Hochzeitstag im Krankenhaus

Ich trau mich nicht mich zu freuen, denn es ist noch nichts sicher…aber erst mal auf Anfang.

Um Mitternacht habe ich mir den Champagner aufgemacht und in unsere Gläser gefüllt. Um Punkt 00 Uhr habe ich angestossen und aus seinem Glas zuerst getrunken, dann aus meinem.
Ich trinke nicht viel Alkohol und als die beiden Gläser leer waren, die ich synchron getrunken hatte, merkte ich den Alkohol schon sehr. Ich schenkte in sein Glas nochmal ein und fing an mit mir zu reden. Ich war traurig, dass ich alleine war und mein Schatz im Krankenhaus sein muss mit so einer schlimmen Sache.

Ich rief die Mondgötttin an, und den Kosmos und fing an zu flehen und zu bitten und war wieder völlig verzweifelt. Durch den Champagner war das sicherlich noch emotionaler als sonst, aber ich habe alles rausgelassen – tut auch gut letztenendes.

Auf einmal war die Flasche leer und ich sternhagel voll und bin dann weinend eingeschlafen. Heute morgen bin ich gegen 7 Uhr aufgewacht und mir war schlecht. War ja klar. Habe mich dann geärgert, warum ich auch die ganze Flasche trinken musste. Geht gar nicht, und habe mich nochmal umgedreht. Gegen 9 Uhr wurde ich wieder wach und mir gings besser. Zwar nicht fit, aber besser.

Erstmal unter die Dusche, die Lebensgeister wecken. Das hat gut getan. Meine Augen waren immer noch total geschwollen und man sah, dass ich geweint hatte. Ich hasse das. Mit einem Eisblock versuchte ich die Schwellung etwas zu bekämpfen. Ging nicht so wirklich.
Ich habe mir dann die Wimpern getuscht und etwas mit Lidschatten getrickst, so ging das dann auch soweit. Also meine Optik. Ausserdem ist heute mein Hochzeitstag und ich wollte mich sowieso etwas aufhübschen für meinen Engel.

Gegen 10 Uhr war ich fertig mit Anziehen usw und bin dann los. Zunächst Richtung Bank, die Miete will bezahlt werden und auch andere Dinge, was man halt so zu bezahlen hat.

Um 10 vor 11 Uhr bin ich im Zimmer angekommen und wir haben uns erstmal einen schönen Hochzeitstag gewünscht. Später am Nachmittag sind wir mal eine Runde gelaufen. Die Ärzte sagen, er muss sich bewegen und nicht nur liegen, das verhindere eine Lungenentzündung und macht schneller wieder fit ausserdem. Wir sind dann runter an den Kiosk und haben uns ein Eis geholt. Waren auch kurz draussen, aber es war sooo heiss. Sind dann gleich wieder hoch aufs Zimmer und das war schon viel Anstrengung für meinen Schatz. Genug für heute.

Schatz geht es insgesamt aber besser als gestern. Ob das an den Schmerzmittel lag, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich schon. Auf jeden Fall hatte er – im Gegensatz zu gestern – kaum OP Schmerzen und war auch sonst recht fit eigentlich. Er hustet wieder mehr und spuckt Blut. Der Pfleger meinte aber, das würde nichts bedeuten, das ist bei allen so die eine Bronchoskopie hatten. Aber das dachte ich mir schon, denn er hat seit Wochen kein Blut mehr gehustet.

Ich fragte ihn, ob die Visite schon durch ist und er nickte. Na dann erzähl doch mal, sagte ich. Und jetzt kommts!

ER HAT VIELLEICHT GAR KEINEN KREBS

Bei der Bronchoskopie haben sie die ganze Lunge gespiegelt und eigentlich keinen Tumor gefunden. Auf den Bronchien wären aber Beläge drauf und das massig. Ausserdem viel mehr Wasser als vermutet. Während der OP haben die Ärzte 1 Liter Wasser raus geholt! Verklebt haben die nichts, denn es ging schlicht nicht. Die ganze Lunge war voller Wasser!

Während der letzten Nacht hat er nochmal 1 Liter Wasser abgelassen, in diesen Kasten den er hat und als ich kam, waren wieder 600 ml in dem Kasten gewesen. Das „Wasser“ ist nicht mehr so rot, eher hell und bräunlich mittlerweile. Was das heisst, weiß ich nicht, ich denke mal, das langsam alles Wasser raus ist..oder so…

Er erzählte dann weiter, dass die Ärztin gesagt hat, dass sie ihm 4 cm von der Lunge „abgeschnitten“ hätten und das in die Pathologie schickten um festzustellen, ob nicht doch noch Krebszellen vorhanden sind bzw um festzustellen was das für ein Belag ist. Die Ärztin sagte aber, es wäre wahrscheinlich kein Krebs. Sie haben Glück gehabt – sagte sie auch.

Wenn das alles wahr ist und er keinen Lungenkrebs hat – ist es das Schönste, Beste, Sagenhafteste Geschenk das man sich nur vorstellen kann! Und diese Nachricht kam heute…hat sich das Schicksal einen üblen Scherz mit uns erlaubt?, wollte es uns damit was sagen?

Ich bin so froh, so dankbar, so verunsichert…

Bei den ganzen Röntgen und CT Untersuchungen, die uns auch erklärt wurden, sind die Ärzte sofort von einem bösartigen Tumor ausgegangen. Fakt ist, es ist ja auch etwas an der Niere zu sehen., sowie an den Lymphknoten in der Lunge. Sind das keine Metastasen?, ist es auch so ein Belag? Was ist das..oder hat er doch Krebs…

Warum gehen die Ärzte gleich von Krebs aus..warum können die nicht sagen, es KÖNNTE Krebs sein, es KÖNNTE aber auch das und das sein, und es KÖNNTE…!

Mir ist klar, das eine Ungewissheite bei so einer Sache auch super schlimm ist. Aber gleich NUR von Krebs zu sprechen ist unsagbar gemein, vorallem wenn sich raustellt, dass es gar kein Krebs ist! Der emotionale Schaden, der angerichtet wird, ist nicht wieder gut zu machen…schon gar nicht von den Weißkitteln…sollen die doch ihre Diagnosen erst dann fest machen, wenn sie ALLE Untersuchungen gemacht haben. Ist das denn so schwer?

Ich bin hin und her gerissen. Soll ich mich freuen, dass er keinen Krebs hat und „überlebt“ und mit mir weiter alt werden darf, oder kommt der große Hammerschlag doch noch um die Ecke..was soll das denn!

Ich kann nicht verstehen, wie der Mensch es geschafft hat auf den Mond zu fliegen, wenn er nicht mal in der Lage ist seine chicken, tollen und teuren Untersuchungsgeräte auszuwerten. Sei es Röntgen, sei es PET CT, sei es was weiß ich…man muss sich die Dinge IMMER selbst anschauen, dazu muss man eben den Betroffenen aufschneiden. Medizintechnisch gesehen sind wir immer noch tiefstes Mittelalter…wie konnten wir nur den Mond erreichen…ich verstehe gar nichts mehr im Moment…echt nicht.

Ich bin wieder so verunsichert und durcheinander wie zu Anfang.

Vorallem hat er alle (Krebs)Symptome. Starke Gewichtsabnahme, Schwindel, Schwäche, Kopfschmerzen, Übelkeit, Hautveränderung (super trockene Haut), Husten…

Es ist so eine tolle gute Nachricht von der Ärztin gewesen, aber ich traue mich nicht, mich zu freuen…

Bis dann

5 Gedanken zu “Hochzeitstag im Krankenhaus

  1. Trieb mir kurzfristig Pipi in die Augen.

    Warte mal die Testergebnisse ab. Wer weiß, was ist.
    Im Moment bist du/seid ihr, auf einer Achterbahn der Gefühle.
    Es geht ihm gut und das, genau das ist jetzt wichtig.

    Das mit der Flasche Champagner, nun, betrachte deine Lage, den Druck und dann gehe nicht so hart mit dir zu Gericht. Passiert ist passiert.

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  2. Ich falle zurück in die Lehne meines Stuhles ,
    einen guten Morgen Dir Veronika,
    hier vor dem PC-und ich habe große Augen und den Mund offen – und sage zu mir = das gibts doch nicht!! Wie kann das wirklich sein? Wie kommen die da jetzt erst drauf ? Warum machen die die Gäule scheu? Wenn ich mal überlege wenn ich als Näherin etwas nähen muss oder in einer Werstatt was schrauben ,drehen oder hämmern muss oder in einem Büro was tippen muss—dann schaut man sich an was man gemacht hat und man sieht alles ist gut oder hier und da muss ich nochmal ran.Kann man das mit einem Chirurgen vergleichen oder nicht? oder mit einem Arzt? Ich steh grade mal auf dem Schlauch—ich weis nicht ob man das vergleichen kann.Aber die haben doch auch ihre Erfahrungen–oder ist das weil jeder Mensch-als Patient– verschieden ist?Da fällt mir nichts mehr ein.——Doch es fällt mir was ein.Sei nicht böse–aber zu diesem Eintrag fällt mir eine kleine Anekdote ein –in Bezug–auf +KÖNNTE+ aber so ein wenig passt es.Vor einiger Zeit nahm ich es noch sehr ernst mit dem walken.Ich ging hier so um die Kurven und grünen Ecken.So in der Endphase dieser Tour fiel mir ein netter Herr auf mit einem Dackelähnlichen Hund.Ich kam näher und war wirklich sehr erstaunt.Der Körper war Dackel und perfekt.Aber das Fell war das eines Boxers mit dieser schwarzbraunen Musterung und glatt.Ich kam aus dem staunen nicht heraus und sprach direkt den Mann an als ich nher kam.Das vermeintliche Dackelchen kam gleich bei Fuss und wackelte freundlich mit dem Schwänzchen.Aus der Nähe betrachtet eine Sensation und ganz besonders.Ich fragte ganz erstaunt
    :was ist denn das für ein schönes Hundi“
    Mann: ja das ist ne neue Rasse -das ist ein Skann.“
    Ich:ach ja -habe ich noch nie von gehört das hört sich ziemlich neu an“
    Ich :und wo kommen die her oder werden die gezüchtet?
    Mann:hier,die kommen von hier .I
    Ich:ach was ich hab noch nie so einen goldigen gesehen.Wegen dem Rassenamen dachte ich ans Ausland.
    Ja und woher weis man das er Skann heißt:frage ich.
    Mann:tja da kann ich ihnen nur sagen–S kann des sein—- oder S kann des sein . Bis ich kapiert hatte das er mich veräppelt hatte–dauerte es ein paar Sekündchen und wir lachten beide herzlich.Da mußte ich noch lange nachschmunzeln.–Ich hoffe in Deinem Gesicht findet sich noch ein Muskelchen das jetzt auch schmunzelt.Ach ich bin auch irgendwie erleichtert …mit kleinem Eisenkügelchen und Kette in meinem Hinterkopf. Ich hoffe mit Dir –wie wir alle. Grüßle Pamela.

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    • Das mit dem Hundilein ist ja eine witzige Geschichte 🙂 aber so kann man sich irren 😉

      Was die Ärzte da verantstalten weiß ich auch nicht. Gerade der eine Arzt da, ein sogenannter „Spezialist von Lungentumoren“ sagte uns ja, es wäre ein bösartiger Tumor..CT und Röntgen hätten das gezeigt und das Blut bestätigt das…so…dann machen die eine Bronchoskopie und finden keinen Tumor, nur schwammige Beläge…was ich davon halten soll – keine Ahnung…grausam einfach…ich denke mir da – super ich bin auch ein Spezialist (in irgendwas) und was sagt das über mich aus? Das ich mich in einem Feld besonders auskenne? PAH!!!

      Aber erstmal abwarten..nicht zu früh freuen, der Phatologische Befund steht noch aus…am Ende ist es doch Krebs. Nicht der, den der „Spezialist“ diagnostizieren wollte, vielleicht etwas anderes eben..

      Gruß und immer schön kühl halten 🙂

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