4 Monate – paar Tage

Am 04. Sept 2010 lag Norbert bereites eine Woche im Bett und hatte stark abgenommen.
Er konnte sich fast nicht bewegen, so stark war der Schwindel und die daraus resultiernde Übelkeit.

Nichts, aber auch gar nichts konnte er in sich behalten. Manchmal hatte er aber Phasen, da blieb dann der Eistee, oder das Wasser im Magen.

Horst und ich waren jeden Tag bei ihm um zu schauen, wie es ihm geht. Einmal saß er sogar auf seinem Bett und es ging ganz gut.
Wir machten uns schreckliche Sorgen, wussten nicht was dieser Schwindel sollte.

Zu Hause haben wir beratschlagt, wie wir weiter verfahren wollten. Laut Norberts Aussage ging es ihm besser, aber ich konnte das nicht so recht glauben….
Montag war dann der 6. und wieder waren wir bei Norbert. Er lag im Bett, hatte keine Stimme mehr und es ging im schlecht.
Kurzerhand entschieden wir uns einen Notarzt zu rufen.

Als die Ärzte kamen, entschieden sie sich Norbert mit zunehmen, der auch mehr oder weniger bereitwillig mit ging. Es konnte keiner ahnen was auf uns zu kommen würde.

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Das war vormittags. Am Nachmittag haben wir ihm ein paar Sachen gebracht, das es hieß er müsste ne Weile im Krankenhaus bleiben. Ihm war nach wie vor schwindlig, aber er hing am Tropf und konnte sich trotz heiserer Stimme gut unterhalten.
Er meinte, die Ärzte wüssten noch nichts genaues….später war die Rede von einer Zyste im Gehirn, dann aber doch eine oder mehrere Metastasen aufgrund der Lungenkrebsdiagnose….

Das war ein Schock für uns…..

Zuerst bekam Norbert 10 Bestrahlungen auf den Kopf und dann hatte er eine Gehirn-OP, bei der sie 2 Metastasen herausnahmen. Der Schwindel verringerte sich etwas, blieb aber bis zum Ende bestehen.

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Es war Anfang November als Norbert endlich nach Hause durfte.
im Krankenhaus konnten sie ihn nicht wirklich aufrappeln, haben es meiner Meinung auch gar nicht versucht. Es kam täglich ein PhysioTherapeut für ganze 10 Minuten!, denn durch das ständige Liegen und den Schwindel hatte er das Laufen verlernt bzw gar keine Kraft in den Beinen.

Er bekam so einen „RenterFlitzer“ so ein Rollgehding und damit ging es langsam. Er war wieder etwas mobil, und so konnte er dann nach Hause.

Wir nahmen ihn in Empfang und waren alle guter Dinge. Seine Schwester Petra, ihre Freundin Silvi und wir waren da und es war echt lustig. Wir gaggerten über die Zeit im Krankenhaus und malten uns alle aus, wie es weiter geht – bergauf natürlich….diesen Eindruck hatte auch Norbert gemacht. Wir ahnten nicht, das er uns alle anlog, bzw uns nicht die volle Wahrheit sagte.

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Von dem ersten Tag dann ging es Berg ab.

Petra und Silvi bestellten Essen auf Räder und den Pflegedienst, der einmal am Tag kommt.

Horst und ich waren dagegen, denn er sollte ins Leben zurück finden und kein Pflegefall werden. Norbert hatte gezeigt, wenn er will, dann kann er auch.

Aber die waren anderer Meinung und besorgten ihm sogar einen Klostuhl, den er dann im Schlafzimmer stehen hatte, da rein gemacht hat und Petra hat den immer brav ausgewaschen usw.

Sie hat ihm Häppchen geschnitten, damit er es einfacher hat beim essen, sie ist nur hin und her gesprungen wenn er sie nur ansah.

Wir versuchten mit ihr zu reden, das dies der falsche Weg ist – er muss das alles selber machen, auch oder eben WEIL er krank ist. Sonst gewöhnt er sich dran und dann wird das nichts.

Petra sagte immer nur : Ich meine es ja nur gut, es ist ja mein Nobsi.

Horst hat ihm Griffe an die Wände gemacht, damit er aufs Klo kann und sich abstützen bzw hoch hiefen, wenn er aufstehen will. Er hat ihm Griffe in die Dusche gemacht, damit er sich fest halten kann..

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Dann kam der Punkt, da rief Petra uns an mit den Worten: Ich kann nicht mehr, kannst du öfter nach ihm schauen, mir wird das zuviel!

Wir dachten, wir hören nicht richtig. Erst drängen sie ihn in diese Pflegehaltung und jetzt sind sie überfordert….

Er war einmal duschen, das war am Anfang als er Heim kam. Er hatte also 2 Monate nicht mehr geduscht und helfen lassen wollte er sich auch nicht.
Petra konnte ihn dazu nicht bewegen, auch zu sonst nichts, wie zB sich wenigstens rasieren oder so…und er hatte doch sonst immer so Wert darauf gelegt, das er gepflegt ist.

Im Gegenteil.

Mittlerweile war es ja auch so, das er seit Anfang Dezember täglich abgeholt wurde und zum JoHo gefahren wurde. Er hatte ja noch seinen Tumor in der Lunge. Dieser sollte bestrahlt werden, damit man ihn operieren kann.

Zeitgleich wurde er immer mehr zum Zombie durch diese Medikamente. Novalgin, Morphium und andere Hammerteile, die ihn total weg geschossen hatten.

Dann, kurz nach seiner Heimkehr fing er an zu rauchen….und er trank….Bier, Wein, harte Sachen….er aß nicht, oder nur Süßes…..

Immer mehr hörte er: MACH das, du MUSST das und das machen, Warum MACHST DU nicht…..irgendwann, in einem lichten Moment griff er uns alles an und meinte, keiner solle ihm sagen was er zu machen und zu tun hat, er entscheidet das für sich alleine wann er Lust hat was zu machen usw….

Gut….wir handelten so, weil wir immer im Kopf hatten, wenn er seine Bestrahlung macht, dann kann er operiert werden und dann kann er sein Leben retten.

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Vor 2 Wochen war der Hausarzt da und war entsetzt. Norbert sah schlecht aus. Er war ganz Gelb, ob nun vom NichtDuschen, rauchen, oder den Medikamenten (Leber) und er war unterernährt. Er war so dünn und mager, ein Anblick des Grauens. Ihm wurde nahe gelegt, sich ins Krankenhaus einweisen zu lassen. Norbert stimmte zu.

Am nächsten Tag, sagte Petra zu ihm, das sie im Krankenhaus auf ihn warten würde, er hatte ja Bestrahlung.

Zu uns sagte er völlig verwirrt, warum denn Petra im Krankenhaus auf ihn warten würde, warum, versteht er nicht.

Wir schauten uns an und wussten, er weiß gar nichts mehr…er ist total weg, er weiß nicht was er morgens sagte usw…..matsch….

Aus lauter Angst das sie ihn im Krankenhaus behalten würde, war er nicht zur Bestrahlung gefahren….uns erzählte er jedoch das er war.
Erst am nächsten Tag erfuhren wir durch Petra das er nicht da war, sie hatte vergebens auf ihn gewartet.

Ein paar Tage ging es so….Norbert sagte immer brav er gehe zur Bestrahlung.

Petra war überfordert und war nicht mehr bei Nobert, auch nicht um ihn seine Tabletten zu richten. Wir wussten davon erstmal nichts, uns viel nur auf wie klar er auf einmal war. Er schaute einen schon ganz anders an. Er war DA und nicht abwesend….Hoffnung keimte in uns auf

Am Montag (10.01.2011) gingen wir in den Edeka und die Mariane erzählte uns das die Polizei und 2 Ärzte bei Norbert waren. Sie war dabei, hatte ja die Tür aufgemacht.

Norbert war seit 2 Wochen nicht mehr bei der Bestrahlung und hat sich auch nicht abgemeldet. Da dachte das Krankenhaus, er läge halt Tod in der Wohnung und da mussten die ja schauen.

Die Ärzte redeten mit ihm und er hätte einen klaren Eindruck gemacht, wäre im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte und es läge keine Selbstgefährdung vor, sodas sie seinem Wunsch nach kamen, das er zu Hause bleiben wolle.

Petra war dann auch wieder jeden Tag da und gab ihm dann auch seine Tabletten wieder. Horst sagte, seitdem war er wieder der Zombie.

Am Freitag (gestern) rief uns dann so gegen halb 3 (15 Uhr) Petra an und teilte uns mit, das Norbert Tod ist.

Alles im allem war er aber von Anfang an zum Tode verurteilt und er wusste das. Es gibt eine sehr heftige Komplikation – Tumokachexie – die Nobert mit ganzer Härte traf. Selbst wenn er WOLLTE, er konnte einfach nicht….Erschöpfungszustände und eine schlimme Auszehrung des Körpers sind nur 2 verheerende Wirkungen dieser Kachexie.

Wir wussten davon nichts und dachten er wäre einfach faul und ließe sich gehen…wir lagen soo falsch damit und es zerreißt uns das Herz!

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Horst ist direkt zu ihm in die Wohnung gefahren, ich konnte nicht. Ich blieb zu Hause und telefonierte alle Leute ab die von seiner Erkrankung wussten um denen zu sagen, das er den Kampf verloren hat.

Das war so schlimm…..

Als Horst wieder nach Hause kam, erzählte er wie es war.

Norbert musste die Nacht vorher schon böse gehustet haben. Das Bett war voller Blut, also so gesprenkelt wie man eben Blut hustet.

Er ist dann aufgestanden und hat sich auf seinem Platz am Schreibtisch gesetzt. Da muss er dann nochmal gehustet haben, denn da ist er dann auch gestorben. Er wurde von der Petra halb sitzend gefunden. Die Schulter lehnte gegen den Schreibtisch und sie dachte er schläft.

Er reagierte nicht und sie rief einen Arzt.

Sie legten ihn auf die Couch und der Arzt stellte den Tod fest. Er muss in der Nacht bzw in den frühen Morgenstunden gestorben sein.

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Er hat die Dinge immer mit sich selbst ausgemacht…keiner konnte wissen wie es wirklich in ihm aussah.

Er hat sich nicht gewehrt, nur kurz vorm Ende, als er sagte, keiner soll ihm sagen was er zu tun und zu lassen hat, denn er hätte es vielleicht so gerne getan, aber er KONNTE ES EINFACH NICHT

Als man ihn mal fragte, was er denn will: sagte er LEBEN

Aber er rauchte immer mehr, er trank Alkohol, und er aß nicht mehr….dann ging er nicht mehr zur Bestrahlung, er hatte abgeschlossen, und aufgegeben und es ging so schnell…ich weiß es nicht…

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Wie soll man dem Tod begegnen,
wenn er vor der Türe steht?
Soll man hoffen, soll man beten,
flehen, daß er weitergeht?

Ja! Er soll nur weitergehen –
denkt man und vergißt dabei,
daß nur der Tod kann es verstehen,
wenn einer sagt: Ich bin soweit.

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Es weiss ja keiner, der’s nicht erlebt
wie’s ist, wenn einer die Flügel hebt
und leise, leise sich auf die Reise – die letzte macht.
Es weiss ja keiner, dem’s nicht geschah
wie’s ist, wenn einer nun nicht mehr da.
Wenn leer die Stätte des, den man
hätte so gern noch nah.

Am 27. Januar wäre er 52 Jahre alt geworden

3 Gedanken zu “4 Monate – paar Tage

  1. Das hört sich alles schlimm an, aber er wollte es so, sonst hätte er all die Hilfe angenommen und umgesetzt. Für Ihn ging sein Wunsch in Erfüllung. Schlimm ist es nur für die Hinterbliebenen die einfach nicht loslassen können.

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  2. Mein Herzlichstes Beileid

    Es ist schmerzhaft, aber es ist gut das er nun an einem besseren Ort ist. Kein schwindel mehr, keine übelkeit mehr, keine leiden mehr.

    Möge er In Frieden Ruhen ….

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