Was ein Affenzirkus

Ich bin heute mit einem nicht so freudigen Gefühl ins Krankenhaus gefahren. Es sollte sich auch bestätigen.
Im Zimmer angekommen, lag Schatz auf dem Bett und hatte echt schlechte Laune. Ich begrüßte ihn und sah auch gleich was Sache war. Er hatte ein T-Shirt an und ein Sweatshirt, es war kalt heute Nacht, und ich sah einen großen nassen Fleck an der Seite.
Ich sagte – och nee…echt jetzt? Und er nickte fest.

Das kann doch nicht sein, die haben den Schlauch gestern nicht gezogen! Ich fragte, was die Visite gesagt hat heute.

Also..erst haben sie gesagt, das von den angeblich kleinen Metastasen eine größere Raumforderung da ist. Er würde das Wochenende im Krankenhaus bleiben, am Montag würden sie ihn in ein anderes Krankenhaus fahren – dort gäbe es ein Vorgespräch und dann Bestrahlung vom Kopf.
Dann sagten sie noch, dass der Schlauch auf jeden Fall heute gezogen würde. Es würde jemand von der Thoraxchirurgie kommen. Bald.

Das war es dann auch schon…
Punkt 1:

Schatz war super schlecht gelaunt, weil er nochmal ein Wochenende in der Klinik bleiben soll und Montag dann ins andere KH kommt, dann wieder zurück. Nichts mit Entlassen werden *grummel*

Im Laufe des Vormittags haben wir dann darüber diskutiert, dass das alles Methode hat. Die machen alles extra um ihn da zu behalten. Sie entfernen den Schlauch extra nicht, damit er auch nicht „abhauen“ könne. Wir redeten auch darüber, dass wir mal versuchen wollen ihn nach Heidelberg zu bekommen.
Er jammerte das er raus will, er will nicht mehr im Krankenhaus sein und keiner hilft ihm, raus zu kommen…ich sagte, ich mache einen Notfall aus ihm, dann würden sie den Schlauch schneller ziehen. Das lockerte mit der Zeit die Stimmung etwas auf.

Punkt 2: Erst redeten die von „kleinen Dingern um die man sich jetzt nicht kümmern müsse“ und nun gehts am Montag schon los mit der Bestrahlung. Die größere Raumforderung läge am Gefühls- und Wissenszentrum und wenn das wächst, würde er abstumpfen und es gäbe eine Wesensveränderung. Davon hatten die am Montag aber nichts gesagt…alles nur Häppchenweise, die Informationen. Ach ja und wenn wir schon dabei sind, erwähne ich jetzt nochmal

Wir wissen immer noch nichts was mit der Lunge nun ist…Röntgenbilder sehen gut aus, toll…aber hat er jetzt einen Tumor ODER NICHT!!! Ich weiß immer noch nicht welche Klassifizierung, welches Stadium usw. Das kotzt mich so an..auf der Neuro kann ich nicht mal einen Arzt fragen – falsche Abteilung, da eben Neurologie und nicht Thorax…die könnten zwar in die Akte schauen, aber haben ja lle immer zu tun..

Man könnte denken, er hat keinen Tumor in der Lunge…der eine redet so, der andere Arzt jedoch so und ausserdem, wo kommen dann die Hirnmetastasen her?? Ich rasste bald aus!

Mittlerweile war es Mittags bzw 14 Uhr und ich sagte, ich gehe jetzt nochmal die Schwestern nerven. Ich ging an die Theke und sprach eine Schwester an und sie wusste sofort bescheid um was es ging.

Wie – es war noch niemand da?, sagte sie und sprach einen vorbei rennenden Arzt an. Dieser wusste auch bescheid und sagte zu mir, das die blonde Ärztin bereits Druck oben in der Thorax gemacht hat. Er sagte zudem noch, er sagt es ihr (blonde Ärztin) und sie wird noch mal da anrufen um Druck zu machen.

Die Schwester kam 5 Minuten später ins Zimmer und hat den Verband erstmal wieder neu gemacht. Sie hat viel mehr Mull usw verwendet, damit es eben ein bisschen länger trocken bliebe. Sie schüttelte den Kopf und sagte, dass dies ein echtes Unding wäre. Wie kann man mit Patienten nur so umgehen…und das von einer Schwester…da sah man wieder deutlich, wie in Wirklichkeit mit Menschen umgegangen wird. Ich verstehe ja, wenn die OP´s haben, oder Notfälle reinbekommen. Aber 3 Tage lang nur Versprechen und nicht kommen? Das nervt..ein Kassenpatient wird wie ein Mensch 2. Klasse behandelt. So was darf nicht sein…

Heute ist inzwischen der 3.! Tag mit dem abgesöpselten Schlauch der suppt.

Ich sagte klar und deutlich, dass sowas eine Infektion nach sich ziehen kann, und das somit auch eine Lungenentzündung provoziert werden würde. Ich sagte noch – aber das wissen SIE doch besser als ich! Abgesehen davon ist es mehr als unangenehm und überhaupt nicht tragbar.

Ich habe versucht freundlich zu bleiben, die auf der Neuro können ja nichts dafür. Aber ich war sehr bestimmt und etwas angefressen, dass konnte ich nun nicht unterdrücken. Ich habe aber vollstes Verständis bekommen..naja…

Der Nachmittag war eher lustig. Wir haben trainiert, mit dem Bettnachbar und seiner Frau gesprochen und der Tag ging schnell rum.

Gegen Abend wurde es wieder ernster und ich meinte, ich gehe heute NICHT eher weg, bis die den Scheiss Schlauch gezogen haben. Ist mir ganz egal, ob die Besuchszeit nur bis 20 Uhr geht – sollen die mich doch erstmal hier raus bekommen.

Um halb 7 Uhr ging die Tür auf und ein Thoraxchirurg kam rein, mit einer Schwester. Na endlich dachte ich mir..wurde ja mal echt Zeit!

Schatz hat sein Sweater hochgeschoben und sollte sich auf die Seite drehen. Auf einmal war er sichtlich nervös und fragte ängstlich und etwas verkrampft ob das weh tun würde. Der Arzt sagte – Nein, sie merken gar nichts.
Der Verband, der wieder durchnässt war, wurde erst entfernt, dann hat der Arzt die Nähte durch geschnitten, die den Schlauch am Körper fixiert hatten. Ich stand an seinem Bett und ich habe über seinen Arm gestreichelt, den er über seinen Kopf legen sollte.

Der Arzt sagte – Atmen sie tief ein und halten die Luft an, dann pressen. Schatz tat dies und die Schwester zog beherzt den Schlauch aus seinem Körper.
Man war der lang, 40 cm etwa.
Der Arzt sagte – normal Atmen und zog den Faden, der an seinem Körper war, fest.

Nochmal tief einatmen, Luft anhalten und pressen, sagte der Arzt – Schatz machte das mit verzerrtem Gesicht. Alles gut – sagte ich und streichelte ihm über seinen Arm. Ist schon vorbei, sagte ich.

Dann sollte Schatz ein 3. mal tief einatmen und pressen und der Arzt knotete weitere Schlingen mit der Naht. Er sagte, das ist um zu sehen ob es dicht wäre.

Neugierig fragte ich den Arzt, wie das denn sei, ob da jetzt nicht ein Loch in der Lunge ist, und wie das jetzt mit dem Atmen ist.

Er sagte, klar ist da jetzt erstmal ein „Tunnel“, aber die Muskeln würden das verschließen, alles wäre gut.

Die Schwester machte einen neuen Verband, nach einer Desinfektion, und er sollte noch 5 Minuten liegen bleiben.

Wir bedankten uns und schon war der Arzt weg. Ich meinte dann, ist ja echt Klasse…eine Sache von wenigen Minuten und da brauchen die 3 Tage um das zu machen? Na super!…

Ich fragte Schatz ob er was bemerkt hatte und er verneinte. Langsam entspannte er sich und ich sagte ihm, dass alles gut ist und er es überstanden hat.

Er ist dann aufgestanden und musste auf Toilette. Insgesamt wackelt er noch beim gehen, läuft aber schon schneller, dass ich sagte – hey mach doch langsam..Nicht so schnell, pass auf.

Er war so froh und sagte, es ginge ihm jetzt viel besser schon. Alleine das der Schlauch endlich raus ist hat schon viel bewirkt – Kopfsache.

Nach einer weiteren halben Stunde bin ich dann auch langsam los. Schatz brachte mich vor bis zur Stationstür, ist schon ein Stück Weg, und wir verabschiedeten uns.
Ich wartete noch bis er wieder in sein Zimmer gewankt war, und bin dann in den Fahrstuhl gestiegen und zum Bus.

Mich nervt es auch, dass er das Wochenende im KH bleiben soll. Ist doch alles gut bis jetzt. Warum kann er nicht übers Wochenende nach Hause?
Morgen wollen die nochmal „ein Bild“ machen…bin ja mal gespannt. Vielleicht kommt er auch wieder hoch auf die Thorax, denn soweit wie ich das sehe, ist erstmal keine Kopf OP geplant. Sonst würden die ja keine Bestrahlung einleiten.

Andererseits weiß ich ja gar nicht ob die Lunge noch aktuell ist und wie und wo und was und warum…Warum sagt keiner was..man MUSS doch den Patienten informieren…ach menno…

Bis dann

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