Zwischen Leben und Tod

Meine Mam sagt mir immer, ich soll mir nicht so viele Sorgen und Gedanken machen und positiv denken. Sie hat ja Recht, aber ich habe dafür keine Kraft. Ich bin entgegen meinem „Sternzeichen“ ein ziemlich realistischer Mensch…zumindest kann ich das sein. Aber jetzt der Reihenfolge nach..

Ich kam im Krankenhaus an und – oh was eine Freude – mein Schatz begegnete mir in der Vorhalle. Sehr wackelig ist er gelaufen, aber er ist gelaufen! Wir sind ins Bistro und haben uns dort hingesetzt.
Er hat mir erzählt, wie es ihm bisher ergangen war und ich ihm meinen Tag bzw Nacht zu Hause erzählt
Auf einmal ist ihm wieder brechend schlecht geworden und er wollte wieder hoch aufs Zimmer. Er hat sich auf mich gestützt und wir sind dann hoch.

Oben wurde er schon gesucht, er soll ja heute zum MRT. Eine Stunde später haben sie ihn dann abgeholt und ich bin wieder runter, sowas dauert ja immer. Also nicht die Untersuchung, aber bis er dann endlich auch dran kommt.

Ich muss noch vorne weg sagen, oben auf seinem Zimmer war ihm schlecht und schwindelig. Ich bin nur an seinem Bett gesessen und wir haben uns nur noch ganz wenig unterhalten. Jede Kopfbewegung war ein Anreiz, dass er brechen musste…

Wieder eine Stunde später rief mich mein Schatz an, er wäre wieder auf dem Zimmer. Ich wollte mir noch ein Brötchen holen und schon klingelte das Telefon wieder. Schatz war dran, ich solle doch jetzt sofort hoch kommen.

Mit einem Klos im Magen bin ich hoch – ich wusste eigentlich schon was mich erwartet.

Er lag im Bett und er erklärte mir, dass die Ärzte was im MRT gesehen haben und er morgen unters Messer MUSS! Er wollte das ja eigentlich nicht, aber es ist wirklich dringend.

Ein Arzt kam ins Zimmer und er erklärte mir dann auch nochmal, was sie gesehen haben und wie die weitere Vorgehensweise ist.

Ich wusste es von Anfang an…Er hat eine sehr große Raumforderung am Stammhirn und diese drückt auf das Kleinhirn. Wenn wir nichts machen, hat er vielleicht noch 3 Wochen!

Schatz willigte natürlich in die OP ein. Der Arzt sagte auch, es wären auch 2 kleine Dinger von oben im Gehirn, aber um die müsse man sich jetzt nicht kümmern..
Ich fragte trotzdem, wie es dann weitergeht. Ich fragte, wie sein Überleben nach der OP ist. Der Arzt meinte, dass könne er nicht sagen – dass könne man aber bei niemanden.

Wie ist das mit den anderen 2 „Dingern“? Nun ja – dann käme Bestrahlung eben für den Kopf.

Was mich verwirrt hat war, der Arzt sprach immer von Metastasen. Aber er hat doch gar keinen Lungentumor..wieso dann Metastasen?

Hat der doch Lungenkrebs? Der Befund aus der Pathologie lag noch nicht vor…

Ich fasse kurz zusammen….

* Einweisung ins Krankenhaus wegen hochgradigem Verdacht auf Lungenkrebs
* Bei der Bronchoskopie wurde kein Tumor gefunden, Ärztin sagt „Glück gehabt“
* Arzt (im Übrigen wieder ein ganz anderer) sprach heute von Hirnmetastasen

was ist denn nur los? Was verschweigen uns die Ärzte? Vor allem sollte doch schon vergangener Mittwoch, oder Donnerstag ein MRT gemacht werden..durch die Bronchoskopie wurde das dann nicht gemacht..weil kein Tumor gefunden…undnur weil ihm mehr und mehr schlecht wurde, haben die ein MRT heute gemacht…verstehe ich nicht…

Ihm ist schlecht und schwindelig und er kann nichts essen, oder trinken, wegen dieser Hirnmetastase..deswegen wirken auch die Medis gegen die Übelkeit nicht.

Warum kommt mir das alles so verdammt bekannt vor? Ich weiß es doch…bei Bienschen (unser verstorbener Freund) war es genau der gleichen Weg.

Schlecht, Übelkeit, Übergeben, usw… 4 Monate nach Diagnose war er gestorben…

Er wurde um viertel nach 2 Uhr dann auf die Neurologie verlegt. Von da an, war es richtig schlimm. Er trank ein Schluck Wasser – promt kam dieser wieder raus. Er hat sich die Seele aus dem Leib gekotzt – auch wenn gar nichts mehr im Magen drin war. Er konnte seinen Kopf gar nicht mehr bewegen – ihm war schlecht.

Morgen früh soll die OP sein, dann 1 Tag Intensiv und je nach dem wie er sich erholt, kann er dann übermorgen wieder auf Station.

Die Ärzte sind ganz zuversichtlich und versprachen meinem Schatz, dass es ihm recht schnell besser ginge nach der OP. Also das mit der Übelkeit wäre dann weg..klar..für die ist es eine RoutineOP, aber was ist mit unserer Zukunft? Mit unseren Ängsten…ich gehe nicht davon aus, dass etwas schief geht oder so…die machen das schon.

Was mir mehr Sorge bereitet ist – ist alles jetzt doch nur noch palliativ? Lebensverlängernd? Für wie lange…Wochen? Monate? Eine Heilung ist das nicht – sagte die Ärztin bei dem OP Vorgespräch..ich weiß ja das Heilung für Ärzte was anderes Bedeutet als für den Otto Normal Verbraucher…

Ich weiß auch, ich kann Bienschen nicht nicht meinem Schatz vergleichen…vielleicht aber doch…es ist, als würde es sich alles wiederholen was vor 4 Jahren passiert ist – und wenn ich alles sage, MEINE ICH AUCH ALLES!

Wenn er morgen auf Intensiv ist, kann ich auch erst später zu ihm. Die haben ja strenge Besuchzeiten, erst ab Nachmittag auch. Verstehe ich ja, aber ich will zu ihm, ich muss bei ihm sein.

Schweren Herzens bin ich dann um halb 6 Uhr gegangen. Ich muss mich zusammen reissen nicht los zu heulen, denn wenn ich nach Hause komme, wartet erstmal die Arbeit auf mich. Bleibt ja alles liegen den Tag über. Und niemand weiß das er im Krankenhaus ist. Ich bin fröhlich gegenüber unseren Freunden und Bekannten und wenn sie mich nach meinem Schatz fragen, erzähle ich eben glaubhaft die Geschichte weiter, warum er nicht da ist.

Am Anfang habe ich nicht verstanden warum er nicht sagen will, was er hat und ins Krankenhaus muss. Mittlerweile verstehe ich das.

Ich will nicht ständig gefragt werden wie es ihm geht, und was passiert. Ich will auch nicht ständig Mitleid entgegen gebracht bekommen und mitleidig angesehen werden.

Das ist etwas, dass mache ich mit mir aus. Wenn die Bombe platzt, werde ich sowieso ständig „bedrängt“ werden. Ist ja auch lieb gemeint dann, wenn sie ständig fragen ob ich was brauche, oder wie meine Freunde mir helfen können. Aber ich will das nicht. Ich will einfach nur meine Ruhe haben! So bin ich…

Wenn meine Mam diese Zeilen liest, bricht es wieder ihr Herz…das tut mir leid, denn das will ich auch nicht. Wenn sie mich fragt, wie es ihm geht und ob sie mir helfen kann ist das logischerweise aber auch etwas ganz anderes…

Bis dann

2 Gedanken zu “Zwischen Leben und Tod

  1. Guten Morgen Veronica,waren mit Freunden am Hertha See danach zum Feuerwerk in Rauenthal.Und da gab es ein Büdchen und in dem gab es WeinSchorle –ich hab seit langem keinen Alkohol mehr getrunken und habe eine mächtigen Schwips. Aber zu Hause angekommen –Facebook angemacht und geschaut und unbedingt nochmal Blog.de. Bin gleich zu Dir um zuschauen ob es was gibt.Und dann lese ich das alles.Und ich muss meine Gedanken loswerden.Wenn Du böse bist auf meine Worte oder ich Unruhe zur Unruhe stifte das verzeih oder schies mich auf den Mond.Meine Gedanken sind=======WAS verschweigen die Äzte?Es wird nur einer sein nämlich der oberste der den Überblick hat und alle anderen tanzen nach seiner Pfeife und sagen was man nach außen hin sagen soll.Hier ist bei allem für mich der Eindruck das Zeit gewonnen werden soll(wie der Probant sich entwickelt)Wieso war der Befund nicht da.? ?Denn dannach dreht sich doch alles wie man weiterverfahren soll! Wenn soviel Köche am Brei sind das kann nicht gut gehen -laut Sprichwort.–Vielleicht gab es nie nie Hirnmetastasen-vielleicht sind die ja erst“losgeschickt “ worden durch diese ganze Behandlung oder es gibt garkeine. Und die kannst Du Dir doch zeigen lassen und auf dem Röntgenblatt steht–muss ja wohl–sein Name mit Datum . Und das allerhärteste=wieso können die garantieren oder versprechen das es ihm bald besser geht—das verstehe wer will -ich nicht.Ist dann etwa eine Frist abgelaufen in der man ein Medikament an ihm getestet hat.Also wie doof soll man denn sein. ——-Das mußte ich loswerden weil es mich bedrückt hat.Ich gehe jetzt in mein Bettchen und es ist Dienstag um viertel vor drei morgens.Gute Nacht–und Kraft für Dich heute .Pamela.(Traurischguck)

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    • Guten Morgen pemmi 🙂

      Ich bin dir für deine Worte nicht böse, warum auch..
      Mein Mann sagte auch schon öfters, dass alles „eingefädelt“ wäre..es geht alles Hand in Hand über und der sogenannte elitäre Kreis der Ärzte schweigen sich aus. Sie geben zwar Informationen, aber lassen sich natürlich nicht in den Topf schauen – wenn wir bei den Köchen bleiben…
      Die sagen, dass die Metastase auf das Kleinhirn drückt, und wenn sie das entfernen ist ja auch der Druck weg. Von daher sollte es ihm dann besser gehen…

      Ich habe gestern gegoogelt und dabei gelesen, das auch Hautkrebs Hirnmetastasen auslösen kann. Angenommen er hat wirklich keinen Lungenkrebs – ich habe beim duschen mit ihm, bei ihm einen etwa 1 cm großen schwarzen Fleck an seinem seitlichen Bauch entdeckt. Das werde ich heute ansprechen, die sollen sich das dann mal ansehen.

      Nicht das ich jetzt nach jedem Strohhalm greife..vielleicht ist heute auch endlich mal der Befund da und er hat doch Lungenkrebs…ach ich weiß gar nichts mehr…

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