Mal besser mal schlechter

Gestern Abend habe ich dann doch was anderes zu Essen gemacht. Es gab überbackenen Blumenkohl und Kartoffeln. War sehr lecker und Schatz hat sogar einen Nachschlag verlangt.

Gestern hat es auch gut geregnet und zum Glück hat es ordentlich abgekühlt. Gegen 11 Uhr haben wir uns schlafen gelegt und sind beide recht schnell eingeschlafen. Hätte mich ein Mückenstich an der Ferse nicht so gequält, hätte ich sogar mal durch geschlafen. Die Nacht war auch für Schatz mal wieder eine gute Nacht. Bis auf den nächtlichen Toilettengang, hat er auch soweit durch geschlafen und war recht erholt heute morgen.

Er machte Scherze und wir lachten. Gegen Mittag jedoch wandelte sich alles. Er bekam Schmerzen – Rückenschmerzen – und ich gab ihm seine Schmerzmittel. Kurz darauf ist er eingeschlafen und hat 2 Stunden geschlafen. Als er wieder aufwachte, ging es ihm nicht besser. Sein Gesicht sprach Bände und ich gab ihm wieder Schmerzmittel.

Wieder schlief er ein. Er isst zwar die ganze Zeit über Salzstangen, aber das Mittagessen hat er nur widerwillig gegessen. Kann sein das es ihm nicht so geschmeckt hat, aber viel mehr liegt es daran, daß es ihm heute nicht gut geht. Er sagte mir auch, daß er sich heute ganz anders als sonst fühle. Nicht gut.

Wenigstens ist es nicht mehr so arg schwül.

Vorhin waren die Schmerzen im Rücken wieder sehr stark geworden und ich gab ihm zu seinen Tropfen auch noch 2 Paracetamol – er schläft wieder..er schläft bis auf kurze Wachpausen schon den ganzen Tag.

Immer wenn es ihm schlechter geht, bekomme ich dunkle Gedanken. Ich muss mich einerseits damit auseinander setzen, andererseits will ich nicht wahr haben was auf uns wahrscheinlich zukommt.

Ich denke:

Was passiert mit der Wohnung…wir sind selbstständig und Schatz macht die Arbeit im Größtenteil. Ich habe keine Ahnung davon…wie soll ich die Miete zahlen? Ich muss dann erstmal zum Soz.Amt damit die Miete usw bezahlt wird und nach einer Trauerzeit – eine Arbeit suchen. Jetzt eine Arbeit suchen kann ich auch nicht. Wie kann ich das? Ich muss und will bei meinem Schatz sein – auch wenn meine Zukunft davon abhängt…

Wenn ich das so schreibe, hört sich das echt selten dämlich an, aber so Gedanken kreisen in meinem Kopf.

Die Zeit mich einzuarbeiten und das Geschäft weiterzuführen habe ich nicht und Schatz fehlt die Kraft mich einzuweisen in Allem. Ausserdem – das Leben geht ja weiter, aber wie soll ich das schaffen in meiner Trauer?! Zur Zeit schaffen wir das alles noch, können unsere Rechnungen etc. bezahlen..aber wenn er nicht mehr bei mir ist?, was dann….

Dann muss ich allen Freunden und vorallem der Familie sagen was los war/ist. Ich sehe Bilder von seiner Beerdigung vor mir und mir schnürt es die Kehle zu.

Mir fällt ein, daß ich nichts schwarzes habe zur Beerdigung…ich will nicht so denken, ich muss es irgendwann, aber wie soll ich voller Hoffnung und Glaube sein, wenn sich mir so Gedanken aufdrücken…solange seine Augen glänzen habe ich den festen Glauben das alles doch noch gut wird.

Ich habe Angst…eigentlich nicht mal, eher ein Gefühl der Überforderung. Überfordert von den Dingen die danach kommen. Der Tag würde sowieso irgendwann kommen..ob es in einer Woche ist, oder in 10 Jahren. Aber je näher der Tag X ist, umso unwirklicher ist es. Auch wenn paradoxer Weise eine Art Gewöhnung eingetreten ist. Gewöhnung an den Umstand – nicht an das Wissen, daß er sterben wird.

Es ist schwer zu beschreiben, wie man (ich) sich dabei fühlt – einen Menschen beim Sterben zu begleiten. Dieses Thema ist ein absolutes Tabu Thema in unserer Gesellschaft und jeden den es betrifft, wird alleine gelassen. Es gibt sicherlich Anlaufstellen mit geschulten Leuten die man kontaktieren kann. Aber das sind Fremde und „machen das jeden Tag“ – da wird man auch nur „Durchgeschleust“. Selbst Selbsthilfegruppen mögen ja dem einen, oder anderen helfen. Ich sehe darin für mich keinen Sinn. Es ist etwas im Leben – da muss man durch…jeder von uns.

Die Sterbebegleitung bei Bienschen war anders…nah, aber nicht so nah wie ich meinen Schatz begleite. Bienschen war dem Tod schon sehr nah…Schatz ist noch ein wenig entfernt…das kann sich jedoch jeden Tag ändern…die meisten Krebspatienten sterben nicht an ihrem Tumor..sie sterben an ihren Metastasen! (oder an der Behandlung)

Eben ist er aufgewacht und macht einen viel besseren Eindruck als den ganzen Tag schon…gut.

Bis dann

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