Nebenwirkungen

Heute ist der 3. Tag der Linderungsmedikamente. Sie helfen. Der erste Tag ging recht schnell, was die Wirkung anging. Am 2. Tag schlugen dann erstmal die Nebenwirkungen durch. Schatz bekommt immer Nebenwirkungen. Er braucht nicht mal die Packungsbeilage zu lesen, was er eh nicht macht, und schon hat er Sidekicks. Einer der Nebenwirkungen ist Schlaflosigkeit und Unruhe…das habe ich gemerkt, denn er hat mich die vorletzte Nacht die ganze Nacht auf Trab gehalten. Heute ist es viel besser, letzte Nacht hat er fast durchgeschlafen. Das letzte mal war schon eine Weile her.

Er ist wesentlich klarer und sortierter. Auch etwas besser laufen kann er. Husten ist mal so mal so. Aber eigentlich hustet er recht wenig. Blut im Auswurf hält sich auch in Grenzen. Er ist für seinen Zustand recht fit und läuft viel rum. Gestern ist er ganz eigenständig duschen gewesen, nur die Luft hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Gestern habe ich meinen Schreibtisch ausgeräumt, damit er leichter wird. Als es soweit war, den Tisch rüber in das andere Zimmer zu bringen, sprang Schatz förmlich auf und hat mir geholfen den Tisch rüber zu tragen. Hat super geklappt. Heute musste ich dann den großen Schrank bewegen und Schatz hat mir wieder geholfen. Hat auch gut geklappt und er war zwar fertig, aber nicht so wie es schon mal war. Auch sonst macht er grade vieles „alleine“. Er macht sich seinen Kaffee selbst und trägt seine Tasse selbst. Hört sich banal an, aber das war auch schon anders, dadurch das er Schwierigkeiten beim laufen hatte usw.

Ich weiß, die Tabletten lindern die Symptome…das schiebt alles vielleicht aber nur 1 – 2 Monate raus. Aufhalten kann man die Metastasen nicht..das macht mich traurig, denn so wie es jetzt ist, habe ich wieder die Hoffnung das alles gut wird. Aber genau DAS ist das Trügerische an der Sache…ich erwähne es nochmal – würde er Chemo machen, wäre es genau das Gleiche…Linderung der Symptome – aber es gibt wesentlich nicht mehr Zeit…es ginge dann irgendwann richtig schnell…es ist hierbei egal, ob er Chemo macht, oder die Tabletten nimmt…die Chemo hat weit aus schlimmere Nebenwirkungen…er nimmt sie ja alle immer mit.

Wir reden in letzter Zeit viel. Es kommt mir manchmal vor, wie „Abschied“ nehmen. Wir reden nicht über die Dinge, die wir sonst bequatschen. Es sind magische Momente. Kosmische Gespräche. Vielleicht ist es auch eine Art Abschied nehmen…ich genieße jeden Augenblick, speichere jeden Moment in mein Gedächtnis ab. Ich fotographiere ihn oft.

Es war so komisch, als er mir half den Tisch rüber zu tragen und den Schrank usw. Es war, als würde er mir dabei helfen auf den Weg ins andere Leben…in das Leben, daß ich ohne ihn führen werde. Es ist auch irgendwie so, als richte ich mich selbst ja schon auf ein Leben ohne ihn ein. Es ist total seltsam…ein Teil in mir schreit, daß er nicht gehen soll, nicht gehen darf und nicht gehen wird – ein anderer Teil in mir macht aber diese Dinge wie zB. die Wohnung umräumen.

Seit Tagen regnet es..das macht die Stimmung nicht grade heiterer..im Gegenteil. Es zieht mich ohne Ende runter, innerlich, lasse mir jedoch nichts anmerken. Schatz spürt es trotzdem. Sonst war ich nicht so verstimmt, wenn es geregnet hat. Aber jetzt ist alles anders.

Ich sagte ja schon mal – In diesem Jahr wird alles anders…ich habe dies ganz anders gemeint…wenn man seine Wünsche aber nicht richtig formuliert – passieren eben dumme Dinge.

Bis dann

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