgelegten Richtlinien. Bei uns ist das ja auch so, daß ich als Ehefrau/gleichzeitig Pflegerin meines Mannes diese Sachen sowieso mache…keine Ahnung ob das angerechnet wird, zumal ich noch Selbstständig bin und meine Arbeit auf der anderen Seite nicht mehr so machen kann, wie ich es müsste/sollte. Naja…keine Ahnung, wir werden sehen…

Jetzt mache ich einen Kaffee

Bis dann

Der Himmel ist leer

Schatz liegt auf der Couch und schläft. Ich liege auch auf der Couch und schaue aus dem Fenster. Der Himmel ist bedeckt mit Wolken. Diffus, keine klar abgegrenzten Wolken, einfach nur bedeckt und regnerisch. Ein Flugzeug fliegt am Fenster vorbei. Ich denke mir…wohin bringst du mich? Gleichzeitig weiß ich, daß ich vor meinen Gefühlen und Gedanken nicht fliehen kann…mehr denke ich nicht.

Der Himmel ist leer…eine Taube kreuzt das Bild. Elegant und gekonnt zieht sie ihre Flügel an sich ran um sie gleich wieder auszubreiten um eine Kurve zu fliegen. Ich denke mir, ein Vogel müsste man sein. Man könnte alles von oben betrachten und Abstand nehmen. Es wäre alles so weit weg und leicht. Ich möchte kein Vogel sein.

Wieder ist der Himmel leer. Ein weiteres Flugzeug fliegt durch mein Bild. Tiefer als das andere, denn das flog sehr hoch und war ganz klein. Dieses ist wohl gerade gestartet. Wohin bringst du mich? Als das Flugzeug weg war, sah ich einfach nur wieder aus dem Fenster, ohne einen Gedanken zu fassen. Ich beobachtete diese kleinen Glitzerteilchen, die einem durchs Auge schwimmen, wenn man in den Himmel schaut. Es waren viele und sie schwammen wirr durcheinander.

Mein Blick traf einen Schwarm Gänse, die nun am Fenster vorbeiflogen, hoch oben in der Luft. Was haben Vögel für ein Leben? Sind sie glücklich? Können sie Trauer begreifen? Schatz hustet, er hat sich etwas verschluckt im Schlaf. Mein Blick wendet sich vom Fenster ab und schaut zu ihm herüber. Alles gut.

Gestern wollten wir zum Blutabnehmen gehen. WIr standen sehr früh auf und machten uns fertig. Wir sind los gegangen. Durch den Hof und raus auf die Strasse. Ein paar Meter weiter sagte Schatz, er schaffe es nicht bis da runter…er war sehr wackelig auf den Beinen und es war ihm sehr unangehnem mit dem Gehstock gesehen zu werden. Er schaffte es aber nicht deswegen…es war seine Kraft die ihn verließ und er würde es nicht schaffen..

Wir drehten um und ich bin dann schnell alleine runter zum Hausarzt. Dort angekommen sah ich, daß der Hausarzt geschlossen hat…was eine Scheisse….oh man, wenn sich Schatz jetzt da runter geschafft hätte, wäre es aber mal richtig blöd gewesen..ich bin dann erstmal auch wieder Heim und zu schauen wo die Strasse der Vertretung ist. Ich kenn die Strasse zwar, war mir aber nicht sicher wie ich da hinkomme…kurz auf einen Strassenplan geschaut und dann los zur Vertretung. Wäre alles nicht schlimm gewesen, also das der HA zu hat, wenn ich nicht Schmerzmittel für Schatz gebraucht hätte.

Rezept geholt und eingelöst und das Wochenende war erstmal sicher…Montag muss ich dann sowieso zum HA gehen, brauche selbst auch was.

Heute verlief der Tag wie gewohnt. Aufgestanden, wach geworden und einkaufen gefahren. Schatz ist gefahren und ich war einkaufen. Sind was das angeht ein neu eingespieltes Team..nur für wie lange noch….Schatz hat dann den Tag damit verbracht zu schlafen. Ich habe etwas gearbeitet und den Haushalt gemacht. Nichts besonderes eben. Er ist bisschen knatschig heute. Einmal baute er sich zu einem agressiven HB Männchen auf, auf irgendwie konnte ich ihm den Wind aus den Segeln nehmen und nach einer kurzen Schweigepause, murmelte er leise, daß er das ja immer alles nicht so meint…ich sagte, daß ich das weiß…

Er schaut nun Sportschau und ich mache gleich Abendessen. Heute Nacht hatte ich einen komischen Traum…ich träume überhaupt seltsame Sachen seit paar Wochen, aber heute der Traum hat mich IM Traum sehr verzweifeln lassen…schreibe morgen darüber…

Bis dann

Dunkelrot

Gestern ist Schatz schon müde wach geworden. Er war richtig schlapp und kraftlos. Er war sehr ruhig. Am morgen musste er mal kurz husten und spuckte einen großen Fleck dunkelrotes Blut aus. Er sah mich an und ich sah ihn an. Er zuckte leicht mit den Schultern, aber ich sah ihm an wie ihm das nicht passte. Bis heute ist dieses dunkle Rot nicht wieder gekommen, aber verfärbt ist der Auswurf dennoch. Aber er hustet nicht…eigentlich. Heute Nach musste er ein paar mal husten, aber tagsüber eher nicht.

Gestern habe ich dann auch den Antrag zum Pflegegeld ausgedruckt und eine VorsorgeVollmacht. Es ist so hart, so endgültig…aber es muss gemacht werden. Wir stoßen langsam an unsere finanziellen Grenzen und wenn uns das Pflegegeld zusteht, werden wir das auch in Anspruch nehmen. Ich weiß zwar, daß ich seitens der Familie Unterstützung bekommen würde, aber das möchte ich nicht. Die brauchen ihr Geld selbst. Ausserdem brauche ich gewisse Vollmachten…wenn er nicht mehr da ist, muss ich mich doch um alles kümmern. Es ist dann aber so, daß ich nicht automatisch über sein Bankkonto (zb) verfügen kann/darf. Dafür brauche ich eine Vollmacht…also habe ich gestern alles ausgedruckt und wir haben das gemeinsam ausgefüllt. Im Grunde nur ich…ich sollte überall einfach JA ankreuzen..ich sagte ihm, daß und das steht aber da drinne und er meinte, solange er lebe, ist er ja noch da und kann dies und das schon machen. Wenn er aber nicht mehr da ist, soll ich keine Probleme bekommen bzw. Entscheidungen treffen „dürfen“ die eben wichtig sind. Ich stehe nicht in unseren Mietvertrag mit drin /das ist zum Glück kein Problem), seine rechtlichen Sachen muss ich auch erledigen dann usw. Mir ist klar, das ich auch Dinge aus seiner Vergangenheit auf mich nehmen werde..wir bzw. er hat zwar keine Schulden, aber wer weiß schon was genau passiert und wer so ankommt…Rechte und Pflichten eben…

Ich fand es trotzdem alles so grausam..ihm gegenüber..es hat eben was von Endgültigkeit….es ist nicht so das er auswandert, in ein fernes Land und muss seine Sachen hier regeln..so ist das nicht…wir müssen Sachen regeln, weil er einfach nicht mehr da sein wird … aber ich bin noch hier…und ich muss weitermachen. Irgendwie.

Ich versuche das alles nüchtern und sachlich zu sehen…aber ich fühle mich schrecklich dabei, es ist ein LOSLASSEN in dem Moment … ich bin aber immer noch nicht bereit dazu…nicht in Gänze…

Heute geht es Schatz besser. Er hat ein fröhliches Gesicht und einigermaßen gute Laune. Agressive Ausbrüche gabe es die letzten Tage auch nicht mehr. Er isst immer weniger…liegt aber daran, daß er sich so fühlt wie im April…als sein Magen die Gastritis hatte mit den dazu gehörigen Problemen…das macht mir Sorgen, denn er nimmt relativ schnell ab. Noch hat er sein kleines Bäuchlein…er trinkt auch schlecht…ich ermahne ihn immerzu, dann grummelt er und trinkt einen Schluck. Wenn ich über Stunden aber nichts sage, trinkt er auch nicht.

Laufen ist unverändert. Ich habe ihm einen Gehstock gekauft, damit er sicherer fühlt beim Laufen. Auch einen Duschstuhl habe ich gekauft. Er ging die letzten paar mal alleine duschen. Es ist super anstrengend. Er fand den Stuhl gut, so kann er sich in der Dusche setzen und es geht besser.

Ich muss jetzt bissl was einkaufen…ansonsten ist soweit eigentlich alles unverändert…

Bis dann

Endlich mal wieder Sonne

Aber das steigert nur etwas das Gemüt. Heute morgen ist Schatz gut gelaunt aufgewacht, obwohl die Nacht eher durchwachsen war. Er sagt, er fühlt sich richtig schlapp und kraftlos. Es geht ihm unverändert. Soweit eigentlich ok…aber er hat keine Kraft, er läuft schlecht, er hustet richtig wenig, fast gar nicht und wenn ist es mehr ein räuspern. Auswurf ist zurück gegangen, kein Blut, aber farbiger Auswurf..wie soll ich sagen. Hellbräunlich, orange…wie bei einer leichten Erkältung oder so…wenn ich ihn so ansehe glaube ich es nicht. Er hat eine gesunde Gesichtsfarbe, obwohl heute ist er bisschen blass, und er hat einen kleinen Bauch wieder bekommen. Er sieht ganz normal aus, nicht krank.

Er hat nahezu keine Lungengeräusche und atmet ruhig, nicht hektisch oder flach. Er hat Schmerzen, die werden stärker. In der Lunge, Kopfschmerzen…er schläft heute viel.

Er trinkt wenig. Seine Verdauung spielt verrückt. Er sagt, er fühlt sich genauso wie das war, bevor er ins Krankenhaus kam wegen seinem Magen. Völlegefühl usw. …

Ich kann ihm nicht helfen..niemand kann das…ich sage es nochmal, selbst wenn er jetzt Chemo machen würde, er würde trotzdem sterben…er tut mir so leid..ich will das alles nicht, daß hat er einfach nicht verdient!

Ich habe in letzter Zeit nur noch den Kopf voll mit Erinnerungen. Egal was ich ansehe in der Wohnung, ich sehe die Bilder vor mir wie er zB ein Regal angebracht hat, den Spritzschutz am Herd angebracht hat, selbst wenn ich nur auf die weiße Wand schaue..sehe ich, wie wir diese gestrichen haben…wie wir gelacht haben…ich kann dagegen nichts machen. Diese Bilder kommen ständig in meinen Kopf und ich kann sie nicht verdrängen. So weh mir das tut . Ich will sie auch gar nicht verdrängen.

Schlimmer finde ich die Dinge – so banal sie sein mögen – die wir nicht mehr zusammen machen können. Wir können dieses Jahr bereits schon nicht mehr auf den Weihnachtsmarkt gehen um unseren obligatorischen Glühwein zu trinken. Hätte ich das nur letztes Jahr gewusst…oder unsere Traditionen…zum Geburtstag, oder Hochzeitstag haben wir immer um Mitternacht zum Tag hin eine Flasche roten Krimsekt geöffnet und getrunken…ich weiß jetzt schon, daß ich das beibehalten werde…alleine…es zerstört mich jetzt schon. Man könnte sagen WARUM willst du das auch machen? Aber ich möchte das so…so wird er bei mir sein..näher als sonst…

Manchmal, wenn ich meine Einträge lese, kommt es mir so vor, als wäre er schon unter der Erde…grausam…ich denke aber, daß ist bestimmt schon eine Art der Trauerverabeitung, oder was weiß ich…das richtige Trauern um meinen Mann kommt erst noch…es wird mich wie einen Tsunami treffen, mit voller Wucht. Da ist alles, was ich jetzt emotional durchmache – kinkerlitzchen gegen.

Heute habe ich ausserdem eine Flasche roten Krim geholt. Schatz war erstaunt und freute sich darüber. Ich sagte, den heben wir uns auf, für einen besonderen Moment. Vielleicht werden, nein, bestimmt werden wir noch einen besonderen Moment haben und dann trinken wir die Flasche…aus unseren Gläsern. (Schatz hat uns zum 1. Hochzeitstag besondere Sektgläser geschenkt….)

Wir lachen viel..auch wenn er seinen agressiven Anfall hat, das ist nicht jeden Tag so (bisher) versuche ich weiterhin normal zu bleiben. Mache Witze und bin einfach ich. Ich bin nicht eingeschnappt oder so..es ist nicht ER, aber das sagte ich gestern schon.

Ich hätte zudem sowieso niemals geglaubt, daß ich das mal sage: Er war immer so ein aktiver und lebenlustiger, humorvoller Mensch. Davon ist nichts mehr übrig. Er hat keine Kraft und er hat sich so verändert…er ist ruhig, in sich gekehrt…schwach…seine Augen sind müde, sie haben kein Feuer mehr…ach scheisse….

Wir nahmen uns und alles andere nie als selbstverständlich. WIr dachten trotzdem, wir wären unzerstörbar. Nichts und niemand kann uns etwas anhaben, nichts kann zwischen uns kommen. Und dann? Kommt der Feind in uns….damit haben wir nicht gerechnet…

Bis dann

Es wird nicht einfacher

Die Tage dümpeln so an uns vorbei. Die Nächte sind ok, Schatz schläft eigentlich ganz gut. Vor ein paar Tagen hat er wieder mal Blut gehustet. Nicht viel – aber beiden sahen wir uns erschrocken an….geht es wieder los? Aber es blieb bisher bei diesem einem Mal.

Er ist sehr launisch geworden. Agressive Phasen wechseln sich mit euphorischen Phasen ab. Zwischendurch ist er in sich gekehrt und ganz ruhig. Er sagt immer immer zu, er wäre bereit. Er will leben. Er hat keine Angst und er hat doch sein Leben schon gelebt. Ich tue ihm unsagbar leid…er sagt das alles immer wieder mal. Er kann immer weniger machen. Es gibt Momente da ist er froh, daß er es überhaupt auf die Toilette schafft und zurück, manchmal geht es einigermaßen gut. Laufen geht nur noch ganz langsam.

Er sagt, auch Autofahren wird er bald nicht mehr können. Sein Bein wird immer gelähmter. Das nevt ihn so. Sein Geist ist so willig, aber sein Fleisch wird immer schwächer… Abmelden werden wir das Auto gegen Ende des Jahres. Bis dahin – soweit wie es geht – fährt er noch, manchmal fährt ein guter Bekannter uns überall hin.

Er hat keine Kraft mehr…seit ein paar Tagen frühstückt er auch nicht mehr. Dabei hat er so schön zugenommen, 71.8 Kg war das letzte Ergebnis. Nach diesen paar Tagen aber sieht man schon wieder, wie dünn seine Beine geworden sind….wenn er aus irgendeinem Reiz heraus auf einmal agressiv ist, lasse ich ihn mich anschreien und sage nichts. Das würde ihn nur noch mehr anheizen in dem Moment. Nach ein paar Minuten ist das wieder vorbei. Er entschuldigt sich und weiß nicht warum er so hochgeht. Ich weiß, daß es nicht ER ist in diesen Momenten. Es sind die Metastasen (Wesensveränderung – die Ärzte sagten, daß das passieren kann), oder es sind Nebenwirkungen vom Cortison…auf jeden Fall ist es nicht er und ich weiß das…er ist manchmal verzweifelt deswegen, denn er will mich nicht anschreien, will mir nicht wehtun…jedes mal wenn es vorbei ist, küsse ich ihn und sage ihm das es ok ist.

Ich habe diese Ahnung das es auch nicht besser wird…es wird noch schlimmer werden. Es ist jetzt schon sehr anstrengend…aber ich halte durch – für meinen Schatz!

Sonst ist nichts aufregendes passiert. Ich kümmere mich immer mehr und mehr und habe immer weniger Zeit für mich..aber das ist ok…es ist eben wie es ist…er würde das gleiche für mich tun! Scheisse alles….

Bis dann

In guten und in schlechten Zeiten

Es ist jetzt ganz schön kalt geworden in den letzten Tagen. Zum Glück hatten wir schon Holz hier und seit 2 Tagen brennt unser Holzofen. Es ist ein fast göttliches Gefühl, wenn man nach Hause kommt, die Tür aufschließt und dann von der wohligen Wärme des Feuers empfangen wird. Gerade wenn es draussen so nass-kalt ist wie heute. Es ist als würde man in eine vorgewärmte Wolldecke gewickelt werden. Es ist einfach nur herrlich. Es macht zwar arbeit und eine Menge Dreck, aber für nichts in der Welt gebe ich meinen Holzofen wieder her.

Gestern ist der Tag ein wenig stressig verlaufen. Ich hatte viel zu tun und Schatz war ein wenig schlecht gelaunt. Ihn nervt das so, daß er nichts machen kann. Er will unbedingt, aber es fehlt ihm an Kraft. Ich kann nachvollziehen wie das ist. Es ist einfach Scheisse….es ist wie ein dasitzen und auf den Tod warten. Er spürt sehr wie ihn seine Kräfte mehr und mehr verlassen. Man kann sich das eigentlich nicht vorstellen. Wir vergessen wie es ist zu sterben. (Wiedergeburt-Thema)

Wir können nur hilflos mit ansehen wie es zu sein scheint, aber wir können es nicht nachfühlen.

Gestern sagte Schatz zu mir: Er hätte Verständnis dafür, wenn ich gehen wollte. Ich sollte doch auch besser gehen. Ich sagte: Wohin? und er meinte: Einfach nur weg von mir. Er sagte: Es tut mir so unendlich leid, daß du das erleben musst. Das du mit ansehen musst wie ich sterbe, wie ich zerfalle.

Ich sagte darauf: Schatz, ich werde nicht gehen. Habe ich dich geheiratet um dich jetzt im Stich zu lassen? JETZT?? In guten und in schlechten Zeiten heisst es doch. Es sind sicherlich super beschissene Zeiten nun, aber ich habe dich geheiratet und gehe jeden Weg mit dir. Ich gehe nicht weg…ich bin kein feiger Mensch, wie könnte ich dich alleine lassen. Wie sollte ich das vor allem mit meinem Gewissen vereinbaren? Stell dir vor ich bin weg. Ich hätte nur die Bilder vor Augen wie du leidest, immer mehr. Wenn du nichts mehr kannst und dir keiner hilft und beiseite steht. Ich hätte das Gefühl dich im Stich gelassen zu haben…

Er betonte wieder, daß er nicht wolle daß ich das alles mitmache und erlebe. Ich streichelte ihm über sein Haar. Ich liebe dich mein Schatz und es ist nun so wie es ist. Sicherlich haben wir uns was anderes vorgestellt, aber ob es jetzt soweit ist, oder wenn es in 10, 20 Jahren soweit wäre. Das spielt alles keine Rolle…ich bin da für dich und ich verlasse dich nicht. Denk nicht sowas. Du schützt mich damit nicht, im Gegenteil…

Er drückte mich und nickte und er bedankte sich bei mir. Ich sagte, danke mir nicht dafür. Das hat nichts mit Pflichterfüllung, oder sonst was zu tun. Ich liebe dich und alleine deswegen bin und bleibe ich bei dir.

Er schluchzte etwas und sagte: es ist nur, weil ich so genervt bin. Warum kann es nicht einfach schon vorbei sein? Warum dauert das so lange…wie lange dauert denn so ein Endstadium.

Ich weiß es nicht, kommt darauf an, meinte ich. Bei Bienschen hat es nach Diagnose 4einhalb Monate gedauert. Wie lange es bei dir ist, kann ich nicht sagen, daß kann niemand. Vielleicht noch eine Woche, vielleicht noch ein paar Monate..wer weiß das schon…

Er lachte kurz und sagte darauf – JA die Scheisse ist ja, ich sehe gut aus. Ich sehe nicht krank aus und wiege schon wieder über 70 Kg. Aber innerlich fühle ich wie ich immer kraftloser und zerfressender werde. Ich sagte wieder, daß ich das eben nicht wüsste…der Mensch kann sehr zäh sein.

Danach verlief dieses Gespräch in banale andere Themen über. Wir lästerten zB über unseren Nachbar und sowas eben.

Die Nacht verlief ganz gut. Schatz musste nur einmal aufstehen, sonst hat er gut durchgeschlafen. Er hustet kein Blut, ist aber sehr müde. Er ist das ja schon eine ganze Weile, aber ich denke das Wetter heute macht sein übriges dazu. Ich könnte auch nur schlafen, aber ich habe viel zu tun, muss mich um vieles kümmern.

Gleich gibt es erstmal was warmes auf den Tisch. Habe Hunger und mein Schatz erst. Er hat ständig Hunger…

Bis dann

Fast eine Woche

in der ich nun nichts geschrieben habe. Wir haben die Zeit gebraucht um völlig zu gesunden. Ich hatte noch ein paar Tage mit Rückenschmerzen zu tun, aber die lassen jetzt auch endlich nach.

Schatz ist auch wieder gesund..naja zumindest gesundet von der Infektion. Jetzt ist alles wieder wie es vorher war. Er hat seine Tumorschmerzen und das Bein ist auch unverändert. Aber so fühlt er sich gut. Er kann gut atmen und gut schlafen. Er hustet manchmal, aber er hustet kein Blut. Der Auswurf ist ganz klar. Anstrengen kann er sich immer weniger. Vor ein paar Wochen konnte er noch das Bett machen, also die Couch ausziehen usw, das geht jetzt nicht mehr. Also es ginge schon, aber dann werden die Schmerzen stärker und es ist einfach zu anstrengend. Glaubt man gar nicht.

Wir reden wieder viel die Tage. Er sagt mir immer: Es ist nicht schlimm. Ich habe mein Leben gelebt und akzeptiere wie es ist. Es ist nicht schlimm. Ich habe keine Angst vor dem Tod.

Ich sage dann immer, daß es für mich schlimm ist. Er sagt, er weiß es. Er fing bei einem dieser Gespräche an zu weinen. Ich kann mich nicht erinnern meinen Schatz jemals weinen gesehen zu haben. Selbst bei der Beerdigung seiner Mutter habe ich ihn nicht weinen sehen.

Er hat mir in dem Moment zu unendlich leid getan. Er weinte aber nicht über sich. Er weinte und sagte mir, daß ich im so leid täte und das er sich für uns das so nicht vorgestellt hat. Es hat mir so weh getan ihn weinen zu sehen, so hilflos und so klein. Ich sagte ihm, daß ich es schlimm finde, er sich aber um mich keine Sorgen machen braucht. Ich werde es schon irgendwie schaffen. Mein Leben wird sich grundlegend verändern, so wie es sich noch nie verändert hat. Ich weinte auch bitterlich.

Es kümmere ihn niemanden, nicht mal seine Geschwister. Seine jüngere Schwester vielleicht, aber seine 2 Brüder eigentlich nicht. Er hat sie lieb, keine Frage, aber irgendwie kümmern sie ihn nicht. Was ihm aber leid tut bin ich. Das er nicht mehr bei mir sein kann. Das ich alles alleine machen muss. Das er mich nicht mehr in den Arm nehmen kann, oder sauer auf mich sein kann, wenn ich mal wieder was dummes gemacht habe. Wir lachten kurz und hielten inne.

Dann kamen die Tränen wieder und mir hat es das Herz zerrissen ihn so zu sehen. Ich hielt ihn in meinen Armen und wir redeten und redeten. Über den Schmerz, über das was ich wahrscheinlich tun werde, wenn er nicht mehr da ist. Er erzählte mir Geschichten aus seiner Vergangenheit und sagte immer wieder: Es ist nicht schlimm. Es ist ok. Er sagte mir, wir kaputt er ist. Er fühlt das er innerlich ganz kaputt ist. Er sieht zwar gesund aus – aber innerlich kann er nicht mehr…

Es ist jedesmal wenn wir so reden, ein Abschied nehmen. Es ist aber nicht so, als würde er alleine eine Weltreise machen. Wenn er auf die Reise geht, kommt er nicht wieder. Er wird immer bei mir sein, aber er wird nicht da sein….

Ich sagte ihm, daß ich sehr wohl weiß was passiert und ich ignoriere auch die Zeichen nicht. Ich bin Realist und weiß was passieren wird. Ein kleiner Teil in mir will und kann nicht akzeptieren. Es gibt Tage, da ist es aber so..irgendwie…da denke ich – ich akzeptiere es…was habe ich für eine Wahl. Aber wenn wir reden…schreit dieser kleine Teil in mir laut und akzeptiert gar nichts….

Ich weiß nicht was meine Zukunft mir bringt. Ich weiß nicht mal, ob ich daran zerbreche, oder ob ich stärker hervorkomme. Ich weiß nicht was in 2, 3 Jahren ist…das weiß niemand – ist klar….was ich meine ist meine Gefühlswelt. Werde ich je wieder einen Mann in mein Leben lassen können? Sicherlich…irgendwann in ferner Zukunft….vielleicht auch nicht. Aber ich werde niemals wieder so lieben können und kann auch nie wieder so geliebt werden, wie es zwischen uns ist. Ein großer Teil meiner Seele wird mit gerissen und das hinterlässt Spuren…

Bis dann

Liegen liegen liegen

Seit gestern geht es endlich aufwärts. Die gelbliche Verfärbung des Nasensekrets lässt nach, auch der Husten. Auch sonst habe ich mich gestern erstmal besser gefühlt. Im Laufe des Tages ging es dann wieder schlechter. Ist ja immer so – Vormittags geht es einem besser, dann abend wieder schlechter. Aber trotzdem besser als die Tage davor. Schatz hat sich soweit er kann um mich gekümmert, ist selber ja auch noch erkältet. Aber ihm ging/geht es besser als mir.

Die letzten Tage hat er sich entweder Pizza gemacht, oder wir haben uns von einem Freund Essen bringen lassen. Gestern habe ich selbst gekocht. Bolognese – ganz einfach und es ist nicht anstrengend. Das schlimmste ist, wenn ich huste schießt es mir in den Rücken, unten an die Lendenwirbel. Es ist wie eine Art Hexenschuss..das habe ich seit Donnerstag/Freitag. Liegen tut weh, aufstehen tut weh, laufen auch..Schmerzmittel helfen nicht und auch eine Wärmeflasche hat keine Besserung gebracht. Ich kann ich einer Position so liegen, daß der Rückenschmerz nicht so zu spüren ist. Aber sobald ich mich mal drehe, oder aufstehen will – aua aua aua..geht gar nicht.

Heute am Montag fühle ich mich relativ fit. Mein Rücken zwingt mich nach wie vor zum Nichtstun. Schatz schimpft die seit gestern mit mir, wenn ich was machen will. Ich soll mich richtig auskurieren. Er hat ja Recht und ich mache ja auch gar nichts. Aber ich muss ja auch mal aufs Klo….

Schatz schläft viel, ist ja auch die beste Medizin. Nachts kann er auch gut schlafen, nur gegen morgens muss er husten und es geht ihm schlecht. Das geht so von 4 bis 6 Uhr in etwa, dann kann er wieder schlafen. Was mich bisschen wundert, es aber beruhigend finde ist, er hustet kein Blut. Für das was er mal gehustet hat, erstaunlich.

Seine Lunge hört sich besser an. Sie pfeift noch etwas, aber das starke rauschen, rasseln und das Geräusch als würde er ertrinken hat stark nachgelassen. Seine Lunge hat sich so kass angehört die Tage, daß ich dachte, daß war es jetzt. Er bekommt eh schlecht Luft bzw keinen Sauerstoff in den Körper und dann noch so eine scheiß Infektion…

Er und vorallem ich werden noch ein paar Tage brauchen, bis wir wieder gesund sind. Also..mh…ich halt mehr, damit ich wieder alles machen kann. Ich halte Ruhe und mache nichts. Ausser was kochen…das geht schon, mache alles sehr langsam. Wenn meine Rückenschmerzen nicht wären, wäre alles schon viel besser.

Bis dann