Endlich mal ein schöner Tag

Ob man von schönen Tagen im Krankenhaus reden kann – na ich weiß ja nicht..aber heute war einer der Tage, die man durchaus als schön bezeichnen kann.

Um 11 Uhr war ich auf der Station und ging in sein Zimmer. Auf seinem Platz lag ein ganz anderer Mann. Ich bin dann zur Theke gegangen und habe nach meinem Mann gefragt. Die Schwester wusste gleich bescheid und sagte mir, dass er noch auf Intensiv wäre, aber gleich hoch käme. Dann sagte der Stationsarzt, welcher auch an der Theke saß, dass mein Mann übers CT nach oben käme, würde halt noch dauern.

Alles klar, sagte ich, dann gehe ich nochmal runter. Die Schwester meinte – ja gehen sie spazieren, dass kann noch dauern.
Die Ärztin, mit der wir das OP Gespräch hatten, saß auch an der Theke und als ich ging sagte sie voller Fröhlichkeit, dass sie (die Ärzte) super zufrieden wären mit der OP und das alles super gelaufen wäre. Das hört sich doch gut an, dachte ich mir und freute mich offensichtlich.

Clever wie ich bin, dachte ich mir, ich gehe runter zum CT und warte dort auf meinen Schatz. Ich stellte mich auf 1 – 2 Stunden Wartezeit ein und spielte an meinem Handy. Ca. 10 Minuten später kam er aber schon mit dem Bett angefahren und freute sich mich dort zu sehen. Nach weiteren 20 Minuten kam er aus dem CT wieder raus und ich bin mit ihm gemeinsam auf die Station gefahren.

Er hat jetzt ein anderes Zimmer bekommen. Mit ihm auf dem Zimmer ist ein 80 Jähriger pensionierter evangelischer Pfarrer. Ein süßer Kerl, hört schwer seit seiner OP (die Ärzte sagen das ist normal, OP war heute) und sieht aus wie eine Mischung aus Papa Schlumpf und Konfuzius. Ein echt lieber Kerl.

Nachdem die Pfleger das Bett von Schatz richtig positioniert haben, seine Sachen aus dem anderen Zimmer geholt hatten und seine Tabletten gebracht haben, konnte ich ihn endlich richtig begrüßen.
Er war ganz vergnügt, keine Spur von Übelkeit. Im Gegenteil – er hatte Hunger! Er hat auf der Intensiv gefrühstückt. Erst ein halbes Brötchen, dann die andere Hälfte auch.
Er erzählte mir wie es ihm letzte Nacht noch so ergangen war und ich erzählte meinen Abend. Wir machten Witze darüber, dass er ja einen Blasenkatheter hat und das er immer noch deswegen sein OP Hemd anhat. Seinen Kasten hat er abgeklemmt bekommen und nach seiner Aussage, kommt der auch nicht mehr dran. Es müsse halt noch der Schlauch gezogen werden. Das sollte eigentlich heute sein. Auch der Blasenkatheter sollte heute raus.

Gestern Abend haben sie ihm einen Flutter gebracht, er muss UNBEDINGT seine Lunge trainieren. Erstens um eben zu trainieren, und auch damit er keine Lungenentzündung bekommt. Auch muss er noch abhusten – gewollt, und zwar so, das der Auswurf blutig ist. Wenn er Rosa ist, ist es gut, je dunkler um so besser aber auch. Es ist deswegen, weil dann der „Kern“ rauskäme aus der Lunge. Also tiefes Sekret, wegen der Drainage. Das ist sehr wichtig.

Er hat sich dann mehr oder weniger dran gehalten. Also er hat schon mit dem Flutter gearbeitet..so ist das nun nicht.
Wir haben sehr viel gelacht – das war ein schönes Gefühl. Er sagte mir, er denke die haben bei der OP sein „Lustigzentrum“ geöffnet, denn er hat wirklich über alles gelacht. Es lief im Fernsehen „The Big Bang Theorie“ und diese Folge haben wir schon bis zur Vergasung gesehen. Er hat aber herzlich gelacht über die Gags, als hätte er es zum erste mal gesehen. Er hat über die Fliege an der Wand gelacht! Schön!

Mitterweile war es halb 1 Uhr und das Essen wurde ausgeteilt. Schatz hat nichts bekommen, wahrscheinlich weil die dort nicht wussten wann er wieder da ist und es gab nichts für ihn.
Aber „Mutti“ ist ja schlau und ich habe auf Verdacht ihm Käsebrote mitgebracht und 2 Bananen. Er hat 2 Käsebrote gegessen und eine Banane hinterher. Ich bin dann auch für eine halbe Stunde erstmal runter ins Bistro und habe auch Mittag gegessen.

Als ich wieder oben war, haben wir dann trainiert. Er hat auf der Intensiv ein „Lungentuch“ bekommen. Das soll er sich um den Rücken legen und vorne auf der Brust über Kreuz legen. Wenn er dann hustet, soll er das Tuch festziehen, damit sich die Lunge hebt und das tiefe Sekret besser ausgeworfen werden kann.
Also habe ich das Tuch um ihn herum gelegt und er hat seine 10 Minuten mit dem Flutter trainiert und jedes mal wenn er husten musste, hat er das Tuch fest gezogen und der Auswurf war rosa. Sehr gut Schatz, dass machst du super – habe ich ihn gelobt.

Nach 5 Minuten Pause kam dann das „Voldyne“ dran. Da muss er einatmen damit das Volumen trainiert wird. Der Schieber kommt bis zur 2500 Marke. Das ist schon sehr gut! Auch da habe ich ihn gelobt, wenn er es bis dahin geschafft hat. Meistens ging es nur bis zur 2000 Markierung, manchmal auf 2250. Aber eben auch manchmal auf die 2500 Markierung.

Die Stunden verstrichen, aber es kam weder ein Arzt, noch eine Schwester (oder Pfleger) rein. Er sollte doch seine Schläuche abbekommen.
Naja, vielleicht machen die das auch später, wenn ich nicht mehr da bin. Macht nichts.

Auf der Thoraxchirurgie kamen „ständig“ Pfleger um die Ecke, aber auf dieser Station irgendwie nicht. Dabei hatte ich angenommen, dass auf der Neuro öfter mal einer vorbei kommt, da liegen schließlich die ganzen frisch operierten. Naja, wieder etwas das ich nicht verstehen muss. Den ganzen Tag über kam niemand.

Wir haben nur gealbert und gelacht. Es tat sooo gut. Gegen 17 Uhr haben wir dann nochmal trainiert. Dann kam auch schon das Abendessen.
Schatz wollte das nicht, ihm missfällt das die den Käse auf die Wurst legen und der Käse dann nach Wurst riecht und schmeckt. Er hat dann von mir die restlichen Käsebrote gegessen und die Banane. Dazu gab es Pfefferminztee.

Wir haben uns noch kurz ernster Unterhalten, weil ich sagte, dass wir seit Sonntag irgendwie keine Infomationen mehr bekommen. Wir wissen immer noch nicht – hat er jetzt Lungenkrebs, oder nicht, und wenn doch warum sagt das keiner – und wenn doch nicht, woher kommen die „Hirnmetastasen“ und dieses Thema eben.

Er sagte zu mir, ich soll auf jeden Fall darauf bestehen die Befunde und alle Bilder in Kopie zu bekommen. Das ist ja mal super klar! Ich würde am liebsten mal seine Akte lesen damit wir mal bescheid wissen. Natürlich kümmere ich mich darum, die Befunde usw in die Hand zu bekommen. Geht gar nicht anders, ich bekomme IMMER die Arztbriefe usw in die Hände. Das ist mir wichtig!

Dann haben wir noch ein bisschen uns mit dem Pfarrer und seiner Frau unterhalten und es war sehr lustig.
Kurz bevor ich gegangen bin, haben wir noch mal herzlich gelacht und ausgemacht was ich morgen alles mitbringen soll. Auf jeden Fall wieder Brote. Er würde sogar das Krankenhausessen essen, aber erst wenn er es gesehen hat. Wenn es schon „scheisse“ aussieht, isst er es auch nicht.
Klar bringe ich ihm morgen auf jeden Fall wieder was von zu Hause mit!

Ich wollte dann los und der Pfarrer sprach mich an. Er wollte mir kurz die Hand geben und als ich sie ihm gab, lobte er mich ganz lieb.
Er sagte, er fände es so schön wie ich mit meinem Mann umginge, wie herzlich und führsorglich und auch wie ich seiner Frau begegnet wäre. Auch für die Freundlichkeit und Geduld ihm gegenüber, er hört ja schwer.

Ich mache mir keine Gedanken darüber wie andere über mich denken, warum auch, er ist mein Mann und mein Leben und ich bin halt so wie ich bin. Aber wenn das jemanden anderen „auffällt“ und es so süß angemerkt wird, hat mich das schon mit Freude erfüllt. Hört man halt gerne in dem Moment.

Ich bedankte mich höflich für das schöne Lob und wünschte dem pensionierten Pfarrer alles Gute und wir würden uns ja morgen wieder sehen.

Dann bin ich los – endlich mal erfüllt von einem guten Gefühl.

Ich hoffe dass das auch so bleibt. Also nicht nur morgen, oder so, bitte eine ganze Weile. Wie das weitergeht mit Bestrahlung und was weiß ich, ist etwas an das ich heute nicht denken mag. Es hat so gut getan meine Liebe so lachen zu sehen und seine Fröhlichkeit zu erleben.
Alles Schlechte war heute so weit weg, als wäre es nicht geschehen.
Dafür Danke ich dem Kosmos!

Bis dann

P.S. Ich habe seit dem 30.06, also der Einweisung ins Krankenhaus bis heute 4 Kilo abgenommen. Ich esse zwar gefühlt die ganze Zeit, bis auf den Tag der Nachricht der Hirnmetastasen..da konnte ich nichts essen..heute morgen bemerkte ich das meine Hose irgendwie lockerer saß und ich bin auf die Waage… – 4 Kilo… Ich finde es zwar gut, da ich die letzte Zeit viel zugenommen habe, aber unter solchen Umständen ist es schon komisch…

2 Gedanken zu “Endlich mal ein schöner Tag

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