Irgendwie anders

Seit meinem letzten Eintrag hat sich einiges geändert. Schatz hustet kein Blut mehr. Er hustet gar nicht mehr. Also manchmal schon, aber nicht das man denkt – oh er ist krank. Ganz normal, ganz kurz eben. Null Auswurf, bis auf einmal. Da kam dann doch was raus, aber das war wenig und völlig glasklar. Nicht verfärbt, kein Blut. Irgendwie gut. Dafür schläft er nur noch. Die ganze Nacht, den ganzen Tag. Er geht auf die Toilette – das wars.

Gestern war er schlecht gelaunt. Er wusste selber nicht warum genau. Die Nacht war ok. Er hat eigentlich durchgeschlafen. Lag aber wahrscheinlich daran, daß er gestern fast nichts getrunken hat. Heute trinkt er auch schlecht. Er nimmt seit heute auch keine Medikamente mehr. Er nimmt sie schon, wenn ich ihn dränge, aber wenn ich nichts sage, bleiben die auf dem Tisch einfach liegen. Ich bin da aber hinterher…

Gestern war er verwirrt. War schon direkt nach dem aufwachen so. Er sagte Sachen ohne Sinn, war fröhlich. Fragen, die ich ihm stellte, beantwortete er normal. Ich dachte erst, er scherzt mit mir. Ich konnte aber schnell feststellen, daß dem nicht so war. Er garzt mich an, sucht gleichzeitig meine Nähe. Sein Blick hat sich verändert, sein Gesicht auch. Er sieht aus wie immer und gleichzeitig sieht er anders aus. Einmal ist er von der Couch gefallen. Platsch hats gemacht und er lag unten. Er grinste und meinte UPS. Ich fand das nicht lustig.

Beim fernsehen wollte er ständig mit einer anderen, mit der falschen, Fernbedienung umschalten. Lauter so Sachen.

Heute wiederum ist alles gut. Er ist orientiert, klar und sortiert. Keine Ahnung was das gestern war. Anstrengend war es. Er schläft die meiste Zeit.

Gestern waren es 3 Monate seit der Diagnose. Bienschen hat 4einhalb Monate nach der Diagnose noch „geschafft“. Trotz Chemo und Bestrahlung! Soviel dazu…

Heute habe ich das Schlafzimmer ausgeräumt. Komplett. Alles in Kartons gepackt und runter in den Keller. Auch das Bett habe ich abgebaut – schlafen seit Monaten sowieso auf dem Sofa..ausklappbar. Wir hatten das sowieso vor. Wollten das Schlafzimmer renovieren und dann die Räume tauschen. Das Bett sollte ins Büro und umgekehrt. Daraus wird natürlich jetzt nichts mehr. Ich habe das Schlafzimmer trotzdem ausgeräumt, denn renoviert werden muss das trotzdem. Ich tausche die Räume aber nicht. Das Bett bleibt im Keller zunächst. Ich richte mir im Schlafzimmer mein Büro ein. Mein Tisch und mein PC kommen dann rüber. Dort steht jetzt noch ein Fernseher und der Schuhschrank. Das bleibt auch so. Mehr Platz im Wohnzimmer gibt das dann. Das Büro, daß wir tauschen wollten, bleibt auch. Da steht der PC von Schatz und der Kleiderschrank..muss halt nur alles aufgeräumt werden. Mache ich, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

Ich werde demnächst das ein, oder andere Hilfsmittel holen müssen wie zB einen Toilettenstuhl. Dafür ist dann Platz. Es geht jetzt schneller als ich dachte. Lange werden wir das auch nicht mehr verbergen können….gegenüber unseren Freunden. Da kommt noch einiges auf uns zu…

Es ist ein harter Weg, der sehr prägt. Viel mehr als bei der Sterbebegleitung bei Bienschen. Das war schon sehr krass. Ich denke manchmal, daß das eine Art Übung war, für das was ich jetzt mitmachen muss. Es kann man aber nicht vergleichen. Aber ich weiß in etwa wie das ist, wenn jemand stirbt. Die meisten kennen das von ihren Eltern – ist klar..aber eben auch die meisten schieben ihre sterbenden Eltern ab und bekommen nicht mit wie das wirklich ist, mit der Pflege, den Ängsten, den Sorgen. So ist die Gesellschaft. Sterben ist ein Tabu, was ekliges, etwas das man von sich weg schiebt. Aber ich will das nicht. Wir haben zusammen gelebt und ich begleite meinen Schatz auch auf seinem letzten Weg. Mir ist egal wie andere darüber denken.

Was mir ungemein hilft sind Nachrichten von anderen Betroffenen und Angehörigen. Es ist sehr mutig diesen Weg zu gehen…das sagen alle….es ist ungemein schwer. Es ist mit nichts zu vergleichen. Viele trauen sich das nicht zu. Das verstehe ich auch. Ich weiß nicht was auf mich zu kommt…nicht genau…so in etwa eben…aber das schreckt mich nicht ab. Im Gegenteil. Wie heisst es doch so blöd: Man wächst an seinen Aufgaben….

Nein – ich habe nichts genommen als ich das alles geschrieben habe. Versteht eben nicht jeder..ist auch nicht schlimm…ich habe in meinen relativ jungen Jahren schon viele Menschen sterben sehen. Zuviele für mein Alter. Vielleicht sehe ich deswegen die Dinge auch etwas anders…wir sterben alle irgendwann….das ist der Lauf der Dinge. Man muss loslassen können. Mir fällt das schwer…wer will schon seinen Liebsten gehen lassen. Aber man muss auch akzeptieren, wenn es eben nicht mehr geht. Mit keinem Mittel der Welt….es ist nur eine Qual….Leben erhalten um jeden Preis?…tja…um welchen Preis…

Bis dann

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